Obacht, ich werde etwas Positives über diese Folge sagen!
Vorab, am besten entzündet man für die Folge ein prasselndes Feuer im Kamin, füllt sich etwas Audio-Brandwein in den Cognac-Schwenker, setzt sich in den Ohrensessel und spitzt die Lauscher. Obwohl, so laut sollte man die Folge gleich zu Beginn nicht aufdrehen. Jan Tenner begrüßt unversehens mit einer milden Form der Schlafapnoe den Zuhörer bzw. die Zuhörerin. Ob er sich in die Trance mit einer ganzen Dosenpalette Pils versetzt hat, bleibt offen. Wie in jeder toxischen Beziehung, muss wenigstens ein Partner den anderen missbrauchen. In diesem Fall ist es Tanja, die sich spontan Flugserum injiziert hat, um echtes Neuland zu entdecken. In diesem Fall eine neu aufgetauchte Insel oder ein Archipel oder Osterinselhausen. Leider hat sie Stress und bittet Jan um Hilfe.
Der reagiert äußerst erwachsen und bittet kompetente Leute um Hilfe, Futura-Ersatz Melissa, die Biochemikerin und Tom Forbett, des Generals Neffe und Ersatz. Während Tanja Inselhopping mit dem Flugserum betrieb, muss das Triumvirat aus Hirn (Forbett), Hieb (Tenner) und Hauptsatzaufsagerin (Melissa) mit einer Klapperkiste in Richtung der Insel fliegen. Und darauf abstürzen. Hier sei noch angemerkt, dass Jan wie ein Redneck die Möglichkeit, dass Tom und Melissa zu viel Exposition aufsagen, mit einer sehr überzeugten Mir-doch-egal-Haltung abbügelt. Leute, Leute, wir haben nur insgesamt 36 Minuten.
WICHTIGE Anmerkung: Dietmar Wunder wäre aus meiner Sicht ein toller Sprecher für Jan Tenner jr. gewesen. Angenehm ruhig und die analytische Ader nehme ich ihm ab. Ich finde, Tom Forbett ist wirklich ein interessanter Charakter, der im Gegensatz zu Jan eine realistische Chance für das Bestehen der theoretischen Fahrprüfung hat.
Aber alles kein Problem, Osterinselhausen begrüßt die Neuankömmlinge mit einer Gruppen Zentauren, die ihrerseits wiederum eher unpraktische Laser/Elektro-Peitschen haben. Aber hier beginnt die Folge mich zu verlieren, wenn ich ehrlich bin. Ostland wird als Gefahr ab hier aufgebaut, wenn die Ostländer das Eiland auch entdecken - oder haben sie es gar. Egal. Weiter. Die "dreieinfaltige" Schicksalsgemeinschaft wird zum Dunkelfürsten gebracht, der lapidar auf die Frage nach Tanja äußert, dass sie tot ist.
An dieser Stelle: ich muss gestehen, dass ich im Inneren meines verrotteten Herzens kurz frohlockte, nur um Sekunden später die Freudentränen in meinen Augen vaporisieren sehen zu müssen. Warum diese stelzte Ausdrucksweise - ich komme dazu, gemach*. Nun, Tanja ist nicht in einem Magnetfeld gestorben, wie zuerst behauptet. Da sie nicht nur die Kräfte des halben MCU-Kaders in sich vereint, ist sie nunmehr per Level Up halb bis ganz unsterblich. Aber in Trance und dem Zentauren und promiskuitiven Lustmolch von Dunkelfürst hörig.
Mit anderen Worten: Planet der Puppen und Seytanias Rache (28 & 30) der alten Serie reloaded. Die recyceln munter weiter.
Aber alles kein Problem. Der Dreibund wird eingeknastet, der Dunkelfürst will mit Tanja auf Tuchfühlung gehen, wird aber von der Dunkelfürstin ermahnt und somit steht hie nur die FSK 0 wie eine Eins. Im Zufalls-Verlies der Folge treffen die drei westländischen Kompetenzträger auf einen weiteren Gefangenen. Yada yada yada, der Gefangene Zentaur kann seine Freiheit erlagen, wenn er seine drei Opponenten im Arenakampf killt. Und Junge, Junge, was ist das für ein Kampf, Jan setzt sein Hand-Auge-Koordination ein, um mit modernen Mitteln wie Dreck ins Auge des Gegners zu streuen, diesen zu überrumpeln. Das entfaltet die gleiche Dynamik wie ein Mixed-Martial-Arts-Kampf, der schlussendlich von Hercule Poirot gewonnen wird. (Für die Jüngeren: Jan Tenner ist Goat und hat voll Skill).
Dann gibt es noch einige Minuten wirren Dialogs, wo wesentliche Bestandteile der Buchstabensuppe fehlen, um vom A bis zum F wie Finale zu kommen. Ostland greift an, Osterinselhausen wird kernsaniert und der Erzähler fragt, ob und wie sich Tanja aus den Klauen des Dunkelfürsten befreien wird. Es ist also total egal, ob Tom, Jan und Melissa mit dabei sind.
Toll.
*Übrigens, es wird etabliert, dass sich Osterinselhausen aus der Wahrnehmung der Menschen heraushalten konnte, indem sie (stabil Platz nehmen!) ein nicht wahrnehmbares Aerosol in unglaublichen Mengen in die Atmosphäre gepumpt haben. Ja, ja, diese Zentauren-BASF & Industriegas KG hat den ganzen Planeten Halluzinogene einatmen lassen, um nicht entdeckt zu werden. Ja, sicher.
Dietmar Wunder hat mir gefallen, die Stimme ist toll. Bei vielen anderen Sprechern und Sprecherinnen denke ich immer: boah, die sprechen wirklich die Pausen mit, die der KI-Prompt braucht, bis er den nächsten Satz ausgibt. Oder stellt das glatt eine kongeniale Hommage an die hölzernen Puppen aus der alten Serie dar, wer weiß.
Auch diese Folge ist wieder nichts. Zweiter Bonuspunkt immerhin: Tom erwähnt seinen Kumpel Mark. Das fand ich sehr schön.
Seytania meets im Reich der Azzarus - wer es mag.