Von Äpfeln und Birnen - Die Grenzen guter Hörspiel-Kritik

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    • Interplanar schrieb:


      Ein kleiner Regiefehler, aber es ist einer, und handwerklich nicht zu entschuldigen oder in Richtung "das gehört so" zu deuteln.
      Äh, doch :)

      So, wie die Betonung ist, wird doch klar, dass man dort nicht sitzen darf und vor allem warum. Ich glaube, mich hätte die Betonung auf "sitzen" mehr befremdet, da es doch vermutlich eher der Grund (Es ist der Platz des Prinzen) ist, der Edward zu dieser Aussage treibt, als das Verbot selbst.
      Gut, ich kann jetzt nicht beurteilen, ob dieser Hinweis für die Einordnung der Figur des Prinzen wichtig ist. In dieser kurzen Sequenz kann ich es jedoch als Fehler nicht nachempfinden.

      Ich halte es insofern für keinen objektiven, sondern für einen von dir (und vielleicht sogar einer großen Mehrheit der Hörer) subjektiv empfundenen Fehler.
    • pops schrieb:

      Ich glaube, mich hätte die Betonung auf "sitzen" mehr befremdet,
      Mich auch, nebenbei bemerkt. :)
      Man darf da nicht sitzen impliziert nämlich, dass alles andere, was man sonst noch so am Tisch des Prinzen v. Wales tun könnte (inklusive sein Wasser abschlagen :biggrin: ) durchaus erlaubt wäre.
      Es geht doch aber in erster Linie um den Prinzen als Grund dafür, weshalb man man zu dem Tisch als Normalsterblicher einen sich "geziemenden" Abstand halten sollte (es sei denn, man gehört zum Fußvolk und serviert die Speisen :pfeifen: ).
      Daher hätte ich seinen Titel auch am ehesten betont, wie ja in Eurem Hörspiel geschehen. :zustimm:
      Ich sehe das also auch keinesfalls als Fehler an, den man hätte ausmerzen müssen, sondern als rein subjektives Empfinden des Einzelnen, welchen Satzteil man nun am besten betonen sollte.
      Klar, das sind im Zusammenhang mit dem Threadthema nur Kleinigkeiten, aber trotzdem. ;)
    • Hardenberg schrieb:

      Natürlich geht es nicht darum, dass man die eine schlechte, weil weichgespülte Rezi als die große Gefahr stilisiert wird, die den unwissenden Interessenten zu einem Fehlkauf verleitet und er sich dann später, enttäuscht und angewidert, vom kommerziellen Hörspiel abwendet, weil er entrüstet ist, was ihm das als Fünf-Sterne-Produkt untergejubel wurde.
      Genau hier ist doch das große Problem der derzeitigen Rezensionen.
      Entweder man macht es wie ich, der sich seine bestimmten Kritiker raussucht und quasi blind deren Empfehlungen folgen kann.
      Dann braucht man nicht zwingend jede der Rezensionen lesen, weil es da dann eigentlich nur noch darum geht ob einem das Thema gefällt. Sprich ich brauche nicht mehr jede Rezension lesen. Weil ich Vertrauen in die Rezensenten habe.
      Und da hat Facebook gegenüber den normalen Blogs eben den Vorteil, das man entweder über ein Like direkte Response bekommt, oder man zumindest sieht wieviele Abonnenten man hat.

      Oder man macht es z.B. wie meine Frau, die bei Produkten danach schaut wieviele 5 Sterne Bewertungen der Artikel hat und da die reine Prozentzahl als Maßstab nimmt. Wo ich dann manchmal echt die Hände überm Kopf zusammenschlage. Denn gerade auf den Konsumplattformen kommen oft Fake-Beurteilungen vor und lächerlicherweise passt da dann sogar oft der Text nicht mal zur Sternevergabe.

      ABER:
      Natürlich ist es in beiden Fällen eine reine Bequemlichkeit welche im wesentlichen dem Zeitfaktor geschuldet ist.

      Es gibt dann auch noch die Faktoren "Hörprobe" und dann bei Einigen die "Sammelwut" weil die eh alles an Hörspielen kaufen.
      Bestes Beispiel eine Dame bei Facebook brüstete sich damit zig Hörspiele zu haben, auf die Frage wie sie bestimmte Hörspiele den fand, kam dann raus, sie hatte erst vor kurzem angefangen zu sammeln und nur nen Bruchteil bisher überhaupt gehört. Und trotz zig LP´s nicht mal nen Plattenspieler.
      "Great men are forged in fire. It is the privilege of lesser men to light the flame"
    • Man kann es eh keinem mit seiner Meinung "Recht machen", sollte man auch nicht versuchen. Ich bin auch mal sowas von mächtig auf die Ohren gefallen, mit "Temutma", welches als Nonplusultra rezensiert wurde, und fand das Ding gar nicht so genial wie erhofft. Ich sehe Rezensionen als ungefähren Richtwert, wenn ich mir etwas zulege. Auch ändern sich Geschmäcker und Ansichtspunkte bei jedem irgendwann. Ist mir gestern so aufgefallen, als ich die vierte Staffel von ARROW nochmals angefangen habe zu kucken. Beim ersten sehen fand ich sie klasse, doch gestern fielen mir diverse Dinge auf, die alles ein wenig in einer Kritik nach unten bewerten lassen würden. Meine Freundin sah sie so, wie ich beim ersten Mal und konnte die Kritikpunkte nicht nachvollziehen. :zustimm:
    • @pops & @Agatha: Vielleicht erschließt es sich besser aus dem Gesamtkontext des Hörspiels bzw. auch des Quelltexts. Edward hat bereits behauptet, er sei der Prinz von Wales, deswegen muss er es nicht betonen. Betonen muss er das Wort "sitzen", weil Miles Hendon genau das will, nachdem er Wasser geholt und etwas Bier dazu gegossen hat. Das Sitzen ist für Edward der Affront, den er höflich aber bestimmt verhindern will.

      Hint: das Hörspiel ist seit Dez. auf dem Markt ... so don't take my word for it (wie der Brite sagt).
    • So, gesagt, getan. Ich hab die betreffende Stelle jetzt im Gesamtkontext gehört und kann deine Argumentation zumindest nachvollziehen. Als Fehler empfinde ich es aber immer noch nicht. So, wie es betont wurde finde ich es noch immer in Ordnung, ich hätte vielleicht sogar eine dritte Variante (Betonung auf "niemand") favorisiert.

      Ein Aspekt, der auch noch dazu kommt: Es wird von einer handelnden Figur, noch dazu von einem Kind, gesagt. Da kann ich leichter darüber hinwegsehen, da man auch im realen Leben nicht immer hundertprozentig den richtigen Ton trifft.
    • pops schrieb:

      Ein Aspekt, der auch noch dazu kommt: Es wird von einer handelnden Figur, noch dazu von einem Kind, gesagt. Da kann ich leichter darüber hinwegsehen, da man auch im realen Leben nicht immer hundertprozentig den richtigen Ton trifft.

      Das ist ein guter Punkt.
      Das Darüber-hinwegsehen-Können.
      Das fällt offenbar den einen ganz leicht, anderen wiederum nicht ganz so leicht - und anderen überhaupt nicht.
      Wer hat nun recht? :zwinker:

      Kann man es jemandem zum Vorwurf machen, wenn er nicht gewillt ist, über Details hinwegzusehen?

      Und kann man es jemandem zum Vorwurf machen, wenn einen Detailfehler in der Gesamtwertung nicht so riesig groß jucken?

      Also ich finde jeden der Ansätze völlig legitim. Es muss nur - und das finde ich wichtig! - aus dem Kontext der Rezension klar werden, welchen persönlichen Ansatz der Rezensent verfolgt, und schlüssig aufgezeigt werden, wie er zu seiner Abschlussbewertung kommt. Wenn es sich um ein Hörspiel handelt, dass vielleicht handwerkliche Mängel aufweist, dann erwarte ich von einem in meinen Augen "guten" Rezensenten auch, dass diese Erwähnung finden. Andernfalls muss ich mutmaßen, dass sie ihm vielleicht gar nicht aufgefallen sind. Und auf solche Rezensionen lege zumindest ich keinen Wert.

      Das Fazit sollte letztlich nur ein Baustein einer guten Rezension sein, finde ich, deswegen mag ich reine Verrisse auch nicht, bei denen sich lustvoll in der Schmähung gesuhlt wird. Ich finde, eine gute Rezension gibt einen soliden Überblick über ein Hörspiel, informiert also über das, was dem Rezensenten vorliegt, und leitet sachlich her, warum es wie wahrgenommen und bewertet wurde.

      Viele Rezensionen sind mir einfach viel zu oberflächlich. Da wirkt es manchmal, als wären die Hörspiele mal so eben schnell weggehört worden und dann die Rezi geschrieben. Dass da 99% Prozent der Rezis supiii! ausfallen, wundert mich nicht.
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp: Die juten Sitten
    • Hardenberg schrieb:

      Viele Rezensionen sind mir einfach viel zu oberflächlich.
      Ich finde, es hapert meist schon daran, dass der selbsternannte Rezensent den Unterschied zur Inhaltsangabe nicht kennt. Und die Rezension mit einer Art Remix des Klappentexts oder der Einfachheit halber gleich copy&paste des Original-Klappentext beginnt.

      Ich würde anregen, erst einmal zu überlegen, welche Idee habe ich zu diesem Hörspiel, was ist ein interessanter Ansatzpunkt, den ich dem geneigten Leser darlegen könnte. Und wenn ich keine Idee habe, was bei vielen Hörspielen a la Teil 16 ist wie Teil 3, nur paar Bausteine wurden ausgetauscht, naheliegt, dann - hey - da ist kein Chefredakteur, der mich zwingt, bis zum Redaktionsschluss mir 1200 Zeichen aus den Rippen zu leiern.
      Ich will niemand leiden lassen - Und schrein vor Schmerz und Pein - Lieber wollen wir tanzen gehn - Für immer Freunde sein.
    • Hardenberg schrieb:

      Das Fazit sollte letztlich nur ein Baustein einer guten Rezension sein, finde ich, deswegen mag ich reine Verrisse auch nicht, bei denen sich lustvoll in der Schmähung gesuhlt wird. Ich finde, eine gute Rezension gibt einen soliden Überblick über ein Hörspiel, informiert also über das, was dem Rezensenten vorliegt, und leitet sachlich her, warum es wie wahrgenommen und bewertet wurde.

      Viele Rezensionen sind mir einfach viel zu oberflächlich. Da wirkt es manchmal, als wären die Hörspiele mal so eben schnell weggehört worden und dann die Rezi geschrieben. Dass da 99% Prozent der Rezis supiii! ausfallen, wundert mich nicht.
      +1
      They call me the Fader. Which is what I'm about to do.
    • Hardenberg schrieb:

      pops schrieb:

      Ein Aspekt, der auch noch dazu kommt: Es wird von einer handelnden Figur, noch dazu von einem Kind, gesagt. Da kann ich leichter darüber hinwegsehen, da man auch im realen Leben nicht immer hundertprozentig den richtigen Ton trifft.
      Das ist ein guter Punkt.
      Das Darüber-hinwegsehen-Können.
      Ich hätte noch einen Satz zur Erklärung beifügen sollen. Eine handelnde Figur darf mE Fehler machen, ein von der Geschichte losgelöster Erzähler nicht. Ich fände es im Gegenteil unglaubwürdiger, wenn jede (handelnde) Figur wie ein Literaturprofessor spräche.

      Insofern sehe ich in o. a. Fall nicht darüber hinweg, weil ich einen Fehler für nicht wichtig halte, sondern weil ich es erst gar nicht für einen Fehler erachte.

      Mein Lieblingsbeispiel: Ich gehe gern steil, wenn ein Erzähler von einer "Bahre" spricht, aber eine "Trage" meint. Sagt dies aber eine handelnde Figur, ist das in meinen Augen ok, weil das fast jeder sagt und auch jeder trotzdem weiß, was gemeint ist.

      Insofern ist es die Frage erstmal nicht, ob man über Fehler hinwegsehen kann, sondern erstmal, ob es überhaupt ein Fehler ist.

      Man müsste daher wohl erstmal feststellen, ob es sich um subjektive oder objektive Fehler/Mängel handelt, bevor man im zweiten Schritt beurteilt, ob und wieweit dieser Einfluss auf die Bewertung hat.
    • @pops

      Ich hatte Deinen Satz jetzt eigentlich auch mehr als Einstieg zu einen weiterführenden Gedanken genommen und war gar nicht so sehr auf ihn selbst eingegangen. Deine Argumentation finde ich, was die Trennung von Figur und Erzähler angeht, durch und durch nachvollziehbar. Allerdings sollte, ganz streng genommen, ein "Fehler", der durch eine Figur begangen wird, vom Schöpfer auch beabsichtigt worden sein. Andernfalls bleibt es ein Fehler, wenn auch unter Umständen (weil die Charakterisierung der Figur einen solchen Fehler nicht unwahrscheinlich sein lässt) ein Fehler der Kategorie: "Schwein gehabt"! :zwinker: =)

      Ganz schlimm finde ich, wenn ein Hörspiel frappante sprachliche Mängel aufweist - und zwar nicht weil die Figuren so sprechen sollen, sondern weil offensichtlich der Autor es nicht besser wusste. Besonders übel aufgestoßen sind mir da in meiner Erinnerung die ersten Folgen der Schwarzen Sonne. Da gab es einige Schoten, die wirklich haarsträubend waren. (Ich muss beizeiten nochmal reinhören, um sie auch zitieren zu können; ich habe sie in der Zeit seit dem Hören schlicht verdrängt.)

      Bei so etwas ist es mir einfach unmöglich, darüber hinwegzuhören. Andere mögen da weniger sensibel sein.
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp: Die juten Sitten
    • Hardenberg schrieb:

      Viele Rezensionen sind mir einfach viel zu oberflächlich. Da wirkt es manchmal, als wären die Hörspiele mal so eben schnell weggehört worden und dann die Rezi geschrieben. Dass da 99% Prozent der Rezis supiii! ausfallen, wundert mich nicht.
      Mich eigentlich schon.
      Würde ich nämlich nach dem ersten Hören eine größere Rezi verfassen müssen, würde die in der Regel schlechter ausfallen als es nach dem zweiten Mal der Fall wäre.
      Oft missversteht man bei einem einzigen oberflächlichen Durchgang viele Dinge noch, erkennt Zusammenhänge nicht richtig, versteht womöglich Sätze falsch, überhört Geräusche (hatten wir hier ja auch schon öfter, dass ein User nach dem ersten Hören von Hörspiel XY das Fehlen wichtiger Geräusche monierte, einfach, weil er (noch) nicht konzentriert genug dabei gewesen ist ;) ) usw..
      Ich kann mich häufig nach zwei kompletten Durchläufen viel besser auf das Ganze einlassen und bewerte, wenn es nicht wirklich grottig war, dann deutlich positiver.
      Aber die Menschen sind nun mal verschieden. :zustimm:
    • Das kommt vielleicht drauf an, wie stark der "Erkenntniswille" während des Hörens ausgeprägt ist. Wir, die wir uns gern in Threads wie dem Fallen-Spoiler-Thread tummeln, um Spekulationen bezüglich der Handlung auszutauschen, mögen da mehr Bereitschaft zeigen, uns auch tiefergehend mit dem einzelnen Hörspiel zu befassen. Und ich als bekennender Intensiv-Hörer ja sowieso. Ich höre gewöhnlich jedes Hörspiel mehrmals, ehe ich mich an eine Rezi wage - es sei denn, es ist wirklich richtig grottig.

      Aber ich bezweifle, dass alle auf dieselbe Weise jedem Hörspiel ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Was ja letztlich jedem selbst überlassen ist. Nur als Ausgangslage für eine Rezi fänd' ich das für mich (als Leser) zu wenig.

      Und so manche Rezi macht den Eindruck, als träfe eben dies zu: schnell mal drübergehört, Ersteindruck in die begrenzte Auswahl von etablierten Rezi-Textbausteinen gedrückt, tendenziell positives, aber irgendwie immer auch beliebig klingendes Fazit - und raus ist die Vier- bis Fünf-Sterne-Rezi. :zwinker:
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp: Die juten Sitten
    • Ich lagere das mal in diesen Thread aus, weil es thematisch besser passt.

      Thema Hörspielkammer:

      Hardenberg schrieb:

      Wenn die persönliche Komponente nicht wäre und dieses ganze unsägliche Drumherum, dann fänd ich so etwas wie eine zugespitzte Erörterung von kommerziellen Hörspielen nach wie vor spannend und interessant.

      Ich finde, Talent kann man den beiden nicht absprechen, was Ihre Hörspielkammern angeht. Vor allem in der Kombi mit Michael Eickhorst funktioniert das grundsätzluch ganz gut. Und vieles von dem, was sie anmahnen, ist ja nicht völlig aus der Luft gegriffen und trifft durchaus ein ums andere Mal ins Schwarze.

      Wenn da nun mal nicht die Grenzüberschreitungen wären und der Hang zum persönlichen Scharmützel bei gleichzeitiger Hochsensibilität im Umgang mit Kritik am eigenen Schaffen...

      Ein zugespitztes und unterhaltsames, dabei aber immer an der Substanz orientiertes Hörspiel-Gericht fänd' durchaus mein Interesse. Aber da müsste dann schon mehr kommen als die reine Lust am Verriss, so zutreffend dieser im einzelnen auch sein mag - zumal wenn eine hohe Zahl an behandelten Hörspielen eher unbekannter sind. Schön wäre eben ein relativ neutraler Blick auf die interessantesten Neuerscheinungen am Markt - bei dem am Ende durchaus auch mal ein saftiger Verriss, aber eben auch die Feststellung des Gelingens stehen kann.

      Eine reine Häme-Show brauche ich nicht. Auch wenn es natürlich reizt, wenn absolute Neulinge sich selbst und ihr Werk zu Werbezwecken in die Nähe von Lynch und Tatantino rücken. Sorry, selbst schuld! :zwinker: Dann muss man eben auch aushalten, wenn man auch daran gemessen wird - und einem ein negatives Zeugnis ausgestellt wird.

      Orientierung in Form einer solchen Kammer wäre manches Mal durchaus hilfreich und sicher unterhaltsam in der Flut an Neuerscheinungen.

      Aber dann bitte ohne private Fehden, die das Ganze spürbar durchziehen und nur kleingeistig und provinziell wirken. Aber die scheinen ja nun mal leider wesentlicher Antrieb zu sein.

      So bleibt eben immer auch der Ruch der Gescheiterten, die den anderen ihren Erfolg (oder zumindest ihr Nicht-Scheitern) neiden - ob nun zutreffend oder nicht.

      Angesichts des offensichtlichen Talents der beiden nach wie vor bedauerlich in meinen Augen.

      Und sorry, wenn ich mich ein weiteres Mal dem Schwarzweiß-Schema in Bezug auf die beiden Herren versage.

      GrimReaper schrieb:

      Hardenberg schrieb:

      Ein zugespitztes und unterhaltsames, dabei aber immer an der Substanz orientiertes Hörspiel-Gericht fänd' durchaus mein Interesse.
      Ich glaube, dafür liefert der Markt einfach viel zu wenig passendes Material. 08/15 Grusel und beliebig inszenierte kommerzielle Massenware lässt sich einfach nicht "zugespitzt und unterhaltsam" aufbereiten. Es braucht schon Hörspiele, die aus welchen Gründen auch immer polarisieren. Was nun mal Duschek oder Birker beispielsweise schon lange vor der ersten Kammer regelmäßig unter Beweis gestellt haben.
      Aber hier geht es ja um SEVEN und die Polarisierung ist hier definitiv auch prima erfolgt.

      Ich weiß nicht, ob das zutrifft, denn der Ausstoß ist ja enorm, und bei weitem nicht alles ist ja Groschengrusel. Aber wenn man es ernst nähme, wäre es eben wirklich Arbeit. Denn dann kann man sich nicht irgendeine uralte Hörspiel-Schmonzette vornehmen, die dann bloß Vorlage für die eigene Lust am Verriss ist, sondern man müsste sich die Neuerscheinung ganz schnell zu Gemüte führen und unter Hochdruck eine Erörterung/Analyse durchfühen, um einer der ersten zu sein, der sich dazu äußert. Und dann eben nicht irgendwelche Hörspiele, sondern die, von denen "man" zur jeweiligen Zeit gerade spricht.

      Und da böten sich doch einige an, wenn man die nähere Vergangenheit, die Gegenwart und die nähere Zukunft betrachtet:

      Ghostbox
      Die Weisse Lilie
      Europa-Gruselserie 1 + 2
      Seven
      Point Whitmark
      Sonderberg
      Goldagengarden X
      usw.

      Und dazwischen eben immer auch die Highlights der jeweiligen Dauerbrenner, die es am Markt so gibt. Darunter werden nicht selten auch Hörspiele sein, die einen satirischen Umgang erlauben.

      Es spricht ja gar nichts dagegen, Serien wie Sinclair, Gruselkabinett, Mord in Serie oder Gespensterkrimi immer mal wieder unter die Lupe zu nehmen. Ich habe irgendwann mal in die Folge reingezappt, in der es um den Monster Truck ging - und da habe ich zuerst nicht glauben wollen, dass der angedeutete Inhalt den Tatsachen entspricht. Ich habe ehrlich geglaubt, dass die sich das ausgedacht haben mit der fleischfressenden Tentakel-Kuh - bis ich dann festgestellt habe, dass es wohl wirklich darum ging. :arg4:
      =)

      Wenn man da einen satirisch angehauchten Verriss platziert, im Kalkofe-Stil, dann mag das den Hörspielmachern und Freunden der jeweiligen Reihen nicht gefallen, aber wenn das in einem gewissen Rahmen bleibt, finde ich da nichts dabei, solange alles nach Recht und Gesetz erfolgt. Dafür bieten einfach viele Produktionen auch einfach deutlich zu viele Ansätze, sie auch anders als bloß ernsthaft betrachten zu müssen.
      Aber man sollte es sich eben auch nicht zu einfach machen. Und sich aus dem Fundus der jemals erschienenen Produktionen das herauspicken, was einem gerade in den Kram passt, um möglichst viele Kalauer unterbringen zu können. Einige der ausgewählten Produktionen sprechen eh schon für sich, da braucht es keinen Verriss. Es muss schon eine gewisse Fallhöhe bestehen, um relevant zu sein.

      Und es sollte scharf getrennt werden zwischen Werk und beteiligtem Künstler als Mensch und auch Privatperson. Persönliche Schmähungen wie in Richtung Thomas Birker gehen einfach gar nicht. Man kann seine Hörspiele kritisieren, man kann seinen Leistung beim jeweiligen Hörspiel (als Hörspielmacher) kritisieren, aber wenn man anfängt, eine Person als Ganzes zu entwerten, zu schmähen, zu beleidigen, auch die Optik eines Menschen auf verlächerlichende Weise darzustellen und sich so sehr, so konstant und so oft an ihm zu verbeißen, dass es schon in Richtung Fehde, um nicht zu sagen: Mobbing, geht, dann ist für mich einfach eine Geschmacksgrenze weit überschritten. So etwas interessiert mich nicht. So etwas möchte ich nicht lesen, sehen oder hören.
      Ich bin sicher kein Freund des Dreamland Grusel als Hörspiel-Reihe, aber selbst wenn ich die Reihe nicht mag und Kritik am Handwerk der Beteiligten über die Maßen gerechtfertigt finde, ist Thomas Birker ein Mensch, der nicht als Moderator oder Schauspieler sein Gesicht einer breiten Öffentlichkeit in TV oder Film entgegenhält, damit ordentlich Asche verdient und deswegen den überkritischen Umgang zu akzeptieren hat. Er ist ein Mensch hinter den Kulissen, der zudem bekennend semiprofessionell, also nebenberuflich, soweit ich es verstanden habe, seiner Leidenschaft für Hörspiele frönt, indem er selbst welche herstellt.
      Da verbietet es sich für mich, über seine Person über das jeweilige Hörspiel und seine Funktion dabei hinausgehend herzuziehen, wie es in der Vergangenheit geschehen ist.

      Leider kann man nicht mehr hinter diese alten Fehltritte zurück. Und wenn sie heute eine neue Hörspielkammer präsentieren, dann denkt man all die Grenzüberschreitungen und Taktlosigkeiten mit, ob man will oder nicht.
      Und dass sie eben selbst malö Hörspielmacher waren und jetzt über ehemalige Kollegen abledern, hat natürlich auch immer ein Geschmäckle.

      Dabei haben sie ja durchaus ihr Pfund: nämlich ihre eigene Kenntnis des Handwerks und der Szene. Das könnten sie auch klug ausspielen und zu einer Art festen Instanz werden. Aber eben nicht durch reines Draufschlagen, wie in der Vergangenheit.

      Schön wäre eben eine Weiterentwicklung - hin zu mehr Substanz bei gleichzeitiger professioneller Distanz zu den jeweiligen Objekten der Kritik. Birker-Produktionen sollten sie meiner Ansicht nach ganz außen vor lassen, aufgrund der eigenen Befangenheit, die ja offensichtlich ist.

      Wie gesagt, ich sehe das durchaus Potential. Wenn es gelänge, die Erinnerung an die zurückliegenden Fettnäpfe zu tilgen, sähe ich ausreichend Talent für eine eigene Hörspiel-Kolumne. Es müsste halt alles prompter und aktueller sein. Und nicht wirken wie die Ergüsse zwei Frustrierter, die sich an all jenen abarbeiten, die es vermeintlich (und ungerechtfertigterweise) weiter gebracht haben als sie selbst.

      Grundsätzlich, da wiederhole ich mich gern, finde ich etwas in der Richtung einer Hörspielkammer interessant. Alle anderen Instanzen, die Hörspiele besprechen und die ich kenne, finde ich eher unendlich dröge und bemüht komisch.

      Einen unterhaltsamen Streiter für das Gute, Wahre, Schöne könnte es da schon brauchen. Aber der zeigt eben nicht immer nur dahin, wo es stinkt, sondern zeigt auch, wie es besser geht. Und das fehlt hier doch.
      Hardenbergs Hörspiel-Tipp: Die juten Sitten