John Sinclair - 2504 - Zombiestadt New York (Romankritik)

  • John Sinclair 2504 - Zombiestadt New York

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    Nach dem eher bodenständigen Der Bestatter zieht Zombiestadt New York das Tempo wieder deutlich an und erinnert über weite Strecken an die großen John-Sinclair-Romane früherer Jahre. Mit Xorron kehrt einer der markantesten Gegner der Serie zurück, und schon nach wenigen Seiten wird klar, dass New York erneut zum Schauplatz eines übernatürlichen Albtraums wird. Gerade die erste Hälfte des Romans hat bei mir sofort dieses klassische Jason-Dark-Gefühl geweckt.

    Xorron darf hier endlich wieder das tun, was ihn immer ausgezeichnet hat: Angst verbreiten, Chaos anrichten und eine Spur des Grauens hinterlassen. Seine Angriffe auf New York wirken bedrohlich und atmosphärisch, die Zombies sorgen für echte Horrorstimmung, und der Roman entwickelt von Beginn an ein hohes Tempo. Besonders gelungen fand ich, dass Abe Douglas persönlich in den Mittelpunkt gerät. Dadurch bekommt die Geschichte eine emotionale Komponente, denn John muss erneut erleben, wie einer seiner engsten Freunde in Xorrons Visier gerät.

    Interessant ist auch Johns Situation. Er befindet sich weit entfernt in London und kann zunächst nur hilflos mit ansehen, wie sich die Ereignisse entwickeln. Über den Würfel des Heils erfährt er von Asmodina, was in New York geschieht. Genau hier beginnt allerdings auch einer meiner größten Kritikpunkte. John geht mir diesmal etwas zu schnell auf Asmodinas Angebot ein. Nach allem, was sie ihm in den vergangenen Romanen angetan hat, hätte ich erwartet, dass er ihr deutlich misstrauischer begegnet. Natürlich steht das Leben eines Freundes auf dem Spiel, trotzdem wirkte dieses Bündnis für mich etwas überhastet.

    Immerhin zeigt der Roman auch sofort, warum man Asmodina niemals vertrauen sollte. Sie verfolgt ausschließlich ihre eigenen Ziele und nutzt John letztlich nur als Mittel zum Zweck. Ob John daraus Konsequenzen zieht, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahren hat er sich allerdings erstaunlich häufig mit Wesen eingelassen, bei denen von Anfang an klar war, dass sie ihn früher oder später hintergehen würden.

    Spannend fand ich dagegen den parallelen Handlungsstrang um Suko. Noch ist nicht ganz klar, welche Rolle er innerhalb der Pläne des Spuks spielt, aber man merkt deutlich, dass hier etwas Größeres vorbereitet wird. Nach seinem Einsatz zieht er sich wieder ins Reich des Spuks zurück, wo bereits Jegor auf ihn wartet. Dieser Teil der Handlung macht neugierig und dürfte in den kommenden Romanen noch deutlich an Bedeutung gewinnen.

    Überhaupt gefällt mir, dass Ian Rolf Hill derzeit mehrere größere Handlungsstränge gleichzeitig vorbereitet. Neben Asmodina und Xorron bleiben auch Myxin, der Spuk und Suko wichtige Bestandteile der Geschichte. Gleichzeitig entsteht aber langsam der Eindruck, dass Asmodina inzwischen beinahe überall ihre Finger im Spiel hat. Sie scheint nahezu allwissend zu sein und immer genau zu wissen, welche Entwicklung eintreten wird. Ich hoffe deshalb, dass hier in den nächsten Romanen wieder etwas mehr Ausgewogenheit entsteht und auch andere Gegenspieler stärker in den Vordergrund rücken dürfen.

    Bis zum Finale funktioniert der Roman für mich ausgesprochen gut. Xorron wird als gefährlicher Gegner aufgebaut, New York versinkt zunehmend im Chaos, und die Mischung aus Horror und Action macht richtig Spaß. Gerade diese klassische Zombie-Atmosphäre hat mich an viele ältere Sinclair-Abenteuer erinnert.

    Das Finale fällt dann allerdings deutlich größer aus, als ich erwartet hatte. Das überraschende Auftreten von Hel kam für mich etwas zu plötzlich und wirkte nicht ganz organisch vorbereitet. Ich mag die Figur grundsätzlich sehr gern und bin gespannt, welche Rolle sie künftig spielen wird. Hier hatte ich allerdings den Eindruck, dass sie vor allem deshalb auftaucht, damit die Geschichte einen möglichst spektakulären Abschluss erhält. Sollte tatsächlich schon früher angedeutet worden sein, dass sie Abe Douglas für sich beanspruchen möchte, hatte ich das jedenfalls nicht mehr präsent.

    Etwas nachdenklich gemacht hat mich außerdem Asmodinas Bemerkung, sie stehe unter Luzifers Schutz. Ob das eine bewusste Andeutung für kommende Entwicklungen oder lediglich eine ungenaue Formulierung war, wird sich erst noch zeigen. Sollte hier tatsächlich eine größere Geschichte vorbereitet werden, könnte das für die nächsten Romane durchaus interessant werden.

    Ein kleiner Kritikpunkt betrifft für mich erneut die Außenwirkung der Ereignisse. In New York geschehen Dinge, die eigentlich unmöglich zu übersehen sind. Zombies greifen Menschen an, eine U-Bahn entgleist, mitten in der Stadt liefern sich übernatürliche Mächte einen gewaltigen Kampf – und dennoch scheint die Welt danach erstaunlich schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen. Solche spektakulären Szenen wirken zwar imposant, verlieren aber etwas an Glaubwürdigkeit, wenn sie anschließend kaum Konsequenzen nach sich ziehen.

    Das Titelbild gefällt mir dagegen ausgesprochen gut. Die riesenhafte Gestalt Xorrons über der Skyline von New York vermittelt sofort das Gefühl einer gewaltigen Bedrohung und passt hervorragend zur düsteren Stimmung des Romans. Es gehört für mich zu den stärkeren Titelbildern der letzten Zeit.

    Insgesamt hat mir Zombiestadt New York gut gefallen. Gerade die erste Hälfte besitzt genau den klassischen Sinclair-Charme, den ich an der Serie so mag. Xorron ist ein starker Gegner, die Horroratmosphäre stimmt, und die Handlung liest sich durchgehend flüssig. Erst das etwas überladene Finale mit Hels Eingreifen und einigen sehr großen Schauwerten kostet den Roman für mich ein wenig von seiner Wirkung.

    Unterm Strich bleibt aber ein spannender und atmosphärischer Sinclair-Roman, der die laufende Handlung sinnvoll weiterführt und gleichzeitig wieder echtes Zombie-Feeling aufkommen lässt. Ich hoffe nur, dass Xorron nicht allzu lange von der Bildfläche verschwindet, denn sein Potenzial ist längst noch nicht ausgeschöpft.

    Für mich ein starker Horrorroman mit viel klassischem Sinclair-Flair, einem überzeugenden Xorron und einer gelungenen Zombie-Atmosphäre, der erst im etwas überladenen Finale ein paar kleinere Schwächen zeigt.

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