Info Gabriel Burns - Die Serien-Besprechung

    • @Evil

      Ich dachte am Anfang, es sei Englisch und das erste Wort wäre "you".
      Aber es könnte natürlich auch rumänisch sein oder französisch oder isländisch. ;-)
      Auf jeden Fall sind diese verzerrten Stimmen häufig recht schlecht zu verstehen.
      Hier versagt der hochgelobte Sassenberg auf ganzer Linie, denn weniger ist manchmal mehr.
    • Folge 8 "Nebelsee":
      Eine eher für sich alleine stehende "Geistergeschichte".
      Eigentlich wird ja am Ende gesagt, dass der vor (3?) Jahren verschwundene Vater seinen Sohn zu sich geholt hat (warum jetzt?), aber so ganz passt der Rest nicht dazu.
      Die Handabdrücke - nur bei Frauen und häufig bei schwangeren, kommen ja noch mehrmals vor (Katmai Tal & Rakshasa Zweiteiler).
      Was mir noch auffiel:
      Die ausfallenden Zähne der Leute. Kommt das nicht auch noch mal vor?
      Jenna/Jana spielt ja später noch eine größere Rolle für Steven.
      Von mir bekommt die Folge 4 Sterne, da einige Sachen einfach keinen Sinn ergeben (grünes Wolframtorleuchten, Wascodröhnen) oder jemals aufgelöst werden.
      Sunny Hazeltine als ersthafte Figur nach seinen Schlusswitzen in Folge 1 & 2, macht sich ebenfalls gut.
    • Neu

      Ich bin mittlerweile bei Folge 21 angelangt.

      Bei den meisten Folgen sehe ich es ähnlich wie @Hardenberg, wo ich aber völlig abweiche sind #19: "Die welke Saat des Lotus", für mich eine ganz starke Folge (4,5 Sterne), welche gar nicht so brutal ist, wie du schreibst.
      Die Szene mit den Beinstümpfen ist eine der wenigen "expliziten" & das gab es auch schon z.B. bei Nachtkathedrale.
      Außerdem wird hier schon von Linztse Sheng gesagt: "Sie sind eine Waffe, Mr. Burns." und dann noch sinngemäß: "Sie sollten nicht so viel nachdenken. Waffen müssen funktionieren.".
      Das nimmt vorweg, was später tatsächlich heraus kommt, dass Gabriel von den Fahlen erschaffen wurde, um die Armee der grauen Engel, von denen er der erste und stärkste zur Erde zu teleportieren und anzuführen.

      Folge 20: "Staub der Toten" ist ebenfalls stark für mich (4 Sterne).
      Ich konnte bei zweimaligem Hören nirgends hören, dass Dr. Zeysen den 7 "Psychos" flüssiges Wolfram gespritzt hat, es wird nur gesagt, dass sie ein Netz aus Wolframfäden um das Gehirn haben, was wohl im Wachsmuseum passiert sein muss, als ein Gespinst aus Fäden aus dem Wolframtor kam.
      Schön fand ich auch die Anspielung, dass die andere Seite die Hölle sein könne, da es dort ja so heiß sei.
      Dass das mit Dorgan Fink nicht schlüssig aufgelöst wird, mag stimmen.
      Schade fand ich, dass Inspektor Lubbers nun gegen Drake ausgetauscht wurde, der ja im viktorianischen Stil gekleidet ist und es wird auch angedeutet, dass dieser sehr alt sei?!

      Die 21: "Zauberer" hat allerdings wirklich viele Schwachstellen.
      Ich sehe es allerdings als offensichtlich, dass der Flüsterer Daniels Stimme erklingen lässt, was er ja in der Vergangenheit auch schon am Telefon tat, und Daniel in dieser Folge gar nicht vorkommt, wie sich später herausstellt ist er ja ein Beobachter.
      Dass ein Beobachter andere Kräfte hat, als der andere, ist ebenfalls keine Unlogik, warum sollten alle gleich sein?
      Es gibt ja offensichtlich auch welche, die Zauberer sind (Daniel z. B.).
      Überhaupt finde ich, darf man die Verhaltensweisen des Flüsterers oder der Fahlen nicht mit menschlicher Logik messen, denn es sind ja keine Menschen (zumindest die Fahlen).
      Außerdem gibt es ja wahrscheinlich mehrere, so dass diese unterschiedliche Pläne verfolgen.
      Und dass Fink und die Fahlen sich nicht absprechen, wird ja auch klar.
      Der Flüsterer könnte Steven z.B. zur Straße der Knochen gelockt haben, um zu sehen, wie weit dieser bereit zu gehen ist, im Sinne von eigenständig, sich von Bakerman los sagend.
      Aber letzteres ist wirklich Spekulation.
      2,5-3 Sterne für die 21.
    • Neu

      @Marco

      Du scheinst die Folgen ja alle recht schnell hintereinander weg zu hören, im Gegensatz zu mir, der ich mir vor einer meiner Rezis die Folgen durchaus zwei, drei Mal anhöre, um sie auch erschöpfend erörtern zu können - da kann einem schon mal ein Detail entgehen. Dass den Probanden bei Staub der Toten Wolfram gespritzt wird, wird nämlich explizit erwähnt. Und bei Die welke Saat des Lotus ist es mitnichten nur die Stelle mit den Beinstümpfen im Müllschlucker, die für einen drastischen Ekelmoment sorgen, sondern es kriechen da Menschen mit ausgestochenen Augen über die Böden, Joyce trägt sogar herausgeschnittene Augäpfel in einer Schatulle mit sich herum, und in den Tiefen der Kanalisation gibt es eine Skulptur aus menschlichen Gliedmaßen, die einen Grauen Engel darstellen. Also doch einiges mehr als nur dieses eine. Mich stört auch gar nicht der Ekel selbst. Wenn es inhaltlich Sinn ergäbe, hätte ich nichts dagegen. Aber in meinen Augen ist es reine Effekthascherei, um Mängel des Skripts zu überdecken. Und das gibt es meines Erachtens bei Andreas Gloge leider sehr oft. Der Effekt darf den Inhalt gern transportieren oder schmücken - er sollte ihn aber nicht ersetzen. Das ist mein Kritikpunkt.

      Und was Deinen letzten Absatz angeht: Es geht nicht um die einzelnen Stellen, sondern um die Summe an Inkonsistenzen. Die Burns-Welt folgt seit Episode 15 keinen festen Regeln mehr. Es herrscht die Willkür des Autors. Alles ist möglich - wenn es der Autor will. Und das war vorher ganz einfach anders. Und besser.
      Jede auch fiktive Welt braucht Rahmenbedingungen, sonst wird es ausufernd, widersprüchlich oder bloß gaga. GB hat diesen Rahmen mit dem Autorenwechsel leider verloren. Und das hat der Serie nicht gut getan. Im Gegenteil.
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Neu

      Gabriel Burns – 23 – Bereit



      (Quelle: amazon)


      Alte Sünden werfen lange Schatten

      SPOILER-Warnung!

      Bakerman ist auf dem Weg zu Stevens Eltern, die vor einiger Zeit ausgewandert sind und nun im britischen Rannoch Moor leben. Er will sie über Daniel befragen. Auf seiner Reise macht der Zug, in dem er fährt, einen außerplanmäßigen Halt, und es kommt in den Weiten des Moores zu einer Konfrontation mit Laura Osgood, der Tochter jenes Mannes, den Bakerman vor vielen Jahrzehnten in Notwehr erstochen hatte, nachdem dieser ihn bei einem Pokerspiel des Betruges bezichtigte. Die alte Frau steht im Bunde mit den fahlen Mächten und deutet an, dass seinerzeit Bakerman hätte sterben sollen und sie nun gewillt sei, diesen Irrtum zu revidieren. Ein Grauer Engel erscheint und schleudert Bakerman ins Moor, wo dieser augenblicklich untergeht.

      Währenddessen macht Steven, der Bakerman im Hause seiner Eltern bereits erwartet, die Bekanntschaft mit Annie, einem Mädchen, das zur Pflege bei seinen Eltern lebt und ihm von toten Kindern berichtet, die ihr erschienen seien und ihr den Tod angekündigt hätten. Als das Mädchen verschwindet, weisen alle Spuren nach Moat Palon, einer altrömischen Brückenanlage, doch Steven und Bakerman, der in letzter Sekunde von einem Unbekannten aus dem Moor gezogen worden ist und nun bei den Burns‘ eintrifft, können nur noch ihre Leiche bergen.
      Die Situation spitzt sich zu, als Laura Osgood wieder auftaucht und von Bakerman getötet wird. Ein Grauer Engel entsteigt ihrem verfallenden Leib, der sich auf Bakerman stürzen will. Doch ehe dies geschieht, wirft sich Steven Burns in die Arme des Ungetüms und verschwindet mit ihm.

      Er erwacht in einer Vision und findet sich in einem Hotel wieder, im Zwiegespräch mit Gabriel, den verdrängten Teil seiner selbst, der ihm aufzuzeigen versucht, wer er ist und was er den Fahlen sein soll. Steven wird weitergeleitet an einen der zehn fahlen Orte und begegnet dort einem Gesichtslosen, der soeben erst von den Toten auferstanden ist und sich selbst als auserwählt bezeichnet. Dieser Mann deutet an, dass er eine Schlüsselposition im Plan der Fahlen einnehme, denn unter seiner Ägide begann seinerzeit die erste Phase des Plans, die Phase Fleisch, und vieles spricht dafür, dass es sich bei ihm um den getöteten rumänischen Diktator Ceaucescu handelt. Der Auserwählte klärt Steven darüber auf, dass die zehn fahlen Orte Gabriels Zuhause seien und er mit ihnen verbunden sei. Er sei zudem der erste der Grauen Engel, der dem Licht widerstehen könne. In diesem Augenblick kann Steven die Schwingen an seinem Rücken spüren und weiß: Er ist Gabriel. Der Auserwählte klärt ihn darüber auf, dass es Stevens Aufgabe sei, für die Fahlen die Tore zu öffnen.
      Ein letzter Rest Menschlichkeit in Steven greift nach seinem letzten verbliebenen Anker, und es zieht ihn von dem fahlen Ort fort, doch zu spät: Es ist vollbracht, der erste der zehn ist gefallen.

      Steven landet in Fairlane und verständigt Larry Newman. Dieser holt ihn ab.
      Doch Steven weiß: Es hat begonnen.


      Mit Bereit haben wir wieder einmal eine randvoll mit Informationen und Erklärungen gefüllte Episode, die gleichzeitig sehr viele stimmungsvolle und auch hochspannende Momente bietet, auf der anderen Seite aber leider auch wieder einige Details präsentiert, die dem Hörer säuerlich aufzustoßen, wenn er es mit einer logischen und glaubwürdigen Plotgestaltung genau nimmt.

      Das beginnt allein mit der Prämisse dieser Folge: Steven Burns‘ Eltern sind nach Schottland ausgewandert, ausgerechnet in die Nähe des Ortes, an dem Bakerman einst lebte und in größte Schwierigkeiten geriet, die ihn seinerzeit dazu nötigten, das Königreich zu verlassen – und wo nun auf der doch ansonsten recht beschaulichen Reise auf einmal die Tochter jenes Mannes auftaucht, den Bakerman damals getötet hat. Aber nicht nur dass sich Stevens Eltern von allen Orten, die sie sich für ihre Auswanderung hätten aussuchen können, ausgerechnet einen in der Nähe jener Stadt gesucht haben, wo die Handlung bzw. Andreas Gloge Bakerman in dieser Folge haben wollte – es stellt sich auch noch heraus, dass ganz offensichtlich mehr hinter den damaligen Geschehnissen rund um das Pokerspiel steckt, als Bakerman immer glaubte. Offensichtlich war es Bakerman, der eigentlich hätte sterben sollen. Und ein ominöses Etwas hat Norman Osgood für einen winzigen Moment abgelenkt, ehe er Bakerman erschießen konnte, so dass dieser ihm zuvorkommen und ihn in Notwehr töten konnte.
      Das ist mal wieder ein ziemlich fetter Brocken, der uns da aufgenötigt wird und an dem man erst einmal ausgiebig schlucken muss, um ihn herunter zu bekommen. Denn wir erinnern uns: Bakerman reiste erst nach diesen Ereignissen nach Bengasi und wurde dort dann mit der Expedition zu den Kufra Oasen konfrontiert, im Zuge dessen er die Bekanntschaft Abdul Ash Badris machte und in den Genuss Ila al Khalfs kam.

      Es jetzt auf einmal so zu drehen, als hätte es schon vorher Versuche der fahlen Mächte gegeben, Bakerman zu beseitigen, strapaziert die Glaubwürdigkeit doch immens. Bisher war Bakerman ein normaler, wenn vielleicht auch fragwürdiger Charakter, der erst durch die Ermordung des Archäologen Christophori auf einen Trip gelangte, der bei Ash Badri und Ila al Khlaf endete. Das alles nun in einen großen Plan zu sortieren, in dem Bakerman nunmehr die Rolle eines Spielballs zukommt, wirkt doch zum jetzigen Zeitpunkt äußerst konstruiert. Die Kreativen der Reihe hätten bei einer Wiederaufnahme dieser Serie eine Menge Phantasie spielen zu lassen, um diese Wendung noch einigermaßen plausibel herzuleiten.

      Auch die Ausgestaltung der Szenen mit Norman Osgoods Tochter, so stimmungsvoll sie auch sein mögen, wirken bei näherer Betrachtung doch seltsam überfrachtet und etwas maßlos. So beginnt alles damit, dass der Schaffner Bakerman auf die alte Dame aufmerksam macht, die, während er schlief, neben ihm in seinem Abteil an seiner Seite gewacht habe und nun, bei seinem Erwachen, natürlich verschwunden ist. Und so spannend diese Ausgangslage auch sein mag: Sie offenbart ein doch sehr seltsames Verhalten jener Frau. Mit viel Brimborium wird Bakerman aus dem Zug gelockt, damit man ihn töten kann, dabei saß die gute Frau eine geraume Weile ungestört neben dem wehrlosen Bakerman, ohne ihm auch nur ein Haar zu krümmen.

      Aha!

      Und wenn wenig später ein Grauer Engel erscheint, um Bakerman den Garaus zu machen, zerreißt er ihn nicht einfach in der Luft, wie er es durchaus könnte, sondern boxt ihn mit seiner Zungenspitze ins Moor, und man überlässt ihn dann seinem Schicksal, ohne sicherzugehen, dass er auch wirklich tot ist. (So dass er dann später auch wieder rausgezogen werden kann.)

      Aha!

      Die ganze Handlung dieser Folge wirkt über weiteste Strecken völlig überkonstruiert und, von der Warte der handelnden Personen aus betrachtet, in Teilen völlig widersinnig oder zumindest absolut unergiebig. Dass dies in dieser Folge nicht so trashig rüberkommt wie bei früheren Folgen, liegt einzig daran, dass dies alles meisterlich in Szene gesetzt ist und von einem atemberaubenden Wechsel aus spannungsgeladenen Szenen fast völlig überdeckt wird.

      Dennoch bleiben diese Inkonsistenzen sichtbar. Diese Folge strotzt vor roten Fäden, die im Nichts enden, nicht nur Laura Osgood wäre da zu nennen, auch die kleine Annie, die von toten Kindern in Moat Palon berichtet und von einer alten Frau, die sie heimsucht. Später verschwindet sie und wird in einem Koffer aus der Erde geborgen, bevor sie unter den Augen des entsetzten Steven zerfällt.

      Auch Steven Burns‘ Eltern sind im Grunde völlig nutzlos in dieser Folge, denn sie tragen im Grunde nichts zu der Folge bei. Der gefasste Vater wechselt ein paar unverfängliche Worte mit Steven, die Mutter klingt, als wäre sie komplett geistesgestört. Klar, sie hat die Ereignisse um Daniel nie verwunden, aber angesichts der Tatsache, dass uns gerade erst verkauft wurde, dass sie sich hingebungsvoll um die kranke Annie kümmert, klingt sie doch beeindruckend lebensuntüchtig in den wenigen Momenten, in denen man sie zu hören bekommt.

      Auch wird ein weiteres Mal angedeutet, dass auch Daniel ein Zauberer gewesen sein könnte, wenn Stevens Mutter dessen Laterna Magica erwähnt, die sich ohne Batterien drehen konnte. Und als wäre es Gloge bewusst, wie unglaubwürdig diese Umdeutung des kleinen Bruders ist, schiebt er eine halbgare Erklärung dafür nach, warum Bakerman davon bisher nichts wusste: Sie hat es ihm einfach verschwiegen. Begründung: Ich darf doch meine Jungen nicht verraten.

      Ach!

      Auch die Szenen, die Stevens Vision darstellen, das Hotel und Gabriel, wirken seltsam drüber, und es wird schnell deutlich, welchem Zweck das Ganze dient: Es wird ein weiteres Mal krampfhaft versucht, das, was vor Folge 14 war, in Einklang zu bringen mit dem, was man uns seit Folge 15 zu erzählen versucht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist dies aber nichts als Behauptung. Das alles wirkt eben noch nicht in sich stimmig. Im Gegenteil, der feste Rahmen wird seit vielen Folgen beständig und nachhaltig aufgeweicht mit dem Effekt, dass das alles doch sehr zerfasert und auch konfus wirkt.

      Immer wieder in den letzten Folgen werden uns Szenen dargeboten, bei denen es erscheint, als gäbe es in dieser Welt, in der Gabriel Burns spielt, überhaupt keine festen Regeln. So auch hier: Da entsteigt ein Grauer Engel plötzlich einem zerfallenden Körper. – Auch das junge Mädchen zerfällt, gleichzeitig heißt es, sie sei jetzt bei den Fahlen, wie Daniel. – Und in den Plots taucht plötzlich eine seltsame Laterna Magica auf, die bisher nie Erwähnung fand, aber auf einmal zum zentralen Motiv zu werden scheint, ebenso wie die besondere (neue) Rolle von Daniel innerhalb des Spiels


      Wieder einmal wirkt es, als gäbe es keine festen Bedingungen mehr, die dem Erzählten unterlegt sind und an die sich auch die einzelnen Handlungselemente zu halten haben. Alles ist möglich seit Folge 15. Wenn die Handlung es nach Meinung des Autoren erfordert, dann teilen sich Flüsterer plötzlich per CD mit, Graue Engel entsteigen menschlichen Körpern, Beobachter haben die Fähigkeit der Gedankenkontrolle usw.

      Da ist es nun wirklich kein Wunder, dass es den Anschein macht, hier hätten die Verantwortlichen den Überblick über die Welt verloren, in die sie ihre Plots einbetten.

      Es ist dies wohl das größte Manko der Serie seit Folge 15.

      Und dennoch sollten diese kritischen Anmerkungen nicht über die Vorzüge dieser Folge hinwegtäuschen, die es eben auch – und zwar in Hülle und Fülle – gibt.

      Vieles, was uns hier geschildert wird, mag einer kritischen Betrachtung nicht so recht stand halten, aber WIE es erzählt wird, beeindruckt in Intensität und Dramatik.

      Schon allein der Auftakt dieser Folge mit dem Auserwählten, der verkündet, er sei tot gewesen und nun ins Leben zurückgekehrt, ist einer der besten der ganzen Serie, und wie Valentin Platareanu diesen neuen Finsterling darstellt, geht unter die Haut. Besser geht’s wirklich nicht.
      Auch der Moment, als Bakerman im Moor versinkt: ganz großes Ohr-Kino! Auf einmal herrscht Stille. Nur der Wind fegt leise über das Moor hinweg. Hier wird wieder Sassenbergs Stärke gerade bei den leisen Tönen deutlich. Er schildert uns Bakermans Todeskampf zurückgenommen – und macht ihn gerade dadurch so beklemmend.

      Ähnlich verhält es sich, wenn er das Geschwisterpaar sterben lässt, das Steven und Bakerman nach Moat Palon begleitet hat. Carolyns Todesangst, als nun sie im Moor versinkt, Bakermans verzweifelte Suche nach einem Werkzeug und dann – die Stille über dem Moor, als er wieder zurückkehrt. Das ist dramatisch und eindringlich und einfach großartig gemacht. Der Pfuhl hat sich beruhigt, von der jungen Frau ist nichts mehr zu sehen. Ein Gänsehautmoment!

      Auch später, als Bakerman sich schützend vor Steven stellen will und dieser sich mit dem Mut der Verzweiflung in die Arme des Grauen Engels wirft und schließlich mit diesem verschwindet, ist so ein wunderbarer Moment. Der Spannungsbogen wird weiter und weiter in die Höhe gepeitscht, bis es kaum noch zu ertragen ist – und dann endet die Szene mit einem wahren Paukenschlag. Meisterlich!

      Was die Sprecher angeht, so glänzen hier dieses Mal besonders die Nebenrollen. Entschieden hervorzuheben ist sicherlich Valentin Platareanu in der Rolle des Auserwählten, der seiner Rolle eine Präsenz und Eindringlichkeit verleiht, dass es ein Genuss ist, ihm zuzuhören.
      Aber auch die Sprecher des Geschwisterpaares, Martin Schmitz und Suzanne Vogt, schaffen es in ihren kurzen Momenten, sich so sehr ins Herz des Hörers zu spielen, dass ihr Ableben wirklich zu berühren vermag.
      Inken Sommer spricht, glaubt man den Sprecherangaben, die im Netz kursieren, Laura Osgood, und sie tut dies mit diabolischer Freude, auch wenn ihr das Skript nicht unbedingt einen hintergründig-boshaften Charakter verpasst hat, sondern wieder einmal Andreas Gloges Neigung zur doch eher plakativen Figurenzeichnungen erkennen lässt.
      Hans Teuscher als Norman Osgood klingt natürlich – wie sollte es auch anders sein bei einem so hervorragenden Sprecher wie ihm – wunderbar finster. Und wie es scheint, war diese Rolle nicht sein einziger Einsatz in dieser Folge, denn auch Steven Burns‘ Vater scheint von ihm, allerdings mit milderer Klangfarbe, gesprochen worden zu sein.
      Einzig Irmelin Krause als Mrs. Burns vermag mich nicht zu überzeugen. Sie klingt nicht wie eine an ihrem Schicksal zerbrochene Frau, sondern wie eine Geistesgestörte, die dringend aus dem Verkehr gezogen gehört. Und ich denke angesichts des Rahmens, in den man diese Figur gesetzt hat, nicht, dass dies die Absicht des Skripts war.

      So bleibt am Ende wieder einmal ein zwiespältiges Gefühl zurück: eine wieder einmal zu weiten Teilen sehr konstruierte und auch unergiebige Handlung, die jedoch mit spannenden, jederzeit mitreißenden und vor allem wunderbar atmosphärisch inszenierten Szenen transportiert wird und mit einer ganzen Reihe wunderbar aufgelegter Sprecher zu überzeugen weiß.

      Hatte ich bei der Folge In das Dunkel noch ein wenig Magengrimmen, als ich mich gegen die Vergabe der dreieinhalb Sternen entschloss und ganze vier Sterne vergab, trotz all der Unstimmigkeiten, treibt mich hier die wunderbare Inszenierung fest entschlossen dazu, die schmerzhaften Mängel der Geschichte zu vernachlässigen und hier ein positives Gesamtfazit auszustellen. Dennoch bleibt festzustellen: Es ist dem Gespann Sassenberg/Gloge bsiher noch nicht ein einziges Mal gelungen, auf ganzer Linie zu überzeugen. Die Makellosigkeit der Plots aus der Zeit Raimon Webers ist noch lange nicht erreicht.

      Sassenbergs atemberaubende Inszenierung überstrahlt in dieser Episode deutlich die Mängel im Skript und schenkt uns so mithilfe einiger erstklassiger Sprecher einen außergewöhnlich spannenden Hörspielmoment.

      :st: :st: :st: :st: :st2:


      .
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Neu

      Gabriel Burns – 24 – Der Erste der Zehn



      (Quelle: amazon)


      Das Erwachen der Macht

      SPOILER-Warnung!

      Nachdem Steven in Fairlane gestrandet ist, wird er von Larry Newman aufgelesen. Gemeinsam machen sie sich auf den Rückweg nach Vancouver, werden aber von einer Frau, die plötzlich mitten auf der Straße steht und anschließend wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint, in einen nahegelegenen Diner gelockt, der gerade von zwei Verbrechern überfallen worden ist. Eine der Frauen, die die Männer in ihre Gewalt gebracht haben, ist tot – ihr Geist stellt sich als die Erscheinung heraus, die Larry und Steven vor das Auto gerannt ist –, eine andere wird von ihnen gefangen gehalten. Unter Einsatz seiner neuentdeckten Gabe gelingt es Steven, die Männer zu überwältigen, indem er sie zu Eis gefrieren lässt.

      Gleichzeitig machen sich Bakerman und Joyce auf dem Weg nach Bukarest. Wie den Nachrichten zu entnehmen war, hat es dort angeblich den Austritt einer hochgiftigen Substanz gegeben, weswegen weite Teile der Stadt abgesperrt und unter Quarantäne gestellt wurden. Grund genug für Bakerman, der Sache auf den Grund zu gehen, zumal er gerade erst in den Besitz eines Tonbands gelangt ist, auf dem zu hören ist, wie sein Kontaktmann Gacek von einer Niles-Züchtung erschossen wird. Wie es scheint, hat also doch noch mindestens eine dieser Kreaturen überlebt. Es stellt sich nun die Frage, wem sie dient – nach dem Tod des Maggiore.

      Bukarest ist wie ausgestorben. Über das Radio verbreitet Lugoj eigentümliche Nachrichten, die offensichtlich die Macht haben, den Willen der Menschen zu kontrollieren; auch Joyce zeigt sich empfänglich dafür.

      Sie und Bakerman versuchen, Kontakt zu Tomasz herzustellen, einem weiteren Kontaktmann Bakermans, geraten jedoch in einen Hinterhalt des Militärs und müssen fliehen. Mit knapper Not erreichen sie ihren Helikopter. Auf ihrer Flucht müssen sie erkennen, dass in unmittelbarer Nähe des Präsidentenpalastes lebende Menschen auf Scheiterhaufen verbrannt werden.

      Zeitgleich überbringt Victor Zeysen eine Gruppe von grauhaarigen Kindern nach Kanada, und es gelingt ihnen mühelos, den kritischen Zollbeamten in ihren Bann zu schlagen, um ungehindert passieren zu können. Wie es scheint, wird Vancouver der nächste fahle Ort sein, der fallen wird. Zeysen zeigt sich selbstgewiss, denn der Erlöser – Steven – sei bereits auf dem Weg zurück.


      Wir haben es hier mit einer inhaltlich eher unkomplizierten Episode zu tun, denn sie dient, wie es scheint, einzig dem Zweck, uns drei Informationen zu vermitteln und kleidet diese – leider ein wenig umständlich – in drei verschiedene Handlungsstränge: Steven lernt, seine Gabe zu beherrschen – Bukarest ist gefallen – Vancouver wird der nächste Ort sein, der fällt.

      Das sind drei Informationen, die durchaus Stoff für eine Folge bieten. Die Frage, die sich nun jedoch stellt, ist, ob das auch gut umgesetzt wurde. Und da muss ich leider feststellen: nein.

      Und das hängt, zum wiederholten Male, damit zusammen, dass die Geschichten, die um diese Informationen gewoben worden sind, leider nicht besonders gehaltvoll oder auch nur originell geraten sind. Das alles wirkt sogar fast ein wenig unausgegoren, als wäre der Inhalt dieser Folge in größter Eile zusammengeklöppelt worden.

      Steven erwacht nach seinem Ausflug an einen der fahlen Orte in Fairlane, marschiert mutterseelenallein durch die Ödnis und wird schließlich von Larry aufgelesen. Und auf dem Rückweg begegnet er dann natürlich sogleich einem Geist, der ihn zu einem Diner führt, das von grobschlächtigen Finsterlingen in ihre Gewalt gebracht worden ist, so dass es angezeigt ist, die neuen Kräfte, die er gerade in sich zu entdecken beginn, an ihnen zu testen.

      Ein weiteres Mal wird uns hiermit ein Plot geboten, der keiner inneren Logik der Burns-Welt folgt, sondern allein dem Willen des Autoren geschuldet ist. Oder anders ausgedrückt: Die Episodenprämisse ist eine reine Konstruktion. Wieder einmal.

      War es unter der Ägide Webers noch so, dass sich die Leute um Bakerman noch zu den fahlen und übersinnlichen Ereignissen hinbegeben mussten, ist es nun so, dass diese Phänomene plötzlich an jeder Straßenecke auftreten, und es beinahe schon als Kunststück erscheint, ihnen nicht zu begegnen.

      Eine solche Art der Plotgestaltung kennt man sonst nur aus schlichtester Trivialliteratur. Gabriel Burns war vierzehn Folgen lang deutlich mehr als Groschengrusel. Was das Skript angeht, sieht das nun seit einigen Folgen anders aus, auch wenn die erstklassige Inszenierung oft darüber hinwegtäuscht und –tröstet.

      Aber selbst wenn wir diese Konstruktion außer Acht lassen: Wie die Ereignisse im Diner ausgestaltet sind, ist wenig originell. Die Verbrecher sind natürlich brutal und abstoßend, die Gefangenen schwach und hilfebedürftig, und Steven bieten sich natürlich beste Voraussetzungen, hier seine Macht spielen zu lassen. Allein – es ist langweilig, dies alles über einen so geradlinigen und wenig überraschenden Weg präsentiert zu bekommen. Sicherlich, Sassenberg schafft es, dies alles in Klangwelten umzuwandeln, die einen für Momente gefangen nehmen, aber aufs Ganze betrachtet, weiß die Handlung im Diner nicht zu überzeugen. Sie ist letztlich einfach viel zu banal.

      Ähnlich verhält es sich bei Bakermans Stippvisite in Bukarest. Es wird deutlich, dass es die Absicht des Autoren war, einen Einblick in die Lebenswirklichkeit eines fahlen Orts nach dessen Fall zu geben – und das ist sicherlich nicht nur berechtigt, sondern auch hochspannend –, doch wie das geschieht, wirkt ein weiteres Mal nicht zu Ende gedacht. Bakerman und Joyce kommen in Bukarest an, eilen zum Treffpunkt, tappen in die Falle, fliehen – und sind wieder weg. Das ist jedoch viel zu simpel und oberflächlich, um tatsächlich auch eindringlich zu sein. Und wieder einmal überdecken drastische Umschreibungen, wie etwa die von dem alten Ehepaar vor dem Fernseher, den Toten in der Wäscherei oder dem Piloten, der von den Stimmen manipuliert wird, die Gehaltlosigkeit des Skripts.

      Und was den Inhalt angeht, so werde ich ein weiteres Mal in meinem Eindruck bestärkt, dass die Plotgestaltung mit uferloser Phantasie betrieben wird. Nun gelingt es also Lugoj einfach nur mittels der Kraft seiner Stimme, nicht nur die Bewohner Bukarests unter Kontrolle zu bringen, sondern sogar Bakermans Hubschrauberpiloten. Das grenzt wieder einmal an Zauberei, an reiner Fantasy, wo doch die ersten vierzehn Folgen lang ein Serienuniversum erschaffen worden ist, in dem es zwar übersinnliche Phänomene zu beobachten gab, diese jedoch wohldosiert und festen Regeln unterworfen schienen. Mittlerweile ist jederzeit alles möglich. Das aber rückt Gabriel Burns ganz entschieden ins Triviale. Und es wird wieder einmal deutlich, dass dieser Serie der auch intellektuell überzeugende Unterbau verloren gegangen ist.

      Dabei ist Andreas Gloge durchaus nicht talentlos. Betrachtet man die zugrundeliegenden Skripte, werden schon auch ein Gespür für Spannung und Dramatik, für eine mitreißende Dramaturgie und ein ausgesprochener Sinn für Originalität, was Schauplätze und Wendungen angeht, sichtbar, doch all das kommt viel zu ungestüm und ungefiltert daher, ist nicht einer Form unterworfen, keinem folgenübergreifenden Konzept, sondern wirkt ganz entschieden impulshaft und willkürlich – was die Einzelfolgen im Nachhall viel zu oft nicht überzeugend, unrund oder sogar misslungen erscheinen lässt, und es ist allein Volker Sassenbergs überragendem Regie-Talent zu danken, dass dies sehr oft nicht so deutlich zutage tritt, wie es bei einer genaueren Betrachtung zwangsläufig der Fall sein muss, denn seine Fähigkeit, die häufig unzureichenden Szenenfolgen in ein spannungsgeladenes und eindringliches Atmosphäre-Feuerwerk zu verwandeln, schafft es während des Hörens, den Fokus fort zu lenken von den Mängeln, die das Skript vorhält, und nur wenn der Autor der Regie nicht viel Raum zur originellen Gestaltung bietet, wird diese Problematik überdeutlich – wie bei dieser Episode.

      Was die Figurenzeichnung angeht, so setzt sich hier fort, was ich in einer meiner letzten Besprechungen bereits angeführt habe und was auch in Zukunft weiter kritikwürdig bleiben wird: der Umgang mit dem Charakter des Steven Burns. War er ja schon zu Beginn der Serie ein schwer fassbarer, weil eben nicht stereotyper Charakter, ist er seit dem Autorenwechsel geradezu schwammig und diffus geworden. Es ist schwierig, sich ein Bild zu machen von der Figur, nach der letztlich, wenigstens zu einem gewissen Teil, die ganze Serie benannt ist. Er wirkt mal souverän, dann wieder emotional gebrochen, dann aggressiv, verzweifelt, nachdenklich, sensibel. Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass eine Person all das empfinden kann, vielleicht auch in kürzerer Zeit ein Wechselbad der Gefühle durchzustehen hat, aber man muss natürlich bei seiner Figurenzeichnung immer auch im Blick haben, ob das am Ende alles auch noch schlüssig und konsistent daherkommt

      Und bei Steven Burns beginnt man sich schon seit geraumer Weile zu fragen: Welche Eigenschaften trägt er denn nun eigentlich in sich? Was treibt ihn an? Was will er?

      Mal zieht er sich völlig in sich selbst zurück, will mit nichts etwas zu tun haben. Dann wieder ergreift er die Initiative, klaut ein Flugzeug und fliegt um die halbe Welt. Dann geht er auf Tauchstation bei seinen Eltern und wirkt fast schwermütig, um dann kurz darauf mit der Macht der Verzweiflung auf einen Grauen Engel zuzustürmen, mit dem er dann verschwindet. Hier nun, in dieser Folge, nachdem er doch eigentlich Traumatisches erfahren hat, wirkt er auf einmal wieder überraschend abgebrüht und kaltblütig.

      Ich verstehe natürlich, dass man uns zu erzählen versucht, dass der Gabriel in Steven an die Oberfläche drängt, doch die Umsetzung überzeugt mich nicht. Und auch nicht die Kombination Steven-Gabriel. In manchen Szenen mischen sich diese beiden Anteile zu einem Untrennbaren, dann wieder, in späteren Folgen wird das deutlicher, sind sie scharf voneinander abgegrenzt und bekämpfen einander. Das passt für mich nicht zusammen, fügt sich nicht zu einem harmonischen Ganzen, sondern hinterlässt bei mir eher den Eindruck, dass sich die Macher der Serie selbst nicht ganz im Klaren darüber waren, wie sich das denn nun genau verhalten soll.

      Und so wird diese Figur immer unschärfer, bis sie dann auch physisch irgendwann fast völlig aus der Serie verschwindet, ohne dass es dafür eine befriedigende Erklärung gäbe. Meine Vermutung: Man wusste nichts mehr mit ihm anzufangen bzw. wie man das, was man mit ihm vorhatte, befriedigend umsetzen soll.

      Mit Folge 15 beginnt nach meinem Eindruck eine Konzeptlosigkeit von dieser Serie Besitz zu ergreifen und prägt sie über viele, ja sogar über zwanzig Folgen lang nachhaltig, und nur die hervorragende Inszenierung täuscht über dieses prägende Manko ein Stück weit hinweg. Problematisch ist jedoch, dass bei einer Fortführung der Reihe mit diesen Widersprüchlichkeiten und Inkonsistenzen umzugehen wäre. Man kann sie nicht einfach negieren. In den Folgen 15-36 ist uns eine Menge zugemutet worden, das der befriedigenden Aufschlüsselung harrt. Und ob das überhaupt möglich wäre, wage ich mittlerweile ernsthaft zu bezweifeln.

      Womit wie wieder einmal beim Thema Kontinuität innerhalb der Serie wären, denn auch da hat sich, wie ich ja bereits häufig kritisiert habe, seit Folge 15 einiges zum deutlich Negativen gewandelt. Auch in der vorliegenden Folge wird das deutlich: Als Bakerman und Joyce Bukarest verlassen, sehen sie durch die Fenster des Helikopters, wie in der Umgebung des Präsidentenpalastes in aller Öffentlichkeit Bestrafungen praktiziert werden: Lebendige Menschen werden - weithin sichtbar - auf riesenhaften Scheiterhaufen verbrannt.

      Auf der anderen Seite wird uns durch die Handlung mitgeteilt, dass die Einwohner von Bukarest mittels Gedankenkontrolle ruhig gestellt worden sind. Und welchem Zweck sollte das dienen außer jenem, größeres Aufsehen nach außen zu vermeiden?
      Mit der nächsten Folge herrscht Ruhe in Bukarest. Alles läuft, wie ausdrücklich erwähnt wird, wieder in normalen Bahnen. Würde man tatsächlich, wenn das der Zweck ist - also ebenso geräuschlos wie unaufgeregt die Macht eines fahlen Ortes zu erlangen - riesige Scheiterhaufen unter freiem Himmel errichten, um dort Massen von Menschen zu töten?
      All das hätte man natürlich auch viel diskreter handhaben können - und im Hinblick auf die eigentliche Zielsetzung sogar müssen.
      So jedoch widerspricht man sich bei der Darstellung der Ereignisse selbst.
      Wenn man als Autor den großen Effekt haben will - in diesem Fall: die Scheiterhaufen -, dann muss man sich eben auch eine befriedigende Begründung dafür suchen. So, wie es erfolgt ist, widerspricht es jeglicher Logik.

      Wobei ja auch fraglich erscheint, warum Bukarests Einnahme so erfolgt und die Stadt später noch für die übrige Welt sichtbar ist, während Vancouver plötzlich wie ausgetilgt ist, so dass niemand es mehr kennt. (Was ja bedeutet, dass die Fahlen dann sogar die gesamte Menschheit gedanklich zu kontrollieren wissen - was im Serienkontext doch wirklich zum Haareraufen ist. Aber ich will nicht vorgreifen!)

      Inhaltlich interessant ist übrigens, dass in einer Tonband-Aufzeichnung ein weiteres Mal Luther Niles auftaucht und ausdrücklich gesagt wird, dass offensichtlich eine der Züchtungen überlebt hat. Ich weiß nun nicht mehr, wie sich das im weiteren Verlauf aufklärt, ob diese Szene noch relativiert wird, doch wenn nicht, dann hätten wir hier ja einen Ansatz, diesen bei den Fans so überaus beliebten Schurken bei einer möglichen Fortführung wieder auftreten zu lassen, dieses Mal in Diensten eines anderen Herrn. Ich würde das ausdrücklich begrüßen.

      Von den Hauptsprechern sind in dieser Folge mal wieder alle mit an Bord und leisten, wie gewohnt, eine sehr gute Arbeit. Die Gastsprecher fügen sich gut ein, auch wenn in dieser Folge niemand besonders heraussticht.

      Sounddesign und Musik zeigen sich wieder einmal äußerst souverän, was vor allem auch beim Einsatz von Stevens Gabe deutlich wird, beides weiß aber im Ganzen leider nicht die offensichtlichen Schwächen des Skripts zu überdecken (im Gegensatz etwa zur letzten Folge, wo dies sehr gut gelungen ist).

      Das Cover von Ingo Masjoshumann zeigt dieses Mal deutliche Bezüge zum Inhalt der Folge - was ja nicht oft der Fall ist -, und der helle Blauton, in dem das Motiv gehalten ist, passt sehr gut zum Thema der Kälte, das den Handlungsstrang um Steven Burns durchzieht. Für mich eine gelungene und stimmungsvolle Arbeit.

      So bleibt im Fazit nur, dieser Folge inhaltlich ein eher schlechtes Zeugnis auszustellen, was aber durch die souveräne Regie in einem begrenzten Maße aufgefangen werden kann. Der Plot zu Der Erste der Zehn ist äußerst schlicht und wenig gehaltvoll. Es ist nicht gelungen, die Punkte, die man transportieren wollte, auch in eine Geschichte von auch bloß geringer Relevanz zu kleiden. Im Grunde hätte man der Kern des Plots auch in einem knappen Dialog vermitteln können. Es fehlt an der inhaltlichen Originalität, die rechtfertigt, aus diesen wenigen Details eine ganze Folge zu schöpfen.


      Äußerst mäßiges Skript bei unverändert guter Regieleistung – diese Folge ist leider nicht einmal solider Durchschnitt.

      :st: :st: :st3: :st2: :st2:



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      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Neu

      Vielen, vielen Dank wieder einmal für die letzten Besprechungen.
      Wieder einmal toll sie zu lesen und du schreibst sie so interessant & machst die Folge für mich dadurch wieder lebendig.
      Dadurch kann ich mich nach all den viellen Jahren wieder an einiges erinnern.

      Hardenberg schrieb:

      Und bei Steven Burns beginnt man sich schon seit geraumer Weile zu fragen: Welche Eigenschaften trägt er denn nun eigentlich in sich? Was treibt ihn an? Was will er?
      Mal zieht er sich völlig in sich selbst zurück, will mit nichts etwas zu tun haben. Dann wieder ergreift er die Initiative, klaut ein Flugzeug und fliegt um die halbe Welt. Dann geht er auf Tauchstation bei seinen Eltern und wirkt fast schwermütig,...
      Das war für mich damals auch ein großes Ärgernis.
      Ich konnte sein Verhalten damals oft nicht nachvollziehen, es änderte sich einfach zu schnell.
      Dadurch ist eine Distanz zu der Figur aufgekommen und das ist leider natürlich keine gute Entwicklung.

      Ich freue mich auf deine weiteren Besprechungen! :hutheb:
      Besser Illusionen die uns entzuecken als zehntausend Wahrheiten