Hallo liebe Hörgrusler!
Nachdem ich ein großer Fan des Professors bin und die Folge 2 - Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS) richtig gut finde, möchte ich auch mal meinen Senf dazugeben.
Ich möchte das Rad nicht neu erfinden und die Geschichten um die Entstehung des Professors sind hinlänglich bekannt - aber ich möchte mal meine Gedanken dazu preisgeben.
Der Fall "Das sicherste Gefängnis der Welt" (RIAS) oder als Remake "Das Rätsel von Zelle 13" (WINTERZEIT) heisst im Original: "The Problem of Cell 13" und wurde 1905 als Kurzgeschichte
von Jaques Futrell veröffentlicht. Die Story hätte auch von Edgar Allen Poe stammen können, dem Pionier in Sachen Kriminalliteratur. Veröffentlicht wurde sie dennoch 56 Jahre nach dem Tod von Poe.
Futrelle hat hier eine interessante Geschichte geschaffen, die eines zeigt: "Einem wahrhaft intelligenten Menschen ist nichts, wohlgemerkt nichts, unmöglich!“ - Dies ist gleichzeitig der Leitspruch des Professors.
Der Fall spielt im April 1899 (übrigens das Geburtsjahr von Robert Wilhelm Bunsen, der uns im Chemieunterricht den Bunsenbrenner beschert hat) und ist eine "wie entfliehe ich unerkannt aus einem Gefängnis"-Geschichte. Die Idee ist simpel: Lass dich als unbescholtener Bürger in ein Hochsicherheitsgefängnis um die Jahrhundertwende einsperren, mit all den Vorkehrungen, die auch für Schwerverbrecher gelten und verspreche eins: In 7 Tagen treffen wir uns wieder hier in diesem New Yorker Restaurant - und vergesst den Champagner nicht! Alles in allem für alle Beteiligten ein sinnloses Unterfangen, schließlich sind alle Gefängnismitarbeiter in keinster Weise korrupt bzw. bestechlich, noch sind die modernen „du kommst hier nicht raus“-Vorkehrungen ausser Gefecht gesetzt.
Im Laufe des Aufenthalts entwickelt der Professor einen Plan, nimmt Kontakt mit der Aussenwelt auf, z.B. mit Hutchinson Hatch, seinem Adlatus, führt den Gefängnisdirektor an der Nase herum, freundet sich mit Ratten an, feilt sich den Ast ab an den Gitterstäben und treibt einen Mithäftling in den Wahnsinn und ergo zu einem mörderischen Geständnis (ohne es zu wollen).
Am Ende gewinnt der Professor die Wette und verblüfft mit einer überzeugenden Aufklärung-Rede a la Justus Jonas (ich hebe mir die Auflösung des Falls bis zum Ende auf, auch wenn ich dadurch alle Beteiligten so auf die Folter spanne, dass sie zerplatzen). Was bleibt ist der Respekt vor einem genialen Geist - vorausschauend und gleichsam von einem anderen Stern ist er - „die Denkmaschine“.
Alles in allem eine vergnügliche Reise ins Land des Genialismus, logischen Mustern folgend und mit einem Schuss Ego: Ich bin der einzig wahre Intellekt in diesem Universum.
Ich kann nur sagen: Einfach genial und sehr sehr unterhaltend. Ich liebe den Professor und seinen Chronisten Hutchinson Hatch.
Oder sind es die genialen Sprecher Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm? Da ist wohl ein fließender Übergang.
Ich bin echt froh, dass die Folgen neu auf CD erscheinen (Winterzeit), so kann ich sammeln - zusammen mit den Kommentaren von Koser und Co. als letzter Track der CD-Neuerscheinungen eine runde Sache,
Absolute Kaufempfehlung.
Achja: Bei dieser Story kam außer einer Ratte niemand ums Leben.
gruß
hawkwind