Toy Story 5 - Eine überraschend emotionale Rückkehr voller Fantasie und aktueller Themen
Als bekannt wurde, dass Pixar tatsächlich noch einen fünften Teil von Toy Story produzieren würde, war ich zunächst durchaus skeptisch. Nach dem perfekten Abschluss von Toy Story 3 und dem eher epilogartigen Toy Story 4 stellte sich unweigerlich die Frage, ob diese Reihe wirklich noch etwas Neues erzählen kann. Schließlich begleiten mich Woody, Buzz und ihre Freunde seit den neunziger Jahren, und jede Fortsetzung schien das Risiko zu bergen, den Zauber der ursprünglichen Filme zu verwässern. Umso erfreulicher war für mich die Erkenntnis, dass Toy Story 5 tatsächlich einen eigenen Weg geht und sich nicht nur darauf beschränkt, bekannte Figuren noch einmal auf die Leinwand zu bringen. Stattdessen greift der Film ein Thema auf, das aktueller kaum sein könnte, und schafft es dabei, die typische Mischung aus Humor, Abenteuer und emotionalen Momenten zu bewahren.
Schon die ersten Minuten machen deutlich, dass sich etwas verändert hat. Bonnie ist älter geworden, und die Welt, in der sie aufwächst, sieht anders aus als die Kindheit, die Andy einst erlebt hat. Tablets, soziale Netzwerke und digitale Unterhaltung gehören längst zum Alltag. Genau an diesem Punkt setzt die Geschichte an. Als Bonnie mit Lilypad ein modernes technisches Gerät erhält, geraten Jessie und die übrigen Spielzeuge zunehmend ins Abseits. Die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, war schon immer ein zentrales Thema der Reihe, doch hier bekommt sie eine neue Dimension. Es geht nicht mehr nur darum, dass Kinder älter werden, sondern um die Frage, welchen Platz klassische Fantasie und freies Spielen in einer immer digitaleren Welt überhaupt noch haben.
Besonders gut gefallen hat mir, dass der Film dieses Thema erstaunlich ausgewogen behandelt. Toy Story 5 verteufelt moderne Technik nicht und stellt auch nicht die Behauptung auf, dass früher alles besser gewesen sei. Stattdessen zeigt er, wie schnell Menschen dazu neigen, sich in Bildschirmen und virtuellen Welten zu verlieren, ohne dabei den Wert echter Begegnungen und gemeinsamer Erlebnisse aus den Augen verlieren zu dürfen. Gerade diese Nuancierung macht den Film wesentlich interessanter, als es der reine Werbeslogan „Spielzeug gegen Technik“ zunächst vermuten lässt.
Im Mittelpunkt steht diesmal vor allem Jessie, und das empfand ich als ausgesprochen erfrischend. Seit ihrem ersten Auftritt in Toy Story 2 gehört sie für mich zu den stärksten Figuren der Reihe, wurde aber häufig etwas in den Hintergrund gedrängt. Hier erhält sie endlich die Möglichkeit, eine Geschichte zu tragen, und Joan Cusack verleiht ihr erneut eine wunderbare Mischung aus Energie, Unsicherheit und Wärme. Man spürt, wie sehr Jessie die Angst beschäftigt, erneut vergessen oder ersetzt zu werden. Gerade weil ihre Vergangenheit mit Emily immer noch wie ein Schatten über ihr liegt, wirken ihre Entscheidungen nachvollziehbar und emotional glaubwürdig. Einige Szenen haben mich tatsächlich an die traurigen Momente aus Toy Story 2 erinnert und gezeigt, warum diese Figur bis heute so beliebt ist.
Woody und Buzz stehen diesmal zwar nicht mehr so sehr im Mittelpunkt wie früher, aber das hat mich weniger gestört, als ich zunächst gedacht hätte. Woody wirkt eher wie ein erfahrener Freund, der unterstützend eingreift, während Buzz mit seinem Humor und seiner liebenswerten Art weiterhin für viele schöne Momente sorgt. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass auch Figuren wie Rex, Hamm oder Mr. Potato Head etwas mehr zu tun bekommen hätten, denn gerade diese Nebenfiguren haben den Charme der Reihe immer mitgeprägt. Dennoch gelingt es dem Film, den alten Charakteren genügend Präsenz zu geben, damit sich das Wiedersehen vertraut und angenehm anfühlt.
Die neuen Figuren haben mich ebenfalls positiv überrascht. Besonders Lilypad ist wesentlich interessanter, als man zunächst erwarten würde. Der Film macht aus ihr keinen eindimensionalen Bösewicht, sondern zeigt vielmehr eine Figur, die auf ihre eigene Weise versucht, Bonnie zu helfen. Dadurch entsteht ein spannender Konflikt, bei dem beide Seiten nachvollziehbare Motive besitzen. Auch die neuen technischen Spielzeuge sorgen immer wieder für humorvolle Momente. Vor allem Smarty Pants stiehlt mit seinem schrägen Humor einige Szenen und bringt eine herrlich absurde Note in die Geschichte.
Emotional wird Toy Story 5 vor allem dann besonders stark, wenn sich die Handlung mit Einsamkeit und dem Wunsch beschäftigt, gebraucht zu werden. Dieses Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film. Nicht nur die Spielzeuge sehnen sich nach Aufmerksamkeit und Liebe, sondern auch Bonnie selbst kämpft mit Unsicherheiten und der Schwierigkeit, echte Freundschaften zu finden. Gerade dadurch entsteht eine emotionale Ebene, die weit über einen gewöhnlichen Kinderfilm hinausgeht. Pixar beweist erneut, dass man ernste Themen behandeln kann, ohne dabei die Leichtigkeit und den Humor zu verlieren.
Optisch ist der Film über jeden Zweifel erhaben. Pixar zeigt einmal mehr, warum das Studio zu den führenden Animationsschmieden der Welt gehört. Die Figuren wirken lebendiger denn je, Stoffe und Oberflächen besitzen eine beeindruckende Detailfülle, und die Lichtstimmungen verleihen vielen Szenen eine fast magische Atmosphäre. Besonders die fantasievollen Spielsequenzen haben mir gefallen. Sie erinnern daran, wie grenzenlos Kinder ihre Welt wahrnehmen und wie viel Abenteuer selbst in einem Kinderzimmer stecken kann. Manche Einstellungen besitzen eine Wärme und Schönheit, die mich immer wieder zum Staunen gebracht haben.
Auch musikalisch bleibt sich die Reihe treu. Die vertrauten Klänge erzeugen sofort ein Gefühl von Heimkehr, und die Musik unterstützt die emotionalen Szenen auf wunderbare Weise. Gleichzeitig setzt der Film immer wieder auf humorvolle Einlagen, sodass sich ernste und leichte Momente angenehm abwechseln. Dadurch entsteht ein Rhythmus, der dafür sorgt, dass die Laufzeit wie im Flug vergeht.
Ganz ohne Schwächen kommt allerdings auch Toy Story 5 nicht aus. Einige Nebenfiguren bleiben etwas unterbeschäftigt, und manche Handlungselemente erinnern durchaus an frühere Filme der Reihe. Hin und wieder hatte ich das Gefühl, bestimmte Themen bereits in ähnlicher Form erlebt zu haben. Auch einige emotionale Momente wirken bewusst darauf angelegt, Erinnerungen an frühere Filme wachzurufen. Das funktioniert zwar, fühlt sich gelegentlich aber ein wenig kalkuliert an. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass manche Ideen noch etwas mutiger zu Ende gedacht worden wären.
Trotz dieser kleineren Kritikpunkte hat mich Toy Story 5 überrascht und bewegt. Der Film erreicht vielleicht nicht ganz die Perfektion der ersten drei Teile, doch er besitzt genügend Herz, Humor und eigene Ideen, um seine Existenz zu rechtfertigen. Vor allem Jessies Geschichte und die Auseinandersetzung mit der Rolle von Fantasie in einer digitalen Welt verleihen dem Film eine Aktualität, die mich mehr beeindruckt hat, als ich erwartet hätte.
Nach dem Kinobesuch blieb bei mir vor allem das schöne Gefühl zurück, alte Freunde wiedergetroffen zu haben. Toy Story 5 erinnert daran, dass sich Zeiten ändern, dass neue Technologien ihren Platz haben und dass Fortschritt nicht zwangsläufig bedeutet, Altes hinter sich lassen zu müssen. Fantasie, Freundschaft und gemeinsames Spielen besitzen auch heute noch einen unschätzbaren Wert. Vielleicht erreicht dieser fünfte Teil nicht die emotionale Wucht von Toy Story 3, aber er beweist eindrucksvoll, dass diese Figuren auch nach über dreißig Jahren noch etwas zu erzählen haben. Und genau deshalb hat mich diese Rückkehr mehr berührt, als ich es im Vorfeld jemals erwartet hätte.