Die schwarze Serie - 34. Die Südwest-Kammer
Nach dem Tod ihrer Großtante Harriet Gill erben die Schwestern Sophia und Amanda Gill ein altes Herrenhaus in der Nähe von Boston. Die Freude über das Erbe hält jedoch nicht lange an, denn das Testament enthält eine unangenehme Bedingung: Zehn Jahre lang dürfen sie das Haus weder verkaufen noch aufgeben und müssen sämtliche Kosten selbst tragen. Um die finanzielle Belastung stemmen zu können, eröffnen die beiden kurzerhand eine Pension. Doch der Geist der verstorbenen Harriet Gill hat ganz andere Pläne und setzt alles daran, den neuen Bewohnern das Leben zur Hölle zu machen.
Mit „Die Südwest-Kammer“ präsentiert Maritim einen herrlich klassischen Grusler, der für mich genau die richtige Mischung aus unheimlicher Atmosphäre und augenzwinkerndem Humor bietet. Die Geschichte fühlt sich angenehm altmodisch an und erinnert an die klassischen Geisterhaus-Erzählungen, bei denen weniger Schockeffekte als vielmehr Stimmung und liebenswerte Figuren im Mittelpunkt stehen. Das Hörspiel hat mich von Anfang an bestens unterhalten und war für mich eine der sympathischsten Folgen der Schwarzen Serie.
Die Handlung entwickelt sich ohne große Hektik und nimmt sich Zeit, die beiden Schwestern und ihre ungewöhnliche Situation vorzustellen. Schnell wird deutlich, dass Harriet Gill selbst nach ihrem Tod keineswegs bereit ist, ihr Haus kampflos mit Fremden zu teilen. Die immer wieder auftretenden übernatürlichen Ereignisse sorgen für genau die richtige Portion Grusel, ohne dabei jemals zu düster oder bedrückend zu werden. Gerade die Mischung aus Geistergeschichte, skurrilen Situationen und humorvollen Einfällen macht den besonderen Reiz der Folge aus. Besonders gut gefällt mir, wie die Geschichte auf ihr Finale zusteuert. Der Schluss besitzt eine schöne Pointe und sorgte bei mir tatsächlich für ein Schmunzeln. So geht man mit einer bösartigen Verwandten wohl am besten um.
Das Ensemble harmoniert hervorragend miteinander und sorgt dafür, dass die Geschichte jederzeit lebendig wirkt. Tanja Dohse und Victoria Sturm harmonieren als Sophia und Amanda Gill ausgezeichnet miteinander und tragen die Handlung souverän. Auch Ulrike Möckel, Manja Doering, Tanja Fornaro und Kim Hasper fügen sich nahtlos in das Ensemble ein. Ein besonderes Wiederhören ist für mich Arianne Borbach, deren warme und markante Stimme dem Hörspiel zusätzlich viel Charme verleiht. Umso schöner ist es, sie hier noch einmal erleben zu dürfen. Martin Sabel rundet das Ensemble ebenfalls gelungen ab.
Auch technisch überzeugt die Produktion auf ganzer Linie. Die Musik unterstützt die klassische Gruselatmosphäre hervorragend und erzeugt genau das richtige Gefühl eines alten, geheimnisvollen Herrenhauses. Hinzu kommen stimmige Geräusche, die das Geschehen jederzeit lebendig wirken lassen. Türen knarren, unheimliche Geräusche hallen durch die Räume und die Atmosphäre bleibt während der gesamten Laufzeit angenehm dicht. Gerade diese gelungene Mischung aus Musik, Effekten und Dialogen sorgt dafür, dass das Kopfkino jederzeit funktioniert.
Das Cover passt ausgezeichnet zur Geschichte. Die geisterhafte Erscheinung im alten Schlafzimmer vermittelt sofort den Eindruck einer klassischen Spukhausgeschichte. Die warme Farbgebung, das alte Bett und die geheimnisvolle Erscheinung treffen den Ton des Hörspiels perfekt und gehören für mich zu den gelungenen Motiven der Schwarzen Serie.
„Die Südwest-Kammer“ ist ein rundum gelungenes Hörspiel, das klassischen Grusel mit einer guten Portion Humor verbindet. Die sympathischen Figuren, die stimmungsvolle Atmosphäre und der gelungene Schluss machen die Folge zu einer sehr unterhaltsamen Adaption. Hinzu kommen ein hervorragend aufgelegtes Sprecherensemble sowie eine gelungene musikalische und technische Umsetzung. Wer klassische Geisterhausgeschichten mit einem Augenzwinkern mag, wird hier bestens unterhalten. Für mich zählt die Folge zu den besonders gelungenen Vertretern der Schwarzen Serie.