Info "Wenn ich bis 50 nicht erwachsen bin, muss ich auch nicht mehr" -- die fehlenden erwachsenen Themen im Hörspiel

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    • Hardenberg schrieb:

      Aber weit gefehlt: Döring hat alle überrascht mit einer sehr "erwachsenen" Herangehensweise an das Thema.
      Hat er das?
      Für Folgenreich hat es aber anscheinend nicht gereicht. Denn sonst wäre die Wells Reihe da ja weiter gegangen.




      Hardenberg schrieb:

      Und gibt es typische Vertreter einer eher "erwachsenen" Art von Hörspiel, was auch immer man jeweils darunter versteht?
      Roch ist da für mich an vorderster Front.
      Alleine schon weil Politik eben kein Thema ist das viele Kids und Jugendliche begeistert (vor dem Greta-Phänomen).
      Überhaupt ist Christian Gailus da wohl in Deutschland "Spitzenreiter" auch mit Glashaus.

      Und natürlich dann Hörspiele der ÖR. Wobei das Zielpublikum gerade von 1Live ja eigentlich eher die Jugend ist, fallen Die Infektion und The Cruise für mich gesehen eher ins "gehobene Alter".
      "Great men are forged in fire. It is the privilege of lesser men to light the flame"
    • Naja, es kann ja gerade darum nicht gereicht haben, weil es zu erwachsen für die Folgenreich-Hörerschaft gewesen ist... :zwinker:

      Das eine hat ja nicht zwingend mit dem anderen zu tun.

      +++

      Und ohne Zweifel, Die Infektion und The Cruise mögen kurzweilig und unterhaltsam sein, aber für eine "erwachsenere" Herangehensweise an das Thema Hörspiel stehen sie für mich nun so überhaupt nicht.
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp:
      Oliver Dörings Phantastische Geschichten
    • Hardenberg schrieb:

      Seht Ihr am Markt exemplarische Vertreter eines Typs Hörspiel, das eher weniger "erwachsen" rüberkommt, sich also in Machart, inhaltlicher Ausarbeitung oder Dramaturgie eher an das Kind im Hörer richtet bzw. auf die reine Nostalgie des Kassettenkindes fokussiert? (Obwohl sich das Hörspiel vordergründig an Erwachsene richtet.)

      Das wäre für mich ganz klar "Die Ferienbande" - viel Nostalgie und augenzwinkernde Annäherung an die Hörspiele der Kindheit, aber ganz klare Ansprache an die nunmehr erwachsene Hörerschaft, dabei toll produziert (zumindest die ersten, die nicht live waren) und mit köstlichen Seitenhieben versehen


      Hardenberg schrieb:

      Und gibt es typische Vertreter einer eher "erwachsenen" Art von Hörspiel, was auch immer man jeweils darunter versteht?

      Und hier haben dann ganz klar die ÖR-Produktionen die Nase vorn:

      Dieses Jahr gibt es viele, die irgendwie rund um Nazi-Deutschland spielen,
      z.B.
      Wenn Martha tanzt (Tom Saller) NDR 2019
      oder
      Michaela Karl - Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an NDR 2019
      oder
      Hans Schweikart - Es wird schon nicht so schlimm RBB 2019

      (Dazu gehört dann auch "Der nasse Fisch", der sich zeitlich an die Nazizeit ranschiebt)


      oder Hörspiele, die sich mit Verlust und Tod beschäftigen
      Töchter (Lucy Fricke) NDR 2019


      oder politische wie
      Neunuernberg oder Glashaus.


      oder - auch ganz ganz stark:
      Tote WInkel von Hermann Bohlen, WDR 2019
      Hier geht es um die Eskalationen im Straßenverkehr
      Kann ich nur wärmstens empfehlen.
      Das Leben ist zu kurz für schlechte Hörspiele.
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      Hörspiel- und Hörbuch-Rezensionen
    • Das ist ja mal eine richtige Empfehlingsliste. @gruenspatz Danke dafür.

      Und wie sieht es im kommerziellen Bereich? Gibt es da auch "typische" Vertreter einer eher erwachseneren Herangehensweisean das Thema Hörspiel?

      Vielleicht mag ja auch @Fader seine Sicht kundtun. Würde mich sehr interessieren.

      Mir selbst fiele da vielleicht Anja Herrendorf ein, die in beiden Hörspielen, die ich von ihr kenne, Der Abgrund und Die juten Sitten, versucht, soziale Dynamiken aufzuzeigen, dabei im Ansatz eine Art "Sittenbild" erstehen lässt, das über die einfache Geschichte durchaus ein Stück weit hinausreicht.

      Und @Interplanar fordert den Hörer mit der Herangehensweise an das jeweilige Hörspiel sehr. Auch da ist, für mein Empfinden, die Zielsetzung eine ganz andere als das übliche Easy Listening mit Nostalgiebezug.
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp:
      Oliver Dörings Phantastische Geschichten
    • "Der Abgrund" ist ja nicht wirklich kommerziell, da gratis zu hören.

      Bei "Mark Brandis" gibt es auf jeden Fall "erwachsene" Teile, wie die Gewissenskonflikte und die Selbstgespräche von M.B.

      Dann fällt mir noch "übernacht" von Johanna Steiner ein, bei der Lauscherlounge produziert. Das geht aber schon sehr in Richtung Radiohörspiel vom Wesen her.
      Das Leben ist zu kurz für schlechte Hörspiele.
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      Hörspiel- und Hörbuch-Rezensionen
    • Hardenberg schrieb:

      Und wie sieht es im kommerziellen Bereich? Gibt es da auch "typische" Vertreter einer eher erwachseneren Herangehensweise an das Thema Hörspiel?

      Vielleicht mag ja auch @Fader seine Sicht kundtun. Würde mich sehr interessieren.
      Naja, "typisch" ist schwer zu definieren. Um im kommerziellen Hörspiel zu überleben, kann man sich reines Arthaus nicht leisten, also muss in einer ansprechenden Geschichte mehr als nur ein Hauch "tiefere Bedeutung" drin sein, um sich in meinen Augen zu qualifizieren.

      Hardenberg schrieb:

      Und @Interplanar fordert den Hörer mit der Herangehensweise an das jeweilige Hörspiel sehr. Auch da ist, für mein Empfinden, die Zielsetzung eine ganz andere als das übliche Easy Listening mit Nostalgiebezug.
      Das würde ich unterschreiben (aber das überrascht hier auch keinen). Das von @gruenspatz genannte "übernacht" gehört durchaus auch in die "Zone" erwachsenerer kommerzieller Hörspiele (es ist ein kommerzielles Hörspiel, bevor es dann auch mal im Radio lief/läuft), aber von Johanna Steiner kam bei der LL jetzt nichts weiter mehr in der Richtung, so dass die LL da für mich kein präzises Labelprofil hat. Auch sie nicht als Regisseurin, denn die ganzen Fitzeksachen für audible, die sie gemacht hat, sind zwar erwachsen im Sinne von Thrill/Horror, aber das war's auch.
      They call me the Fader. Which is what I'm about to do.
    • Ist natürlich auch immer die Frage, inwieweit man U und E überhaupt voneinander trennen darf. Meiner Meinung nach muss jede Kunst in gewissem Sinne eingängig sein, auf die eine oder andere Weise. Sie muss es nur halt nicht auf platteste Weise.

      Kunst, die dagegen bloß eitle Selbstbespiegelung ist, sich dabei hochfahrend in pseudointellektuellen Andeutungen ergeht und darum im Grunde kaum konsumierbar ist, ist für mich dagegen kein gelungenes Beispiel für 'erwachsene' Kunst.

      Für mich sind U und E kein Widerspruch. Das E sollte vielmehr Ergänzung sein.
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp:
      Oliver Dörings Phantastische Geschichten