Sherlock Holmes: Baker Street - 9 - Das Mal der Mumie

  • Sherlock Holmes: Baker Street - 9. Das Mal der Mumie

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da Sie keine Berechtigung haben, diesen Inhalt zu sehen.

    Im London des Jahres 1881 sorgt ein morbider Trend für Aufsehen: Wohlhabende Kreise veranstalten sogenannte Mumien-Auswicklungen und präsentieren dabei echte ägyptische Tote als makabre Sensation. Auch Robert Folson gerät auf einer Gesellschaft in eine solche Vorführung hinein. Doch als die Mumie enthüllt wird, entdeckt er auf der Leiche dasselbe Muttermal wie bei seiner Schwester. Aus dem zunächst skurrilen Gesellschaftsereignis entwickelt sich plötzlich ein rätselhafter und persönlicher Fall, der Sherlock Holmes und Dr. Watson tief in eine Geschichte aus Geheimnissen, Vergangenheit und falschen Identitäten hineinzieht.

    Schon die Grundidee der Folge hat mir ausgesprochen gut gefallen. Dieses viktorianische Setting rund um die damalige Faszination für Ägypten und Mumien bringt sofort eine besondere Atmosphäre mit sich. Gleichzeitig wirkt die Geschichte angenehm klassisch und fügt sich trotzdem frisch in die Reihe ein. Besonders spannend fand ich dabei, dass erstmals ein anderer Autor als Dennis Ehrhardt zum Einsatz kommt. Das hätte theoretisch leicht zu einem Stilbruch führen können, passiert hier aber überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die Folge fühlt sich vollkommen natürlich innerhalb der Serie an. Gerade deshalb wirkt „Das Mal der Mumie“ wie eine gelungene Erweiterung des bisherigen Baker-Street-Kosmos.

    Die Folge nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren und die Entwicklung der Handlung. Das Tempo bleibt dabei eher ruhig und klassisch, was hervorragend zum Holmes-Stil passt. Sehr gelungen ist die Mischung aus Ermittlungen, gesellschaftlichen Szenen und den wechselnden Schauplätzen. Die Geschichte bewegt sich angenehm flüssig zwischen Gesprächsszenen, Nachforschungen und atmosphärischen Momenten, ohne jemals gehetzt zu wirken. Dabei entsteht eine sehr dichte viktorianische Stimmung. Gerade die Szenen rund um die Mumien-Auswicklung besitzen eine leicht unheimliche Grundatmosphäre, ohne jemals in echten Horror abzudriften. Stattdessen bleibt alles klar im klassischen Kriminalbereich verankert. Auch die Dialoge funktionieren wieder ausgesprochen gut. Wortwahl, Ausdruck und die gesamte Erzählweise wirken sehr detailverliebt und stilistisch sauber ausgearbeitet. Dass hier ein neuer Autor am Werk war, merkt man eigentlich nur daran, dass einige Ideen etwas frischer wirken. Lediglich die Vorhersehbarkeit einiger Entwicklungen fällt ein wenig auf. Manche Zusammenhänge lassen sich recht früh erahnen. Wirklich störend fand ich das aber nicht, weil die Folge ihre Stärke ohnehin stärker aus Atmosphäre und Erzählfluss zieht als aus überraschenden Wendungen.

    Die Sprecher liefern erneut eine beeindruckend starke Leistung ab. Torben Liebrecht und Jonas Minthe harmonieren inzwischen perfekt miteinander und tragen die Folge mit großer Selbstverständlichkeit. Besonders Nils Rieke als Robert Folson gefällt mir hier ausgesprochen gut. Er bringt genau die richtige Mischung aus Verunsicherung, Ernsthaftigkeit und emotionaler Beteiligung mit. Auch Robin Brosch als Francois Moreau bleibt sofort im Ohr und sorgt mit seiner markanten Stimme für zusätzliche Präsenz innerhalb der Handlung. Ingo Abel als Lord Beckett bringt ebenfalls sehr viel Charakter in seine Rolle, während Achim Buch erneut zeigt, wie angenehm und markant seine Stimme wirkt. Selbst kleinere Rollen sind hervorragend besetzt. Genau das macht den Reiz dieser Serie inzwischen aus: Es gibt eigentlich keine schwachen Stimmen mehr.

    Technisch bleibt die Serie weiterhin auf außergewöhnlich hohem Niveau. Besonders auffällig ist diesmal die musikalische Gestaltung. Der Soundtrack wird deutlich präsenter eingesetzt als in manchen vorherigen Folgen und passt hervorragend zur leicht geheimnisvollen Atmosphäre der Geschichte. Auch das Sounddesign überzeugt wieder mit vielen kleinen Details. Unterschiedliche Räume, Straßenszenen oder die gesellschaftlichen Veranstaltungen wirken lebendig und glaubwürdig umgesetzt. Dabei bleibt die Produktion angenehm ausgewogen. Nichts klingt überladen oder künstlich modernisiert. Stattdessen entsteht genau diese elegante, klassische Hörspielatmosphäre, die Baker Street inzwischen so besonders macht. Das abschließende Mastering wirkt ebenfalls sehr sauber und rund.

    Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Die Mumie im Vordergrund erzeugt sofort eine geheimnisvolle und leicht düstere Stimmung, während die silhouettenhaften Figuren im Hintergrund zusätzlich Spannung aufbauen. Besonders gelungen finde ich die Farbgestaltung. Die dunklen Töne und die klassische Illustration passen perfekt zur viktorianischen Atmosphäre der Geschichte. Innerhalb der Reihe gehört das Cover für mich definitiv zu den stärkeren Motiven.

    „Das Mal der Mumie“ ist eine sehr stimmige und atmosphärische Holmes-Folge, die klassische Krimikost mit einem angenehm mystischen Einschlag verbindet. Der neue Autor fügt sich überraschend nahtlos in die Serie ein und liefert eine Geschichte ab, die sich trotz kleiner Vorhersehbarkeiten sehr rund anfühlt. Vor allem die starke Sprecherbesetzung, die detailverliebte Inszenierung und die dichte Atmosphäre machen die Folge wieder zu einem echten Hörgenuss. Eine klassische, ruhige und sehr hochwertige Holmes-Episode, die sich problemlos neben den bisherigen Folgen behaupten kann.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich kostenlos und werden Sie Teil der Hörgrusel-Community! Wir freuen uns auf Sie!