Die Gruselserie - 13 - Dem Monster auf der blutigen Spur

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    • Die Gruselserie - 13 - Dem Monster auf der blutigen Spur

      Dem Monster auf der blutigen Spur


      © 1981 by Europa / SONY BMG


      Klappentext:

      Das Monster Salaün - schwachsinnig und gefährlich, von unheimlicher Kraft ! Ständig gefesselt lebt es weit ab von jeglicher Zivilisation. Doch eines Tages bricht Salaün die Fesseln und macht sich auf den Weg. Schrecken und Tod verbreitend hinterlässt es eine blutige Spur. Kann der Mut eines Vierzehnjährigen Salaün stoppen ?

      Rezension:

      Der vierzehnjährige Martin erfährt in seinem Urlaub in der Bretagne von zwei einheimischen Kindern, dass in einer nahe gelegenen Höhle ein Monster gefangen gehalten werden soll. Als Mutprobe soll Martin zur Höhle gehen. Er geht tatsächlich hin und kann den Gefangenen sehen; doch er sieht in ihm kein Monster, sondern einen missgestalteten Menschen. Dieser kann Martins Fuß fassen; der Legende nach, wird derjenige wahnsinnig, der von Salaün, dem Monster, berührt wurde. Voller Angst kehrt Martin in sein Feriendomizil zurück. In der Nacht bricht Salaün aus und sucht Martin auf. Er bittet Martin ihm zu helfen, den Fluch, der auf ihm lastet, zu lösen. Angeblich würde das Wasser einer bestimmten Fontäne aus hässlichen Menschen, schöne machen und aus dummen Menschen kluge. Salaün macht sich mit Martin auf den Weg. Sie schaffen es tatsächlich zur Fontäne und werden dort von der Polizei gestellt, die das Monster und Salaün suchen. Martin schafft es noch, den para-begabten Salaün in Zaum zu halten, der sich dem Zugriff der Polizei entziehen will. Er schafft es sogar, dass Salaün das Wasser der Fontäne zu Trinken bekommt; doch statt ihn in einen “normalen” Menschen zu verwandeln, tötet ihn das Wasser.

      Kritik:

      Bei diesem Hörspiel habe ich den starken Eindruck, dass H.G.Francis keinen Einfluss auf den Klappentext hatte. Der eher reißerische Klappentext, gibt auf keinem Fall das grandiose Hörspiel wieder und wird dieser wunderbaren Geschichte nicht gerecht. Es ist allerdings keine Horror- und in meinen Augen noch nicht mal eine Gruselgeschichte. Auch hier täuscht der Titel. Dennoch finde ich diese Folge eine der besten der gesamten Reihe. Zum einen wird die Geschichte aus der Sicht eines Vierzehnjährigen erzählt; genau dem Alter, das ich selbst beim ersten Hören hatte. Man kann sich gut in den Jungen hineinversetzen; in seine Angst und seine Zweifel Salaün gegenüber. Zum anderen regt das Hörspiel sehr zum Nachdenken an: Was ist normal? Wie gehen wir mit Menschen um, die in unseren Augen nicht in unser Schema passen? Wie gehen solche Menschen mit ihrer Andersartigkeit um? Wie gehen wir mit ihrer Andersartigkeit um? Wer ist bzw. wer sind im Grunde genommen das/die Monster? Auch dass Salaün im Versuch der Anpassung sein Leben verlieren muss, hat etwas sehr Bewegendes. Für mich jedenfalls ist das Hörspiel ein in eine Gruselgeschichte verpackte Gesellschaftskritik und von daher etwas ganz besonderes.

      Das Hörspiel bekommt von mir 10 von 10 Punkten.
      no disc, no fun

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von O.F.Tyler ()

    • Vielen Dank für diesen Beitrag, lieber O.F. :kumpel:


      Früher mochte ich die Folge wirklich gar nicht - ich war SEHR enttäuscht von dem von dir erwähnten "reißerischen Klapentext" bzw. davon, was dieser versprach, aber keineswegs einhielt.

      Heute mag ich das HSP wirklich ganz gerne...nur für eine 10/10 reicht es bei mir nicht. Aber eine 7/10 dürfte drin sein :]


      Übrigens bieten auch hier Sven Harmann's legendäre Gruselseiten massig Infos zum Hintergrund der Geschichte:


      Lokaler Sagenstoff: Die Salaün-Sage

      Polizist: "Le Folgöet ist ein Wallfahrtsort." - Jacques: "Ja." - Polizist: "Der Legende nach geht die Wallfahrt auf den Einfältigen Salaün zurück, der dort begraben ist. Aus dem Grab dieses Salaün wuchs eine weiße Lilie, in der die Marienanrufung in goldenen Buchstaben geschrieben sein soll." - Horst: "Ja, und? Was hat das alles zu bedeuten?" - Polizist: "Es heißt, daß man das Grab des Salaün geöffnet und dabei festgestellt hat, daß die Lilie aus seinem Munde wuchs. Darauf kam es zu einem Zustrom von Pilgern, und über dem Grab wurde die Kirche Notre-Dame errichtet." - Jacques: "Ja." - Horst: "Dann ist diese Namensgleichheit zwischen dem legendären Salaün und dem Mutanten nicht zufällig?" - Polizist: "Warum haben Sie Ihren Sohn Salaün genannt, Monsieur Pouliguen?" - Pouliguen: "Ja, warum ... Wir merkten schon bald, daß er schwachsinnig war, und schon in jungen Jahren formte er aus Steinen Lilien. Das war der Grund."


      "Folgöet - der Wald des Narren - heißt die Gemeinde seit dem bezeugten Wunder der beschriebenen Lilie. Im frühen 14. Jh. lebte hier Salaün im Wald, elternlos, gutmütig, zurückgeblieben, zu nichts nutze. Die Leute mochten ihn, versuchten sogar, ihm schulisch weiterzuhelfen, vergeblich: Salaün war und blieb blöde, wohnte allein an seiner Quelle, wo er sein zusammengebetteltes Brot verzehrte und das einzige, was er je sagte, war 'O itron guerhet Mari' - Gegrüßet seist du, erhabene Maria (das Ave Maria). Bei jeder Gelegenheit, immer freundlich lächelnd, gab er Zeit seines Lebens nur den Anfang des Englischen Grußes von sich. Mit vierzig Jahren starb der Narr am Rande der Gesellschaft, er wurde beerdigt, und bald darauf geschah es: Aus seinem Grab wuchs eine nie gesehene Lilie, und ganz in Gold standen die Worte 'Ave Maria' auf den Blütenblättern. Menschen waren schon immer neugierig, so wurde der Sarg geöffnet. Als jeder sehen konnte, daß die Lilie im Mund des Salaün entsprang, begann die Verehrung des gottgefälligen Verrückten, durch den der Himmel ein Zeichen setzte."
      (Grashäuser)


      "Salomon, bretonisch Salaün, lebte in der 1. Hälfte des 14. Jh. bei Lesneven. Er war nicht in der Lage, zur Schule zu gehen, und begriff fast nichts. Das einzige, was er in seiner Muttersprache sagte, war: 'Stroun guerbez Vari', was soviel wie 'Ave Maria' bedeutete. Salaün - da ihn alle nur verspotteten - zog ganz allein in den Wald und lebte dort unter einem Baum. Er trank aus einer Quelle, badete auch in ihr und sang dabei laut seine Gebete an die Hl. Jungfrau. Die Dorfbauern schenkten ihm Brot und bemitleideten ihn. Er hieß nur 'le fou', der Narr. Als ihn einmal Soldaten überfielen und fragten, ob er für Blois oder für Montfort wäre, und er immer nur von der Jungfrau Maria erzählte, lachten sie und ließen ihn laufen. Im Jahre 1358 starb Salaün. Und nun berichtet die Legende, daß plötzlich mitten im November dort im Wald, wo er beerdigt lag, eine wunderbar duftende Lilie auf seinem Grab wuchs, auf deren Blütenblättern in goldener Schrift ganz deutlich 'Ave Maria' zu lesen war. Man forschte nach und entdeckte, daß die Wurzeln der Lilie geradewegs aus dem Mund des Toten wuchsen. Die Kunde verbreitete sich in Windeseile in der ganzen Gegend. Die Kirche verifizierte das Wunder. Über der Quelle des Salaün wurde bald darauf die der Jungfrau Maria geweihte Kirche Le Folgöet erbaut, die dann zu dem beliebten Wallfahrtsort wurde."
      (Knaur)

      Salaün: "Ich muß das Weihwasser trinken. Das Wasser aus der Fontaine de Salaün." - Martin: "Das Wasser aus der Fontäne des Salaün?" - Salaün: "Es wird mich in einen anderen Menschen verwandeln, der nicht größer ist als andere. Es wird den Fluch von mir nehmen. Aber ich weiß nicht, wo die Fontaine de Salaün ist!" - Martin: "Wart' mal ... die Fontäne des Salaün? Das hab' ich doch schon gehört! Ja, deshalb kommt mir dein Name so bekannt vor."


      "Mit den Ausmaßen einer kleinen Kathedrale liegt die Kirche an ihrem weiten Platz gegenüber vom alten Pfarrhaus und der angegliederten Pilgerherberge. [...] Auf der Nordseite der Kirche fließt Wasser aus einem unscheinbaren Brunnen mit Marienfigur, an der die Pilger trinken und mitgebrachte Behälter abfüllen: Die Quelle soll genau unter dem Hauptaltar liegen und schon Salaün zur Labung gedient haben."
      (Grashäuser)


      "An der aufwendig gestalteten Südfassade posieren Statuen und Skulpturen, Schmuckwerk und eine Sonnenuhr verzieren das Mauerwerk, fein wie Spitze gemeißelte Granitemporen, schlanke Türmchen und Wimpergen sorgen für die aufstrebende Eleganz.
      Im Kirchenschiff filtern die farbigen Fenster in der Apsis und der Heiligkreuzkapelle das Tageslicht; die große Fensterrose hoch oben in der Chorwand, ein Symbol der göttlichen Sonne, verwandelt das Licht in dunkle Blautöne und läßt es gedämpft auf die Statuen, Altäre und den Granitlettner fallen. [...] Wie am Lettner gehört in der ganzen Kirche das Lilienmotiv zum Grunddekor, werden immer wieder Szenen aus dem Leben des Narren geschildert, an den Fenstern auf buntem Glas, an der Predigtkanzel in Eiche geschnitzt; Salaün beim Balanceakt an einem Baum, Salaün wird von zwei Soldaten kontrolliert, die Heilige Anna erscheint dem Narren, prächtig sprießt die wundersame Lilie aus Salaüns Grab. Der Humor kommt bei den Salaün-Geschichten nicht zu kurz.
      Neben dem Lettner beten Fürst und Mönch (Skulpturen), auf einem Altar rechts die wundertätige Madonnenstatue der Schwarzen Maria von Le Folgöet. Über der Quelle, an der Salaün gewohnt hat, der Hauptaltar, hinten an der Chorwand weitere fünf Altäre aus dem blau-schwarzen Granit von Kersanton, eine stark ramponierte Ölleinwand mit Salaüns Grab hängt an der rechten Seite des Schiffs."
      (Grashäuser)

      QUELLE und immer wieder VIELEN DANK für diese unerschöpliche Seite: gruselseiten.de :one:
    • Ich kannte diese Folge in meiner Kindheit gar nicht und hörte sie erst später. Da fand ich diese Folge etwas unstimmig, vorallem die Stimme des Salaün fügte sich nicht in meine Vorstellung eines Riesenhaften. Heute mag ich die Folge dennoch. Schöne Geschichte, sehr guter Sprecher (MArtin) .
      "-----FREIHEIT MACHT ARBEIT-----"

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von urmel ()

    • Danke *dot* für die Saga, muß ich mir mal in ner ruhigen Minute zur Gemüte führen. :smile:



      Zur Folge :

      Da ich ja nur etwa die Hälfte der Reihe gut finde, bin ich also kein sonderlicher Fan der "Gottes-Reihe" - Europa-Grusel.

      Diese Folge gehört zu denen , die ich klasse finde. ich hab was für "sensible Riesen". Davon gibt es in der Literatur ja einige, u.a. auch bei Gabriel Burns 2.

      Allerdings finde ich, hat die Story nicht viel mit Grusel als solches zu tun. Aber egal, einfach ne gute Folge.
      .


      Ersteller des 1. Beitrages : 2010,11,12+13


      :nex1: :nex2:
    • Nettes Hörspiel. Keines der TOP Three, aber mal was anderes als die üblichen Vampir-Dinger. Passt sich gut in die Reihe ein und verleiht ihr Farbe. Die "Sozialkritik" ist meiner Meinung nach recht Kindgerechet verpackt. Statt groß in Geschwurbbel zu verfallen, was Kiddies eh nicht interessiert, wird das Problem einfach zum Thema gemacht ohne gleich mit der Moralkeule alles nieder zu machen. Gerade in den 80ern wo es jede Menge Holzhammer-Pädagogik-Geschichten gab eine angenehme Abwechslung. Auch wenn ich die Geschichte erst in den 2000ern gehört habe. =)
    • Die Idee war klasse! Und die Story ist/war ja gegenüber manch anderer Thematik mal was erfrischend anderes. Tolle Folge!!!

      Bei Faith feiert der Salaün ja sein Comeback. So ein Zufall... :zwinker:
      Menschlichkeit ist nur noch eine dunkle Erinnerung...
    • Warscheinlich eine der Folgen die ich am wenigsten gehört habe. Sie gefällt mir zwar recht gut, aber irgendwie fand ich andere Folgen dann doch atmosphärischer.
      Dabei würde mich mal interessieren welche Folge ich am öftesten gehört habe.
      Bei "Dem Monster auf der blutigen Spur" gehe ich mal von ca. 20 - 30 mal aus.

      Draculas Insel, Kerker des Grauens...bestimmt einige 100 male. Über die Jahre schätze ich mal so 200 - 300 mal? Oder mehr...
      Hörspiele die mir gefielen/gefallen habe ich bis zum erbrechen gehört, teilweise mehrere male die selbe hintereinander! :biggrin: