Gruselkabinett - 170 - Eine wahre Vampir-Geschichte

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    • Gruselkabinett - 170 - Eine wahre Vampir-Geschichte

      Gruselkabinett – 170. Eine wahre Vampir-Geschichte



      Trotz des frühen Todes ihrer Mutter wachsen die Geschwister Carmela und Gabiel behütet im Schloss ihres Vaters Barn Wronski auf, auch wegen der liebevollen Betreuung durch ihre Gouvernante. Als eines Tages der Graf Grigori Vardalek wegen einer Zugverspätung bei ihnen Unterschlupf sucht, nimmt ihr Leben jedoch eine schreckliche Wendung. Denn auch wenn Carmela wegen seiner düsteren Ausstrahlung misstrauisch ist, ist der lebenslustige Gabriel sofort fasziniert von dem attraktiven Mann…

      Viele Schriftsteller sind Dauergäste im Gruselkabinett (auch abgesehen von Per McGraup), doch immer wieder sind auch neue Namen auf dem Titelbild abgedruckt. In der 170. Episode wird beispielweise eine Geschichte von Eric Stenbock, der „Eine wahre Vampir-Geschichte“ aus der Steiermark erzählt. Der Einstieg ist mit den Erinnerungen der Tochter des Hauses Carmela mit einigen düsteren Anspielungen gespickt und deutet einige schreckliche Entwicklungen an, während danach in einer kurzen Szene zunächst die sorglose Jugend der beiden Geschwister thematisiert wird. Doch bereits kurz darauf fließen mit dem Auftauchen des Grafen Vardalek die ersten unheimlichen Elemente mit ein, seine große Anziehungskraft spricht für eine leidenschaftliche Entwicklung, die dann auch auf klassische und dennoch überraschende Weise ausgebaut wird. Dabei kommen Anleihen an andere Vampirgeschichten in den Sinn, die oft an die Anfänge der Reihe erinnern, dennoch gibt es sehr individuelle Kniffe, die diese Geschichte einzigartig machen. Die Entwicklung wird mit vielen Dialogen und Sinn für Feinheiten eher langsam vorangetrieben, nimmt aber später noch ein wenig an Fahrt auf. Doch die Faszination für die Geschichte reißt nie ab, die Stimmung ist durchgehend sehr dicht, der Schrecken über lange Zeit eher subtil. So kann die düster-romantische Atmosphäre der Serie wieder ihre volle Stärke ausspielen. Hier hat sich das Label eine vollkommen passende Vorlage ausgewählt und diese auf sehr hörenswerte Weise umgesetzt – für mich eine der stärksten Episoden der letzten Zeit.

      Carmela wird von zwei verschiedenen Schauspielerinnen gesprochen. Während Arianne Borbach mit ihrer wunderbar ausdrucksstarken Stimme die alte Carmela als Erzählerin stimmungsvoll und markant vertont, bringt Luisa Wietzorek in den Dialogszenen mit ihrer hellen, klaren Stimme eine sehr lebendige Stimmung ein – und beide machen das hervorragend. Bene Gutjan ist als Gabriel ebenfalls sehr gut besetzt, mit jugendlicher Frische und voller Begeisterung, aber auch voller Faszination und düsteren Momenten bringt er viele glaubhafte Facetten mit ein. Als Graf Vardalek ist Martin May zu hören, der eine markante Aura um die Figur spinnt, dunklen Charme ausstrahlt und sehr intensiv wirkt, was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Weitere Sprecher sind Christoph Jablonka, Bernd Kreibich und Wietske van Tongeren, die auch mit ihrem klaren Gesang begeistert.

      Titania Medien beweist auch hier wieder ein feines Gespür für die richtigen Stimmungen, sodass die verschiedenen Szenen sehr gekonnt unterstrichen werden. Von unbeschwerten Tagen mit Vogelgezwitscher und fröhlichen Melodien über Gewitternächte und tragende Streicher bis hin zu markanten, ausdrucksstarken Szenerien, die den Schrecken der Handlung gekonnt Ausdruck verleihen – das passt alles sehr gut zusammen.

      Das Schloss der Bronskis wird auf dem Titelbild angedeutet, ein kleiner Treppenaufgang mit der steinernen Figur einer Raubkatze ist in nächtlichen Farben dargestellt, während der junge Gabriel eilig heraufläuft. Als zusätzlicher gruseliger Aspekt reckt sich ihm eine krallenhafte Hand entgegen, was insgesamt für eine sehr düstere Stimmung sorgt, die wieder besonders gut zu der Säulenoptik des hübschen Rahmens passt.

      Fazit: „Eine wahre Vampirgeschichte“ begeistert mit einer ebenso klassischen wie überraschenden Stimmung, sanftem Witz, grandiosen Sprechern, eine düstere Szenerie und eine Handlung voller Leidenschaft und Sehnsucht. Die anfangs ausgelegte Faszination reißt nie ab, sondern zieht sich durch die gesamte Laufzeit von einer Stunde – sehr hörenswert!

      VÖ: 30. April 2021
      Label: Titania Medien
      Bestellnummer: 9783785783184
      :besserwisser:
    • DerPoldi schrieb:

      Vielleicht magst du auch etwas nach dem Hören dazu schreiben, bin gespannt wie es dir gefallen hat.
      Aber gerne, eben auf der Autofahrt nach Colonia gehört.

      Hat mir gut gefallen. Da gibt es überhaupt nix dran zu meckern. Starke Sprecher, starke technische Seite, fast keine Längen (der Anfang hätte ein wenig straffer sein dürfen, aber für den Rahmen lässt sich Titania ja immer Zeit). Ein rundum solides Teil. Einzig meine Begeisterung für Vampirgeschichten lässt ein wenig zu wünschen übrig - das Thema ist halt für mich ein wenig durchgekaut. Ich denke aber, man hat es mit einer der stärksten Folgen der letzten Zeit zu tun, vor allem wegen der Kurzweiligkeit. :)


    • Gruselkabinett - 170 - Eine wahre Vampir-Geschichte

      Zum Inhalt:
      Die adlige Familie Wronski, Vater Baron Alexander, seine beiden Kinder Carmela und Gabriel und das belgischstämmige Kindermädchen Mademoiselle Vonnaert, leben den Großteil des Jahres unbeschwert auf einem abgelegenen Schloß in der Steiermark. An einem Abend im Jahr 1894 bringt der Vater eine zufällige Zugbekanntschaft mit nach Hause. Alle bis auf Carmela verfallen umgehend dem Charme dieses Besuchers, des Grafen Grigori Vardalek. Sie allein bleibt misstrauisch, und es dauert nicht lange, bis sich ihr zunächst unbegründeter Argwohn gegenüber dem Grafen bestätigt...

      Zur Produktion:
      Mit der hier vorliegenden Folge präsentiert "Titania Medien" den Hörern einmal mehr einen Autor, der heute so gut wie unbekannt ist. Graf Eric Stanislaus Stenbock, geboren als Erik Magnus Andreas Harry Stenbock (12.03.1860-26.04.1895) war der Sproß einer schwedischen Adelsfamilie. Sein Vater starb, als Eric erst ein Jahr alt war, und sein Großvater Magnus verwaltete das Erbe bis zu seinem Tod 1866. Danach übernahm Stenbock die Geschäfte selbst. Er studierte in Oxford, ohne jedoch sein Studium zu beenden. Während seines Aufenthalts an der Universität lernte er Simeon Solomon kennen, einen homosexuellen Künstler und Illustrator, der ihn nachhaltig beeinflusste. Im Sommer des Jahres 1887 begann Stenbock, langsam in eine fatale Alkohol- und Drogensucht abzugleiten. Er galt als exzentrisch, da er sich Schlangen, Eidechsen und Kröten in seinem Zimmer und einen Rehbock, einen Fuchs und einen Bären in seinem Garten hielt. Regelrecht bizarr wurde es jedoch, als er von einer Reise eine lebensgroße Puppe mitbrachte, jedem erklärte, daß dies ab jetzt sein "Sohn" sei und sogar soweit ging, einen Jesuiten anzustellen, der mit dessen "Erziehung" beauftragt wurde. Im Laufe seines Lebens publizierte Stenbock diverse Gedichtbände (u.a. "Love, Sleep and Dream" [1881] und "Rue, Myrtle and Cypress" [1883]). Kurz vor seinem Tod veröffentlichte er 1894 eine Sammlung von Kurzgeschichten unter dem Titel "Studies of Death", aus der auch die Vorlage für dieses Hörspiel stammt. 1895 beendete eine Leberzirrhose sein Leben und damit auch seine Laufbahn als Schriftsteller von dekadenter, makaberer Poesie und Belletristik. Erst rund 80 Jahre nach seinem Tod begann man, sein Werk neu zu editieren.
      Die hier verwendete Erzählung "The true Story of a Vampire" erschien in Deutschland erstmals 1973 in dem vom Heyne-Verlag herausgegebenen Sammelband "14 Horror-Stories" unter dem Titel "Wie uns ein Vampir besuchte". Übrigens findet sich in diesem Band auch die Geschichte "Denn das Blut ist das Leben" (Gruselkabinett 160). Im April 1999 folgte in dem Buch "Studien des Todes" der "Edition Metzengerstein" ein Nachdruck, diesmal "Die wahre Geschichte eines Vampirs" benannt. Selbst wenn sich Skriptautor Marc Gruppe dazu entschlossen hätte, den schon im Vorfeld sehr verräterischen Titel abzuändern, wären Fans der Reihe schnell darauf gekommen, wer bzw. was hier für den Grusel verantwortlich ist. Daß man als Hörer trotzdem gebannt der Handlung lauscht, liegt einzig und allein an Gruppes Talent, die Abfolge so zu gestalten, daß die Geschichte nicht nur in sich schlüssig ist, sondern auch diverse Höhepunkte bietet. Da Stenbock das Geschehen als Rückerinnerung der alt gewordenen Carmela erzählt und diese hauptsächlich monologisiert, musste Gruppe die Monologe in Dialoge umschreiben, damit das Hörspiel nicht zum Hörbuch wurde. Darüber hinaus hat er etliche Passagen erweitert sowie ein neues Intro bzw. Outro verfasst. Außerdem wurde die Reihenfolge diverser Beschreibungen, bzw. Ereignisse leicht geändert, was dem flüssigen Ablauf nur zum Vorteil gereicht. Sämtliche von Gruppe vorgenommenen Kürzungen dienen lediglich zur Straffung der Handlung. So fehlt beispielsweise die Schilderung der Militärerlebnisse des Vaters und die Reaktion des Grafen darauf, ebenso wie die bei Stenbock geradezu ausufernde Beschreibungen von Gabriels Tierliebe. Im Gegenzug bekommt der Hörer dafür diverse neue Szenen präsentiert. So wird beispielsweise die Sequenz, bei der alle außer dem Vater und Carmela musizieren, sehr viel ausführlicher geschildert, als bei Stenbock, und auch die Verführung des Kindermädchens mit all ihren Konsequenzen ist neu hinzugekommen. Interessantewrweise hat es sich Marc Gruppe nicht nehmen lassen, ein weiteres Detail hinzuzufügen, welches Kennern und Liebhabern von Vampirgeschichten bekannt vorkommen dürfte: alle Opfer des Vampirs beginnen nach dessen erstem Besuch einen Schal zu tragen, um die Bisswunden zu verdecken. Bemerkenswert finde ich außerdem, daß Gruppe, im Gegensatz zu Stenbock, zu dessen Zeit das einfach nicht möglich war, die homoerotische Komponente sehr viel stärker betont und darüber hinaus noch einem Charakter den Satz: "Gebete werden hier kaum helfen." in den Mund legt. Letzteres interpretiere ich als milde formulierte Kritik an der katholischen Kirche und deren unreifem Umgang mit dem Thema Homosexualität. Trotz all der vorgenommenen Ergänzungen, kam mir die Laufzeit von 59 Minuten und 06 Sekunden wesentlich kürzer vor, was haupsächlich Gruppes ausgefeilter und, im Gegensatz zur literarischen Vorlage, wesentlich spannender daherkommenden Fassung zuzuschreiben ist. Selbstverständlich kann man auch diese Geschichte im englischen Original im Internet nachlesen.
      Nicht unerheblich zum Erfolg des Hörspiels trägt aber auch die Regie und Produktion von Seitens der beiden "Titania"-Chefs Stephan Bosenius und Marc Gruppe bei. Schon die Eröffnung ist ungewöhnlich. Statt, wie üblich, den Hörer mit einer lauten bzw. aktionsreichen Szene zu begrüßen, ist der Anfang leise gehalten, und die Lautstärke wird erst langsam hochgefahren. Auf diese Weise hat man als Hörer das Gefühl, in die Handlung hineinzugleiten, statt in selbige "geworfen" bzw. damit direkt konfrontiert zu werden. Ich empfinde das als eine durchaus interessante Abwechslung, von der man hoffentlich ab jetzt öfter an passender Stelle Gebrauch machen wird.
      Wie gewohnt orientiert sich die musikalische Untermalung am historischen Rahmen der Geschichte, und so bekommt man vor allem die damals gebräuchlichen Instrumente wie Geige, Cello, diverse Blasinstrumente und das Klavier zu hören. Vor allem Letzteres ist diesmal recht prominent vertreten, denn statt, wie sonst meist, den Synthesizer für düstere Töne zu verwenden, ist es hier das Klavier, welches entsprechende Akzente setzt. Das soll aber nicht heißen, daß man vollständig auf das elektronische Keyboard verzichtet, denn selbiges findet bei den unheimlichen Gruselmelodien seinen Einsatz, die im besten Sinne an die Filmmusik eines Horrorstreifens erinnern. Highlight der Musik ist aber eindeutig das bereits von mir erwähnte "Kammerkonzert" der Familie, bei dem die niederländische Musicaldarstellerin Wietske van Tongeren ihr großes Können unter Beweis stellt. Beinahe ebenso beeindruckend fand ich aber auch die "Geigen-Kakophonie", die zum Höhepunkt des Hörspiels eingespielt wird. Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch die harmonische Spieluhrmelodie, die quasi das verbindenene Element zwischen Vergangenheit und Gegenwart der Erzählerin darstellt.
      Dieselbe Sorgfalt, die man bei der Auswahl der Musikstücke hat walten lassen, wird natürlich auch der Geräuschkulisse zuteil. Schon die Eröffnungsszene ist voll von den unterschiedlichsten Tönen. Mehrere Katzen maunzen um Futter, es wird mit Geschirr geklappert, ein Paketband aufgeschnitten und selbst das Geräusch, welches beim Aufziehen einer Spieluhr entsteht, nicht vergessen. Natürlich dürfen auch die zu erwartenen akustischen "Zutaten", wie schwere oder quietschende Schloßtüren, heulender Wind, ein prasselndes Kaminfeuer, knarrende Treppenstufen bzw. Bohlen und ein ordentliches Gewitter mit grollendem Donner und Regen, nicht fehlen. Wie üblich sind es aber die Töne, welche man als so gegeben hinnimmt, daß sie kaum noch auffallen, die die Produktionen von "Titania Medien" zum Hörerlebnis machen. Dazu zählt u.a. das Rücken von Stühlen beim Aufstehen oder Hinsetzen, die Kette, an der Carmelas Kruzifix hängt sowie das extrem realistisch gestaltete Geräusch, das beim Einschenken eines Heißgetränks entsteht. Effekte werden sparsam, aber geschickt eingesetzt. So spielt man weiter entfernte Stimmen leiser ein, innerhalb des Schloßvorraumes bekommen die Stimmen einen leichten Hall, um dessen Dimension angemessen widerzugeben, und das Klavierspiel des Vampirs erklingt lauter bzw. kräftiger, nachdem er sich gestärkt hat.

      Zu den Sprechern:
      Arianne Borbach(alte Carmela), die gleichzeitig als Erzählerin fungiert, ist zwar großartig als ältere Baronin Wronski, die sich schmerzvoll an die tragische Vergangenheit erinnert, verblasst aber beinahe gegenüber ihrem jüngeren Pendant Luisa Wietzorek(junge Carmela), in der Rolle der jugendlichen, ausgelassenen und fröhlichen Adelstochter, die von Anfang an großes Misstrauen gegenüber dem Gast hegt. Es ist einfach toll, ihre Wandlung vom unbeschwerten Mädchen hin zur verängstigten jungen Frau zu lauschen, und als sie anfängt, verzweifelt zu schluchzen, hat man als Hörer sofort das Bedürfnis, sie zu trösten. Ebenfalls gut gefallen hat mir Bene Gutjan(Gabriel) mit seinem Portrait des eigentlich scheuen Jungen, der geradezu abhängig von der Gesellschaft des Grafen Vardaleck wird und dessen lustvolles Keuchen, als er mit dem Vampir zusammen ist, absolut authentisch klingt. Auch Christoph Jablonka(Baron Alexander Wronski) kann in seinem Part des alten Adligen, der den Neuankömmling zunächst ebenso verehrt wie sein Sohn, in jeder Beziehung überzeugen.
      Es ist geradezu erschütternd, seinen Verfall mit anzuhören, und sein letzter Auftritt, in dem er mit bereits brüchiger Stimme bedauert, den Grafen ins Haus gelassen zu haben, zählt für mich zu den sprecherischen Highlights des Hörspiels. Mit der Besetzung von Wietske van Tongeren(Mademoiselle Vonnaert) als das belgischstämmige Kindermädchen, ist "Titania-Medien" ein besonderer Coup gelungen. Vermutlich auch auf Grund ihrer Herkunft, ist sie in der Lage, den notwendigen französischen Akzent vollkommen realistisch in ihr Portrait der zunächst nur um die Kinder besorgten Amme einfließen zu lassen. Als geübte und überaus begabte Musicaldarstellerin kann sie natürlich auch das "Kammerkonzert" angemessen begleiten. Darüber hinaus ist sie aber ebenfalls eine ausgezeichnete Sprecherin, von der wir hoffentlich noch mehr zu Gehör bekommen. Vollkomen zu Recht hat man ihrer Figur hier mehr Raum gegeben, als es Stenbock in seiner Kurzgeschichte getan hat. Ganz auf Augenhöhe der zuvor Genannten, ist auch Martin May(Graf Grigori Vardalek) als mysteriöser Gast der Familie. Schon seine ersten, mit weicher Stimme vorgetragenen Sätze nähmen nicht nur die Familie, sondern auch den Hörer ganz für ihn ein, wenn da nicht gleichzeitig dieser gefährliche, düstere Unterton in seinem Vortrag wäre. In weiteren Nebenrollen treten noch das Sprecher-"Urgestein" Bernd Kreibich(Arzt) als gelassener, aber rat- und machtloser Doktor sowie in einer Doppelrolle Marc Gruppe(Postbote/Priester) als ungeduldiger Briefträger bzw. abgeklärter Geistlicher auf.

      Fazit:
      Trotz einer gewissen durch den Titel bedingten Vorhersehbarkeit, gelingt es der tadellosen Inszenierung, den Hörer bis zum Schluß bestens zu unterhalten.

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      OTR-Fan
    • Super Rezi, MoAs. Und sehr aufschlussreich. Vor allem, dass der für mich größte Knackpunkt so in der Vorlage gar nicht vorhanden war. Mir war nämlich die homoerotische Überbetonung echt zu viel. Nicht weil ich ein Problem mit Homoerotik hätte, sondern weil das hier, wie so oft bei Titania Medien, mal wieder mit der Brechstange erfolgt, als dächten die Macher, ihre Hörer wären zu blöd, so etwas zu kapieren, wenn man sie nicht mit dem Holzhammer darauf aufmerksam macht.

      Mal abgesehen davon, macht die Fokussierung darauf ja auch wenig Sinn, da ja am Ende deutlich gemacht wird, dass es eben nicht nur um den einen Jungen geht, sondern sich der Übeltäter aller Anwesenden zu bemächtigen versucht.

      Und als wäre das alles nicht genug, sind die Figurenzeichnungen - mal wieder! - sehr holzschnittartig geraten. Hier gibt es keinen Raum für indifferente Persönlichkeitsstrukturen, für charakterliche Brüche oder Ambilvalenzen. Wie so oft im Gruselkabinett sind die Figuren entweder allumfassend rein und gut oder durch und durch verdorben und böse - was dann gern mit einem oberfieslichem Lachen dokumentiert wird, damit auch ja kein Hörer da etwas missverstehen könnte. Leider führt diese Grobeinteilung in Schwarz auf Weiß oft dazu, dass die Guten unerträglich bräsig und dämlich rüberkommen. So wie hier der Junge, der so so rein und schwächlich, gutgläubig und naiv dargestellt ist, dass es schwerfällt, ihm nicht einen baldigen Abtritt von der Bühne dieses Hörspiels zu wünschen.

      Sieht man mal von diesen (nach meinem Empfinden) Mängeln ab, ist das Hörspiel formal jedoch gar nicht so schlecht geraten. Man merkt den (neuen) Anspruch, die Handlung weniger eintönig zu gestalten und nicht nach 08/15-Schema zu inszenieren. Ich würde mir dabei jedoch noch deutlich mehr Originalität wünschen und vor allem den Mut, Geschichten ein wenig subtiler zu erzählen und gewisse Dinge nur anzudeuten, anstatt sie überzubetonen. Das macht das Ganze doch ein wenig spannender.
      "Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt."

      Oscar Wilde
    • Hardenberg schrieb:

      Und als wäre das alles nicht genug, sind die Figurenzeichnungen - mal wieder! - sehr holzschnittartig geraten. Hier gibt es keinen Raum für indifferente Persönlichkeitsstrukturen, für charakterliche Brüche oder Ambilvalenzen. Wie so oft im Gruselkabinett sind die Figuren entweder allumfassend rein und gut oder durch und durch verdorben und böse - was dann gern mit einem oberfieslichem Lachen dokumentiert wird, damit auch ja kein Hörer da etwas missverstehen könnte.
      Ich frage mal so: Ist denn auf einer CD soviel Platz für eine ausführliche Charakterzeichnung? Hast du Beispiele für einen "Einteiler" wo das gut gelingt? Würde mich als Vergleich mal interessieren :)
    • Da gibt es doch etliche Beispiele für. Es geht ja nicht darum, eine ausführliche Charakterstudie einzuführen, sondern eher darum, die Figuren nicht so reißbrettmäßig ausschauen und handeln zu lassen. Man sollte ihnen eben anmerken, dass sie nicht bloß reine Funktion innerhalb einer vom Autor strukturierten Handlung sind, sondern authentisch wirkende Wesen, denen man auch jenseits des Erzählten eine gewisse Lebensfähigkeit und weitere Facetten zutraut.

      Döring schafft das in seinen Einzelhörspielen. Die Ohrenkneifer ebenfalls. Oder Hoverson und Albrodt bei den Midnight Tales. Und bei den meisten Radio-Hörspielen ist das auch kein Problem. Um nur mal ein paar Verweise zu geben.
      "Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt."

      Oscar Wilde
    • Hm okay. Muss ich mal vergleichen. Mir fällt das beim GK gar nicht auf muss ich gestehen. Da bin ich total auf die Geschichte fokussiert und ein wenig am Drumrum, wobei die Sprecher und die Technik ja bei Titania nie der Knackpunkt sind.

      Ich bewerte die GK's eigentlich immer nur an der Kurzweil und der Story an sich. Früher wurden die Figuren auch nur im Vorbeigehen skizziert, manchmal ganz billig. Unterhalten hat's doch trotzdem. Sowas sehe ich persönlich nicht zu eng. Aber ich hör ja auch TKKG. :dumm:
    • Naja, hin und wieder macht das ja auch den Reiz aus. Kommt halt auf das Genre an.

      Im Grunde geht es ja um Stereotype. Die darf man beim Groschengrusel getrost erwarten. Ebenso bei Produktionen für Kleinkinder. Aber ab einer gewissen Alters- oder Genregrenze darf man es sich gern ein wenig schwerer machen als Autor/Bearbeiter.

      Übrigens leben ja auch gerade die drei ??? durch den Verzicht auf solche Reißbrett-Figuren. Man denke nur mal an Arthur Shely, Mister Claudius oder Hugenay. Das sind alles Figuren, die eben nicht bloß Funktion sind oder nur schwarz und weiß usw. Das sind nun natürlich auch keine Psycho-Studien, aber eben auch keine 08/15-Klischee-Figuren - und das macht die Klassiker so spannend. Und vermutlich auch zeitlos.
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      Oscar Wilde
    • OK, ich verstehe was du meinst. Statt der Person direkt mit dem Holzhammer die "Bad Boy" Rolle zu geben, könnte es gerne ein wenig komplexer/undurchsichtiger/verschlungener/unauffälliger daherkommen - da hast du Recht. Ich mag es auch viel lieber wenn die Erkenntnis subtil daherkommt, als mit einem dämonischen Lachen welches in die Zwischenmusik übergeht.

      Hast du denn GK Folgen wo es besser funktioniert hat? Evtl. ist das eine "Schwäche" bei Titania.

      Ich hatte letztens nochmal Öffne die Tür von Pandoras Play gehört. Da merkt man ja nach und nach erst was da los zu sein scheint und man selber ordnet den Hauptprotagonisten ja anfangs als total normalen Typen ein. Und bei "Der nahende Winter" der Midnight Tales ist es ebenfalls clever und gut gemacht, da gebe ich dir Recht.