Mit Folge 170 'Ein Grab aus der Vergangenheit' hat nun also der Handlungsstrang um die Templer und Baphomet begonnen, dem sich in der nächsten Zeit wohl einige Hörspielfolgen widmen werden.
Als Einstieg in den Zyklus finde ich die Folge insgesamt gelungen, da sie noch nicht allzu tief in die Templer-Thematik eintaucht und man sich stattdessen erstmal langsam herantastet.
Positiv empfand ich den Bezug zur historischen Bestie des Gévaudan, der hier in Zusammenhang mit Manon Medoque hergestellt wird.
Insgesamt spielt die Historie eine große Rolle in dieser Folge, auch der Merowinger Chlodwig I. wird etwa kurz erwähnt.
Weiterhin wird, wie zu erwarten war, auf die Ursprungsgeschichte der Templer eingegangen. Historisch korrekt wird berichtet, dass der Templerorden 1312 aufgelöst wurde und sein Vermögen damals den Johannitern zugeschlagen wurde. Es gäbe aber Gerüchte, denen zufolge Abspaltungen der Templer bis heute im Geheimen weiterexistierten. Diese Erzählungen bewahrheiten sich am Ende der Folge, als Abbé Bloch mit zwei Tempelrittern erscheint, welche auf Befehl des Abtes die Werwölfe vernichten.

Die große Besonderheit dieser Folge ist, dass erstmals der Name Baphomet fällt und damit auf die unheilige Dreifaltigkeit der Hölle angespielt wird. In den Romanen bilden Asmodis, Beelzebub und Baphomet bekanntlich als Teilgestalten Luzifers die teuflische Dreifaltigkeit. Im Hörspiel wird das allerdings noch nicht wirklich thematisiert. Manon Medoque behauptet jedoch, dass Asmodis angeblich der falsche Teufel sei, da sie selbst Baphomet als wahren Satan und Herrscher über die höllischen Heerscharen verehrt. Genauere Informationen über die Hierarchie der Hölle finden sich im Sinclair-Taschenbuch 100 'Luzifer', das vermutlich irgendwann vertont wird.
Große Bedeutung hat in Folge 170 die Szene auf dem geheimnisvollen Friedhof, auf welchem sich das Grab des Hector de Valois befindet. Seine Grabplatte schmückt nämlich eine Abbildung von Johns Kreuz!
Ärgerlich ist allerdings der Kontinuitätsfehler, der in diesem Zusammenhang begangen wird: John behauptet nämlich fälschlicherweise, er habe den Namen Hector de Valois noch nie gehört, obwohl er spätestens seit Sonderedition 2 'Der Pfähler' genauer über ihn Bescheid wissen müsste (siehe Unterpunkt "Kontinuitätsfehler" für weitere Details).
Am Ende der Folge bleiben viele Fragen über die Templer, Baphomet und Hector de Valois ungeklärt. John hat jedoch das sonderbare Gefühl, die Antworten insgeheim zu kennen, als ob sie tief in ihm verborgen wären. Romanleser wissen natürlich genau, welche Bedeutung Hector de Valois hat und warum John diese seltsame Verbindung spürt...
Besonderheiten:
- Es handelt sich um die letzte Folge mit Detlef Bierstedt als Bill Conolly. Seit Folge 3 'Achterbahn ins Jenseits' (Oktober 2000) sprach Bierstedt die Rolle in den Hörspielen der Edition 2000. Lübbe gab bereits im Mai bekannt, dass Bill Conolly ab Sonderedition 17 'Das Horror-Restaurant' von David Nathan gesprochen wird. ( https://www.john-sinclair.de/extras/verabsc…lef_bierstedt-1 )
- Nadine Bergers Geist löst sich in dieser Folge kurzzeitig als feinstofflicher Körper von ihrem Wolfsleib. Nach langer Zeit ist so für einige Momente Elisabeth Günther wieder in ihrer Rolle als Nadine Berger zu hören.
- Abbé Bloch hat seinen ersten Auftritt in den Hörspielen und wird von Holger Umbreit gesprochen.
- Baphomet wird erstmals erwähnt. Physisch taucht er jedoch nur in Form einer Statue auf, wobei explizit erwähnt wird, dass die Augen der Statue offenbar Karfunkelsteine sind. In der Romanserie ist Baphomet als der Dämon mit den Karfunkelaugen bekannt.
- Manon Medoque behauptet, dass Baphomet die Zukunft gehöre. Fenris werde laut ihr dafür büßen, dass er sich mit Asmodis eingelassen hat. Weitere Details über die Hierarchie der Hölle und die unheilige Dreifaltigkeit erfährt John jedoch noch nicht.
- Das silberne Skelett von Hector de Valois taucht zum ersten Mal auf. In den Romanen wurde es im Heft 431 in die Kathedrale der Angst bei Alet-les-Bains überführt. Das Heft 431 'Kathedrale der Angst' soll schon bald als Folge 179 vertont werden.
- Am Ende der Folge 170 wird die Kreuzformel von Abbé Bloch ausgerufen. Die magische Eruption gestaltet sich dabei anders als üblich und hat ihr Epizentrum im Grab von Hector de Valois.
Bezüge zu anderen Folgen:
- Die Ereignisse der Folge 167 'Teufelsspuk und Killer-Strigen' um Jane und den noch immer andauernden Fluch des Hexenmeisters Abandur werden wieder angesprochen.
- Die Folge 170 spielt vier Wochen nach den Geschehnissen der Folgen 168 und 169. Lupinas Tod am Bala Lake, Morgana Layton und Fenris werden auch wiederholt thematisiert. 'Ein Grab aus der Vergangenheit' wirkt so fast wie eine Art Epilog zum Zweiteiler 'Der grausame Wald' / 'Lupina gegen Mandragoro'.
- Manon Medoque erwähnt das Serum, das Mondo einst John injizierte, um ihn in einen Werwolf zu verwandeln (Folge 34 'Mr. Mondos Monster' / Folge 35 'Königin der Wölfe').
Kontinuitätsfehler:
John behauptet in dieser Folge, er habe den Namen Hector de Valois noch nie gehört. Dies ist jedoch falsch, in der Sonderedition 2 'Der Pfähler' wusste John bereits, dass Hector de Valois ein historischer Templerführer war. Außerdem hat John damals schon von Marek erfahren, dass de Valois einst das Kreuz besessen haben soll. Dass all dies in Folge 170 augenscheinlich vergessen wurde, ist äußerst ärgerlich.