Gruselkabinett - 161 - Heimflug

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    • Gruselkabinett - 161 - Heimflug



      Gruselkabinett - 161 - Heimflug

      Zum Inhalt:
      Tante Marylin und ihre älteste Freundin Hedy Baumholzer sind ganz fasziniert von der neuen Möglichkeit, mit einem Luftschiff zu reisen. Anfang 1934 soll der Jungfernflug des Zeppelins von London aus starten, und die beiden rüstigen Damen wollen unbedingt dabei sein. Die Chancen dafür stehen gut, denn Tante Marylin hat Beziehungen in die höchsten Kreise. Colin Hargreaves und seine Frau Alwyne dagegen setzen alles daran, dies zu verhindern, denn schon seit einiger Zeit wird Letztere von schrecklichen Vorahnungen geplagt, die unmittelbar mit dem neuartigen Luftfahrzeug zusammenhängen...

      Zur Produktion:
      Es ist schon eine Weile her, daß es eine Folge mit den Hargreaves gab, aber nun können sich Fans des übersinnlichen Ermittlerduos über ein neues Abenteuer freuen. Nach Gruselkabinett - 83 - Heimgesucht, Gruselkabinett - 89 - Heimgekehrt, Gruselkabinett - 109 - Heimweh und Gruselkabinett - 147 - Höllenfahrt des Schörgen-Toni, ist dies nun bereits der fünfte Fall der beiden und der vierte aus Marc Gruppes Feder. Ursprünglich erfunden wurde das Duo von dem irischen Schriftsteller George Allen Upward (20.09.1863 - 12.11.1926). Der Autor veröffentliche etliche Romane und beschäftigte sich unter anderem mit der christlichen Mytholgie. Zu diesem Thema veröffentlichte er auch 1913 die anthropologische Studie "The Divine Mystery". Aus ungeklärten Gründen erschoss sich Upward im November 1926.
      Das vorliegende Hörspiel basiert jedoch auf einer völlig neuen von Per McGraup (geboren 1947) [ein Pseudonym von Marc Gruppe] verfassten Geschichte, weshalb es keinen Vergleich zu einem wie auch immer gearteten "Original" gibt. Der Skriptautor startet die Handlung mit einer eindrucksvoll gestalteten Eröffnungszene, die den Absturz des Luftschiffes und den damit verbundenen Tod vieler Menschen plastisch darstellt. Im weiteren Verlauf versuchen die Hargreaves hinter das Geheimnis von Alwynes Schreckensvisionen zu kommen, um die wahrscheinlich anstehende Katatstrophe doch noch zu verhindern bzw. das Leben von Colins Tante Marylin und ihrer Freundin Hedy Baumholzer zu retten. Detailierter möchte ich auf den Inhalt nicht eingehen, um nicht zu viel zu verraten.
      Wer die oben genannten Folgen gehört hat, weiß, daß die "Hargreaves-Geschichten" von Gruppe immer mit viel Humor erzählt werden und vor allem Tante Marylin ein konstanter Garant für diverse Schoten ist. Laut auflachen musste ich, als die alte Dame aus ihrer Jugend erzählt und sich knochentrocken als "Spielball der Lust, in einem Meer aus Leidenschaft" bezeichnet. Es ist jedoch nicht nur die quirlige Tante, die so manchen flotten Spruch auf Lager hat, auch die anderen Figuren überraschen immer wieder mit dem einen oder anderen Bonmot. Ach ja, Pamela, die Tochter der Hargreaves, tritt hier übrigens nicht auf. Das hat der Autor clever gelöst, indem er einen kurzen Dialog zwischen Alwyne und Colin einfügt, aus dem hervorgeht, daß die Kleine mittlerweile die Schule besucht und dort auch übernachtet. Innerhalb der Geschichte gibt es übrigens einen Verweis auf die vorangegangene Folge (Höllenfahrt des Schörgen-Toni), und auch den Titel des Hörspiels hat Gruppe unauffällig mit einfließen lassen. Das Geschehen bleibt bis zum Schluß unterhaltsam und spannend, wenngleich sich die Gruselelemente rein auf die Visionen bzw. Szenen, in denen sich Alwyne in Trance befindet und mit den Toten kommuniziert, beschränken. Das tut dem Vergnügen aber keinen Abbruch, und der Hörer wird in ca. 68 Minuten ausgezeichnet unterhalten. Ich bin wohl ein alter Romantiker, denn die kurze Liebesszene zum Ausklang des Hörspiels finde ich besonders schön.
      Die Produktion und Regie von Stephan Bosenius und Marc Gruppe hat mir wieder sehr gut gefallen. Hier ist es vor allem die üppige, detailreiche Geräuschkulisse, welche mich beeindruckt hat. Da wäre zunächst besagte Eröffnung mit den gewaltigen Explosionen, dem wütenden Feuer und den herzergreifenden Schreien der Menschen zu nennen. Doch es sind eigentlich die kleinen, eher unscheinbaren Töne, die mich begeistern. Sei es der dezent eingespielte Verkehrslärm, der im Hintergrund des Büros der Hargreaves zu hören ist, oder die Fahrt zum Flugplatz, die nicht nur mit dem Brummen des Automotors, sondern zusätzlich mit dem Schalten der Gänge veranschaulicht und mit dem Zuschlagen der Autotüren abgeschlossen wird.
      Es sind solche Feinheiten, die jeden Abschnitt des Hörspiels total realitisch wirken lassen. Effekte werden eher spärlich, aber dafür umso wirkungsvoller eingsetzt. So wird beispielsweise die Stimme von Tante Marylin während des Telephonates so verfremdet, daß es exakt klingt, als handele es sich dabei um einen "Live-Mitschnitt" des Gesprächs. Während Alwyne ihre Vorahnungen hat bzw. wenn sie in Trance ist, sind die Stimmen der Toten mit einem leichten Hall unterlegt, um einerseits die Entfernung zum Jenseits zu verdeutlichen und andererseits diese Sequenzen noch unheimlicher wirken zu lassen. Genau wie die Geräusche, sind auch die ausgewählten Musikstücke nicht nur ein Genuss für das Ohr, sondern dienen darüber hinaus noch dazu, die Atmosphäre in den jeweiligen Szenen zu verstärken. Bei der Instrumentauswahl hat man sich ganz an der Zeit, zu der die Handlung spielt, orientiert. Klavier und Geige sind vorherrschend, aber am Ende kommt auch noch eine kurz angeschlagene Harfe zum Einsatz, um den romantischen Abschluß zu untermalen. Der Synthesizer, von dem die bedrohlichen, dunklen Töne während Alwynes Trancezustand stammen, ist aber natürlich ein modernes Instrument. Die einzelnen Melodien alternieren oftmals zwischen fröhlich und harmonisch, doch es gibt auch melancholische, manchmal regelrecht bedrohliche Stücke zu hören. In dem Zusammenhang möchte ich noch unbedingt auf die kaum wahrnehmbaren, nur extrem kurz angespielten Musiksequenzen hinweisen, welche man im Büro von Captain Carmichael hört. Diese dienen auf schon fast geniale Weise dazu, sein Erschrecken auch auf den Hörer zu übertragen.

      Zu den Sprechern:
      Ich begrüße es ja immer, wenn, so wie hier, Rollen von ihren Stammsprechern übernommen werden. Dementsprechend bekommt man auch wieder die bereits gewohnten Stimmen der drei Hauptcharaktere zu hören. Stephanie Kellner(Alwyne Hargreaves) verkörpert die übersinnlich begabte junge Frau wieder mit viel Gefühl für ihre Figur. Schon zur Eröffnung hinterlässt sie einen bleibenden Eindruck mit ihrem unruhigen Gebaren und Stöhnen während des Albtraums bzw. der Vorahnung. Auch im weiteren Verlauf geht sie ganz in ihrer Rolle auf, und die kleinen Kabbeleien mit der Tante ihres Gatten sind einfach großartig gespielt. Benedikt Weber(Colin Hargreaves), der auch als Erzähler fungiert, kommt hier auf Grund seiner eher kurzen Auftritte nicht ganz so zum Zuge, aber wenn er da ist, dann ebenfalls mit vollem Einsatz. Er liefert eine solide Darstellung des liebenden Ehemannes, der sich köstlich über die Dispute zwischen seiner Frau und seiner Tante amüsiert. Sprecherisches Highlight ist aber für mich dieses Mal Ursula Siegs(Tante Marylin) Portrait der geschwätzigen alten Dame mit der spitzen Zunge. Sieg verkörpert ihren Part mit jeder Menge Esprit, und als Hörer freut man sich geradezu auf jede Szene, in der sie auftaucht. An ihrer Seite hat sie, quasi als Pendant, Silvana Sansoni(Hedy Baumholzer) als leicht tüdelige, aber liebenswerte betagte Freundin, welche sich die manchmal etwas direkte Art ihrer Freundin oft sehr zu Herzen nimmt. Louis Friedemann Thiele(Captain George Howard Raymond) spielt den ehemaligen Luftschiffführer mit einer großen Portion Eindringlichkeit, und Ursula Wüsthof(Vorzimmerdame) verkörpert gekonnt die ältere, freundliche, aber ausweichend agierende Sekretärin. Ebenso überzeugend ist auch Valentin Stroh(Captain Carmichael) als Freund Raymonds, der sich, trotz der erschreckenden Warnung durch die Hargreaves bzw. seinen alten Freund, pflichtbewusst seinem Schicksal ergibt. In weiteren Nebenrollen treten Markus Andreas Klauk(Funker Disley) und Jean Paul Baeck(Navigator Leach) kurz und dramatisch als aufgeregte Besatzungsmitglieder auf sowie die teilweise im Chor Schlagzeilen rufenden Zeitungsjungen (James McMenemy, Christopher McMnemy, Edward McMenemy).

      Fazit:
      Zwar handelt es sich hier mehr um ein amüsantes anstatt eines gruseligen Hörspiels, aber wem das nichts ausmacht, der wird sich prächtig unterhalten.

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    • Gruselkabinett - 161. Heimkehr



      Mittlerweile wird Alwyne Hargreave jede Nacht von schrecklichen Alpträumen geplagt, in der die Besatzung eines Luftschiffs um ihre Hilfe fleht. Doch erst durch ein Treffen mit Tante Marilyn führt sie auf die richtige Spur, denn ihre Freundin Hedy Baumholzer plant, an dem Jungfernflug eines Zeppelins teilzunehmen. Doch welche Kette an Ereignissen sie damit auslösen würden, ahnten die Hargreaves noch nicht...

      "Heimkehr" ist bereits die fünfte Episode des Gruselkabinetts, die sich um die Hargreaves dreht. Und wieder hat sich Marc Gruppe unter seinem Alias Per McGraup eine Geschichte für das übersinnlich begabte Ehepaar und dessen exzentrische Tante Marilyn erdacht, da der ursprüngliche Autor Allan Upward nur eine einzige Geschichte über Alwyne und Colin geschrieben hat. Diese startet markant mit dem oben beschriebenen Traum von Alwyne und dramatischen Klängen, schwenkt dann aber wieder schnell zu dem humorvollen Teil der "Serie in der Serie" um. Tante Marylin bekommt dabei Unterstützung von ihrer nicht minder vorlauten und eigensinnigen Freundin Hedi Baumholzer, beide bringen ihren ganz besonderen Charme mit ein, der die Handlung aber nicht so sehr prägt wie bei "Die Höllenfahrt des Schörgen-Toni". Hier stehen mehr die übernatürlichen Ereignisse im Vordergrund, auch die Entwicklung von Alwynes Fähigkeiten als Medium sind ein sehr gelungener Teil der Episode. Das Thema des Luftschiffsunglücks wird dabei gekonnt umgesetzt, da man zwar von Anfang an ahnen kann, worum es schwerpunktmäßig geht, aber eben doch zahlreiche Überraschungen und unerwartete Wendungen eingebaut sind. Viele wohlig gruselige Momente sorgen dabei für viel Spannung, ebenso wie die geschichtliche Einbindung mit einigen realen Ereignissen hervorragend gelungen ist. Schön, dass "Heimkehr" zwar die besondere Stimmung der Hargreaves aufgreift, aber dennoch viele eigenständige Elemente einbringt und auch den Charakteren den Raum gibt, um sich weiterzuentwickeln.

      Silvana Sansoni übernimmt die Rolle der Hedy Baumholzer und fügt der Geschichte einen weiteren sehr prägnanten Charakter hinzu. Ihr leichter, aber nicht übertriebener Wiener Akzent unterstützt den exzentrischen Charakter sehr gekonnt, die aufgeregte alte Dame entwickelt so einen ganz eigenen Charme. Als Captain George Howard Raymond ist Louis Friedemann Thiele zu hören, dessen markanter Klang die Szenerie bereichert, zumal er eine sehr betonte und glaubhafte Sprechweise wählt, die die natürliche Autorität der Figur unterstreicht. Natürlich ist auch Stephanie Kellner als Alwyne Hargreave wieder mit dabei und überzeugt mit ihrem sehr lebendigen Ausdruck, der vor allem in den unheimlichen Momenten sehr gekonnt wirkt. Weitere Sprecher sind Benedikt Weber, Ursula Sieg und Valentin Stroh.

      Das Intro um Alwynes Traum setzt gleich einige markante akustische Signale, donnerndes Knallen, verzweifelte Schreie, dräuende Musik - sehr gelungen. Danach wird die wie immer gekonnte und sehr gut aufeinander abgestimmte Atmosphäre geboten, die mit passenden Kulissen und viel stimmungsvoller Musik für eine sehr eingängige Stimmung sorgen. Der Handlungsbogen wird dadurch sehr gekonnt unterstrichen, die Dialoge mit Leben gefüllt.

      Fazit: Ich mag an dieser Folge nicht nur die abwechslungsreiche und geschickte Erzählweise, in der sich das Ehepaar Hargreave mit kleinen Erzähltexten abwechselt, sondern auch die sehr dichte Stimmung, die von dem gefürchteten Unglück eines Zeppelins ausgeht. Die dichte und unheimliche Stimmung ist ebenso gelungen wie die markanten Charaktere.

      VÖ: 1. Mai 2020
      Label: Titania Medien
      Bestellnummer: 9783785781616
    • Mir hat diese Folge, gegenüber den beiden vorherigen Hargreaves-Abenteuern, etwas weniger gut gefallen.

      Wieder ist, ähnlich wie schon bei "Sherlock Holmes und der Fall Mayerling" ein historisches Ereignis Hintergrund des Ganzen.
      Im Oktober 1930 stürzte das britsche Verkehrslusftschiff "R101" auf seinem Flug von London nach Indien bereits über Frankreich ab, nachdem es durch Fallwinde außer Kontrolle geraten war, das Höhenruder versagte und es schließlich Feuer fing bzw. die riesigen Treibstofftanks explodierten.
      Dabei starb der überwiegende Teil der Passagiere.

      Auf diese Tragödie spielt man hier an, denn Alwyne empfängt in sehr intensiven Träumen und Trancezuständen Botschaften dessen was sich scheinbar demnächst ereignen wird: ein schwerer Unfall des neuen britischen Luftschiffs, über das ansonsten alle Medien begeistert berichten.
      Selbst Tante Marilyn und ihre österreichische Freundin Hedy wollen an Bord gehen...was es für ihre Angehörigen mit allen Mitteln zu verhindern gilt! :panic:

      Die zugrundeliegende Idee fand ich gar nicht schlecht: jemand hat aufgrund seiner übersinnlichen Begabung massive Vorahnungen über ein künftiges Unglück, ihm glaubt aber niemand (außer den unmittelbaren Angehörigen), und so muss er hinnehmen, dass viele unschuldige Menschen qualvoll sterben...

      Mir war allerdings die Umsetzung stellenweise einfach zu schleppend, zu zerplaudert. Vor allem Tantchens amouröse Abenteuer hätte ich eigentlich gar nicht gebraucht. :zwinker: Wobei ich es geradezu lachhhaft fand, dass sie ihre Freundin an einer Stelle rügt, diese sei zu gerade heraus, nachdem sie noch kurz zuvor praktisch vom Sex auf dem Schreibtisch ihres Geliebten erzählt hat. :pfeifen:

      Alwynes eindringliche Träume und Kontakte zum Jenseits sind wirklich gut in die Handlung eingebaut, aber dadurch, dass man ja bereits weiß, sie wird wenig bis gar nichts erreichen mit ihrem Wissen, blieb das Ganze für mich so traurig und hoffnungslos. Wenig Grusel, dafür sehr viel Tragik...
      Es ging halt lediglich darum, zu verhindern, dass auch noch Tantchen und Hedy mit auf die fatale Reise gehen - eine Aufgabe, die Colin ohne größere Probleme meistert.

      Der Schluss ist dann für meinen Geschmack ein bisschen kitschig geraten.

      Produktion soundtechnisch super, Sprecher gut ausgesucht, Inhalt, wie üblich, Geschmackssache.