Bibi & Tina - 125. Im ungarischen Wald
Bibi, Tina und Alex verbringen ihre Ferien auf Gut Szendrö und brechen gemeinsam mit Mikosch zur Einweihung des neuen Hofes von István und Béla auf. Der Weg dorthin ist jedoch deutlich weiter, als zunächst angenommen. Um rechtzeitig anzukommen, müssen die vier Freunde die Puszta hinter sich lassen und einen riesigen Wald durchqueren. Dort warten nicht nur unwegsames Gelände und schlechtes Wetter auf sie, sondern auch Begegnungen mit einer Bärin und einem Wolfsrudel, die den Ausritt zu einem kleinen Abenteuer machen.
Die Ausgangsidee der Folge hat mir zunächst richtig gut gefallen. Die ungarischen Geschichten hatten schon immer ihren ganz eigenen Reiz und ein langer Ritt durch einen dichten Wald verspricht eigentlich alles, was man sich von einem Abenteuer mit Bibi und Tina wünscht. Leider bleibt es bei dieser guten Idee. Über weite Strecken reiten die Figuren lediglich von einer Station zur nächsten, ohne dass sich daraus eine wirklich spannende Handlung entwickelt. Die Geschichte wirkt häufig eher wie eine Aneinanderreihung kleiner Ereignisse als wie ein großes Abenteuer mit einem klaren Spannungsbogen.
Gerade die Begegnungen mit der Bärin oder später den Wölfen hätten für packende Momente sorgen können. Stattdessen werden diese Situationen recht schnell wieder aufgelöst und hinterlassen kaum bleibenden Eindruck. Auch das Unwetter gegen Ende kommt wenig überraschend und wirkt eher wie ein Pflichtprogrammpunkt, als dass es die Handlung wirklich voranbringt. Hinzu kommen einige Entscheidungen der Figuren, die ich nur schwer nachvollziehen konnte. Besonders im Umgang mit Bibis Hexerei wirkt die Geschichte manchmal inkonsequent. Mal scheint Hexen selbstverständlich zu sein, dann wird wieder darauf verzichtet, obwohl sich Probleme damit problemlos lösen ließen. Dadurch entstehen Situationen, die konstruiert wirken und der Geschichte etwas von ihrer Glaubwürdigkeit nehmen. Für viele langjährige Hörer dürfte allerdings die größte Veränderung bereits vor Beginn der eigentlichen Geschichte stattfinden. Nach 124 Folgen wurde das bekannte Titellied komplett neu aufgenommen. Sicherlich ist es legitim, einer traditionsreichen Serie einen moderneren Klang zu verleihen. Das ursprüngliche Intro gehörte für mich allerdings untrennbar zu Bibi & Tina und besaß einen enormen Wiedererkennungswert. Die neue Version wirkt zwar zeitgemäßer, erreicht für mein Empfinden aber längst nicht die Wärme und den Kultstatus des Originals.
Sprecherisch bewegt sich die Folge dagegen auf dem gewohnt hohen Niveau der Serie. S. Bonasewicz, D. Hugo und S. Hasper harmonieren nach wie vor hervorragend miteinander und vermitteln das vertraute Gefühl, das Bibi & Tina seit Jahrzehnten auszeichnet. S. Mißbach und S. Riemann sind ebenfalls wieder mit dabei und sorgen dafür, dass sich die Handlung sofort vertraut anfühlt. G. Schoß führt als Erzähler gewohnt ruhig und angenehm durch die Geschichte. Die größte Veränderung betrifft allerdings Mikosch. Nach vielen Jahren übernimmt Jan Makino die Rolle. Rein stimmlich macht er seine Sache durchaus ordentlich und orientiert sich hörbar am bisherigen Klang der Figur. Trotzdem fällt auf, dass Mikosch etwas von seiner bisherigen Lockerheit und seinem ganz eigenen Charme verloren hat. Das liegt weniger an der Stimme selbst als an der Interpretation der Figur. Wer den bisherigen Mikosch über viele Folgen hinweg begleitet hat, wird den Wechsel sicherlich sofort bemerken.
Technisch gibt es dagegen kaum Anlass zur Kritik. Die Produktion klingt sauber und hochwertig. Die Geräusche sorgen besonders während des Ritts durch den Wald für eine passende Atmosphäre und lassen die Natur lebendig wirken. Auch das Sounddesign überzeugt mit einer stimmigen Mischung aus Umgebungsgeräuschen und Musik.
Das Cover gefällt mir dagegen ausgesprochen gut. Der nächtliche Wald, die vier Reiter und die geheimnisvolle Stimmung passen hervorragend zum Titel der Folge. Es vermittelt genau das Abenteuergefühl, das man sich von der Geschichte erhofft, und gehört für mich zu den gelungenen Covern der neueren Bibi-&-Tina-Reihe.
„Im ungarischen Wald“ besitzt eigentlich alle Zutaten für eine starke Abenteuerfolge. Die Schauplätze, die Natur und die Grundidee stimmen, doch die Geschichte macht letztlich zu wenig daraus. Über weite Strecken fehlt es an Spannung und echten Höhepunkten. Sprecher, Produktion und Cover bewegen sich weiterhin auf gewohnt hohem Niveau und können die erzählerischen Schwächen zumindest teilweise auffangen. Insgesamt bleibt eine Folge, die durchaus hörbar ist, das vorhandene Potenzial aber leider nicht ausschöpft und deshalb hinter den stärkeren Ungarn-Abenteuern der Reihe zurückbleibt.