Beiträge von DerPoldi

    Die drei ??? und die Salztote

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    Mit Die drei ??? und die Salztote bekommt man einen Fall, der für mich vor allem durch seinen Schauplatz funktioniert. Der Salton Sea ist ohnehin ein Ort, der schon ohne jede erfundene Geistergeschichte etwas Unwirkliches und Verlassenes besitzt. Genau dieses Gefühl nutzt der Roman sehr gut und macht daraus eine Geschichte, die sich deutlich von vielen klassischen Rocky-Beach-Fällen abhebt.

    Ausgangspunkt ist Professor Barrister, ein alter Bekannter der drei Detektive. Rund um den Salton Sea tauchen plötzlich Briefe auf, die angeblich von einer Frau stammen, die dort vor Jahren als sogenannte Salzhexe bekannt gewesen sein soll. Niemand weiß genau, was damals mit ihr geschehen ist. Ist sie im See ums Leben gekommen? Ist an den Geschichten über Voodoo, Geistersalz und Flüche tatsächlich etwas dran? Natürlich reicht das vollkommen aus, um Justus, Peter und Bob neugierig zu machen.

    Besonders stark ist für mich dabei Halite Harbor. Die fiktive Geisterstadt am See wirkt wie ein Ort, an dem man besser nicht zu lange bleiben möchte. Verlassene Gebäude, brütende Hitze, alte Relikte aus besseren Zeiten und dieses ständige Gefühl, dass hier irgendwann etwas gründlich schiefgelaufen ist – daraus entsteht eine sehr eigene Atmosphäre. Gerade die Szenen in den verfallenen Gebäuden und im alten Café funktionieren richtig gut und erzeugen stellenweise tatsächlich eine angenehme Gänsehaut.

    Dass der Salton Sea selbst auf einer realen Umweltkatastrophe und einer ziemlich außergewöhnlichen Geschichte beruht, gibt dem Roman zusätzlich etwas Besonderes. Ich mag es immer, wenn ein Drei-???-Fall nebenbei noch einen realen Hintergrund besitzt, ohne daraus gleich eine Lehrstunde zu machen. Hier fügt sich das ganz natürlich in die Handlung ein und macht den Schauplatz sogar noch interessanter.

    Auch die Figuren passen gut in diese merkwürdige Umgebung. Neben Professor Barrister tauchen einige Personen auf, bei denen lange nicht klar ist, wie viel sie wissen und was sie vielleicht verschweigen. Gerade solche etwas schrägen Gestalten gehören für mich zu den drei ??? einfach dazu. Die Geschichte lebt deshalb weniger von einem komplizierten Rätsel als von der Frage, was hinter den Ereignissen rund um die Salzhexe wirklich steckt.

    Die eigentliche Handlung ist allerdings vergleichsweise geradlinig. Wirklich komplex wird der Fall nicht, und irgendwann zeichnet sich recht deutlich ab, in welche Richtung es gehen könnte. Das ist etwas schade, denn aus dem außergewöhnlichen Setting hätte man durchaus noch mehr herausholen können. Gleichzeitig trägt die Atmosphäre den Roman aber so gut, dass mich das beim Lesen nicht besonders gestört hat.

    Interessant ist natürlich das Konzept des Geheimbuchs. Während des Lesens müssen immer wieder verschlossene Seiten geöffnet werden. Dahinter befinden sich zusätzliche Informationen, Illustrationen und vor allem Passagen aus einer anderen Perspektive. Grundsätzlich finde ich die Idee stark, weil man dadurch einen ganz anderen Blick auf die Ereignisse bekommt.

    Genau dieses Konzept ist für mich aber gleichzeitig die größte Schwäche des Buches. Dadurch, dass man teilweise schon früh erfährt, was auf der Gegenseite passiert, geht ein Teil des Rätsels verloren. Gerade bei einem Fall, der ohnehin stark von seiner geheimnisvollen Stimmung lebt, hätte ich mir manchmal gewünscht, weniger zu wissen. Einige Szenen wären deutlich unheimlicher gewesen, wenn man ausschließlich bei Justus, Peter und Bob geblieben wäre.

    Dazu kommt die ganz praktische Sache mit den aufzuschneidenden Seiten. Als einmaliges Gimmick ist das nett, aber wirklich begeistert bin ich davon nicht. Der Lesefluss wird immer wieder unterbrochen, und wenn man die Seiten nicht absolut sauber öffnet, sieht das Buch hinterher schnell etwas mitgenommen aus. Für mich ist das eher ein interessantes Experiment als etwas, das ich bei jedem Band haben müsste.

    Die drei Detektive selbst funktionieren gewohnt gut, auch wenn mir hier stellenweise etwas von ihrem typischen Zusammenspiel fehlt. Gerade Justus verhält sich in einzelnen Situationen erstaunlich unvorsichtig und lässt sich leichter täuschen, als man es von ihm erwarten würde. Auch ein wichtiger Hinweis wird nicht so konsequent verfolgt, wie ich es bei den drei ??? normalerweise erwarten würde.

    Trotzdem gibt es viele klassische Momente: Justus analysiert, Bob sammelt Informationen und Peter reagiert deutlich stärker auf die unheimliche Seite des Falls. Gerade in der verlassenen Geisterstadt funktioniert diese Rollenverteilung hervorragend, weil Peter dort mehr als einmal guten Grund hat, sich unwohl zu fühlen.

    Das Cover finde ich ausgesprochen gelungen. Das bleiche Gesicht, das scheinbar aus dem Salzwasser hervorkommt, besitzt etwas Unheimliches und gleichzeitig Abstraktes. Zusammen mit den dunklen Blau- und Grüntönen passt es sehr gut zu diesem unwirklichen Schauplatz. Es verrät kaum etwas über die Handlung, vermittelt aber sofort die richtige Stimmung.

    Unterm Strich hat mir Die drei ??? und die Salztote vor allem wegen seiner Atmosphäre richtig gut gefallen. Der Salton Sea und die verlassene Siedlung sind hervorragende Schauplätze für einen Drei-???-Fall und verleihen der Geschichte einen ganz eigenen Charakter. Dazu kommen interessante Figuren, ein realer Hintergrund und einige angenehm unheimliche Szenen.

    Ganz an die stärksten Fälle reicht das Buch für mich trotzdem nicht heran. Dafür ist die Handlung etwas zu geradlinig und das Geheimbuch-Prinzip verrät an einigen Stellen schlicht zu viel. Gerade die Perspektive des Gegenspielers nimmt dem Fall ein Stück seiner Mystik, obwohl sie für sich genommen durchaus spannend geschrieben ist.

    Für mich bleibt trotzdem ein atmosphärischer und ungewöhnlicher Drei-???-Fall mit einem der stärkeren Schauplätze der letzten Jahre. Nicht wegen eines besonders komplizierten Rätsels, sondern weil Halite Harbor und der Salton Sea der Geschichte eine Stimmung geben, die lange hängen bleibt.

    H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens - 5. Kinder des Yig

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    Silas Czerny ist Maler und blickt auf ein Leben zurück, das von Drogenproblemen und einem längst verblassten künstlerischen Erfolg geprägt ist. Als er mit einer neuen Substanz namens „OpenMind“ in Berührung kommt, verändert sich seine Situation schlagartig. Noch in derselben Nacht entsteht ein Gemälde, das ihm plötzlich wieder Aufmerksamkeit verschafft. Gleichzeitig häufen sich in Frankfurt merkwürdige Vorfälle, Unfälle und Gewalttaten, deren Zusammenhang zunächst nicht erkennbar ist. Silas beginnt zu ahnen, dass seine Erfahrungen mit OpenMind und das neu entstandene Bild Teil von etwas Größerem sind. Je weiter er dieser Spur folgt, desto deutlicher wird, dass hinter den Ereignissen Kräfte wirken, die mit der gewöhnlichen Realität nur noch wenig gemeinsam haben und schließlich unmittelbar mit Yig und dessen Nachkommenschaft verbunden sind.

    Die Grundidee gefällt mir ausgesprochen gut, weil Andreas Zwengel gleich mehrere Motive miteinander verbindet, die sehr gut zum kosmischen Horror passen. Besonders die Verbindung aus Kunst, veränderter Wahrnehmung und einer Droge, die den Geist gewissermaßen für etwas öffnet, finde ich stark. Silas ist zudem keine glatte Heldenfigur, sondern bringt bereits eine belastete Vergangenheit mit, wodurch seine Erlebnisse von Beginn an mit Unsicherheit verbunden sind. Gerade solange nicht klar ist, ob er tatsächlich etwas Übernatürliches wahrnimmt oder ob seine Erfahrungen mit OpenMind eine Rolle spielen, entwickelt die Geschichte für mich ihre größte Wirkung. Auch Frankfurt als Schauplatz funktioniert überraschend gut. Eine moderne deutsche Großstadt bildet einen schönen Gegensatz zu uralten Kräften, die eigentlich aus einer vollkommen anderen Welt zu stammen scheinen.

    Am stärksten ist „Kinder des Yig“ für mich in der ersten Hälfte, wenn noch vieles offenbleibt und sich die einzelnen Ereignisse erst langsam miteinander verbinden. Die rätselhaften Vorfälle, Silas’ Gemälde und seine veränderte Wahrnehmung erzeugen genau jene Unsicherheit, die ich bei einer Lovecraft-inspirierten Geschichte besonders mag. Später verändert sich der Ton allerdings deutlich. Die Bedrohung wird konkreter, das Geschehen körperlicher und die Handlung entwickelt sich immer stärker in Richtung Horror-Thriller mit deutlich mehr Action. Dadurch geht ein Teil des zuvor aufgebauten Unbehagens verloren. Sobald das Unbekannte stärker benannt und bekämpfbar wird, verändert sich automatisch auch die Art des Grauens. Mich stört dieser Wechsel nicht grundsätzlich, weil Zwengel offenbar bewusst keinen klassischen Lovecraft-Pastiche schreiben wollte. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass ein wenig mehr von der geheimnisvollen Wirkung der ersten Hälfte erhalten bleibt.

    Alex Turrek liest auch die fünfte Neuaufnahme vollständig allein und hat sich für mich inzwischen klar als Stimme dieser Reihe etabliert. Seine eher ruhige und kontrollierte Art passt besonders gut zu Silas’ anfänglicher Unsicherheit und der langsamen Entwicklung des Geschehens. Er trägt die Figur glaubwürdig durch die verschiedenen Phasen der Geschichte und steigert seinen Vortrag, sobald die Handlung dynamischer und bedrohlicher wird. Dabei bleibt er seiner bisherigen Linie treu und versucht nicht, jede Figur mit besonders auffälligen Stimmen voneinander abzugrenzen. Für mich funktioniert das gut, weil der Text im Vordergrund bleibt und die Lesung nicht künstlich dramatisiert wird. Gerade Silas profitiert von diesem etwas nüchterneren Zugang, weil seine Zweifel und Wahrnehmungen dadurch glaubwürdiger wirken.

    Akustisch bleibt „Kinder des Yig“ bei der bekannten Form der Reihe. Es handelt sich um eine ungekürzte Lesung ohne aufwendige Geräuschkulisse oder dauerhaft eingesetzte Musik. Alex Turreks Stimme steht klar im Mittelpunkt und ist sauber und verständlich aufgenommen. Bei einer Laufzeit von etwas mehr als fünfeinhalb Stunden trägt diese schlichte Präsentation die Geschichte problemlos. Weniger gelungen finde ich erneut die Aufteilung in eine sehr große Zahl kurzer Dateien. Gerade weil die Geschichte eine normale Kapitelstruktur besitzt, wirkt diese Zerstückelung unnötig. Beim durchgehenden Hören fällt das kaum auf, weil die Wiedergabe einfach weiterläuft. Möchte man später jedoch eine bestimmte Passage wiederfinden, hilft eine solche Einteilung kaum weiter. Eine Orientierung an den tatsächlichen Kapiteln wäre deutlich praktischer gewesen.

    Das Cover gefällt mir diesmal besonders wegen seiner abstrakten Gestaltung. Im Zentrum steht ein fremdartiges Gebilde aus hellen, verschlungenen Linien und organisch wirkenden Formen, das beinahe wie ein Wesen aussieht, ohne sich eindeutig erfassen zu lassen. Genau das passt für mich sehr gut zur Geschichte. Statt einfach eine riesige Schlange oder ein klar erkennbares Monster abzubilden, bleibt das Motiv unbestimmt und vermittelt dadurch etwas Fremdes und schwer Greifbares. Die hellen, fast leuchtenden Strukturen heben sich stark vom dunklen Hintergrund ab und ziehen sofort den Blick auf sich. Der bekannte ornamentale Rahmen mit seinen tentakelartigen Formen sorgt gleichzeitig dafür, dass die Zugehörigkeit zu „H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens“ sofort erkennbar bleibt. Für mich eines der wirkungsvolleren Cover der bisherigen Reihe.

    „Kinder des Yig“ hat mir insgesamt gut gefallen, auch wenn die beiden Hälften der Geschichte für mich unterschiedlich stark funktionieren. Besonders die Ausgangsidee mit Silas, OpenMind, seinem Gemälde und den immer rätselhafter werdenden Ereignissen in Frankfurt besitzt eine starke Atmosphäre. Gerade solange unklar bleibt, was tatsächlich geschieht und wie viel davon mit Silas’ Wahrnehmung zusammenhängt, funktioniert der Horror für mich am besten. Später wird die Geschichte deutlich direkter und entwickelt sich stärker zu einem Monster- und Actionthriller. Das ist durchaus spannend, verliert aber etwas von der geheimnisvollen Wirkung des Anfangs. Trotzdem finde ich es erneut interessant, wie frei die Reihe mit Lovecrafts Ideen umgeht. Nach vier sehr unterschiedlichen Vorgängern entsteht auch hier wieder keine bloße Wiederholung. Alex Turrek trägt die Neuaufnahme zuverlässig und der moderne Frankfurter Schauplatz gibt der Geschichte eine eigene Identität. Für mich ist „Kinder des Yig“ deshalb weniger klassischer Lovecraft-Horror als ein urbaner Thriller mit Mythos-Einschlag – und gerade diese Mischung macht die fünfte Folge trotz ihrer Schwächen hörenswert.

    H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens - 4. Stolzenstein

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    Der Schriftsteller Gero Klueger erfährt, dass ihm sein ehemaliger Freund und Autorenkollege Wulf Loeve nach dessen Tod ein Haus in Stolzenstein hinterlassen hat. Die beiden Männer waren früher eng miteinander verbunden, hatten sich jedoch Jahre zuvor im Streit voneinander entfernt. Umso überraschender ist es für Gero, dass ausgerechnet er nun als Erbe eingesetzt wurde. Er reist nach Stolzenstein und beginnt, sich mit Wulfs Hinterlassenschaft zu beschäftigen. Dabei stößt er auf Hinweise, die offenbar bewusst für ihn zurückgelassen wurden. Je weiter er ihnen folgt, desto stärker gewinnt er den Eindruck, dass sein ehemaliger Freund auch nach seinem Tod noch Einfluss auf das Geschehen nimmt. Das Haus, die Umgebung und die Spuren aus der Vergangenheit führen Gero schließlich immer tiefer in ein Rätsel, bei dem er zunehmend daran zweifelt, ob sich alles noch mit gewöhnlichen Erklärungen erfassen lässt.

    Gerade die Beziehung zwischen Gero und Wulf gefällt mir sehr gut. Sie gibt der Geschichte eine persönliche Ebene, die weit über die bloße Frage hinausgeht, was es mit dem Haus und den merkwürdigen Vorgängen auf sich hat. Beide Figuren stehen außerdem für unterschiedliche Vorstellungen vom Schreiben. Gero hält an seiner phantastischen Literatur fest, obwohl ihm der große Erfolg versagt bleibt, während Wulf aus seiner Sicht irgendwann begonnen hat, deutlich kommerzieller zu arbeiten. Dass genau dieser Gegensatz zum Bruch ihrer Freundschaft beigetragen hat, macht Geros Beschäftigung mit dem Nachlass umso interessanter. Er versucht schließlich nicht nur, ein Geheimnis zu lösen, sondern setzt sich zwangsläufig auch noch einmal mit einem Menschen auseinander, von dem er sich längst innerlich verabschiedet hatte. Dadurch bekommt die Geschichte etwas Melancholisches, das für mich sehr gut mit dem langsam wachsenden Unbehagen zusammenpasst.

    Besonders gelungen finde ich den deutschen Schauplatz. Jörg Kleudgen und Uwe Vöhl beweisen hier sehr schön, dass lovecraftscher Horror keineswegs zwangsläufig in Neuengland spielen muss. Stolzenstein wirkt zunächst vertraut und gerade deshalb funktioniert das zunehmende Fremdheitsgefühl so gut. Das alte Haus wird Schritt für Schritt zu einem Ort, an dem Erinnerung, persönliche Vergangenheit und etwas wesentlich Älteres ineinandergreifen. Dabei braucht die Geschichte keine großen Monsterauftritte oder permanente Schockeffekte. Vieles entsteht aus Geros Unsicherheit und aus der Frage, was Wulf ihm eigentlich hinterlassen wollte. Nicht jede Anspielung auf Lovecrafts Kosmos hätte für mich sein müssen. Manchmal wird etwas deutlicher auf den Mythos verwiesen, als es die Handlung eigentlich benötigt. Trotzdem wirkt der Bezug hier insgesamt deutlich natürlicher als in manch anderer Folge der Reihe. Mit etwas mehr als drei Stunden bleibt die Geschichte zudem angenehm konzentriert und gewinnt gerade im letzten Drittel noch einmal deutlich an Intensität.

    Alex Turrek übernimmt auch diese Neuaufnahme wieder allein und passt für mich gerade zu „Stolzenstein“ besonders gut. Sein eher ruhiger, kontrollierter Vortrag unterstützt die melancholische und zunehmend unheimliche Grundstimmung der Geschichte. Er versucht nicht, jede rätselhafte Beobachtung besonders dramatisch auszustellen, sondern lässt das Unbehagen langsam aus dem Text entstehen. Gero bekommt dadurch eine glaubwürdige Stimme, die sowohl dessen Nachdenklichkeit als auch die wachsende Verunsicherung trägt. Nach inzwischen vier Folgen empfinde ich Turrek ohnehin immer stärker als verbindendes Element dieser Neuauflagen. Die Geschichten unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander, seine Art zu lesen sorgt trotzdem für eine gewisse akustische Geschlossenheit. Gerade bei der vergleichsweise kurzen Laufzeit von rund drei Stunden und elf Minuten funktioniert sein zurückhaltender Stil für mich sehr gut.

    Technisch bleibt die Reihe ihrer bisherigen Linie treu. „Stolzenstein“ ist eine ungekürzte Lesung ohne zusätzliche Geräuschkulissen oder durchgehende Musik. Gerade bei dieser Geschichte stört mich das überhaupt nicht. Das Haus, die Umgebung und die zunehmende Unsicherheit entstehen allein aus dem Text und Turreks Vortrag, und eine dauernde akustische Untermalung hätte der eher stillen Atmosphäre möglicherweise sogar geschadet. Klanglich ist die Aufnahme sauber und verständlich. Was mich allerdings weiterhin irritiert, ist die extreme Zerstückelung in zahlreiche kurze Tracks. Bei einer Gesamtlaufzeit von etwas mehr als drei Stunden wirkt eine derart kleinteilige Aufteilung besonders unnötig. Beim normalen Durchhören fällt das kaum auf, aber wer später eine bestimmte Szene wiederfinden möchte, hat von einer Vielzahl künstlicher Mini-Kapitel praktisch nichts. Eine Orientierung an den tatsächlichen erzählerischen Abschnitten wäre auch hier deutlich sinnvoller gewesen.

    Das Cover gehört für mich zu den stärksten Motiven der bisherigen Reihe. Im Mittelpunkt steht ein altes, massives Steinhaus mit mehreren Giebeln, das bereits durch seine dunkle und verwitterte Erscheinung etwas Unheilvolles besitzt. Der Himmel darüber wirkt schwer und bedrückend, während das feste Reihendesign mit den ornamentalen, tentakelartigen Strukturen das Motiv umschließt. Gerade diese Kombination gefällt mir. Anders als bei den sehr monströsen Covern der vorherigen Folgen steht diesmal zunächst ein konkreter Ort im Zentrum. Das passt hervorragend, weil das Haus selbst für Gero zum Ausgangspunkt des gesamten Rätsels wird. Die dunklen Braun-, Grau- und Grüntöne verstärken die alte, beinahe modrige Wirkung und lassen Stolzenstein wie einen Ort erscheinen, an dem sich viel zu lange etwas verborgen gehalten hat. Gleichzeitig sorgt der bekannte Rahmen dafür, dass die Zugehörigkeit zu „H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens“ sofort erkennbar bleibt.

    „Stolzenstein“ gehört für mich zu den geschlossensten Folgen der bisherigen Reihe. Nach dem deutlich wilderen „Das Mysterium dunkler Träume“ wirkt diese Geschichte beinahe wie eine Rückkehr zu einer klassischeren Form des unheimlichen Erzählens. Jörg Kleudgen und Uwe Vöhl konzentrieren sich auf einen Schriftsteller, einen verstorbenen Freund, ein altes Haus und die Frage, was hinter dessen letzter Entscheidung steckt. Gerade die persönliche Vergangenheit zwischen Gero und Wulf gibt dem Ganzen zusätzliche Tiefe und verhindert, dass die Handlung nur aus einer Abfolge von Lovecraft-Verweisen besteht. Der deutsche Schauplatz funktioniert hervorragend und zeigt, dass kosmisches Grauen auch in einer vertraut wirkenden Umgebung seine Wirkung entfalten kann. Nicht jede Anspielung auf den Mythos ist für mich notwendig, insgesamt hält sich die Geschichte aber angenehm zurück und setzt stärker auf Atmosphäre als auf Spektakel. Alex Turrek passt mit seiner ruhigen Lesung sehr gut dazu, und die kompakte Laufzeit verhindert größere Längen. Nur die erneut völlig unnötige Aufteilung in zahlreiche kurze Tracks bleibt ein technischer Schwachpunkt. Für mich ist „Stolzenstein“ damit eine kleine, düstere und sehr stimmige Folge, die gerade deshalb funktioniert, weil sie das Grauen langsam und persönlich wachsen lässt.

    H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens - 3. Das Mysterium dunkler Träume

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    Maxemilian Meissner arbeitet als Filmvorführer und gerät in ein zukünftiges Prag, das mit der Welt, die er kennt, nur noch wenig gemeinsam hat. Hochentwickelte Technik gehört dort ebenso zum Alltag wie Magie und andere Dinge, die sich mit gewöhnlicher Vernunft kaum erklären lassen. Je länger Maxemilian sich in dieser fremdartigen Umgebung bewegt, desto deutlicher wird, dass hinter den ungewöhnlichen Ereignissen etwas wesentlich Größeres verborgen liegt. Aus seiner Reise durch diese bizarre Zukunft entwickelt sich schließlich eine Auseinandersetzung mit Mächten, die weit über das hinausreichen, was er bislang für möglich gehalten hat. Zwischen fantastischen Schauplätzen, technischen Entwicklungen, übernatürlichen Erscheinungen und zunehmend bedrohlichen Ereignissen gerät Maxemilian immer tiefer in eine Wirklichkeit, in der die Grenzen zwischen Traum, Magie und kosmischem Grauen verschwimmen.

    Andreas Ackermann geht damit erneut einen vollkommen anderen Weg als die beiden vorherigen Folgen. Gerade das finde ich inzwischen ausgesprochen reizvoll an dieser Reihe. Nach dem Noir-Krimi von „Das Amulett“ und der Anthologie „Götter des Grauens“ folgt nun eine Mischung aus Science-Fiction, Fantasy, Abenteuer und Horror. Besonders das futuristische Prag gefällt mir als Idee. Statt Lovecrafts bekannte Schauplätze und seine Zeit möglichst genau nachzubauen, wird sein Kosmos in eine völlig andere Umgebung versetzt. Diese Welt besitzt etwas überladenes, manchmal beinahe traumhaftes, weil technische Entwicklungen und Magie scheinbar selbstverständlich nebeneinander existieren. Dadurch entsteht zwar kein klassisches Lovecraft-Gefühl, dafür aber eine eigene Atmosphäre, die sich deutlich von den Vorgängern unterscheidet. Gerade diese Eigenständigkeit ist für mich die größte Stärke der Geschichte.

    Maxemilian funktioniert dabei gut als Figur, weil er selbst keineswegs auf das vorbereitet ist, was ihm begegnet. Ein Filmvorführer ist zunächst einmal kein besonders typischer Held für eine Geschichte dieser Größenordnung, und gerade deshalb kann man die fremde Welt gut gemeinsam mit ihm entdecken. Gleichzeitig wird relativ schnell deutlich, dass Ackermann wesentlich stärker auf Bewegung, Abenteuer und fantastische Einfälle setzt als auf langsam anschwellenden, rein kosmischen Horror. Das sorgt für einige sehr einprägsame Bilder, lässt die Geschichte aber stellenweise auch etwas auseinanderdriften. Bei fast neun Stunden Laufzeit hatte ich nicht immer das Gefühl, dass jede Station gleichermaßen wichtig oder spannend ist. Teilweise scheint die Freude an neuen Ideen größer zu sein als der Wunsch, den eigentlichen Handlungsfaden möglichst straff zu halten. Auch Lovecrafts Einfluss tritt zwischendurch etwas in den Hintergrund. Mich stört das nicht grundsätzlich, weil gerade diese Mischung den Roman interessant macht. Wer allerdings unter dem Reihentitel eine möglichst klassische Mythos-Geschichte erwartet, dürfte sich hier am stärksten umstellen müssen.

    Alex Turrek übernimmt auch die dritte Neuaufnahme vollständig allein und wird für mich inzwischen tatsächlich zu einem verbindenden Element der Reihe. Seine ruhige, klare Art bildet diesmal einen interessanten Gegensatz zu der teilweise sehr wilden Welt, durch die Maxemilian geführt wird. Er versucht nicht, jede fantastische Szene durch einen besonders auffälligen Vortrag noch größer zu machen, sondern lässt die Bilder des Textes wirken. Gerade bei einer fast neunstündigen Lesung empfinde ich das als angenehm. Die Figuren lassen sich ausreichend voneinander unterscheiden und sobald die Handlung bedrohlicher oder hektischer wird, verändert sich auch sein Vortrag entsprechend. Trotzdem bleibt Turrek grundsätzlich eher Erzähler als Schauspieler. Wer eine stark dramatisierte Lesung mit extrem unterschiedlichen Stimmen erwartet, bekommt auch diesmal etwas anderes. Für mich passt diese kontrollierte Herangehensweise aber zunehmend gut zu den Neuaufnahmen der Reihe.

    Technisch bleibt sich die Produktion ebenfalls treu. „Das Mysterium dunkler Träume“ ist eine ungekürzte Lesung, bei der Alex Turreks Stimme vollständig im Mittelpunkt steht. Auf eine aufwendige Geräuschkulisse oder permanente Musik wird verzichtet, wodurch die vielen fremdartigen Bilder allein über Text und Vortrag entstehen müssen. Klanglich funktioniert das sauber und verständlich. Was ich allerdings auch bei dieser Folge überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist die extrem kleinteilige Aufteilung der Aufnahme. Die Geschichte wird erneut in sehr viele kurze Abschnitte zerlegt, die mit einer normalen Kapitelstruktur kaum etwas zu tun haben. Bei einem Roman mit knapp neun Stunden Laufzeit empfinde ich das sogar noch störender als zuvor. Beim einfachen Durchhören spielt es kaum eine Rolle, weil die Wiedergabe nahtlos weitergeht. Möchte man später jedoch eine bestimmte Szene wiederfinden, hilft diese Einteilung praktisch überhaupt nicht. Eine Orientierung an den tatsächlichen Kapiteln wäre deutlich sinnvoller und übersichtlicher gewesen.

    Das Cover passt für mich sehr gut zu der wesentlich größeren und fantastischeren Ausrichtung dieser dritten Folge. Im Zentrum winden sich gewaltige Tentakel vor einer düsteren Stadtlandschaft, die sich bis weit in den Hintergrund erstreckt. Architektur, Brücken und die beinahe apokalyptische Wirkung des Motivs vermitteln sofort, dass hier keine klassische Lovecraft-Geschichte aus den zwanziger Jahren wartet. Gleichzeitig sorgen die Tentakel und der dunkle ornamentale Rahmen dafür, dass die Verbindung zur Reihe eindeutig bleibt. Besonders gelungen finde ich, dass das Bild stärker auf eine fremdartig gewordene Stadt als auf ein einzelnes Monster setzt. Dadurch passt es sehr gut zum futuristischen Prag und zu der Vermischung verschiedener Genres. Die fast monochrome Gestaltung in dunklen Grün-, Grau- und Schwarztönen wirkt unheilvoll und lässt die riesigen Formen im Vordergrund noch bedrohlicher erscheinen. Zusammen mit der Folgenzahl 3 und dem bekannten Reihendesign ergibt sich ein sehr stimmiges Motiv, das genau vermittelt, dass diesmal etwas deutlich Größeres und wilderes bevorsteht.

    „Das Mysterium dunkler Träume“ ist für mich bislang die eigenwilligste Folge von „H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens“. Andreas Ackermann nimmt den Mythos nicht als starres Vorbild, sondern als Ausgangspunkt für eine sehr freie Mischung aus Zukunftswelt, Magie, Abenteuer und kosmischem Horror. Das funktioniert nicht immer gleich gut. Die lange Laufzeit macht sich stellenweise bemerkbar, manche Ideen bekommen mehr Raum als sie eigentlich benötigen und der reine Grusel verschwindet zwischendurch hinter all den fantastischen Einfällen. Gleichzeitig bleibt gerade deshalb sehr viel von dieser Geschichte hängen. Das zukünftige Prag besitzt einen starken Wiedererkennungswert und Maxemilians Reise wirkt völlig anders als alles, was die Reihe bisher angeboten hat. Alex Turrek trägt die Neuaufnahme zuverlässig und passt für mich mittlerweile sehr gut zu diesem Projekt. Die unnötig kleinteilige Trackstruktur bleibt dagegen auch hier ein Ärgernis. Insgesamt ist Folge 3 für mich vielleicht nicht die geschlossenste der bisherigen Veröffentlichungen, aber dafür diejenige mit dem größten Mut zur eigenen Richtung. Und gerade weil sie sich nicht damit begnügt, Lovecraft einfach möglichst genau nachzuahmen, finde ich sie trotz ihrer Schwächen ausgesprochen interessant.

    H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens - 2. Götter des Grauens

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    Nach dem Roman „Das Amulett“ setzt die Reihe diesmal auf acht voneinander unabhängige Kurzgeschichten, die von Roman Sander zu einer Anthologie zusammengestellt wurden. Enthalten sind David A. Rileys „Das Auge des Fisches“ und „Eingesperrt“, Hans Dieter Römers „Tepes“ und „Kfag'n Thoru“, Jack Edens „Mitternachtsruinen“, Gary Lovisis „Der Priester des Dagon“, Wilum Hopfrog Pugmires „Staub zu Staub“ sowie Jörg Kleudgens „Nacht über Arkham“. Die Geschichten führen unter anderem zu einem ungewöhnlichen archäologischen Fund, verbinden Vlad Tepes mit Elementen aus Lovecrafts Kosmos, besuchen eine abgelegene Insel und deren Ruinen, machen die Dunkelheit in einem englischen Pub zur Gefahr und führen schließlich auch unmittelbar nach Arkham. Andere Beiträge beschäftigen sich mit Dagon, einem Ritual zur Wiedererweckung oder greifen die klassische Erzählweise Lovecrafts besonders deutlich auf. Eine fortlaufende Handlung gibt es nicht; jede Geschichte beginnt mit neuen Figuren, einem anderen Schauplatz und einer eigenen Variante des Grauens.

    Gerade dieser Wechsel macht „Götter des Grauens“ für mich deutlich abwechslungsreicher als den ersten Teil, sorgt aber zwangsläufig auch für größere Qualitätsunterschiede. Nicht jeder Autor versteht unter einer Lovecraft-Geschichte dasselbe, und das finde ich grundsätzlich sogar reizvoll. Acht möglichst originalgetreue Nachahmungen hintereinander hätten wahrscheinlich schnell ihren Reiz verloren. Hier reicht die Bandbreite dagegen von deutlichen Mythos-Bezügen bis zu Geschichten, die eher Lovecrafts Grundgedanken aufnehmen und daraus etwas Eigenständiges entwickeln. Besonders „Der Priester des Dagon“ trifft für mich sehr gut das, was ich mir von einer Reihe mit diesem Titel verspreche. Auch „Staub zu Staub“ funktioniert gerade durch seine Kürze und das nicht vollständig Ausgesprochene erstaunlich gut, während „Nacht über Arkham“ mit seinem klassischen Einschlag ebenfalls zu meinen Favoriten gehört. Bei anderen Beiträgen finde ich dagegen die jeweilige Grundidee interessanter als das, was letztlich daraus gemacht wird.

    Genau darin liegt für mich die typische Stärke und gleichzeitig Schwäche einer solchen Anthologie. „Das Auge des Fisches“ baut mit seinem archäologischen Fund zunächst eine schöne unheimliche Stimmung auf, verliert für mich aber etwas davon, sobald die Geschichte stärker auf Action setzt. Die Verbindung von Vlad Tepes und Lovecrafts Welt in „Tepes“ finde ich ausgesprochen interessant, hätte sie aber gerne wesentlich ausführlicher erlebt. Auch „Mitternachtsruinen“ besitzt mit seiner Insel und den düsteren Ruinen eine starke Ausgangslage, lässt mich am Ende jedoch mit dem Gefühl zurück, dass da noch etwas mehr möglich gewesen wäre. „Eingesperrt“ wiederum gefällt mir besonders wegen seines vergleichsweise alltäglichen Schauplatzes und der Idee, ausgerechnet die Dunkelheit selbst zur Gefahr werden zu lassen. „Kfag'n Thoru“ orientiert sich stärker am klassischen Vorbild und bildet für mich einen passenden Abschluss. Insgesamt entsteht dadurch kein gleichmäßiger Spannungsbogen wie bei „Das Amulett“. Dafür kann praktisch jede neue Geschichte wieder überraschen, weil vorher kaum abzusehen ist, welche Spielart des Lovecraft-Horrors als Nächstes wartet.

    Alex Turrek ist auch bei der zweiten Folge der alleinige Sprecher und gefällt mir hier sogar etwas besser als beim Auftakt. Die Anthologie kommt seinem Vortrag entgegen, weil er regelmäßig zwischen völlig neuen Figuren, Situationen und Stimmungen wechseln kann. Seine grundsätzlich eher ruhige und kontrollierte Art behält er bei, wodurch auch diesmal keine inszenierte Ein-Mann-Show entsteht. Gleichzeitig wirkt sein Vortrag durch die unterschiedlichen Geschichten abwechslungsreicher. Gerade in den ruhigeren, unheimlicheren Passagen gefällt mir diese Zurückhaltung, weil Turrek nicht versucht, jeden bedrohlichen Moment durch übertriebene Dramatik hervorzuheben. Wenn eine Geschichte an Intensität gewinnt, zieht auch er hörbar an. Dadurch funktioniert seine Interpretation für mich bei dieser Sammlung insgesamt sehr gut und die knapp fünf Stunden lassen sich angenehm hören, obwohl sämtliche Geschichten von derselben Stimme getragen werden.

    Auch „Götter des Grauens“ bleibt technisch ein klassisches Hörbuch, bei dem der Sprecher im Zentrum steht. Die Neuaufnahme ist ungekürzt und kommt je nach Angabe auf ungefähr vier Stunden und 55 Minuten. Klanglich ist Alex Turrek klar und präsent zu verstehen, sodass die unterschiedlichen Geschichten einen einheitlichen akustischen Rahmen bekommen. Was mich dagegen erneut stört, ist die äußerst kleinteilige Unterteilung der Aufnahme. Die MP3-Ausgabe besteht aus 191 einzelnen Dateien, während auch andere Veröffentlichungsformen noch sehr viele kurze Abschnitte aufweisen. Gerade bei einer Anthologie finde ich das besonders unverständlich, weil sich eine übersichtliche Gliederung geradezu angeboten hätte. Acht Geschichten lassen sich schließlich hervorragend voneinander trennen. Beim durchgehenden Hören fällt die Zerstückelung kaum auf, bei der Orientierung dafür umso mehr. Wer später gezielt zu einer bestimmten Erzählung zurückkehren möchte, hätte mit einer konsequenten Einteilung nach Geschichten und deren tatsächlichen Kapiteln wesentlich mehr anfangen können.

    Das Cover gefällt mir noch besser, wenn ich es direkt mit dem ersten Teil vergleiche. Der ornamentale, von Tentakeln und fremdartigen Strukturen durchzogene Rahmen bleibt erhalten und sorgt gemeinsam mit dem großen Schriftzug „H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens“ sofort für den Wiedererkennungswert der Reihe. Diesmal beherrscht eine gewaltige tentakelartige Kreatur das eigentliche Motiv. Sie erhebt sich aus einem aufgewühlten Meer und greift nach einem vergleichsweise winzigen Segelschiff, das gegen die Wellen beinahe verloren wirkt. Gerade dieser Größenunterschied vermittelt sehr schön das Gefühl menschlicher Bedeutungslosigkeit gegenüber etwas Unbegreiflichem und passt damit hervorragend zum kosmischen Horror. Die fast monochrome Gestaltung in dunklen Grün-, Grau- und Schwarztönen verstärkt die bedrohliche Wirkung zusätzlich. Das Cover versucht sinnvollerweise nicht, alle acht Geschichten gleichzeitig abzubilden, sondern verdichtet das gemeinsame Thema der Sammlung zu einem einzigen starken Horrormotiv. Zusammen mit der Folgenzahl 2 und dem Untertitel „Anthologie von Roman Sander“ ist es zudem klar als Fortsetzung des ersten Hörbuchs erkennbar.

    „Götter des Grauens“ ist für mich insgesamt eine solide bis gute Fortsetzung, funktioniert aber völlig anders als „Das Amulett“. Statt mich über mehrere Stunden an einen Protagonisten und dessen Geschichte zu binden, bekomme ich diesmal acht verschiedene Interpretationen dessen, was Horror im Umfeld Lovecrafts sein kann. Das führt zwangsläufig dazu, dass mich nicht jeder Beitrag gleichermaßen erreicht. Am stärksten sind für mich „Der Priester des Dagon“, „Staub zu Staub“ und „Nacht über Arkham“, während andere Geschichten interessante Ideen besitzen, die für meinen Geschmack etwas ausführlicher oder konsequenter hätten entwickelt werden dürfen. Gerade diese Unterschiede machen die Sammlung aber auch spannend. Ich weiß beim Beginn einer neuen Geschichte nie genau, ob mich klassischer Mythos-Horror, eine ungewöhnliche Verbindung mit einem anderen Stoff oder eine freiere Interpretation erwartet. Alex Turrek kommt dieses Konzept ebenfalls zugute und wirkt für mich abwechslungsreicher als beim ersten Teil. Die unnötige Zerstückelung der Aufnahme bleibt dagegen ein Ärgernis. Wer nicht erwartet, achtmal Lovecraft in möglichst originalgetreuer Form zu bekommen, sondern verschiedene Autoren bei ihrem jeweiligen Umgang mit seinem Erbe erleben möchte, findet hier eine abwechslungsreiche Sammlung mit einigen wirklich starken Momenten.

    H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens - 1. Das Amulett

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    Privatdetektiv Derek Adams erhält Besuch von einer attraktiven, wohlhabend wirkenden Frau, die ihm einen zunächst wenig außergewöhnlichen Auftrag erteilt: Er soll ein gestohlenes Amulett wiederbeschaffen. Adams nimmt den Fall an und stellt schon bald fest, dass außer seiner Auftraggeberin noch weitere Personen großes Interesse an dem verschwundenen Gegenstand haben. Seine Nachforschungen führen ihn durch Glasgow und immer tiefer in ein Umfeld, in dem sich hinter einem gewöhnlichen Kriminalfall etwas vollkommen anderes verbirgt. Mit jedem weiteren Schritt entfernt sich Adams von der ihm vertrauten Welt. Kultisten und übernatürliche Kräfte treten auf den Plan und schließlich zeigt sich, dass das Amulett eine Bedeutung besitzt, die weit über seinen materiellen Wert hinausgeht. Was als Suche nach einem gestohlenen Gegenstand beginnt, führt den Privatdetektiv damit unmittelbar in jene Abgründe, die untrennbar mit dem Cthulhu-Mythos verbunden sind.

    William Meikle verbindet zwei Genres, die auf den ersten Blick ziemlich unterschiedlich wirken und sich hier trotzdem erstaunlich gut ergänzen. Derek Adams stammt unverkennbar aus der Tradition klassischer Noir-Detektive, während hinter seinem Fall zunehmend Lovecrafts kosmischer Horror hervorkommt. Gerade diesen langsamen Übergang mag ich. „Das Amulett“ versucht nicht, bereits auf den ersten Seiten mit möglichst vielen Tentakeln und unaussprechlichen Mächten um sich zu werfen. Lange Zeit bleibt die Geschichte ein düsterer Privatdetektivfall, in dessen vermeintlich normale Welt immer mehr Dinge eindringen, die dort eigentlich nichts verloren haben. Natürlich spielt Meikle dabei bewusst mit bekannten Versatzstücken. Der abgebrühte Ermittler, die geheimnisvolle attraktive Auftraggeberin, zwielichtige Bekanntschaften und düstere Schauplätze gehören praktisch zur Grundausstattung des Noir-Krimis. Mich stört das wenig, weil die Geschichte daraus eine Atmosphäre entwickelt, die gut zur späteren übernatürlichen Ebene passt.

    Derek Adams funktioniert für mich gerade deshalb als Hauptfigur, weil er auf das Kommende überhaupt nicht vorbereitet ist. Er besitzt keine besonderen Kenntnisse über okkulte Mächte und verwandelt sich im Verlauf der Handlung auch nicht plötzlich in einen übermächtigen Kämpfer gegen das Böse. Er ist ein Privatdetektiv, der einen Auftrag angenommen hat und irgendwann feststellen muss, dass seine bisherigen Erfahrungen dafür nicht mehr ausreichen. Glasgow ist dafür ein sehr passender Schauplatz und gibt der Geschichte eine eigene, raue Färbung. Allerdings ist der Weg zum Ziel nicht durchgehend gleich spannend. Gerade im Mittelteil wiederholt sich der Ablauf der Ermittlungen stellenweise etwas und hier hätte die Geschichte für mich ruhig kompakter sein dürfen. Auch die Verbindung aus Noir und Lovecraft entwickelt nicht an jeder Stelle wirkliche Überraschungen, wenn man mit beiden Genres vertraut ist. Dafür gefällt mir die Steigerung zum Ende hin umso besser. Je deutlicher wird, was hinter dem Amulett steckt, desto stärker greifen Kriminalhandlung und übernatürlicher Horror ineinander. Aus dem Auftrag eines Privatdetektivs ist dann endgültig etwas geworden, dessen Dimension Adams zu Beginn unmöglich hätte erahnen können.

    Alex Turrek übernimmt die Neuaufnahme vollständig allein und muss deshalb nicht nur Derek Adams, sondern die gesamte Figurenwelt tragen. Seine eher kontrollierte, geradlinige Art empfinde ich dabei als durchaus passend. Gerade Adams braucht für mich keinen Sprecher, der jede einzelne Zeile möglichst dramatisch ausgestaltet. Turreks zurückhaltender Vortrag unterstützt vielmehr den Noir-Charakter der Hauptfigur. Gleichzeitig setzt er die verschiedenen Personen ausreichend voneinander ab, sodass sich die Dialoge gut verfolgen lassen. In den bedrohlicheren Szenen zieht auch sein Vortrag entsprechend an, ohne dass daraus plötzlich eine völlig andere Art der Lesung wird. Wer stark inszenierte Hörbücher oder sehr expressive Sprecher bevorzugt, könnte diese Interpretation stellenweise etwas gleichförmig finden. Für mich funktioniert sie über weite Strecken gut, weil Turrek die Atmosphäre nicht mit Gewalt erzeugen möchte, sondern Meikles Geschichte genügend Raum lässt. Bei einer ungekürzten Laufzeit von rund sechs Stunden und 25 Minuten ist das nicht unwichtig, denn hier verbringt man entsprechend lange ausschließlich mit seiner Stimme.

    Bei der akustischen Umsetzung sollte man wissen, dass es sich um ein klassisches Hörbuch handelt. Es gibt keine ausgearbeitete Geräuschkulisse und keine dauernde musikalische Untermalung, die Glasgow oder die übernatürlichen Ereignisse zusätzlich ausgestaltet. Im Zentrum stehen Text und Sprecher, wodurch ein großer Teil der Atmosphäre zwangsläufig im eigenen Kopf entsteht. Klanglich funktioniert das sauber und Alex Turreks Stimme bleibt klar im Vordergrund. Weniger glücklich finde ich dagegen die Aufteilung der Aufnahme. Statt sich an größeren erzählerischen Einheiten zu orientieren, besteht das Hörbuch aus sehr vielen kurzen Tracks, von denen manche nur ungefähr anderthalb Minuten dauern. Beim normalen Durchhören fällt das kaum ins Gewicht, weil die Geschichte ohne Unterbrechung weiterläuft. Möchte man allerdings gezielt zu einer bestimmten Passage zurückkehren oder sich an der eigentlichen Kapitelstruktur orientieren, wird diese Einteilung unnötig umständlich. Eine klassische Aufteilung nach Kapiteln hätte ich hier deutlich sinnvoller gefunden.

    Das Cover gefällt mir richtig gut und macht sofort deutlich, welche beiden Welten hier aufeinandertreffen. Im Zentrum steht ein klassisch gekleideter Privatdetektiv mit Trenchcoat und Hut in einer düsteren Straße, womit die Noir-Seite der Geschichte unmittelbar sichtbar wird. Direkt hinter ihm lauert allerdings ein gewaltiges gelbes Auge mit senkrechter Pupille, umgeben von tentakelartigen Formen. Damit wird der übernatürliche Teil ebenso deutlich aufgegriffen. Besonders schön finde ich, dass beide Elemente nicht getrennt nebeneinanderstehen, sondern tatsächlich zu einem gemeinsamen Motiv verschmelzen. Die dunklen Grün-, Grau- und Schwarztöne geben dem Bild eine schön unheilvolle Wirkung, während das Auge sofort den Blick auf sich zieht. Auch der ornamentale, von Tentakeln durchzogene Rahmen passt hervorragend zum Reihentitel „H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens“. Der große Schriftzug „Das Amulett“ und William Meikles Name bleiben trotz der vielen Details gut erkennbar. Für mich ein sehr gelungenes Auftaktcover, weil man schon beim Ansehen ziemlich genau versteht, welche Mischung einen erwartet.

    „Das Amulett“ ist für mich ein gelungener Auftakt zu „H. P. Lovecrafts Schriften des Grauens“, auch wenn die Geschichte nicht in allen Bereichen gleichermaßen überrascht. William Meikle nimmt die vertraute Welt des klassischen Privatdetektivs und lässt darin langsam etwas entstehen, das mit Derek Adams’ bisherigen Erfahrungen nicht mehr zu erklären ist. Gerade dieser Übergang gefällt mir wesentlich besser, als wenn von Beginn an ausschließlich kosmisches Grauen aufgefahren worden wäre. Man sollte deshalb allerdings auch keinen reinen Lovecraft-Stoff erwarten. Über weite Strecken hört man einen Noir-Krimi, der sich zunehmend in eine andere Richtung öffnet. Einige bekannte Genreklischees gehören dazu und der Mittelteil hätte für meinen Geschmack etwas straffer ausfallen können. Dafür funktioniert die Steigerung zum Finale und Alex Turreks zurückhaltende Interpretation passt für mich gut zu Derek Adams. Lediglich die extrem kleinteilige Trackaufteilung empfinde ich als unnötig. Insgesamt macht mir diese Mischung aus Detektivgeschichte und Cthulhu-Mythos aber genügend Spaß, um wissen zu wollen, wohin die Reihe als Nächstes führt. Gerade weil Adams kein geborener Kämpfer gegen kosmische Mächte ist, interessiert mich, was ihm nach dieser ersten Begegnung mit dem Unbegreiflichen noch bevorsteht.

    Insel-Krimi - 44. Fallschirme über Borkum

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    Sven Lasser möchte nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis noch einmal ganz von vorne beginnen. Es verschlägt ihn nach Borkum, wo ihm eine Stelle als Aushilfe auf einer Fähre die Möglichkeit bietet, wieder in ein geregeltes Leben zurückzufinden. Allerdings zeigt sich schon bei der Vermittlung der Arbeit, dass dieser Neuanfang nicht ohne Schwierigkeiten verlaufen wird. Als Sven die Polizistin Swenja Augner kennenlernt und sich zwischen den beiden eine Freundschaft entwickelt, gerät er zunehmend in Ereignisse hinein, die er selbst kaum noch kontrollieren kann. Statt auf Borkum einfach nur ein neues Kapitel seines Lebens aufzuschlagen, befindet er sich schließlich mitten in einer Situation, in der andere Menschen ihre ganz eigenen Interessen verfolgen.

    Martin Bothmann erzählt den Fall auffallend ruhig und gibt den beteiligten Personen viel Zeit. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Gerade Sven profitiert davon, denn seine Vergangenheit wird nicht einfach als Aufhänger benutzt, sondern gibt seiner gegenwärtigen Situation zusätzliches Gewicht. Obwohl er gerade aus dem Gefängnis kommt, hatte ich bei ihm sehr schnell das Gefühl, einer Figur zu folgen, der ich ihren Neuanfang wirklich wünsche. Dadurch entsteht für mich früh eine persönliche Verbindung, die wichtiger wird als die Frage, wann endlich der nächste Hinweis oder die nächste Wendung auftaucht. Dass die eigentliche Krimihandlung deshalb eher gemächlich in Gang kommt, empfinde ich überhaupt nicht als Nachteil. Im Gegenteil: Ich hatte diesmal einfach Freude daran, die Figuren kennenzulernen und ihnen durch die Geschichte zu folgen.

    Besonders gefreut hat mich das Wiedersehen mit Swenja Augner aus den „Küsten-Krimis“. Solche Verbindungen zwischen verschiedenen Reihen mag ich, wenn sie nicht wie ein erzwungener Gastauftritt wirken, sondern tatsächlich zur neuen Geschichte passen. Genau das ist hier der Fall. Noch mehr Spaß hatte ich allerdings mit Gerda und Leni. Die beiden entwickeln gemeinsam eine herrliche Dynamik und sorgen für einige der unterhaltsamsten Momente der gesamten Folge. Besonders ihre Beobachtungen vom Fenster aus gehören für mich zu den Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Von diesen beiden würde ich tatsächlich gerne noch mehr hören – eine Geschichte, in der sie stärker in den Mittelpunkt rücken, könnte ich mir nach diesem Auftritt sehr gut vorstellen. Gleichzeitig bleibt es nicht bei den humorvollen Momenten. Der zunächst ruhig entwickelte Fall gewinnt im weiteren Verlauf an Bedeutung und führt zu einem Finale, mit dessen Auflösung ich ausgesprochen zufrieden war. Gerade nach dem längeren Weg dorthin fühlt sich der Abschluss für mich richtig an.

    Leonard Hohm übernimmt als Sven Lasser die zentrale Rolle und schafft es für mich sehr gut, die Figur trotz ihrer Vorgeschichte unmittelbar zugänglich zu machen. Scarlet Lubowski ist erneut als Swenja Augner zu hören und fügt sich ebenso selbstverständlich in diesen Fall ein wie zuvor in die „Küsten-Krimis“. Jan-David Rönfeldt spricht Noah, Robin Brosch Jocke, Manou Lubowski Levi, Vincent Borko Daan, Felix Spieß Aslan Leboc und Marius Clarén Mikail Leboc. Außerdem gehören unter anderem Mathias Renneisen, Alexandra Doerk, Christian Weygand, Achim Schülke, Axel Lutter, Benjamin Stöwe, Katja Keßler, Gordon Piedesack und Till Hagen zur umfangreichen Besetzung. Meine persönlichen Überraschungen sind aber Liane Rudolph als Leni und Elga Schütz als Gerda. Gerade in ihren gemeinsamen Szenen ergänzen sie sich wunderbar und bringen eine Leichtigkeit in die Geschichte, die sehr gut zum Ton der Reihe passt. Insgesamt trägt das Ensemble entscheidend dazu bei, dass der stärker auf Figuren ausgerichtete Aufbau funktioniert.

    Für Regie und Produktion ist Christoph Piasecki verantwortlich, während Tom Steinbrecher Sounddesign, Mastering und Musik übernimmt. Gerade bei einer Geschichte mit vielen Dialogen und einem eher bedächtigen Aufbau ist die akustische Gestaltung wichtig, damit die einzelnen Schauplätze lebendig bleiben. Borkum soll schließlich nicht nur auf dem Cover stattfinden, sondern auch während des Hörens als Umgebung funktionieren. Die Produktion schafft einen passenden Rahmen für die Gespräche und setzt in den spannenderen Passagen entsprechende Akzente. Neben Tom Steinbrecher stammen weitere Musikstücke von Michael Donner, Kevin MacLeod und Konrad Dornfels; Jan-Peter Pflug ist am Akkordeon und Marc A. Nathaniel am Schlagzeug zu hören. Die verschiedenen musikalischen Elemente passen gut zum wechselnden Ton zwischen Krimi, leichteren Momenten und den ernsteren Entwicklungen. Mit ungefähr 75 Minuten besitzt die Folge außerdem genügend Raum für ihre Figuren, ohne dass ich die Laufzeit als unnötig ausgedehnt empfunden hätte.

    Das Cover von Christoph Piasecki setzt den Titel sehr unmittelbar in ein Bild um. Aus großer Höhe blickt man auf Borkum hinunter, wobei neben der Bebauung auch der rot-weiße Leuchtturm deutlich zu erkennen ist. Über der Insel schweben mehrere Fallschirme, einer davon mit einer Person, die sich im Vordergrund auf Borkum zubewegt. Dadurch bekommt man fast selbst den Eindruck, sich während eines Sprungs über der Insel zu befinden. Auffällig ist der große orangefarbene Titel, der beinahe die gesamte obere Hälfte des Motivs einnimmt und sich deutlich von der dunkleren Landschaft absetzt. Gerade diese eher gedämpfte Farbgebung sorgt dafür, dass aus der Luftaufnahme kein gewöhnliches Urlaubsmotiv wird. Das bekannte Leuchtturm-Signet mit der Folgenzahl 44 stellt wiederum sofort die Verbindung zur Reihe her. Für mich ein ungewöhnliches, aber sehr passendes Cover, das Borkum ebenso deutlich in den Mittelpunkt rückt wie das titelgebende Fallschirmmotiv.

    „Fallschirme über Borkum“ hat mir richtig viel Spaß gemacht, wobei es diesmal gar nicht in erster Linie der Kriminalfall selbst ist, der die Folge für mich trägt. Es sind die Menschen. Sven funktioniert hervorragend als Hauptfigur, weil sein Wunsch nach einem neuen Leben dafür sorgt, dass mir sein weiteres Schicksal schnell wichtig wird. Das Wiedersehen mit Swenja Augner ist eine schöne zusätzliche Überraschung und Gerda und Leni sorgen für einige meiner liebsten Szenen. Gerade deshalb stört mich auch das langsamere Erzähltempo überhaupt nicht. Wenn Figuren interessant genug sind, muss ein Krimi für mich nicht permanent mit neuen Enthüllungen arbeiten. Umso schöner ist es, dass die Geschichte zum Schluss auch auf kriminalistischer Ebene einen Abschluss findet, der mich überzeugt. Dazu kommen die gewohnt aufwendige akustische Gestaltung und eine umfangreiche Besetzung. Für mich ist Folge 44 deshalb eine sehr unterhaltsame Ausgabe des „Insel-Krimis“, die zeigt, dass eine Kriminalgeschichte auch dann hervorragend funktionieren kann, wenn sie ihren Charakteren mindestens genauso viel Aufmerksamkeit schenkt wie ihrem eigentlichen Fall.

    Elea Eluanda - 30. Die flammende Feder

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    Als Elea, Ravi und Ezechiel nach Arambolien kommen, erleben sie das fantastische Land auf eine Weise, die so gar nicht zu ihm passen will. Farben und Fröhlichkeit scheinen verschwunden, die Bewohner wirken bedrückt und überall liegt rätselhafter roter Staub. Verantwortlich dafür ist ausgerechnet der wunderschöne Vogel Ash, den eine geheimnisvolle Prinzessin als Geschenk gebracht hat. Wer mit ihm in Berührung kommt, wird mit einer tiefen Traurigkeit konfrontiert und spürt Gefühle und Sehnsüchte, die sonst vielleicht irgendwo verborgen bleiben. Schließlich trifft diese Wirkung auch Elea selbst. Damit wird aus dem zunächst märchenhaften Problem Aramboliens eine sehr persönliche Geschichte, denn Elea muss sich ihrer eigenen Trauer stellen, wenn sie die Gefahr für das Land überwinden will.

    Corinna Gerhards hat für mich nach der bereits sehr gelungenen vorherigen Folge erneut eine richtig schöne Geschichte geschrieben. Das überrascht mich diesmal sogar ein wenig, denn die Folgen, die hauptsächlich in Arambolien spielen, gehören normalerweise nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Hier funktioniert dieser Schauplatz für mich aber ausgesprochen gut, weil die sonst so farbenfrohe Welt regelrecht auf den Kopf gestellt wird. Ausgerechnet Arambolien versinkt in Tristesse. Dadurch wird schon äußerlich sichtbar, was mit seinen Bewohnern geschieht. Besonders gelungen finde ich die Idee hinter Ash. Der Vogel ist nicht einfach ein böser Gegenspieler, den Elea und ihre Freunde irgendwie besiegen müssen. Er wird vielmehr zum Sinnbild für Sehnsucht und verdrängte Gefühle. Wer ihn berührt, entdeckt eine traurige Seite in sich, die im normalen Alltag vielleicht kaum sichtbar wird. Das gibt der Geschichte wesentlich mehr Tiefe, als ich zunächst erwartet hätte.

    Am stärksten ist die Folge für mich deshalb in ihrem letzten Teil, wenn Elea selbst betroffen ist. Hier bekommt die Geschichte plötzlich eine emotionale Bedeutung, die weit über das Abenteuer in Arambolien hinausgeht. Eleas Trauer um ihre verstorbenen Eltern ist schließlich ein wesentlicher Bestandteil ihrer Figur, wird aber nicht in jeder Geschichte so unmittelbar hervorgeholt. Dass Ash genau diese Wunde berührt, empfinde ich als sehr passend. Besonders schön ist für mich auch, wie Ravi in diesen Moment eingebunden wird. Die Annäherung zwischen den beiden und schließlich die Umarmung wirken nicht wie ein aufgesetzter romantischer Moment, sondern entstehen aus Eleas emotionaler Situation heraus. Gerade darin liegt für mich die Stärke der Auflösung. Die Traurigkeit wird nicht einfach weggezaubert und auch nicht als etwas dargestellt, das grundsätzlich verschwinden müsste. Vielmehr darf Elea sie zulassen. Für eine Kinderhörspielserie finde ich das eine sehr schöne Botschaft: Manche Gefühle müssen nicht bekämpft werden. Manchmal muss man sie erst einmal annehmen.

    Bei den Sprechern stehen erneut Giuliana Jakobeit als Elea Mischnik, Tobias Müller als Ravi Rajagopala und Gerrit Schmidt-Foß als Ezechiel im Mittelpunkt. Gerade Giuliana Jakobeit bekommt diesmal einige besonders emotionale Momente und kann Eleas sonst so lebendige Art um eine deutlich verletzlichere Seite erweitern. Tobias Müller funktioniert für mich gerade im Zusammenspiel mit ihr sehr gut, weil Ravi im entscheidenden Moment nicht einfach nur Begleiter bleibt. Gerrit Schmidt-Foß sorgt als Ezechiel wiederum für jene unverwechselbare arambolische Note, die zur Serie einfach dazugehört. Außerdem sind Jaron Kaps als Quirin Bartels, Sandra Jaeger als Tante Lissy Mischnik, Lutz Riedel als Uhu Uhuvitch, Norman Langer als König Mika, Anke Reitzenstein als Königin Elabeth und Martin Bräutigam als Cucinopi dabei. Claudia Urbschat-Mingues übernimmt die Erzählerin. Insgesamt ist das wieder ein sehr stark besetztes Ensemble, bei dem gerade die vertrauten Stimmen dafür sorgen, dass man sofort wieder in dieser Welt angekommen ist.

    Akustisch profitiert „Die flammende Feder“ besonders von dem Gegensatz zwischen dem Arambolien, das man eigentlich kennt, und der diesmal herrschenden Melancholie. Gerade weil diese Welt normalerweise bunt, lebendig und verspielt erscheint, wirkt ihre Veränderung umso stärker. Regisseurin Jill Böttcher und das Team um Tonmeister Dirk Müller, Sounddesigner Paul Kraus und Geräuschemacher Carsten Richter können diesen Stimmungswechsel sehr schön hörbar machen. Dabei bleibt die Produktion jederzeit eine „Elea Eluanda“-Folge und verliert ihren märchenhaften Charakter nicht, auch wenn es diesmal emotional etwas schwerer wird. Die Musik und das Sounddesign unterstützen sowohl die fantastische Umgebung als auch die ruhigeren Szenen, ohne gerade die wichtigen Momente am Ende unnötig zu überladen. Mit 47 Minuten besitzt die Folge zudem genau die richtige Länge. Die Geschichte bekommt genügend Raum für ihre Idee und Eleas persönliche Entwicklung, ohne dass der eigentliche Konflikt künstlich gestreckt werden muss.

    Das Cover von Andreas Besser gefällt mir ebenfalls sehr gut und ist diesmal herrlich farbenprächtig – was angesichts der Handlung beinahe schon ein schöner Gegensatz ist. Elea und Ravi stehen links im Bild und blicken auf den großen feuerroten Vogel, der mit seinen weit ausgebreiteten Flügeln sofort zum Mittelpunkt des Motivs wird. Über ihm schwebt Ezechiel und offenbar geschieht gerade etwas zwischen den beiden, wodurch das Cover einen sehr lebendigen Moment einfängt. Besonders der Vogel ist mit seinen Rot-, Orange- und Violetttönen wunderschön gestaltet und wirkt gleichzeitig ein wenig eigenwillig und geheimnisvoll. Dadurch passt er gut zu seiner Rolle in der Geschichte: Ash ist auffällig und faszinierend, aber eben nicht einfach nur ein niedliches Fantasiewesen. Die warmen Farben und der typische Illustrationsstil sorgen gleichzeitig dafür, dass die Folge sofort als „Elea Eluanda“ erkennbar bleibt. Ein schönes Cover, das neugierig auf den Vogel macht, ohne bereits zu erklären, welche Bedeutung er tatsächlich besitzt.

    „Die flammende Feder – Flammini Fusselum“ ist für mich erneut eine ganz wunderbare Folge. Und das will bei mir durchaus etwas heißen, weil ich ausgerechnet mit den Arambolien-Geschichten nicht immer am meisten anfangen kann. Corinna Gerhards nutzt die fantastische Welt diesmal aber für eine Geschichte, die unter ihrer märchenhaften Oberfläche ein erstaunlich menschliches Thema behandelt. Besonders die Idee, den Vogel zum Auslöser verborgener Sehnsüchte und trauriger Gefühle zu machen, gefällt mir sehr. Noch stärker wird die Folge, sobald Elea selbst davon betroffen ist. Ihre Trauer um ihre Eltern bekommt Raum, ohne dass daraus eine übermäßig schwere Geschichte entsteht, und die Nähe zwischen ihr und Ravi entwickelt sich daraus auf eine wunderschöne und natürliche Weise. Gerade die Umarmung am Ende hat mich wirklich berührt. Für mich liegt darin auch die eigentliche Botschaft dieser Folge: Traurigkeit gehört zum Leben und manchmal führt der Weg aus ihr nicht darüber, sie zu verdrängen, sondern sie zuzulassen und jemanden an seiner Seite zu haben. Nach der starken vorherigen Folge zeigt „Elea Eluanda“ damit für mich erneut, wie gut die Serie auch nach 30 Folgen noch funktionieren kann.

    Sherlock Holmes Baker Street - 13. Der Tote aus dem Meer

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    Ein schwerer Sturm vor der Themsemündung wird dem erfahrenen Fischer David Pottle zum Verhängnis. Eigentlich könnte sein Tod als tragischer Unfall gelten, wäre da nicht die Familiengeschichte der Pottles. Bereits Davids Vater kam auf ähnliche Weise ums Leben, und eine Generation zuvor ereilte auch seinen Großvater dasselbe Schicksal. Drei Männer derselben Familie, die das Meer fordert – da liegt der Gedanke an einen Fluch natürlich nahe. Sherlock Holmes und Dr. Watson führt der Fall nach Foulness Island, wo die raue Küstenlandschaft ohnehin wie geschaffen für eine solche Geschichte erscheint. Spätestens als Holmes dort auch noch dem Geist des verstorbenen David Pottle begegnet, steht einmal mehr die Frage im Raum, ob sich hinter den Ereignissen eine vollkommen rationale Erklärung verbirgt oder ob der große Detektiv diesmal tatsächlich mit etwas konfrontiert wird, das sich seiner üblichen Logik entzieht.

    Die Geschichte gefällt mir ausgesprochen gut, weil sie genau mit dieser Unsicherheit spielt. Ein vermeintlicher Familienfluch ist für einen Holmes-Fall natürlich ein klassisches Motiv: Alles deutet auf etwas Übernatürliches hin, während man gleichzeitig darauf wartet, dass Holmes irgendwann die einzelnen Puzzleteile zusammensetzt und eine ganz andere Erklärung präsentiert. Dabei funktioniert der Fall nicht nur wegen seines Rätsels, sondern vor allem wegen des Schauplatzes. Foulness Island und die Themsemündung verleihen der Geschichte eine angenehm raue, beinahe ungemütliche Atmosphäre. Meer, Sturm, Fischer und eine Familie, deren Männer über Generationen hinweg auf ähnliche Weise sterben – das besitzt schon fast etwas von einer alten Schauergeschichte. Schön finde ich außerdem, dass die Folge trotz dieser düsteren Grundstimmung auch Platz für einen augenzwinkernden Moment zu Beginn lässt. Dadurch wirkt die Geschichte nicht verbissen ernst, ohne dass die eigentliche Atmosphäre darunter leidet.

    Mit 79 Minuten nimmt sich „Der Tote aus dem Meer“ ordentlich Zeit für seine Geschichte, fühlt sich für mich aber nicht unnötig gestreckt an. Das liegt vor allem daran, dass der Fall mit vergleichsweise wenigen Figuren auskommt und sich auf sein eigentliches Rätsel konzentriert. Nach und nach wird die Geschichte der Familie Pottle greifbarer, während Holmes und Watson versuchen herauszufinden, was tatsächlich hinter den Todesfällen steckt. Gerade das gefällt mir an solchen Fällen: Man bekommt eine überschaubare Anzahl an Verdächtigen und Informationen und kann selbst versuchen, aus den einzelnen Hinweisen etwas zusammenzusetzen. Gleichzeitig sorgt die vermeintlich übernatürliche Ebene dafür, dass immer ein kleiner Zweifel bleibt. Besonders die Begegnung mit David Pottles Geist verstärkt dieses Spiel natürlich erheblich. Das Skript wirkt dabei sehr sorgfältig aufgebaut und die Dialoge passen wunderbar zu dieser klassischen Holmes-Welt. Trotz der ruhigen Erzählweise bleibt genügend Bewegung im Fall, sodass die knapp 80 Minuten erstaunlich schnell vergehen.

    Torben Liebrecht als Sherlock Holmes und Jonas Minthe als Dr. John H. Watson funktionieren für mich auch diesmal sehr gut als Mittelpunkt der Geschichte. Gerade bei einer Reihe, die stark von Gesprächen, Beobachtungen und Schlussfolgerungen lebt, muss die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren stimmen, und genau das ist hier der Fall. Margot Rothweiler als Agnes Pottle, Johannes Semm als Leonhard Salter, Achim Schülke als Dr. Archibald Crane, David Berton als David Pottle, Michael Bideller als Eddie Pace und Manfred Liptow als Thomas Ridley ergänzen die Besetzung. Alexander Rieß, Sebastian Breidbach und Dennis Ehrhardt sind zudem als Reporter zu hören. Die vergleichsweise kleine Figurenriege empfinde ich als Vorteil, weil jeder Charakter genügend Raum bekommt und niemand nur deshalb auftaucht, um den Fall künstlich größer erscheinen zu lassen. Insgesamt wirkt die Besetzung sehr geschlossen und gerade die ruhigeren Dialogszenen zeigen, dass eine Holmes-Geschichte keine permanenten dramatischen Ausbrüche benötigt, wenn die Stimmen und Gespräche tragen.

    Akustisch gehört die Folge für mich zu den besonders atmosphärischen Vertretern der Reihe. Schon die Umgebung an der Themsemündung bietet dafür hervorragende Voraussetzungen. Wind, Wasser, Sturm und die Abgeschiedenheit von Foulness Island erzeugen eine Stimmung, die weit mehr ist als bloße Hintergrundkulisse. Man bekommt tatsächlich das Gefühl eines Ortes, an dem das Meer den Alltag der Menschen bestimmt und jederzeit zur Gefahr werden kann. Gerade bei einer Geschichte über mehrere Männer einer Fischerfamilie, die dort ihr Leben verloren haben, ist das enorm wichtig. Die Geräusche werden dabei nicht wahllos eingesetzt, sondern geben den einzelnen Szenen Raum und Tiefe. Auch die Musik fügt sich sehr schön ein und unterstützt den eher ruhigen, geheimnisvollen Charakter der Handlung. Mir gefällt besonders, dass nicht versucht wird, aus jeder vermeintlich unheimlichen Situation einen großen Horrormoment zu machen. Die Atmosphäre entsteht wesentlich stärker aus dem Schauplatz selbst, und genau das passt hervorragend zu diesem Fall.

    Das Cover geht einen etwas anderen Weg als eine klassische Darstellung von Holmes und Watson und gefällt mir gerade deshalb gut. Vor einem tiefblauen, beinahe nächtlichen Hintergrund steht die schwarze Silhouette eines Mannes im Wasser. Über beziehungsweise hinter ihm zeichnet sich eine goldgelbe, geisterhafte Gestalt ab, die mit ihren ausgebreiteten Formen fast wie ein Wesen aus dem Meer wirkt. Das Motiv bleibt dabei angenehm rätselhaft. Man kann darin den Toten aus dem Titel sehen, eine übernatürliche Erscheinung oder einfach eine bildliche Umsetzung jener Bedrohung, die über der Geschichte der Pottles liegt. Die dunklen Blau- und Türkistöne passen hervorragend zum maritimen Schauplatz, während die goldene Erscheinung einen starken Kontrast bildet. Zusammen mit dem sehr reduzierten weißen Serienlayout wirkt das Cover modern und trotzdem passend zu einer klassischen Sherlock-Holmes-Geschichte. Vor allem verrät es nicht, was hinter den Ereignissen tatsächlich steckt – und das ist bei einem Kriminalfall natürlich genau richtig.

    „Der Tote aus dem Meer“ ist für mich eine richtig starke Folge von „Sherlock Holmes Baker Street“. Der Fall braucht weder eine riesige Anzahl an Verdächtigen noch spektakuläre Wendungen im Minutentakt. Stattdessen bekommt man ein schön konstruiertes Rätsel, einen hervorragenden Schauplatz und genau jene Mischung aus vermeintlichem Übernatürlichen und kriminalistischer Spurensuche, die bei Sherlock Holmes immer wieder funktioniert. Besonders die Vorstellung eines Fluchs, der über mehrere Generationen hinweg die Männer derselben Familie ins Meer holt, gibt der Geschichte einen wunderbar klassischen Gruselanstrich. Dazu kommen Torben Liebrecht und Jonas Minthe als starkes Holmes-Watson-Gespann, ein überzeugendes übriges Ensemble und eine akustische Umsetzung, bei der man Wind und Meer beinahe selbst zu spüren meint. Trotz der 79 Minuten bleibt die Geschichte kurzweilig und angenehm konzentriert. Für mich zeigt die Folge sehr schön, dass es im riesigen Sherlock-Holmes-Kosmos auch heute noch möglich ist, neue Fälle zu erzählen, die sich vertraut anfühlen, ohne deshalb wie eine bloße Wiederholung zu wirken. Ein atmosphärischer, angenehm geheimnisvoller Fall, bei dem insbesondere Foulness Island und das Meer fast schon zu eigenen Figuren werden.

    Midnight Tales - 121. Team Geist

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    Eden Anderson ist kein gewöhnliches Mädchen. Sie lebt weitgehend allein in einem großen herrschaftlichen Haus und muss nach außen den Eindruck aufrechterhalten, dass dort alles vollkommen normal ist. Das ist allerdings schwierig, denn ihre Gesellschaft besteht hauptsächlich aus Geistern. Selbst ihr Vater Ethan ist längst tot, was möglichst niemand erfahren soll. Eden hat sich mit diesem ungewöhnlichen Alltag arrangiert und versucht, das Geheimnis ihres Zuhauses zu schützen. Doch dann meldet sich die Vergangenheit zurück und bringt das merkwürdige Gleichgewicht im Haus durcheinander. Aus dieser Ausgangslage entwickelt Julie Hoverson keine klassische Schauergeschichte, sondern eine deutlich humorvollere Variante des Geisterhörspiels, bei der das Zusammenleben zwischen Lebenden und Toten mindestens ebenso wichtig ist wie die eigentliche Bedrohung.

    Die Idee gefällt mir grundsätzlich richtig gut. Ein Teenager, der in einem von Geistern bevölkerten Anwesen lebt und gleichzeitig verhindern muss, dass Außenstehende etwas davon bemerken, bietet schließlich reichlich Möglichkeiten. Besonders schön finde ich, dass die Geister nicht einfach nur als unheimliche Erscheinungen eingesetzt werden. Sie gehören zu Edens Leben und bilden auf ihre ganz eigene Weise eine Art Ersatzfamilie. Dadurch bekommt auch der Titel „Team Geist“ eine hübsche doppelte Bedeutung. Gleichzeitig ist der Humor für mich allerdings der Punkt, an dem die Folge nicht immer gleichermaßen funktioniert. Einige Dialoge sind bewusst überzeichnet und manche Figuren bewegen sich ziemlich deutlich in Richtung Karikatur. An einigen Stellen passt das wunderbar zum leicht schrägen Grundton, an anderen hätte ich mir etwas weniger Übertreibung gewünscht. Gerade weil hinter Edens Situation eigentlich auch etwas ausgesprochen Melancholisches steckt, hätte dieser Gegensatz zwischen komischen Geistermomenten und dem Verlust ihres Vaters für mich ruhig noch stärker ausgespielt werden dürfen.

    Trotzdem entwickelt die Geschichte einen ganz eigenen Charme. Mir gefällt besonders, dass die Geister hier nicht automatisch die Gegenseite darstellen. Die eigentliche Spannung entsteht vielmehr daraus, dass Eden ihre ungewöhnliche Lebenssituation bewahren muss und die Vergangenheit schließlich genau dieses Gefüge bedroht. Dadurch unterscheidet sich „Team Geist“ angenehm von vielen anderen Folgen der Reihe, in denen relativ schnell klar ist, wo das Böse lauert. Hier kann man sich zunächst sogar erstaunlich wohl in diesem sonderbaren Geisterhaushalt fühlen. Die klare Aufteilung mancher Figuren in Gut und Böse fällt dagegen etwas einfacher aus, als ich es mir gewünscht hätte. Gerade bei einer Geschichte mit einer derart originellen Ausgangssituation wäre noch etwas mehr Ambivalenz interessant gewesen. Dennoch bleibt die Folge kurzweilig und schafft es, Humor, Mystery und einige ernstere Untertöne miteinander zu verbinden. Sie ist sicherlich keine der finstersten „Midnight Tales“, aber gerade dadurch einmal etwas anderes.

    Bei den Sprechern steht Ilka Körting als Eden Anderson natürlich im Mittelpunkt. Florian Clyde ist als Henry Torrence zu hören, Luisa Wietzorek als Callandra O'Doul, Markus Raab als Frederick Ferryman, Tatjana Auster als Ms. Sherman, Christoph Piasecki als Ethan Anderson und Marco Rosenberg als Garth Sherman. Hinzu kommen Susanna Clasen als Henrys Mutter und Lena Liebkind als Nachrichtensprecherin. Peter Flechtner übernimmt den Host, Christian Büscher die Credits. Insgesamt funktioniert das Ensemble für mich gut, wobei nicht jede Darbietung gleichermaßen natürlich wirkt. Bei einzelnen Nebenfiguren ist mir die bewusst überzeichnete Spielweise etwas zu deutlich, was allerdings auch mit den teilweise sehr pointiert geschriebenen Dialogen zusammenhängt. Gerade deshalb fällt es schwer, Schauspiel und Figurenzeichnung vollkommen voneinander zu trennen. Die zentralen Rollen tragen die Geschichte aber zuverlässig, und insbesondere Eden muss glaubhaft zwischen einem erstaunlich selbstverständlichen Umgang mit den Geistern und den ernsteren Seiten ihrer Situation wechseln.

    Akustisch ist „Team Geist“ dagegen wieder eine dieser Produktionen, bei denen Contendo Media sehr genau weiß, was es tut. Das große Haus eignet sich hervorragend für ein Geisterhörspiel, weil sich allein über Räume, Entfernungen, Bewegungen und Stimmen sehr viel Atmosphäre erzeugen lässt. Die Geister müssen nicht ständig mit offensichtlichen Effekten angekündigt werden, sondern können sich ganz selbstverständlich innerhalb der Klangkulisse bewegen. Gerade das passt zur Geschichte, weil ihre Anwesenheit für Eden eben keine permanente Horrorsituation darstellt. Der Endmix wirkt sehr räumlich und lebendig und sorgt dafür, dass das Anwesen als tatsächlicher Schauplatz funktioniert. Auch die Musik gefällt mir. Sie bleibt abwechslungsreich und unterstützt sowohl die leichteren als auch die geheimnisvolleren Momente, ohne dass die Folge akustisch auseinanderfällt. Gerade weil die Handlung zwischen Humor, Geistergeschichte und ernsteren Passagen wechselt, ist diese Geschlossenheit wichtig.

    Das Cover finde ich interessant, weil es auf den ersten Blick deutlich ernster wirkt als ein großer Teil der Geschichte. Im Zentrum steht die schwarze Silhouette eines Mädchens, hinter dem zwei wesentlich größere, türkisfarben leuchtende Gestalten auftauchen. Durch ihre Kleidung wirken sie beinahe wie Erscheinungen aus einer anderen Zeit, während Eden vollkommen dunkel und dadurch erstaunlicherweise fast fremdartiger als die beiden Geister dargestellt wird. Das starke Licht aus dem Hintergrund lässt alle drei Figuren wie Schatten beziehungsweise Erinnerungen erscheinen. Mir gefällt auch die etwas abgenutzte, beinahe vergilbte Oberflächenstruktur des gesamten Motivs. Dadurch bekommt das Bild etwas von einer alten Fotografie oder einer Erinnerung, die langsam verblasst. Die warme braun-orange linke Bildhälfte und das kalte Türkis der Geister bilden einen schönen Gegensatz. Gleichzeitig verrät das Motiv kaum etwas über den humorvolleren Ton der Geschichte. Wer nur das Cover betrachtet, könnte vermutlich eine wesentlich düsterere Geistergeschichte erwarten. Als Bild für Edens ungewöhnliches Zusammenleben mit den Toten funktioniert es für mich trotzdem sehr gut.

    „Team Geist“ ist für mich eine ungewöhnliche „Midnight Tales“-Folge, die vor allem von ihrer schönen Grundidee lebt. Ein Mädchen, das gemeinsam mit Geistern in einem großen Haus lebt und dabei auch noch verbergen muss, dass ihr eigener Vater nicht mehr unter den Lebenden weilt, hätte problemlos Ausgangspunkt für eine vollkommen düstere Geschichte sein können. Julie Hoverson entscheidet sich stattdessen für einen deutlich leichteren und teilweise ziemlich schrägen Ton. Das funktioniert nicht in jedem Moment gleich gut. Manche Dialoge und Figuren sind mir etwas zu stark auf Komik getrimmt und auch die klare Gut-und-Böse-Zeichnung hätte ruhig ein wenig mehr Zwischentöne vertragen können. Dafür besitzt die Folge Charme, eine sympathisch ungewöhnliche Ausgangssituation und eine richtig starke akustische Umsetzung. Gerade die Mischung aus Geistergeschichte und beinahe familiärem Zusammenleben mit den Toten hebt sie von vielen anderen Episoden ab. Keine Folge, bei der man nachts unbedingt das Licht anlässt, aber eine unterhaltsame und angenehm andere Variation des Geisterthemas. Und vielleicht ist der Titel am Ende tatsächlich die treffendste Zusammenfassung: Wenn die eigene Familie hauptsächlich aus Verstorbenen besteht, bekommt „Team Geist“ schließlich eine ganz neue Bedeutung.

    Das freut mich jetzt wirklich sehr. Vor allem, wenn meine Rezensionen dazu führen, dass gleich mehrere von euch die vier Folgen nach so langer Zeit wieder hervorkramen und noch einmal hören möchten, hat sich das Schreiben doch schon gelohnt.

    Und ich finde, Camelion trifft da einen interessanten Punkt. „Chronologie der letzten Tage“ ist wirklich ein ungewöhnlicher Vierteiler, den man mit etwas Abstand und vielleicht auch in unterschiedlichen Lebensphasen durchaus anders wahrnehmen kann. Gerade das macht für mich auch einen Teil seiner Stärke aus. Die Geschichte liefert eben nicht nur Mystery und Spannung, sondern beschäftigt einen darüber hinaus noch mit ganz anderen Dingen.

    Jetzt bin ich natürlich gespannt, wie die Serie bei euch nach all den Jahren funktioniert und ob ihr manches heute vielleicht tatsächlich anders wahrnehmt als damals.

    Ich mache das ja sonst nicht, aber ich habe noch einen kleinen, bescheidenen Artikel zur Serie insgesamt verfasst. Da ich nie weiß, ob das hier überhaupt jemand lesen mag, teile ich einfach mal den Link.

    https://www.h%c3%b6rspieltalk.de/forum/thread/3…9724#post529724

    Hörgespinste: Chronologie der letzten Tage - 4. Im Karakorum

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    Andrea hat ihr Kind zur Welt gebracht, doch an ein normales Leben ist nicht zu denken. Seit Jahrhunderten wirken Kräfte auf die Ereignisse ein, deren Interessen nun endgültig aufeinanderprallen. Santori und Clodomir verfolgen weiterhin ihre jeweiligen Ziele, Max ist längst selbst in das Geschehen hineingezogen worden und schließlich führt alles in das Karakorum. In dieser abgelegenen Gebirgswelt soll sich entscheiden, welche Bedeutung Andreas Kind tatsächlich bekommen wird und welche Seite am Ende die Oberhand behält. Nach drei Folgen voller Andeutungen, historischer Verbindungen und schwer einzuordnender Ereignisse steht damit endlich das Finale einer Geschichte an, die ihren Hörern von Anfang an einiges abverlangt hat.

    Was mir an diesem Abschluss gefällt, ist vor allem, dass die vorherigen Folgen rückblickend deutlich stärker zusammenwachsen. Personen und Ereignisse, die zunächst beinahe unabhängig voneinander wirkten, lassen sich inzwischen wesentlich besser in ein gemeinsames Bild einordnen. Gerade Max' Erlebnisse aus „Im Hochmoor“ erscheinen dadurch in einem anderen Licht. Auch der jahrhundertealte Konflikt zwischen Santori und Clodomir bekommt nun seine endgültige Bedeutung. Besonders interessant finde ich dabei, dass Andreas Kind zum Mittelpunkt einer Auseinandersetzung gemacht wird, die lange vor seiner Geburt begonnen hat. Dadurch bekommt der Kampf eine unangenehme Seite: Die Beteiligten sprechen über dieses Kind vor allem im Hinblick darauf, welche Funktion es für ihre eigenen Ziele erfüllen könnte.

    Trotzdem macht es einem „Im Karakorum“ auch auf den letzten Metern nicht leicht. Wer erwartet, dass nun jede offene Frage einzeln beantwortet und jeder frühere Hinweis noch einmal erklärt wird, dürfte enttäuscht werden. Die große Linie wird für mich nachvollziehbar, aber einige Details bleiben bewusst offen oder müssen selbst zusammengesetzt werden. Normalerweise würde mich das bei einem Finale stärker stören. Hier passt es allerdings zu einer Reihe, die von Beginn an davon gelebt hat, dass Realität, Erinnerung, Vergangenheit und Übernatürliches nicht sauber voneinander getrennt werden. Ganz ohne Kritik komme ich dennoch nicht aus: An einigen Stellen hätte ein wenig mehr Klarheit tatsächlich gutgetan. Nicht jedes Fragezeichen muss bis zum Ende erhalten bleiben, nur weil die Geschichte grundsätzlich geheimnisvoll erzählt wird. Insgesamt funktioniert der Abschluss für mich aber, weil ich nach vier Folgen das Gefühl habe, einer durchgehenden Geschichte gefolgt zu sein und nicht bloß einer Sammlung willkürlicher Rätsel.

    Bei den Sprechern bleibt der Eindruck erhalten, den ich bereits bei den vorherigen Teilen hatte. Björn Bergmann, Meike Sieveking, Werner Birk, Katja Behnke, Volkmar Eckard, Marco Vögeding, Marianne Reiß, Andreas Bötel, Annette Lindemann, Christian Schulte, Bernhard Selker und Marco Göllner bilden ein großes Ensemble. Die Unterschiede zwischen einzelnen Leistungen sind weiterhin hörbar, doch nach vier Folgen gehören die Stimmen inzwischen fest zu dieser Welt. Besonders Marco Göllner empfinde ich erneut als wichtigen Bestandteil der Produktion. Seine Stimme gibt der teilweise komplizierten Handlung eine gewisse Orientierung. Insgesamt bleibt der Independent-Charakter unverkennbar, stört mich im Finale aber kaum noch, weil er für mich mittlerweile fast zur besonderen Identität dieser Tetralogie gehört.

    Akustisch enttäuscht auch der vierte Teil nicht. Das Karakorum wird über Wind, Weite, Kälte und die Abgeschiedenheit der Landschaft sehr wirkungsvoll vermittelt. Man bekommt tatsächlich das Gefühl, dass die Figuren an einem Ort angekommen sind, an dem der Mensch kaum noch eine Rolle spielt. Noch wichtiger finde ich erneut die Art, wie das Sounddesign mit den verschiedenen Ebenen der Geschichte umgeht. Geräusche und Musik dienen nicht nur der Illustration, sondern verändern immer wieder die Wahrnehmung einer Szene. Dadurch bleibt dieses leicht entrückte, manchmal fast traumartige Gefühl erhalten, das bereits die vorherigen Folgen geprägt hat. Für mich ist die technische Umsetzung damit auch im Finale eine der größten Stärken der gesamten Reihe.

    Das Cover bringt den neuen Schauplatz ausgesprochen stimmungsvoll auf den Punkt. Zwischen gewaltigen dunklen Bergen befindet sich ein abgelegenes, asiatisch wirkendes Gebäude, das sich beinahe an den Felsen klammert. Regen, Kälte und der große fahle Mond erzeugen sofort eine unwirtliche Atmosphäre. Besonders schön finde ich die wenigen warm erleuchteten Fenster, weil sie sich stark von den kalten Blau- und Grautönen der Landschaft abheben und gleichzeitig neugierig darauf machen, was sich dort oben befindet. Der bekannte makabre Rahmen mit Schädeln, Spinnen und weiteren düsteren Details verbindet das Motiv klar mit den vorherigen Folgen. Auch der große rote Titel „IM KARAKORUM“ bleibt dem etablierten Erscheinungsbild treu. Für mich ist das ein sehr passender Abschluss der vier Cover.

    „Im Karakorum“ bringt eine der ungewöhnlichsten Hörspielgeschichten, die ich in letzter Zeit gehört habe, zu einem für mich insgesamt gelungenen Ende. Die „Chronologie der letzten Tage“ war nie bequem und wollte es offensichtlich auch nicht sein. Gerade „Spur des Weihrauchs“ hat mich zeitweise ordentlich gefordert, bevor „Ein Grab im Eis“ endlich mehr Ordnung in die vielen Zusammenhänge brachte. Das Finale setzt diesen Weg konsequent fort. Nicht jedes Rätsel bekommt die eindeutige Antwort, die ich mir vielleicht gewünscht hätte, aber die entscheidenden Linien ergeben für mich ein stimmiges Gesamtbild. Vor allem bleibt diese Tetralogie nach dem Hören im Kopf, weil sie sich akustisch, erzählerisch und atmosphärisch deutlich von gewöhnlicher Gruselkost unterscheidet. Man muss bereit sein, aufmerksam zuzuhören und auch einmal mit einer offenen Deutung zu leben. Wer das mitbringt, bekommt mit diesen vier Folgen eine ausgesprochen eigenwillige Mysterygeschichte, die definitiv ihren eigenen Weg geht.

    Hörgespinste: Chronologie der letzten Tage - 3. Ein Grab im Eis

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    Andrea ist schwanger und gerät damit endgültig in den Mittelpunkt eines Konflikts, der offenbar schon seit Jahrhunderten geführt wird. Ihr ungeborenes Kind besitzt eine Bedeutung, die weit über ihr eigenes Schicksal hinausgeht. Um sie und das Baby vor Santori zu schützen, sehen Clodomir und Jelena nur noch einen radikalen Ausweg: Andrea muss verschwinden. Sie wird in einen Sarg gelegt und dem Eis übergeben, während parallel dazu ihre vermeintlich normale Realität weiterläuft. Im Krankenhaus warten ihre Eltern, Santori verfolgt seine eigenen Ziele und auch Max wird erneut wichtig. Damit bewegen sich die Ereignisse zunehmend auf zwei Ebenen, deren Verhältnis zueinander weiterhin nicht vollkommen eindeutig ist.

    Der große Unterschied zu den ersten beiden Folgen besteht für mich darin, dass „Ein Grab im Eis“ endlich beginnt, die bisherigen Rätsel greifbarer zu machen. Santori wird als ehemaliger Großinquisitor unter Papst Pius V. eingeordnet, während sich hinter Clodomir Giordano Bruno verbirgt. Dadurch bekommt die historische Ebene plötzlich wesentlich mehr Gewicht. Die Auseinandersetzung ist nicht bloß irgendein übernatürlicher Konflikt, sondern wird mit realen historischen Figuren und Ereignissen verbunden. Das gefällt mir ausgesprochen gut, weil rückblickend einige der zuvor eher losgelöst wirkenden Informationen endlich einen Platz bekommen. Auch Andreas Rolle wird klarer: Sie ist nicht zufällig in diese Ereignisse geraten, sondern ihr Kind besitzt für beide Seiten eine enorme Bedeutung.

    Besonders stark finde ich weiterhin das Spiel mit den verschiedenen Wirklichkeitsebenen. Andrea befindet sich einerseits in einer Welt aus Eis, Sarg und dem geheimnisvollen Alten, andererseits existieren Krankenhaus, Eltern, Max und Santori weiter. Ob diese Ebenen parallel existieren, symbolisch gemeint sind oder auf andere Weise miteinander verbunden sind, bleibt offen. Diesmal empfinde ich das aber nicht mehr als bloße Verwirrung. Die Geschichte hat mir inzwischen genügend Orientierung gegeben, damit ich die offenen Fragen als Teil des Konzepts akzeptieren kann. Auch Max' erneute Bedeutung gefällt mir, weil dadurch deutlich wird, dass Figuren nicht einfach verschwinden, sondern später wieder in das größere Geflecht zurückkehren. Mit dem Tagebuch Aleister Crowleys kommt zusätzlich ein weiterer Baustein hinzu, der offensichtlich noch nicht vollständig ausgespielt ist.

    Bei den Sprechern bleibt der Eindruck ähnlich wie zuvor. Meike Sieveking als Andrea bekommt diesmal deutlich mehr zu tragen und muss zwischen sehr unterschiedlichen Zuständen wechseln. Gerade diese unsichere und entrückte Seite der Figur funktioniert für mich gut. Werner Birk verleiht Clodomir mehr Gewicht, was wichtig ist, weil die Figur nun viel konkreter in das Gesamtbild eingebunden wird. Katja Behnke als Jelena und Björn Bergmann als Max fügen sich ebenfalls überzeugend ein. Marco Göllner bleibt für mich weiterhin eine wichtige Konstante, weil seine Erzählerpassagen der komplexen Handlung Struktur geben. Der Independent-Charakter der Produktion ist weiterhin hörbar und nicht jede Stimme erreicht dasselbe Niveau, insgesamt passt das Ensemble aber nach wie vor sehr gut zu dieser eigenwilligen Reihe.

    Akustisch gehört „Ein Grab im Eis“ für mich zu den bislang stärksten Teilen. Die Eiswelt bekommt eine ganz eigene Klangfarbe und wirkt nicht einfach nur kalt, sondern fremd und entrückt. Stimmen, Hall, Musik und Geräusche greifen sehr stark ineinander und sorgen dafür, dass sich diese Ebene deutlich von den übrigen Szenen unterscheidet. Besonders gelungen finde ich die Übergänge zwischen den verschiedenen Realitäten. Häufig erkennt man schon am Klang, dass die Geschichte die Ebene gewechselt hat. Genau hier zeigt sich wieder, wie wichtig das Sounddesign für die gesamte Tetralogie ist. Es begleitet die Handlung nicht bloß, sondern hilft dabei, ihre Struktur überhaupt erfahrbar zu machen. Gerade die surrealeren Passagen gewinnen dadurch enorm.

    Das Cover gefällt mir ebenfalls sehr gut. Der eisige Schauplatz dominiert diesmal deutlich stärker als bei den Vorgängern. Im Zentrum liegt eine kalte, menschenleere Landschaft aus Wasser, Schnee und Eisbergen, über der ein riesiges Paar Augen schwebt. Dadurch entsteht sofort das Gefühl, dass über diesem Ort noch etwas Größeres wacht. Die kräftigen Blau- und Türkistöne unterscheiden Teil 3 klar von den vorherigen Covern, während der bekannte Rahmen mit Schädeln, Spinnen und anderen makabren Details die Tetralogie optisch zusammenhält. Der rote Titel „EIN GRAB IM EIS“ setzt dazu einen starken Kontrast. Für mich ist das bisher vielleicht sogar das stimmigste Cover der Reihe, weil Motiv und Atmosphäre diesmal sehr direkt mit der Geschichte verbunden sind.

    Mit „Ein Grab im Eis“ hat mich die „Chronologie der letzten Tage“ endgültig gepackt. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass aus den vielen Einzelteilen wirklich ein größeres Bild entsteht. Santori und Clodomir werden greifbarer, Andreas Bedeutung wird deutlicher und Max findet zurück in die Handlung. Gleichzeitig bleiben noch genügend Fragen offen, damit die Geschichte weiterhin geheimnisvoll bleibt. Besonders die Verbindung aus historischer Ebene, übernatürlichem Konflikt und den verschiedenen Wirklichkeitsebenen funktioniert für mich diesmal ausgesprochen gut. Auch akustisch legt die Produktion noch einmal zu, vor allem in den Szenen rund um das Eis. Jetzt hängt natürlich sehr viel davon ab, ob „Im Karakorum“ all diese Fäden überzeugend zusammenführen kann. Nach diesem dritten Teil ist meine Erwartung jedenfalls deutlich gestiegen – und ich möchte unbedingt wissen, wie das Ganze endet.

    Hörgespinste: Chronologie der letzten Tage - 2. Spur des Weihrauchs

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    Andrea ist krank und soll sich in der Abgeschiedenheit der Alpen erholen. Doch statt Ruhe zu finden, wird sie von merkwürdigen Träumen heimgesucht. Darin bewegt sie sich durch einen dunklen Gang, stößt auf verhüllte Bilder und schließlich auf einen Grabstein mit einer goldenen Inschrift. Auch Graf Clodomir und Jelena spielen erneut eine Rolle. Gleichzeitig gibt es dieses alte Haus, in dem nachts Licht brennt und das zunehmend in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Was davon lediglich Andreas fiebernder Wahrnehmung entspringt und was tatsächlich geschieht, wird immer schwieriger zu bestimmen. Und wer nach „Im Hochmoor“ bereits auf Antworten gehofft hat, merkt ziemlich schnell: So einfach macht es einem die „Chronologie der letzten Tage“ weiterhin nicht.

    Gerade das gefällt mir momentan noch ausgesprochen gut. „Spur des Weihrauchs“ versucht nicht, die Rätsel des Auftakts nacheinander abzuhaken. Stattdessen verändert sich die Perspektive und mit Andrea bekommt ein weiterer Teil dieser merkwürdigen Geschichte wesentlich mehr Gewicht. Gleichzeitig scheinen Ereignisse, Personen und Orte aus unterschiedlichen Zeiten miteinander verbunden zu sein. Ich hatte mehrfach das Gefühl, unmittelbar vor einem Zusammenhang zu stehen, nur damit die Geschichte im nächsten Moment wieder eine neue Frage aufwirft. Besonders die Szenen um das alte Haus funktionieren für mich hervorragend. Eigentlich braucht es dafür kaum etwas: ein abgelegenes Gebäude, Dunkelheit und ein Licht, das dort möglicherweise überhaupt nicht brennen dürfte. Weil man inzwischen ohnehin kaum noch einer Wahrnehmung trauen kann, entwickelt selbst eine solche einfache Situation eine erstaunliche Spannung.

    Dabei geht Teil 2 für mich noch stärker in eine surreale Richtung als „Im Hochmoor“. Traum, Erinnerung und tatsächliches Geschehen lassen sich zeitweise kaum voneinander trennen. Der dunkle Gang, die Bilder, der Grabstein und die wiederkehrenden Namen wirken weniger wie einzelne Gruselelemente als wie Hinweise auf etwas, dessen Bedeutung erst später verständlich werden soll. Das ist reizvoll, verlangt aber erneut volle Aufmerksamkeit. Nach zwei Folgen sehe ich durchaus die Gefahr, dass aus einem faszinierenden Rätsel irgendwann ein unnötig kompliziertes Konstrukt werden könnte. Noch bin ich allerdings nicht an diesem Punkt. Dafür habe ich inzwischen zu deutlich den Eindruck, dass die vielen Einzelheiten tatsächlich aufeinander zulaufen. Langsam sollte die Reihe nun allerdings beginnen, einige ihrer Geheimnisse preiszugeben. Der dritte Teil wird für mich deshalb entscheidend sein.

    Bei den Sprechern setzt sich der Eindruck des Auftakts fort. Katja Behnke, Marco Göllner, David Lindemann, Meike Sieveking, Björn Bergmann, Werner Birk und Annette Lindemann verleihen der Produktion einen sehr eigenen Klang. Das Niveau ist nicht vollkommen gleichmäßig und an einzelnen Stellen hört man den Independent-Charakter deutlich. Manche Betonung wirkt etwas ungewohnt und nicht jeder Dialog besitzt die Natürlichkeit heutiger größerer Produktionen. Seltsamerweise fällt das innerhalb dieser Geschichte weniger negativ ins Gewicht. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass „Spur des Weihrauchs“ selbst so entrückt wirkt. Marco Göllner bleibt für mich dabei eine wichtige Konstante, während die stärkere Konzentration auf Andrea gleichzeitig dafür sorgt, dass sich der zweite Teil nicht einfach wie eine Wiederholung seines Vorgängers anfühlt.

    Die akustische Gestaltung ist erneut der Bereich, der mich am meisten beeindruckt. Hier wird nicht einfach nur eine Geräuschkulisse unter die Dialoge gelegt. Stimmen, Musik, Geräusche und Übergänge werden teilweise so miteinander verbunden, dass die Unsicherheit der Handlung unmittelbar hörbar wird. Besonders die Traumsequenzen profitieren davon. Manche Klangmomente wirken bewusst unangenehm und erzeugen eine nervöse, fast bedrückende Stimmung. Gleichzeitig weiß die Produktion auch, wann sie sich zurücknehmen muss. Gerade dadurch können einzelne Geräusche in ruhigeren Szenen plötzlich wesentlich stärker wirken. Das alte Haus ist dafür ein gutes Beispiel: Es braucht keinen großen Schockeffekt, weil bereits die Erwartung, dass gleich etwas passieren könnte, genügend Spannung erzeugt. Diese Mischung aus Ruhe und akustischer Irritation gibt der „Chronologie der letzten Tage“ für mich zunehmend eine ganz eigene Identität.

    Das Cover geht diesmal dagegen überhaupt nicht den zurückhaltenden Weg. Eine dunkle Hand scheint direkt aus einem gewaltigen Feuer herauszugreifen und dominiert das gesamte Motiv. Zusammen mit den Totenschädeln, Spinnen, dürren Ästen und den makabren Zeichnungen im Rahmen wirkt das Ganze fast wie eine moderne Variante eines alten Horrorheft-Covers. Die kräftigen Orange-, Rot- und Schwarztöne machen Teil 2 außerdem sofort deutlich aggressiver als „Im Hochmoor“. Sehr markant ist erneut der große rote Titel, während „Chronologie der letzten Tage – Teil 2“ darunter deutlich kleiner gesetzt wurde. Das Motiv erzählt zwar kaum etwas über die verschachtelte eigentliche Handlung, vermittelt dafür aber sehr deutlich Gefahr, Tod und etwas Übernatürliches. Zusammen mit dem identischen Rahmen und dem Logo der „Hörgespinste Tetralogie“ entsteht außerdem ein klarer Wiedererkennungswert. Mir gefällt diese bewusst etwas wilde und makabre Gestaltung ziemlich gut.

    Spur des Weihrauchs“ macht die „Chronologie der letzten Tage“ für mich noch interessanter, gleichzeitig aber auch anspruchsvoller. Einige Zusammenhänge beginnen sich langsam abzuzeichnen, doch für beinahe jede neue Erkenntnis scheint sofort das nächste Rätsel aufzutauchen. Noch funktioniert das für mich, weil die Geschichte eine starke Atmosphäre besitzt und ich inzwischen unbedingt verstehen möchte, welche Verbindung zwischen Andrea, Max, Graf Clodomir, Jelena und den Ereignissen der Vergangenheit besteht. Besonders das Sounddesign hebt die Produktion erneut hervor und macht aus manchen eigentlich einfachen Szenen ausgesprochen wirkungsvolle Momente. Trotzdem ist jetzt ein Punkt erreicht, an dem die Reihe langsam Antworten liefern muss. Zwei Teile lang lasse ich mich gerne durch dieses Labyrinth führen – irgendwann möchte ich aber auch erkennen können, wohin der Weg führt. Genau deshalb bin ich nach „Spur des Weihrauchs“ umso gespannter auf „Ein Grab im Eis“.

    Hörgespinste: Chronologie der letzten Tage - 1. Im Hochmoor

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    Max Kellerau befindet sich auf einer Studienreise nach Freiburg, als seine zunächst vollkommen gewöhnlich erscheinende Reise zunehmend merkwürdige Züge annimmt. Bereits im Zug trifft er auf einen Archäologen, der ihm einiges über die Vergangenheit Freiburgs und der Region erzählt. Noch ließe sich das als zufällige Begegnung verbuchen. Dann erhält Max jedoch einen Anruf von einer unbekannten Frau, deren Botschaft alles verändert: Eigentlich dürfte er überhaupt nicht mehr am Leben sein. Von diesem Moment an wird es immer schwieriger zu beurteilen, was Max tatsächlich erlebt und welche Bedeutung die Ereignisse besitzen. Vergangenheit und Gegenwart scheinen miteinander verbunden zu sein, doch welche Regeln hinter dem Ganzen stecken, verrät „Im Hochmoor“ zunächst nicht.

    Gerade dieses Rätselhafte hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Geschichte versucht gar nicht erst, mich möglichst schnell mit einer eindeutigen Bedrohung zu konfrontieren. Stattdessen entsteht das Unbehagen aus vielen einzelnen Dingen, die nicht zusammenpassen wollen. Begegnungen, Informationen und scheinbar nebensächliche Details lassen immer wieder vermuten, dass hinter allem ein größerer Zusammenhang steckt. Nur bekommt man diesen Zusammenhang noch nicht fertig präsentiert. Besonders die Behauptung, Max müsse eigentlich tot sein, setzt früh einen starken Haken. Von da an habe ich praktisch jede weitere Szene automatisch unter diesem Gesichtspunkt betrachtet und nach einer Erklärung gesucht.

    Allerdings ist „Im Hochmoor“ auch kein Hörspiel, das man entspannt nebenbei laufen lassen sollte. Die Geschichte verlangt Aufmerksamkeit und lässt den Hörer bewusst längere Zeit im Unklaren. Teilweise entsteht dadurch eine fast unwirkliche Stimmung, in der ich selbst nicht mehr sicher war, welche Wahrnehmung ich überhaupt als verlässlich betrachten kann. Genau das besitzt seinen Reiz, kann aber ebenso fordernd sein. Wer von der ersten Folge bereits eine weitgehend abgeschlossene Handlung erwartet, dürfte mit dem Ende wenig anfangen können. Für mich funktioniert dieser Ansatz innerhalb eines Vierteilers jedoch gut. Der Auftakt muss noch nicht sämtliche Antworten liefern, solange seine Fragen interessant genug sind. Und genau das ist hier der Fall. Nach dem Ende wollte ich vor allem eines: verstehen, was hinter all dem steckt.

    Bei den Sprechern hört man durchaus, dass hier keine aktuelle Großproduktion mit einer Besetzung ausschließlich aus bekannten Synchronstimmen vorliegt. Das empfinde ich aber keineswegs grundsätzlich als Nachteil. Gerade der etwas eigenständige Charakter passt erstaunlich gut zu dieser ungewöhnlichen Geschichte. Marco Göllner gefällt mir besonders, weil seine Stimme sehr gut mit der eigentümlichen Stimmung der Produktion harmoniert. Auch Sandra Göllner, Werner Birk, Nirma Schomeier, Meike Sieveking, Annette Lindemann, Björn Bergmann, Katja Behnke, Marcel Göllner und David Lindemann tragen ihren Teil dazu bei. Die Leistungen sind nicht in jeder Rolle vollkommen auf demselben Niveau und gelegentlich ist der Independent-Ursprung deutlich hörbar. Insgesamt hat mich das Ensemble aber wesentlich mehr in die Geschichte hineingezogen, als mich solche Unterschiede gestört haben.

    Akustisch wird „Im Hochmoor“ für mich besonders interessant. Geräusche und Musik erfüllen nicht bloß die Aufgabe, Schauplätze auszumalen, sondern beeinflussen immer wieder ganz gezielt die Wahrnehmung des Geschehens. Übergänge wirken teilweise beinahe fließend, Stimmungen verändern sich und das Hörspiel bekommt dadurch einen ganz eigenen Rhythmus. Besonders gefällt mir, dass die Produktion nicht permanent versucht, offensichtlichen Horror zu erzeugen. Vieles bleibt unterschwellig. Eine Situation kann zunächst vollkommen normal erscheinen und trotzdem entwickelt sich dieses Gefühl, dass etwas daran nicht stimmt. Gerade über Kopfhörer kommen die verschiedenen akustischen Ebenen sehr schön zur Geltung. Für mich ist das Sounddesign deshalb eine der größten Stärken dieser ersten Folge.

    Das Cover ist deutlich unmittelbarer und wesentlich stärker auf klassischen Horror ausgerichtet. Im Mittelpunkt steht das Gesicht einer Frau, das von dunklem Gestrüpp, Ästen und beinahe organisch wirkenden Strukturen umschlossen wird. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde sie regelrecht vom Moor beziehungsweise von der Umgebung verschlungen. Die zahlreichen Totenschädel und makabren Details im Rahmen verstärken diesen Eindruck zusätzlich und machen sofort klar, dass hier Tod und Bedrohung eine zentrale Rolle spielen. Besonders auffällig ist der große rote Titel „IM HOCHMOOR“, der sich sehr deutlich vom ansonsten dunklen Motiv abhebt. Insgesamt wirkt das Cover wesentlich aggressiver und gruseliger als die Geschichte selbst, aber gerade dadurch besitzt es einen starken Wiedererkennungswert. Für mich ein markantes Motiv, das die morbide Seite der „Chronologie der letzten Tage“ sehr wirkungsvoll einfängt.

    „Im Hochmoor“ ist für mich ein überraschend starker und vor allem ungewöhnlicher Einstieg in die „Chronologie der letzten Tage“. Die Folge lebt weniger von klassischen Gruselmomenten als von Verunsicherung, offenen Fragen und dem zunehmenden Gefühl, dass mit Max' Realität etwas grundsätzlich nicht stimmen kann. Man muss sich darauf einlassen, dass nach dieser ersten Episode noch vieles vollkommen offen bleibt. Genau darin liegt aber auch der Reiz. Besonders die akustische Gestaltung hebt die Produktion für mich hervor und sorgt dafür, dass die teilweise surreal wirkende Geschichte eine ganz eigene Atmosphäre entwickelt. Nicht alles erschließt sich sofort und genau deshalb bin ich nach dem Ende neugierig geblieben. Jetzt muss der Vierteiler natürlich noch zeigen, ob hinter seinen vielen Rätseln tatsächlich ein überzeugendes Gesamtbild steckt. Nach „Im Hochmoor“ möchte ich diese Antworten jedenfalls unbedingt bekommen.

    Ghostly Tales & Creepy Stories - 14. Das Panopticon

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    Helgoland im Jahr 1937. Auf der Insel existiert eine streng abgeschirmte Haftanstalt, deren Insassen alles andere als gewöhnlich sind. Hier werden Wesen gefangen gehalten, deren Existenz eigentlich niemand kennen sollte. Vampire und Werwölfe gehören ebenso dazu wie Mumien und zahlreiche andere Kreaturen. Einst entstand die Anlage als gemeinsames britisch-deutsches Projekt, inzwischen befindet sie sich vollständig unter der Kontrolle des Deutschen Reiches. Als Professor Locklear dorthin verschleppt wird, soll eine kleine britische Einheit ihn befreien. Die Mission führt die Soldaten direkt in das geheimnisvolle Panopticon – und schnell wird deutlich, dass ihre Ankunft keineswegs unbemerkt geblieben ist.

    Die Ausgangsidee finde ich zunächst sogar ziemlich reizvoll. Ein geheimes Gefängnis für übernatürliche Wesen auf Helgoland bietet eigentlich jede Menge Möglichkeiten für eine finstere Geschichte. Mein Problem beginnt dort, wo aus dieser einfachen Idee immer mehr gemacht wird. Die Folge präsentiert eine solche Vielzahl unterschiedlicher Kreaturen, Figuren und fantastischer Elemente, dass sich bei mir irgendwann ein Gefühl der Übersättigung eingestellt hat. Anstatt mich auf einzelne Bedrohungen einzulassen, wartete ich irgendwann nur noch darauf, welches Wesen als Nächstes auftauchen würde. Dadurch verliert das eigentlich ungewöhnliche Szenario für mich zunehmend seinen Reiz.

    Hinzu kommt, dass mir die Geschichte insgesamt zu wenig unheimlich geraten ist. Gerade aus einem solchen Ort hätte man enorm viel herausholen können: die Isolation der Insel, das Jahr 1937, ein streng bewachtes Gefängnis und hinter seinen verschlossenen Türen Dinge, die dort aus gutem Grund eingesperrt wurden. Alle Voraussetzungen für eine bedrückende Atmosphäre sind vorhanden. Stattdessen entwickelt sich die Handlung für meinen Geschmack viel stärker in Richtung eines fantastischen Abenteuers. Dazu kommen die Rettungsmission, verschiedene Fähigkeiten einzelner Figuren und mehrere Parteien mit unterschiedlichen Interessen. Das sorgt zwar ständig für Bewegung, aber Spannung und Grusel bleiben für mich erstaunlich überschaubar. Die Geschichte ist nicht langweilig, nur leider überhaupt nicht das, was ich mir von dieser Ausgangslage erhofft hatte.

    Bei den Sprechern sieht es wesentlich besser aus. Dietmar Wunder, Wolfgang Wagner, Lea Kalbhenn, Tobias Lelle und Wolfgang Condrus gehören zu einer Besetzung, an der ich kaum etwas auszusetzen habe. Die Rollen werden ernst genommen und überzeugend gespielt, was bei einer Geschichte mit derart fantastischen Figuren besonders wichtig ist. Dietmar Wunder trägt als Erzähler zusätzlich einiges dazu bei, dem Geschehen eine gewisse Schwere zu verleihen. Seine markante Stimme passt hervorragend zu diesem Stoff und sorgt immer wieder für jene düstere Grundstimmung, die mir innerhalb der Handlung selbst etwas zu kurz kommt. Sprechertechnisch befindet sich die Folge damit für mich auf dem gewohnt hohen Niveau der Reihe.

    Auch die technische Umsetzung kann sich hören lassen. Das Panopticon bekommt durch Geräusche, Musik und räumliche Akustik eine eigene Klangwelt, und gerade innerhalb des Gefängnisses entsteht ein schönes Gefühl von Größe und Abgeschlossenheit. Die zahlreichen Kreaturen werden akustisch wirkungsvoll eingebunden, ohne dass die Produktion billig oder unfreiwillig komisch klingt. Gerade deshalb finde ich es schade, dass das Skript nicht stärker auf eine wirklich bedrohliche Atmosphäre setzt. Die technische Seite hätte dafür alle Voraussetzungen geboten. So entsteht ein professionell produziertes Hörspiel, dessen Klanggestaltung mir letztlich besser gefällt als die Geschichte, die damit erzählt wird.

    Das Cover gefällt mir ebenfalls besser als die Folge selbst. Der Blick durch die schweren Gitter in den steinernen Zellentrakt vermittelt sofort, dass hier etwas Gefährliches weggesperrt wurde. Besonders die große angekettete Kreatur im Zentrum funktioniert als Blickfang, während weitere Gestalten im Hintergrund und hinter den Gittern zu erkennen sind. Die Fackeln und das kalte Mauerwerk geben dem Motiv eine angenehm düstere Wirkung. Gleichzeitig bleibt durch den pinkfarbenen Rahmen und die auffällige Typografie die bekannte Gestaltung der Reihe erhalten. Für mich vermittelt das Bild sogar eine stärkere Horrorwirkung als die Geschichte selbst.

    Das Panopticon“ für mich leider eine Enttäuschung innerhalb von „Ghostly Tales and Creepy Stories“. Nicht weil die Grundidee schlecht wäre – im Gegenteil, gerade deshalb finde ich es besonders schade. Aus dem geheimen Gefängnis auf Helgoland hätte eine richtig beklemmende Monstergeschichte entstehen können. Stattdessen werden so viele fantastische Elemente miteinander kombiniert, dass mir ein klarer Schwerpunkt fehlt. Ich hätte lieber weniger unterschiedliche Kreaturen erlebt und dafür mehr Zeit mit einzelnen Bedrohungen verbracht. Vor allem hätte ich mir wesentlich mehr Grusel gewünscht. Sprecher, Musik und technische Umsetzung liefern erneut eine starke Leistung, doch diesmal reicht das für mich nicht aus, um eine Geschichte aufzufangen, die mich einfach nicht richtig erreicht hat. Hoffentlich trifft die nächste Folge wieder stärker meinen Geschmack.