Ok, sorry vieles ist einfach Storytelling-Mechanik und man könnte gleichermassen über Filme statt über Hörspiele nörgeln in der Hinsicht, aber in Hörspielen fällt es mir halt oft auf. Ich mag es nicht, wenn:
- wenn zu hastig durch die erwartbaren Genre-Plotpunkte gebrettert wird. Ich mag den klassischen Genre-Aufbau gern, aber das muss man dann doch ein wenig aufbauen und ausgestalten, finde ich!
- zu "drollige" Horror-Comedy. Das ist einfach gaaar nicht meins. Positive Ausnahmen gibt es auch, die Ghouls-Folgen mit den alten Leutchen bei Dreamland hat mir z.B. gut gemundet, aber dann muss es schon sehr gut gemacht sein. Meistens klappt es dann weder als Horror noch als Komödie.
- Wenn eine Serie auf "aufbauend" macht, aber man merkt, dass man keine rechte Ahnung hat, wo das hin soll. Ich nenne es das "Lost"-Syndrom.
- Plötzlich wissen alle, wie mit der Ausnahmesituation umzugehen ist. "Jaja, Vampire, Silberkugeln, klar doch" - ihr kennt das einfach auch nur aus Filmen? Aber die Spielregeln meint ihr mit totaler Sicherheit zu kennen?
- Das Finale ist grad vorbei, Dutzende sind gestorben, und die sonst ganz alltäglichen Helden sind grad sofort wieder aufgelockert und witzeln rum. Junge, deine besten Freunde wurden grad allesamt vor deinen Augen ausgeweidet, aber sobald der Plot durch ist, bist du direkt am Sprücheklopfen? Was ist falsch mit dir?
- In so lockeren Krimis übertreiben sie es doch oft damit, dass die Leute rechts und links massakriert werden, und alle nehmen es total auf die leichte Schulter. Viele so auf britisch und lustig-bodenständig gemachte Krimiserien sind so. Die netteste Messdienerin im verschlafenen Dorf wird unglaublich brutal in Stücke gehackt, und der Held/die Heldin findet einfach "haha neuer Fall! endlich mal wieder ein richtig spannendes Rätsel
". Junge/Mädel, wenn du echt wärst, wärst du soziopathisch! Klar musst du nicht in Folge 200 der Krimiserie noch jedes Mal eine Viertelstunde ins Mikro weinen, wenn jemand im Städchen stirbt, aber irgendwie muss man doch halbwegs ein sinnvolles Mass für sowas finden.
- Holmes-Moriarty-Dynamik: Der Meisterdetektiv braucht einen forcierten, unvermittelt riesengross aufgebauten "Erzrivalen". Und für die ist alles Folgende nur ein "sportlicher Wettkampf", ohne dass das psychologisch irgendwie Sinn ergeben würde.
- speziell im Horror/Sci-Fi: wenn die Figuren nicht das "richtige Mass" treffen, wenn es darum geht, wie schnell oder langsam sie das Übernatürliche akzeptieren. Das kann beide Richtungen gehen, entweder "ah ja klar, Werwölfe, was denn sonst, wer kennt's nicht, glaub ich sofort, haha..." ebenso wie der Polizeichef, der grad eben den Werwolf mit eigenen Augen gesehen hat und trotzdem sagt "SOLCHE HIRNGESPINSTE MACHE ICH NICHT MIT". Das allerschlimmste Beispiel auf der Welt für dieses Problem ist Geister-Schocker 66 (Invasion des Grauens). Die junge Frau am Anfang glaubt total unsentimental, dass ihre Schwester leergesaugt ist, bis nur die Haut übrig bleibt. Dass die Oma "das zweite Gesicht" hat, glaubt die auch einfach so ohne Federlesens. Aber sobald es um Ausserirdische geht, ist die Olle angepisst und will davon gar nichts glauben und meint "Sie spinnen doch, das hör ich mir nicht länger an...". Aber was ist das für ein Mensch, der an Visionen, ausgesaugte Menschenhäute usw. ohne Zögern glaubt, aber findet dann gleich, Aliens sind Seemannsgarn? Klar kann die Figur halt widersprüchliche Gefühle haben, aber das ist halt nirgends richtig ausgestaltet. Die ist halt erst superabgeklärt und dann total ungläubig, ganz ohne Übergänge. Da ist aber das Problem wohl einfach auch "Schema F". In dem Genre gibt's halt standardmässig die Szene mit der Ungläubigkeit und dann flickt man die dort irgendwo einfach rein.
- uninspiriertes Sprecher-Casting, das die Story sofort durchschaubar macht. "Na, wer ist wohl der Mörder? Vielleicht der Sprecher, der immer auf die Schurkenrolle besetzt wird? Ah, ach so." Das gilt wohlgemerkt leider oft auch bei Sprechern, die super abliefern und wunderbare Stimmen haben, die ich liebe. Also denen kein Vorwurf.
- ganz allgemein Schema F-Story und Dialoge, die in der Story eigentlich keinen Sinn ergeben, aber "wohl einfach dazu gehören". Wie im Film, wenn der Schurke den "Oh, wir sind doch gar nicht so unterschiedlich"-Monolog macht - ist totaler Nonsens innerhalb der Geschichte, aber man kennt das ja aus vergleichbaren Plots, also warum nicht einfach auch reinflicken?
- Plumpe Psychologie in Krimis "Der Mann dieser Frau ist heute umgebracht worden... in der Vernehmung war sie zu ruhig / zu durch den Wind, mit der stimmt was nicht..." Hallo, da ist grad was Schlimmes passiert und die muss was verarbeiten; die ist vielleicht grad nicht im Normalzustand? Was zieht ihr hier so unverschämt Rückschlüsse, die gar nicht passen.
- Der saudoofe Versprecher des Täters: "Ein Mann, ein kleiner Mann..." kann diesen Spiegel doch eh nicht tragen? Was ist das für ein bekloppter Versprecher? Wie kommt der Spinner dazu, einfach auszuplaudern, dass er weiss, dass das ein kleiner Mann ist?
- Der "Asi"-Faktor: Figuren, die arm oder randständig oder sowas sind, brüllen die Polizei immer erst zusammen, "VERPISST EUCH DOCH". 100 Mal gehört...