Hallo zusammen,
kennt ihr das auch? Man setzt sich abends müde auf die Couch, schaltet den Fernseher ein und scrollt erst mal 45 Minuten unentschlossen durch die bunten Kacheln von Netflix, Prime und Co. Am Ende ist man oft frustriert von der schieren Masse an Inhalten und schaltet ab, ohne überhaupt irgendwas Sinnvolles geschaut zu haben.
Die Ära, in der „Mainstream“ bedeutete, dass ein Millionenpublikum gemeinsam vor dem Fernseher saß, weil eine Serie einfach handwerklich verdammt gut und universell packend war, haben die Streaming-Giganten mit ihren Algorithmen längst beendet. Viele Produktionen wirken heute wie am Reißbrett für bestimmte Datensätze entworfen, anstatt eine echte Geschichte zu erzählen und die ersten spektakulären Folgen werden nicht selten nur als Türöffner dafür benutzt, um den Zuschauer zum Ende hin einfach nur noch stundenlang hinzuhalten.
Leider sind auch viele der gängigen Programm-Guides und Streaming-Magazine keine große Hilfe, da sie oft wie unkritische PR-Abteilungen der großen Studios wirken und fast jede Produktion als „Must-See“ anpreisen.
Ich habe für mich jetzt einen bewussten Schritt gemacht und greife wieder zu einem echten Print-Fachmagazin, wahrscheinlich eines der letzten in dem Bereich: epd Film (gibt's meist am Bahnhofs- oder Flughafenbuchhandel). Und ich muss sagen: Dieser Zeitschriftenklassiker ist gerade im Streamingzeitalter ein absoluter Gewinn für meine Sehgewohnheiten.
Die Zeitschrift bietet aus meiner Sicht einige unschlagbare Vorteile gegenüber der digitalen Suche:
- Mensch gegen Algorithmus: Die Kritiker dort schreiben unbestechlich und fundiert. Wenn eine Produktion erzählerisch schwach oder ethisch fragwürdig ist, wird das sachlich, aber schonungslos seziert. Das spart ungemein viel Lebenszeit.
- Raus aus der Filterblase: Beim analogen Blättern stößt man plötzlich auf kleine, geniale Independent-Filme oder Arthouse-Perlen, die einem kein Streaming-Algorithmus jemals auf der Startseite vorschlagen würde, weil man nicht in das vorgefertigte Suchraster passt.
- TV, Streaming, Physisch und Kino: Alle Bereiche (inklusive ein paar aktuelle verfügbare Klassikertipps) werden abgedeckt, da sie sich heutzutage aber ohnehin überschneiden, sind eigentlich alle Kritiken für jeden eher früher als später brauchbar.
- Der unschlagbare Couchtisch-Vorteil: Das Heft liegt physisch bei mir auf dem Wohnzimmercouchtisch. Mobile Endgeräte bleiben weit weg. Wenn ich das Smartphone in die Hand nehme, um nach sehenswerten Filmen oder Serien zu suchen, besteht immer die Gefahr, Sekunden später wieder im endlosen Internetdschungel oder bei Social Media abzudriften. Das gedruckte Heft ist ein geschlossenes System. Ich nehme mir Zeit, lese eine tiefgründige Kritik und treffe eine feste, bewusste Entscheidung – bevor ich überhaupt die Fernbedienung in die Hand nehme.
Man holt sich die Souveränität über seine eigene Freizeit zurück ins Wohnzimmer und lässt sich nicht mehr von blinkenden Bannern manipulieren. Für mich das perfekte Werkzeug, um in dieser Flut an Produktionen überhaupt noch echte Qualität zu finden.
Wer von euch nutzt auch noch klassische Print-Fachmagazine als Filter gegen die digitale Reizüberflutung? Oder wie schafft ihr es, euch eure Unabhängigkeit bei der Filmauswahl zu bewahren?
Freue mich auf eure Gedanken!
Wer wissen will, wie das Magazin aussieht: https://bc.pressmatrix.com/de/profiles/e3f7f85875ee/editions