Heliosphere 2265 - 07 - Die Opfer der Entscheidung

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    • Heliosphere 2265 - 07 - Die Opfer der Entscheidung


      (Quelle: amazon)


      Heliosphere 2265 – 07 -Die Opfer der Entscheidung

      Nach den sich überstürzenden Ereignissen der letzten Folge brennt es nun an allen Ecken: die Hyperion manövrierunfähig, wichtige Teile der Crew außer Gefecht gesetzt, und noch immer versuchen die Gefolgsleute Sjöbergs, die Macht über das Schiff an sich zu reißen. Und obendrein eröffnen die Parliden die Jagd auf die Hyperion, nachdem E.C. Johnston ihre Heimatwelt dem Untergang geweiht hat.

      Es steht also schlecht um unsere Helden aus der Hyperion. War mit der letzten Episode der Handlungsbogen zu einem atemberaubenden Höhepunkt getrieben worden, werden wir nun mit den Konsequenzen konfrontiert, und die Crew muss sich neu definieren. Nun ist es also amtlich: Die Hyperion und mit ihr Captain Cross und seine Crew sind in offene Opposition zum amtierenden Präsidenten der Solaren Union getreten – mit allen damit verbundenen Konsequenzen.

      In der Folge Die Opfer der Entscheidung wird sich Zeit gelassen, diese entscheidende Wendung sacken und die Charaktere auf die veränderte Situation reagieren zu lassen. Besonders in den Fokus gerät dabei eine Figur, die bisher eher einen ergänzenden Part hatte, nun aber in den Mittelpunkt rückt: Lt.-Cmdr. Akoskin, der auf der Brücke für Waffen und Taktik verantwortliche Offizier. Bereits in der letzten Folge wurde angedeutet, dass ihn ein Geheimnis umgibt, als ein eigentlich tödlicher Schuss auf ihn seine verheerende Wirkung nicht entfalten konnte und seine Augen für einen Moment blau aufschimmerten.

      Nun erfahren wir, warum er den Angriff schadlos überlebte: Er war Mitglied des sogenannten Ketaria-Bundes, einer Organisation von Assassinen, begründet von einem abtrünnigen Kybernetiker, in der ihre Mitglieder mittels physischer Modifikationen für ihre speziellen Einsätze vorbereitet wurden. So verfügen die Assassinen nicht nur über besondere Eigenheiten wie ein zweites Herz, das die Funktion des ersten übernehmen kann, wenn dieses ausfällt, oder verstärkte Fingernägel, die den normalen an Härte weit überlegen sind – sie verfügen darüber hinaus auch über gesteigerte Reflexe und eine erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit, die sie im Bedarfsfall regulieren und sogar deaktivieren können, und obendrein über eine außergewöhnlich hohe Körperkraft. Ihre ganze Physis, ihre gesamte Konditionierung ist darauf angelegt zu töten – ein reines Außer-Gefecht-Setzen ist nicht vorgesehen. Wie wir auch in dieser Folge anhand Akoskins Einsatz erleben dürfen.

      Wieder einmal wird uns hier, quasi wie nebenbei, eine ganze Welt in einem kurzen Dialog eröffnet. Und das zeigt mal wieder den großen Qualitätsunterschied bei dieser Serie auf: Während bei anderen Hörspielserien viele Kleinigkeiten ausgewalzt werden, um Skriptseiten zu füllen, Dialoge endlos gedehnt werden, Hintergründe von Figuren im Nachhinein in eine bestehende Form gequetscht wird, obwohl es oft genug gar nicht passt, ist all dies bei Heliosphere 2265 bereits von Anfang an vorhanden. Autor Andreas Suchanek offenbart allein im Vorübergehen bereits so viele Details, die das Potential haben, ganze Folgen zu füllen, dass es mir um die Zukunft dieser wunderbaren Serie nicht bange wird. Es mag viele Gründe geben, warum eine Geschichte wie Heliosphere 2265 als Hörspielserie nicht so gut funktionieren mag, wie man es ihr wünschen würde – an der Sorgfalt und dem Ideenreichtum ihres Schöpfers liegt es aber mit Sicherheit nicht!

      Auch über den Sicherheitschef der Hyperion, Alpha 365, erfahren wir in dieser Folge ein wenig mehr. Denn ihn umweht, wie eigentlich jede der Hauptfiguren, ein Geheimnis: Es handelt sich bei ihm nämlich um eine fehlerhafte Schöpfung, die im Bunde ist mit einer Gruppe von Untergrundgenetikern, die sich gegen die menschenverachtende Praxis der etablierten Genetiker gewandt hat und die eigentlich für die Hyperion vorgesehene Züchtung gegen unseren Alpha 365 ausgetauscht hat, um durch ihn an wichtige Informationen zu kommen.

      Wir sehen also wieder einmal, dass es in der Welt von Heliosphere 2265 viele verschiedene, mal gegenläufige, mal parallele Motivationen einzelner Gruppen gibt. Wie diese am Ende zueinander finden oder sich auch gegenseitig im Weg stehen, wird sich zeigen. Es wird aber deutlich, dass es Möglichkeiten zu geben scheint, der Übermacht Sjöbergs zu trotzen. Und diese organisierte Rebellion scheint mit dieser Folge ihren Anfang zu nehmen.

      Von entscheidender Bedeutung dabei dürfte die abgetauchte Admiralin Pendergast sein, die in dieser Folge wie aus dem Nichts erscheint und der manövrierunfähigen Hyperion zu Hilfe eilt. Mit ihr lernen wir auch noch ein bisschen besser ihr Schiff, die Torch, sowie einen Teil ihrer Besatzung kennen, allen voran Lt.-Cmdr. Kirby Belfair, die, so viel darf man an dieser Stelle wohl verraten, noch an Bedeutung gewinnen wird.

      Und so endet diese Folge denn auch mit dem Bekenntnis Captain Cross‘ zur offenen Rebellion gegen Präsident Sjöberg – wobei seine Lage durch die Verheerungen, die es gegeben hat, im Moment nicht sehr aussichtsreich erscheint.

      Betrachtet man die Stellung dieser Folge im Handlungsverlauf, so kommt ihr die Funktion einer Neuordnung zu. War Die Bürde des Captains noch die Konfrontation mit Sjöbergs wahren Hintergründen und Methoden, stellt Die Opfer der Entscheidung nun die Folgen dieser Einsichten in den Mittelpunkt. Die Episode lässt sich viel Zeit damit, die neuen Herausforderungen vorzustellen und die Akteure darauf reagieren zu lassen, doch wie immer wird dies verpackt in aktionsgeladenen und spannenden Szenen, so dass man dieser Folge sicherlich nicht vorwerfen kann, langweilig zu sein.

      Und dennoch sticht sie etwas heraus.

      Die Handlung tritt für meinen Geschmack ein wenig zu lange auf der Stelle. Die Ereignisse der letzten Folge werden noch einmal thematisiert, die Aussichtlosigkeit der Lage dargestellt – und dann die vergeblichen Versuche Pendergasts geschildert, der Hyperion zu Hilfe zu kommen. Das ist nicht viel, und das hätte vielleicht auch weniger raumgreifend erfolgen können, denn im Grunde weiß man ja, dass die Hyperion ihrer misslichen Lage entkommen wird – insofern ist ein übergroßes Verweilen bei der vermeintlichen Chancenlosigkeit in einem zu üppigen Maße unglaubwürdig und letztlich überflüssig. Es ist vergleichbar mit den Gefahrensituationen in James-Bond-Filmen: werden diese temporeich und rasant in Szene gesetzt, so dass wir gar keine Zeit haben, darüber nachzudenken, weil allein schon die Bilder mit unseren spontanen Gefühlen korrespondieren, dann wirkt die Spannung – bekommen wir jedoch Gelegenheit, den zugrundeliegenden Plot zu reflektieren, dann stumpft diese Empathie schnell ab, denn wir wissen ja, dass Bond niemals sterben wird.

      Überdies legen Skript und Inszenierung so viel Gewicht auf die Folgen von Johnstons Versuch der Machtübernahme und den besatzungsinternen Angriffen, dass die eigentlich doch mindestens ebenso große Gefahr, nämlich die durch die anrückenden Parliden, ein wenig zu sehr in den Hintergrund gerät. Diese Gefahr wird über diese Episode hinweg gar nicht richtig spürbar.

      Auch hätte ich mir noch eine deutliche Bezugnahme auf das Inferno gewünscht, das von E.C. Johnston initiiert wurde. Die Folgen dieses Schlags müssen doch katastrophal sein – eine Tragödie, ganz gleich um was für bösartige Wesen es sich bei den Parliden handelt. Zumal wir ja erfahren haben, dass viele der Parliden ja fremdgesteuerte Menschen und Bewohner anderer Welten sind, die sich ihres Schicksals nicht erwehren können. Der Umgang der Beteiligten mit dieser Situation wirkt seltsam unempathisch – selbst wenn ich ihnen zugutehalten mag, dass sie in einer Notsituation wie dieser all ihre Gefühle beiseiteschieben, um erst einmal die Gefahr zu bannen.

      Beides hat mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen, auch wenn die Folge darüber hinaus wieder sehr spannend und mitreißend inszeniert und sie darüber hinaus weit davon entfernt ist, eine schlechte oder auch nur durchschnittliche Folge zu sein.

      Was die Sprecher anbelangt, so bekommt in dieser Episode endlich mal Tobias Kluckert die Gelegenheit, ein wenig mehr Präsenz zu zeigen. Und er schafft es, seinen Lt.-Cmdr. Akoskin gleichermaßen sympathisch und düster darzustellen, so dass man keine Sekunde daran zweifelt, wie gefährlich dieser ehemalige Assassine doch sein kann, wenn er die Hülle des loyalen Crew-Mitglieds für Momente abstreift. Gern darf seine Figur noch weiter ins Zentrum rücken.

      Anke Reitzenstein kehrt als Admiral Pendergast ins Seriengeschehen zurück, und mit ihr wird ihre Erste Offizierin Kirby Belfair eingeführt, eine weitere toughe Frauenfigur, die ein wenig an Tess Kensington erinnert und auf jeden Fall Raum bietet für interessante Entwicklungen.

      Überhaupt zeigt die Figur der Santana Pendergast noch einmal sehr deutlich, was ich an anderer Stelle schon manches Mal herausgestrichen habe: das von Beginn an angelegte Potential von Figuren, die zunächst eher randständig erscheinen. Pendergast war am Anfang nicht viel mehr als Dialogpartner von Sjöberg, und wie wir sie kennenlernten, erschien viel eher sie als er undurchsichtig. Ein paar Folgen später hat sich das gesamte Seriengeschehen gedreht: Nun ist Sjörberg der Erzschurke – und Pendergast die letzte Hoffnung der freien Welt.

      Zu Sounddesign und Musik gibt es nach sechs besprochenen Folgen nichts mehr zu sagen. Ein weiteren Mal präsentiert sich das akustische Gewand dieser Serie tadellos und auf konstant höchstem Niveau. An dieser Stelle wie immer keinerlei Beanstandung von meiner Seite.

      So haben wir es hier also im Ganzen mit einer spannenden Fortsetzung zu tun, die uns die Folgen des Showdowns ins Episode 6 erläutert und überdies Hintergründe des Crew-Mitglieds Akoskin offenbart. Das Tempo innerhalb des Plotverlaufs ist im Vergleich zu den ersten Folgen ein wenig gedrosselt, und es irritiert ein wenig, dass die Aussichtslosigkeit der Hyperion nicht über die gesamte Länge überzeugend transportiert wird und die Verheerungen von Johnstons Wahnsinnstat kaum Kommentierung finden – dennoch ist es ganz gewiss eine sehr hörenswerte und spannende Folge, deren Ende sofort Lust auf die Fortsetzung macht.


      Die Ruhe nach dem Sturm.

      Weniger temporeich und dicht – aber dennoch ohne jeden Zweifel richtig gut!






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