Ghostly Tales & Creepy Stories – 16 - Der Clown

  • Ghostly Tales & Creepy Stories – 16. Der Clown

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    Frankfurt am Main wird von einer Mordserie heimgesucht, bei der ein ebenso auffälliger wie beunruhigender Täter seine Spuren hinterlässt: ein Clown. Wer sich hinter der Maske verbirgt, weshalb er seine Opfer auswählt und welches Ziel er verfolgt, bleibt zunächst im Dunkeln. Die Polizei reagiert auf die Verbrechen mit einer eigens eingerichteten „Soko Horrorclown“, und Kommissarin Emilie Horn versucht, dem Killer auf die Spur zu kommen. Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto stärker verändert sich jedoch die Situation. Der Täter scheint die Schritte seiner Verfolger vorauszuahnen und schafft es schließlich, Emilie selbst in sein Spiel hineinzuziehen. Aus der Suche nach einem Serienmörder wird damit eine persönliche Auseinandersetzung, bei der sich die Rollen von Jägerin und Gejagtem zunehmend verkehren. Eine besondere Auffälligkeit besitzt der Clown außerdem an seiner Hand: Er hat sechs Finger. Was zunächst wie eine bizarre Äußerlichkeit erscheint, gehört tatsächlich zu seiner Figur und macht ihn zusätzlich unverwechselbar.

    Mit „Der Clown“ schlägt P. J. Myers innerhalb von „Ghostly Tales & Creepy Stories“ eine etwas andere Richtung ein. Statt einer klassischen Schauergestalt aus dem Fundus von Vampiren, Werwölfen, Mumien oder Geistern steht diesmal ein moderner Serienkiller im Mittelpunkt. Die Wahl eines Clowns ist natürlich nicht neu, funktioniert aber nach wie vor, weil kaum eine andere Figur Fröhlichkeit und Bedrohung derart wirkungsvoll miteinander verbinden kann. Besonders reizvoll finde ich den Schauplatz Frankfurt. Die Geschichte versteckt ihren Schrecken nicht in einem abgelegenen Herrenhaus oder auf einem nebelverhangenen Friedhof, sondern lässt ihn mitten in einer realen Großstadt auftreten. Dadurch bekommt das Geschehen eine andere, wesentlich gegenwärtigere Färbung. Gleichzeitig verzichtet Myers darauf, den Clown vorschnell zu einem übernatürlichen Monster zu erklären. Zunächst bewegt sich die Handlung klar im Bereich des Serienkiller-Thrillers und lässt die Bedrohung aus einem Menschen entstehen. Das verleiht dieser Folge einen eigenen Charakter innerhalb der Reihe und zeigt, dass das Konzept inzwischen genügend Spielraum besitzt, um auch modernere Horrormotive aufzunehmen.

    Die knapp einstündige Geschichte erzählt ihren Fall ziemlich geradlinig und versucht gar nicht erst, daraus ein hochkompliziertes kriminalistisches Puzzle zu machen. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits kommt die Handlung schnell voran und verliert sich nicht in unnötigen Nebensträngen, andererseits bleiben Täter und Ermittlungen dadurch etwas weniger vielschichtig, als es die Ausgangslage durchaus erlaubt hätte. Wer schon zahlreiche Slasher- und Serienkillerstoffe kennt, wird einige Mechanismen wiedererkennen. Wesentlich spannender als die reine Frage nach dem Täter ist deshalb die Entwicklung von Emilie Horn. Je näher sie dem Clown zu kommen glaubt, desto mehr gewinnt er die Kontrolle über die Situation. Diese allmähliche Verschiebung trägt die zweite Hälfte und gibt dem Hörspiel jene persönliche Bedrohung, die es braucht. Etwas mehr psychologisches Spiel zwischen beiden hätte ich trotzdem reizvoll gefunden. Die 59 Minuten hätten durchaus Platz geboten, den Clown noch intensiver als Persönlichkeit auszuarbeiten. So bleibt eine schnörkellose Horrorgeschichte, die ihr bekanntes Motiv wirkungsvoll nutzt, ohne ihm vollkommen neue Seiten abzugewinnen.

    Mit Dietmar Wunder, Sarah Alles, Matthias Klages, Armin Schlagwein und Elisa Banat fällt das Ensemble angenehm überschaubar aus. Das kommt der Geschichte zugute, weil sich die Handlung auf wenige Figuren konzentrieren kann und die Stimmen sofort zuzuordnen sind. Sarah Alles bringt für die zentrale Ermittlerperspektive genau die Mischung aus Entschlossenheit und zunehmender Anspannung mit, die eine Figur wie Emilie Horn benötigt. Sie darf nicht schon beim ersten Anzeichen von Gefahr verängstigt wirken, schließlich ist sie Polizistin und zunächst selbst diejenige, die den Täter jagt. Umso besser lässt sich später hörbar machen, wie sich ihre Sicherheit Stück für Stück verändert. Dietmar Wunder besitzt ohnehin eine markante Präsenz und passt mit seiner kräftigen, sofort wiedererkennbaren Stimme ausgezeichnet in einen Thriller dieser Art. Matthias Klages, Armin Schlagwein und Elisa Banat ergänzen das kleine Ensemble, ohne dass die Produktion mit Nebenrollen überfrachtet wird. Gerade bei einem Stoff, der stark von unmittelbarer Konfrontation lebt, empfinde ich diese Konzentration als Vorteil.

    Die akustische Umsetzung orientiert sich stärker am Thriller als am traditionellen Schauermärchen. Großstadtgeräusche und realistische Umgebungen treffen auf jene bedrohlichen Momente, in denen der Clown ins Geschehen drängt. Dabei ist Zurückhaltung fast wichtiger als permanenter Effektbeschuss. Eine solche Figur wird schließlich nicht dadurch unheimlicher, dass ständig etwas kracht oder eine Musik ankündigt, wann man sich erschrecken soll. Viel wirkungsvoller sind die Situationen, in denen die Inszenierung Raum für Erwartung lässt. Der eigens für die Episode gestaltete musikalische Rahmen unterstützt diesen moderneren Ton und grenzt „Der Clown“ damit auch akustisch von stärker klassisch angelegten Folgen der Reihe ab. Wenn die Jagd schließlich unmittelbarer wird, darf das Sounddesign entsprechend zupacken und das Tempo erhöhen. Insgesamt entsteht eine saubere, räumlich überzeugende Produktion, die ihre Horrormomente nicht unnötig überzeichnet. Ein paar längere Spannungsphasen, in denen weniger passiert und gerade dadurch Unsicherheit entsteht, hätten die Wirkung des Killers für meinen Geschmack sogar noch steigern können.

    Das Cover geht dagegen überhaupt nicht auf Zurückhaltung und präsentiert seinen Titelhelden in voller Pracht. Der massige Clown mit orangefarbenen Haaren, weiß geschminktem Gesicht, roter Nase und einem ziemlich unangenehmen Grinsen blickt den Betrachter direkt an. Lederjacke und rotes Shirt mit Smiley-Motiv geben ihm einen fast punkigen Einschlag, während das riesige Messer unmissverständlich klarmacht, in welche Richtung die Geschichte geht. Dazu kommen Kürbisse am unteren Bildrand und die kräftigen Pink-, Rot- und Schwarztöne, wodurch das Ganze beinahe wie das Plakat eines bewusst überzeichneten Slasherfilms wirkt. Der eigentliche Clou steckt allerdings an der Hand mit dem Messer: Der Clown besitzt sichtbar sechs Finger. Gerade weil eine solche anatomische Besonderheit bei einem Cover schnell wie ein Gestaltungsfehler aussehen kann, ist es umso amüsanter, dass sie hier tatsächlich zur Geschichte gehört. Damit wird aus einer vermeintlichen Ungereimtheit ein bewusst platzierter Hinweis. Das Motiv ist grell, plakativ und alles andere als subtil – für diese Geschichte passt genau das erstaunlich gut.

    „Der Clown“ ist eine unterhaltsame sechzehnte Folge von „Ghostly Tales & Creepy Stories“, die weniger auf klassischen Grusel als auf einen geradlinigen Serienkiller-Thriller setzt. Mir gefällt der Wechsel in eine moderne Großstadt ebenso wie die zunehmende persönliche Bedrohung für Emilie Horn. Das überschaubare Ensemble und die konzentrierte Handlung sorgen dafür, dass die 59 Minuten ohne größere Umwege vergehen. Gleichzeitig hätte P. J. Myers aus dem Verhältnis zwischen Ermittlerin und Killer noch etwas mehr herausholen können. Gerade psychologisch bleibt der Stoff stellenweise einfacher, als es die unangenehme Ausgangsidee vermuten lässt. Dafür besitzt der Clown genügend Präsenz, um als zentrale Schreckensfigur zu funktionieren, und das ungewöhnliche Merkmal seiner sechs Finger gibt ihm sogar ein eigenes Erkennungszeichen. Für mich gehört die Folge damit nicht unbedingt zu den komplexesten Geschichten der Reihe, wohl aber zu denjenigen, die ihr Konzept konsequent durchziehen. Ein maskierter Killer, eine Polizistin, die selbst ins Visier gerät, und eine Inszenierung, die daraus knapp eine Stunde düsteren Großstadthorror macht – manchmal braucht eine „Creepy Story“ eben gar nicht viel mehr.

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