Info Das Radio-Hörspiel - Weites Feld oder endlose Ödnis?

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    • Das Radio-Hörspiel - Weites Feld oder endlose Ödnis?

      Wie oft hört Ihr AKTUELLE Radio-Hörspiel-Produktionen? 14

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      Durch den dankenswerten Einsatz von @MonsterAsyl und @QBert und einigen anderen kommen wir immer wieder in den Genuss von Ankündigungen interessanter Radio-Hörspiele, oft ergänzt um eine Download-Verlinkung, so dass sicherlich viele User auf ihren Festplatten einiges an Hörspielen angehäuft haben, die des aufmerksamen Hörens harren.

      Nun ist mir aufgefallen, dass hier zwar regelmäßig Hörspiele angekündigt werden, diese aber eher weniger Gegenstand von Diskussionen oder Anmerkungen sind. Sie werden halt irgendwie mitgenommen, will mir scheinen, aber so richtig beschäftigen tun sie uns offensichtlich nicht, während viele Produktionen aus dem kommerziellen Bereich sehr engagiert kommentiert und analysiert werden.

      Ich möchte mit diesem Thread Abhilfe schaffen und mal das Thema Radio-Hörspiele in den Mittelpunkt rücken.

      Wobei es natürlich DAS Radio-Hörspiel gar nicht gibt, denn auch in diesem Bereich sind die Umsetzungen ja vielgestaltig.

      Interessant ist: Obwohl das Radio-Hörspiel thematisch eher seltener in Diskussionen auftaucht, sind Produktionen aus diesem Bereich eigentlich immer in größerer Zahl dabei, wenn es um die besten Hörspiele aller Zeiten geht.

      Wie also ist das Radio-Hörspiel einzuordnen?
      Was bedeutet es Euch?
      Was mögt Ihr grundsätzlich an Produktionen aus diesem Bereich, was eher weniger?
      Hört Ihr regelmäßig Radio-Hörspiele?
      Und wo liegen für Euch die Unterschiede zu kommerziellen Hörspielen?

      Und wenn wir schon dabei sind:

      Welche Produktionen aus dem Radio-Hörspiel-Bereich sind für Euch herausragend oder zumindest ungewöhnlich bzw. besonders hörenswert?
      Hier gern auch Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, willkommen sind aber auch Klassiker.

      Und wer mit typischen Beispielen für schlechte Radio-Hörspiele aufwarten kann, darf auch dies hier gern erläutern. Interessant wäre dann natürlich die Frage, was daran "typisch" und "schlecht" wäre.

      Zuguterletzt:

      Wie schätzt Ihr die Zukunft des Radio-Hörspiels ein? Ist sein Status gesichert, weil die öffentlich-rechtlichen Sender mit all ihrer Finanzkraft dahinter stehen. Oder wird seine Relevanz mit den Jahren abnehmen und es an Bedeutung verlieren?

      Sind Radio-Hörspiele heute noch stilprägend? Oder kopieren sie heute eher kommerzielle Produktionen?
      Gibt es diese klaren Grenzen überhaupt noch?

      Ich bin gespannt auf Eure Einschätzungen. :)
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp: Die juten Sitten
    • Schönes Thema :thumbsup:

      Gerade erst letztes Jahr habe ich zum ersten mal wirklich realisiert, daß so gut wie alle meiner geliebten LP Klassiker ursprünglich Radioproduktionen waren. :arg4: Das hat mich schon beeindruckt und hat den Stellenwert des Radiohörspiels in meiner Gunst noch weiter erhöht. :zustimm: Dazu kommt noch, daß es letzendlich das Radio war und ist, welches schon immer hochwertig produzierte und sehr umfangreiche Serien herstellt und ausstrahlt. Angefangen mit "Herr der Ringe" über den Orientzyklus" bis hin zu "Märchen und Verbrechen" oder "Die drei Sonnen". Dazu kommt noch, daß das Radio es sich leisten kann, auch mal ein Experiment zu wagen bzw. für ein sehr kleines Publikum zu produzieren. Das sorgt einerseits für Abwechslung und andererseits immer mal wieder für eine (mehr oder weniger) angenehme Überraschung. :biggrin: Ich würde mich als durchaus regelmässigen Radiohörspielhörer bezeichnen, wobei ich zugeben muss, daß diese (öfters) in den Hintergund geraten, wenn aktuelle kommerzielle Hörspiele am Start sind. Aber das hole ich dann nach, wenn wieder Luft ist. Auf diese Weise geht mir auch nie der Hörstoff aus. Soweit ich das beurteilen kann, ist das Radiohörspiel auch produktionstechnisch mit den Ansprüchen des Publikums gewachsen. Wenn man heutige ausgefeilte Produktionen wie "Märchen und Verbrechen" mit einem alten Paul Temple Krimi aus den 1960er jahren vergleicht, wird der Unterschied schnell deutlich. =) Das heisst jetzt aber nicht, daß ich die alten Produktionen deswegen weniger lieben würde, ganz im Gegenteil. Es macht immer wieder Spaß gerade diesen alten Schätzchen ab und an auszugraben und wieder mal zu hören.
      Bei den modernen Radioproduktion hab ich oftmals das Problem mit dem "künstlerischen Anspruch". :sinclair: Für mich hören sich viele dieser Inszenierungen einfach nur chaotisch an, die Musikauswahl gefällt mir oftmals nicht etc. pp. Bestes Beispiel dafür sind die "Gewinner des deutschen Hörspielpreises". :augenroll: Das sind die schlimmsten Dinger überhaupt. :sinclair: Ich habe bisher noch keins davon gehört, was mir auch nur annähernd gefallen hätte. Gestern Abend lief beispielsweise im DFL Kultur "Broken German". Das hab ich genau 5 Minuten ausgehalten und dann konnte ich dem Impuls nicht länger widerstehen, endlich umzuschalten, um meinen Ohren Erholung zu gönnen. :aechz:

      Auch wenn ich sie schon oft in anderem Zusammenhang genannt habe, hier nochmal eine kleine Auswahl an hörenswerten Radioproduktionen, die mir so spontan einfallen:

      Klassiker (obwohl es da schon schwierig wird, weil ich nicht genau weiß, was Du meinst. Ein Klassiker ist es ja laut Definition, wenn es älter als 25 Jahre ist, also orientier ich mich daran. ;) ):
      - Der Herr der Ringe (WDR/SWR)
      - Der kleine Hobbit (WDR)
      - Die Triffids (WDR)
      - Die Kolonie im Meer (WDR)
      - Per Anhalter durch die Galaxis (WDR/SWR)
      - Tom Sawyers Abenteuer (WDR)
      - Sherlock Holmes (verschiedene Sender)
      - Interview mit einem Stern (NWDR)

      Aktuell (innerhalb der letzten zwei Jahre):
      - The Cruise (WDR)
      - Sherlock Holmes und das weisse Band (WDR/RB)
      - Die Infektion (WDR)
      - Fungus Pilz des Grauens (WDR)
      - Killroy was here (SWR)
      - Caiman Club (WDR)
      - Märchen und Verbrechen (HR)

      Etwas WDR lastig ich weiß, aber so ists halt. :biggrin:

      Was die Zukunft des Radiohörspiels angeht, so mache ich mir im Moment keine größeren Sorgen. Dank der Mediatheken sind ja nicht nur die meisten aktuellen Produktionen lang genug verfügbar, auch viele Klassiker tauchen immer wieder mal aus der Versenkung auf. Ausserdem gibt es nach wie vor viele Erstveröffentlichungen bzw. neue Produktionen.
      Klare Grenzen gibt es für mich schon lange nicht mehr. :schulter: Ich sehe die einzelnen Hörspiele auch unter dem Gesichtspunkt, wann sie entstanden sind und dementsprechend fallen auch die einzelnen Produktionen aus. Allerdings gab es durchaus im Radiobereich auch Vorreiter, welche nachfolgende Hörspielproduktionen beeinflusst haben. Ich denke da besonders an die alten Ferency Hörspiel aus den späten 1950er bzw. Anfang der 1960er Jahre. Die sind dermassen mit Geräuschen und Effekten erfüllt, daß man meinen könnte, es handele sich um Produktionen aus den 1980er Jahren.

      Meine 2 1/2 Cents. =)
    • Hm für mich müsste es eine Stufe zwischen "oft" und "gelegentlich" geben.
      "Oft" ist mir zuviel, "gelegentlich" zu wenig.
      Ich sage mal "regelmäßig".
      Eeines pro Woche eigentlich fast immer, zumindest im letzten halben Jahr.
      Und wenn, dann schreibe ich auch im jeweiligen Thread kurz meine Meinung dazu, wie eigentlich bei allem, was ich so höre.
      Ich persönlich mache da keinerlei Unterschied zwischen "freie Szene", kommerziell oder Radio.

      Muss zugeben, dass ich Radiohörspiele lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt habe, kaum je hörte, höchstens, nachdem mir gleich mehrere Leute sagten, diese oder jenes sei was ganz Besonderes.
      Oder wenn, was ja auch nicht selten vorkommt, eines auf CD erschien, mich das Thema interessiert, ich kaufte und zunächst oft gar nicht darauf achtete, dass es sich ja um eine zweitverwertete (häufig schon ältere) Radioproduktion handelte. ;)
      Nachdem mir gerade in letzter Zeit aber diverse "Perlen" beim Radiohörspiel-Hören begegnet sind (ich sage jetzt mal nur "Der nasse Fisch", "Moabit", "Märchen und Verbrechen", "Tod unter Lametta" etc. oder auch die eine oder andere wirklich gute Produktion für Kinder), beschäftige ich mich sehr viel ausführlicher mit dem Genre!
      Dabei steht derzeit auch noch einiges auf der Liste, was ich bald "abarbeiten" möchte, außerdem erscheinen in den nächsten Monaten diverse Hörspiele, die mich interessieren und auf die ich mich wirklich schon freue!
      Dabei liegt mein Fokus immer wieder gerade auch auf älteren Sachen, aber das variiert eben auch.
      Als nächstes werde ich den brandneuen Radiotatort "Cascabel" genießen :ipod: , denn aus dieser Reihe muss es für mich nicht zwingend jeder sein, aber die "Task Force Hamm" ist sozusagen Pflichtprogramm! :thumbsup:

      Um die Zukunft des Radiohörspiels mache ich mir dabei eher wenig Sorgen, solange die Sender dafür ein entsprechendes Budget zur Verfügung haben, wird alles weiterlaufen wie bisher. Und das dürfte noch kein Problem sein.
      Wobei ich mit allzu abgedrehten Produktionen eher wenig anfangen kann, bei denen man zu sehr meint, frei experimentieren zu müssen, sowohl mit Inhalten als auch mit der Musik. :pinch:
      Man kann sich hier solche Extravaganzen natürlich eher leisten als auf dem kommerziellen Sektor, aber mir erscheint das Programm diesbezüglich doch recht ausgewogen.
      Dass man das Kauf-Hörspiel zu kopieren versucht bzw. extra das wählt, was sich dort als gängig erweist, ist mir so bisher nicht aufgefallen.
      Ob sich da aber womöglich gewisse Tendenzen gegenüber den Sachen von vor 5 oder 10 Jahren abzeichnen, könnte ich allerdings auch nicht sagen, dafür beschäftige ich mich erst zu kurz damit.
    • Ich höre viele Radio-Hörspiele und schreibe eigentlich auch jedes Mal dann ein paar Zeilen dazu.
      Habe für oft abgestimmt.

      Eine herausragende aktuelle Produktion ist für mich persönlich Märchen und Verbrechen vom HR.
      Ein absolut großartiges Paket, von den Hörspielen über die Märchen bis hin zum PDF mit der Auflistung aller Beteiligten. :daumenhoch:
      Und natürlich auch Der nasse Fisch.

      Bei den Klassikern fallen mir da spontan R.U.R., Demolition und Die Schatzinsel ein.

      Gruß, Frank
      Wo Leidenschaft ist, da ist auch Hoffnung.
    • MonsterAsyl schrieb:

      Etwas WDR lastig ich weiß, aber so ists halt.
      Das ist die Realität, WDR ist Chef, alle anderen trotz gelegentlicher Hörspielhämmer eine Klasse drunter. Dennoch höre ich wenig Radiohörspiele zur Zeit, nur ein, zwei pro Woche nur.

      Hardenberg schrieb:

      Sind Radio-Hörspiele heute noch stilprägend? Oder kopieren sie heute eher kommerzielle Produktionen?
      Gibt es diese klaren Grenzen überhaupt noch?
      Sicherlich sind sie stilprägend, aber ich finde, dass das kommerzielle Hörspiel schon aufgeholt hat, obwohl es in weiten Teilen immer noch konservativer ist als die katholische Kirche. Immer wieder gibt es jetzt wirkliche Innovationen, die beweisen, dass auch das kommerzielle Hörspiel langsam im aktuellen Jahrtausend angekommen ist. Weiße Lilie!

      Wer also immer noch behauptet, dass kommerzielle Hörspiele nur Kinderkram sind, hat den Schuss nicht gehört.

      "Kopieren von kommerziellen Produktionen", davon kann in keinster Weise eine Rede sein. Aber auch nicht umgekehrt, es sind zwei völlig unterschiedliche Welten, die Grenzen sind weiterhin so wie sie Trump gerne zwischen USA und Mexiko hätte.
      Ich will niemand leiden lassen - Und schrein vor Schmerz und Pein - Lieber wollen wir tanzen gehn - Für immer Freunde sein.
    • Hardenberg schrieb:

      Ich dachte da an Produktionen wie Die Infektion oder auch The Cruise, die sowohl thematisch als auch von der Machart her für mein Empfinden schon ein Stück weit das Feld des kommerziellen Hörspiels beackert haben.
      Hmm, Infektion ist Weber pur, The Cruise ist für mich ein typischer Linscheid/Kummer und die starken Frauen vom WDR (in dem Fall Szallies und Kurth)-Mix. Beides fühlt sich total nach 1live an, ich würde im Leben nie auf die Idee kommen, dass sowas von einem kommerziellen Player kommen könnte.
      Ich will niemand leiden lassen - Und schrein vor Schmerz und Pein - Lieber wollen wir tanzen gehn - Für immer Freunde sein.
    • Tja, so unterschiedlich kann man es empfinden. Ich finde die Parallelen/Überschneidungen augenfällig, allein schon wenn ich mir die Sprecher bei The Cruise anschaue, aber eben vor allem auch in Bezug auf Thema und Art und Weise der Umsetzung.

      Und nur weil diese Hörspiele typische Vertreter für den ausstrahlenden Sender oder die Kreativen dahinter sind (wenn es denn so ist), heißt das ja nicht, dass es es da nicht trotzdem Bezüge, Einflüsse oder Wechselwirkungen geben könnte. Die Beteiligten haben ja schließlich auch eine persönliche Historie, zumal im Hinblick auf eigene Hörgewohnheiten. :)
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp: Die juten Sitten
    • Ich habe mal OFT angeklickt, wobei es eigentlich eher noch etwas mehr ist.

      Ich bin mit Radiohörspielen (unter anderem) aufgewachsen, habe diese auch immer quer durch die Sender "gejagt", und bin dabei auf viele Perlen gestoßen. Deshalb habe ich schon seit Kindertagen eine besondere Beziehung zum Radiohörspiel. Auch heute noch, und seit es viel mehr Sender im Zugriff gibt (Satellit, Internet) und so bequeme Aufnahmemöglichkeiten wie Phonostar angeboten werden, umso mehr!

      Ich finde, dass die ÖR Sender viele wirklich klasse Produktionen anbieten, und dass gerade auch auch unter den aktuellen Hörspielen viele Highlights sind (Der nasse Fisch, Die drei Sonnen, Märchen und Verbrechen, Die Brüder, die Suchanek-Fälle, die aktuellen Castle-Freeman-Hörspiele ...).

      Zu den "Klassikern" wie "Der Name der Rose", "Per Anhalter...", "Das Foucault'sche Pendel", diversen Holmes-Reihen (z.B. vom BR!) und unzähligen grandiosen Einzelhörspielen wurde hier ja schon einiges aufgelistet. Dazu natürlich auch: Paul Temple, Paul Cox, Das Triumvirat, alle Hans-Gruhl-Produktionen, Der Hundertjährige, Otherland, Die Dame-Fälle, Professor van Dusen, Jonas der letzte Detektiv, viele Verne-Hörspiele, Der Orient-Zyklus, Perry Clifton, die Stieg-Larsson-Trilogie, einige Dickens-Produktionen ... ich könnte sehr sehr lang weiter aufzählen. :]

      Dazu kommen noch unzählige großartige BBC-Produktionen und ebenfalls hervorragende Hörspiele aus den Niederlanden, Norwegen, Schweden, die ich ebenfalls sehr gerne höre.

      Wenn der Anspruch allerdings zu verquast daherkommt, bin ich raus. :augenroll: @MonsterAsyl hat das schön auf den Punkt gebracht. :green:
      ' EINS UND EINS IST ZWEI - VON LONDON BIS SHANGHAI ! '
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