Gruselkabinett - 118 & 119 - 20.000 Meilen unter dem Meer

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    • @Hardenberg Wow! Das ist mal eine wirklich sehr ausführliche Rezi! Da hast Du Dir ganz schön Arbeit gemacht. :respekt:

      Ich habe sie mir vollständig durchgelesen, kann dazu aber noch nichts beisteuern, da ich das Hörspiel noch nicht gehört habe. Ich werde dann, wenn es so weit ist, nachliefern. ^^

      Einen Punkt habe ich noch anzumerken, aber bitte fasse ihn nicht als persönlichen Angriff auf. Ist nicht bös gemeint.
      Ich war noch nie ein Verfechter davon, sämtliche Fremdwörter kennen und anwenden zu müssen.
      In Deiner Rezi befinden sich einige Fremdwörter, die ich noch nie gehört habe ( :blush: ), wie z.B. Intonation, servil, Antipoden und Sottisen. Es wäre schön, wenn Du solche Fremdwörter umgehen könntest, denn wenn man eine so lange Rezi konzentriert lesen möchte, ist es schon hinderlich, wenn man dazu zwischendurch googeln muss, um einige Fremdwörter zu verstehen. :winke:
    • =) Ich bin doch kein rohes Ei. Ich schätze konstruktive Kritik. Und die Deine ist ja eher eine Anregung. Die ich übrigens gern aufgreifen will. Die Verwendung dieser Wörter fällt mir gar nicht auf. Sie sind wohl einfach Bestandteil meines normalen Wortschatzes und finden dann bei solchen Gelegenheiten Einzug. Ich werde aber zukünftig darauf zu achten versuchen. Denn dass meine Rezis erst mühselig mittels eines Dudens entschlüsselt werden müssen, will ich natürlich auch nicht. =)

      Ansonsten danke für die lieben Worte.
      Ich bin gespannt auf Deine Einschätzung und die von Markus G. und vor allem auch auf einen Austausch bezügl. der Frage, in welchen Punkten wir zu unterschiedlichen Bewertungen kommen. :)
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Nach Deiner Rezi bin ich auch schon gespannt, ob wir überhaupt zu unterschiedlichen Bewertungen kommen werden. Leider musst Du Dich da aber noch ein wenig gedulden, denn im Moment muss das Hörspiel noch ein wenig warten, da Weihnachten vor der Tür steht und ich meine bescheidenen Finanzen für Weihnachtsgeschenke einsetzen darf. :geschenke:
      Vielleicht habe ich aber Glück und bekomme 20000 Meilen unter dem Meer zu Weihnachten geschenkt. :whistling:
    • Hardenberg schrieb:

      Aber viell. verlagern wir die Fortsetzung des OT, damit hier ausreichend Platz und Ruhe für die Rezi von @MonsterAsyl gegeben sind. :zwinker:
      Och, also von mir aus kann hier gerne weiter diskutiert werden. Wenn es sich zu sehr vom Hörspiel selbst entfernt, lager ich die Diskussion eh aus. =) Platzmässig werde ich wohl ähnlich wie Du zwei Posts brauchen. Ich kann aber jetzt schon sagen, daß es bei mir besser wegkommt als bei Dir. ^^


    • Gruselkabinett - 118 & 119 - 20.000 Meilen unter dem Meer

      Zum Inhalt:
      Im Jahr 1866 macht ein schreckliches Ungeheuer die Weltmeere unsicher. Nachdem mehrere Schiffe von ihm versenkt wurden und der berühmte Meeresbiologe Prof. Pierre Aronnax die These aufgestellt hat, es könne sich bei der Kreatur um einen Riesennarwal handeln, beschließt man ein Jahr später, eine Expedition auszusenden, um das Tier zu fangen oder zu töten.

      Zur Produktion:
      Mit "20.000 Meilen unter dem Meer" betritt das "Gruselkabinett" Neuland. Abgesehen davon, daß die Geschichte für mich eher dem SF-Genre als dem Grusel zuzuordnen ist und somit schon fast konträr zu der sonst üblichen Thematik der Reihe steht, handelt es sich hier auch um Titanias erste Vertonung eines Romans des berühmten Autors Jules Gabriel Verne (08.02.1828 - 24.03.1905). Über das Buch selbst ("Vingt mille lieues sous les mers: Tour du monde sous-marin", so der Originaltitel des zwischen März 1869 und Juni 1870 in Pierre-Jules Hetzels Zeitschrift "Magasin d'Éducation et de Récréation" als Fortsetzungsgeschichte erschienenen Romans) braucht man eigentlich kein weiteres Wort zu verlieren. Allein durch die zahlreichen Verfilmungen (die erste erschien bereits 1907, die bekannteste 1954) und die ständige Neuauflage der Publikation, dürfte der Stoff längst weltbekannt sein. Im Hörspielbereich gab es ebenfalls schon eine Vielzahl an Adaptionen, von denen sich die meisten aber lediglich auf eine Aneinanderreihung der spannendsten Momente beschränkten und deshalb mit einer Laufzeit von unter einer Stunde auskamen. Ich muss gestehen, daß ich ein großer Freund von Vernes Geschichten bin und mich bemühe, möglichst jede Hörspielversion in meinen Besitz zu bringen. Da ich die Arbeiten des Labels Titania sehr schätze, habe ich mich über die Ankündigung dieser Gruselkabinett-Folge wirklich gefreut. Sie war auch eine gute Gelegenheit, zuvor nochmals Vernes Buch zu lesen, um meine Erinnerung aufzufrischen.
      Da das Werk inzwischen im englischsprachigen Raum rechtefrei ist, findet man diverse Fassungen (zB. ibiblio.org/julesverne/books/2…5th_reprint_revisions.pdf) im Internet. Die Lektüre fiel zu meiner Überraschung anstrengender aus als erwartet. Verne war das, was man heutzutage einen "Technik-Freak" nennen würde, und er legte viel Wert darauf, seinen Geschichten auch eine solide wissenschaftliche Basis zu geben. Dementsprechend strotzt der Text nur so von ermüdenden, die Handlung eher bremsenden Daten, Zahlen und Fakten. Ich hatte mehrfach den Eindruck, eine technische Abhandlung und keinen Roman zu lesen. Natürlich finde ich es prinzipiell gut, wenn ein Autor seiner fiktiven Handlung einen glaubwürdigen Hintergrund schafft, aber Verne übertreibt dies meiner Meinung nach. Interessanterweise sind die meisten Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum etwas von den theoretischen Diskursen befreit worden, was für ein weitaus flüssigeres Leseerlebnis sorgt. Auch Skriptautor Marc Gruppe hat die Zahlenflut des Originals erheblich eingeschränkt.
      Vernes Romanvorlage besteht aus zwei Teilen, und auch das Hörspiel weist eine entsprechende Separierung auf. Obwohl es sich angeboten hätte, die vom Autor Vorgegebene genau so zu übernehmen, hat Titania das Hörspiel inhaltlich etwas anders aufgebaut. Jede Folge besitzt zwar eine Laufzeit von ca. 58 Minuten, doch Gruppes Skript für den ersten Teil endet bereits mit der Aufnahme der Schiffbrüchigen durch die Nautilus, während sich der zweite Part dann ganz den Abenteuern unter Wasser widmet. Mir hat dieser langsame Aufbau gut gefallen, da er dem Hörer viel Zeit lässt, sich mit den Akteuren und den Ereignissen vertraut zu machen. Darauf muss man sich aber auch einlassen wollen, und wer eher "Action-orientiert" ist und einen geraffteren Erzählstil bevorzugt, der sollte direkt die zweite Folge hören. Da es sich bei dem Buch um ein mehrere hundert Seiten umfassendes Werk handelt, musste Gruppe, trotz der großzügig angelegten Spielzeit, etliche Kürzungen bzw. Paraphrasierungen vornehmen. Das betrifft sowohl Kleinigkeiten, wie das Weglassen der ausgesetzten Belohnung für denjenigen der das "Monster" erlegt als auch weitaus wichtigere Stellen, z.B. das nähere Kennenlernen von Ned Land.
      Daß Marc Gruppe die erste Begegnung von Kapitän Nemo und den drei Hauptakteuren ausgespart hat, stellt zwar einen Eingriff in Vernes Werk dar, sorgt aber gleichzeitig für mehr Spannung und eine zusätzliche Verlängerung des Mysteriums. Die sonstigen geringfügigen Änderungen, wie die Tatsache, daß Professor Aronnax hier selbst erkennt, daß die Speisen ausschließlich aus dem Meer stammen, während er bei Verne dies erst erfragen muss, oder daß die bei Verne nicht näher beschriebenen Haie von Marc Gruppe den weißen zugeordnet werden, spielen keine größere Rolle. Genauso wenig, wie die bereits erwähnte ausufernde Zahlen-Aufzählung, die in Kapitel 13 des Buches ganze 6 Seiten umfasst, was der Skriptautor verständlicherweise komplett unter den Tisch fallen ließ. Andere Kürzungen schlagen aber weit gravierender zu Buche. So fehlen etliche Kapitel, unter anderem das Abenteuer mit den Kannibalen oder der einige Tage andauernde Landgang. Gleiches gilt für lange Passagen der Unterwasserreise. Exemplarisch sei hier der Besuch von Atlantis genannt, welcher im Hörspiel mit mher oder weniger einem Satz abgehandelt wird. Mit der Nichtumsetzung dieser Szenen kann ich ganz gut leben, aber bedauerlicherweise gehen so auch etliche Einblicke in Nemos und Ned Lands Charakter verloren, was beide Figuren letztlich etwas eindimensional wirken lässt. Zum Ausgleich gibt es dafür unter anderem die Begegnung mit der Seespinne, die bei den meisten Vertonungen fehlt.
      Wie gewohnt hat Marc Gruppe die zahlreichen Schilderungen und reinen Erzählpassagen zu Dialogen umgeschrieben, ohne sich dabei ganz von Vernes Vorlage zu trennen. Aus diesem Grund hat Professor Aronnax, genau wie im Buch, den umfangreichsten Text und wirkt so manchmal ein wenig monologisierend.
      (Fortsetzung im nächsten Post)
    • Für die Produktion und Regie sind wie gewohnt Stephan Bosenius und Marc Gruppe zuständig, und die professionelle Arbeit der beiden Labelchefs lässt bei mir keine Wünsche offen. Ich liebe es ja, wenn die Szenen eines Hörspiels so wirken, als hätte ein Unbeteiligter mit dem Mikro dabeigestanden und alles live aufgenommen. Damit dieser Effekt erzielt werden kann, fügen Gruppe und Bosenius eine Vielzahl unterschiedlichster Geräusche in jede Szene ein. Schon die Eröffnungssequenz sprüht geradezu vor Lebendigkeit. Es herrscht reger Verkehr, und
      undefinierbares Gemurmel ist genauso zu hören, wie das Rascheln der Kleidung der Passanten. Besser kann man dem Hörer eine belebte Straße kaum präsentieren. Genauso sorgfältig sind auch alle anderen Schauplätzegestaltet worden. Am Hafen schreien die Möwen, tuten die Schiffe und schlägt das Wasser an die Kaimauer. Innerhalb der Nautilus kann man trotz deren stampfender Maschinen noch das Schaben eines Stiftes auf Papier oder das Rücken von Stühlen hören. Besonders interessant finde ich die akustische Gestaltung der Luken, die wie vollautomatisch gesteuerte Schotts eines Raumschiffs klingen. Für zusätzlichen Realismus sorgen die eingesetzten Effekte. Die Stimmen während des Tauchgangs wirken etwas dumpf und haben einen passenden metallischen Unterton. Um die Annäherung der Schiffbrüchigen an Ned Land darzustellen, wird dessen Stimme anfangs sehr leise und dann immer lauter eingespielt. Die zur Vertiefung der Atmosphäre eingesetzte Musik ist immer passend und unterstreicht das Geschehen zusätzlich. Die Eingangsmelodie baut sofort einen gewissen Spannungsbogen auf, der die geschilderten Ereignisse noch bedrohlicher wirken lässt. Intrumentalisch herrschen Streich- und
      Blasinstrumente vor, wobei ich vor allem den Einsatz der Harfe und der Piccoloflöte herausragend finde. Neben den "klassischen" Instrumenten,
      gibt es aber auch düstere Synthesizersounds, und die mit der Figur des Kapitän Nemo unlösbar verbundene Orgel fehlt natürlich ebenfalls nicht.

      Zu den Sprechern:
      Die Entscheidung, den großartigen Jürgen Thormann(Prof. Pierre Aronnax) mit der Rolle des Meeresbiologen zu besetzen, hinterlässt bei mir einen etwas zwiegespaltenen Eindruck. Einerseits finde ich seine ältere Stimme überaus passend für das gängige Klischeebild des etwas weltfremden Wissenschaftlers, der völlig in seiner Arbeit aufgeht. Andererseits klingt er aber wirklich nicht mehr wie der Mann von 40 Jahren, den Verne beschreibt. Da das Alter des Professors im Hörspiel aber nicht erwähnt wird, dürfte das wohl nur Kenner der Vorlage stören. Thormann ist jedenfalls durchaus amüsant in seiner Interpretation, und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkeifen, als er anfing, hilflos vor sich hin zu stottern, um seine Angst vor dem Unterwasserausflug und der möglichen Begegnung mit Haien zu verbergen. Julian Tennstedts(Conseil) Art und Weise, von seinem Arbeitgeber nur in der dritten Person zu reden, ist zunächst etwas irritierend, entspricht aber ganz dem Roman. Allerdings wirkt der loyale Diener dort längst nicht so übertrieben hasenfüßig wie hier. Dietmar Wunder(Ned Land) ist toll als entschlossener Harpunier, dem nichts wichtiger ist, als seine Freiheit, und Uli Krohms(Kapitän Nemo) leicht heiser klingende Stimme passt perfekt zu dem wohlartikulierten, von der Schlechtigkeit der Menschen verbitterten Mann. Hans Bayer(Kommandant Farragut) gefällt als gestandener Seefahrer, dessen raue Stimme Autorität ausstrahlt, und Sascha von Zambelly(Mr. Jones) wirkt sehr sympathisch in seiner Rolle des verblüfften Reporters. Einen kleinen, überzeugenden Gastauftritt hat Marc Gruppe(Zeitungsjunge) als nachrichtenschreiender Verkäufer, auch wenn die Rollenbezeichnung "ZeitungsJUNGE" für einen erwachsenen Sprecher schon etwas unglücklich gewählt ist.

      Fazit:
      Ansprechende Version von Jules Vernes Klassiker.

      Das Hörspiel Gruselkabinett - 118 & 119 - 20.000 Meilen unter dem Meer
      gibt es bei
      Amazon.de
      oder bei
      POP.de
    • :danke: für die beiden doch sehr ausführlichen Rezis, die ich mit Interesse gelesen habe. :zustimm:
      Aber wie sooft werde ich mir meine eigene Meinung bilden und Eure nur als Anregung nehmen.
      Allerdings wird es bei mir noch über eine Woche dauern, bis das Hörspiel in den Player wandert.

      @AbdulAschbadri Na, dann hoffe ich mal, der Weihnachtsmann hat das Hörspiel für Dich auch schön brav mit im Sack. :nikoschornstein:
      Ich kann es mir ja ausleihen. :thumbup:
    • Hey ho! - Da ist sie ja endlich. :green:

      Ich habe Deine Rezi mal wieder mit größtem Vergnügen gelesen, dieses Mal natürlich mit besonderem Interesse, weil nun ich mal vorgelegt hatte und ich brennend daran interessiert war zu erfahren, inwieweit wir möglicherweise konträr gehen.

      Doch mal abgesehen davon, dass Du Dich dem Hörspiel über Vernes Vorlage näherst und insofern einen ganz anderen Ansatz verfolgst, sehe ich eigentlich keine grundsätzliche Differenz in unseren Beobachtungen. Dafür aber eine erhebliche in der Bewertung derselben. Bei amazon vergibst Du satte vier Sterne. Das ist für mich gehobene Kategorie.

      Aber ich finde diesen direkten Vergleich wirklich sehr spannend und freue mich auf zukünftige Überschneidungen. (Wie wäre es etwa mit Fallen?)

      Deswegen auch von mir ein :danke2: und ganz großes Lob! :)
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Hardenberg schrieb:

      Doch mal abgesehen davon, dass Du Dich dem Hörspiel über Vernes Vorlage näherst und insofern einen ganz anderen Ansatz verfolgst, sehe ich eigentlich keine grundsätzliche Differenz in unseren Beobachtungen. Dafür aber eine erhebliche in der Bewertung derselben. Bei amazon vergibst Du satte vier Sterne. Das ist für mich gehobene Kategorie.
      Nun, daß liegt wahrscheinlich daran, daß mir das Endergebnis trotz der angesprochenen Schwächen viel Spaß gemacht hat. Sehe ich vielleicht doch zu sehr durch die "Verne Fanboybrille"? :denk: Davon mal abgesehen ist es meines Wissens das erste Mal gewesen, daß ein Hörspiellabel den ersten Teil des Buches so ausführlich vertont und mir somit auch etwas ganz "Neues" geboten hat.

      Hardenberg schrieb:

      Aber ich finde diesen direkten Vergleich wirklich sehr spannend und freue mich auf zukünftige Überschneidungen. (Wie wäre es etwa mit Fallen?)
      Ich auch, aber zu Fallen werd ich nichts schreiben. Ich verfass schon genug Rezis. ^^

      Dir ebenfalls ein großes Lob :respekt: und vielen Dank :bow: für die hervorragende Rezension.
    • MonsterAsyl schrieb:

      Nun, daß liegt wahrscheinlich daran, daß mir das Endergebnis trotz der angesprochenen Schwächen viel Spaß gemacht hat. Sehe ich vielleicht doch zu sehr durch die "Verne Fanboybrille"? :denk:

      Naja, meistens führt die Fanboy-Brille ja eher dazu, dass man vielleicht (auch ungerechterweise) zu kritisch mit einer Umsetzung ins Gericht geht, weil man eben nicht mit der Herangehensweise des Hörspielmachers zufrieden ist.

      Selten ist es ja so, dass eine Umsetzung eine Vorlage auch noch verbessert. Aber hin und wieder gibt es das. Mir fällt da immer als Paradebeispiel Moby Dick ein, ein Wälzer, der in Romanform beinahe unerträglich ist mit seinen elend langen Auslassungen zum Walfang. Der Film mit Gregory Peck als Ahab schmeißt den ganzen (im Grunde überflüssigen) Kram einfach über Bord und konzentriert sich auf die Spielhandlung - und das Ergebnis ist eine wunderbare Parabel.

      Wie groß die Unterscheide bei der Herangehensweise bei einer Umsetzung sind, kann man sehr gut an den von mir weiter oben schon erwähnten Hörspielen zu Dorian Gray erkennen. Die vom Gruselkabinett folgt recht kühl der dramaturgischen Linie der Vorlage und spitzt bei der Konfrontation zwischen Gray und Hallward sogar einen Teilaspekt zu, der im Original eher unterschwellig mitschwingt. Vielleicht meinte man damit der heutigen Zeit Rechnung tragen zu müssen, in der bestimmte Themen im Vergleich zum Zeitpunkt des Entstehens der Geschichte nicht mehr mit einem Tabu belegt sind, doch für mich verflacht dieser Höhepunkt dadurch - es wird ihm dadurch das Rätselhafte, das Mysteriöse genommen, und das Ganze wirkt nur noch wie plattes sexuelles Begehren, das alles in ihrem Verhältnis dominiert. Und das greift mir ganz einfach zu kurz.

      Die Hörverlag-Version dagegen setzt sehr stark auf den "Klang" des Romans. Wilde liebte es ja zu fabulieren, und diesem Umstand wurde in dieser Version sehr stark entsprochen. Axel Milberg gibt einen beinahe schwärmerisch-versunken klingenden Erzähler, der diese wundevoll ausgestalteten Wilde'schen Sätze selbst in der deutschen Übersetzung edel und mit fein anklingender Ironie rüberbringt. Göttlich! Das Rätselhafte dominiert bei dieser Umsetzung. Für mich mit weitem Abstand die bessere Version.
      Insgesamt und allein auf das Hörspiel bezogen. Aber vor allem auch in Bezug auf die Originalgeschichte.

      Die Fanboy-Brille konnte da bei mir nicht wirken, weil es die nahezu perfekte Umsetzung natürlich schon gab. Ganz für sich nehmen kann man die zweite dann kaum mehr.

      Oder wie ist das bei Dir? Hast Du Vergleiche gezogen zu anderem Umsetzungen dieses Stoffes? Und dies auch ganz bewusst?

      Mag sein, dass dann die in dieser Version neu umgesetzten Teile für Dich eine andere Form von Bereicherung darstellten als für mich, der ich zwar natürlich die Geschichte grundsätzlich kannte, aber nicht die Vorlage von Verne gelesen hatte und auch in Hörspielform keine Begegnungen hatten, die bei mir Nachhall gefunden hätten.
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Ohne jetzt diese ausufernden Texte oben gelesen zu haben....Ich bin enttäuscht und mit Gruselkabinett für längere Zeit erstmal fertig. Den differenzierten Grundansatz (um eben nicht die 10. fast gleiche Adaption zu liefern) finde ich gut.Die schnarchige Umsetzung fand ich übelst. Es fehlt die Magie und die Exotik der Vorlage.Das unterwürfig Gehabe selbst im Wasser war völlig deplatziert. Auch ist alles völlig steril und tot.Auf engstem Raum zu wenig Stimmen. Ne das war nix.
      FFM-ROCK.DE
    • @TheBite

      Was heißt hier ausufernd? Ich habe mich doch noch kurz gefasst! :green:

      Aber im Ernst: In der Kurzform hätte meine Einschätzung wohl ähnlich geklungen, allerdings ohne den zukünftigen Boykott als Konsequenz, denn es sei bei dieser Gelegenheit, da Du die Rezi ja frevelhafterweise nicht gelesen hast, noch einmal auf Ewige Jugend hingewiesen, das alles das, was die Verne-Umsetzung so unbefriedigend macht, eben nicht aufweist, sondern ein wirklich hervorragendes Hörspiel ist.

      Ich hege ja immer noch die Hoffnung, dass Ewige Jugend den Jetzt-Zustand der Titania-Qualität darstellt und das Skript zu 20.000 Meilen schon älteren Datums ist und erst jetzt wieder aus der Schublade gezogen wurde. :] (Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und da ich mich wie Bolle auf die Wells-Vertonungen freuen will, ist die meine unverbrüchlich - jedenfalls bis zum Beweis des Gegenteils.)
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Hardenberg schrieb:

      Ich hege ja immer noch die Hoffnung, dass Ewige Jugend den Jetzt-Zustand der Titania-Qualität darstellt
      Jepp. Eine gute Folge. Die einzige unter den letzten 12 die auch mich überzeugen konnte. Der Rest öde Geschichtenerzählung mit schlechten Vorlagen. 1 aus 12 ist mir einfach zu wenig um weitere Blindkäufe zu starten.
      FFM-ROCK.DE
    • Habe die Folge nun auch gehört.
      Und da drängt sich eigentlich nur eine Frage auf: Weshalb wurden Erlebnissen weggelassen, die die Protagonisten in der Orignalgeschichte unterwegs mit der Nautilus noch haben und die sicher weitaus interessanter gewesen wären, als der total ausufernde Beginn der Geschichte?
      Denn bis der Professor und seine Kameraden das U-Boot überhaupt erreichen, ist ja bereits CD 1 so gut wie vorüber!
      Für mich eine ziemlich danebengegangene Gewichtung. Warum den Anfang so detailliert erzählen, als habe man vier CDs lang Zeit und gerade auch den Diener herumsalbadern lassen, dass ich als Hörerin dachte: 'Mannomann, halte dem Kerl doch endlich mal jemand den Mund zu!' :pinch:
      Diese gestelzte, nervend servile Sprechweise hätte man um mindestens die Hälfte kürzen können, wie überhaupt viele Szenen vor der Begegnung mit der Nautilus, und es wäre immer noch genug gewesen - besonders gemessen an dem, was dann später alles wegfiel.
      Die zweite CD mit den Abenteuern an Bord fand ich weitaus besser, vor allem auch die Unterwasserjagd. :thumbup:
      Insgesamt ist die Folge für mich aber kein Highlight der Serie, so professionell sie auch produziert wurde.
      Denn dass das Ganze bestes Titania-Niveau hat und auch die Sprecher passend ausgesucht sind, darüber brauchen wir gar nicht zu reden.
      Man hätte nur inhaltlich ein bisschen anders vorgehen müssen - meiner Meinung nach. :)
    • Schön: noch eine Wortmeldung zum Thema. Freut mich, dass ich nicht der einzige bin, der Probleme mit der Ausgestaltung der Butler-Rolle hatte.

      Agatha schrieb:

      Denn bis der Professor und seine Kameraden das U-Boot überhaupt erreichen, ist ja bereits CD 1 so gut wie vorüber!
      Für mich eine ziemlich danebengegangene Gewichtung.

      Zumal man dem Umstand hätte Rechnung tragen müssen, dass die Geschichte wohlbekannt ist und insofern allein aus der Frage, ob es sich bei dem unbekannten Phänomen um ein Ungeheuer oder was auch immer handelt, keinerlei Spannung mehr erwächst. Es dürfte jedem klar sein, was sich dahinter verbirgt. Die Inszenierung tut aber so, als wüsste man das nicht. Und dieses Missverhältnis macht's so zäh und langweilig.

      Was das Produktionsniveau angeht, so sind natürlich die Sounds, die gewählt werden, gewohnt souverän angewandt. Allerdings wäre bei der Ausgestaltung der einzelnen Szenen durchaus mehr drin gewesen, finde ich. Insofern sehe ich da auch viel verschenktes Potential.
      >> Kritik ist Liebe. <<
    • Ich habe die sehr detailierten aus begruendeten Rezis mit Interesse gelesen. Ich werde das Hoerspiel demanaechst bekommen (ist schon auf dem Weg ueber den Teich :D ). Ich werde mir ein eigenes Bild machen.

      Im Prinzip halte ich es fuer interessant, wenn man Aspekte, die in vorherigen Hoerspielversionen desselben Stoffes recht kurz gelassen werden (wie die Vorgeschichte bis sie aufs Schiff kommen), etwas mehr Gewicht gibt. Schliesslich muss Titania uns auch einen Grund liefern, warum man dieses Hoerspiel hoeren soll, obwohl dieser Stoff schon so oft vertont wurde. Und da hat man wahrscheinlich einen anderen Schwerpunkt gesetzt und sich mehr auf die Vorgeschichte fokussiert als auf die Aktion auf dem U-Boot. Das sind aber alles nur Eindruecke von den Rezis und ein paar Erwartungshaltungen. Ich bin gespannt, wenn ich die CDs endlich bekomme.