Info "Wenn ich bis 50 nicht erwachsen bin, muss ich auch nicht mehr" -- die fehlenden erwachsenen Themen im Hörspiel

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    • "Wenn ich bis 50 nicht erwachsen bin, muss ich auch nicht mehr" -- die fehlenden erwachsenen Themen im Hörspiel

      Angeregt durch einen Hinweis auf einen ähnlichen Thread aus dem Talker-Forum, ich könne diese Diskussion ja auch hier mal lostreten (merci!), komme ich dem ein gutes Jahr später nach (hüstel) und stelle eine viel zu wenig ernsthaft ausdiskutierte Frage. In Torsten Dewis "Wortvogel"-Blog hatte dieser in seiner Besprechung der Superhelden-Filmschwemme folgendes Statement aufgestellt:

      Torsten Dewi schrieb:

      Das Blockbuster-Kino scheint nur noch für 14jährige Jungs entwickelt zu werden und entwickelt dabei eine Sogwirkung, die alle anderen Zielgruppe mitreißt. Es MACHT aus anderen Zielgruppen geschmacklich und intellektuell 14jährige Jungs. Ich habe kein Problem damit, wenn man als 14jähriger Junge begeistert „Deadpool“-Comics liest und ein 14jähriges Mädchen die „Hunger Games“-Romane. Aber irgendwann wird man erwachsen, irgendwann muss man nach komplexeren Lösungen fragen, nach Antworten auf Fragen, die einen tatsächlich betreffen. DAS scheint „out“. (Fettmarkierung von mir)

      Ich stellte bei den Talkern die Frage "Trifft dieses Nichtbeschäftigenwollen mit solchen Fragen nicht auch zum guten Teil auf die Kassettenkindergeneration beim Hörspiel zu?" und löckte natürlich gegen den Stachel, weil es ja bekannt ist, dass viele Hörer Hörspiele hauptsächlich oder ausschließlich zur Entspannung und zum Einschlafen hören. Die Reaktion war wenig enthusiastisch, so im Sinne "Alter, das weißt du doch schon". Aber ist das alles, was dazu zu sagen wäre?

      Torsten Dewi schrieb:

      „Kramer gegen Kramer“ war der große Aufreger 1979/80, weil das Problem von Scheidungsvätern aufgebracht wurde. „Christiane F.“ dokumentiert den Horror Heroin. Oft waren das Einblicke in Welten, deren Teil wir nicht waren – von denen wir aber annehmen konnten, dass sie tatsächlich existierten. Irgendwo. Erwachsene Themen, erwachsene Filme.

      Das ist vorbei: Filme und Serien kreieren neue, artifizielle Welten, in denen zwar Menschen vorkommen, die aber ansonsten keine wirklichen Schnittpunkte mit der Realität mehr aufweisen. Hier wird für Ideale und Ziele gekämpft, die so universell wie generisch sind, teilweise leer und verlogen klingen: Freiheit, Gerechtigkeit, Zusammenhalt. So wenig konkret, dass jeder das Thema füllen kann, wie es ihm passt. Natürlich gab es immer die Zweiteilung Drama/Blockbuster. Zur Zeit von „Christiane F.“ und „Kramer gegen Kramer“ kamen auch „Flash Gordon“ und „Poltergeist“ ins Kino. Aber ich habe das Gefühl, dass die Balance weg ist, dass der Markt kippt. ALLES ist heute Blockbuster, ALLES ist kindliches Bombastkino, selbst im Fernsehen.

      Wir leben in einer Welt, in der Pubertät keine Phase mehr ist, sondern ein Lebensentwurf. Das sehe ich bei Facebook täglich, wo erschreckend viele Menschen nach dem Motto leben: „Wenn ich bis 50 nicht erwachsen bin, muss ich auch nicht mehr“. Nein, MÜSSEN muss man nicht. Aber die Welt braucht Erwachsene, die sich vor Problemen nicht im Kinderzimmer verstecken, sondern sie angehen.

      Ich verstehe die Überlastung nicht, die ausgerechnet zum Gedanken "ich hatte einen anstrengenden Tag, jetzt entspanne ich mich bei einem Krimimord oder einer Dämonenmetzelei" führt. Wenn ich wirklich Entspannung brauche, dann doch ganz was Anderes (Ruhe, ein gutes Buch, Badewanne, Massage). Aber wenn ich mir statt dessen sowas wie JS reinziehe, kann ich mich doch auch mit erwachsenen Themen beschäftigen. Mir zur Entspannung entweder ein gripsforderndes Hörspiel wie "Die drei Sonnen" geben oder beim Hören eines Filmtonhörspiels wie "Im Winter ein Jahr" Parallelen zu eigenen Erinnerungen ziehen. Das ist unterhaltend. Das muss nicht anstrengend sein.

      Gibt es dazu ein paar Meinungen? Kein Bock mehr auf erwachsene Themen, grundsätzlich nicht?
      They call me the Fader. Which is what I'm about to do.
    • Oh, gutes Thema.

      Ich möchte beides - aber es muss gut gemacht sein, das ist wichtig.

      Ich mag die Super-Unterhaltung à la Monster 1983, ich höre aber auch sehr gerne Hörspiele mit - wie Du das nennst - erwachsenen Themen, oder besser: Themen, die die Welt bewegen (sollten). Auch solche kann man gut präsentieren, wie das z.B. letztes Jahr das Hörspiel Seerauch gemacht hat oder dieses Jahr der Caiman Club. Oder die vielen Radio-Tatorte, die immer heiße Eisen anpacken (Flüchtlinge, Altenpflege, Reichsbürger etc.) Und von diesen "erwachsenen" Hörspielen gibt es schon eine Menge. Auch die Cixin-Liu-Hörspiele (Die drei Sonnen sowie die Oktober-Fortsetzung Der dunkle Wald) fallen darunter. Die Bücher dazu sind ja nicht umsonst Welt-Bestseller, werden also auch von Millionen gelesen.

      Immer das ewig gleiche alte Zeug - das wäre doch langweilig. Und es tritt auf der Stelle.

      Übrigens kann man auch in Blockbustern gut wichtige Inhalte verstecken (ich denke da an Doctor Who oder Bladerunner oder Mark Brandis).

      Das Problem der Trennung zwischen Popcorn-Kino und Programm-Kino ist allerdings nicht wirklich neu. Es gab schon immer sogenannte "Programm"-Kinos, in denen anspruchsvollere Filme für kleineres Publikum liefen. (Zumindest seit den 70ern, seitdem ich das verfolge.)

      Erwachsener Inhalt, der funktioniert, Spaß macht und zum Denken anregt - das findet man auch in Kassenschlagern wie BREAKING BAD. Klappt doch hervorragend!
      Das Leben ist zu kurz für schlechte Hörspiele.
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      Hörspiel- und Hörbuch-Rezensionen
    • Nur weil ich in meiner Freizeit auch mal Kinderhörspiele höre, heißt das doch im Umkehrschluss nicht gleich, dass ich noch nicht erwachsen bin. 8)

      Für mich ist eben ein drei ??? Hörspiel so in etwa eine Art Entspannung wie für andere die heiße Badewanne, wenn ich dich mal zitieren darf, Fader. Ich habe nämlich keine. :D

      Aber jetzt mal im Ernst. Hörspiele sind für mich ein Hobby und da muss ich auch mal vom sonstigen Alltagsstress abschalten können. Beim Abwaschen oder Voliere putzen könnte ich mir natürlich auch Hörspiele mit erwachsenen Themen anhören oder ich lasse mich von einem trivialen Jugendhörspiel unterhalten. Das ist bei mir von der Laune abhängig. Genauso gut könnte man fragen, warum sich die Leute vom Durchschnitts-Radio berieseln lassen, obwohl sie genauso gut Klassik hören könnten. Es ist halt einfach Geschmackssache.

      In meiner Hörspielsammlung findet man nicht nur Hörspiele für Kinder, sondern auch Sachen wie z. B. Roch, Stücke von Shakespeare oder auch vor Blut triefende Horrorhörspiele.

      Aber zum Einschlafen brauche ich dann ein Stück heile Welt aus der Kindheit. Ok, wenn das damit gemeint ist, dass man nicht erwachsen wird, dann mag das vielleicht auch bei mir so sein. :schulter:
    • gruenspatz schrieb:

      Ich möchte beides - aber es muss gut gemacht sein, das ist wichtig.
      Genau!

      Ein Beispiel ist "Austin Powers", eine Parodie aiuf "James Bond". :green:

      Da dreht sich Ian Flemming ja im Grabe um, denkt man, wenn man die
      wirklich geile Klamotte sieht, deren weibliche Hauptrolle eine gewisse
      Mrs. Kensington, eine echte Bond - Agentin der Liebe ist. :D

      Wenn man dann die neueste Folge von Heliosphere hört, kann Herr Flemming
      auf Balthasar stolz sein!
      Und Irina Petrova kommt gleich in einem "anderen Licht" herüber, das einem Gänsehaut
      auf den Rücken treibt!
      ists Zufall, oder wollte dies Balthasar so?

      ..
      Interplanar: Du hörst nicht zu, Du bist dabei! :applaus:
    • Kompliziertes Thema. Ich mach's mal noch komplizierter:

      Es gibt auch viele Sachen, die im erwachsenen und intellektuellen Gewand daherkommen, die im Kern eigentlich ziemlich kindisch sind und es gibt kindgerechte Sachen, die komplexe Themen einfach und unterhaltsam präsentieren. Der gemeinsame Nenner ist, dass beide predigen wie bekloppt, wenn sie schlecht sind und differenziert aufklären, wenn sie gut sind.

      Mit anderen Worten: ich mag beides und nicht zwangsläufig getrennt. Aber auch. :zwinker:
    • S.R.-Fan schrieb:

      Nur weil ich in meiner Freizeit auch mal Kinderhörspiele höre, heißt das doch im Umkehrschluss nicht gleich, dass ich noch nicht erwachsen bin. 8)

      Für mich ist eben ein drei ??? Hörspiel so in etwa eine Art Entspannung wie für andere die heiße Badewanne, wenn ich dich mal zitieren darf, Fader. Ich habe nämlich keine. :D
      Das unterschreibe ich so auch (bis hin zur Badewanne :green: ).
      Ich höre viel Neues, aber auch Paul Temple (zum x.ten Mal) oder den Fluch des Rubins oder Perry Clifton. Alles hat seine Zeit!
      Genauso wie ich leichte und schwere Literatur lese oder Pop und Klassik höre.
      Und bei Filmen und Musik ist es ja auch nicht anders - da sieht und hört man ja auch vieles mehrmals.
      Das Leben ist zu kurz für schlechte Hörspiele.
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      Hörspiel- und Hörbuch-Rezensionen
    • Ich persönlich finde das wir in der Hörspiellandschaft alles haben, also ernste wie heitere Themen, erwachsene wie seichte Themen. Manches ist mehr vertreten, manches weniger, aber für mich passt die Mischung.

      Die Behauptung, dass die Hörspielthemen mehr 14-Jährige als Erwachsene anspricht, sehe ich nicht. Ganz im Gegenteil, gerade für sehr junge Menschen, Teenager, fehlt es an passenden und modernen Hörspielen. Leider. Da hat die Spiele- und Video/Kinobranche deutlich mehr und bessere „Antworten“ als dies die Hörspielbeanche macht.

      Natürlich ist nicht jeder Hörspielfan gleich und natürlich wünscht sich der eine oder andere aus seiner persönlichen Sicht zu Recht mehr erwachsene Inhalte. Aber dies ist aus meiner Sicht eine Minderheit. Die Mehrheit kann sich aus dem aktuellen und vergangenen Portfolio der Hörspielbranche genug erwachsene Themen „ziehen“.

      Ich finde übrigens den Satz „Wenn ich bis 50 nicht erwachsen bin, muss ich auch nicht mehr“ großartig und mir gefällt diese Einstellung. „Erwachsen sein“ bedeutet für mich nicht nur positive Eigenschaften wie anspruchsvoll und verantwortungsvoll zu sein, sondern auch schwerfällig, müde und langweilig zu sein. Ich bewundere Menschen, die sich eine Jugendliche Einstellung bewährt haben. Interessanter Weise sind dies nach meinen Erfahrungen nach Menschen, die auch sehr alt geworden sind.

      Ich für mich halte es ähnlich wie @gruenspatz Ich höre alles passend nach meiner Stimmung und Laune. Und ich für mich habe Lust auf Abwechslung, mal lustig, mal ernst, mal anspruchsvoll, mal seicht. Dauerhaft seicht oder dauerhaft anspruchsvoll würde ich nicht aushalten und mir den Spaß am Hören verderben. Von daher bin ich wohl mal anspruchsvoller Erwachsener und mal seichtes Kassettenkinder. Aber egal was ich höre, ich begebe mich damit auf eine Reise um mich vom Alltag zu entfernen. Das funktioniert mal so und mal so.

      Aber natürlich wird es Hörer geben, die ausschließlich erwachsene Themen haben wollen. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Aber ich finde es auch vollkommen OK, wenn jemand um solche Themen einen Bogen macht und nur heitere, lustige oder seichte Hörspiele hören möchte. Ich verstehe beide Gruppen. Ich kann nur nicht verstehen wenn eine Gruppe der anderen Gruppe dies vorhält.
    • Übrigens finde ich @Stehgeiger-Josefs Posting Klasse. Man kann nicht immer alles in Schubladen ablegen und sagen jeder Geisterjäger ist für 14 Jährige siehe Die Meisterin, jede Kinderserie ist für Kinder siehe DODO. Es gibt so viele sehr gute Hörspiele, die unabhängig dem Themen oder dem Genre eine anspruchsvolle Unterhaltung sind. Überhaupt hat auch hier jeder ein anderes Erleben was für ihn erwachsen und was kindisch ist. Und dass ist auch gut so.
    • @Markus G. Danke 8)

      Diesen Abschnitt unterschreibe ich auch:

      Markus G. schrieb:

      Ich finde übrigens den Satz „Wenn ich bis 50 nicht erwachsen bin, muss ich auch nicht mehr“ großartig und mir gefällt diese Einstellung. „Erwachsen sein“ bedeutet für mich nicht nur positive Eigenschaften wie anspruchsvoll und verantwortungsvoll zu sein, sondern auch schwerfällig, müde und langweilig zu sein. Ich bewundere Menschen, die sich eine Jugendliche Einstellung bewährt haben. Interessanter Weise sind dies nach meinen Erfahrungen nach Menschen, die auch sehr alt geworden sind.
    • Ich stelle mir eher die Fragen, was sind denn explizit "erwachsene Themen" Verbrechen, Monster, Bösewichte, Abenteuer, technische Experimente etc. das gibt es alles auch in "Kinderhörspielen". Ist es nicht eher die Art der Beschreibung die eben den Unterschied zwischen Kind und Erwachsenem Content ausmacht?

      Man könnte z.B. The walking Dead auch als Zeichentrickserie so gestalten das es total kindgerecht wäre. Mit Tieren oder whatever. Eben so das man die Story transportiert, aber eben auf dem Niveau eines Kindes.

      Es ist doch nicht das Thema oder die Geschichte, sondern die Art der Aufbereitung für welche Zielgruppe es im Endeffekt gedacht ist.

      Und das es da zielgruppenübergreifende Sachen gibt, das zeigen z.B. Harry Potter, Star Wars oder auch die Drei Fragezeichen sehr gut.

      Und das etwas "Altersabhängigkeit" ist, das verkehrt sich doch inzwischen schon eher fast ins Gegenteil.
      Welches Kind käme auch den Gedanken sich ein Lichtschwert für knappe 600 € oder sich den Lego Millenium Falcon für schlappe 4.400 € zu kaufen.
      Oder einen Star Wars Füller für knapp 25.000 €

      Da werden "Kinderspielzeuge" zu Luxusgütern für Erwachsene. Und auch bei Hörspielen geht doch auch der Trend dahin, das die Picture-Vinyls der Drei Fragezeichen, doch keine Platten mehr sind die man ins Kinderzimmer gibt.

      Ich glaube fast die Gruppe der "50 jährigen Spielkinder" ist wesentlich grösser als man vermuten könnte und als man eigentlich zugeben möchte. Ich kenne Konzern-Manager in meinem Alter, die haben Comics in 5 stelligem Wert in ihrem Schreibtisch liegen. Würden die aber niemals offen im Rahmen an die Wand hängen, weil es ihnen peinlich wäre. Oder eben den o.G. Star Wars Füller und der verkommt zum reinen Staubfänger in der Schublade, anstatt ihn zu präsentieren.

      Meine Frau meint auch manchmal ich solle den Vader-Helm und das Lichtschwert doch mal wegpacken wenn der Besuch kommt, aber wozu?
      "Great men are forged in fire. It is the privilege of lesser men to light the flame"
    • Ben Kenobi schrieb:

      Ich stelle mir eher die Fragen, was sind denn explizit "erwachsene Themen" Verbrechen, Monster, Bösewichte, Abenteuer, technische Experimente etc. das gibt es alles auch in "Kinderhörspielen". Ist es nicht eher die Art der Beschreibung die eben den Unterschied zwischen Kind und Erwachsenem Content ausmacht?
      Nein. Erwachsene Themen sind Fragen von Verantwortung für andere, Schuld, Fehlentscheidungen, Liebe in komplizierten Schattierungen, Lebenslinien und -wege -- solche Sachen. Das sind Dinge, die idR Jugendliche einfach nicht betreffen, weil sie in einem anderen Lebensabschnitt stehen. Das von Dir Genannte wie Verbrechen, Monster, Bösewichte, Abenteuer, technische Experimente kommt ja potenziell auch im Märchen oder Jugendgeschichten vor, ist deswegen nicht "per se" "erwachsen", und die Unterscheidung hierbei ist auch nicht der Grad der Tiefe der Dekolletés :erica: oder der Höhe der Blutfontänen :roulette: .

      Das ist zumindest das, was ich denke und was ich aus Torstens Artikel rauslese:

      Torsten schrieb:

      Ich habe kein Problem damit, wenn man als 14jähriger Junge begeistert „Deadpool“-Comics liest und ein 14jähriges Mädchen die „Hunger Games“-Romane. Aber irgendwann wird man erwachsen, irgendwann muss man nach komplexeren Lösungen fragen, nach Antworten auf Fragen, die einen tatsächlich betreffen.
      Den Artikel zu lesen lohnt sich, auch wenn's da um Film geht. Das ist genauso auf's Hörspiel anwendbar. Dann wird auch vielleicht noch besser deutlich, was ich meine, und weswegen es nicht getan ist, darauf hinzuweisen, dass (postmodern) doch jeder egal was gut finden dürfe und man nicht werten solle. Diese Diskussion gab's ja immer wieder mal, und darum geht's mir nicht.
      They call me the Fader. Which is what I'm about to do.
    • Thorsten schrieb:

      Aber irgendwann wird man erwachsen, irgendwann muss man nach komplexeren Lösungen fragen, nach Antworten auf Fragen, die einen tatsächlich betreffen.
      Ich habe mir den Artikel nun komplett durchgelesen. In erster Linie wird hier die Schwemme der Comic-Superhelden kritisiert. Ein Trend der sich im Hörspielbereich praktisch nicht gezeigt hat.

      Zu besagtem obigen Kommentar würde ich meinen, dass dies sicherlich auf das Leben an sich zutrifft. Irgendwann einmal wird man mit dem Ernst des Lebens konfrontiert, muss nach Antworten und Lösungen suchen. Probleme und Schwierigkeiten bleiben vor niemanden stehen, leider und man muss sich dem stellen. Möchte man neben dem tagtäglichen Suchen nach Lösungen und Antworten auf Fragen des Lebens im Beruf, im täglichen Umgang mit Menschen, in seinen Beziehungen dies nun auch im Hörspiel hören? Ich für mich, wie geschrieben, ja manchmal schon und hierzu gibt es für mich genug passende Hörspiele, Hörbücher und Geschichten. Aber manchmal möchte ich mich diesen Themen auch ganz bewusst entziehen, denn wenn ich mich diesen Themen widmen möchte, dann muss ich nur durch die Haustür gehen. Dann möchte ich Abwechslung. Und das Schöne an unserem Hobby ist, dass wir mit dem Hörspiel in unseren Gedanken und unserer Phantasie an Orte gelangen und Geschichten erleben können, die fern unserer Realität, fern des ganzen Zorres und fern der Dinge, die sich vor unserer Haustür abspielen. Würde man dies nicht mehr erleben können, würde man dem Hörspiel eine ihrer Stärken nehmen.
    • Oh, schönes Thema. :D

      Ich finde, man sollte das Thema nicht zu sehr einengen, sondern immer differenzieren. Natürlich ist nicht jeder, der ein DDF-Hörspiel zum Einschlafen hört, ein unreif gebliebener Mensch, der sich eskapistischen Phantasien hingibt. Und natürlich ist es erstrebenswert, im Alter auch das noch zu sein, was man jung im Herzen nennt.

      Aber in der Tendenz fällt doch auf, dass heutzutage Themen, die man früher eher weniger in Richtung Erwachsener verortet hätte, sogar ganz explizit an Erwachsene richtet. Auch frühere Generation hatten sicherlich ihre Kindheitsidole. Da die Medienauswahl und die entsprechenden Technologien begrenzt waren, konnte das natürlich im späteren Alter nicht solche Blüten teiben wie bei uns Kassettenkindern, bei denen ja letztlich das Techno-Zeitalter für Kinder richtig anfing.

      Aber man kann, davon losgelöst, durchaus fragen, ob es nicht seit Jahrzehnten eine Tendenz zur ewigen Pubertät bzw. lebensbestimmende Sehnsucht nach Kindheit gibt. Denn was macht Kindheit meist aus? Sorglosigkeit. Die wichtigen Dinge des Lebens werden von den Erwachsenen geregelt, die Kinder werden von bösen Nachrichten abgeschirmt und können sich ganz dem Kindsein widmen.
      In einer Welt, die seit knapp dreißig Jahren einem heftigen Umbruch unterworfen ist und in dem die Unsicherheiten wachsen und erstmals das Gefühl wieder zunimmt, dass es für einen selbst unter Umständen nicht besser, sondern schlechter wird, kann auch der Antrieb zunehmen, die Augen vor den bitteren Realitäten zu verschließen, um sich in einen anderen Gemütszustand zu versetzen. Das ist der Effekt des Kissens, unter dem das verängstigte Kind seinen Kopf steckt: Wenn ich das Grauen nicht sehe, ist es nicht da.

      In diesem Sinne ist das Interesse erwachsener Menschen für Kinder- und Jugendthemen durchaus interessant. Und seien wir doch mal ehrlich: Es hat schon etwas Schräges, wenn ein fünfzigjähriger Unternehmensberater abends zum Einschlafen Benjamin Blümchen hört oder der vierzigjährige Familienvater und Facharbeiter liebevoll seine Star Wars-Figuren in der Vitrine drapiert.
      Aber das ist ja nicht schlimm. Warum nicht ein bisschen schräg sein?!

      Schlimm wird es nur, wenn das ganze Leben aus diesen (und vergleichbaren) Dingen besteht - und man sich tatsächlich gar nicht mehr mit den realen Problemen dieser Welt beschäftigt. Wenn es plötzlich wichtiger wird, dass ein DDF-Autor mit einem Detail die von Arthur geschaffene Klassiker-Reihe vermeintlich entweiht oder wer im neusten Star Wars-Film das Furunkel am Hintern von Obi Wan Kenobi spielt oder ob der dreiundzwölfzigste Dummbeutel-Dämon bei TSB von Erwin Scherschel oder Horst Kaschuppke gesprochen wurde - wenn das also wichtiger wird als die Frage, wohin es mit einem selbst, mit seiner Familie, mit dem Land und der Welt im Ganzen geht, ob alles vor die Hunde geht oder alles so bleibt, wie es ist. Dann nämlich haben wir es mit einer degenerierten Bevölkerung zu tun, die zu schlaff ist, um die Werte des demokratischen Rechtsstaates zu verteidigen und längst in einer Haltung versickert, die postdemokratische Verhältnisse ermöglicht.

      Und ich fürchte, in einer solch riskanten Phase befinden wir uns längst.

      Insofern würde ich die Beschäftigung mit kindlichen Themen auch nicht als ursächlich betrachten, sondern natürlich als symptomatisch.

      Und man darf in diesem Zusammenhang durchaus auch den Hörspielmarkt hinterfragen. Problem ist ja nicht die Unterhaltung. Sondern die Unterhaltung auf schlichtestem Niveau. Die dann auch noch begeistert aufgenommen wird.

      Wie gesagt: Das ist nicht schlimm. Aber es ist doch zumindest bemerkenswert.

      Konkret zu den Zitaten von Dewi lässt sich natürlich noch einwenden, dass das Kino generell an Relevanz verloren hat. Das ist tatsächlich nur noch kindisches Blockbuster-Entertainment, bei dem es nicht stört, wenn sich der Nebenmann schmatzend und schlürfend über seine zwei Liter Cola und das Jumbopack Popcorn hermacht - und selbst wenn man für eine halbe Stunde auf dem stillen Örtchen verschwindet, dürfte man hinterher nicht den Eindruck haben, etwas verpasst zu haben.

      Die Geschichten, die aus dem Kino verschwunden sind, bekommen wir heute viel intensiver und epischer im TV oder via Stream serviert. Da haben Kino und TV/Stream einfach ein Stück weit die Rollen getauscht. Im Kino Herr der Ringe, im TV/Stream Game of Thrones. Und da liegen nun wirklich Welten dazwischen.
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp:
      Oliver Dörings Phantastische Geschichten
    • @Hardenberg Das sind interessante Gedankengänge, die sicher nicht falsch sind.

      Aber dann muss man mindestens noch ergänzen, dass die momentan arbeitende(n) Generation(en) auch einem sehr viel größeren Druck standhalten müssen, als ihre Eltern das mussten. In der Arbeitswelt hat sich viel verschlimmert, was man z.B. an der Unsicherheit, die Zeitarbeit mit sich bringt oder auch an der Globalisierung und dem Zeitalter der Konzerne und ihrer hässlichen Hire&Fire-Politik ablesen kann. Das soll nur eins von vielen Beispielen sein.

      Und alles schnell und immer schneller, gut und immer besser, mehr und immer mehr!

      Und da gibt es dann Druck und man sucht sich sein Ventil. Einer häkelt, einer lässt Lenkdrachen steigen, einer hört Hörspiele aus alter Zeit und einer spielt gewalttätige Ballerspiele. Noch ein anderer gärtnert.

      Verglichen mit den vielen vielen Ballerspielern - da kommt doch ein Benjamin-Blümchen-Hörer (nein, da gehöre ich nicht zu :green: ) sehr viel sympathischer rüber, meinst Du nicht?
      Das Leben ist zu kurz für schlechte Hörspiele.
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      Hörspiel- und Hörbuch-Rezensionen
    • Ich kann Mr. Wortvogels Ausführungen zu den muskelbepackten Weltrettern die uns schöne ferne Welten schmackhaft machen, nicht teilen. Wir flüchten nicht vor der Realität, sondern wir sind die aufgeklärten Erwachsenen (im Gegensatz zu unseren Eltern - die haben nur als Rädchen im Getriebe gedient) - WIR beschäftigen uns mit dem Sinn des Lebens, mit allem drum herum.

      Und in der Freizeit darf man da ruhig mal in die unbeschwerte Filmwelt schweifen.

      Die Superheldeninflation kommt nur daher, das heutzutage alles zu Geld gemacht wird was noch irgend nen Euro abwirft. Ausquetschen bis nichts mehr rauskommt - das ist auch unsere Zeit!
    • Es gibt auch ernste Themen im Kino. Der Kinofilm "Elser - er hätte die Welt verändert", die zwei Filme über Fritz Bauer, der Film über das Kennenlernen des Ehepaares Obama, Spielbergs Film über Lincoln, der Kinofilm über den deutsch/französischen Kriminalfall Kalinka, um nur einige zu nennen.

      Aber auch im TV gibt es ernste Themen in Filmen. So werden im Tatort und Polizeiruf 110 immer wieder gesellschaftskritische Themen verarbeitet. (Pflegenotstand, Reichsbürger ...) Aber auch in weiteren Filmen (z. B. die RAF Trilogie, Filme über DDR und die Auswirkungen auf die Gegenwart) gibt es ernste Themen.

      Dann gibt es noch viele Tragikomödien, wie z. B. "Ein Mann namens Ove", "Der Gott des Gemetzels", "Vincent will Meer", "Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück", um nur einige zu nennen. Das sind auch Filme, die zum Nachdenken anregen.