Info Sherlock Holmes - 38 - Das Haus mit den Zwingern

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    • Sherlock Holmes - 38 - Das Haus mit den Zwingern



      Sherlock Holmes - 38 - Das Haus mit den Zwingern

      Zum Inhalt:
      Nancy, die Schwester von Tom Millington, einem alten Cricketfreund des Meisterdetektivs, wundert sich über ihre neue Nachbarin Mrs. Hamilton. Die ältere Dame hat das Pfarrhaus gemietet und auf dem ganzen Grundstück Hundezwinger aufbauen lassen. Offensichtlich liebt sie Hunde und nimmt auch fremde Tiere in Pflege. Eines Tages sieht Nancy, die ebenfalls Hundefreundin ist, einen neuen Vierbeiner bei ihr, muss jedoch in einem diesbezüglichen Gespräch feststellen, daß Mrs. Hamilton offensichtlich keinerlei Kenntnisse in Bezug auf die Tiere hat. Als wäre das nicht schon seltsam genug, erkennt Nancy dann auch noch kurz das Gesicht eines verzweifelten Mannes hinter einem der Fenster des Pfarrhauses. Voller Besorgnis bittet sie daraufhin Sherlock Holmes, der Sache auf den Grund zu gehen.

      Zur Produktion:
      "The House with the Kennels", so der englische Originaltitel, ist nach Sherlock Holmes 34,36 & 37 bereits Titanias vierte Hörspieladaption einer Kurzgeschichte von Herman Cyril McNeile (28.09.1888 - 14.08.1937). Wie schon bei den drei vorangegangenen Folgen, stammt auch diese schriftliche Vorlage aus dem Buch "Ronald Standish", welches der Autor erstmals 1933 unter seinem Pseudonym "Sapper" veröffentlichte. Interessanterweise hat es die Figur "Ronald Standish", im Gegensatz zu McNeiles weitaus berühmterem Ermittler "Bulldog Drummond", niemals auf die Leinwand geschafft, während Letzterer bereits 1922 sein Filmdebut gab.
      Da sich Ronald Standish gar nicht so sehr von Doyles Sherlock Holmes unterscheidet, konnte Skriptautor Marc Gruppe den ursprünglichen Text beinahe komplett übernehmen. Ein paar Änderungen gibt es dann aber doch. Da wäre zunächst die Einführung in die Geschichte zu nennen, welche komplett aus der Feder von Gruppe stammt. Hier trifft Holmes im Erdgeschoss seiner Wohnung in der Baker Street auf seinen Freund Dr. Watson, der gerade Tee für Nancy zubereitet hat, während McNeiles Detektiv lediglich deren Visitenkarte von seinem Butler überreicht bekommt. Gruppes Variante gefällt mir ganz gut, obwohl ich ein wenig bezweifele, daß Holmes Mrs Hduson als "alte Klatschbase" bezeichen würde. Um dem Medium Hörspiel gerecht zu werden, hat Gruppe etliche Monologe in Dialoge umgeschrieben, ohne dabei den originären Inhalt anzutasten. Selbst die heutzutage eher kritisch zu sehenden Sätze, wie der Verweis darauf, daß Mrs. Hamilton skandalöserweise nur mit männlichen und noch dazu ausländischen Bediensteten unter einem Dach lebt, blieben erhalten. Diese sind natürlich ein Spiegel ihrer Zeit, wobei Gruppe die wenig schmeichelhaften Beschreibungen des Italieners dann auch vernünftigerweise nicht in sein Skript übernommen hat. Zum "Ausgleich" gibt es aber zwei für mich sehr amüsante neue Dialoge. Da wäre die kurze, selbstironische Reverenz an Folge 36 - Das unheimliche Pfarrhaus zu nennen und vor allem Holmes' Geschichte, welche er Mrs. Hamilton über seinen Hund "Dr. Watson" erzählt und die ihn letztlich auf die richtige Spur bringt.
      In diesem Zusammenhang muss ich auch kurz erwähnen, daß der Skriptautor hier ein wenig die Reihenfolge von Holmes' Gedanken verändert hat, was aber ohne Auswirkungen auf die Handlung bleibt und stattdessen den Hörfluss begünstigt. Wer die Geschichte im englischen Original gelesen hat, man findet sie auch im Internet unter gutenberg.net.au/ebooks06/0607761h.html#story5, dem wird aufgefallen sein, wie unmodern die meisten Redewendungen bzw. Begriffe heute geworden sind. Bei Formulierungen wie "Take a pew, bless you," (Bitte nehmen Sie doch Platz) oder "...he pooh-poohed the whole thing." (...er tat es verächtlich ab) wird wohl auch so mancher Kenner der englischen Sprache ins Grübeln kommen.
      Mir hat die Geschichte gefallen und ich fühlte mich in den knapp 54 Minuten Laufzeit gut unterhalten. Der Schluss der Geschichte bzw. die Auflösung dürfte auf den einen oder anderen vielleicht ein wenig abrupt wirken, entspricht so aber genau der literarischen Quelle.
      Die Produzenten und Regisseure Stephan Bosenius und Marc Gruppe eröffnen das Hörspiel mit der harmonischen Titelmusik, gespielt von Geige und Klavier, welche die Serie schon lange begleitet. Diese beiden Instrumente werden zwar ebenfalls für diverse Zwischenmelodien eingesetzt, aber auch Oboe und Synthesizer kommen dabei noch zum Einsatz. Die Mehrheit dieser Melodien, die mal lieblich und mal fröhlich klingen, sind den Fans schon vertraut, aber auch neue Variationen, wie das Stück mit dem Gong, sind hier zu entdecken. Die Geräuschkulisse klingt jederzeit natürlich, was nicht zuletzt an der großen Zahl verschiedener Geräusche innerhalb einer Szene liegt. So wird beispielsweise die Wohnung in der Baker Street nicht nur mit einem prasselnden Kaminfeuer, dem Klappern von Geschirr, dem Rücken von Stühlen und einem leise pfeifenden Wind illustriert, denn wenn man ganz genau hinhört, kann man darüber hinaus im Hintergrund sogar noch dezent den Straßenlärm ausmachen. Wirklich gruselig finde ich den unterdrückten, nur leise eingespielten Schrei, welchen man gegen Ende des Hörspiels hört. Ein weiterer Beweis dafür, daß kaum vernehmbare Töne ebenfalls starke Gefühle auslösen können.

      Zu den Sprechern:
      Auch in dieser Folge kann man den beiden Hauptakteuren Joachim Tennstedt(Sherlock Holmes) und Detlef Bierstedt(Dr. Watson) ihre Spielfreude anhören. Gemeinsam lästern sie über die tratschende Mrs. Hudson, und auch während des Gesprächs mit Nancy Millington ergänzen sie sich ausgezeichnet. Das Highlight sind aber wie üblich die kleinen Kabbeleien zwischen beiden, die hier besonders humorvoll ausfallen.
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      Exemplarisch sei der Dialog zwischen Dr. Watson und Holmes, welcher in der Verkleidung eines alten, schwerhörigen "Kunstkritikers" auftritt, genannt. In dieser Szene brilliert vor allem Tennstedt, der seine Stimme so gekonnt verstellt, daß ich ihn zunächst nicht erkannt habe.
      Gastsprecherin ist diesmal unter anderem die Schauspielerin Sigrid Burkholder(Nancy Millington), welche ich auf Grund des jugendlichen Klangs ihrer Stimme als sehr viel jünger eingeschätzt hätte. Burkholder spielt die junge, aufmerksame Frau sehr quirlig, und so wirkt jeder ihrer Auftritte wie eine frische Brise, die durch den Raum weht. Jean Paul Baeck(Tom Millington) überzeugt in der Rolle des Bruders, der seine Schwester nicht wirklich ernst nimmt und dementsprechend manchmal etwas rechthaberisch erscheint. Ebenso gut ist Ursula Sieg(Mrs. Hamilton) als undurchsichtige neue Nachbarin, deren ruppige, tendenziell aggressive Art ganz ausgezeichnet zu ihrer leicht rau klingenden Stimme passt. Das gilt auch für Matthias Lühn(ihr Neffe), dessen erster Satz bereits einen drohenden Unterton enthält. Über die heutzutage etwas stereotyp wirkende Darbietung von Thomas Balou Martin(Italiener) als radebrechender Ausländer mit dazugehörigem Akzent, kann man natürlich geteilter Meinung sein, aber ich empfinde sie, unter Berücksichtigung des zeitlichen Kontexts, als durchaus passend. In weiteren Nebenrollen hört man noch Bert Stevens(Mr. Symington) als Millionär, der seinen Text, entsprechend seiner Rolle, regelrecht hervorstößt und Lutz Reichert(Inspektor Lestrade) als abgeklärten Polizeibeamten, dessen Kommentare mit beißendem Spott durchsetzt sind.

      Fazit:
      Kurzweilige, unterhaltsame Kriminalgeschichte.

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