Die Bibel: Altes Testament - 5. Der Turmbau zu Babel
Nach der Sintflut leben die Menschen wieder vereint und verfolgen ein ehrgeiziges Ziel. Sie wollen eine gewaltige Stadt errichten und einen Turm bauen, dessen Spitze bis in den Himmel reichen soll. Während der Bau immer weiter voranschreitet, geraten Demut und Mitgefühl zunehmend in den Hintergrund. Macht, Ehrgeiz und der Wunsch nach Größe bestimmen das Handeln vieler Menschen. Schließlich greift Gott ein und verwirrt ihre Sprache. Aus dem gemeinsamen Werk wird Chaos, und die Menschen werden über die ganze Erde zerstreut.
Mit „Der Turmbau zu Babel“ widmet sich Holysoft einer biblischen Geschichte, die bei mir nicht mehr ganz so präsent war wie die bisherigen Folgen der Reihe. Gerade deshalb fand ich es spannend, diese Erzählung noch einmal in einer aufwendig produzierten Hörspielfassung zu erleben. Wie schon zuvor beschränkt sich Holysoft nicht darauf, die wenigen Verse der Bibel einfach nachzuerzählen. Stattdessen wird die Handlung um zusätzliche Figuren, Dialoge und kleinere Nebenhandlungen erweitert, wodurch die Geschichte deutlich lebendiger wirkt.
Besonders gut gefällt mir, dass der eigentliche Turmbau nicht einfach nur als großes Bauprojekt dargestellt wird. Vielmehr zeigt das Hörspiel sehr anschaulich, wie Ehrgeiz, Machtstreben und Hochmut die Menschen nach und nach verändern. Gerade durch die neu eingeführten Figuren bekommt man einen besseren Eindruck davon, welche Auswirkungen dieses Vorhaben auf die einzelnen Menschen hat. Dadurch entwickelt die Geschichte mehr Tiefe, als es die eigentliche Bibelvorlage vermuten lässt. Die Handlung entwickelt sich dabei angenehm ruhig, ohne langweilig zu werden. Der Spannungsbogen entsteht weniger durch große Action, sondern vielmehr durch die stetig zunehmenden Konflikte zwischen den Figuren und die Frage, wie lange dieses größenwahnsinnige Vorhaben überhaupt gutgehen kann. Das Finale mit der Sprachverwirrung ist anschließend sehr stimmungsvoll umgesetzt und bildet einen passenden Abschluss der Geschichte. Insgesamt hat mich die Folge erneut gut unterhalten und gleichzeitig längst verschüttetes Wissen wieder etwas aufgefrischt.
Der Sprechercast überzeugt erneut mit vielen starken Leistungen. Alexandra Lange führt als Erzählerin gewohnt ruhig und sicher durch die Handlung und sorgt dafür, dass jederzeit eine angenehme Atmosphäre entsteht. Samina König und Uschi Hugo verleihen ihren Figuren viel Persönlichkeit und machen ihre Rollen jederzeit glaubwürdig. Jürgen Thormann ist mit seiner markanten Stimme einmal mehr eine Bereicherung für die Produktion, während Wolfgang Bahro ebenfalls einen überzeugenden Eindruck hinterlässt. Engelbert von Nordhausen verleiht Gott erneut die nötige Autorität und Würde. Mittlerweile zeigt sich für mich allerdings auch eine kleine Schwäche der Reihe. Konrad Bösherz spricht den Satan zwar erneut hervorragend, allerdings mittlerweile zum fünften Mal nahezu auf die gleiche Art und Weise. Dadurch war für mich sofort klar, welcher Figur man besser nicht vertrauen sollte. Der vermeintliche Wolf im Schafspelz wird dadurch leider sehr früh enttarnt. Hinzu kommt, dass mir die Figur hier insgesamt etwas zu blass bleibt. Satan ist schließlich das größte Kaliber, das man als Gegenspieler auffahren kann.
Produktionstechnisch bleibt die Reihe weiterhin auf einem erfreulich hohen Niveau. Das Sounddesign sorgt erneut für eine dichte Atmosphäre und lässt die riesige Baustelle lebendig wirken. Stimmengewirr, Werkzeuge und die vielen Umgebungsgeräusche erzeugen jederzeit ein glaubwürdiges Klangbild. Auch die Musik fügt sich wieder hervorragend ein und unterstützt die Handlung, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen.
Das Cover gefällt mir ebenfalls sehr gut. Der gewaltige Turm ragt eindrucksvoll in den Himmel und vermittelt sofort den Größenwahn der Menschen. Farbgebung und Gestaltung passen hervorragend zur Stimmung der Geschichte und fügen sich nahtlos in das hochwertige Erscheinungsbild der bisherigen Reihe ein.
„Der Turmbau zu Babel“ setzt die bisher starke Reihe gelungen fort. Die bekannte biblische Geschichte wird spannend erweitert und bleibt trotz einiger künstlerischer Freiheiten jederzeit interessant. Die hervorragenden Sprecher, das starke Sounddesign und die hochwertige Produktion sorgen erneut für ein rundes Hörerlebnis. Mein einziger größerer Kritikpunkt bleibt die inzwischen etwas vorhersehbare Besetzung des Satans. Davon abgesehen hat mich die Folge aber wieder gut unterhalten und Lust darauf gemacht, die Reise durch das Alte Testament weiter fortzusetzen.