Die drei ??? und die Salztote
Mit Die drei ??? und die Salztote bekommt man einen Fall, der für mich vor allem durch seinen Schauplatz funktioniert. Der Salton Sea ist ohnehin ein Ort, der schon ohne jede erfundene Geistergeschichte etwas Unwirkliches und Verlassenes besitzt. Genau dieses Gefühl nutzt der Roman sehr gut und macht daraus eine Geschichte, die sich deutlich von vielen klassischen Rocky-Beach-Fällen abhebt.
Ausgangspunkt ist Professor Barrister, ein alter Bekannter der drei Detektive. Rund um den Salton Sea tauchen plötzlich Briefe auf, die angeblich von einer Frau stammen, die dort vor Jahren als sogenannte Salzhexe bekannt gewesen sein soll. Niemand weiß genau, was damals mit ihr geschehen ist. Ist sie im See ums Leben gekommen? Ist an den Geschichten über Voodoo, Geistersalz und Flüche tatsächlich etwas dran? Natürlich reicht das vollkommen aus, um Justus, Peter und Bob neugierig zu machen.
Besonders stark ist für mich dabei Halite Harbor. Die fiktive Geisterstadt am See wirkt wie ein Ort, an dem man besser nicht zu lange bleiben möchte. Verlassene Gebäude, brütende Hitze, alte Relikte aus besseren Zeiten und dieses ständige Gefühl, dass hier irgendwann etwas gründlich schiefgelaufen ist – daraus entsteht eine sehr eigene Atmosphäre. Gerade die Szenen in den verfallenen Gebäuden und im alten Café funktionieren richtig gut und erzeugen stellenweise tatsächlich eine angenehme Gänsehaut.
Dass der Salton Sea selbst auf einer realen Umweltkatastrophe und einer ziemlich außergewöhnlichen Geschichte beruht, gibt dem Roman zusätzlich etwas Besonderes. Ich mag es immer, wenn ein Drei-???-Fall nebenbei noch einen realen Hintergrund besitzt, ohne daraus gleich eine Lehrstunde zu machen. Hier fügt sich das ganz natürlich in die Handlung ein und macht den Schauplatz sogar noch interessanter.
Auch die Figuren passen gut in diese merkwürdige Umgebung. Neben Professor Barrister tauchen einige Personen auf, bei denen lange nicht klar ist, wie viel sie wissen und was sie vielleicht verschweigen. Gerade solche etwas schrägen Gestalten gehören für mich zu den drei ??? einfach dazu. Die Geschichte lebt deshalb weniger von einem komplizierten Rätsel als von der Frage, was hinter den Ereignissen rund um die Salzhexe wirklich steckt.
Die eigentliche Handlung ist allerdings vergleichsweise geradlinig. Wirklich komplex wird der Fall nicht, und irgendwann zeichnet sich recht deutlich ab, in welche Richtung es gehen könnte. Das ist etwas schade, denn aus dem außergewöhnlichen Setting hätte man durchaus noch mehr herausholen können. Gleichzeitig trägt die Atmosphäre den Roman aber so gut, dass mich das beim Lesen nicht besonders gestört hat.
Interessant ist natürlich das Konzept des Geheimbuchs. Während des Lesens müssen immer wieder verschlossene Seiten geöffnet werden. Dahinter befinden sich zusätzliche Informationen, Illustrationen und vor allem Passagen aus einer anderen Perspektive. Grundsätzlich finde ich die Idee stark, weil man dadurch einen ganz anderen Blick auf die Ereignisse bekommt.
Genau dieses Konzept ist für mich aber gleichzeitig die größte Schwäche des Buches. Dadurch, dass man teilweise schon früh erfährt, was auf der Gegenseite passiert, geht ein Teil des Rätsels verloren. Gerade bei einem Fall, der ohnehin stark von seiner geheimnisvollen Stimmung lebt, hätte ich mir manchmal gewünscht, weniger zu wissen. Einige Szenen wären deutlich unheimlicher gewesen, wenn man ausschließlich bei Justus, Peter und Bob geblieben wäre.
Dazu kommt die ganz praktische Sache mit den aufzuschneidenden Seiten. Als einmaliges Gimmick ist das nett, aber wirklich begeistert bin ich davon nicht. Der Lesefluss wird immer wieder unterbrochen, und wenn man die Seiten nicht absolut sauber öffnet, sieht das Buch hinterher schnell etwas mitgenommen aus. Für mich ist das eher ein interessantes Experiment als etwas, das ich bei jedem Band haben müsste.
Die drei Detektive selbst funktionieren gewohnt gut, auch wenn mir hier stellenweise etwas von ihrem typischen Zusammenspiel fehlt. Gerade Justus verhält sich in einzelnen Situationen erstaunlich unvorsichtig und lässt sich leichter täuschen, als man es von ihm erwarten würde. Auch ein wichtiger Hinweis wird nicht so konsequent verfolgt, wie ich es bei den drei ??? normalerweise erwarten würde.
Trotzdem gibt es viele klassische Momente: Justus analysiert, Bob sammelt Informationen und Peter reagiert deutlich stärker auf die unheimliche Seite des Falls. Gerade in der verlassenen Geisterstadt funktioniert diese Rollenverteilung hervorragend, weil Peter dort mehr als einmal guten Grund hat, sich unwohl zu fühlen.
Das Cover finde ich ausgesprochen gelungen. Das bleiche Gesicht, das scheinbar aus dem Salzwasser hervorkommt, besitzt etwas Unheimliches und gleichzeitig Abstraktes. Zusammen mit den dunklen Blau- und Grüntönen passt es sehr gut zu diesem unwirklichen Schauplatz. Es verrät kaum etwas über die Handlung, vermittelt aber sofort die richtige Stimmung.
Unterm Strich hat mir Die drei ??? und die Salztote vor allem wegen seiner Atmosphäre richtig gut gefallen. Der Salton Sea und die verlassene Siedlung sind hervorragende Schauplätze für einen Drei-???-Fall und verleihen der Geschichte einen ganz eigenen Charakter. Dazu kommen interessante Figuren, ein realer Hintergrund und einige angenehm unheimliche Szenen.
Ganz an die stärksten Fälle reicht das Buch für mich trotzdem nicht heran. Dafür ist die Handlung etwas zu geradlinig und das Geheimbuch-Prinzip verrät an einigen Stellen schlicht zu viel. Gerade die Perspektive des Gegenspielers nimmt dem Fall ein Stück seiner Mystik, obwohl sie für sich genommen durchaus spannend geschrieben ist.
Für mich bleibt trotzdem ein atmosphärischer und ungewöhnlicher Drei-???-Fall mit einem der stärkeren Schauplätze der letzten Jahre. Nicht wegen eines besonders komplizierten Rätsels, sondern weil Halite Harbor und der Salton Sea der Geschichte eine Stimmung geben, die lange hängen bleibt.
