Die drei ??? – Cathlen Gawlich liest: … und der Hexengarten
Ein ungewöhnlicher Auftrag führt die drei ??? zu einem geheimnisvollen Anwesen mit einem verwilderten Gewächshaus. Jesses Berichte über leuchtende Pflanzen und körperlose Stimmen klingen zunächst nach einer übertriebenen Gruselgeschichte. Doch als seine Schwester zusätzlich behauptet, auf dem Grundstück lebe eine Hexenfamilie, werden Justus, Peter und Bob neugierig. Zwischen rätselhaften Pflanzen, unheimlichen Erscheinungen und immer neuen Hinweisen versuchen die drei Detektive herauszufinden, was wirklich hinter dem sogenannten Hexengarten steckt.
Nicht jede Geschichte der drei ??? eignet sich gleichermaßen für ein Hörbuch. Manche Abenteuer leben vor allem von Dialogen und dem Zusammenspiel der bekannten Sprecher, andere entfalten ihre Wirkung stärker durch die erzählerische Atmosphäre. Der Hexengarten gehört für mich eher zur ersten Kategorie. Umso gespannter war ich, wie sich diese Geschichte als Lesung schlagen würde. Am Ende hat mich vor allem eine Person überzeugt: Cathlen Gawlich.
Die Handlung verbindet klassische Detektivarbeit mit einer angenehm gruseligen Grundstimmung. Das geheimnisvolle Gewächshaus, die angeblichen Geisterpflanzen und die Hexengerüchte sorgen zunächst für eine spannende Ausgangslage und wecken sofort die Neugier. Kari Erlhoff versteht es, den Fall langsam aufzubauen und den übernatürlich wirkenden Ereignissen zunächst genügend Raum zu geben, bevor nach und nach die rationalen Erklärungen in den Vordergrund treten. Als Hörbuch funktioniert die Geschichte insgesamt gut, auch wenn ich persönlich glaube, dass es stärkere ???-Abenteuer gegeben hätte, die sich noch besser für dieses Format angeboten hätten. Einige Passagen leben sehr stark vom Dialog und hätten als klassisches Hörspiel möglicherweise noch etwas mehr Dynamik entwickelt. Dennoch bleibt die Handlung durchgehend interessant und bietet einige gelungene Wendungen sowie die vertraute Mischung aus Rätsel, Spannung und leichtem Grusel.
Der eigentliche Star dieser Veröffentlichung ist für mich eindeutig Cathlen Gawlich. Man merkt ihr in jeder Minute ihre enorme Erfahrung an. Sie liest den Text nicht einfach vor, sondern interpretiert ihn. Jede Figur erhält ihre eigene Klangfarbe, ohne dass die Darstellung jemals künstlich wirkt. Besonders beeindruckend ist, wie selbstverständlich sie zwischen den verschiedenen Charakteren wechselt und dabei trotzdem jederzeit den Erzählfluss beibehält. Vor allem die emotionaleren Momente profitieren von ihrer Interpretation. Spannung, Unsicherheit oder auch humorvolle Szenen transportiert sie mit einer Leichtigkeit, die das Zuhören ausgesprochen angenehm macht. Gerade bei einem Hörbuch ist eine solche Fähigkeit entscheidend – und Cathlen Gawlich beweist eindrucksvoll, warum sie zu den erfahrensten Sprecherinnen ihres Fachs gehört.
Auch technisch präsentiert sich das Hörbuch auf gewohnt hohem Niveau. Die Aufnahme klingt sauber und klar, störende Nebengeräusche gibt es keine. Der Fokus liegt vollständig auf der Stimme, wodurch Cathlen Gawlich ihre Wirkung optimal entfalten kann. Regie und Aufnahme halten sich bewusst im Hintergrund und lassen der Geschichte den nötigen Raum. Die Laufzeit von etwas mehr als drei Stunden vergeht dadurch erstaunlich kurzweilig.
Das Cover greift den Titel der Geschichte hervorragend auf. Die riesige fleischfressende Pflanze mit ihren bedrohlichen Zähnen erzeugt sofort eine geheimnisvolle und leicht unheimliche Atmosphäre. Gleichzeitig bleibt der typische Illustrationsstil der Buchcover erhalten und vermittelt sofort das vertraute ???-Gefühl. Farblich sorgt das kräftige Grün der Pflanzen zusammen mit dem dunklen Hintergrund für einen gelungenen Kontrast, der sofort neugierig auf die Geschichte macht.
Mit „… und der Hexengarten“ erscheint ein gelungenes Hörbuch, das vor allem von der hervorragenden Leistung Cathlen Gawlichs lebt. Die Geschichte selbst gehört für mich zwar nicht unbedingt zu den stärksten Kandidaten für eine Hörbuchumsetzung, bleibt aber dennoch spannend und atmosphärisch erzählt. Dass die Veröffentlichung trotzdem so gut funktioniert, ist in erster Linie der außergewöhnlich lebendigen und professionellen Lesung zu verdanken. Cathlen Gawlich versteht es, jeder Szene Leben einzuhauchen und die Emotionen der Figuren glaubwürdig zu transportieren. Dadurch wird aus einer guten Geschichte ein rundum hörenswertes Hörbuch.