Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Es gibt 715 Antworten in diesem Thema, welches 92.827 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (9. Dezember 2013 um 09:59) ist von skfreak.

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    DVD von Code Red © by Code Red


    The People Who Own The Dark (Spanien 1976, Originaltitel: Último deseo)

    Die letzte Orgie?

    Ab und zu trifft sich eine kleine Gruppe angesehener Mitglieder unserer Gesellschaft auf einem abgelegenen Landsitz. Angesehene Diplomaten, seriöse Geschäftsleute und elitäre Wissenschaftler vergnügen sich mit attraktiven Damen, in einem würdevollen Kellergewölbe huldigt man dem Erbe des Marquis de Sade. Kaum hat Hausherrin Lily (Maria Perschy) ihre keine Begrüßungsrede vom Stapel gelassen und der Abend begonnen Fahrt aufzunehmen, wird das gesamte Anwesen wie von einem mächtigen Erdbeben durchgerüttelt. Professor Fulton (Alberto de Mendoza) erkennt die Ernsthaftigkeit der Lage, irgendwo in der Ferne muss es zu einer gewaltigen Explosion gekommen sein, der befürchtete Atomkrieg ist ausgebrochen! Zunächst haben die Freunde der Gelüste keinen sichtbaren Schaden genommen, der Aufenthalt unterhalb der Erdoberfläche verhinderte das Schlimmste. Dem Hauspersonal ausserhalb des Kellers ist weniger Glück beschieden, blind und mit Tode ringend taumeln sie dem Verderben entgegen. Radio und Telefon sind ausgefallen, niemand kann den Ort des Bombeneinschlags bestimmen. So beschliesst man sich im Gewölbe vor der Strahlung zu schützen, am folgenden Morgen sollen Nahrungsmittel aus dem nächsten Dorf herbeigeschafft werden. In der kleinen Ortschaft wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich, sämtliche Einwohner befanden sich auf einem Fest und irren blind und verzweifelt umher. Es kommt zu einer fürchterlichen Eskalation, mehrere Bewohner des Dorfes werden von dem durchdrehenden Victor (Tomás Picó) erschossen. Nur mühsam und zu spät gelingt es der Gruppe um Professor Fulton und den wohlhabenden Borne (Paul Naschy) den Aggressor zu stoppen, der ebenfalls völlig überforderte Dr. Robertson (Ricardo Palacios) erwürgt den Schiesswütigen. Nach diesen Ereignissen müssen die Damen und Herren nicht nur die Folgen des Atomkriegs fürchten, die erblindeten Dorfleute wollen eine offene Rechnung um jeden Preis begleichen...

    León Klimovsky verdanken wir einige prächtige Streifen, vor allem die Zusammenarbeit des Regisseurs mit Spaniens Horror-Ikone Paul Naschy war äusserst fruchtbar. Hier ein paar aussagekräftige Beispiele:

    • Die Nacht der Vampire (La noche de Walpurgis, 1971)
    • Blutrausch der Zombies (La rebelión de las muertas, 1972)
    • Todeskreis Libelle (Una libélula para cada muerto, 1974)

    "The People Who Own The Dark" baut auf ein übliches Endzeitszenario, nach dem Atomkrieg muss sich eine kleine Gruppe Überlebender gegen mordlüsterne Häscher zur Wehr setzen. Was sich zunächst als wenig kreatives Fundament präsentiert, wird durch zahlreiche Wildereien in verwandten Genres zu einem ganz besonderen Filmerlebnis. Der Streifen verzichtet völlig auf zerstörte Städte und trostlose Wüstenlandschaften oder graue Kiesgruben, lediglich im kurzen und heftigen Finale sieht es tatsächlich ein wenig nach Endzeit aus. Interessanterweise bettet Klimovsky das Geschehen in einen herrschaftlichen Landsitz ein, freilich inklusive Kellergewölbe, dieses Umfeld scheint wie geschaffen für einen klassischen Gruselstreifen. Vor dem Atomschlag streicht kurzzeitig ein Hauch prickelnder Erotik unsere Wangen, später mutet die Bedrohung durch die blinde Dorfbevölkerung wie eine Belagerung durch Zombies an, obendrauf gibt es eine kleine Liebesgeschichte. Zunehmend kippt die Stimmung innerhalb der Gruppe, entwickelt die um sich greifende Zerstörung der Harmonie eine gefährliche Dynamik. Der offensive Brückenschlag zurück zur Endzeitthematik erfolgt in den letzten Minuten, zu Klängen aus Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie schlägt uns León Klimovsky mit voller Wucht in den Magen, zynische Kälte und grosse Kunst prallen wie ein gewalter Vorschlaghammer auf Herz und Hirn des Zuschauers! Großartig! "Último deseo" bereichert das Thema Endzeit durch Ausflüge in andere Bereiche, überschüttet mich geradezu verschwenderisch mit Wohlfühlatmosphäre und Knuffigkeit, haut mir abschliessend dennoch mit aller Wucht in die Fresse, vielen Dank dafür!

    Werfen wir einen Blick auf die Damen und Herren vor der Kamera. Alberto de Mendoza macht einen verdammt guten Job, sichert sich als Professor Fulton mit "herzlicher Intelligenz" meine Zuneigung. Der in Argentinien geborene Schauspieler ist Freunden gepflegter Euro-Unterhaltung kein Fremder, er wirkte in unverzichtbaren Gialli wie z. B. "Der Killer von Wien" (Lo strano vizio della Signora Wardh, 1970) und "Der Schwanz des Skorpions" (La coda dello scorpione, 1971) von Sergio Martino mit. Meine Begeisterung für Paul Naschy ist kein Geheimnis. Diesmal gibt er nicht den tragischen Werwolf mit Herz oder einen anderen Horrorknuffel, er agiert unter Druck mehr und mehr egoistisch und bösartig, Herr Naschy überzeugt auch als Charakterschwein. Bemerkenswert der Auftritt von Ricardo Palacios, in der Rolle des dicklichen Dr. Robertson verliert er zunehmend die Contenance, verliert sich im Wahnsinn. Auf den ersten Blick vielleicht albern, letztlich bedrückend und anrührend. Es soll nicht zu ausufernd geraten, daher möchte ich mich nun den Damen zuwenden. Maria Perschy fungiert als Puffmutter der besseren Sorte, nebenbei knabbert Lily noch immer an tiefgehendem Liebeskummer, unterhielt einst eine lesbische Beziehung zu Berta (Teresa Gimpera). Es wäre sicher reizvoll Maria Perschy und Teresa Gimpera mehr Raum zur Reaktivierung ihrer Leidenschaft zu gewähren. Dies geschieht nicht, für zu viele Nebenschauplätze bleibt kein Raum. Bei genauer Betrachtung eine gute Entscheidung, schliesslich sorgt die aufkeimende Liebe zwischen Professor Fulton und Clara für entsprechende Momente. Clara wird von der bezaubernden Nadiuska gespielt, eine höchst erotische Dame mit wunderschönen Augen und sinnlichen Lippen, mein Puls kommt beim Gedanken an die Dame auf Touren. Kaum weniger reizvoll Julia Saly, die mich einmal mehr mit ihrer etwas eigenwilligen Schönheit betört. Ich liebe Julia Saly für ihre fantastische Darbietung der Blutgräfin Bathory im Naschy-Klassiker "The Night of the Werewolf" (El retorno del Hombre-Lobo, 1981), bei dem Meister Naschy als Waldemar Daninsky unterwegs ist und weiterhin für die Regie verantwortlich zeichnet. Julia Saly ist in dem hier kurz vorgestellten Film weit von der perversen Gräfin entfernt, sie zeigt uns ihre zarte und zerbrechliche Seite, das Drehbuch nutzt die Rolle der Marion für einen kleinen Nackenschlag, nicht immer hat eine milde Gabe an einen Bettler gnädige Folgen. Diana Polakov und Leona Devine sind nett anzuschauen, ich möchte meine Zeilen zum Ensemble damit beschliessen.

    Endzeit aus einem anderen Blickwinkel, gewürzt mit bewährten Zutaten aus dem Genreumfeld. Diese Ausrichtung funktioniert ganz vorzüglich, ich musste mir den Film gleich mehrfach hintereinander zu Gemüte führen, er wird in Zukunft immer wieder ein gern gesehener Gast in meinem Player sein! León Klimovsky lieferte mit "Último deseo" wohl einen seiner besten Streifen ab, ich bin restlos begeistert! Geschickt streut der Auftakt kleine Hinweise auf das kommende Inferno, um dann clever (fast) ohne "Endzeitoptik" im Gewand anderer Genres unterhaltsam und kurzweilig 80 Minuten für wohlige Schauer zu sorgen, gekrönt durch den harschen Kontrast des schmerzhaft-intensiven Finales. Zerfall einer dekadenten Gesellschaft, mit Konsequenz und ohne Gande zu Ende geführt.

    Von Code Red kommt die DVD zum geneigten Filmfreund ins Haus, die Scheibe ist unter http://www.codereddvd.com direkt beim Erzeuger zu beziehen. "The People Who Own The Dark" ist in zwei Varianten enthalten, eine wurde von einer 35mm Kopie abgetastet, alternativ liegt der Transfer eines alten 1-Zoll-Videos vor. Auf dem Cover wird auf die Verfassung der 35mm Kopie hingewiesen: "Brand new telecine from an abused, scratched and beat-up 35mm print that went vinegar!" Ja, der ramponierte Zustand ist nicht zu übersehen, sorgt aber für ein tolles "Kinofeeling", die Kratzer und Rumpeleien stören mich keinesfalls, Farben und Schärfe sind solide. In der Tat erinnert mich diese Präsentation an die abnudelten Kopien anderer Filme, die ich in meiner Kindheit im alten Dorfkino geniessen durfte. Damals wurde der Grundstein für meine Filmleidenschaft gelegt, aber ich will mich nicht allzu sehr in diesen lange zurückliegenden Nachmittagen suhlen (Lüge! Ich will, ich will, ich will!!!). Auf der DVD befinden sich zusätzlich ein paar Trailer zu Titeln aus dem Labelprogramm. Klare Kaufempfehlung meinerseits, die Scheibe ist übrigens codefree.

    Uff, schon wieder das Zahlenraster. Zunächst belasse ich es bei sehr feisten 8,5/10 (sehr gut bis überragend)! Selten treffen Wohlgefühl und Boshaftigkeit derartig stimmungsvoll aufeinander! Pflicht!

    Lieblingszitat:

    "An Explosion! A big one, maybe more than one!"

  • Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"

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    Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22) © by More Home Entertainment


    Folge 14 - Bumerang (Deutschland 1978)

    Breitensport Ehebruch? Alfred verliert den roten Faden. Sehr angenehm!

    Laura Mattis (Eva Berthold) wird in ihrem Badezimmer erschossen. Kommissar Köster sucht den Vermieter des Opfer auf, offensichtlich verband Dr. Werner Berger (Hans Caninenberg) eine intime Beziehung mit Laura Mattis. Pikant, denn am Abend des Mordes besuchte Dr. Berger seine Geliebte in deren Wohnung. Berger bekennt sich gegenüber Köster ohne grössere Umschweife zu seiner Affaire. Freilich soll die betrogene Ehefrau Vera (Alwy Becker) nach Möglichkeit nichts von den Ausschweifungen erfahren. Doch die wohlhabende Dame weiss bereits viel mehr als ihr Gatte zunächst ahnt, nebenbei spuckt Vera nicht in die Suppe, mit ihrem Bekannten Bernd Hartog (Joachim Ansorge) fröhnt sich nicht nur der Reiterei auf gesattelten Vierbeinern. Bei der Obduktion des Mordopfers stellt die Gerichtsmedizin eine Schwangerschaft fest, wollte Dr. Berger sich eventuell seiner lästig gewordenen Stossdame entledigen? Laura verdiente ihre Brötchen als Übersetzerin, für ihren Auftraggeber Dr. Kargus (Richard Münch) sollte sie vertrauliche Unterlagen bearbeiten. Nun sind diese Schriftstücke verschwunden, ein gewisser Carlo Girotti (Michael Maien) bietet Dr. Kargus die Dokumente an, selbstverständlich gegen eine kleine finanzielle Entschädigung. Für Köster wird Girotti zunehmend interessant, in Lauras Wohnung finden sich eindeutige Hinweise auf eine Bekanntschaft zwischen dem Gauner und der Toten ...

    Hans Caninenberg fiel mir bereits in einigen Derrick Folgen positiv auf. Oft verkörpert er überzeugend brave Bürger aus den oberen Schichten unserer Gesellschaft, hinter der biederen Fassade toben Ängste und Begierden, erneut gelingt Caninenberg eine solide Vorstellung. Alwy Becker gefällt als attraktive, starke und abgeklärte Frau, Joachim Ansorge setzt ihr als unliebsam gewordener Lustbubi zu. Roland Renner soll als Sohn/Stiefsohn der Eheleute Becker für Spannung sorgen, an Verdächtigen mangelt es hier nicht, gleichwohl bleibt Renners Darbietung eher beliebig. Es macht wenig Sinn alle Nebendarsteller aufzuzählen, da einigen Beteiligten sowieso kaum Raum zu Entfaltung bleibt, überdies ihre Beiträge zur Story unerheblich anmuten. Mir sei an dieser Stelle der Hinweis auf Xenia Pörtner gestattet, die Freundin des Alten ist immer eine Bereichung, verleiht der Reihe zusätzlichen Wiedererkennungswert und einen Hauch herzlich-humoriger Wärme.

    Alfred Vohrer zeichnet nicht nur für die Regie verantwortlich, das Drehbuch zu "Bumerang" geht ebenfalls auf seine Kappe. Der Mord an einer hübschen Geliebten ist sicher kein schlechter Aufhänger, leicht lassen sich diverse Verdächtige in die Handlung einbauen. Vohrer will in dieser Hinsicht zu viel, wir bekommen es mit einem Wust aus Motiven und Verdächtigen zu tun. Im Wettkampf der Vertuschungen, Erpressungen und Psychosen, taumelt das überambitionierte Baby des Herrn Vohrer zwischen Oberflächlichkeiten und bewegenden Momenten umher. Gewinnendes Versagen und großartiges Handwerk gehen Hand in Hand! Während der Plot die Gemeinde -aus nachvollziehbaren Gründen- nicht durch die Bank zu Jubelstürmen veranlasst, trifft das Treiben auf den Spielfeldern Atmosphäre, Kulissen und Humor nahezu perfekt das Zentrum der Freude. Zunächst darf ich mich an der Wohnung des Opfers erfreuen, was für ein prächtig-geschmackloser Tempel der Lust, siebziger Jahre pur, ich liebe es! Während der Außenaufnahmen zeigt uns Vohrer den weißgrauen Winter in und um München, meine Jahreszeit, meine heisskalte Liebe. Wohlgefühl mit Lowitz, Ande und Pörtner, der Alte feiert mit Sklave und Freundin Geburtstag. Hoch die Tassen, zumindest bis das Telefon schrill auf sich aufmerksam macht, die Pflicht ruft immer und überall. Klar, Cheftrottel/Trottelchef Millinger darf nicht fehlen. Geschätzte 135 Kilo geballte Ignoranz prallen mit Ausdauer auf den Alten, locker lässt Köster den Klops abprallen, stellt ihm bei Bedarf schelmisch grinsend ein Bein. Für die Musik sorgte Frank Duval, für meine Ohren eine seiner besseren Arbeiten. "Bumerang" zeigt uns den "Popanz-Vohrer" im Gewand des späten "Seriös-Vohrer", manche Fontäne entpuppt sich als flaues Fürzchen, viel gewollt und einiges in den Sand gesetzt. Wie eine gewaltige Zielscheibe bietet "Bumerang" für Kritik jeder Art eine üppige Angriffsfläche, aus meiner Sicht federt der ungeheuer grosse Unterhaltungswert sämtliche Einschläge ab.

    7,5/10 (gut bis sehr gut)


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    In den letzten Nächten gab es Alien in Hülle und Fülle auf Augen und Ohren, alle vier Teile der Saga. Zu Inhalt und Qualität muss nicht viel gesagt werden, ergo fasse ich extrem kurz. Bisher stand die alte "Legacy Box" im Regal, inzwischen haben die DVDs Gesellschaft bekommen, beim Preis von schlappen £9.97 musste ich zusätzlich die britische BD-Box ins Haus holen. Ich bin mit der Umsetzung zufrieden, ferner liegt jeder Film in zwei Schnittfassungen vor.

    "Alien" bevorzuge ich in der alten Kinoversion, sie gefällt mir etwas besser als der flotter geschnittene Director's Cut. Anders ist es um den DC von "Aliens" bestellt, der mit mehr Tiefe und Atmosphäre die Kinofassung deckelt. So unangetastet die beiden ersten Teile auf ihren Sockeln stehen, so kontrovers lässt sich über den dritten und vierten Aufguss diskutieren. "Alien³" gefällt mir in der "Special Edition" Variante gut, zwar teils noch unrunder als die Kinoversion, doch letztlich saugt mich die düstere Stimmung energischer in sich hinein. Bezüglich "Alien: Resurrection" bin ich auch nach mehrfacher Sichtung angenehm unentschlossen. Parodie, grosse Kunst oder haltloser Unfug? Von allen Zutaten etwas, im Ergebnis kurzweilig, unterhaltsam, amüsant.

    Der Import aus Großbritannien schlägt auch inklusive Versandkosten kaum ins Kontor, weniger als 4€ pro Scheibe werden fällig! Sogar Englischmuffel kommen auf ihre Kosten, alle Filme liegen auch in deutscher Sprache vor. Wer auf die Bonusscheiben verzichten kann, tätigt mit dieser Ausgabe der Alien-Saga eine erstklassige Anschaffung!

  • Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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    Derrick Collectors Box 9 (Folge 121-135) © by More Home Entertainment


    Folge 135 - Familie im Feuer (Deutschland 1985)

    Wer zog die Notbremse?

    Für Familie Bohl läuft es seit einiger Zeit nicht gut. Walter Bohl (Henry van Lyck) ist arbeitslos, sein Sohn Ulrich (Hans-Georg Panczak) hat ebenfalls keinen Job, Tochter Anna (Beate Finckh) ist nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt. Lediglich Walters Ehefrau Thea (Ida Krottendorf) steht momentan im Berufsleben, hat die gemeinsame Wohnung jedoch verlassen. Anna ist zunehmend beunruhigt, ständig trifft sich ihr Vater mit einem gewissen Franz Weiler (Dirk Galuba). Walter Bohl droht in kriminelle Machenschaften verwickelt zu werden, Weiler plant offenbar einen grösseren Bruch. Damit nicht genug, Franz Weiler nötigt Walter Bohl eine Schusswaffe auf. Mittags taucht Anna bei ihrer Mutter auf und sucht das Gespräch, am Abend wird Gauner Weiler im Hof seines Wohnhauses aus der Dunkelheit heraus erschossen. Walter Bohl gerät in Panik, denn der ihm überlassene Revolver ist verschwunden ...

    Herny van Lyck wird gern als arrogant-kühler Fatzke besetzt, hier darf er sich von einer anderen Seite zeigen. Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg haben Walter Bohl in Depressionen gestürzt, falsche Freunde wollen für den Beginn einer Karriere als Ganove sorgen. Interessant und nah an der Realität die von van Lyck stark gespielten Stimmungsschwankungen. So glauben wir in den ersten Minuten einen widerlichen Kerl zu sehen, der mit seinen erwachsenen Kindern übel umgeht. Dieser erste Blick täuscht, Walter Bohl liebt seine Familie, sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus der Tristesse des Alltags. Beate Finckh gefällt als mutige Tochter, ihre Anna kämpft trotz eines schweren Unfalls um ihre nahen Menschen und die eigene Gesundheit. Hans-Georg Panczak und Ida Krottendorf bleiben in diesem Rahmen fast ein wenig unscheinbar, spielen aber fraglos überzeugend und tadellos. Dirk Galuba darf einmal mehr den unsympathischen Schurken geben, Gesichtsruine unter Dampf. Neben Herny van Lyck und Beate Finckh ist für mich Alice Treff der Star dieser Folge, wir dürfen die alte Dame als Mutter des Mordofpers bewundern. Alice Treff spielt unglaublich intensiv und anrührig, trotz weniger Szenen trifft ihre Vorstellung mitten ins Herz.

    Für manchen Zuschauer mögen die rasch wechselnden Gemütsverfassungen innerhalb der Familie Bohl eine Spur zu dick aufgetragen anmuten. Aus meiner Sicht gelingt eine glaubwürdige und zupackende Darstellung, allerdings rückt die eindringliche Zeichnung der Bohls den Kriminalfall (fast) in den Hintergrund. Unter Druck rückt man zusammen, hinter der ramponierten Fassade gibt es noch jede Menge Leben, Liebe und vielleicht sogar einen kleinen Silberstreif am düsteren Horizont. Derrick und Klein belassen es bei routinierter Arbeit ohne grössere Höhepunkte, Tappert und Wepper erledigen ihren Job weitgehend unaufgeregt, Derrick drückt pünktlich zum Finale die richtigen Knöpfe. Passend zur (vordergründig) depressiven Atmosphäre klatschen uns graue Hinterhöfe auf die Augen, Einblicke in die Halbwelt Münchens gibt es in Form einer ranzigen Bar inklusive leichter Damen. Regisseur ZbynÄ›k Brynych baut auf echte Gefühle anstatt Kitsch, entlockt den Damen und Herren vor der Kamera grandiose Leistungen. Während der Abspann über die Glotze rollt, bleibe ich in Gedanken versunken zurück, Trauer und Hoffnung stehen als meterhohe Ausrufezeichen dieser Folge im Raum. Eberhard Schoeners Musik hat mich diesmal nicht auf ganzer Linie überzeugt, passt aber letztlich recht gut zum Geschehen. "Familie im Feuer" beschliesst die neunte Derrick Box auf gutem Niveau, ich freue mich auf die nächste Scheibensammlung.

    7/10 (gut)


    Die Höhepunkte der neunten Box:

    • Folge 126 - Toter Goldfisch (ZbynÄ›k Brynych)
    • Folge 129 - Ein unheimlicher Abgang (Jürgen Goslar)
    • Folge 131 - Lange Nacht für Derrick (Dietrich Haugk)
    • Folge 132 - Kranzniederlegung (ZbynÄ›k Brynych)

    Eine starke Spitzengruppe, der ganz grosse Höhepunkt ist in dieser Box jedoch nicht zu finden. Hinter den Topfolgen tummelt sich gewohnt guter Stoff, nur wenige Folgen fallen leicht ab.

  • Die vergangenen Nächte in Ultrakurzform:


    • The Black Belly of the Tarantula (Italien 1972) - Herrlicher Giallo mit prachtvoller Damenriege. Teils wird regelrecht verschwenderisch mit den Schönheiten des Genres umgegangen, die umwerfende Barbara Bouchet erliegt gleich zum Auftakt dem Killer. Claudine Auger, Barbara Bach, Annabella Incontrera, Stefania Sandrelli und Rossella Falk lassen die Augen des Zuschauers freudig leuchten, Giancarlo Giannini heftet sich an die Fersen des Mörders.

    Für jeden Giallo-Fan Pflicht, ebenso für Einsteiger sehr empfehlenswert. Hier und da mutet "Black Belly" fast eine Spur zu routiniert abgespult an, pendelt irgendwo zwischen solidem Handwerk und grosser Kunst umher. Alle Jahre wieder ein gern gesehener Gast im Player, die DVD von Blue Underground erweist sich dabei als brauchbare Veröffentllichung. Noch habe ich die Hoffnung auf eine deutsche Scheibe nicht aufgegeben, es wäre schade um die Kinosynchro aus den goldenen Siebzigern.

    Stoff aus dem Giallo-Oberhaus, knapp unterhalb der Spitze des Genres angesiedelt = dicke 8/10 (sehr gut)


    • Absurd (Italien 1981) - Erneut lässt Joe D'Amato den hungrigen George Eastman auf diverse Opfer los. Stellt mich als D'Amato-Jünger zufrieden, kann aber nicht mit dem großartigen "Man-Eater" (1980) mithalten. Hysterisch und geifernd sorgt das Finale sorgt für Stimmung auf dem Sofa.

    XT-Video präsentiert den Streifen auf einer mittelprächtigen Scheibe, diverse Cover wurden auf den Markt geworfen. D'Amato-Süchtlinge greifen freudig zu, sehr angenehm.

    7/10 mit Mettgut gefüllte Näpfe des Todes


    • Zodiac (USA 2007) - Jake Gyllenhaal spielt einen belächelten Zeitungscartoonisten, der sich immer intensiver und intensiver mit dem Zodiac-Killer beschäftigt. Mark Ruffalo und Anthony Edwards sind als Polizisten am Start, Robert Downey Jr. sehen wir als zunehmend abgewrackten Journalisten, Brian Cox glänzt in einer launigen Nebenrolle. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. David Fincher gelingt eine ansprechende Mixtur aus Ermittlungsarbeit und privaten Dramen, der über 160 Minuten laufende Director's Cut kam mir keine Sekunde zu lang vor. Im Gegenteil, ich hätte den Stoff lieber auf eine kleine Filmreihe mit sechs bis zehn Stunden Laufzeit ausgedehnt gesehen.

    Mir liegt die UK-BD bereits seit einigen Jahren vor, ich kam allerdings erst jetzt zur Sichtung. "Zodiac" kommt in schöner Qualität auf den Bildschirm, obendrauf gibt es jede Menge Bonusmaterial, eine sehr gute Scheibe. Wer (auch) ruhiger angelegte Thriller mag kommt auf seine Kosten, kein Film für Hektiker!

    7/10 (gut)


    • Cop Out - Geladen und entsichert (USA 2010) - Komödie um ein ungleiches Cop Duo. Bruce Willis spielt locker seinen Stiefel runter, Tracy Morgan überschreitet leider zu häufig die Grenze zur Nervensäge. Die debile Marschrichtung macht nicht vor ein paar brauchbaren Actionansätzen halt, unterm Strich sicher keine Pflichtveranstaltung.

    Ich mag den ollen Bruce, daran ändern auch kleine und mittelschwere Fehltritte nichts. "Cop Out" gab es für schlappe 5€ auf BD, da konnte mein Sammlerherz nicht widerstehen. Es kam nicht so schlimm wie befürchtet, die insgeheim erhoffte Perle ist die Sause auch nicht, der Flick unterhält einigermaßen brauchbar. Kann man schauen, muss man aber nicht.

    Freundliche 5/10 (ohne Bruce Willis wären höchstens 4/10 drin)

  • Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"

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    Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22) © by More Home Entertainment


    Folge 15 - Zeugenaussagen (Deutschland 1978)

    Schrullen, Spanner & Säufer

    Maria Schöttl wurde in ihrem Haus getötet, die alte und wohlhabende Frau lebte allein. Kommissar Köster befragt die Nachbarschaft, leider erweisen sich die Angaben der Damen und Herren als nicht besonders hilfreich. Ermittlungen zeichnen das Bild einer recht zurückgezogen lebenden Person. Kontakte zum direkten Umfeld blieben oberflächlich, mit ihrer ganz in der Nähe wohnenden Schwester Amalia Schöttl (Maria Stadler) hatte das Mordopfer seit meheren Jahrzehnten kein Wort mehr gewechselt. Köster stösst auf befremdliche Angewohnheiten, so beobachtet ein pensionierter Richter (Hannes Stein) mit leidenschaftlicher Ausdauer die Ereignisse hinter den Fenstern seiner Nachbarn, selbstverständlich mit einem geeigneten Fernglas. Freilich ist der werte Herr kein Voyeur, der Senatspräsident a. D. geht lediglich seinem Interesse an "menschlichen Beobachtungen" nach. Auch der zuständige Geistliche (Bruno Hübner) trägt sein Kreuz, Herr Pfarrer spricht allzu gern dem Alkohol zu. Endlich bleibt ein Verdächtiger im Netz hängen, der mehrfach vorbestrafte Bursche Erwin Scheufele (Volker Eckstein) scheint in den Fall verwickelt zu sein ...

    Siegfried Lowitz darf sich mit herrlich verschrobenen Gestalten in den verbalen Nahkampf begeben, Kommissar Köster quittiert die befremdlichen Angewohnheiten und Sichtweisen seiner Zeugen mit trockenem Humor. Werfen wir einen Blick auf die besonders auffälligen Herrschaften. Grandios Hann(e)s Stein als Richter im Ruhestand, der seine voyeuristischen Gelüste mit abenteuerlichen Begründungen rechtfertigt. Bruno Hübner gibt den versoffenen Pfaffen, sondert dabei liebenswerten Unfug ab. Maria Stadler macht uns die verbitterte Jungfer, ein biestiges Weibstück des Schreckens, Fräulein Schöttl wird irgendwann ungeöffnet in der Kiste verschwinden. Maria Singer keift gern umher, die Dame aus dem Tante-Emma-Laden des Schreckens. Nein, die Dame aus dem Kolonialwarenladen, so viel Zeit muss sein. Willy Schultes erwartet Gegenleistungen für seine Aussage, Ralf Wolter sondert als Reporter prachtvollen Schwachsinn ab, Volker Eckstein orgelt als Gammelgauner durchs Szenario. Fast hätte ich Walter Sedlmayr unterschlagen, nicht zu vergessen Hans Stadtmüller in der Rolle des pflichtbewussten Stromablesers. Weitere bekannte Gesichter sind in teils kleinen Nebenrollen zu sehen, ein wahres Füllhorn gestandener Schauspieler!

    Im Rahmen dieses (teils nahezu grotesken) Schaulaufens liebevoll überzeichneter Charaktere, gerät der Mord an der alten Dame zu einer Art "nebensächlichen Hauptsache". Letztlich wird der Fall ohne Krawall und recht unspektakulär gelöst, die vorherige Suhle im gutbürgerlichen Irrsinn macht sowieso mehr Freude. Autor Herbert Rosendorfer hat dem Volk aufs Maul geschaut, für meinen Geschmack hätte diese Folge gern auf Spielfilmdauer ausgedehnt werden dürfen. Erneut muss ich mich tief vor Siegfried Lowitz verneigen, der Mann ist die perfekte Besetzung für die Rolle des cleveren Kommissar Köster. Wie Lowitz ab und an Dialekte imitiert, die Zeugen und sonstiges Gezücht auf die Schippe nimmt, besser geht es nicht, ich habe mehrfach Tränen gelacht! Der auch im Derrick-Kosmos aktive Regisseur Theodor Grädler hat leichtes Spiel, mit diesem göttlichen Ensemble vor der Kamera kann man nur auf der Siegerstrasse unterwegs sein, daran ändert auch der mittelprächtige aufregende Kriminalfall nichts. Hölle, schon wieder huscht mir eine feistes Grinsen über die Fratze, mir tönt in Gedanken Kösters Aussprache des Namens "Scheufele" im Ohr, ich falle gleich vor Lachen vom Stuhl (auf der DVD bei 40:37 Minuten zu finden, zieht es euch rein)! Hach, das Leben ist schön, ich kann jetzt nicht mehr tippen, huahahaaaaahrrrrgh ...

    Gewissermaßen extrem fette 8/10 (sehr gut)! Sozusagen addiere ich in Gedanken unzähliche Wohlfühlpunkte, dieses Stück deutscher Fersehgeschichte ist ein echter Superknuffel der Extraklasse! ... und Köster würde ich jederzeit meinen Hochsitz einräumen! Waaahahaharrrhhaaarrhhh!

  • ? Absurd (Italien 1981) - Erneut lässt Joe D'Amato den hungrigen George Eastman auf diverse Opfer los.

    Ooooh ja! Dieser Film ist für mich einer der Filme die ich nicht missen möchte!
    Den habe ich damals noch auf VHS gehabt! Dann kamen verschiedene Versionen auf DVD raus...mal mehr mal weniger gelungen... in Qualität oder Ausstattung.

    Ich finde Absurd ist ein Super Beispiel für einen Film dieser Zeit! Da ist eigendlich alles drin was ich an diesen Filmen so mag!
    Vergleiche finde ich schwierig zwischen Man-Eater und Absurd, da doch beide eine andere Story haben. Von der Atmosphäre her würde ich beide gleich setzen.

    Man-Eater habe ich als Buchbox (limitiert auf 2000) mit all den schönen Extras! Die Ortolan Relax Buchbox... tolles Teil! ^^
    Absurd leider nur "normal" von Kultklassiker ungeschnitten...

    Wäre vielleicht mal Zeit die auszutauschen mit einer besseren Version... da die auch noch einen Bildfehler hat (Streifen am unteren Ende des Bilds, durchgehend)...die Qualität ist echt nicht so dolle.
    Aber dafür anscheinend wirklich Uncut... + OP-Szenen usw.

    Da sieht selbst meine Version die ich mir von VHS damals auf DVD gebastelt habe besser aus! ^^
    Aber da fehlen dann wieder die OP-Szenen...die Dialogszenen mit dem Penner waren aber soweit ich mich erinnere drauf!
    Naja,
    :hutheb:

  • Absurd hat auch in meinem Herzen einen ganz besonderen Platz. :love2:
    Den hab ich damals im Juli 1983, einen Tag bevor ich für ein Jahr nach USA ging in einer Videothel in Köln ausgeliehen.
    Ich wollte den noch unbedingt sehen, weil ich so viel davon gehört hatte und weil er halt auf dem Index war.
    Also hab ich die nacht durchgemacht und mir das Ding noch reingezogen. Einen damaligen Kumpel hab ich dann gebeten,
    die Kassette wieder zurück zu bringen. Hat er auch gemacht und ein paar Monate später gabs die Videothek nicht mehr. :pipi:
    Tja und dann hab ich ihn jahrelang nicht mehr gesehen, bis ich vor nem Jahr die XT DVD in die Finger bekam.

    Deodato: Den Man Eater hab ich auch in der Version. Die ist klasse!
    Vergleiche zu ziehen find ich auch schwierig. Irgendwie gefällt mir Absurd aber besser als Man Eater. :smile:

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    Grosse Hartbox (#75) von X-Rated © by X-Rated


    Per sempre - Ein Toter kehrt zurück (Italien 1987, Originaltitel: Fino alla morte)

    Lamberto und die Maden

    Vor sechs Jahren haben Linda (Gioia Scola) und ihr Lover Carlo (David Brandon) einen lästigen Menschen beseitigt. Lindas ungeliebter Ehemann Luca (Roberto Pedicini) wurde vergiftet und in einem feuchten Grab verscharrt. Die Beziehung des kriminellen Paares läuft längst nicht mehr rund, basiert letztlich nur noch auf sexuellen Gelüsten (was heisst hier "nur noch"?), immer häufiger zeigt sich Carlo von seiner aggressiven Seite. Freudlos führt Linda ihr kleines Restaurant, Carlo verlieht Boote an Angler, grauer Alltag ohne Lichtblicke. Immerhin bleibt Linda ihr kleiner Sohn Alex (Marco Vivio), während Mami den Jungen über alles liebt, kann Stiefvater Carlo nichts mit dem Kind anfangen. In einer stürmischen Nacht klopft es an der Tür, der völlig durchnässte Marco (Urbano Barberini) bittet höflich um eine Übernachtungsmöglichkeit. Fiesling Carlo weist den Fremden barsch ab, Linda zeigt sich gnädig und bittet den Reisenden ins Haus. Schnell freundet sich Marco mit Alex an, Linda bietet dem freundlichen Burschen einen Job in ihrem Lokal an. Carlo passt der neue Hengst im Stall nicht in den Kram, ferner fühlt er sich durch die ständigen Restaurantbesuche des Dorfpolizisten (Giuseppe Stefano De Sando) bedrängt. Bisher schien es keinen Zweifel daren zu geben, dass der ermordete Luca sich damals verantwortungslos aus dem Staub gemacht hat, seine schwangere Ehefrau über Nacht im Stich gelassen hat. Hat die Polizei etwa Lunte gerochen, ist Marco vielleicht ein verdeckt arbeitender Ermittler? Als ein altes Schmuckstück Lindas auftaucht, welches "eigentlich" in Lucas Grab liegen müsste, gerät des mörderische Paar zunehmend in Panik ...

    In erlauchten Kreis der Freunde des italienischen Kinos -blablablap- prügelt der "Fan" nur allzu gern auf den umstrittenen Regisseur Lamberto Bava ein. Ja, Lamberto ist der Sohn des unvergessenen und genialen Mario Bava, tritt damit in verdammt grosse Fußstapfen. Doch muss sich ein Sohn den ständigen Vergleich mit dem Vater gefallen lassen? In diesem Fall mutet es tatsächlich nicht leicht an den grossen Bava auszublenden, da Herr Sohnemann sich auf ähnlichem Terrain bewegt, vorzugsweise Thriller und Horror inszeniert. Aus meiner Sicht hat Lamberto viel von seinem Erzeuger gelernt, ein gutes Gespür für Farben und Licht, das gewisse Händchen zur Erzeugung wohliger Atmosphäre. Vor allem versteht es Lamberto Bava ganz vorzüglich -hier sehe ich die grösste Nähe zu Mario Bava- seine Stärken mit einfachen Mittel auszuspielen, ohne riesiges Budget und oft auf wenige Schausplätze reduziert. "Per sempre" kommt in weiten Teilen kammerspielartig daher, konzentriert sich auf sein stimmungsvolles Umfeld und wenige Charaktere. Überdies wurde der Streifen -im Rahmen einer kleinen Reihe- für das italienische Fernsehen produziert, umso erfreulicher und höher ist das kurzweilige Ergebnis zu bewerten.

    Verdorbenheit, Mißtrauen und Gelüste nach Sex und/oder Rache treiben die Protagonisten an, der Zuschauer hat es nicht leicht seine Sympathie ohne Vorbehalte zu vergeben. Ein schmaler Grat, steht der Wunsch nach geeigneten Identifikationsfiguren doch meist übergross im Raum, hat auf dem Wunschzettel vieler Filmfreunde einen Stammplatz. Viel reizvoller als überstrapazierte Lichtgestalten, sind die ständigen Spannungen zwischen den Charakteren. Niemand traut dem anderen über den Weg, immer wieder bahnen sich Zorn und Ängste ihren Pfad an die Oberfläche, brechen teils offensiv aus den Hauptfiguren hervor. Stetig "schleichende Eskalation" bis zum feurigen Finale, zuvor durch ansprechende Ausbrüche schmackhaft gewürzt. Nach erfolgter Sichtung findet der Film seinen Platz in der Horrorschublade. Dabei wäre es durchaus denkbar und reizvoll, die verwendeten Horrorelemete lediglich als Albtraumsequenzen zu verkaufen, den Streifen in den letzten Minuten auf einem soliden Thrillerfundament zu platzieren. Ich hätte in diesem Fall wohl den Krimi bevorzugt, dem Werk das Gewand eines Neo-Giallo übergestülpt und ein bösartig schmerzhaftes Ende verpasst. Dies soll kein Gemecker an den Horrorzutaten sein, auf kleiner Flamme kocht Bava ein leckeres Süppchen aus Maden, Gegeifer und der Gesichtsruine des Grauens, der Stoff geht gut runter. Spoilergefahr verbietet mir weitere Anmerkungen, schade.

    Gioia Scola gefällt mir als Spielball der eigenen Schwächen und widerlichen Herren sehr gut. Frau Scola ist eine attraktive Erscheinung, passenderweise kein makelloser Engel, eher in Richtung ruchloses Stück tendierend. Ihre Linda wäre gern eine umschwärmte Dame mit den Qualitäten einer echten Femme fatale, schrumpft aber unter dem Joch ihrer Kerle auf ein trauriges Stück Fleisch zusammen. Sonnenschein spendet Söhnchen Alex, der von dem kleinen Marco Vivio erstaunlich "unnervig" dargestellt wird, ganz klar einer der besseren Kinderauftritte. David Brandon springt der Mix aus Hinterhältigkeit und Begierde aus dem unrasierten Gesicht, Carlo ist ein frauenschlagender und asozialer Misthaufen aus dem Buch der ekelhaften Klischees. Urbano Barberini kommt keinesfalls als heller und freundlicher Gegenpol daher, erneut zwingt mich aktute Spoilergefahr zur Unterlassung weiterer Anmerkungen. Roberto Pedicini fällt nicht der Part des unschuldigen Opfers zu, der entsorgte Luca offenbart in Rückblenden wenig erbauliche Verhaltensweisen, liefert aber dennoch lediglich eine dünne Rechtfertigung für Lindas Schweinereien. Giuseppe Stefano De Sando bleibt in der Rolle des lokalen Gesetzeshüters unscheinbar, hätte bei einer stärkeren Gewichtung der Thrillerzutaten (eventuell) mehr Gewicht innehaben können.

    Solide agierende Schauspieler, gutes Gespür für Atmosphäre, ansprechende Kameraarbeit, angenehmes Erzähltempo und eine kleine Prise Horrorgeschleim, lediglich die musikalische Untermalung bleibt kaum in Erinnerung. Grosses Kino? Sicher nicht, aber eine TV-Produktion mit dem Appeal einer kleinen Sause für die grosse Leinwand. Lamberto Bava verdient mehr Aufmerksamkeit, meine Zuneigung ist ihm sicher.

    Die mir vorliegende DVD aus dem Hause X-Rated geht als brauchbar durch, der Bonusbereich erfreut vor allem durch eine nette Trailersammlung. Es existieren weitere Auswertungen für den deutschen Markt, die X-Rated-DVD scheint aber als einzige die ungekürzte Version des Films zu enthalten!?

    Wäre ich um Objektivität (was immer das auch sein mag) bemüht, würde ich vermutlich eine Bewertung im Bereich von 5-6/10 ziehen. Mir hat der Streifen richtig gut gefallen, ergo setzt es verdiente 7/10.

    Lieblingszitat:

    "Wenn er kein verdammter Bulle ist, was ist er dann? Wer ist er?"

  • Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

    [Blockierte Grafik: http://imageshack.us/a/img805/5986/derrickbox10foren.jpg]
    Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150) © by More Home Entertainment


    Folge 136 - An einem Montagmorgen (Deutschland 1986)

    Eine Familie in den Krallen teuflischer Bestien

    Irgendwo im Speckgürtel Münchens beginnt die Woche wie immer. Frau Heilmann (Christine Ostermayer) fährt mit ihrem PKW zum Einkauf, Tochter Biggy (Roswitha Schreiner) ist in der Schule, Sohn Manuel (Jochen Horst) arbeitet in einer Autowerkstatt. Weniger freundlich geht es im Anwesen des Herrn Bergmann (Herbert Tiede) zu, der sich bei seiner Haushälterin über den Pflegezustand seiner Schuhe beklagt. Derweil bringt Berufsganove Koller (Wilfried Baasner) seine Komplizen Hassel (Robert Meyer) und Weber (Wolf Goldan) auf Kurs, das Trio steht unmittelbar vor der Ausführung eines Banküberfalls. In der Bank treffen die Räuber auf den streitsüchtigen Herrn Bergmann, welcher in seinem Unmut prompt die Maske von Kollers Kopf reisst. Koller versteht keinen Spass, er verpasst dem unwilligen Zeugen einen gezielten Kopfschuss, Bergmann bricht tot zusammen. Weber drückt während der Flucht ordentlich aufs Gas, zu allem Überfluss hat sich ein braver Bürger an die Fersen der Gangster geheftet, in einer Kurve verliert Weber die Kontrolle über den Wagen und kommt von der Strasse ab. Zwar bleiben alle Insassen weitgehend unverletzt, müssen ihre Flucht allerdings unangehmerweise zu Fuß fortsetzen. Derrick und Klein sind inzwischen in der beraubten Bankfiliale eingetroffen, auf dem Überwachungsvideo erkennt der Oberinspektor sofort den äusserst gefährlichen Koller! Koller und seine Kumpanen sind in das Haus der Familie Heilmann eingebrochen, Frau Heilmann und ihre Kinder erwartet eine böse Überraschung! Flugs hat die Polizei die gesamte Ortschaft abgeriegelt, noch kennt niemand ausser den Geiseln den genauen Aufenthaltsort der Straftäter ...

    Star dieser Folge ist für mich Wilfried Baasner, der in der Rolle des Schwerverbrechers Koller großartig aufspielt! Koller geht ohne Reue über Leichen, strahlt eine erschreckende Kaltblütigkeit aus, scheint aber trotzdem ab und an vor dem Verlust jeglicher Selbstkontrolle zu stehen. Cholerische Ausbrüche brechen wie unheilvolle Donnerschläge über die anderen Beteiligten herein. Nebenbei gibt es kleine Anspielungen sexueller Natur, offenbar könnte sich Koller gut eine eindringliche Unterhaltung mit seiner jungen Geisel Biggy vorstellen. Freilich belässt es das Drehbuch bei Andeutungen, dem TV-Publikum der achtziger Jahre wollte man wohl nicht zu starken Tobak auftischen. Beschädigt wird die Story dadurch keinesfalls, Baasner kommt auch ohne vollzogene Notzucht erschreckend und bedrohlich genug rüber. Robert Meyer und Wolf Godan stehen unter Baasners Knute, Hassel versucht ausgleichend zu wirken, Weber gibt das Riesenbaby mit Trottelpotential. Roswitha Schreiner und Jochen Horst befanden sich noch in der Anfangsphase ihrer Karriere, beide agieren überzeugend. Käte Jaenicke und Heinz Moog fungieren als freundliche Nachbarn der Geiseln, die Eheleute Herbach sind als "Omi und Opi Ersatz" angelegt, der bewährte Alf Marholm taucht als den Einsatz leitender Kriminaldirektor auf. Horst Tappert zeigt uns Derrick -einmal mehr- besonnen, clever und mitfühlend handelnd, Fritz "Harry" Wepper macht sich unauffällig auf die Suche nach dem teuflischen Trio.

    "An einem Montagmorgen" weht wie eine frische Brise durch die Reihe, ein packendes Geiseldrama, getragen durch sein stimmungsvolles Drehbuch und das sehr starke Ensemble. Feiner Humor, verabreicht in kleiner Dosierung, sorgt für zusätzliche Würze in diesem schmackhaften Menü. Herrlich das stetige Genörgel von Herbert Tiede, der trotz weniger Szenen einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ungewohnt und knuffig die etwas merkwürdig tönende Erzählerstimme, welche die ersten Minuten der Folge mit launigen Kommentaren untermalt. Weniger gepflegt die Ausdrucksweise des psychotischen Koller, verbale (und sonstige) Entgleisungen sorgen für harsche Kontraste. Trügerisch die Idylle der ruhigen Siedlung auf dem Land. Vor den Toren der bösen Großstadt in Friede, Freude und Eierkuchen gebettet, plötzlich sehen sich unscheinbare Durchschnittsbürger mit dem nackten Grauen konfrontiert. Hoffen wir auf einen umsichtigen Kriminalbeamten wie Stephan Derrick, wenn der Terror krimineller Subjekte unser Refugium ohne Gnade unkontrollierbar flutet! Für die Regie zeichnet Jürgen Goslar verantwortlich, die Musik stammt aus der Feder von Eberhard Schoener. Überwiegend setzt Schoener seine Klänge lediglich als dezente Hintergrundmusik ein, über den Abspann hat er eine wunderschöne Komposition gelegt, sphärische Elektronik der allerbesten Sorte. Es geht stetig und genussvoll vorwärts, der Startschuss für die zehnte Box ist gefallen. Was für ein toller Auftakt, welch zupackender Einstieg in das Jahr 1986!

    7,5/10 (gut bis sehr gut)

  • Ja, das haben wir wohl. Seine Film-Rezis fand ich echt ok, nur wenn dann davon 50 % nur deutsche Krimi-Serien wie Der Alte und Derrick dabei sind, das muss echt nicht sein. :denk: Wie gesagt, gegen die Trash Filme hab ich nichts....

    Menschlichkeit ist nur noch eine dunkle Erinnerung...

  • Naja, ist ja Geschmackssache...
    Ich denke mal das es Derrick-Fans gibt die sich über solche ausführlichen Reviews zu den Folgen durchaus freuen...
    Ist dann vielleicht auch nicht der richtige Platz hier gewesen. Da hätte Blap mit ner eigenen Seite zum Thema vielleicht mehr Zuspruch finden können, da es dann nur Leute lesen die es wirklich interessiert!

    Obwohl...wers nicht lesen mag...soll halt was anderes lesen! ^^

    Wenn dieses Forum nunmal Offtopic-Themen neben den Hörspielthemen anbietet...kann ja eigendlich jeder schreiben was er will! :whistling:

    Unsere Ergüsse über die seltsamen Filme die wir schauen interessiert ja auch die Masse eigendlich nicht! :biggrin:
    Aber da muß man dann auch mit Leben können und nicht gleich abhauen wenns zwei Gähner gibt! ;)

    Jedem kann mans eh nie Recht machen!

    Grützi,
    Deo
    :hutheb:

  • Deodato: Also ich muß ganz ehrlich sagen, wenn mir das Forum gehören würde, oder ich (noch) Mod wäre, dann wollte ich sowas nicht (lesen), das die gleichen, deutschen Krimi Serien hier immer wieder rezensiert werden. Ein paar ok, aber nicht "endlos".
    Das wäre etwas am Ziel vorbeigeschossen. Klar, kann man sich hier drüber streiten. Ich hätte es z.B. begrüßt wenn vielleicht auch mal ne Folge von Dexter hier ihren Platz gefunden hätte Oder Frings ( Mystery-Kirmi Serien) oder Twillight Zone, Outer Limits, Erben des Fluchs, Akte X, Jekyll usw.
    Der Alte und Derreck wären auf nem Filmforum besser aufgehoben.

    Menschlichkeit ist nur noch eine dunkle Erinnerung...

    Einmal editiert, zuletzt von Evil (1. Februar 2013 um 19:31)

  • Ja, versteh ich doch! :prost:
    Ich sag ja: Ist halt ein Offtopic-Thema... aber da es die Möglichkeit gibt... legitim!

    Wo soll man dann anfangen mit dem rauspicken oder entfernen von Offtopic-Themen? Weil einem die Serie oder was auch immer nicht gefällt?
    Dann dürfte es auch keine "Essgewohnheiten-Threads" geben oder wie verbringt ihr Weihnachten oder ähnliches... hat auch nix mit Grusel zu tun.
    Oder das endlose Religionsgeschwafel...hat mich auch genervt...aber ist auch legitim! Warum nicht?

    Oder man schmeißt halt alle Offtopics raus und bezieht sich nur noch auf Hörspielthemen! Wäre aber schade...
    Dann schreibt ja keiner mehr was! ^^

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