Und auf Erden Stille - Die Serienbesprechung

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    • @Agatha

      Naja, sie müssten es ja wissen, denn auf dem Weg nach draußen begegnen sie ja noch dem wachhabenden Jungen und einem Mann, der sie gehen lässt, weil nicht die Rede davon war, wie viele Menschen Novis verlassen würden, sondern nur dass dies geschehen würde.

      Aber angesichts der Ordnung, die da angedeutet wird in Folge 1 scheint es doch eher unwahrscheinlich, dass das einfach so hingenommen würde. Da bräuchte es sicherlich eine plausible Erklärung. Entweder dass man behauptet, sie sei offiziell auf einer (harmlosen) Mission. Oder eben dass sie bei der Jagd verschwunden ist (inklusive inszenierter Suche nach ihr, von der wir aber nichts mitbekommen).

      Für mich eine große Schwierigkeit bei UAES ist auch gar nicht mal, dass ich die Handlung nicht spannend finden würde, sondern vielmehr, dass hier Aspekte in den Fokus gerückt werden, die ich persönlich eher weniger interessant finde als das, was vorher alles angedeutet wurde in der Exposition. Natürlich ist so ein Trip nach Manhattan, gespickt voller Herausforderungen, unterhaltsam und spannend. Auch wenn man sagen muss, dass es jetzt nichts weltbewegend Neues und darum überbordend originell ist.

      Aber wir erfahren ja in der ersten Folge von so vielen Dingen, von Novis, von dem Virus, das durch die Frauen übertragen wird und die Männer dahinrafft, von der religiös organisierten Gemeinschaft in Rhiannons Umfeld, von anderen Gemeinschaften wie den Waldratten, den Wallianern, die noch dazu eine große Gefahr darstellen und immer näher kommen usw. Und all das finde ich so originell und spannend, dass dieser Weg Rhiannons nach Manhattan über viele Folgen für mich eher der eigentlichen Geschichte, die ich mir wünschen würde, gewissermaßen im Wege steht. Und das finde ich halt schade. Da wird die Serie (in meinem Fall) ein Stück weit zum Opfer ihrer eigenen aufregenden Exposition, könnte man sagen: Es werden so viele Fässer aufgemacht, so viele spannende Sachen angedeutet, dass dies eine Erwartungshaltung weckt, die mit der dann letztlich doch eher konventionelleren Geschichte, die dann erzählt wird, nicht so recht Schritt halten kann, weil all das im weiteren Verlauf plötzlich überhaupt keine Rolle mehr spielt.

      Ganz sicher ist das alles nicht unspannend! Ich bin nur halt nach Folge 1 auf ganz andere Details scharf, muss ich gestehen. :zwinker:
      "Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt."

      Oscar Wilde
    • Hardenberg schrieb:

      Ich bin nur halt nach Folge 1 auf ganz andere Details scharf, muss ich gestehen.
      Und ich muss gestehen, dass mich die "Gegenwart" mehr interessiert als der Rhiannon Handlungsstrang. :kopffass:
      Die Andeutungen mit den Terroristen, der Virus, seine Freisetzung etc.
      Ich würde noch gerne mehr über den langsamen Zusammenbruch der gesellschaftlichen Strukturen erfahren.
      Besser Illusionen die uns entzuecken als zehntausend Wahrheiten
    • Smeralda schrieb:

      Ich würde noch gerne mehr über den langsamen Zusammenbruch der gesellschaftlichen Strukturen erfahren.
      Ja, man hat hier durch die Zeitsprünge diverse "Baustellen" aufgemacht, die man entsprechend weiterführen muss.
      Und das sollte eben nicht zu oberflächlich geschehen, indem man alles nur anreißt, aber nicht näher ausführt.
      So etwas lasse ich mir in Staffel 1 noch gefallen, weil man halt zeigen möchte, was alles "da" ist, auch an Gruppierungen außerhalb von "Novis" , der ja quasi neue Virus, der die Männer befällt, die Hör-Empfindlichkeit etc.pp..
      Hier sind so viele Stränge, die man weiterführen könnte/ müsste - und das sollte dann in Staffel 2 auch stärker geschehen als bisher, wenn man das Niveau nicht absenken möchte.
      Aber ich bin da eigentlich zuversichtlich. :zustimm:
      "Sorge dafür, dass jeder Tag mit einem Abschlusslacher endet" (A.Fröhlich)
    • Agatha schrieb:

      Hier sind so viele Stränge, die man weiterführen könnte/ müsste - und das sollte dann in Staffel 2 auch stärker geschehen als bisher, wenn man das Niveau nicht absenken möchte.
      Hoffen wir das Beste!
      Es wäre sehr schade um die Serie. Aber die kurzen Laufzeiten machen mich doch skeptisch, leider sogar sehr skeptisch.
      Für mich war die erste Staffel gut, aber sie hat auch das Potential auf sehr gut :]
      Besser Illusionen die uns entzuecken als zehntausend Wahrheiten
    • @Smeralda
      @Agatha

      Ja, das kommt noch dazu: Ich fand die Rückblende auch fesselnder. Sie war aber auch fokussierter, konzentrierte sich eben auf die relevanten Fragen, die zuvor aufgeworfen wurden, während die Haupthandlung eine letztlich doch eher konventionelle "Fluchtgeschichte" erzählt, bei der die als komplex angedeutete Welt eher in den Hintergrund trat.

      Für Staffel 2 hat man nun die Schwierigkeit, das befriedigend und eben nicht oberflächluch weiterzuführen, beide Erzählstränge vielleicht sogar in einem münden zu lassen.

      Und dabei scheint sich doch in unserem Austausch zunehmend herauszukristallisieren, dass die geringe Lauflänge der Einzelfolgen eine große Schwierigkeit darstellt. Eine Geschichte wie UAES lässt sich so nur schwerlich erzählen, weil zu viel auf der Strecke bleiben muss, wenn man innerhalb der üblichen zehn Folgen einen Bogen schlagen will: Figurentiefe, schlüssige Herleitung der Handlung, detaillierterer Einblick in die geschilderte Welt.

      Und ich sehe es tatsächlich wie Smeralda in ihrem Fazit: Man spürt das ungeheure Potential, aber es entfaltet sich nicht. UAES könnte eine absolute Top-Produktion sein. Das Zeug dazu hätte die Serie. Aber sie bleibt unter ihren Möglichkeiten. Für mein Empfinden eben vor allem auch wegen des Formats. Ich denke, mit zehn Folgen à 50-60 Minuten hätten viele Schwachpunkte, die ich genannt habe, vermieden werden können. Und ich meine damit nicht Redundanzen, sondern noch ein bisschen mehr Butter bei die Fische, um es mal prosaisch auszudrücken. :zwinker:
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      Oscar Wilde
    • Neu

      So, es wird mal wieder Zeit für die nächste Folge...

      Episode 04


      SPOILER-Warnung!
      In Folge 4 machen sich Rhiannon und der Ranger auf den Weg nach Manhattan. Der neue Mann an ihrer Seite ist gut orientiert, kennt den Weg, doch sie bleibt dennoch auf der Hut, hält Abstand, ist misstrauisch. Sie haben einen Deal gemacht: Er führt sie sicher nach New York, dafür muss sie ihm bei einer Sache helfen, die er jedoch nicht näher erläutert.

      Auf ihrem Weg müssen sie sich vor Schlangen hüten und vor der Gruppe der Sniper, die Jagd auf Menschen macht, vielleicht sogar Kannibalen sind.
      Sie queren eine Farm mit dem Namen Elysium, vollautomatisiert und von einem hohen Zaun umgeben. Als sie das Gelände durchschreiten, werden die beiden plötzlich von einem Tiger angegriffen. Dieser ist zuvor, mit zwei Artgenossen, aus dem Zoo ausgebrochen.

      Auch dem Farmer Luke begegnen sie, der abweisend und frauenfeindlich ist, ihnen aber ein Nacht auf dem Hof gewährt. Doch die kurze Rast wird unterbrochen, als die Tiger sich ihren Weg ins Innerste bahnen.


      In dieser vierten Episode nun beginnt also der Marsch nach New York. Wieder einmal ist die Handlung sehr pointiert und knackig gehalten. Langeweile kommt nicht für eine Sekunde auf, allerdings werden hin und wieder Dinge in einer Geschwindigkeit abgehandelt, die nicht vollständig befriedigt. So wird doch über den Tod von Lisa recht lapidar hinweggegangen. Dieser wird zwar kurz erwähnt, auch dass Rhiannon Ranger noch misstraut, aber so recht plausibel erscheint die Verbindung zwischen den beiden nicht. Rhiannon hat sich durchaus zugetraut, den Weg allein auf sich zu nehmen, und sie ist dabei ja auch bisher recht erfolgreich gewesen. Warum sie sich nun dazu genötigt sieht, sich ausgerechnet mit Ranger zusammen zu tun, obwohl dieser gerade erst ihre Freundin getötet hat, wird nicht wirklich zufriedenstellend hergeleitet. Sicher, die Welt in UAES ist eine unwirtliche, gefährliche und sicher kann es nicht schaden, den Bedrohungen zu zweit zu trotzen, zumal wenn man den richtigen Weg nicht kennt, aber würde man sich ausgerechnet mit dem Mörder der besten Freundin zusammentun? Er behauptet zwar, in ihrem Sinne gehandelt zu haben, weil die Folgen der Vergiftung durch den Sturz in den Fluss noch weitaus schlimmer gewesen wären, doch welchen Grund hat Rhiannon eigentlich, Ranger diese Erklärung abzunehmen? Sie kennt ihn nicht, er ist ein vollkommen Fremder – ebenso gut hätte sich Lisa wieder berappeln können und Ranger dies als Gefahr für seine eigenen, noch im Dunkeln liegenden Pläne erachten. Ich behaupte nicht, dass es so ist, aber so, wie uns diese Geschichte serviert wird, ist diese Lesart zumindest denkbar. Insofern erscheint die Reaktion von Rhiannon, jedenfalls in dieser Verkürzung, nicht nachvollziehbar. Das wichtigste Gut bei einer solchen gemeinsamen Mission ist das Vertrauen. Und welche Grundlage hat Rhiannon nach der Tötung ihrer Freundin, um Ranger auch nur für einen kurzen Moment über den Weg zu trauen?

      Ein weiteres Mal sehe ich hier das Problem der kurzen Laufzeit. Das alles hätte man befriedigend herleiten können, aber dann hätte man der Entfaltung dieser Figurendynamik eben ein wenig mehr Raum geben müssen, Szenen finden, in denen das beinahe zwangsläufige Misstrauen von Rhiannon wenigstens partiell durchbrochen wird. So wirkt es wie: Ich hab deine Freundin getötet. Oh, wie fies.Es musste sein. Okay.Dann lass uns jetzt zusammen gehen, der Weg ist hart.

      Um nicht missverstanden zu werden: Die Grundidee ist auch hier gut. Auch der Gedanke, Figuren in das Geschehen einzuführen, die ambivalent, vielleicht sogar undurchsichtig sind, finde ich eine gute Entscheidung. Aber es gibt eben auch so etwas wie Figurenlogik – und die Charaktere sollten eben aus ihrer Sicht plausibel handeln. Und das sehe ich hier nicht ausreichend berücksichtigt. Es ist wie mit dem plötzlichen Rauswurf bzw. der plötzlichen Mission, die Krysztof Rhiannon aufzwingt. Natürlich kann es für all das Motive geben, die uns zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt sind. Aber es wäre dann gut gewesen, die beteiligten Personen so handeln zu lassen, dass diese Möglichkeit wenigstens erahnbar ist, denn wir alle wissen nicht, worauf dies hinausläuft – außer dem Autor –, und wenn man nicht möchte, dass es wenig plausibel erscheint, dann braucht es Raum zur Deutung. Dieser fehlt hier für mein Empfinden aber oft, so dass der Gedanke naheliegt, dass es einfach nicht befriedigend ausgearbeitet worden ist.

      Mit dem alten Farmer Luke tritt eine neue schillernde Figur in das Seriengeschehen, sie zeigt eine feindliche Haltung, vor allem Rhiannon gegenüber, und ein weiteres Mal stellt sich die Frage, wo eigentlich die Frauen sind in dieser Welt, in der die jungen Männer mit Erreichen der Geschlechtsreife mehrheitlich sterben. Das ist ein weiterer Punkt, der mich etwas betrübt. Wir werden hingeleitet auf eine Mission, bei der rechts und links lauter Fragen liegen, die zu ergründen viel spannender wäre als der Kampf mit einem Tiger oder die Furcht vor Snipern, auch wenn dies natürlich ebenfalls für sich genommen Kurzweil und Spannung erzeugt. Es fällt schwer, sich voll auf das Geschehen einzulassen, wenn es doch so viele Eckpunkte dieser Welt gibt, die Rhiannon bereits kennt, wir aber durch den Autoren nicht gezeigt bekommen: Was hat diese Krankheit mit der Stellung der Frauen in der menschlichen Gesellschaft gemacht? Welche verschiedenen Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens gibt es noch? Wie funktionieren sie? Wie gehen die Menschen mit den Folgen der Viruskatastrophe um? Kurz: Was genau ist es, was die Mission von Rhiannon so zwingend und wichtig macht? Das ist im Gespräch mit Krysztof in Folge 1 im Grunde nur recht oberflächlich angeschnitten worden, spielt aber nun im weiteren Verlauf gar keine Rolle mehr. Das ist schade, weil all diese Leerstellen dazu führen, dass es schwerfällt, sich auf die Reise einzulassen. Die großen Fragen überschatten all diese Szenen.

      Das führt dazu, dass diese vierte Episode zwar wie gewohnt sehr mitreißend und spannend inszeniert ist, am Ende jedoch wieder ein wenig enttäuscht. Das alles wirkt auf der einen Seite oft ein wenig überhastet, auf der anderen Seite werden ständig neue Hinweise auf Details dieser Welt eingestreut, die den Figuren klar sind, aber uns als Hörer eben nicht. Die klassischen Mystery-Serien punkteten immer mit dem Wissen, das der Hörer gemeinsam mit den Figuren erlangen musste. Frustrierend wird es jedoch, wenn alle beteiligten Charaktere deutlich mehr zu wissen scheinen als der Hörer.

      Abgesehen davon gelingt es den Machern jedoch natürlich, ein paar sehr spannende Szenen zu kreieren, die durchaus Spaß bringen. Die Handlung ist sehr dynamisch gestaltet, die Wechsel innerhalb der Szenen bieten keinen Raum für Langeweile, die Sprecher machen einen tollen Job. Nichtsdestotrotz gewinne ich den Eindruck, dass in dieser Welt noch so viel mehr mögliche Geschichten angedeutet werden, die mich in Teilen deutlich mehr interessieren würden als die doch recht konventionelle Reise durch eine unwirtliche Natur mit all ihren Gefahren. Vielleicht ist das der Punkt, der mir am meisten Unbehagen bereitet: Die Prämisse und das Setting sind originell und wirken komplex – aber die Geschichte, die innerhalb dessen erzählt wird, ist oft doch eher recht konventionell geraten: solide inszeniert, spannend, durchaus unterhaltsam, aber eben irgendwie gestrickt aus Zutaten, die man im Grunde alle schon so oder so ähnlich gehört hat. Bis hierhin wird dem Genre für mein Empfinden viel zu wenig Neues abgerungen. Dabei bietet die Grundidee doch offensichtlich mehr als genügen Ansatzpunkte.

      Alles in allem also eine unterhaltsame Weiterführung der Geschichte mit einigen Spannungsmomenten, die aber ein weiteres Mal an dem Wissensnachteil des Hörers gegenüber den Hauptpersonen und einer teils zu lapidaren Fortentwicklung der Handlung kränkelt. Keine schlechte Folge, aber eben auch kein Überflieger.

      Solide und kurzweilig, angesichts des faszinierenden Settings aber doch eher unterkomplex.

      :st: :st: :st: :st3: :st2:




      .
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      Oscar Wilde
    • Neu

      Hardenberg schrieb:

      Das wichtigste Gut bei einer solchen gemeinsamen Mission ist das Vertrauen. Und welche Grundlage hat Rhiannon nach der Tötung ihrer Freundin, um Ranger auch nur für einen kurzen Moment über den Weg zu trauen?
      Vielleicht ist es aber in der unschönen Welt, in der Rhiannon leben muss, mittlerweile gar nicht mehr möglich, erst zu jedem, der überhaupt noch da ist, großartig ein tiefes Vertrauensverhältnis aufzubauen, eben weil man sich Helfer bzw Unterstützung nicht mehr aussuchen kann, sondern nehmen muss, wer/was da ist.
      Klar hätte der Ranger ihre Freundin einfach umgebracht haben können, aber diese Welt soll ja wohl an allen Ecken und Enden von unvorhergesehnen Gefahren nur so wimmeln.
      Vielleicht rechnet Rhiannon deswegen auch gar nicht damit, dass der Ranger sich das mit dem tödlich giftigen Wasser einfach nur so ausgedacht haben könnte, um sie hereinzulegen (zumal Lisa ja bereits schwer krank ist und Medis, egal welcher Art, Mangelware zu sein scheinen), da sie die Begegnung mit dem Mann für absolut zufällig hält, er dort in der Gegend lebt, und sie sein Wissen hinsichtlich des Flusses nicht anzweifelt.
      Das Wasser sah ja wohl auch wirklich übel aus, wenn ich mich recht erinnere...
      Ich denke, ich hätte da auch alles auf eine Karte gesetzt und mich ihm angeschlossen.
      Die Menschen haben ja bereits so gut wie alle Angehörigen und ihr normales, geordnetes Leben verloren, sie existieren mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen, müssen sehen, wie sie an Essen kommen und dabei nicht ihrerseits zu solchem werden, die Seuchen überstehen etc.pp...
      Das hätte garantiert längst zur Folge gehabt, dass man "abgestumpft" wäre gegenüber weiteren Verlusten. Wahrscheinlich auch dem der besten Freundin...

      Hardenberg schrieb:

      Nichtsdestotrotz gewinne ich den Eindruck, dass in dieser Welt noch so viel mehr mögliche Geschichten angedeutet werden, die mich in Teilen deutlich mehr interessieren würden als die doch recht konventionelle Reise durch eine unwirtliche Natur mit all ihren Gefahren.
      Ja, hier liegen etliche Szenerien "am Weg" bzw. bleiben (zumindest noch) "auf der Strecke", auf die der Autor aus Zeitgründen nicht mehr genauer eingehen kann, was er aber eigentlich tun müsste, um eine "runde", für alle inhaltlich befriedigende Geschichte daraus zu machen.
      Aber das ist ja bereits seit Folge 1 der Fall.
      Ich denke, viele Hörer wird das auch gar nicht weiter stören, sie sind mit den Versatzstücken zufrieden, die bisher über Rhiannons Welt bzw. die Vergangenheit geliefert wurden und stellen darüber hinaus keine weiteren Fragen.
      Man muss als Autor nun mal einen Mittelweg finden, wenn man bloß eine begrenzte Folgenzahl und -Länge zur Verfügung hat, die Story aber trotzdem maximal spannend machen und möglichst viele entsprechende Elemente hineinpacken will.
      Das ist bisher nur leidlich gelungen, wobei ich aber auch keinesfalls sagen möchte, dass ich die Geschichte schlecht fand oder vor lauter offener Fragen ständig nur am Grübeln wäre. ;)
      Denn es könnte sich ja vieles noch in der nächsten Staffel klären.
      "Sorge dafür, dass jeder Tag mit einem Abschlusslacher endet" (A.Fröhlich)
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      @Agatha

      Ich verstehe Deinen Punkt bei der Geschichte um Rhiannon und Ranger und sehe es eigentlich genauso. Aber ich finde es halt nicht gut genug herausgearbeitet. Als Hörer möchte ich nicht aus der Geschichte auftauchen, um dann für mich selbst zu analysieren: Naja, hier hatte der Autor nicht genügend Raum, sondern ich möchte, dass die Figurenlogik innerhalb der Geschichte befriedigt wird. Das ist für mein Empfinden an dieser Stelle nicht gut genug gelungen.
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      Oscar Wilde
    • Neu

      Nur zur sachlichen Ergänzung:

      • Es gab kein Konzept einer Staffel von sagen wir 8h, das dann aus Kostengründen auf 4h gestrafft wurde;
      • Das fragmentarische Anreißen von Infos, die länger ungeklärt stehenbleiben, ist gewollt, kein Fallenlassen oder Vergessen. Ob einem das gefällt, steht natürlich auf einem anderen Blatt;
      • Zur Recherche hatte ich neben verschiedenen Büchern zum Thema Zivilisationszerfall auch Berichte über Kindersoldaten, Verhalten von Kindern nach Verlassenwerden und PTBS herangezogen. Rhiannon und die anderen Heranwachsenden wären unrealistisch gezeichnet, würde man sie nach Verhaltensmaßstäben anlegen, die in unserer (noch) „intakten“ Gesellschaft als normal gelten. Das gilt insbes. für Fragen der Bindungsfähigkeit, Vertrauen und Stressresilienz („permanenter Überlebensmodus“)
      … und wieder weg.
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      Interplanar schrieb:

      Nur zur sachlichen Ergänzung:

      • Es gab kein Konzept einer Staffel von sagen wir 8h, das dann aus Kostengründen auf 4h gestrafft wurde;


      Aus Kostengründen war jetzt auch nicht meine Annahme, sondern eher weil man attraktiver für das Streaming-Publikum sein wollte.
      Aber letztlich ist es ja auch egal, warum man sich zu dieser Laufzeit entschieden hat. Für mein Empfinden funktioniert das in der Umsetzung leider nicht so gut. Es ist für meinen Geschmack einfach zu viel Handlungsfortschritt pro Folge bei zu wenig Lauflänge. Für mich wirkt daher vieles zu überstürzt, Figurenmotivationen sind in Teilen nicht so recht nachvollziehbar (in dieser Geschwindigkeit) und es ist dort zu wenig Raum, die Feinheiten noch mehr herauszuarbeiten, wo ich dies besonders lohnenswert fände. Kürze birgt natürlich immer das Risiko, dass die Handlung (wenigstens in Teilen) "plakativ" erscheint.
      Ich denke, derselbe Handlungsfortschritt bei deutlich längerer, vielleicht sogar doppelter Spielzeit wäre zugunsten der Figuren- und Handlungstiefe gewesen.
      So jedenfalls mein Eindruck. Denn es ist ja alles da, was es braucht. Man spürt, dass das alles im Kopf des Autoren vorhanden ist. Aber es spiegelt sich leider nicht immer ausreichend in den Szenen wider, finde ich.

      Interplanar schrieb:

      Das fragmentarische Anreißen von Infos, die länger ungeklärt stehenbleiben, ist gewollt, kein Fallenlassen oder Vergessen. Ob einem das gefällt, steht natürlich auf einem anderen Blatt;

      Das ist aber nicht mein Punkt. Im Gegenteil, ich liebe Geschichten, bei denen es diese Leerstellen gibt, die sich erst später auflösen.
      Mein Problem hier ist vielmehr, dass diese Leerstellen das eigentliche Geschehen überstrahlen. Normalerweise ist es ja so, dass man von einer Handlung mitgerissen wird, rechts und links mögen diese Mysterien sein, die faszinieren, aber wir kommen gar nicht so recht dazu, uns darüber Gedanken zu machen, weil die Haupthandlung uns fortreißt. Erst hinterher, mit ein wenig Abstand, grübeln wir über das, was im Hintergrund vielleicht noch wirken könnte - und was wir noch nicht wissen.
      Hier haben wir eine doch am Ende recht konventionell erzählte Mission, die eingebettet ist in eine faszinierende Welt voller Geheimnisse und Mysterien. Diese werden aber auf der Reise kaum thematisiert. Hauptsächlich geht es eben nur um das "Flucht"motiv. (Obwohl es ja gar keine echte Flucht ist.)

      Mein Hauptproblem dabei ist aber, dass die handelnden Figuren einen Wissensvorsprung gegenüber dem Hörer haben bei ganz vielen Dingen. Das ist bei vergleichbaren Stoffen meist anders und macht gerade den besonderen Reiz aus: dass nämlich wir als Hörer gemeinsam mit dem Protagonisten durch eine düstere Welt tappen und uns mit ihm fragen: Was geht hier vor?

      Bei UAES ist es dagegen so, dass Rhiannon vieles weiß, aber einfach nicht thematisiert. Zumindest weiß sie mehr als wir. (Wer sind die Wallianer? Wer sind die Waldratten? Wie funktioniert das Leben in Novis? Wie ist die Stellung der Frau in der Gesellschaft angesichts dieses Virus? usw.) Das sind alles Dinge, die sie weiß, aber uns gegenüber nicht äußert, bzw. nicht thematisiert werden. Wenn sie es nun selbst nicht wüsste und erst ergründen müsste - okay, dann würde sich gerade daraus Spannung ergeben. Aber wenn ich dauerhaft den Eindruck habe, die Figuren wissen mehr als ich und haben darum gar nicht dasselbe Interesse, Antworten zu finden, ist das halt ein wenig "frustrierend".

      Das ist zB bei dem Handlungsstrang um den Journalisten in der Rückblende ganz anders. Da sind wir auf einem Niveau mit ihm - und es funktioniert wunderbar. Für mich darum auch die bis hierhin beste Folge.


      Interplanar schrieb:

      Zur Recherche hatte ich neben verschiedenen Büchern zum Thema Zivilisationszerfall auch Berichte über Kindersoldaten, Verhalten von Kindern nach Verlassenwerden und PTBS herangezogen. Rhiannon und die anderen Heranwachsenden wären unrealistisch gezeichnet, würde man sie nach Verhaltensmaßstäben anlegen, die in unserer (noch) „intakten“ Gesellschaft als normal gelten. Das gilt insbes. für Fragen der Bindungsfähigkeit, Vertrauen und Stressresilienz („permanenter Überlebensmodus“)
      … und wieder weg.

      Naja, wir müssen aber nicht darüber sprechen, dass in der künstlerischen Umsetzung Dinge, die realitätsnah geschildert werden, unrealistisch wirken können - und umgekehrt. Kunst ist ja nicht Dokumentation. Kunst ist Kunst und versucht also, mit künstlerischen Mitteln Realität abzubilden. Mir fällt da die Anekdote von Hitchcock ein, der Cary Grant und Ingrid Bergman am Set für eine Liebesszene ausrichtete und sie zu diesem Zweck an einer Wand platzierte, wo sie sich einige Male um sich selbst drehen und dabei küssen sollten. Alle Umstehenden haben sich die Haare gerauft ob des absurden Bildes, das das abgab. Die beiden wirkten nicht wie ein Hollywood-Traumpaar, sondern wie zwei Idioten, die sich an eine Wand quetschen. Doch Hitchcock bestand auf seiner Idee und hatte natürlich genau im Kopf, wo die Kamera zu jedem Punkt der Szene zu stehen hatte und welcher Ausschnitt zu filmen war. Und am Ende ist eine der bis dahin intensivsten Liebsszenen des Kinos dabei herausgekommen, die so intensiv war, dass sie seitdem oft kopiert wurde.

      Was ich damit sagen möchte: Klar kann ich versuchen, dokumentarisch an die Sache heranzugehen und es so zu schreiben, wie ich meine, dass es in der Realität geschehen würde. Aber ich muss dann halt auch damit leben, dass bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr nachvollziehbar sind, weil sie für "normale" Menschen eben nicht plausibel erscheinen. Hilfreich ist es darum immer, die veränderten Bedingungen zuvor darzustellen, damit der Hörer auch weiß, wie die Dinge in dieser anderen Welt laufen. Einfach vorauszusetzen, dass jeder die eigenen Rechercheergebnisse zu Beginn des Hörspiels schon im Kopf haben wird, dürfte eine Fehleinschätzung sein. :zwinker: Und darum auch das Risiko der fehlenden Nachvollziehbarkeit steigen.

      Das ist ein bisschen wie bei The Walking Dead. Dort ist es ja auch so, dass die Figuren im Lauf der Zeit zunehmend ihre Mitmenschlichkeit verlieren, bis sie in einer der mittleren Staffeln sogar regelrecht zum Meuchelmassenmord greifen. Da kann man auch sagen: Klar, das ist realistisch in einer Welt wie der geschilderten. Da ist man halt nicht mehr hochmoralisch, sondern denkt irgendwann nur noch an das Überleben der eigenen Gruppe. Die Frage ist halt nur: Will man so etwas sehen?
      Ich für meinen Teil wollte das nicht.
      Denn es geht hier ja nicht um ein Format, das sich gewissen Problemstellungen annähern möchte und sich darum gern auch schwieriger Themen annimmt, sondern es geht hier um ein Unterhaltungsformat, das in Bezug auf Form und auch Zielgruppe eh schon in gewissem Sinne limitiert ist. Da wird eine "realistische" Darstellung von Verlust der Empathie auch schnell zur impliziten Glorifizierung von Gewalt und Selbstjustiz. Um mal ein Beispiel zu nennen.

      Bei UAES mag es durchaus einen anderen Umgang mit schwierigen Bedingungen geben. Die Menschen sind natürlich geprägt von der Welt, wie sie sich ihnen darbietet. Oder sollten es zumindest sein. Aber die Rhiannon, die wir kennenlernen, zeigt diese Besonderheiten nicht sonderlich ausgeprägt. Klar, sie ist tough. Aber sie leidet auch sehr stark unter dieser Welt. Sie ist alles andere als vollständig angepasst. Die Sorge, den Ohrschutz zu verlieren, frisst sie ja geradezu auf. Nähme man an, dass sie mit dieser Situation aufgewachsen ist, sollte man doch annehmen, dass der Umgang mit dem Lärm für sie selbstverständlicher geworden ist und sie darum routiniert damit umgeht. So wie eben auch mit anderen Dingen, die für sie Realität sind. Das ist aber nicht der Fall. Im Grunde ist sie uns in diesem Punkt sehr nah: Sie reagiert auf diese Welt, wie wir es täten, wenn wir gerade in sie hineingeworfen wären. Und so folgt man ihr als Hörer dann auch.
      Ebenso verhält es sich ja im Umgang mit den anderen. Mit Lisa geht sie um wie mit einer normalen Freundin in einer normalen Welt. Und Lisa tut es umgekehrt auch. Sie wirken miteinander eben nicht anders. Sie tragen den veränderten Bedingungen eben nicht Rechnung, indem sie sich in einer Weise verhalten, die uns aufmerken lässt, weil sie so völlig anders ist als das, was wir kennen. Mit anderen Worten: Die Außenwelt mag eine andere sein, in ihrem Innersten ist sie uns sehr ähnlich.

      Das hätte ich eben sehr gern noch weiter und detaillierter innnerhalb der Szenen dargelegt bekommen. Was macht eine solche Welt mit den Menschen? Wie verändert sie Gesellschaft? Wie das Fühlen und Denken?

      Bei Rhiannon habe ich dagegen eher den Eindruck, sie ist ein Mädchen, das aus unserer Welt in diese andere transferiert wurde. Man merkt ihr und den anderen die veränderte Lebensrealität und den völlig anderen Alltag überhaupt nicht an, außer in Äußerlichkeiten. Das ist wie bei dem Gespräch mit Krysztof, wo ihre Reaktion auf seinen Bannspruch ein eher liebenswertes: Das ist gemein! ist.

      Ich glaube kaum, dass so ein Kindersoldat nach sieben Jahren Gefangenschaft reagieren würde - und auch kein Mensch, der an Isolation und Dauerstress gewöhnt ist.

      Also nehme ich aus dem bisher Erzählten bis zu dem Punkt, an dem Lisa stirbt, an, dass Rhiannon eben im Grunde ein ganz normales Mädchen geblieben ist. Denn so wird sie geschildert. Und dann stirbt Lisa - und sie reagiert auf einmal überraschend unbekümmert. Tja, ist halt so, dann glaub ich mal ihrem Mörder und ziehe mit ihm los. Das hat mich einfach nicht überzeugt. Dabei will ich gar nicht die grobe Richtung kritisieren, sondern die Art, wie es umgesetzt ist. Klar kann man eine Situation kreieren, in der ein solcher Pakt ihr notwendig erscheint. Man kann sie mit sich hadern lassen und am Ende zu der schmerzlichen Überzeugung kommen lassen, dass es keinen anderen Weg gibt. Nur - dann muss man das halt auch so schildern. Wenn zwischen Lisas Tod und dem Aufbruch mehr Zeit verstrichen wäre und in der Zwischenzeit Gefahren und direkte Bedrohungen in der Umgebung des Hauses von Ranger spürbar geworden wären, dann hätte dieser Entschluss nachvollziehbarer erscheinen können. So erfolgt er mir einfach viel zu kurzfristig und wirkt beinahe blauäugig (Ranger gegenüber) und unempathisch (Lisa gegenüber). Und beides schien sie ja bis zu dem Punkt nicht zu sein: blauäugig und unempathisch.

      Aber wie gesagt: Das ist mein Eindruck. Andere mögen das anders sehen.

      Und dass man als Autor noch einmal ganz anders auf die eigene Story blickt, ist ja auch klar.
      Ich will UAES auch auf keinen Fall in Grund und Boden diskutieren. :zwinker: Wenn man gewisse Details herauspickt und analysiert, kann schnell der Eindruck entstehen, dass alles schlechter ist, als es in Wahrheit der Fall ist. Darum setze ich ja auch immer die Sterne, die auch dokumentieren sollen, wie das Ganze dann als Gesamt-Höreindruck rüberkommt, wobei drei Sterne solider Durchschnitt sind. So schlecht kommen die Folgen also bisher nicht bei mir weg.

      Aber ich tue mich halt einfach mit einigem etwas schwer.
      Und nutze darum das Forum, mich darüber mit anderen Hörern auszutauschen.
      Dass dieser Austausch nun auch den Autoren umfasst, ist für mich zwar völlig in Ordnung, aber sicher nicht Hauptantrieb meines Unterfangens, denn Autoren argumentieren ja aus einer ganz anderen Perspektive als die Hörer. Das kann ab einem gewissen Punkt schwierig sein, denn natürlich halten die Autoren ihr Werk für in sich rund, sonst hätten sie es ja nicht so freigegeben. Aber man kann halt schnell zu dem Punkt kommen, an dem es (oft auch zwischen den Zeilen) heißt: So oder so war es gedacht, und wer es nicht versteht, ist halt zu doof. (Wobei ich diese Sicht hier nicht unterstellen will!) Eine Perspektive übrigens, die ich verstehe, auch wenn sie vielleicht nicht immer (aber eben hin und wieder doch) den wahren Kern trifft. :)

      Ich sehe übrigens, um das auch noch zu betonen, keinen Schwachpunkt bei Staffel 1, der bei Staffel 2 nicht ohne Probleme zu revidieren wäre. Die Welt bei UAES halte ich nach wie vor für überaus spannend, die Figuren sind stark, und die Geschichte hat mehr denn je Potential für etwas ganz Großes. Oder anders ausgedrückt: Man spürt, dass da ein Schatz liegt. Er muss halt nur auch geborgen werden. ^^
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