Erst wissen was man sehen will, dann einschalten? Ich mach’s jetzt mit epd Film!

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 142 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (3. August 2026 um 12:58) ist von DeLorca.

  • Hallo zusammen,

    kennt ihr das auch? Man setzt sich abends müde auf die Couch, schaltet den Fernseher ein und scrollt erst mal 45 Minuten unentschlossen durch die bunten Kacheln von Netflix, Prime und Co. Am Ende ist man oft frustriert von der schieren Masse an Inhalten und schaltet ab, ohne überhaupt irgendwas Sinnvolles geschaut zu haben.

    Die Ära, in der „Mainstream“ bedeutete, dass ein Millionenpublikum gemeinsam vor dem Fernseher saß, weil eine Serie einfach handwerklich verdammt gut und universell packend war, haben die Streaming-Giganten mit ihren Algorithmen längst beendet. Viele Produktionen wirken heute wie am Reißbrett für bestimmte Datensätze entworfen, anstatt eine echte Geschichte zu erzählen und die ersten spektakulären Folgen werden nicht selten nur als Türöffner dafür benutzt, um den Zuschauer zum Ende hin einfach nur noch stundenlang hinzuhalten.

    Leider sind auch viele der gängigen Programm-Guides und Streaming-Magazine keine große Hilfe, da sie oft wie unkritische PR-Abteilungen der großen Studios wirken und fast jede Produktion als „Must-See“ anpreisen.

    Ich habe für mich jetzt einen bewussten Schritt gemacht und greife wieder zu einem echten Print-Fachmagazin, wahrscheinlich eines der letzten in dem Bereich: epd Film (gibt's meist am Bahnhofs- oder Flughafenbuchhandel). Und ich muss sagen: Dieser Zeitschriftenklassiker ist gerade im Streamingzeitalter ein absoluter Gewinn für meine Sehgewohnheiten.

    Die Zeitschrift bietet aus meiner Sicht einige unschlagbare Vorteile gegenüber der digitalen Suche:

    • Mensch gegen Algorithmus: Die Kritiker dort schreiben unbestechlich und fundiert. Wenn eine Produktion erzählerisch schwach oder ethisch fragwürdig ist, wird das sachlich, aber schonungslos seziert. Das spart ungemein viel Lebenszeit.
    • Raus aus der Filterblase: Beim analogen Blättern stößt man plötzlich auf kleine, geniale Independent-Filme oder Arthouse-Perlen, die einem kein Streaming-Algorithmus jemals auf der Startseite vorschlagen würde, weil man nicht in das vorgefertigte Suchraster passt.
    • TV, Streaming, Physisch und Kino: Alle Bereiche (inklusive ein paar aktuelle verfügbare Klassikertipps) werden abgedeckt, da sie sich heutzutage aber ohnehin überschneiden, sind eigentlich alle Kritiken für jeden eher früher als später brauchbar.
    • Der unschlagbare Couchtisch-Vorteil: Das Heft liegt physisch bei mir auf dem Wohnzimmercouchtisch. Mobile Endgeräte bleiben weit weg. Wenn ich das Smartphone in die Hand nehme, um nach sehenswerten Filmen oder Serien zu suchen, besteht immer die Gefahr, Sekunden später wieder im endlosen Internetdschungel oder bei Social Media abzudriften. Das gedruckte Heft ist ein geschlossenes System. Ich nehme mir Zeit, lese eine tiefgründige Kritik und treffe eine feste, bewusste Entscheidung – bevor ich überhaupt die Fernbedienung in die Hand nehme.

    Man holt sich die Souveränität über seine eigene Freizeit zurück ins Wohnzimmer und lässt sich nicht mehr von blinkenden Bannern manipulieren. Für mich das perfekte Werkzeug, um in dieser Flut an Produktionen überhaupt noch echte Qualität zu finden.

    Wer von euch nutzt auch noch klassische Print-Fachmagazine als Filter gegen die digitale Reizüberflutung? Oder wie schafft ihr es, euch eure Unabhängigkeit bei der Filmauswahl zu bewahren?

    Freue mich auf eure Gedanken!

    Wer wissen will, wie das Magazin aussieht: https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/e3f7f85875ee/editions

    Allerbesten Gewissens empfehle ich:
    DAGON von M. Winter
    Luxus-Ausstattung sowohl CD als auch LP

  • Ich hatte epd-Film bis vor einigen Jahren noch im Abo. Da war Streaming noch gar nicht so das große Thema und mich haben auch mehr die Hintergrundberichte und Einblicke in die Branche interessiert. Leider bin ich dann aber aus beruflichen Gründen kaum noch dazu gekommen die Ausgaben zu lesen, sodass ich dann das Abo beendet habe. Ich glaube die letzten Ausgaben liegen noch immer ungeöffnet hier, sollte ich vielleicht mal reinschauen =)

  • Ich hatte epd-Film bis vor einigen Jahren noch im Abo. Da war Streaming noch gar nicht so das große Thema und mich haben auch mehr die Hintergrundberichte und Einblicke in die Branche interessiert. Leider bin ich dann aber aus beruflichen Gründen kaum noch dazu gekommen die Ausgaben zu lesen, sodass ich dann das Abo beendet habe. Ich glaube die letzten Ausgaben liegen noch immer ungeöffnet hier, sollte ich vielleicht mal reinschauen =)

    Das gleiche Problem hatte ich, bevor das Problem mit dem Überangebot die heutigen Ausmaße annahm, mit meinem Filmdienst-Abo und hab es aus dem selben Grund gekündigt. Als ich gemerkt habe, wieviel Zeit ich inzwischen mit dem Herumscrollen auf dem TV-Bildschirm verschwende, war mein erster Impuls, den Filmdienst wieder zu abonnieren, denn diese Zeit wollte ich dann doch lieber für das Lesen fundierter Kritiken nutzen - doch da gab es die Printausgabe schon gar nicht mehr.:sad: Aber ich empfinde epd Film mit seinem großen Heimkinoteil wirklich super aufgestellt für die heutige Zeit. Ich habe parallel auch diverse TV-Zeitschriften mit Streamingteil oder reine Streamingzeitschriften im direkten Vergleich dazu genutzt und hatte bei keiner das Gefühl, dass sie wirklich hilfreich sind, die echten Perlen aus dem Überangebot herauszufischen. Sie haben mich genauso ratlos zurückgelassen wie die unzähligen Kacheln auf meinem TV-Bildschirm.

    Allerbesten Gewissens empfehle ich:
    DAGON von M. Winter
    Luxus-Ausstattung sowohl CD als auch LP

  • Das stimmt, wer sich selber als Cineast sieht und schon sehr viele Filme abseits des Mainstreams ausprobiert hat, wird hier immer noch auf neue Filme aufmerksam die anderswo überhaupt keine Erwähnung finden. Manchmal waren mir die Empfehlungen schon zu speziell, die dann auch nur in einer handvoll ausgewählter Großstadt-Kinos liefen. Ich müsst mal wieder in eine neuere Ausgabe reinlesen, die epd-Film wie sie 2017/18 noch war kann ich aber bedenkenlos empfehlen.

    Wenn man damals das abo hatte konnte man online auf das Archiv zugreifen und alte Reviews lesen. Keine Ahnung ob das immer noch so ist?

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