Die Göttinger Sieben - 1 - Alte Damen in Not

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    • Die Göttinger Sieben - 1 - Alte Damen in Not



      Die Göttinger Sieben - 1 - Alte Damen in Not

      Zum Inhalt:
      Mit ihren cleveren Ermittlungen konnten die Freunde Paul Benson (genannt Würmchen), Erwin Sapowski (genannt Kröte) und die Brüder Jonas und Lukas Specht der Polizei wertvolle Hinweise geben, die wesentlich zur Lösung eines Kriminalfalls beigetragen haben. Obwohl sie nur zu viert waren, hat die Presse sie - in Anlehnung an die sieben Göttinger Professoren (darunter auch Jakob Grimm), die 1837 bemerkenswerte Courage zeigten und sich, trotz großer persönlicher Nachteile, gegen die Außerkraftsetzung des zuvor hart erkämpften, als liberal geltenden "Staatsgrundgesetzes" auflehnten - die "Göttinger Sieben" getauft.
      Doch das ist hier bereits "Schnee von gestern", denn die Jungen sind inzwischen mit einem ganz anderen Fall beschäftigt. In letzter Zeit werden immer wieder alleinstehende alte Frauen in komatösem Zustand aufgefunden, die sich danach an nichts mehr erinnern können. Außerdem sind jedesmal ihre gesamten Ersparnisse verschwunden.
      Weil die Polizei auf der Stelle zu treten scheint und keine Informationen nach außen dringen lässt, trifft es sich perfekt, daß die neue Mitschülerin Maike Bormann die Tochter des neuen Hauptkommissars ist. Paul, Erwin und die Gebrüder Specht beschließen, sie und eine weitere pfiffige Klassenkameradin, Xiaoli Qu, in ihre Gruppe aufzunehmen. Als Maikes Vater dann auch noch den jungen Hund eines der Opfer zur Pflege mit nach Hause bringt, ist das Septett komplett, und die "Göttinger Sieben" nehmen ihre Detektivarbeit auf...

      Zur Produktion:
      Mit dem Start der Serie "Die Göttinger Sieben" hat Saphir-Tonart Chef Sven Schreivogel gleichzeitig ein neues Unterlabel mit Namen "HörKids" ins Leben gerufen, wohl auch, um die Kinderhörspiele klar von seinem Hauptprogramm, welches sich an ältere Jugendliche und erwachsene Hörer richtet, zu trennen. Produzent und Regisseur Schreivogel ist jedoch kein Neuling in der Inszenierung von Kinderhörspielen, denn er hat bereits in den 2000er Jahren Kinderhörspiele für Genossenschaftsbanken gemacht. Während er bei diesen Geschichten überwiegend noch auf eigene Ideen zurückgriff, basiert die neue Serie auf den gleichnamigen Jugendbüchern von Tobias Schrader, die seit 2011 publiziert werden.
      Da mir die literarische Vorlage nicht bekannt ist, kann ich auch keine Aussage darüber treffen, ob und inwieweit die Skriptautorin Lucia Lehmann von dieser womöglich abweicht. So oder so ist mit bearbeitender Unterstützung durch Katja Frenzel eine spannende und in sich schlüssige Geschichte entstanden, der man gern bis zum Ende der knapp 64 Minuten Laufzeit folgt.
      Natürlich ist das Konzept der "ermittelnden jugendlichen Spürnasen mit Hund" jetzt nicht gerade neu, und auch die Zeichnung der Charaktere (einer liebt das Essen, einer ist ein kluger Kopf, eine betreibt die Recherche, die Mädchen sind hübsch etc.) dürfte wohl so manchem bekannt vorkommen, aber die Unterschiede zu den vergleichbaren und bereits lange etablierten Produktionen fallen sofort auf. Das fängt schon mit den Sprechern der zwischen 10 und 13 jährigen Kids an, denn hier handelt es sich auch um solche und nicht um Erwachsene, die versuchen, jugendlich zu klingen oder deren Stimmen künstlich verjüngt werden. Ebenfalls positiv ist die Darstellung und das Auftreten der weiblichen Figuren. So werden die beiden Mädchen, obwohl sie ganz neu dabei sind, sofort als gleichwertig akzeptiert und voll respektiert. Auch bei allen anderen weiblichen Figuren, von der Sekretärin bis hin zur Sicherheitsbeamtin, wird auf jegliches Klischeé verzichtet. Stattdessen werden alle als selbstsichere, den Männern vollkommen gleichrangige Frauen gezeigt. Eigentlich sollte das heute ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber bedauerlicherweise längst nicht immer. Angenehmerweise liegt der Handlungsort nicht im Ausland oder einer fiktiven (Millionen-) Stadt, sondern im bekannten Göttingen. So kann der Hörer, wenn er möchte, die vorkommenden Schauplätze, wie z.B. das "Gänseliesel" auf dem Marktplatz, auf dem Stadtplan nachsehen bzw. den Weg der Detektive verfolgen. Das sorgt für Realitätsnähe und hat den zusätzlichen Vorteil, daß der Autor dem Hörer die Göttinger Lokalitäten näherbringen kann. Warum Kinder- und Jugendhörspiele allerdings so häufig mit einem Abschlusslacher enden müssen, hat sich mir bis heute nicht erschlossen, ist aber auch hier der Fall. Bedauerlicherweise gibt es noch einen Punkt, den das Hörspiel mit vergleichbaren Serien inzwischen gemein hat: die Jugendlichen begehen diverse Straftaten, wie beispielsweise das Brechen des Polizeisiegels oder das heimliche Öffnen privater Briefe, um an Informationen zu kommen. Zwar wird herausgestellt, daß es sich dabei ganz klar um Vergehen handelt und auch welche Konsequenzen diese haben können, aber die Beteiligten kommen wie üblich mit einer freundlichen Verwarnung davon. Meiner Meinung nach werden so die Gesetzeswidrigkeiten aber einfach zu sehr verharmlost, was bei den jugendlichen Hörern zu einem verkehrten Rechtsbewusstsein führen kann. Daß der Erzähler im Anschluss an dieses Abenteuer auf die nächste Folge hinweist, begrüße ich zwar grundsätzlich, aber die hier gegebenen Hinweise sind mir etwas zu allgemein und aussagelos. Da hätte ich mir entweder eine kurze Spielszene gewünscht oder eben eine etwas genauere Inhaltsbeschreibung, die mich dann auch neugierig auf das nächste Abenteuer der "Göttinger Sieben" macht.
      Trotz der unterschiedlichen Studios in Hamburg, Bremen, Berlin und Göttingen (dort wurden wohl die Sprachaufnahmen einiger erwachsener Sprecher wie Wolf Frass oder Helmut Zierl gemacht) ist es Produzent und Regiesseur Sven Schreivogel gelungen, ein einheitlich klingendes Hörspiel zu schaffen, ganz so, als wären alle Sprecher zusammen aufgenommen worden.
      Im Vergleich zu ihren professionellen erwachsenen Kollegen, schwächeln die "Neulinge", also die Kinder, natürlich ein wenig. Einerseits muss man aber bedenken, daß es sich bei ihnen um Amateure handelt, andererseits ist bereits im Laufe des Hörspiels eine positive Entwicklung festzustellen, denn die Kids werden von Take zu Take besser.
      Genauso wichtig für ein Hörspiel sind natürlich die Geräuschkulisse und die Musik. Dabei gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Sounds und Szenen.
      Der Pausenhof mit den lärmenden Kindern, der Marktplatz mit seiner Kirchenglocke und dem dazugehörigen hektischen Treiben oder das gut besuchte Lokal klingen wirklich opulent, andere Örtlichkeiten hingegen kommen etwas "schwachbrüstig" daher. So herrscht im Klassenzimmer eine gespenstische Stille, bei der man eine Stecknadel fallen hören könnte, obwohl jede Menge Schüler "anwesend" sind, die garantiert irgendwelche Geräusche machen würden. Und auch am Flughafen ist mir einfach zu wenig los, da fehlt es an Menschen und für die Örtlichkeit typischen weiteren Lauten. Die kleinen, nur im Hintergrund zu hörenden Geräusche, z.B. die Handysounds oder das Rücken von Stühlen, hören sich überzeugend an, aber die immer gleiche "Tür" wird so oft eingesetzt, daß es schon auffällt und etwas künstlich wirkt. Die Effekte, wie der dumpfe Klang der Stimmen im Nebenzimmer, haben mir gut gefallen.
      Akustisches Highlight ist für mich aber das "Aufziehen" des Sounds, als die Protagonisten das Zelt betreten. Das ist einfach großartig gemacht und versetzt den Hörer mitten in das anwesende Publikum. Überhaupt gehören die Szenen auf dem Rummelplatz, mit dem Ausrufer und den im Hintergrund ablaufenden unterschiedlichen Attraktionen, für mich zu den gelungensten Sequenzen des Hörspiels. Die Komposition und der Text des ins Ohr gehenden Titelsongs, welcher auch nochmal zum Abschluß des Hörspiels erklingt, stammen von dem Göttinger Musiker Axel Mehner, Sängerin ist seine Tochter Jana. Übrigens wird der unterstützende Chor u.a. von vier der "Göttinger Sieben" (Julian-Mark Schmid, Tim Asch, Lisa Thiel und Adele Löser) intoniert. Weitere Kompositionen, die entweder im Hintergund der Szenerie zu hören sind, wie etwa die bedrohlichen Melodien im Haus und dem Zelt, unterstreichen entweder das Geschehen adäquat, oder dienen zum lockeren Übergang in die nächste Szene und stammen von Konstantinos Kalogeropulos. Bei den Instrumenten ist die Gitarre dominierend, aber auch Drums, Klavier und der Synthesizer kommen zum Einsatz.

      Zu den Sprechern:
      Normalerweise umfasst die Sprecheriege eines Jugendhörspiels im Schnitt um die 10 Sprecher, doch hier sind, inklusive des Erzählers, 21 verschiedene Stimmen zu hören. Jan Reinartz(Erzähler) betont zwar gut und bleibt dadurch auch eher unauffällig, aber ich hätte mir einen etwas emotionaleren Vortrag gewünscht. Tim Asch(Paul Benson [Würmchen]) ist der begeisterte Schlauberger der Gruppe. Der Sprecher ist noch sehr jung und klingt auch etwas bemüht, aber für ein Erstlingswerk fand ich die Darbietung durchaus in Ordnung. Lisa Marianne Thiel(Maike Bormann), die "blonde Prinzessin" wirkt da schon wesentlich selbstsicherer und kann als sympathische, hilfsbereite Figur punkten. Wirklich gut hat mir Adele Löser(Xiaoli Qu) in der Rolle der jungen Chinesin gefallen. Sie agiert vollkommen natürlich, und auch bei dieser Figur wird auf jegliches Klischeé verzichtet, denn Löser spricht ein fehler- und akzentfreies Deutsch. Ebenfalls viel Spaß macht Julius Zimmermann(Erwin Sapowski [Kröte]), der ein bisschen vorlaut ist, eine Schwäche für Maike hat und sich im Rahmen der Recherche geradezu kriminell verhält. Julian-Marc-Schmid(Jonas Specht) wirkt eher zurückhaltend und überzeugt vor allem in den Situationen, in denen er verlegen ist, während sein "großer Bruder" Lukas Behnen(Lukas Specht) etwas lustlos klingt und sein Part eh mehr oder weniger auf den des wortkargen Chauffeurs reduziert ist.
      Helmut Zierl(Hauptkommissar Bormann) ist ausgezeichnet in der Rolle des sachlichen Polizeibeamten, genauso wie Marcus Off(Klassenlehrer Helmer) als amüsierter Pauker, der von seinen Schülern liebevoll "Lord Helmchen" genannt wird. Besonders gut finde ich Kornelia Boje(Oma Paschonke). Ihr Portrait der resoluten, aber sehr sympathischen ältereren Frau ist auf den Punkt, und sie kann den Hörer in jeder Situation für sich gewinnen, egal ob beim Flirten oder wenn sie dann doch etwas nervös wird und anfängt zu jammern. Altmeister Wolf Frass(Freiherr von Bromberg) steht ihr in nichts nach und füllt seine Rolle als jovialer, verseschmiedender Kavalier zu vollster Zufriedenheit aus. Jürgen Bittrich(Herr Brunsen) spricht seine Part mit brummeliger Stimme und bleibt vor allem wegen seines harten "Rs" im Gedächtnis. Der Auftritt von Axel Mehner(Herr Lauenburg) fällt kurz aber laut aus. Thomas Kehr(Herr Schneider) spielt den hilfsbereiten Nachbarn und Hausmeister, und Martin Heckmann(Mister Segundus) intoniert eindrucksvoll den geheimnisvollen Hypnotiseur. In weiteren Nebenrollen kommen noch Martin Sabel(Erster Steward) und Jens Wendland(Zweiter Steward) als streng agierende Betreuer, Michaela Klamminger(Sicherheitsbeamtin) als energische Bewacherin und Katja Frenzel(Krankenschwester) als konsequente Pflegerin zu Wort. Agnes Hilpert(Sekretärin), in der Rolle der freundlichen Schreibkraft und Markus Riese(Markus Achenbach) als hilfsbereiter und von den Kindern beeindruckter Herausgeber des "Göttinger Tageblattes" und Sir Gustav Lancelot der bellende Hund, das siebte Mitglied der "Göttinger Sieben". Der weibliche Gast im Lokal bleibt ohne Nennung im Booklet.

      Fazit:
      Für Göttinger Hörspielfreunde eh ein Pflichtkauf, aber auch alle anderen sollten dieser zeitgemäßen Jugendserie ein Ohr gönnen.

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    • Mir hat das Hörspiel auch gefallen.
      Es ist halt ganz auf sein Zielpublikum zugeschnitten, von daher eher nicht das, was ich häufiger höre.
      Kann mir aber absolut vorstellen, dass Kids da ihren Spaß dran haben.
      Was mir gefiel, ist, dass die Bande nicht automatisch überall mit schönen Sprüchen durchkommt, wie das ja z.B. lange Zeit bei TKKG und anderen ähnlichen Jugendserien lief, wo die Erwachsenen automatisch alles glaubten bzw. sich problemlos austricksen ließen :augenroll: - und funktionierte das tatsächlich mal nicht, dann war garantiert "Kommissar Zufall" zur Stelle. :pfeifen:
      Hier blitzen die Kinder stattdessen halt ab, als sie versuchen, sich zu einer der alten Damen ins Krankenhaus zu schummeln, genau so, wie es auch in der Realität passieren würde.
      Und um weiterzukommen, müssen sie dann schon fast zwingend jenseits der Legalität arbeiten, was ich, genau wie MoAs, nicht sonderlich gut fand. Hätte man eigentlich anders umsetzen müssen.
      Aber tja, der Fall wäre sonst halt erst mal ungelöst geblieben - zumindest von ihrer Seite. ;)
      Und "Kröte" kriegt ja zumindest Schimpfe dafür, wobei ich für eine etwas heftigere "Bestrafung" gewesen wäre.
      Vielleicht verdonnern, ein paar Stunden irgendeine gemeinnützige Arbeit zu machen, müsste ja nichts Krasses sein, aber um doch nochmal deutlicher zu machen, dass sein Handeln auch für ihn, als Minderjährigen, Konsequenzen hat.
      Außerdem braucht die Bande ordentlich Unterstützung von der Oma der beiden "Asse", die natürlich total cool ist und gern hilft.
      Ich fand das realistischer, als wenn die Sieben komplett allein die Lösung geschafft hätten.
      Der Einbau der Göttinger Lokalitäten ist nur für dort Beheimatete oder Kenner der Stadt wirklich interessant, aber dann sicher umso schöner!
      Die Kindersprecher sind okay und bemühen sich alle wirklich, lediglich der große Bruder Lukas bleibt ein bisschen farblos, hat aber auch weniger Text als die anderen.
      Der kleine Paul Benson (gesprochen von Tim Asch) klingt total niedlich, der scheint wirklich noch recht jung zu sein, macht seine Sache dafür aber gut!
      Die Erwachsenen sind z.T. aus anderen Produktionen bekannt, da gibt es auch keine Aussetzer.
      Bin schon gespannt auf den zweiten Teil.