Hallo liebe Hörgrusler,
ich möchte heute den Stein für eine neue Beitragsreihe in unserem Forum ins Rollen bringen. Die Idee ist simpel: Jeder von uns stellt hier ab und an eine Höraufnahme – sei es ein Hörspiel, ein Feature oder ein Live-Mitschnitt – vor, die aus eigener Sicht jedes andere visuelle Medium (Film, Fernsehen, Theater) spielend in den Schatten stellt.
Ich mache gleich den Anfang mit einer absoluten Herzensangelegenheit: Dem Live-Mitschnitt des Theaterstücks „Das hat man nun davon“ mit Heinz Erhardt als Finanzbeamter Willi Winzig.
Viele von euch kennen Willi Winzig sicherlich aus dem Kinofilm „Was ist denn bloß mit Willi los?“ von 1970. Aber Hand aufs Herz: Vergesst den Film. Vergesst eigentlich fast jeden Film mit Heinz Erhardt. Denn das, was das Wirtschaftswunder-Kino damals mit ihm gemacht hat, war oft ein Trauerspiel. Er wurde in ein enges Korsett aus schwachen Drehbüchern, hölzernen Nebenhandlungen und erzwungenem Slapstick gezwängt. Seine größte Waffe – das exakte sprachliche Timing – ging im Schnittgewitter und im visuellen Ballast der Studios oft völlig verloren.
Ganz anders auf der Schallplatte. Wer diesen Mitschnitt hört, erlebt Erhardt in seiner absolut reinsten, unzensierten Form.
Warum schlägt diese Platte für mich jeden seiner Filme?
- Das pure Wort steht im Mittelpunkt: Heinz Erhardt war im Herzen kein Filmschauspieler, sondern ein grandioser Rezitator und Bühnenkünstler. Auf der Tonspur konzentriert sich alles zu 100 % auf sein Genie: Das absichtliche Verhaspeln, die winzige Pause vor der Pointe, der subtil verdrehte Buchstabe. Kein Regisseur bremst ihn aus.
- Die unbezahlbare Live-Energie: Das Medium Ton fängt hier eine Magie ein, die kein Studio replizieren kann. Man hört das Knistern im Saal, das spontane Lachen des Publikums und wie Erhardt förmlich auf dieser Welle der Begeisterung reitet, aus der Rolle fällt und direkt mit den Zuschauern interagiert. Das ist Kopfkino auf allerhöchtem Niveau.
- Befreit vom Wirtschaftswunder-Kitsch: Während die Filme heute durch zeittypische Schlagereinlagen und fade Kulissen extrem gealtert wirken, ist die Audio-Komödie über den deutschen Bürokratismus absolut zeitlos geblieben.
Für mich der ultimative Beweis: Das Ohr sieht einfach besser. Die Platte transportiert Erhardts Wärme, seinen Witz und sein handwerkliches Können um Längen intensiver, als es die Mattscheibe je vermochte.
Jetzt seid ihr dran! Welches akustische Juwel hat euch so gepackt, dass ihr das dazugehörige Buch oder die Verfilmung dafür jederzeit im Schrank stehen lasst?
Ich bin gespannt auf eure Vorstellungen und freue mich auf die Diskussion!
Viele liebe Grüße
Rudolf