Gruselkabinett - 60 - Der Grabhügel

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      Gruselkabinett - 60 - Der Grabhügel

      Zum Inhalt:
      Die extreme Dürreperiode der 1930er Jahre in den USA hat auch Texas fest im Griff. Eines Tages bemerken der Farmer Steve Brill und sein Sohn Tommy, daß ihr alter mexikanischer Nachbar Juan Lopez auf seinem Nachhauseweg immer einen Bogen um ein altes, indianisches Grabmal macht. Auf ihre Frage hin erklärt Lopez, den Grabhügel umgebe ein schreckliches Geheimnis, und er habe geschworen,nichts darüber zu verraten. Neugierig geworden, drängen die beiden ihn, die Geschichte wenigstens aufzuschreiben. Obwohl Lopez einwilligt, warten die beiden nicht, sondern beginnen aus lauter Neugier noch in der Nacht damit, das Grab zu öffnen. Damit nimmt der Schrecken seinen Lauf...


      Zur Produktion:
      Wie ich schon mehrfach angemerkt habe, gehört Robert E. Howard zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Umso mehr freue ich mich jedesmal, wenn sich das Label Titania seiner Arbeiten annimmt. "The Horror from the Mound", wie die Story im Original heißt, erschien erstmals 1932 in dem Kurzgeschichten- Magazin Weird Tales und gehört zu den Weird Western Stories. Dieses Subgenre der phantastischen Literatur vermischt Horror-, Okkult- oder Fantasyelemente mit denen des klassischen Wilden Westens.
      Während sich Drehbuchautor Marc Gruppe gewöhnlich sehr dicht an die literarische Vorlage hält, nimmt er sich hier ein paar künstlerische Freiheiten. Da wäre zunächst die Eröffnungssequenz, die in der Kurzgeschichte erst ziemlich gegen Ende kommt. Ihre Vorwegnahme beeinträchtigt die Handlung allerdings in keiner Weise, sondern bereitet vielmehr einen interessanten, dynamischen Einstieg. Erwähnenswert ist auch die Figur des Farmersohns Tommy, der in Howards Erzählung gar nicht existiert. Auch wenn sein Charakter inhaltlich nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, macht er die Szenen, in denen sonst lediglich Steve Brill agiert hätte, wesentlich lebendiger und sorgt vor allem dafür, daß dieser weder ständig Monologe halten noch der Erzähler zuviel erklären muss. Ebenfalls um mehr Abwechslung zu erreichen, wurden wohl auch die Episoden mit den Spaniern, die im Jahre 1545 spielen, entsprechend erweitert. Wäre Gruppe dem Original treu geblieben, gäbe es nämlich nur zwei Sprecher, und das Hörspiel wäre erheblich kürzer ausgefallen. Was mich wirklich überrascht hat, ist, daß der Neger, welcher als Verdächtiger gilt, hier stirbt, obwohl er bei Howard seiner Hinrichtung entgeht. Insgesamt wird das Geschehen flüssig und aufregend erzählt, wobei von Beginn an eine unheimliche Grundstimmung vorherrscht. Lediglich die Auflösung, was sich denn nun in dem Grabhügel befindet, empfand ich für das Gruselgenre als mittlerweile zu konventionell. Da hätte ich mir etwas Exotischeres, wie zum Beispiel den Chupacabra, gewünscht. Das ist aber natürlich dem ursprünglichen Autor anzulasten bzw. Geschmackssache. Wer sich selbst ein Bild über die Unterschiede von Kurzgeschichte und Hörspiel machen will, kann den englischen Text im Internet nachlesen (gutenberg.net.au/ebooks06/0601761h.html).
      Daß die beiden Produzenten und Regisseure Stephan Bosenius und Marc Gruppe wahre Meister im Schaffen von Atmosphäre sind, ist ja bekannt. Das ständige Grillenzirpen und dazu noch der leise Wind, lassen echtes Westernfeeling aufkommen (allerdings hätte hier und da auch noch ein Kojote jaulen dürfen), und das unheimliche Gestöhne, welches aus dem Grabhügel ertönt, sorgt für wohlige Gänsehaut. Dazu noch die düsteren Klänge, die mich manchmal an die Arbeiten von John Carpenter erinnert haben, und die unheimliche Stimmung ist perfekt.


      Zu den Sprechern:
      Tommi Piper(Erzähler) kann seine knarzige Stimme nur kurz zum Einsatz bringen und ehrlich gesagt hätte das Hörspiel auch gar keinen Erzähler gebraucht. Patrick Schröder(Steve Brill) ist gut als strenger, wenn auch liebevoller Vater, dessen Verzweiflung über die wirtschaftliche Lage regelrecht hörbar ist. Der erst siebzehnjährige Maximilian Belle(Tommy Brill) zeigt wirklich, daß er Potential hat, aber in eingen Bereichen könnte er sich noch verbessern. Sein Portrait des aufgeweckten Farmersjungen ist durchaus solide, wenn es jedoch zu extremen Emotionen, wie Todesangst kommt, schwächelt er ein wenig und klingt zu unbeteiligt. Reinhard Glemnitz(Juan Lopez) als alter, freundlicher Mexikaner, hat mir sehr gut gefallen, und sein eindringliches Auftreten ist immer überzeugend. Auch die Nebenrollen können sich hören lassen. Alexander Turrek(Hernando de Estrada) gibt den souveränen Befehlshaber, Patrick Roche(Juan Zavilla) den zielstrebigen, aber dennoch besonnenen jungen Offizier, und Kai Taschner(Padre) macht Spaß als unangenehm berührter, ängstlicher Priester. Highlight ist aber Tobias Lelle(Don Santiago de Valdez), dessen überhebliche und herablassende Sprechweise genau zu seiner Rolle passen.


      Fazit:
      Top Hörspiel, bei dem gruselige Unterhaltung garantiert ist. Für mich ganz klar ein weiteres Highlight der Serie.


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    • Uiiii, habe ich mich gefreut, endlich diese Folge hören zu können. Meine CD ist nämlich nach wie vor verschollen und nicht wieder aufgetaucht. Da ich früher ständig mit einem Pack CDs unterwegs war um immer während Autofahrten oder Pausen via CD Hörspiele zu hören, konnte dies schon passieren. Das ist jetzt dank Streaming vorbei. CDs sind im Regal und Hörspiele trotzdem immer mit dabei. Ich hatte diese Folge sehr gut in Erinnerung. Aber ich muss sagen, dass sie mir nach dem jetzigen Hören nicht mehr so gut gefiel. Was bleibt war eine gute, unheimliche und originelle Vampirgschichte mit leichtem Mumienflair. Zu Beginn musste ich nämlich an Europas Gruselserienfolge-Mumienfolge denken. Später wird man dann eines Besseren belehrt.

      Gut, aber nicht mehr sehr gut wie beim ersten Hören.
      Baba :winke4:
    • Hach, irgendwie schön, mal wieder an eine Phase des Gruselkabinetts erinnert zu werden, in der ich noch mit kindlicher Vorfreude jeder neuen Folge entgegenfieberte. (Leider lange her. ;( )

      Seltsamerweise bleibt mir vom Grabhügel nie etwas haften. Ich weiß, dass sie keine meiner Lieblingsfolgen ist, aber auch kein schlechtes Hörspiel, aber jedes Mal, wenn ich es gehört habe, vergesse ich sofort wieder, worum es geht. Ich habe immer nur den Anfang im Kopf und nicht das Ende. Ähnlich geht es mir mit Schwarze Krallen und Tauben aus der Hölle. Ich weiß nicht, womit das zusammenhängt. :schulter:

      Vampirgeschichte mit Mumienflair? :gruebel:

      Ich muss mir die Folge wohl mal wieder anhören. Daran kann ich mich so gar nicht erinnern! =)