Info OhrCast - der monatliche Hörspielpodcast

    • Wenn jemand Hörbücher gewöhnt ist, dann kann ich es schon verstehen, dass Musik, Geräuschkulisse, und mehrere Sprecher vom eigentlichen Inhalt mehr ablenken. Ich selbst kann wunderbar zwischen Hörbücher und Hörspiele switchen und genieße die Vorzüge beider Welten. Beides kann ungemein fesselnd sein und ich kann mich wunderbar in sie „verlieren“.
      Baba :winke4:
    • Ich wuerde die Audio-Produktionen in drei Bereiche einteilen.

      (1) Reines Hoerspiel
      (2) Reine Lesung
      (3) Inszinierte Lesung

      Die ersten beiden duerften klar sein. Die dritte Form ist fuer mich so wie Captain Future oder Macabros (bis Folge 5 oder 6) oder auch einige Audible Produktionen.

      Hoerspiel:
      Fuer mich haben alle drei ihre Daseinsberechtigung. Reine Hoerspiele sind fuer mich haeufig am besten, da sie durch verschiedene Sprecher, dynamisch gespielte Situation und Musik und Sound viel intensivere Stimmung erzeugen koennen. Ausserdem kann ich bei einem Hoerspiel leichter verfolgen wer gerade spricht. Ich finde es auch sehr vorteilhaft, wenn man die Geschichte kuerzt und auf eine kurz-und-knackig-Laenge komprimiert. Das macht man beim Film ja auch so. Hoerspiele sind also in der Regel fuer mich das beste Audio-Format.

      Lesung:
      Lesungen haben fuer mich oft das Problem, dass sie viel zu lang sind und alle Aspekte des Buches mitnehmen. Ausserdem kann ich bei einem Erzaehler oft nur schwer nachvollhziehen wer nun gerade spricht. Auch fehlt hier meistens die Musik und der Sound und Gespraechsdynamik ist auch eher selten und muss vom Erzaehler kuenstlich erzeugt werden. Es gibt aber auch wunderbare Lesungen. Z.B. Blutlinie mit Franziska Pigulla fand ich als Lesung fantastsisch und sogar besser als die Hoerspiele. Aber das sind eher Ausnahmen. Ein ganz wichtiger Punkt einer Lesung ist die Erzaehlform. Wenn eine Lesung in der ersten Person erzaehlt wird (ich bin dann ....), dann hat da gleich eine andere Bedeutung und wirkt viel besser fuer mich, vor allem da es so wirkt, dass eine Person mir eine Geschichte von ihr selber erzaehlt inklusive der Emotionen die sie mit mir teilt. Das wirkt oft stark fuer mich und zieht mich in die Lesung hinein. Aber es haengt sicherlich von der Vorlage ab, ob das so gemacht wird. Z.B. ich habe ein Hoerspiel, aber das wird in den ersten 3/4 als eine erste-Person-Lesung (da es keine andere Person gibt). Erst am Ende kommen Freitag und die Piraten. Das wirkte super. Eine Lesung in dritter Person wirkte dagegen eher abschreckend und emotional distanziert. Also der grosse Unterschied bei einer Lesung macht es aus, ob sie in der ersten oder dritten Person erzaehlt wird.

      Inszinierte Lesung:
      Dieses Format scheint immer populaerer zu werden. Teils aus Gruenden der Rechte (wie bei Captain Future) oder bei anderen Serien vielleicht aus Kostengruenden. Dieses Format kann sehr gut sein, kann aber auch nach hinten losgehen. Z.B. sollte man schon zusehen, dass der Erzaehleranteil nicht zu gross ist. Bei Audible's "Doors" war mir der Erzaehleranteil viel zu gross (~90%). Bei der Meisterin waren das nur ca. 1/3 und das hat fuer mich super funktioniert. Vor allem gibt der Einsatz des Erzaehlers auch Raum fuer innovative Ideen wie die der Mutter in der Meisterin, was ich genial fand. Bei Macabros haben mir die inszinierten Lesungen gut gefallen, und interessanterweise, als die Serie dann auf reine Hoerspiele veraendert wurde, haben mir die neuen Folgen nicht mehr gefallen. Das war ein Beispiel wie eine inszinierte Lesung besser war als Hoerspiele. Aber auf der anderen Seite koennen beide neue Formen der alten Europa Hoerspielserie nicht das Wasser reichen.

      Aber auch die Waringham Saga von Audible oder Captain Future finde ich unterhaltsam und gut. Bei Captain Future stoert jedoch, dass man oft mit Worten wiederholt, was gerade schon insziniert gehoert wurde. Das ist ueberfluessig und wahrscheinlich aus rechtlichen Gruenden so gemacht. Stoeren tut mich das ein bisschen, aber das tut dem Hoergenuss bei mir keinen Abbruch.

      Insgesamt versuche ich nicht krampfhaft ein Hoespiel zu erwarten und rege mich nicht jedesmal auf, wenn der Erzaehler kommt. Es gibt ja Personen, die Hoerspiele mit Erzaehler fuer alt-backen empfinden, da der Erzaehler einen aus der Geschichte heraussreissen wuerde. Das kann sicherlich teilweise passieren, aber fuer mich geht das oft viel zu weit. Oft kann ein Erzaehler (wie in einer inszinierten Lesung) helfen, die Handlung besser zu verstehen. Das funktioniert oft sehr gut und stoert mich nicht. Aber das kommt ganz auf das Hoerspiel selber an und wie der Regiesseur den Erzaehler einsetzt.

      ZUSAMMENFASSUNG:
      Im Endeffekt ist es entscheidend, wie gut mich das, was ich hoere, unterhaelt. Egal ob das Hoerspiel, Lesung oder inszinierte Lesung ist. Die besten Chancen haben Hoerspiele, dann inszinierte Lesungen und dann Lesungen am Schluss.
    • Als vierte „Art“ würde ich noch das „ungekürzte Hörspiel“ nennen. Dieses hat lange Erzählpassagen aber auch Dialog, Musik und Action und unterscheidet sich von inszenierten Lesungen durch Dynamik und dass kein Erzähler die Sprechrollen von Personen übernimmt. Als Beispiel sind hier die Fitzekhörspiele zu nennen. Wie [PSYCHOTHRILLER] Sebastian Fitzek: Passagier 23 - Das ungekürzte Hörspiel

      Auch interessant und hat mir gut gefallen.
      Baba :winke4:
    • Um diese "Vierte Kategorie" geht es uns insbesondere, die irgendwo zwischen Hörspiel und inszenierter Lesung liegt - Mal mehr am einen, mal mehr am anderen empfunden wird.
      Also, das, was Audible als Hörspiel anbietet, sich aber doch in der Darstellung etwas von dem unterscheidet, was Hörspielhörer als Hörspiel betrachten (oder vielleicht auch nicht).
    • Aber für mich sind zwischen inszenierten Lesungen und den Audible typischen ungekürzten Hörspielen ein großer Unterschied. Bei ersterem spricht der Erzähler meistens mehrere Rollen während dies bei ungekürzten Hörspielen nicht der Fall ist. Hier ist einzig der Anteil des Erzählers sehr hoch. Zwischen Captain Future oder den Larry Brent/Macabros inszenierten Lesungen und den ungekürzten Audible Hörspielen ist für mich ein so großer Unterschied, dass man beide nicht in einen Topf werfen kann.
      Baba :winke4:
    • Cherusker schrieb:

      Das ist eigentlich was ich mit meiner Kategorie 3 gemeint habe. Vielleicht habe ich das nicht richtig als inszenierte Lesung bezeichnet aber das meinte ich mit meiner Kategorie 3. Daher sind meine Kommentare zu Kategorie 3 darauf bezogen.
      Ja, das hatte ich gesehen, aber ich wollte die Breite dieser Sparte etwas eingeengt wissen. Da ist ja doch eine gewisse Bandbreite zwischen bspw. Sherlock Holmes Chronicles oder ungekürzten Audible-Hörspielen.

      Markus G. schrieb:

      Aber für mich sind zwischen inszenierten Lesungen und den Audible typischen ungekürzten Hörspielen ein großer Unterschied. Bei ersterem spricht der Erzähler meistens mehrere Rollen während dies bei ungekürzten Hörspielen nicht der Fall ist. Hier ist einzig der Anteil des Erzählers sehr hoch. Zwischen Captain Future oder den Larry Brent/Macabros inszenierten Lesungen und den ungekürzten Audible Hörspielen ist für mich ein so großer Unterschied, dass man beide nicht in einen Topf werfen kann.
      Naja, es unterscheidet sich ja auch an Dingen, wie z. B., dass der Erzähler die Dialoge unterbricht und unwesentliche oder ohnehin klare Details transportiert ("Sagte A zu B und atmete hörbar ein" oder sowas...). Das ist z. B. in einem "normalen" Hörspiel nicht vorhanden.
    • Ich habe meine Kategorie 3 wohl falsch betitelt. Inszinierte Lesung ist wohl schon zuviel benutzt und beschreibt es nicht gut. Ich habe das fuer mich gesehen als Audible-Waringham Saga oder die FItzek Hoerspiele. Oder auch Captain Future, die ja auch Wort fuer Wort umgesetzt werden "... sagte Captain Future" z.B. in 6 Hoerspielen fuer die HERAUSFORDERUNG Geschichte. Deshalb halte ich Markus' Name "ungekuerztes Hoerspiel" fuer zutreffender. Aber das ist im Prinzip was ich mit meiner Kategorie 3 meinte. Man kann dann sicherlich noch eine weitere Kategorie hinzufuegen, etwa Siggi Baumeister was einen hohen Erzaehleranteil hat, aber auf jeden Fall stark gekuerzt ist.
    • @pops In diesem thread Die Flüsse von London - Die magischen Fälle des Peter Grant 1 geht es auch um die Mischformen. Ist recht interessant für mich zu lesen wie andere diese erleben. Für die alten Kassettenkinder scheint es eher negativ behaftet zu sein. Ich selbst bin da wohl eine Ausnahme. Meine Frau, die erst viel später mit dem hören begonnen hatte, hat da überhaupt kein Problem und Berührungsängste. Ich für mich bin von Geschichten begeistert, egal ob als Film, als Theaterstück, als Buch, als Hörspiel, Hörbuch, auf CD, MC, Stream oder was auch immer. Wenn die Geschichte toll und interessant ist, ist alles andere für mich nebensächlich. :winke:
      Baba :winke4:
    • Markus G. schrieb:

      Wenn die Geschichte toll und interessant ist, ist alles andere für mich nebensächlich.
      Ich für mich habe festgestellt, dass ich mit "inszeniertem Hörbuch" wenig anfangen kann. Hatte mir vor kurzem den ersten Teil von "Captain Future" angehört, was ja unter dieser Bezeichnung läuft. Mich hat die Musik im Hintergrund so sehr von den Texten und Dialogen abgelenkt, dass es irgendwann genervt hat. So sehr mich die Geschichte auch begeistert, lasse ich es lieber mit dem Hören weiterer Folgen.
    • @S.R.-Fan Da geht es mir im Grunde genau so, dass ist auch nicht so meine Welt, aber meistens lassen einfach die Geschichten für meinen Geschmack zu wünschen übrig. Eine Geschichte wie Dan Browns Origin, würde mir sicher in jeder Form sehr gut gefallen. Ich denke für die Macher ist es schwierig geworden, jene Vortragsform zu wählen, die eine Geschichte am besten präsentieren kann. Natürlich spielen hier ganz andere Faktoren, wie Kosten, Gewinnmaximierung etc. eine mindestens ebenso große Rolle.
      Baba :winke4:
    • Benutzer online 2

      2 Besucher

    • Tags