Info Hoerspiel im Umbruch?

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    • Hoerspiel im Umbruch?

      Hmm. Es scheint, dass uns einiges an Veraenderungen ins Haus steht. Es gibt einige Tendenzen, welche das Hoerspie wie wir es kennen veraendern koennte.

      (1) Streaming - Spotify macht anscheinend nur Verluste, ist aber nun zusammen mit Samsung dabei, dass Spotify auf jedem Samsumg Handy vorinstalliert wird. Rechnen tut sich Streaming anscheinend weder fuer Labels noch fuer Spotify. Wie wird sich das langfristig auf das Hoerspiel auswirken?
      (2) Luebbe macht rote Zahlen - Sind vielleicht selbst Urgeisteine wie John Sinclair nicht mehr sicher? Die Kuh wird ja mit vielen Spin-Offs gemolken wie es geht. Gibt es vielleicht eine Saettigung? In wieweit werden auch heilige Kuehe von den geplanten Kuerzungen verschont bleiben.
      (3) Imaga - Auch hier ueberdenkt man das Geschaeftsmodell, vor allem ausgeloest von Streaming. Was wird das bedeuten? WIrd Marco Goellner vielleicht wechseln? Mehr fuer Holysoft machen? Was wird Oliver Doering machen?
      (4) Es gibt in letzter Zeit einige neue Variationen von Hoerspielen. Eine lange Zeit lang, gab es Lesungen und Hoerspiele. Vielleicht auch noch inszinierte Lesungen. Aber in den letzten Jahren haben sich vor allen zwei neue Variationen eingestellt. Die erste sind die ungekuerzten Hoerspiele, die vor allem Audible so gerne macht, z.B. mit der Waringham Saga. Das zweite ist ein Hoerspiel, welches mit sehr hohem Erzaehleranteil produziert wird. Teilweise um Lizenzkosten aus dem Wege zu gehen (da man sagen kann, dass es kein Hoerspiel ist), teilweise aus Kostengruenden. Beispiele sind Captain Future, Macabros und Larry Brent von Winterzeit. Das scheint mehr und mehr in Mode zu kommen.
      (5) Konsolidierung? Gibt es demnaechst noch mehr Konsolidierungen von Labels? Kann sein.
      (6) Alte Hoerspiele kommen wieder. Was in letzter Zeit an alten Klassikern herausgekommen ist, ist schon atemberaubend. Es scheint da ein Nachholbedarf an diesen alten Klassikern zu geben. Was Highscore da z.B. alles rausbringt, ist schon ueberraschend.
      (7) Es scheint, dass langlaufende Serien mit einer grossen Rahmenhandlung nicht mehr laufen. Gabriel Burns, Foster, Fallen, alles scheint eher kuerzer auszufallen als geplant und limitiert zu sein. Anscheinend verkaufen sich Reihen (deren Folgen man sich beliebig anhoeren kann und die bisherige Handlung muss man auch fuer eine neue Folge nicht unbedingt im Ohr haben. Ausnahmen sind da z.B. Heliosphere aber das sind eher die Ausnahmen.
      (8) Und es wird mal wieder Zeit fuer eine neue Sherlock Holmes Hoerspielreihe, oder?

      Ich sehe einiges in Umwaelzung. Da sind Sachen dabei, die sehe ich positiv, andere eher mit Bedenken. Das Hoerspiel wird nicht aussterben und es gibt ja immer wieder neue sehr interessante Projekte und ich will auch gar keine Daemmerstimmung einleiten. Veraenderung kann auch befreiend seien. Aber Veraenderungen scheinen sich uns zu naehern.

      Was denkt ihr?
    • Das Hörspiel war schon immer im Wandel. Denkt man zurück in die 90er, wo es so gut wie tot war.
      Auch langlebige Serien leiden schon immer unter dem Schwund an Hörern. Sinclair 2000 wird es genauso ergehen, bzw. ist es schon so ergangen. Die Verkaufszahlen als die Serie startete sind mittlerweile gewaltig eingebrochen. Aber das war schon immer so. Wenn eine Serie in den 80ern / 90ern viele Folgen aufweist muss man mal analysieren, von wann bis wann diese produziert wurde. Z.B. die 107 Folgen JOHN SINCLAIR von Tonstudio Braun wurden "gerade mal" 10 Jahre produziert. Von 1981 bis 1991. Und die 37 Masters of the Universe Hörspiele wurden innerhalb 4 (!) Jahren produziert. Das muss man sich mal vorstellen. Als Kind dachte man immer, JAN TENNER wäre schon immer da gewesen und man hätte die Serie 20 Jahre lang gesammelt. Aber die 45 Folgen erschienen "nur" von 1980 bis 1989. Gerade mal 9 Jahre.

      Daher ist es ein regelrechtes Wunder, dass eine Serie wie FAITH VAN HELSING, die 2006 startete, nach nunmehr 12 Jahren noch immer läuft und auf reges Interesse stößt. Selbst bei KNIGHT RIDER von Europa (was eine unglaublich populäre Lizenz war) brach das Interesse der Hörer nach wenigen Jahren ein. Oder nochmal zurück zu den MASTERS OF THE UNIVERSE, wenn man sich das mal vor Augen hält: 37 Folgen in 4 Jahren! Obwohl das ein riesen Ding an Lizenz war und sich in fast jedem Kinderzimmer mit allerlei Artikeln befand, ließ das Interesse an den Hörspielen nach 4 Jahren nach.

      Eigentlich kann ein Label damals und heute echt froh sein, so viele Hörspiele einer Serie wie es geht in kurzer Zeit zu produzieren. Ein Wunder, dass auch LADY BEDFORT so lange lief. Daher kein Wunder, dass Serien mittlerweile als Kurzserien oder in Staffeln produziert werden, weil halt alles (wie damals) so schnelllebig ist und sich ein Interesse an etwas nicht lange hält.

      Streaming? Habe ich schon immer geschrieben, halte ich nicht viel von. Sieht man ja. Damit kann man als Label ein paar Rechnungen beahlen, aber nicht von leben. Daher müssen (!) CDs so lange es geht produziert werden. Und zwar Sammlerediitonen mit Bonusmaterial, längerer Spielzeit, exclusiver Ausstattung eines dicken Booklets mit redaktionellem Inhalt, usw. Damit ist dann trotzdem noch Geld verdient, wenn man tollen Inhalt in Form einer interessanten Geschichte mit ausgebildeten Sprechern und geschulter Regie anbietet.

      Und eine neue Holmes Reihe kommt ja von Holysoft in ein paar Jahren.

      Hoerspielecho.de - Reden wir darüber.
    • Interessant. Danke fuer deinen Beitrag @Audioromane.

      Ich wuerde bei dem Kommentar, in dem als Gegenpol von Streaming die CD gennant wird, gerne hinzufuegen, dass ich legale Download-Kaeufe (die ja irgendwo dazwischen angesiedelt sind) strukturell wie eine CD sehe. Das ist finanziell fuer die Labels sehr aehnlich (mit ein bisschen weniger Umsatz, aber viel weniger Risiko durch nicht benoetigte CD Pressungen). Das kann den Profit sogar hoeher ausfallen lassen, als CDs.

      Als du das Beispiel Faith angesprochen hast, kam mir ein Gedanke, dass Labels in meiner Ansicht nach mehr machen sollten, um Kunden langfristig zu binden damit eine treue Fan-Basis entsteht. Anscheinend hat R&B das mit Faith geschafft. Ich denke, dass manche Labels da noch Nachholbedarf haben. Z.B. Live-Auffuehrung oder im Planetarium, oder mehr direkten Kundenkontakt. Ich weiss nicht, was man da sonst noch so alles machen kann, aber ich sehe es als sehr effektiv an, eine treue Fankundenschaft aufzubauen, und das passiert nicht nur darueber, dass man sehr gut Hoerspiele macht. Da ist so viel mehr moeglich.
    • zu 1 ) Mir leuchtet das auch nicht ein,wer vom Streaming ausser der Kunde profitiert ? Für Alleinige Streaminganbieter wie Spotify wird sich das auf Dauer nicht tragen,die anderen Streaminganbieter wie Apple,Google und Amazon können ja kompesieren.

      zu 2 ) wie Audioromane bereits schrieb,Sinclair ist rückläufig die Hörspiele und erst recht die Romane.So wie aussieht versucht Lübbe ein bisschen Umsatz mit Nostalgie zu machen,das wird nicht funktionieren.Und der Markt der Groschenromane ist tot

      zu 3) Wir leben im Zeitalter des Streaming,das alleine finanziert aber kein Hörspiel oder eine Hörspielserie.Aber man kann sich diesem "neuen Markt" nicht mehr verschliessen.Die CD Verkäufe sind im allgemein rückläufig.Ich denke Imaga wird auf lange Sicht einen starken finanziellen Partner im Rücken haben müssen,um überhaupt weiterhin bestehen zu können.

      zu 4 ) keine Meinung,da habe ich mich damit nicht beschäftigt

      zu 5) Die gibt es bereits,kleine Label werden von starken Partnern mitfinanziert. Ich gehe noch einen Schritt weiter,und denke es wird bei den Erwachsenen Hörspiele bald nur noch wenige Label geben,ich denke da an Highscore,Holy,R+B Company und Romantruhe.

      zu 6) Ich denke dass bis auf Europa die Lizenzkosten sich im moderaten Rahmen bewegen.Und bei einer Mischkalkulation aus Streaming/CD/Download eine Win win Situation

      zu 7) Dass wundert mich allerdings,weil im visuellen Bereich scheint das zu funktionieren

      zu 8) Wer braucht die ??
    • Haggi schrieb:

      zu 6) Ich denke dass bis auf Europa die Lizenzkosten sich im moderaten Rahmen bewegen.Und bei einer Mischkalkulation aus Streaming/CD/Download eine Win win Situation
      Genau das sehe ich anders. Da wird etwas "Altes" billig gekauft und auch im Verhältnis zur "Neuware" auch wieder billig verkauft bzw. zum Stream eingestellt werden.
      Und im Endeffekt leiden die Neuproduktionen drunter.
      Gerade bei Sachen die dann zum größten Teil nur "digitale Wiedergänger" sind, als seelenlose Hörspiel-Zombies.

      Gewinn macht in dem Falle nur das Label das einen alten Pool aufgekauft hat und damit Kasse macht. Der Hörspiel-Szene bringt es kaum was.
      "Great men are forged in fire. It is the privilege of lesser men to light the flame"
    • Gibt es John Sinclair eigentlich als eBook? Ich finde z.B. das Format des eBooks super. Z.B. Seelenwaechter oder Heliosphere. Da erscheinen alle 2 Monate ein eBook welches auch ein Groschenroman sein koennte. Warum nicht JS oder andere Geschichten auf das Format umstellen. Hefte aus Papier sind wirklich nicht mehr aktuell. Diese eBook Serien mit kurzen (100 Seiten) Geschichten, die regelmaessig herauskommen scheinen ja gut zu laufen.
    • Cherusker schrieb:

      Gibt es John Sinclair eigentlich als eBook?
      Jep, jede Woche eine neue Folge.
      kuck mal hier

      Btw. Ich hätte Punkt 8, also die Frage nach einer neuen Sherlock Holmes-Serie, eigentlich ironisch verstanden :zwinker: , nachdem der Markt diesbezüglich schon länger total übersättigt ist - zumindest meinem Empfinden nach. Und ich mag den Meisterdetektiv ja nun wirklich.
      Ich nehme höchstens noch neue Stories, aber keine mehr nach Vorlagen von A. Conan Doyle. :gaehn:
    • Agatha schrieb:

      Btw. Ich hätte Punkt 8, also die Frage nach einer neuen Sherlock Holmes-Serie, eigentlich ironisch verstanden :zwinker: , nachdem der Markt diesbezüglich schon länger total übersättigt ist - zumindest meinem Empfinden nach. Und ich mag den Meisterdetektiv ja nun wirklich.
      Ich nehme höchstens noch neue Stories, aber keine mehr nach Vorlagen von A. Conan Doyle. :gaehn:
      Genauso war es gemeint. Aber wir haben es ja in der Hand. So wie wir als Waehler, die Politiker bekommen, die wir verdient haben, bekommen wir auch die Hoerspiele, die wir durch vorheriges Kaufverhalten so unterstuetzt haben, dass Labels sich dazu entschlossen haben, aehnliche Hoerspiele zu machen. Da lobe ich mir doch lieber ein paar neue Eifelkrimis anstatt mir noch mehr Sherlock Holmes anzuhoeren. Die Kuh ist schon so lange ausgemolken, dass das Euter schmerzt.
    • (1) Schwierig zu sagen. Streaming ist das für die Label Teufelszeuch. Macht man mit, loost man, weil die CD-Käufe zurückgehen, machst man nicht mit, fehlt die Reichweite, um CD-Käufer überhaupt zu erreichen. Das Streaming an sich wird erstmal bleiben, vielleicht aber nicht jeder Anbieter. Wenn Spotify zum Nokia des Streamings wird, werden andere da sein.
      (2) Lübbe halte ich im Audiobereich für noch halbwegs stabil. Das Problem sind da ja wohl eher die Nebengeschäfte, die nicht primär mit dem Verlag zu tun haben. Es kann natürlich sein, dass bei der Sanierung auch beim Audiobereich durchgefegt wird, aber ich werde da noch keinen Nachruf für die Schublade vorbereiten.
      (3) IMAGA / FOLGENREICH / UNIVERSAL kommt immer mit viel Qualität, aber weniger auf grüne Zweige. Da fehlt eine Lokomotive wie seinerseits Burns, die genug Aufmerksamkeit auch für den Rest generiert. Tolle Hörspiele allein, das reicht langfristig nicht.
      Aber weder um Göllner noch um Döring wird man sich nicht sorgen müssen. Für solche Leute sollte sich immer ein Plätzchen auf einer Gehaltsliste finden.
      (4) Ich denke, dass Format ist zweitrangig. Bei Audible beispielsweise geht's hauptsächlich um die Länge. Das Hörspiel ist da mehr Gimmick und Appetizer, als permanentes Geschäftsmodell. Der Trend zur inszenierten Lesung ist marginal und hat meist Kosten- oder Lizenzgründe. Ich denke aber nicht, dass es Käuferseitig da einen besonderen Markt gibt.
      (5) Vermutlich ja, der Streamingmarkt sorgt für ein "Masse statt Klasse". Die geforderte Taktung kann nicht jedes Label stemmen. Die Blase wird vielleicht nicht nochmal mit so einem Knall platzen, aber ich rechne da schon mit einigen Verschiebungen.
      (6) Ja, weil es relativ leicht verdientes Geld ist, da der Aufwand im Gegensatz zur Neuproduktion deutlich geringer ist.
      (7) Das ist schon seit Jahren so - Nach Burns und Poe war das Thema erstmal verbrannt. Wenn Serien, dann Staffeln und en bloc, sonst kannst du das Geld auch gleich in den Reißwolf stecken. Man probiert es ja jetzt vorsichtig (Schwarze Sonne oder Weiße Lilie) wieder, ich vermute aber mal, dass anderes erfolgreicher läuft.
      (8) Ja, unbedingt. Problem: Die Titelvarianten und Grüntöne gehen zur Neige.
    • Ich sehe das Hörspiel an sich auch im steten Wandel. Das betrifft aber ebenfalls den Musiksektor.

      Ich denke, momentan verschiebt sich viel hin zu Hörbuch-/Hörspiel-Downloads. Das ist nicht nur negativ zu bewerten. Früher gab es sehr viele gekürzte Hörbücher (was ich schon immer schlimm fand - schließlich hat sich der Autor bei jedem geschriebenen Satz ja was gedacht!). Heute gibt es mehr ungekürzte Lesungen - entweder auf MP3-CD (was auch günstiger in der Produktion ist und zudem Lagerkosten minimiert) oder eben gleich als Download.

      Wobei wir beim Thema Audible sind. Was ich da super finde, sind nicht nur die ungekürzten Hörbücher, sondern auch die wirklich langen eigenproduzierten Hörspiele, die es Hörspielmachern erst ermöglichen, solche Großprojekte kostengünstiger anzugehen. Da ist ein Partner wie Audible wirklich stark zu bewerten.

      Dass zur Zeit viele alte Radiohörspiele neu aufgelegt werden (ich nenne hier mal nur Pidax als Referenz) finde ich grundsätzlich eher positiv. Klar - es waren mal Hörspiele "für umsonst", wenn man die Gelegenheit über Jahrzehnte genutzt hat, sie für sich selbst im Radio mitzuschneiden - aber auch hier gilt: nun finden sie - meist auf MP3-CD - eine größere Hörerschaft, die immer noch und immer wieder die alten Radio-Perlen suchen und hören.

      Ob wir noch eine fünfzehnte Sherlock-Holmes-Hörspielreihe brauchen ...Moment, ich denke nach ... :rofl:
      ' EINS UND EINS IST ZWEI - VON LONDON BIS SHANGHAI ! '
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      Hörspiel- und Hörbuch-Rezensionen
    • gruenspatz schrieb:

      Das betrifft aber ebenfalls den Musiksektor.
      Den Musiksektor betrifft es zwar, aber der ist dadurch das es da eh verschiedene Ebenen der Verwertung gibt nicht so stark von betroffen.

      Musik wird, neben den CD´s und Streams, in der Werbung, Filmen, auf Festen, im Radio und auf Konzerten etc. verwertet.
      Das sieht bei Hörspielen und Hörbüchern anders aus. Es gibt zwar ab und zu Lesungen und Live-Hörspiele, aber die sind selten und bringen auch wohl nur bedingt Einkünfte.


      gruenspatz schrieb:

      Ich denke, momentan verschiebt sich viel hin zu Hörbuch-/Hörspiel-Downloads.
      Solange es Downloads sind die wie CD´s abgerechnet werden, ist das auch völlig in Ordnung. Zwar nicht jedermanns Sache aber es sind zumindest Käufe. Aber es verschiebt sich nicht zu Käufen, sondern zum Stream, welcher eben nicht die Umsätze beschert wie Verkäufe.


      gruenspatz schrieb:

      Das ist nicht nur negativ zu bewerten.
      Aus Sicht der Konsumenten nicht, aber aus Sicht der Label schon, denn die wollen für ihre Arbeit entlohnt werden.


      gruenspatz schrieb:

      Da ist ein Partner wie Audible wirklich stark zu bewerten.
      Sehe ich auch differenzierter, denn Amazon hat die Möglichkeit die Preise zu drücken. Was leider kleinere "Konkurrenz" auf Dauer aus dem Rennen werden könnte.


      gruenspatz schrieb:

      Dass zur Zeit viele alte Radiohörspiele neu aufgelegt werden ...finde ich grundsätzlich eher positiv.
      Da bin ich auch zwiegespalten, eigentlich müssten alle aus ÖR-Mitteln finanzierten Werke für einen Zeitraum von minimum 2 Jahren in der Mediathek zur Verfügung stehen. Und der Zeitraum müsste sich nach jeder erneuten Ausstrahlung reseten.
      Denn die Produktionen sind von der Allgemeinheit bezahlt und auch die erneute Sendung wird ja von uns finanziert.
      Aber da sind ja bei den ÖR eh einige komische Vertragswerke, denn auch lizenzierte Filme und Serien werden ja zum Teil in den ÖR-Mediatheken eingestellt und andere wieder nicht. Da steigt eh keiner mehr durch.

      Wer das dann auf CD haben möchte soll selbstverständlich dafür zahlen, nur sollte das Ganze ein wenig Transparenz zeigen.
      "Great men are forged in fire. It is the privilege of lesser men to light the flame"
    • Irgendwie landet man bei diesem Thema über kurz oder lang immer wieder beim Streaming. Wie viele andere hier bin ich davon überzeugt, dass sich das unter den aktuellen Bedingungen für Hörspielmacher gar nicht rechnen kann.

      Solange jedoch nicht bloß Gelegenheitshörer, sondern auch richtige Hörspielliebhaber den Kauf umgehen, indem sie via Stream konsumieren, müssen wir aber, wie ich finde, auch nicht über eine irgendwie positiv geartete Zukunftsvision in Bezug auf Hörspiele sprechen. Denn die wird es dann nicht geben. Zu gegenwärtigen Bedingungen werden wohl langfristig nur querfinanzierte Produktionen der Big Player oder 08/15- bzw. semiprofessionelle Feierabendproduktionen tragfähig sein. Die sichere Bank eben. Oder Hobby.

      Für Leute wie Döring und Göllner usw., deren Stärke ja gerade aus ihrer relativen Unabhängigkeit erwächst, sehe ich dagegen schwarz.

      Ob nun CD oder DL: es muss halt gekauft werden. Alles andere ist unter den heutigen Bedingungen einfach Augenwischerei. Meine Meinung.

      Man kann auch nicht Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein predigen und nur beim Discounter und McDonalds konsumieren. Manches geht halt nicht zusammen.

      Und letztlich hat es der Kunde in seiner Hand: mit seiner Entscheidung, ob er streamt oder eben kauft.

      Aber es herrscht ja nicht mal hier Einigkeit zu diesem Thema! Wie soll man da Neukunden oder Gelegenheitshörer für dieses Thema sensibilisieren?!

      Hörspiel und Musik sind nun mal nicht zu vergleichen. Das hat @Ben Kenobi ja schon mehrfach sehr gut dargestellt.

      Meine Hoffnung ist bloß, dass dieses wenig profitable Streaming-Geschäft unter den heutigen Bedingungen irgendwann an sich selbst erstickt und dann einer Technologie weicht, die denselben Komfort zu faireren Bedingungen bietet.

      Und selbst ohne Streaming scheint die Hörspiel-Welt ja nicht rosig zu sein. Wenn ich da mal an das Gruselkabinett denke: Die Jungs von Titania scheinen ja regelrecht dazu verdammt zu sein, diese Masse an Hörspielen übers Jahr zu produzieren, damit das Ganze finanziell tragbar bleibt - und das geht, wie ich finde, sehr deutlich zulasten der Qualität. Aber wenn es nun einmal nur eine begrenzte Reichweite gibt, dann muss eben der Ausstoß entsprechend hoch sein, um sinnvoll wirtschaften und auskömmlich leben zu können.

      Eigentlich alles ziemlich traurig.
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Hardenberg schrieb:

      Und letztlich hat es der Kunde in seiner Hand: mit seiner Entscheidung, ob er streamt oder eben kauft.
      Nein, eben genau das sehe ich anders.
      Das haben auch die Label in der Hand.
      Es muss halt nur so interessant sein, das ein "Teaser" auf den Streamingplattformen ausreichend ist um das Produkt zu kaufen.
      Oder eben eine Art "Karenzzeit" beispielsweise von 6 Monaten zwischen der zu kaufenden Veröffentlichung und der Streamingvariante.

      Und was definitiv sein muss wenn man das haptische Medium kauft, ein eklatanter Unterschied zur rein digitalen Variante.
      Sei es Bonusmaterial, Scripte, Autogramme, Fotos etc. Der Käufer muss einen Anreiz bekommen.

      Als Beispiel das neue Album von Bosse, das es als Standard gibt und eben auch als Deluxe-Version. Welche fast ausverkauft ist und das ca. 2 Monate vor Release.

      "Great men are forged in fire. It is the privilege of lesser men to light the flame"
    • Ben Kenobi schrieb:

      (...)

      Das haben auch die Label in der Hand.

      (...)

      Dass die Label in der Pflicht sind, sich etwas zu überlegen, um attraktiv zu bleiben, steht für mich außer Frage. Das ist aber eh vorauszusetzen und bezieht sich nicht allein auf Streaming.

      Aber den Kunden entlässt das nicht aus seiner Verantwortung. Wer ein System stützt, das für Hörspielmacher (zu gegenwärtigen Bedingungen) offenbar nicht rentabel ist, schadet dem Medium Hörspiel. Und zwar aktiv.

      Wer zu bequem ist, sich einen DL zu kaufen und herunterzuladen, der lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr mit einem Teaser locken, sondern übt sich in Geduld, bis entsprechende Produktionen im Stream verfügbar sind und hört in der Zwischenzeit eines der anderen Hörspiele aus dem Überangebot des Streams.

      Insofern: Sicher, die Hörspielmacher müssen schon aus ihrem Wolkenkuckucksheim heraustreten. Aber ohne entsprechendes Bewusstsein beim Konsumenten ändert sich nichts.

      PS: Und es ist ja auch die Frage, inwieweit die CD-Pressung für einen Hörspielmacher überhaupt noch attraktiv ist. Klar, man will sein Werk auch im Regal stehen haben. Aber da reicht ja im Grunde auch eine reduzierte, eine limitierte Auflage, während man im Kern auf den Verkauf des DL schielt...
      Oder wie sieht das aus mit der Attraktivität der CD? Vielleicht könnten ja mal die Hörspielmacher auf dieser Seite etwas dazu schreiben, wie wichtig es für sie heute noch ist, ihre Hörspiele als CD in Händen halten und verkaufen zu können. @Interplanar @Contendo @Dirk Hardegen @Marc Schülert und alle, die ich jetzt vergessen habe (und die sich aber dennoch sngesprochen fühlen dürfen). :)
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Hardenberg schrieb:

      Aber den Kunden entlässt das nicht aus seiner Verantwortung. Wer ein System stützt, das für Hörspielmacher (zu gegenwärtigen Bedingungen) offenbar nicht rentabel ist, schadet dem Medium Hörspiel. Und zwar aktiv.
      Ich bekenne mich jederzeit zum aktiven Verzicht auf Downloads. Ein Download hat für mich keinen materiellen Wert, der ideelle ist halt der eine Spende. Und ein Geschäftsmodell auf Spenden aufzubauen, bei einem Geschäft, das nicht auf Wohltätigkeit aufgebaut ist, das könnte man durchaus kritisch hinterfragen, vor allem hinsichtlich der Erfolgsaussichten.

      Euren Pessimismus kann ich wie gewohnt nicht nachvollziehen. Folgenreich, Pobot und Holy zeigen doch andauernd, dass sie sehr gewillt sind, hochwertige Qualität zu produzieren. Hört Euch doch mal den Horla an, umkommerzieller geht es ja fast nicht :D
      Kuck, Mama, ein Kolonist - Nein, mein Kind, s ist ein Tourist - Das Peitschen hier ist nur ein Spiel - Die Sklaven wissen um das Ziel.

      Für Weiß und Schwarz ists ganz schön hart - Und Urlaub hier ist echt apart - Geschichte, ach, das ist mir was - Ich hab genug, lassen wir das.

      Ich will niemand leiden lassen - Und schrein vor Schmerz und Pein - Lieber wollen wir tanzen gehn - Für immer Freunde sein.
    • Der Preis für einen Download kommt einer Spende gleich? Sorry, aber was ist das denn für eine krumme Logik? :roll:

      Mit dem Download wird Dir das Produkt kreativer Arbeit zur dauerhaften Nutzung bereitgestellt, wie übrigens mit CD und Kassette auch, nur dass halt kein Datenträger mitgliefert wird.

      Bei Deiner Darstellung erscheint der Datenträger als das Wesentliche - und nicht die Daten, die drauf sind. Was ja nun wirklich Unsinn nicht nachvollziehbar ist. :zwinker:

      Mal abgesehen davon ist ja auch niemand daran gehindert, statt auf Stream auf CD zurückzugreifen.

      Nein, nein, da wäre es wirklich ehrlicher zu sagen: Interessiert mich alles nicht. Hauptsache, ich kann möglichst viele Hörspiele hören - und das so günstig wie möglich.
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Hardenberg schrieb:

      Bei Deiner Darstellung erscheint der Datenträger als das Wesentliche - und nicht die Daten, die drauf sind. Was ja nun wirklich Unsinn nicht nachvollziehbar ist.
      Ein Werk auf einem physikalischen Datenträger besitzt man, man kann ihn verschenken, verkaufen, womöglich gibt es in 20 Jahren sogar einen Verrückten, der einem den zehnfachen Kaufpreis dafür hinlegt, soll alles schon vorgekommen sein.

      Eine Downloaddatei kann man zwar gut sammeln, aber sie besitzt keinen Wert, der Weiterverkauf wäre sogar strafbar (logischerweise). Es gibt keine "Auflage", kein Drumherum, es ist eine Sache, die wahrscheinlich schon ausgestorben wäre, wenn die Produktionskosten nicht "null" wären.

      Hardenberg schrieb:

      Nein, nein, da wäre es wirklich ehrlicher zu sagen: Interessiert mich alles nicht. Hauptsache, ich kann möglichst viele Hörspiele hören - und das so günstig wie möglich.
      Mit einem bin ich mir sicher: Es geht den Leuten weniger um "günstig", sondern darum, die negativen Begleiterscheinungen, die der "dauerhafte Besitz" mit sich bringt, abzugeben. Stadtrad Hamburg war mir auch schnell lieber als die eigene Mühle, robustere und bessere Räder, man hat nie einen Platten, etc.

      Ich sag auch ganz ehrlich, ich könnte es mir durchaus leisten, wirklich alles, was ich höre, als Kaufdownload aka Spende positiv zu sanktionieren. Aber dafür sehe ich überhaupt keinen Grund, ganz ehrlich, so gerne ich Hörspiele höre, da würde ich dann eher meine Zuwendung an Ärzte ohne Grenzen erhöhen. Dauerhafte Nutzung interessiert mich auch nicht, das Risiko, dass das Hörspiel von der Streamingplattform meines Vertrauens verschwinden mag, nehme ich bedenkenlos in Kauf. Zwar höre ich in der Tat etliche Hörspiele mehrfach, aber das ist wahrlich kein Muss.

      Dennoch rate ich sehr dazu, die Besten der Kleinen (oder was man dafür hält), per Spende zu unterstützen. Oder auch alles als Download kaufen, klaro. Das Hereinnehmen des Kunden in irgendeine Verantwortung Deinerseits halte ich aber für völlig deplatziert. Streaming ist nicht für die Hörer erfunden worden, sondern dafür, dass die Medienkonzerne noch viel mehr verdienen können. Und dies natürlich auch tun, so wie immer. Und wie es auch bei dem Ding sein wird, dass nach Streaming kommt.

      Allerdings sage ich auch klipp und klar, wer keinen Plan hat, wie er in der neuen Welt überleben soll, der soll besser ganz, ganz vorsichtig kalkulieren und im Zweifel ein Projekt bleiben lassen. Download ist bald tot und das mit Recht. Allerdings haben sich die Anbieter auch null Mühe gegeben, dieses minderwertige Produkt irgendwie aufzuwerten und mit Leben zu füllen.
      Kuck, Mama, ein Kolonist - Nein, mein Kind, s ist ein Tourist - Das Peitschen hier ist nur ein Spiel - Die Sklaven wissen um das Ziel.

      Für Weiß und Schwarz ists ganz schön hart - Und Urlaub hier ist echt apart - Geschichte, ach, das ist mir was - Ich hab genug, lassen wir das.

      Ich will niemand leiden lassen - Und schrein vor Schmerz und Pein - Lieber wollen wir tanzen gehn - Für immer Freunde sein.
    • Ben Kenobi schrieb:

      Als Beispiel das neue Album von Bosse, das es als Standard gibt und eben auch als Deluxe-Version. Welche fast ausverkauft ist und das ca. 2 Monate vor Release.
      Das gilt für viele Deluxe-Versionen.
      Ich kaufe solche auch gerne, wenn sie denn angeboten werden.


      Die Ohrenkneifer gehen ja auch schon ein wenig in diese Richtung. :daumenhoch:
      Da bestelle ich gerne direkt im Shop und zahle auch gerne ein wenig mehr.

      Gruß, Frank
      Wo Leidenschaft ist, da ist auch Hoffnung.
    • @GrimReaper

      Also ich sehe das wie@'Hardenberg' . Der einzige Unterschied zwischen einem Download ist der Datenträger. Sicherlich kann man ein Download nicht ausleihen oder weiterverschenken oder zerbrechen oder mit einem Sylvesterknaller in die Luft jagen wenn das Hörspiel grottig ist. Aber vom Prinzip und vom wirtschaftlichen her ist ein Download wie eine CD nur mit weniger Risiko für das Label. Die Finanzierung wird einfacher mit weniger Risiko.

      Aber der gravierende Punkt ist: Versuch mal dem Hörspielnachwuchs zu erklären was eine CD ist. Wir sind die Übergangsgenerarion die beides benutzen aber unsere Kinder benutzen keine CDs. Das ist einfach so. Ich habe meine beiden Kinder gestern gefragt wie oft sie ihre E-Mail checken und sie haben beide sofort „NEVER“ geantwortet. Eine CD haben die seit Jahren nicht in der Hand gehabt. Wir müssen realisieren, dass die Generation nach uns keine (oder kaum) CDs benutzt. Der CD Markt wird von uns Kassettenkindern und noch den CD-Kindern getragen aber das wird meiner Meinug nach langfristig nicht zu halten sein. Das mag man mögen oder nicht aber langfristig wird jedes Label wohl einen digitalen Vertrieb haben. Ob das etwas völlig Neues, Download oder Eigenes Streaming mit anständigen Preisen ist weiß ich nicht (z.B. Lübbe könnte ja 6-10 Euro im Monat verlangen zum Streamen aller Lübbe Hörspiele). Das würde sich vielleicht rechnen.

      So ich werde ich jetzt mal schön nostalgisch eine CD in den Player werfen ... :D
    • Hardenberg schrieb:

      "Oder wie sieht das aus mit der Attraktivität der CD? Vielleicht könnten ja mal die Hörspielmacher auf dieser Seite etwas dazu schreiben, wie wichtig es für sie heute noch ist, ihre Hörspiele als CD in Händen halten und verkaufen zu können."

      Für die CD-Fans jenseits von DDF und JS bricht bei den Produktionen, die sich am Ende rechnen müssen, in Kürze die Zeit der begrenzten Auflagen und Subskriptionen an, wenn sie nicht schon in den Hinterzimmern in Vorbereitung ist. Der Mediumskahlschlag Richtung Streaming ist weit fortgeschritten.