Göran Stendal - der unbekannte Erfinder der kommerziellen Jugendkrimihörspielserie in Deutschland

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 810 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (6. Juli 2025 um 16:27) ist von Agatha.

  • Göran Stendal schuf Anfang/Mitte der 1960er Jahre mit den ersten zehn Folgen der Abenteuer- und Krimihörspielserie für Kinder- und Jugendliche TOMMY UND SEINE FREUNDE, etwas, das es zuvor auf dem deutschen Tonträgermarkt noch gar nicht gab - serielle Krimis für Kinder lange bevor FÜNF FREUNDE, TKKG oder DIE DREI FRAGEZEICHEN ihren Siegeszug als Dauerbrenner auf dem deutschsprachigen Hörspielmarkt antraten.

    Dabei war schon Stendals Vorläufer recht langlebig. Während die ganz frühen Folgen um 1960 aufgrund ihrer begrenzten Lauflänge noch auf Single-Schallplatten publiziert werden konnten, wurden die Geschichten um die „Vier Freunde“ (Tommy war der Anführer, und seine drei Freunde Schnicks, Kukusch und Siebenschläfer folgten ihm, wohin auch immer er sie führte), rasch immer umfangreicher und bis zur zwanzigsten Folge schließlich noch von anderen Autoren fortgesetzt. TOMMY UND SEINE FREUNDE erschien kontinuierlich immer wieder auf Langspielplatten, später auch auf Kassetten, CDs und werden selbst heute noch im Stream oder als mp3-Gesamtbox angeboten.

    Eine sehr unübersichtliche Veröffentlichungsgeschichte mit variierenden Titeln und bei unterschiedlichen Labels mag letztendlich dazu geführt haben, das Göran Stendal mit TOMMY UND SEINE FREUNDE als der große Pionier der Jugendkrimihörspielserie heute leicht übersehen wird. Selbst die 2023 erschienene Gesamtausgabe seines Meisterweks aus den 1960er Jahren wurde beispielsweise mit der Aussage „Spannende Jugendkrimis aus den 80ern“ beworben, obwohl nicht eine Folge der Reihe aus den 80ern stammt und es sich bei TOMMY UND SEINE FREUNDE quasi um die Mutter aller Jugendkrimireihen handelt, den frühen wichtigen Vorläufer der mit Abstand erfolgreichsten Reihen auf dem heutigen Hörspielmarkt.

    Doch wer war eigentlich dieser Hörspielpionier, der die erste kommerzielle Jugendkrimihörspielreihe im deutschsprachigen Raum konzipierte und verfasste? Dies ist möglicherweise ein Rätsel, bei dessen Lösung ich eure Hilfe brauche.

    Die Hörspielforscher können nur einen relativ kurzen Wirkungszeitraum von Göran Stendal in den 1960er Jahren ausmachen. Neben TOMMY UND SEINE FREUNDE hat er noch vier Mittelalterhörspiele um PRINZ ARCO - DER SCHWARZE RITTER verfasst und das Wildwest-Abenteuer GOLDGRÄBER-JOE. Darüberhinaus adaptierte er zwei Klassiker der Jugendliteratur als Hörspiel: DIE SCHATZINSEL und ROBINSON CRUSOE. In anderen Zusammenhängen taucht sein Name - zumindest im Internet - nicht mehr auf. Dies könnte darauf hindeuten, das Göran Stendal möglicherweise auch das Pseudonym eines anderen Autors ist - kann es ein Zufall sein, dass die männliche Hauptfigur aus SIE TANZTE NUR EINEN SOMMER, einem Film der damals in aller Munde war, den gleichen Namen trägt wie der Autor von TOMMY UND SEINE FREUNDE? Auf der anderen Seite nennt der Sprechplattenkatalog 1971/1972 das Geburtsdatum des Hörspielautors, was bei Pseudonymen eher unüblich ist: Göran Stendal sei geboren am 15. Januar 1938.

    Wie dem auch sei! Hoffen wir, das es diesem unbekannten Hörspielpionier gut geht und vielleicht gibt er sich ja einmal zu erkennen, falls nicht ein Hörgruselspiele-Forumsmitglied das Rätsel um seine Person lösen kann - ein Rätsel eigentlich auch wie gemacht für Tommy, Schnicks, Kukusch, Siebenschläfer, Julian, Dick, Anne, George, Tim, Karl, Klößchen, Gaby, Justus, Peter und Bob…


    Danke für alles, Göran Stendal - wer auch immer du bist!

    Allerbesten Gewissens empfehle ich:
    DAGON von M. Winter
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    2 Mal editiert, zuletzt von Rudolf Platte (5. Juli 2025 um 06:56)

  • Danke für den Tip, hab gleich Mal rein rein gehört. :)

    Mit den Jugendbanden alla ???, TKKG, Fünf Freunde und co. hat das ganze nicht wirklich viel zu tun finde ich. Zielgruppe ist da schon etwas jünger finde ich.

    Aber klingt trotzdem ganz nett, die echten Jugendliche Sprecher sind halt Klasse. Klingt gleich viel natürlicher und echter. Auch dass nicht gleich der große Meisterdieb geschnappt wird sondern halt der Nachbarsjunge oder jemand anderes den die 4 aus ihrem Ort schon kennen, macht es Nachvollziehbarer.

    Mit hat's gefallen - geht halt atmosphärisch einfach nichts über Sprecher im Alter der Personen die sie darstellen sollen :)

    Prinz Arco kannte ich schon - da blieb mir vor allem das stimmungsvolle "Hey ho Prinz Arco..." im Gedächtnis :D

  • Selbst die 2023 erschienene Gesamtausgabe seines Meisterweks aus den 1960er Jahren wurde beispielsweise mit der Aussage „Spannende Jugendkrimis aus den 80ern“ beworben, obwohl nicht eine Folge der Reihe aus den 80ern stammt

    In der Tat, das war wirklich ein Fehler. :biggrin:
    Meine erste Begegnung mit der Serie war z.B. bereits in den 70ern, als mein Bruder von unserem Kusin die Single vom "Zauberring" geschenkt bekam, die ich bis heute stellenweise mitsprechen kann und von allen Abenteuern eigentlich am liebsten mag.
    Das dürfte auch die erste Auflage der Geschichte gewesen sein.

    Bild siehe hier

    Über Göran Stendal selbst habe ich allerdings auch nicht einen Satz mehr im Netz gefunden als Du, Rudolf. :schulter:

  • Mit den Jugendbanden alla ???, TKKG, Fünf Freunde und co. hat das ganze nicht wirklich viel zu tun finde ich. Zielgruppe ist da schon etwas jünger finde ich.

    Ich finde, dass ändert sich aber mit der zunehmenden Länge der Folgen. Die letzen 5 Folgen sind meines Erachtens dann schon richtig dicht dran an HSPs nach Blyton und co. ^^

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  • Mit den Jugendbanden alla ???, TKKG, Fünf Freunde und co. hat das ganze nicht wirklich viel zu tun finde ich. Zielgruppe ist da schon etwas jünger finde ich.

    Ich finde, dass ändert sich aber mit der zunehmenden Länge der Folgen. Die letzen 5 Folgen sind meines Erachtens dann schon richtig dicht dran an HSPs nach Blyton und co. ^^

    Kann sein, hatte nach deinem Hinweis im Stream nur Folge 1 gehört. Da waren mehrere kurze Geschichten drin.

    Wikipedia meint:

    Zitat

    Als Autoren zeichneten bei den ersten Folgen Gören Stendal, später auch Rudolf Fröhler und Helmut Brennicke verantwortlich. Zuletzt steuerte Anke Beckert noch sechs Folgen zu der Reihe bei.[1] Das Buch Tommy und seine Freunde von Enid Blyton hat nichts mit der Serie zu tun.

    Von daher hätten die letzten Folgen mit Stendal ja nicht mehr so viel zu tun. :)


    Gab es bei Prinz Arco eigentlich eine Abschluss Folge?

    Im Stream gibt es irgendwie 3 Alben aber das Album ohne Nummer scheint einfach nur den Inhalt der ersten beiden Folgen zu beinhalten und hört auch vor dem Finale auf :)

  • Es scheint mir inzwischen doch fast offensichtlich, dass Göran Stendal ein Pseudonym sein muss. Damit bleibt der einzige Anhaltspunkt zu seiner Person das im Sprechplattenkatalog genannte Geburtsdatum. Dieses führt u. a. zu dem Universalgenie und eben auch Hörspielautor Hartmut Geerken, der am gleichen Tag das Licht der Welt erblickte: https://www.br.de/radio/bayern2/tod-hartmut-geerken-100.html Ich will dem Guten ja nicht unterstellen, für TOMMY UND SEINE FREUNDE verantwortlich zu sein, aber die Nähe zum bayerischen Raum, in den ich einen Großteil der Sprecher der Reihe verorten würde, würde auch passen. Allerdings hat Geerken eher Hörspielbeiträge zur Hochkultur geliefert - aber vielleicht war TOMMY ja so etwas wie eine Jugendsünde? Ich meine, in der Reihe auch etwas christlichen Pfadfindergeist zu verspüren und Geerken hat irgendwann auch Religionswissenschaften studiert… das ist nun wirklich alles höchst spekulativ - sehr viel wahrscheinlicher, dass Hartmut Geerken mit Göran Stendal rein gar nichts zu tun hat. Aber das mit dem gleichen Geburtsdatum ist schon ein merkwürdiger Zufall.

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  • Es scheint mir inzwischen doch fast offensichtlich, dass Göran Stendal ein Pseudonym sein muss.

    Davon gehe ich eigentlich auch aus.
    Möglich, dass er den Namen tatsächlich aus dem Film "Sie tanzte nur einenSommer" kannte und der ihm einfach gefiel.
    Oder wie auch immer er darauf kam.
    Pseudonyme sind ja auch in der Hörspielwelt nichts so Ungewöhnliches, gerade wenn man noch andere Sachen macht/ gemacht hat, die vom Genre her gar nichts miteinanader zu tun haben.
    In den 1960ern entstanden ja auch viele der bis heute sehr beliebten Astrid Lindgren-Filme, vielleicht "passte" da in "Stendals" Augen auch ein schwedischer Name besonders gut zum Thema "Kinder-/Jugendhörspiel". Und einen "Tommy" gabs ja z.B. auch bei "Pippi Langstrumpf".
    Aber ich spekuliere jetzt einfach nur - und viel mehr können wir hier ja nicht machen. :)

    Loxagon Wen oder wo willst du denn da nach fast 60 Jahren noch fragen? :schulter:
    Hartmut Geerken lebt zumindest nicht mehr, und dass er der "Vater" von Tommy, Schnicks, Kukusch und Siebenschläfer gewesen ist, war ja auch nur eine Vermutung.

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