Beiträge von Anton Serkalow

    Wenn ich fragen darf, schreibst du noch eine Science Fiction Tales (oder auch Fantasy Tales)?

    Ich hab's auch nicht als Kritik aufgefasst. Im Gegenteil. Ist schon auch für mich spannend, über all die Sachen noch mal selbst nachzudenken, warum ich eigentlich was wie geschrieben habe.

    Zu der anderen Frage:

    Mit Sicherheit!:thumbsup:

    Die "Vorlaufzeiten" sind ja ziemlich lang. Sprich: Sind bereits auch schon in Planung oder sogar geschrieben.

    Anton Serkalow
    Na gut =)
    Mich lassen offene Fragen immer ein Stück ratlos zurück.

    Verstehe ich. Ich hab gestern Abend noch mal drüber nachgedacht und mir die Notizen angeschaut, die ich mir damals gemacht habe, als ich die Idee entwickelt habe. Bei Poe ist ja auch nicht so richtig (er)geklärt, wo Roderick Ushers Wahnsinn herkommt. Das war der Grund, warum ich das bewusst auch offen gelassen habe. Verstehstde?:-)

    Wenn du kein Fan von Erzählstimmen bist, wie kommt es dann, dass es im Hörspiel kurze Erzählsequenzen gibt? Ich meine nicht die Nachrichteneinblendungen sondern die Passagen mit der Standuhr.

    Hmmm ... kann ich tatsächlich gar nicht mehr so sagen, da es ja wirklich bald zwei Jahre her ist, wo ich das geschrieben habe und dann war es ja mein erstes Hörspielskript. Was ich aus heutiger Sicht sagen kann, ist, dass ich mit Erzählstimmen - die ich nicht mag - diese Takes meine, die mir als Hörer "die Welt erklären". Also: Wer ist wo und was macht er da gerade. Ich möchte das als Hörer selbst durch die Atmosphäre, den Sound erleben. Das macht für mich den Reiz des Hörspiels aus. Ganz schlimm finde ich, wenn mir noch erzählt wird, wie die Figuren und das Setting aussehen oder so was. Dann denke ich immer: Hey, wenn das Aussehen so wichtig für die Geschichte ist, warum wurde dann ein Hörspiel geschrieben? Warum kein Filmdrehbuch oder ein Comicskript? Ich versuche die Geschichten immer so zu schreiben, dass sie mit den Möglichkeiten des Mediums arbeiten, in dem sie erzählt werden. Als ich noch Theater gespielt habe, war ich auch kein Fan davon, wenn auf der Bühne versucht wurde, ein Hollywoodblockbuster zu inszenieren.

    Die Erzählerpassagen in "Die Maske des Roten Todes" sind ja eher auch Atmosphäre und ich glaube ... ja, ich habe das damals gemacht, um die Hörer:innen ein wenig an der Nase herumzuführen, da sie so ziemlich das einzige Originalzitat aus der Geschichte von Poe sind.:zwinker2:

    Wer meine Facebookseite kennt, für den ist der folgende Post nichts Neues. Für alle anderen, ein - vielleicht - spannender Blick hinter die Kulissen.

    "MAKING OF - DIE MASKE DES ROTEN TODES"

    Meine Version von Edgar Alan Poes „Die Maske des roten Todes“ hat eine lange Geschichte. Vor vielen Jahren – ich befürchte, dass es mittlerweile sogar Jahrzehnte sind – publizierte ich noch unter meinem bürgerlichen Namen. Ganz andere Sachen, als das, was ich heute veröffentliche. Florian Hilleberg kannte mich damals und einige meiner Arbeiten. Florian, der mittlerweile – wie es neudeutsch so schön heißt – als Ian Rolf Hill Headauthor bei „John Sinclair“ ist, betrieb damals zusammen mit Alisha Bionda und Michael Beyeler das Literaturportal „Literra“. Und zu irgendeinem Jubiläum von Edgar Alan Poe – Geburtstag, Todestag ich hab es vergessen – bat er Autor:innen einen kleinen Beitrag zu leisten. Eben auch mich.

    Ich entschied mich relativ schnell dafür, eine Version von „Die Maske des roten Todes“ zu schreiben. Eine Art „Coverversion“, wie es in der Musik heißen würde. Coverversion in der Art, dass das Original nicht einfach nur nachgemacht wird. Sondern durchaus geändert wird, so klingt, als wäre es ein Song der nun neu interpretierenden Künstlerin, ohne den ursprünglichen Geist zu verleugnen. (Eines meiner Lieblingscoversongalben aller Zeiten, das dies perfekt tut, ist „Through The Looking Glas“ von Siouxie and The Banshees. Aber das ist eine andere Geschichte.) Um mich dem Stoff zu nähern, stellte ich mir einige Fragen. Was würde z.B. in der heutigen Zeit, eine ähnliche (Aus)wirkung auf unser Leben haben, wie der „rote Tod“ in der Originalgeschichte? Eine Art moderne Krankheit war mir zu banal. Corona existierte damals noch nicht und soweit ich mich erinnere, gab es bereits eine Version, die in der homosexuellen Subkultur spielte und Aids zum „roten Tod“ machte.

    Ich beschäftigte mich zu der Zeit für einige Story-Ideen mit der Vergangenheit der Bundesrepublik, besonders dem Kapitel um die „RAF“. So war also schnell meine Interpretation des „roten Todes“ gefunden. Um die Kernaussage von Poe – dass niemand, dem roten Tod entkommen kann – diesem Szenario anzupassen, war es notwendig, einen etwas weniger mystischen Twist am Ende hinzubekommen.

    Sprachlich behielt ich den Originaltext bei und passte nur bestimmte inhaltliche Aussagen an. So erschien damals bei „Literra“ meine Version von „Die Maske des roten Todes“, mit dem Untertitel „Version deutscher Herbst“. Florian gefiel sie. Mir auch und so dachte ich noch über ein, zwei andere Geschichten nach. Ich erarbeitete eine Version von „Hoppfrosch“ die sich sprachlich von Poe deutlich abhob und die Story in die Welt der Castingshows, wie „DSDS“ verlegte. Und eine SF-Variante von „Der Untergang des Hauses Usher“. Beide wurden aber nie realisiert.

    Vor knapp zweieinhalb Jahren erhielt ich, unabhängig voneinander, von zwei Hörspielproduktionsfirmen, die Anfrage, ob ich nicht Hörspiele schreiben wollen würde. Eines dieser Labels war Contendo. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nie darüber nachgedacht, Hörspiele zu schreiben, aber seit einiger Zeit das Medium als Konsument wieder für mich entdeckt. (Ich bin mit den ganzen Hörspielen im Westberliner Radio, Anfang der Achtziger, aufgewachsen, die ich auch östlich der Mauer hören konnte.) Meine Favoriten – zu der Zeit, als die Anfragen kamen – waren die Arbeiten von Oliver Döring, Markus Göllner und natürlich Ivar Leon Menger.

    Um mich dem Medium und der doch deutlich anderen Herangehensweise an das Storytelling zu nähern, griff ich bei der Anfrage an mich, zunächst einmal auf existierende Geschichten zurück. Unter anderem auch jene Version von „Die Maske des Roten Todes“, die ich für Literra geschrieben hatte. Contendo hatte Interesse an ihr. Das andere Label hatte schlichtweg schon eine eigene Version der Story und „Hoppfrosch“ wollte keiner haben.

    Für die Hörspielfassung musste ich „Die Maske des Roten Todes“ noch einmal erheblich überarbeiten. Denn die Originalgeschichte von Poe ist nun wirklich das absolute Gegenteil von „show don’t tell“, weshalb ich diesmal nicht nur die Sprache sondern jetzt auch den Inhalt ändern musste. Zunächst probierte ich es mit einer Variante, in der eine Live-Style-Influencerin die Ereignisse beim Maskenball schildert, was aber eher als Videoclip, nur nicht als Hörspiel funktionieren würde. Zumal ich absolut kein Freund von Erzählstimmen bin, wie an meinen drei o.g. Vorbildern vielleicht zu erahnen ist. Christoph Piasecki fragte dann, warum ich den Aspekt des Terrors in meiner Version nicht deutlicher in den Vordergrund brachte, was mehr Möglichkeiten spannend zu erzählen bieten würde. Die Idee fand ich gut, also verlegte ich die Handlung in ein „Near Future“ Szenario und so entwickelte sich fast von alleine, die jetzt vorliegende Interpretation. Eine, die deutlich mehr in Richtung Krimi, Thriller geht, als das mystische Original. Ein Grund, warum die Story jetzt auch in den „Murder Tales“ und nicht – wie vielleicht erwartet – in den „Midnight Tales“ veröffentlicht wird.

    Da ich ja noch weitere „Poe-Bearbeitungen“ im Kopf hatte, schickte ich Contendo irgendwann auch mal den Pitch zu meiner Version von „Usher“ als SF-Hörspiel. Christophs Kommentar war: „Nehm ich. Du hattest mich eh schon mit dem Titel.“

    Jetzt stellt sich vielleicht die Frage, wird es noch mehr "Poe-Bearbeitungen" von mir geben? Ich denke, ja! Nicht nur Poe, sondern auch andere. Denn irgenwie habe ich grad das Gefühl, dass mir das "Covern" von Klassikern liegt.

    So ihr Lieben.

    Da ich euch hier - und auch woanders - ab und zu mal was über meine Arbeiten erzählen will, beginne ich diesen Threat hier erst einmal mit einer Biographie von mir:

    ME

    Ich wurde 1968 als Thomas Sabottka im damaligen Ostberlin geboren und wuchs dort auf. Zwischen 1987 und 1990 schrieb ich meine ersten Kurzgeschichten und trat bei Lesungen auf. Von 1992 bis 1995 war ich vor allem als Schauspieler an kleinen Berliner Indie-Theatern aktiv.

    2001 erschien mein erster Roman – rückblickend eher ein engagierter als ein gelungener Versuch, meinem damaligen Vorbild und größten Einfluss Philippe Djian zu huldigen.

    In den folgenden Jahren war ich vor allem live unterwegs: im gesamten deutschsprachigen Raum, auf Lesebühnen, Poetry Slams, in Cafés, Kneipen und Theatern. Ich entwickelte eigene Programme und experimentierte viel mit Musik auf der Bühne. Dadurch entstanden Kooperationen, unter anderem mit den Bands ASP und CHAMBER, für die ich auf Tour das Vorprogramm gestaltete. Mit L’Âme Immortelle erarbeitete ich eine Art „Rock-Theater-Show“. Solo trat ich häufig mit dem Gitarristen Ralph Müller auf, außerdem in mehreren Projekten mit der Sängerin, Schauspielerin und Autorin Luci van Org sowie dem Sänger und Schauspieler Roman Shamov. Parallel dazu lernte ich bei Nicole Mosleh das Drehbuchschreiben und veröffentlichte diverse Romane, Kurzgeschichten und Hörbücher – sowohl als Selfpublisher als auch bei verschiedenen Verlagen.

    Ich nannte das Ganze „Rock’n’Roll-Literatur“: Der Plan war, durch Live-Auftritte bekannt zu werden und meine Bücher quasi als Merch am Rand zu verkaufen.

    2012/13 zwang mich meine depressive Erkrankung in die Knie. Ich legte alles, was ich bis dahin gemacht hatte, komplett auf Eis und nahm mir Zeit, mich neu zu sortieren. Nach zwei medikamentösen und ambulanten Therapien merkte ich, dass ich wieder schreiben und zurück in die Öffentlichkeit wollte – aber völlig anders als zuvor. Ich hatte die Bühne geliebt, aber sie war auch das gewesen, was mich am meisten zerrieben hat.

    Gleichzeitig war ich vertraglich noch an einen Verlag gebunden, der mich trotz einer fragwürdigen „Optionsklausel“ nicht aus dem Vertrag lassen wollte. Mir fehlten Kraft und Geld für eine juristische Auseinandersetzung, auch wenn die Erfolgschancen gut gewesen wären – viele Gerichte stuften solche Klauseln längst als sittenwidrig ein.

    Also wählte ich einen Weg, den ich aus der Musikszene kannte: Musiker, die aus ihren Labelverträgen nicht herauskommen, gründen manchmal schlicht eine neue Band. So entstand mein Pseudonym Anton Serkalow – zunächst als geschlossenes Pseudonym, um rechtlich auf Nummer sicher zu gehen. Einige Jahre später liefen die problematischen Verträge aus, und ich „öffnete“ das Pseudonym. Ich habe es beibehalten: Der Name ist inzwischen etabliert, und vor allem schreibt Anton Serkalow ganz andere Geschichten, als Thomas Sabottka es damals tat.

    2016 veröffentlichte ich unter diesem Namen die „Vakkerville-Mysteries“, einen wilden Genremix. Die Serie „Twin Peaks“ hat mich stark geprägt – entsprechend sind die „Vakkerville-Mysteries“ eine Mischung aus Horror, Mystery, Thriller, Politkrimi, Drama, Comedy und Seifenoper. Danach folgten die ersten zwölf Teile der Weird-West-Reihe „Nighthunter“.

    Heute arbeite ich hauptsächlich als Hörspielautor für verschiedene Labels, schreibe aber weiterhin auch Belletristik. Ich sehe mich in erster Linie als Storyteller in der Tradition der Weird- oder Pulp Fiction – immer auf der Suche nach den Grenzbereichen zwischen Abenteuer, Fantastik, Horror, Mystery, Western und Thriller. Hauptsache, es macht Spaß und bleibt spannend.

    Aber ich dachte, dass Markus Winter mit den Skripten nichts mehr zu tun hat. Anton Serkalow hat doch den Part übernommen und genießt freie Hand.

    Ich hatte von Markus einen groben Pitch, welche Lovecraft-Originalgeschichten, und wie er sich die Weiterentwicklung der Rahmenhandlung für diese Staffel vorgestellt hat. Da ich selber ein großer Fan von solchen Metaebenen bin, hat es mir dann ziemlichen Spaß gemacht, die Figur des Markus Winter weiterhin drin, und vor allem aktiver werden zu lassen.

    Auch die Diskussionen zu Lovecrafts teilweise massivem Rassismus, gerade in dieser Geschichte, war durch die diversen Ebenen gut eingebunden und meiner Meinung ein gutes Mittel um zu zeigen, dass sich der Autor dessen sehr bewusst ist.

    Finde ich sehr schön, dass Du das erkannt hast und auch gut findest, wie ich damit umgegangen bin. Ich beschäftige mich als Autor ja durch verschiedene Auftragsarbeiten schon länger mit Lovecraft (als Leser bin ich nämlich tatsächlich überhaupt kein Fan von ihm, aber das ist eine andere Geschichte;)) und dieses Thema hat mich von Anfang an in der Auseinandersetzung mit Lovecraft und seinem Schaffen sehr zum Nachdenken herausgefordert.

    Freue mich, dass sich heute der neue Autor dieser Serie @Anton Serkalow auch hier bei uns angemeldet hat! :thumbup:
    :welcome:

    :thumbsup: Ich hab das heute schon auf meinen Social-Media-Kanälen gepostet.

    Das letzte Jahr fühlte sich für mich teilweise ein wenig wie "Schaumschlägerei" an. Ich erzählte überall, dass ich jetzt Hörspielskripte schreibe, aber konnte nicht ein Einziges "vorweisen". Das hat ja einfach damit zu tun, dass es oft vom fertigen Skript, bis zur Veröffentlichtung der Folge sogar zwei, bis drei Jahre dauern kann. Teilweise veranstaltete ich im Innern schon so eine Art "Wettrennen" und war sehr gespannt, wer wann wie als Erste von mir etwas raushaut.


    Jetzt sieht es so aus, als wären es eben "Lovecraft Chroniken des Grauens", die als erstes von mir verfasstes Hörspiel erscheinen. Ausgerechnet die habe ich ja erst im letzen Sommer geschrieben. Und ich bin schon sehr gespannt. Tatsächlich nämlich auch als Hörer, also wie ich die Umsetzung finden werde und natürlich darauf, wie es bei euch ankommt.

    In diesem Sinne
    Ich freue mich!