Sherlock Holmes: Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs - 73 - Die trügerische Spur

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  • Sherlock Holmes: Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 73. Die trügerische Spur

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    Ein ungewöhnlicher Besucher erscheint in der Baker Street 221B und bittet Sherlock Holmes um Hilfe. Frank Belfield wird wegen Mordes gesucht und beteuert seine Unschuld. Ausgerechnet Holmes soll nun den Beweis dafür erbringen, obwohl der Detektiv den Mann in einem früheren Fall selbst überführt und ins Gefängnis gebracht hat. Belfield behauptet, seine kriminelle Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben. Während Inspektor Lestrade angesichts der vorhandenen Beweise keinen Grund sieht, an dessen Schuld zu zweifeln, lässt sich Holmes auf den Fall ein und gewährt dem Gesuchten vorübergehend Unterschlupf. Gemeinsam mit Dr. Watson beginnt er, die vermeintlich eindeutigen Umstände des Mordes genauer zu untersuchen.

    Schon die Ausgangssituation hat mir ausgesprochen gut gefallen. Dass ein ehemaliger Verbrecher ausgerechnet bei dem Mann Zuflucht sucht, der ihn einst seiner gerechten Strafe zugeführt hat, ist eine reizvolle Idee. Sie wirft unmittelbar die Frage auf, ob Belfield tatsächlich ein anderer Mensch geworden ist oder lediglich versucht, Holmes für seine eigenen Zwecke einzuspannen. Auch das Verhalten des Meisterdetektivs sorgt zunächst für Verwunderung. Er ist erstaunlich schnell bereit, dem Flüchtigen eine Chance zu geben, obwohl dessen Vergangenheit durchaus Anlass zur Vorsicht bietet. Die Geschichte liefert dafür allerdings nachvollziehbare Gründe und nutzt diese ungewöhnliche Begegnung, um Holmes einmal mehr als jemanden zu zeigen, der sich nicht allein auf seinen ersten Eindruck oder die Einschätzung der Polizei verlässt. Die Verbindung zu einem früheren Fall verleiht dem Geschehen außerdem eine persönliche Note, die über einen gewöhnlichen Mordauftrag hinausgeht.

    Die Ermittlungen entwickeln sich zu einem angenehm vielschichtigen Kriminalfall, bei dem sich die Bedeutung einzelner Hinweise erst allmählich erschließt. Dabei bleibt genügend Zeit, um Verdächtigungen zu hinterfragen, neue Zusammenhänge aufzudecken und verschiedene Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen. Mir gefällt, dass die Geschichte nicht ausschließlich auf eine überraschende Schlusswendung setzt, sondern den Weg dorthin sorgfältig vorbereitet. Zwar hätte das Erzähltempo zwischendurch etwas höher ausfallen dürfen, doch die ausführliche Spurensuche gehört durchaus zum Reiz dieses Abenteuers. Auch das unterschiedliche Vorgehen von Holmes und Lestrade sorgt für interessante Momente. Während der Inspektor den Fall angesichts der Beweislage weitgehend für geklärt hält, beschäftigt sich Holmes mit jenen Ungereimtheiten, die zunächst kaum Beachtung finden. Die spätere Auflösung fügt die zuvor gesammelten Informationen überzeugend zusammen und bietet dennoch eine Überraschung. Damit gehört die Folge für mich zu den Geschichten der Reihe, bei denen das eigentliche Rätsel bis zum Schluss genügend Aufmerksamkeit erhält.

    Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt zeigen als Sherlock Holmes und Dr. Watson wieder einmal, wie eingespielt dieses Sprecherduo inzwischen ist. Tennstedt verleiht Holmes seine gewohnte geistige Beweglichkeit und lässt auch dessen gelegentlich eigenwilliges Verhalten glaubwürdig erscheinen. Bierstedt bildet dazu einen angenehmen Gegenpol, ohne Watson auf die Rolle eines bloßen Stichwortgebers zu reduzieren. Ihre gemeinsamen Szenen leben von kleinen Reaktionen, trockenem Humor und einer Vertrautheit, die den Figuren ausgesprochen guttut. Eine wichtige Rolle übernimmt Claus Thull-Emden als Frank Belfield. Er gestaltet den ehemaligen Verbrecher so, dass dessen behaupteter Sinneswandel durchaus glaubwürdig erscheint, zugleich aber ein gewisser Zweifel an seinen tatsächlichen Absichten bestehen bleibt. Dadurch gewinnt die Figur im Verlauf der Handlung zunehmend an Kontur. Philine Peters-Arnolds sorgt als Margery wiederum für eine willkommene Auflockerung. Ihre selbstbewusste, bisweilen etwas eigenwillige Art bringt Bewegung in den Alltag der Baker Street und bietet einen unterhaltsamen Kontrast zur ernsten Ermittlungsarbeit.

    Bei der akustischen Gestaltung bleibt die Produktion ihrem bewährten Stil treu. Die Musik orientiert sich an der klassischen Atmosphäre viktorianischer Kriminalgeschichten und begleitet das Geschehen, ohne sich ständig in den Vordergrund zu drängen. Das kommt insbesondere den längeren Dialogen und den Überlegungen des Meisterdetektivs zugute. Auch die Geräuschkulisse ist sorgfältig ausgearbeitet. Unterschiedliche Räumlichkeiten, Straßengeräusche und kleinere akustische Einzelheiten lassen die Schauplätze lebendig werden. Dabei verzichtet man weitgehend auf übertriebene Effekte und konzentriert sich auf eine glaubwürdige Umgebung. Die Dialoge bleiben jederzeit gut verständlich, und die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen sind sauber gestaltet. Insgesamt entsteht eine stimmige Hörspielatmosphäre, die den klassischen Charakter der Reihe unterstreicht.

    Das Cover zeigt Sherlock Holmes und Dr. Watson vor einer nächtlichen Kulisse, die mit ihren orientalisch anmutenden Torbögen und einer Kamelkarawane sofort neugierig macht. Holmes trägt seinen charakteristischen Deerstalker und den dunklen Umhang, während Watson mit Melone und Schnurrbart an seiner Seite steht. Die beiden beobachten offenbar die Tiere hinter einem schmiedeeisernen Zaun. Besonders gelungen finde ich die Beleuchtung: Das warme Licht einer Gaslaterne fällt auf das feuchte Kopfsteinpflaster und bildet einen reizvollen Gegensatz zu den kühlen Blautönen des Nachthimmels. Dadurch erhält die Szene eine geheimnisvolle, beinahe abenteuerliche Stimmung. Der goldene Rahmen und der große klassische Sherlock-Holmes-Schriftzug fügen sich harmonisch in das Motiv ein. Insgesamt ein ansprechendes Titelbild, das sich gut in die bisherige Gestaltung der Reihe einordnet.

    „Die trügerische Spur“ ist ein unterhaltsamer und sorgfältig aufgebauter Kriminalfall, der vor allem durch seine ungewöhnliche Ausgangssituation und die schrittweise Entwicklung der Ermittlungen überzeugt. Die Rückkehr eines ehemaligen Verbrechers verleiht der Geschichte einen zusätzlichen Reiz, während die verschiedenen Hinweise genügend Gelegenheit zum Miträtseln bieten. Zwar hätte die Handlung an einigen Stellen etwas straffer erzählt werden können, doch dafür nimmt sie sich ausreichend Zeit, ihre Figuren und Verdachtsmomente zu entwickeln. Die vertrauten Hauptsprecher harmonieren hervorragend, und Claus Thull-Emden bereichert das Ensemble mit einer interessanten Darstellung des undurchsichtigen Frank Belfield. Hinzu kommen eine atmosphärische Inszenierung und eine schlüssige Auflösung, die den Fall zufriedenstellend abschließt. Eine rundum gelungene Folge, die zeigt, dass es für ein spannendes Sherlock-Holmes-Abenteuer nicht unbedingt spektakulärer Verbrechen bedarf, solange die Ermittlungen genügend interessante Wendungen bereithalten.

  • Eine annehmbare ruhige Folge, die mich nicht so ganz gefesselt hat. Aber solide.

    Ich weiß, Titania (und andere) scheint das Gequassel von Mrs. Hudson und Margery lustig zu finden.
    Ich finde es einfach nervtötend. Vor allem am Ende, wo nach Abschluss des Falls noch 5 Minuten rumgeredet wird.

  • Sherlock Holmes - 73 - Die trügerische Spur

    Zum Inhalt:
    Sherlock Holmes ist unruhig. Zu lange schon hatte er keine neuen Fall mehr. Umso erfreuter ist er, als es klingelt und ein neuer Klient vor der Tür steht. Zu seiner Überraschung handelt es sich dabei um einen Einbrecher namens Frank Belfield, den er und Dr. Watson vor einiger Zeit dingfest gemacht hatten und der das Gefängnis mittlerweile wieder verlassen durfte. Er behauptet, geläutert zu sein und bittet den Meisterdetektiv um Hilfe, da er unter dringendem Mordverdacht steht. Holmes steckt nun in einem Gewissenskonflikt: soll er dem Mann glauben oder nicht?

    Zur Produktion:
    Das vorliegende Hörspiel ist bereits die fünfte Adaption einer Geschichte des britischen Kriminalschriftstellers Richard Austin Freeman (11.04.1862 - 28.09.1943), der vor allem mit seinen Erzählungen rund um den Gerichtsmediziner Dr. John Evelyn Thorndyke bekannt wurde. Der englischsprachige Originaltitel der Geschichte lautet "The old Lag - Part 1 - The changed Ummutable" und erschien 1912 in dem Sammelband "The singing Bone", der in den USA unter dem Titel "The Adventures of Dr. Thorndyke" vertrieben wurde. Auch wenn es sich bei der Vorlage lediglich um den ersten Teil des Falles handelt, können Hörspielfans beruhigt sein, denn die Handlung ist trotzdem in sich abgeschlossen. Skriptautor Marc Gruppe dient Freemans Geschichte nämlich lediglich als Ausgangspunkt für seinen Plot. Das ist auch gut so, denn die Originalstory ist leider nicht nur unspektakulär, sondern regelrecht langweilig. Gruppe beginnt das Ganze dann auch gleich mit einem neuen Intro, nämlich einer kleinen Kabbelei zwischen Mrs. Hudson und dem Meisterdetektiv, welche inzwischen beinahe jedes Sherlock Holmes Hörspiel aus dem Hause Titania eröffnet. Im Anschluß greift er Freemans Geschichte kurz auf, indem er die Ankunft des Mordverdächtigen schildert, bevor er sie ab da größtenteils verlässt. Übrig bleibt u.a. noch die Sache mit den am Tatort gefundenen Fingerabdrücken. Für das Hörspiel hat er außerdem fast alle Namen der Personen und Orte entweder ausgetauscht oder ganz neu hinzugefügt. Darüber hinaus wurden die wenigen verbliebenden Szenen des Originals abgeändert und in der Reihenfolge umgestellt, was dem Ablauf der Handlung sehr förderlich ist. Das Geschehen bleibt jederzeit spannend, und als Hörer schwebt man lange im Ungewissen, wer denn nun den Mord begangen hat. Was mir besonders gut gefällt, ist die Art und Weise, wie es Marc Gruppe immer wieder gelingt, ein wenig subtilen Humor in die Handlung einfließen zu lassen. Hier sind es vor allem die Regieanweisungen für Inpektor Lestrade/Lutz Reichert, die öfter für ein Schmunzeln sorgen. Daß die Laufzeit mit ca. 81 Minuten zu Buche schlägt, liegt nicht zuletzt an dem meiner Meinung nach etwas zu lang geratenen Outro, in dem es weitere Frotzeleien zwischen Holmes, Mrs. Hudson und außerdem deren Cousine Margery Mapleton gibt.
    Alles in allem macht das Hörspiel aber viel Spaß und dürfte Liebhabern des Meisterdetektivs gut gefallen.
    Produktion und Regie, vorgenommen von Stephan Bosenius und Marc Gruppe, sind wie immer tadellos. Für die Musik greift man hauptsächlich auf klassische Instrumente wie Klavier, Geige, Flöte und Oboe zurück, aber es gibt auch einige Stücke, bei denen der Synthesizer eingesetzt wird. Neben der bekannten Titelmelodie, gibt es noch eine fröhliche, ebenfalls vertraute Zwischenmelodie, als die beiden Ermittler die Bakerstreet verlassen, um den Tatort aufzusuchen. Jedesmal, wenn sich die Handlung zuspitzt, werden entweder eine treibende Synthesizermelodie oder eine Abfolge düsterer, elektronisch erzeugter Töne eingespielt. Während der Abschlußerläuterungen von Sherlock Holmes hört man eine von der Oboe dominierte, tragende Weise, und zum Outro gibt es noch eine ruhige Klaviermelodie, bei der erneut auch die Oboe zum Einsatz kommt. Ebenso harmonisch und natürlich, wie die Musik unter den Szenen liegt, fällt auch die überragende Geräuschkulisse aus. Am Anfang des Hörspiels wird in der Bakerstreet der Tee eingegossen, beim Umrühren mit dem Löffel geklimpert und dazu mit der Zeitung geraschelt. Selbstverständlich fehlt auch die Türklingel nicht, und nachdem Holmes ein Streichholz entzündet hat, kann man deutlich hören, daß sein Sprecher scheinbar eine Pfeife im Mund hat, an der er pafft. Sobald jemand aufsteht, scharrt der Stuhl über den Boden, und als sich Holmes und Watson am Tatort auf die ledergepolsterten Sitzgelegenheiten niederlassen, knarren diese entsprechend. Kein auch noch so kleiner Ton wurde vergessen. Weder die knirschenden Schritte auf dem Weg zum Anwesen, noch die zum Einsatz kommende Schere oder das geschäftige Treiben im Hintergrund beim Besuch des Polizeilabors. Akustisches Highlight ist für mich aber die Szene im Zoo, wo die verschiedensten Tierstimmen und -Schreie zu hören sind.
    Wie sooft beschränkt sich der Einsatz von Effekten auf unterschiedlich ausgeprägten Hall, stärker im Haus des Ermordeten, schwächer in der Vorhalle der Bakerstreet, und auf das Absenken der Lautstärke, wenn Figuren weiter entfernt vom Hörer agieren.

    Zu den Sprechern:
    Es ist einfach ein Vergnügen, Joachim Tennstedt(Sherlock Holmes) bei seiner Interpretation des genialen Detektivs zuzuhören. Wie immer wirkt er leicht herablassend bzw. ungeduldig im Umgang mit anderen Menschen, und besonders gern belehrt er den allzu sehr von sich überzeugten Inspektor Lestrade. Zu den Höhepunkten gehören definitiv auch seine spitzen Bemerkungen gegenüber Mrs. Hudson oder ihrer geschwätzigen Cousine Margery Mapleton. Ihm zur Seite, als ebenfalls zentraler Charakter, steht wie üblich Detlef Bierstedt(Dr. Watson), der außer des treuen Freundes und Chronisten auch das Intro spricht und für die Beschreibung der jeweiligen Schauplätze zuständig ist. Schon lange zählt er aufgrund seiner Darbietung zu meinen Lieblingssprechern für die Rolle des Dr. Watson. Kaum einer spielt dessen Verlegenheit und Verwirrung über Holmes' meist nicht leicht nachvollziehbare Gedankengänge, oder die spürbare Empathie für seine Mitmenschen so gekonnt wie er. Ebenso souverän agiert auch Regina Lemnitz(Mrs. Hudson) als häufig gebeutelte, dennoch immer streitbare Hausdame, die über Holmes' Äußerungen mal entrüstet, mal schlichtweg verblüfft ist, sich schließlich aber in ihr Schicksal ergibt. In Nebenrollen hört man noch Claus Thull-Emden(Frank Belfield) als aufbrausender Mordverdächtiger, der ebenso begeistert wie verdutzt auf Holmes' Schlußfolgerungen reagiert, Philine Peters-Arnolds(Margery Mapleton) als leicht überdreht plappernde, schnell empörte Cousine von Mrs. Hudson, und Lutz Reichert(Inspektor Lestrade) im Part des arroganten Polizeibeamten, der letztlich doch an der eigenen kriminalistischen Unzulänglichkeit scheitert. Weitere, teils sehr kleine Rollen übernehmen Bodo Primus(Tierwärter) als freundlicher, amüsierter, von Holmes' Beobachtungen beeindruckter Tierpfleger, sowie Marc Gruppe als zunächst etwas unsicher wirkender diensthabener Constable und zuvorkommender Polizeilaborant.

    Fazit:
    Gelungenes Kriminalhörspiel, dessen Outro für mich allerdings ein bisschen zu lang geraten ist.

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