Die drei ??? – Unter Verdacht (Buchkritik)

Es gibt 1 Antwort in diesem Thema, welches 121 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (17. August 2026 um 16:31) ist von El Diablo.

  • Die drei ??? – Unter Verdacht

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    Mit Unter Verdacht stellt Marco Sonnleitner eine Figur in den Mittelpunkt, die schon seit Jahrzehnten zum festen Umfeld der drei ??? gehört, aber nur selten wirklich im Zentrum eines Falles steht: Morton. Allein deshalb hatte die Geschichte bei mir von Anfang an einen besonderen Reiz. Denn wenn jemand wie Morton plötzlich von der Polizei festgenommen wird, ist eigentlich sofort klar, dass Justus, Peter und Bob die Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen können.

    Der Fall beginnt dabei ausgesprochen direkt. Die drei ??? sind mit Morton in seinem Rolls-Royce unterwegs, als die Fahrt unerwartet von der Polizei beendet wird. Morton wird festgenommen und sieht sich mit einem schweren Vorwurf konfrontiert. Für Justus, Peter und Bob ist kaum vorstellbar, dass der Mann, den sie seit so langer Zeit kennen und dem sie vertrauen, tatsächlich ein Verbrechen begangen haben soll. Also beginnen sie auf eigene Faust nachzuforschen.

    Gerade diese persönliche Ausgangslage gefällt mir ausgesprochen gut. Es geht diesmal nicht um irgendeinen unbekannten Auftraggeber, der in der Zentrale auftaucht, sondern um jemanden, der seit Ewigkeiten zum Kosmos der drei Detektive gehört. Dadurch besitzen die Ermittlungen automatisch eine andere Bedeutung. Morton muss nicht erst das Vertrauen der drei gewinnen – dieses Vertrauen ist längst vorhanden. Die eigentliche Frage lautet vielmehr, ob dieses Bild von ihm vielleicht doch Lücken besitzt.

    Denn bei ihren Nachforschungen stoßen Justus, Peter und Bob auf Dinge aus Mortons Vergangenheit, von denen sie bisher nichts wussten. Genau das ist für mich einer der interessantesten Aspekte des Romans. Eine bekannte Nebenfigur bekommt plötzlich mehr Tiefe und wird nicht nur auf ihre klassische Funktion als Chauffeur mit Rolls-Royce reduziert.

    Besonders angenehm finde ich außerdem, dass Unter Verdacht weitgehend ohne den üblichen vermeintlichen Spuk auskommt. Keine Geistererscheinungen, kein Fluch und kein Monster, das sich am Ende natürlich irgendwie erklären lässt. Stattdessen müssen die drei tatsächlich recherchieren, Zusammenhänge herstellen, Aussagen überprüfen und überlegen, wem sie überhaupt trauen können. Solche bodenständigeren Fälle mag ich bei den drei ??? ohnehin sehr gerne.

    Der Einstieg ist dabei richtig stark. Die Verhaftung Mortons schafft sofort Spannung, weil man als Leser natürlich wissen möchte, was ihm eigentlich vorgeworfen wird und weshalb die Polizei offenbar genügend Gründe besitzt, um ihn festzusetzen. Gleichzeitig läuft den drei Detektiven die Zeit davon, denn Morton einfach wieder aus dem Gefängnis zu holen, ist natürlich wesentlich komplizierter, als nur eine überzeugende Theorie zu präsentieren.

    Sehr schön funktioniert dabei wieder das Zusammenspiel der drei. Justus beginnt sofort, die vorhandenen Informationen auseinanderzunehmen, Bob kümmert sich um die Recherche und Peter bringt seinen praktischeren Blick auf die Dinge ein. Gerade bei einem Fall, der stärker auf klassische Ermittlungsarbeit setzt, kommen ihre unterschiedlichen Fähigkeiten besonders gut zur Geltung.

    Auch emotional funktioniert die Geschichte für mich. Morton gehört einfach zu diesen Figuren, die vielleicht nicht ständig auftreten, aber trotzdem tief mit der Serie verbunden sind. Deshalb entwickelt man automatisch ein anderes Interesse daran, ihn aus dieser Situation herauszubekommen. Gleichzeitig sorgt die Beschäftigung mit seiner Vergangenheit dafür, dass man eine Figur, die man eigentlich schon lange zu kennen glaubt, noch einmal aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachten kann.

    Ganz perfekt ist der Roman für mich allerdings nicht. Die starke Ausgangssituation weckt hohe Erwartungen, und im weiteren Verlauf verliert die Handlung etwas von dieser anfänglichen Intensität. Einige Entwicklungen wirken recht passend zurechtgelegt und manches basiert für meinen Geschmack ein wenig zu sehr darauf, dass bestimmte Dinge genau im richtigen Moment zusammenkommen.

    Auch bei der eigentlichen Auflösung hätte ich mir noch etwas mehr gewünscht. Gerade weil Morton und seine Vergangenheit so viel Potenzial bieten, hätte das Motiv am Ende ruhig ungewöhnlicher und vielleicht auch noch stärker mit seiner Person verknüpft sein dürfen. Nach dem wirklich starken Beginn fällt der Schluss deshalb für mich etwas konventioneller aus, als ich gehofft hatte.

    Das bedeutet aber keineswegs, dass der Fall langweilig wird. Im Gegenteil: Gerade weil diesmal echte Ermittlungsarbeit im Mittelpunkt steht und man zusammen mit den drei ??? versucht, die Zusammenhänge zu verstehen, liest sich das Buch sehr flüssig. Es gibt genügend Hinweise und Verdachtsmomente, um selbst mitzurätseln, und die persönliche Beteiligung der Detektive sorgt dafür, dass die Geschichte durchgehend Gewicht besitzt.

    Das Cover gefällt mir ebenfalls ausgesprochen gut. Morton steht mit Handschellen vor seinem Rolls-Royce, während sein Gesicht vollständig im Schatten bleibt. Schon dieses Motiv erzählt praktisch die komplette Ausgangslage des Falles: Eine vertraute Figur, die plötzlich nicht mehr der elegante und zuverlässige Chauffeur ist, sondern ein Verdächtiger. Gleichzeitig bleibt durch die dunkle Darstellung offen, was tatsächlich hinter der Sache steckt.

    Unterm Strich ist Unter Verdacht für mich ein guter und stellenweise richtig starker Drei-???-Fall, der vor allem durch seine ungewöhnliche Hauptfigur gewinnt. Morton endlich einmal stärker in den Mittelpunkt zu rücken, war eine hervorragende Idee, und gerade der Anfang gehört für mich zu den spannenderen Einstiegen der letzten Zeit.

    Etwas schade finde ich lediglich, dass die Geschichte das enorme Potenzial dieser Ausgangssituation nicht ganz bis zum Ende ausschöpft. Die Auflösung hätte überraschender und weniger konventionell ausfallen dürfen. Trotzdem bleibt ein spannender, persönlicher und angenehm bodenständiger Kriminalfall, bei dem klassische Recherche und Kombinationsarbeit endlich wieder eine größere Rolle spielen.

    Für mich vor allem wegen Morton ein besonderer Fall – mit einem sehr starken Einstieg, viel klassischer Detektivarbeit und einer emotionalen Komponente, auch wenn das Finale für mich nicht ganz mit dem hervorragenden Beginn mithalten kann.

  • Danke schön DerPoldi für diese sehr schöne Rezension die mir wieder viel Freude beim Lesen bereitet hat. Die neuen 3 ??? Bücher muss ich noch selber lesen und ich bin gespannt ob wir auch hier wieder übereinstimmen, in der Vergangenheit war dies sehr oft der Fall, vielleicht auch diesmal. Wenn ich es gelesen habe werde ich hier im Thread etwas dazu schreiben.

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