Gruselkabinett - 132 & 133 - Sweeney Todd

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    • Gruselkabinett - 132 & 133 - Sweeney Todd



      Gruselkabinett - 132 & 133 - Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

      Zum Inhalt:
      Im Jahre 1785 gehen seltsame Dinge in London vor. Menschen, wie etwa Lieutenant Thornhill, verschwinden spurlos nach einem Besuch bei dem grobschlächtigen Barbier Sweeney Todd. Colonel Jeffrey, ein Bekannter Thornhills, macht sich auf die Suche nach diesem und kommt Schritt für Schritt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur, in das auch die schöne Besitzerin des Fleischpasteten-Ladens, Mrs Lovett, verwickelt zu sein scheint...

      Zur Produktion:
      Als die Geschichte "A String of Pearls" vom November 1846 bis März 1847 in dem britischen Magazin "The People's Periodical and Family Library" veröffentlicht wurde, ahnten weder der Herausgeber Edward Lloyd noch die Autoren, daß der Erfolg dieses "Penny Dreadful" [eine Art viktorianischer Groschen-Gruselroman, der wöchentlich erschien und einen Penny kostete] bis heute anhalten würde. Über den Verfasser herrscht nach wie vor Uneinigkeit. Zunächst schrieb man den Roman Thomas Peckett Prest (1810-1859), einem britischen Journalisten zu, etwas später wurde auch James Malcom Rymer(1814-1884) als Urheber genannt. Inzwischen geht man davon aus, daß beide gleichermaßen beteiligt waren und zusammen die Geschichte des dämonischen Barbiers aus der Fleet Street entwickelten. 1850 erschien dann die 732 Seiten starke Buchversion mit dem Untertitel: "The Barber of Fleet Street - A Domestic Romance".
      Bereits 1847, noch vor dem Ende der Erstveröffentlichung, wurde die Geschichte für das Theater adaptiert. Im Laufe der Zeit gab es immer wieder neue Bühnen-Interpretationen des Stoffes, und schon 1926 erschien die erste von vielen Verfilmungen.
      Doch keine der zahlreichen Versionen entspricht auch nur annähernd der literarischen Vorlage.
      Diese Lücke wird erst mit dem vorliegenden Hörspiel, nach dem Skript von Marc Gruppe, geschlossen. Aufgrund des Umfangs der Vorlage, war Gruppe, trotz der Verteilung auf 2 CDs und der damit verbundenen großzügig angelegten Laufzeit von knapp 127 Minuten (CD 1 = ca. 57 Minuten / CD 2 = ca. 70 Minuten), zwar auch gezwungen, diverse Subplots aus den 39 Kapiteln zu kürzen bzw. ganz wegzulassen, aber seine Adaption ist trotzdem genauer und dichter am Buch als sämtliche vorherigen.
      Beinahe alle wesentlichen Elemente des Romans sind enthalten (lediglich der stark verkürzte Aufenthalt von Tobias in der Irrenanstalt und der Wegfall des dortigen Berichts der alten Frau, wären von meiner Seite aus zu bemängeln), und die Figuren werden wieder so klar bzw. "einfach" umrissen, wie in der Originalgeschichte. Das lässt die Charaktere vielleicht heutzutage etwas plakativ erscheinen, aber so waren sie nun mal von den Autoren angelegt. Daraus resultierend, fällt auch der Spannungsaufbau anders aus als gewohnt. Üblicherweise rätselt man ja bei Kriminalgeschichten erst eine Weile, wer was warum macht, aber das ist hier anders. Unorthodoxerweise wird nämlich schon in der Eröffnungsszene die Identität des Mörders "verraten" und deutlich darauf hingewiesen, was mit den Leichen passiert. Der anschließende Nervenkitzel und das Grauen ergeben sich allein aus der Tatsache, daß der Killer völlig hemmungslos immer weitermacht und alle Zeugen oder Komplizen entweder auf brutalste Weise selbst hinmordet, töten lässt oder mittels Erpressung zum Schweigen bringt. Derart abgesichert, scheint es unmöglich, ihn zu überführen und ihm Einhalt zu gebieten. Um den Ablauf bis zum Ende möglichst flüssig zu gestalten, hat Marc Gruppe sich zwar die Freiheit genommen, einige Figuren zu streichen, aber deren Text geht nicht etwa verloren, sondern wird stattdessen einer anderen Person in den Mund gelegt. Darüber hinaus ist auch die Sprache etwas "entschärft" bzw. modernisiert worden. So wurde beispielsweise aus "Magistrate" die Polizei, und unzeitgemäße Formulierungen wie "Now, are you not a happy dog?" sind ersatzlos gestrichen. Trotz der großen Nähe zum Originaltext, gibt es doch ein paar Veränderungen gegenüber dem Buch. Das betrifft hauptsächlich die zeitliche Reihenfolge von Ereignissen, die etwas umgestellt worden sind. Das gereicht der Geschichte allerdings auch zum Vorteil, denn auf diese Weise bleibt der Ablauf flüssiger. Nicht ganz so gelungen finde ich hingegen das Ende. Zum einen, weil die Erklärung der Geschehnisse weitaus ausführlicher und damit auch langatmiger daherkommt, zum anderen, weil Charaktere, wie beispielsweise Tobias Ragg, einfach unvermittelt auftauchen, statt, wie im Roman, bereits vorher wieder in die Geschichte integriert worden zu sein. Hier wirkt sein Erscheinen eher "angehängt". Außerdem habe ich es bedauert, daß Marc Gruppe das Ende in sofern "aufgeweicht" hat, daß er Dr. Fogg lediglich als "Verbrecher auf der Flucht" bezeichnet. Im Buch wird klar herausgestellt, daß die Regierung ihrer Majestät ihm, unter Übernahme aller Kosten, freundlich nahegelegt hat, das Land zu verlassen. Das mag heute zwar unwahrscheinlich klingen, war damals aber tatsächlich gang und gäbe, da es einfach nicht sein konnte bzw. durfte, daß Menschen höheren Standes auch schnöde Verbrechen begingen, für die man sie zu den "gewöhnlichen" Kriminellen in die Zuchthäuser steckte oder gar hängte. Denn das hätte die bestehende Ordnung schwer gefärdet und musste mit allen Mitteln vermieden werden.
      Wer nun neugierig geworden ist und die Geschichte im englischen Original nachlesen möchte, findet sie im Internet unter en.wikisource.org/wiki/The_String_of_Pearls.
      Auch Produktion und Regie durch Stephan Bosenius und Marc Gruppe fallen diesmal ein wenig anders aus als gewohnt. Zwar ist das Hörspiel wieder mit viel Musik versehen, aber beinahe alle Stücke sind düster und bedrohlich gehalten. Das passt auch hervorragend zu Handlung, in der es so gut wie keine "lichten" Momente gibt. Neben dumpfen Synthesizersounds, stehen hier vor allem Streichinstrumente, wie die Geige, im Vordergrund. Besonders gut gefallen hat mir der Einsatz des Spinetts, denn für mich gibt es kein anderes Instrument, daß besser zum zeitlichen Setting passen würde. Gleiches gilt für die eingespielten Choräle, die dem Geschehen immer noch eine zusätzliche Tiefe verleihen. Komplettiert wird das akustische Bild durch die zahlreichen natürlich klingenden Geräusche, für die das Label Titania längst bekannt ist. Da wäre zunächst Hektor, der Hund, lobend zu erwähnen. Statt den einfachen Weg zu gehen und irgendein "Soundlibrary-Hündchen" kläffen zu lassen, hört man hier ein kräftiges, dunkles Bellen, das auch zu dem beschriebenen Tier passt.
      Jede einzelne Szene ist liebevoll mit einer adäquaten Geräuschkulisse versehen worden, und neben dem schon fast zwingend notwendigen Gewitter mit seinem prasselnden Regen und Donner, sind auch so "nebensächliche" Geräusche, wie das Klappern von Geschirr und Besteck beim Spülen zu hören. Akustisches Highlight waren für mich aber die Schreie der Insassen der Irrenanstalt, welche mir aufgrund ihrer Intensität und der darin liegnden Verzweiflung, Gänsehaut verursacht haben. Um nicht von der Geschichte abzulenken, verzichten Stephan Bosenius und Marc Gruppe auf den Einsatz zu dominanter Effekte und setzen diese bewusst in den Hintergrund. So wird beispielsweise beim Lesen eines Briefes die männliche Stimme des Vorlesers sanft ausgeblendet, dafür aber die Stimme der Absenderin eingespielt und mit leichtem Hall unterlegt.

      Zu den Sprechern:
      Die raue Stimme von Thomas Balou Martin(Colonel Jeffrey) passt nicht nur hervorragend zu der von ihm dargestellten Figur des lebenserfahrenen, gegenüber Sweeney Todd sehr misstrauischen Colonels, der mit seiner Suche die Ereignisse noch beschleunigt, sondern ist auch perfekt für den Erzählerpart. Seine unaufgeregte, aber dennoch emotionsvolle Art des Vortrags, lässt einen schnell vergessen, daß hier der Erzähler spricht und nicht der Colonel.
      Die Hauptfigur Jaques Breuer(Sweeney Todd), der bestialisch mordende Barbier, hat natürlich auch den größten Textanteil. Breuer ist einfach spitze als Frisör, der bei seinen Kunden regelrecht schmeichlerisch auftritt und sie unauffällig ausfragt. Gerade wenn er sich besonders freundlich gibt, so wie zunächst gegenüber Raggs Mutter, steigt beim Hörer die Anspannung, da er ja weiß, zu was dieser Mensch fähig ist. Ebenfalls sehr überzeugend fand ich auch Tom Raczko(Tobias Ragg) als junger, vom gewissenlosen Treiben seines Chefs eingeschüchterter Angestellter Todds. Die Verzweiflung, die er in seine Stimme legt, ist dermaßen intensiv, daß es dem Hörer schon fast unangenehm nahe geht. Matthias Lühn(Lieutenant Thornhill) überzeugt als jovialer Offizier, der einen Freundschaftsdienst zu erledigen hat, genauso wie Bodo Primus(John Oakley) in seiner Rolle des älteren, fürsorglichen Brillenmachers.
      Janina Sachau(Johanna Oakley) intoniert die unglückliche Verlobte mit sympatischer Stimme, und für mich ist sie hier die heimliche Heldin, da sie sich tapfer ganz allein in die Höhle des Löwen wagt. Ebenfalls sehr gut sind die Auftritte von Horst Naumann(Captain Rathbone), der die Sorgen des Colonels teilt und ihn so gut wie möglich bei seinen Recherchen unterstützt und Peter Weis(Hehler) als unfreundlicher, alter Mann mit dreckiger Lache. Sascha von Zambelly(Dieb) ist der zunächst sehr freundlich wirkende Gauner, der schnell sein wahres Gesicht zeigt, und Michael Che Koch(Skinner) spielt Mrs Lovetts in Ungnade gefallene Küchenhilfe. Mindestens ebenso ausdrucksstark wie das Spiel von Tom Raczko, ist auch Louis Friedemann Thieles(Jarvis Williams) Darstellung des heruntergekommenen Landstreichers, der bald sein Schicksal ahnt und an der Unfähigkeit, es zu ändern, beinahe zerbricht. Gefallen hat mir auch Daniela Bette(Mrs. Lovett) als Besitzerin des Pastetenladens, deren weiche Stimme sie weitaus harmloser wirken lässt, als sie eigentlich ist. Erst als ihre Maske fällt und sie ihrem Ärger Luft macht, erkennt man, daß sie, was Brutalität und Skrupellosigkeit anbelangt, Sweeney Todd in nichts nachsteht. Kathryn McMenemy (Arabella Wilmot) spricht Joannas hilfsbereite Freundin, und Hörspiellegende Dagmar von Kurmin(Mrs. Ragg) ist ausgezeichnet als einfache, alte Waschfrau, die sich zunächst von Todd einlullen lässt und deren anschließendes Gejammer wirklich herzergreifend ist. Rolf Berg(Dr. Fogg) beeindruckt als Leiter der Irrenastalt "Peckham Rye", der alles andere als ein guter Arzt ist, genauso wie sein mitleidloser Gehilfe Bruno Winzen(Mr. Watson). In weiteren Nebenrollen sind noch Matthias Lühn(Apotheker) als gewissenloser, geldgieriger Pharmazeut und erneut Peter Weis(Mr. Wrankley), diesmal als älterer, ahnungsloser Tabakhändler zu hören. Unbedingt erwähnen möchte ich noch die zwar sehr kurzen, aber dennoch überzeugenden Autritte von Marc Gruppe(Mayer) als Matrose und Stephan Bosenius(Kutscher) als Fuhrmann.

      Fazit:
      Die erste tatsächlich werkgetreue Adaption der Geschichte des mörderischen Barbiers aus der Fleet Street.

      Das Hörspiel Gruselkabinett - 132 & 133 - Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
      gibt es bei
      Amazon.de
      oder bei
      POP.de
    • Danke für die Rezi, MoAs :) - ich kann sie leider erst nach dem Hören eingehend lesen. ;)

      MonsterAsyl schrieb:

      Jau, hier wirds blutig.
      Das klingt jedenfalls sehr interessant! :]

      Und auch dies aus dem heutigen Titania-Newsletter:

      Titania schrieb:

      ACHTUNG: Dies ist KEINE Hörspiel-Version des bekannten Musicals oder der

      Verfilmung dieses Musicals, sondern wie immer eine Adaption der
      literarischen Vorlage von 1846, die in weiten Teilen anders ist als das
      Musical und der Film!
      Ich musste beim Titel gleich an die Verfilmung denken...und das mit Grauen, Johnny Depp & Helena Bonham-Carter, soo toll, aber dieser GESANG!! Hat mir alles verdorben.

      Umso mehr freue ich mich auf ein blutiges Hörspiel. :hrhr:
    • Wow, das klingt ja wirklich nicht schlecht. Eigentlich hatte ich nicht vor, das Hörspiel so bald zu hören, aber jetzt bin ich doch neugierig geworden. :)

      Sehr interessante Rezi mal wieder. Vor allem die ausführliche Beleuchtung des Hintergrunds der jeweiligen Vorlage machen sie für mich so wertvoll. Immer wieder spannend und erhellend. Danke.
    • Agatha schrieb:

      [...]

      Huh, wem die letzten GKe nicht schaurig, blutig und heftig genug waren, der scheint ja hier voll auf seine Kosten zu kommen. :movie: :biggrin:
      Dann hoffe ich mal, dass dieses Mal genug schauriges Blut fließt. Zuletzt lies das Blut bei mir streckenweise bei Ausfluss aus dem Ohr feststellen, weil die GKe mich nicht mehr überzeugt haben.

      MonsterAsyl schrieb:

      Die Story unterscheidet sich schon stark von den Filmen, Musicals und Theaterstücken.
      Da habe ich dann ja mal tatsächlich kein Luxusproblem, denn ich kenne nichts dergleichen; auch nicht die Geschichte an sich.

      Ich freue mich.
    • So, jetzt habe ich dieses Hörspiel auch endlich gehört, und ich muss sagen, trotz eines unterm Strich sehr positiven Fazits lässt es mich doch etwas zwiegespalten zurück.

      Die Story darf man natürlich nicht zu genau betrachten; das versteht sich jedoch bei einem Stoff dieser Abkunft im Grunde von selbst. Gewisse Klischees und Plattheiten, ja vielleicht auch die eine oder andere Logiklücke bleibt da nicht aus. Aber das ist zu verschmerzen. Die Handlung ist abwechslungsreich und gespickt mit Bosheiten, was über die eine oder andere Schwäche des Skripts hinwegtäuscht.

      Herausragend sind aber tatsächlich die Sprecher - und hier vor allem die der Bösewichte. Jacques Breuer und Daniela Bette-Koch legen eine dermaßen gute Leistung hin, dass schon diese beiden Sprecher allein dafür sorgen, dass dieses Hörspiel ein Highlight ist. Die Spielfreude, die etwa Breuer in seine Figur legt, ist durch und durch mitreißend und trägt die gesamte Geschichte über weite Strecken. Hier empfiehlt sich ein Sprecher für viele weitere Einsätze in Hörspielen. Ein Gleiches gilt für Frau Bette-Koch.

      Musikauswahl und Soundkulisse sind, wie beim Gruselkabinett nicht anders zu erwarten, wie immer sehr gut.

      Und doch bleibt ein Aber... und das betrifft das Skript - mal wieder. Die abwechslungsreiche und blutige Handlung sowie die großartigen SprecherInnen können nicht völlig darüber hinwegtäuschen, dass Marc Gruppe als Skript-Autor wie so oft nicht viel mehr einfällt, um eine Geschichte als Hörspiel umzusetzen, als alle wesentlichen Elemente nur und ausschließlich über Dialoge zu transportieren, die zudem immer sehr direkt und oberflächlich verlaufen. Wie so oft im Gruselkabinett tragen alle Charaktere ihr Herz auf der Zunge. Jeder sagt, was er denkt. Und es gibt nichts, was gedacht, aber nicht ausgesprochen wird. Indirektes sucht man vergeblich in dieser Art von Dialogen. Keine Subtexte, keine Pausen, kein Schweigen - es wird über weite Strecken geredet, geredet, geredet, als wäre dies eine Art Rede-Marathon. Keine Sekunde wird mal etwas ohne Dampfplauderei rein über akustische Mittel jenseits der Dialoge erzählt. Und das kann doch auf die Dauer etwas anstrengen, selbst bei einem so abwechslungsreichen Plot wie dem von Sweeney Todd.

      Hinzu kommen dann so altmodische Mittel wie Selbstgespräche oder Ausrufe wie: Hilfe, man ermordet mich!
      Das hat nichts mehr zu tun mit dem Anspruch, oldschool sein zu wollen. Hier fehlt - unterstelle ich - entweder das Vermögen oder aber die Zeit und die Kreativität, um sich geeignetere Mittel einfallen zu lassen, um die Handlung eines Buches akustisch umzusetzen.
      Andauernd erkundet jemand im Selbstgespräch seine Umgebung, weil gerade niemand zur Stelle ist, der als Dialogpartner herhalten kann. Das ist wirklich haarsträubend. Zumal dann der finstere Barbier auch noch im entscheidenden Moment auftaucht und eines der Selbstgespräche belauscht.

      Nein, was die Skriptausgestaltung anbelangt, bleibe ich bei meinem Appell, dass unbedingt wieder mehr Mühe darauf verwandt werden sollte, die Vorlage in angemessener Weise ins Medium Hörspiel umzusetzen.

      Und bei dieser Gelegenheit sollte man auch endlich mal wieder Maß halten bei diesen ständigen Worthülsen und Floskeln, die zur Daueranwendung kommen. Ein Charakter kann auch einfach mal etwas Gesagtes so stehenlassen, ohne es noch weiter zu kommentieren, er darf sogar auch gern mal schweigen. Und er darf auch ab und zu mal ganz einfach nur sagen: Hoffentlich, statt ständig und immer wieder dieses Das steht zu hoffen.

      Davon abgesehen, handelt es sich bei Sweeney Todd jedoch um ein kurzweiliges und unterhaltsames Hörspiel, das trotz einiger Schwächen des Skripts durch die Leistungen von Jacques Breuer und Daniela Bette-Koch zu einem Hörspiel-Highlight taugt.

      Kein Meisterwerk, aber doch unterm Strich deutlich besser als Durchschnitt.
    • Och, ich denke eigentlich, im Fazit sind MoAs und ich gar nicht so weit voneinander entfernt. (Da gab es schon ganz andere Kandidaten unter den Gruselkabinett-Folgen. =) )

      Ich habe mir nur die Skript-Problematik herausgepickt, um etwas aufzuzeigen, was mir beim Gruselkabinett sehr oft negativ auffällt und für mich auch hier zum Tragen kommt.

      Vielleicht kommt mein Statement darum viel deutlicher negativ rüber als MoAs' Rezi. Wenn dies eine richtige, fertig ausgearbeitete Rezi wäre, hätte ich jedoch immerhin vier von fünf Sternen vergeben (was jedoch in erster Linie der herausragenden Leistung von Breuer und Bette-Koch geschuldet ist). So schlecht ist das ja nicht. :zwinker:

      Aber dennoch vielen Dank für die wertschätzende Anerkennung. @Cherusker :)
    • Hardenberg schrieb:

      Selbstgespräche oder Ausrufe wie: Hilfe, man ermordet mich!
      Na, das klingt doch nach bester Schauerromantik-Tradition! =)
      Heute etwas veraltet, zugegeben.
      Und dass der Bösewicht das unschuldige Opfer gerade deshalb "erwischt", weil es mit sich selbst redet, ist natürlich etwas sehr ungeschickt, wenn auch möglicherweise schon so im Original?
      Ich kenne die Vorlage und auch das Hörspiel bisher nicht. Kann also noch nicht wirklich etwas sagen.
      Finde beide Rezensionen/ Beurteilungen hier zumindest schon mal sehr interessant und informativ.
    • Hardenberg schrieb:

      Och, ich denke eigentlich, im Fazit sind MoAs und ich gar nicht so weit voneinander entfernt.
      Vollkommen richtig, denn auch ich habe

      Hardenberg schrieb:

      ...vier von fünf Sternen vergeben...
      allerdings aus ganz anderen Gründen. =)
      Ich finde gerade die "Direktheit" des Skripts sehr passend. Die Figuren sollen keinen "Tiefgang" haben. Das sind klassische "Abziehbilder". Der Böse ist einfach nur böse, ganz ohne Hintergrund oder eine Erklärung à la schlimme Kindheit oder ähnliches. Das wäre auch vollkommen am damaligen Zielpublikum vorbeigegangen. Die wollten sich gruseln und sonst nix. :) In gewissem Sinne hat Sweeney Todd etwas von Fantomas oder anderer Superverbrecher. Er operiert zwar nur im Kleinen, aber er ist genauso unaufhaltsam wie seine "großen Brüder".
    • Klar, ich habe jetzt auch keinen Tiefgang erwartet bei dem Stoff. =)

      Mir geht es vielmehr um die Mittel bei der Skriptausgestaltung, und da sehe ich einfach "Mängel", die sich nicht auf diese Umsetzung beschränken, sondern an der Tagesordnung sind beim Gruselkabinett, so auch hier. Und da geht es etwa darum, Wege zu finden, einen Plot auch über andere Mittel als nur das gesprochene Wort zu transportieren, und darüber hinaus Dialogen, wenn man sie nutzt, eine eigene Dramaturgie zu verleihen und den Spannungsbogen nicht unter ausschweifendem Geplauder, Floskelhaftem und Redundanzen zu ersticken. Und hier sehe ich ein großes Manko bei den Titania-Produktionen, zu dem wohl schon immer etwas geneigt wurde, das sich aber nach meinem Empfinden im Laufe der Jahre drastisch verschärft hat.

      Das müsste nicht sein.
      Ich bedaure das.
      Denn so bleibt diese Reihe beständig unter ihren Möglichkeiten.
      So auch in diesem Fall.

      Und nebenbei: Warum man aus Dagmar von Kurmins Rolle nicht die Großmutter des jungen Protagonisten gemacht hat, ist mir schleierhaft. Das wäre ohne große Not möglich gewesen und hätte deutlich plausibler geklungen. :zwinker:

      Aber bei aller Erörterung der Kritikpunkte: Jacques Breuer in der Rolle des Sweeney Todd macht einfach Spaß! :)
    • Ich habe den "Sweeney" mittlerweile auch gehört und muss sagen, ja, doch, ist sehr unterhaltsam geworden, das Ganze. :thumbup:
      Was für ein Charakter, der dämonische Barbier aus der Fleet Street, lange bevor sie zu der Straße wurde, die sie heute ist und wo sicher nach wie vor so einiges an Grauen herrscht, nur auf ganz andere Art und Weise. :biggrin:
      Da gibt es keine umständlichen Erklärungen über eine schwere Vergangenheit, die ihn zu dem gemacht hat, was er ist, er geht einfach über Berge von Leichen, um sich zu bereichern. Fakt! ;) Dass andere seiner Skrupellosigkeit hilflos ausgeliefert sind, teils wissend, teils absolut nichtsahnend, erzeugt hier die ganz besondere Atmosphäre und das latente Grauen.
      Spoiler anzeigen
      Aber wie in solchen Schauer-Geschichten üblich, kommt am Ende natürlich alles ganz anders und besser für die, die Mut haben, sich dem Bösen entgegenzustellen und dagegen zusammenzuhalten.

      Ich denke, da wurde aus dem "Penny Dreadful" herausgeholt was ging, natürlich erscheint einiges ein bisschen altbacken, wobei ich z.B. die Stelle mit dem "Man will mich ermorden!" beim Hören gar nicht mehr störend fand, denn dieser geschwätzige, unangenehme Händler ruft ja auch sonst noch so einiges, um seine Nachbarn auf seine Notlage aufmerksam zu machen. Das passte schon. :zustimm:
      Einzig Tobias' Monolog, den sein Meister dann mithört, könnte man vielleicht als ein bisschen unglücklich ;) bezeichnen, aber nun, es ist eine inhaltliche Möglichkeit, Sweeney Todd darauf zu bringen, wie misstrauisch sein Lehrjunge bereits ist - und das fügt sich gerade hier gut in den Story-Aufbau ein. :)
      Die Sprecher fand ich allesamt geradezu perfekt für ihre Rollen! Es war eine Freude, ihnen zuzuhören!
      Sound, Musikauswahl, alles auf dem üblichen hohen Titania-Niveau.