Sundquist: Dezernat Linköping - 2 - Kinder der Hydra

  • Sundquist: Dezernat Linköping - 2. Kinder der Hydra

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    Die renommierte Gynäkologin Margret Winblad wird tot in ihrem eigenen Haus aufgefunden – versteckt in einer Kühltruhe. Doch schon bei der Obduktion wird deutlich, dass dieser Mord alles andere als gewöhnlich ist. Die Brutalität der Tat erschüttert selbst den erfahrenen Ermittler Arvid Sundquist. Als kurze Zeit später auch eine Sprechstundenhilfe auf grausame Weise ums Leben kommt, steht fest, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Die wenigen Hinweise führen das Ermittlerteam zunächst in die falsche Richtung und schließlich sogar bis zur brasilianischen Botschaft. Doch je tiefer Sundquist gräbt, desto deutlicher wird, dass hinter den Verbrechen ein erschütterndes Motiv steckt.

    Bereits der zweite Fall beweist eindrucksvoll, dass Sundquist – Dezernat Linköping weit mehr ist als ein gewöhnlicher Krimi. Andreas Masuth verbindet klassische Ermittlungsarbeit mit einem hochspannenden Thriller und scheut sich dabei nicht, schwierige und moralisch belastende Themen anzusprechen. Das Ergebnis ist erneut ein Hörspiel, das von der ersten bis zur letzten Minute fesselt.

    Schon die ersten Minuten machen deutlich, dass dieser Fall den Ermittlern alles abverlangen wird. Der Fund der Leiche gehört zu den eindrucksvollsten und gleichzeitig verstörendsten Momenten der bisherigen Reihe. Die Schilderungen sind intensiv genug, um einen echten Schauer über den Rücken laufen zu lassen, verlieren sich dabei aber nie in unnötiger Effekthascherei. Vielmehr unterstreichen sie die Grausamkeit des Verbrechens und schaffen sofort eine bedrückende Atmosphäre. Die Ermittlungen entwickeln sich anschließend ausgesprochen spannend. Lange bleibt unklar, welche Verbindung zwischen den Opfern besteht und welches Motiv hinter den Morden steckt. Immer neue Hinweise werfen zusätzliche Fragen auf, anstatt schnelle Antworten zu liefern. Gerade diese Mischung aus klassischer Polizeiarbeit und einem undurchsichtigen Hintergrund sorgt dafür, dass die Spannung über die gesamte Laufzeit konstant hoch bleibt. Besonders gelungen ist, wie Andreas Masuth das eigentliche Thema erst nach und nach freilegt. Je weiter sich die Handlung entwickelt, desto erschütternder werden die Hintergründe. Vor allem gegen Ende nimmt die Geschichte noch einmal deutlich an Intensität zu und konfrontiert den Hörer mit moralischen Abgründen, die lange nachwirken. Eine Szene hat mich dabei besonders beschäftigt. Als der sogenannte „Vater“ über seine Frau und seine gehandicapten Kinder spricht, war das für mich kaum auszuhalten. Die menschenverachtende Denkweise, die dahintersteht, wirkt erschreckend real und machte diesen Moment für mich zu einem der beklemmendsten der gesamten Geschichte. Gerade weil man weiß, dass ähnliche Ideologien tatsächlich existierten – und leider teilweise noch immer existieren –, entfaltet diese Szene eine enorme Wirkung.

    Thomas Schmuckert überzeugt erneut als Arvid Sundquist. Seine ruhige, besonnene Art passt hervorragend zur Figur und vermittelt jederzeit die Erfahrung und Souveränität eines Ermittlers, der auch in den schlimmsten Situationen einen kühlen Kopf bewahren muss. Jenny Maria Meyer und Tobias Nath ergänzen das Ermittlerteam erneut ausgezeichnet. Die Chemie zwischen den Figuren wirkt bereits im zweiten Fall erstaunlich selbstverständlich. Tatsächlich sind mir die Charaktere schon jetzt richtig ans Herz gewachsen. Genau das ist eine der größten Stärken der Reihe: Man verfolgt die Ermittlungen nicht nur wegen der spannenden Fälle, sondern auch wegen der Menschen, die sie lösen. Auch Marion Elskis fügt sich überzeugend in das Ensemble ein. Insgesamt wirken sämtliche Rollen hervorragend besetzt und werden durchweg glaubwürdig gespielt.

    Technisch bleibt Kinder der Hydra auf dem hohen Niveau der ersten Folge. Die Geräuschkulisse erzeugt jederzeit glaubwürdige Schauplätze und unterstützt die bedrückende Atmosphäre wirkungsvoll. Besonders während der Tatortuntersuchungen und der späteren dramatischen Szenen entsteht ein dichtes Klangbild, das den Hörer vollständig in die Handlung hineinzieht. Die Musik begleitet das Geschehen sehr stimmungsvoll und setzt genau dort Akzente, wo sie die Spannung zusätzlich verstärken kann. Gemeinsam mit der klaren Abmischung entsteht erneut eine Produktion, die sich hinter deutlich größeren Hörspielreihen keineswegs verstecken muss.

    Das Cover setzt die Gestaltung des ersten Teils konsequent fort. Der blutverschmierte Untersuchungsstuhl dominiert das Motiv und vermittelt bereits auf den ersten Blick, dass den Hörer erneut ein düsterer und kompromissloser Thriller erwartet. Zusammen mit den schwedischen Farben und den weiteren Bildelementen entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das hervorragend zur Atmosphäre der Reihe passt.

    Mit „Kinder der Hydra“ gelingt Andreas Masuth eine hervorragende Fortsetzung seiner Thrillerreihe. Der Fall verbindet spannende Ermittlungen mit einem verstörenden und zugleich nachdenklich stimmenden Thema. Die Figuren wachsen einem bereits im zweiten Teil spürbar ans Herz und werden von einem ausgezeichneten Sprecherensemble überzeugend zum Leben erweckt. Die Geschichte entwickelt einen konstanten Spannungsbogen, überrascht mit immer neuen Wendungen und scheut sich nicht davor, auch unbequeme Themen anzusprechen. Gerade deshalb bleibt das Hörspiel lange im Gedächtnis. Für mich bestätigt Kinder der Hydra, dass Sundquist – Dezernat Linköping zu den stärksten neuen Thrillerreihen der letzten Jahre gehört. Jede bislang erschienene Folge konnte vollständig überzeugen – und nach diesem zweiten Teil ist die Vorfreude auf die Fortsetzung entsprechend riesig.

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