In Hörspielen stört es mich gewaltig, wenn...

Es gibt 45 Antworten in diesem Thema, welches 2.379 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (9. Mai 2025 um 17:23) ist von TheBite.

  • Oh, da habe ich doch den schlimmsten Mist für mich vergessen: Hörspiele ohne Ende.

    Passiert vor allem, wenn ein Hörspiel von vornherein eine Fortsetzung bräuchte, die dann aber nie kommt. Brrrr.

    Es sagt viel über die Welt aus, mein Kind,
    sagte der Vater zu dem Knaben,
    dass die Dummen glücklich sind
    und die Schlauen Depressionen haben.”

    Marc-Uwe Kling

  • Ok, sorry vieles ist einfach Storytelling-Mechanik und man könnte gleichermassen über Filme statt über Hörspiele nörgeln in der Hinsicht, aber in Hörspielen fällt es mir halt oft auf. Ich mag es nicht, wenn:


    - wenn zu hastig durch die erwartbaren Genre-Plotpunkte gebrettert wird. Ich mag den klassischen Genre-Aufbau gern, aber das muss man dann doch ein wenig aufbauen und ausgestalten, finde ich!

    - zu "drollige" Horror-Comedy. Das ist einfach gaaar nicht meins. Positive Ausnahmen gibt es auch, die Ghouls-Folgen mit den alten Leutchen bei Dreamland hat mir z.B. gut gemundet, aber dann muss es schon sehr gut gemacht sein. Meistens klappt es dann weder als Horror noch als Komödie.

    - Wenn eine Serie auf "aufbauend" macht, aber man merkt, dass man keine rechte Ahnung hat, wo das hin soll. Ich nenne es das "Lost"-Syndrom.

    - Plötzlich wissen alle, wie mit der Ausnahmesituation umzugehen ist. "Jaja, Vampire, Silberkugeln, klar doch" - ihr kennt das einfach auch nur aus Filmen? Aber die Spielregeln meint ihr mit totaler Sicherheit zu kennen?

    - Das Finale ist grad vorbei, Dutzende sind gestorben, und die sonst ganz alltäglichen Helden sind grad sofort wieder aufgelockert und witzeln rum. Junge, deine besten Freunde wurden grad allesamt vor deinen Augen ausgeweidet, aber sobald der Plot durch ist, bist du direkt am Sprücheklopfen? Was ist falsch mit dir?

    - In so lockeren Krimis übertreiben sie es doch oft damit, dass die Leute rechts und links massakriert werden, und alle nehmen es total auf die leichte Schulter. Viele so auf britisch und lustig-bodenständig gemachte Krimiserien sind so. Die netteste Messdienerin im verschlafenen Dorf wird unglaublich brutal in Stücke gehackt, und der Held/die Heldin findet einfach "haha neuer Fall! endlich mal wieder ein richtig spannendes Rätsel :thumbsup:". Junge/Mädel, wenn du echt wärst, wärst du soziopathisch! Klar musst du nicht in Folge 200 der Krimiserie noch jedes Mal eine Viertelstunde ins Mikro weinen, wenn jemand im Städchen stirbt, aber irgendwie muss man doch halbwegs ein sinnvolles Mass für sowas finden.

    - Holmes-Moriarty-Dynamik: Der Meisterdetektiv braucht einen forcierten, unvermittelt riesengross aufgebauten "Erzrivalen". Und für die ist alles Folgende nur ein "sportlicher Wettkampf", ohne dass das psychologisch irgendwie Sinn ergeben würde.

    - speziell im Horror/Sci-Fi: wenn die Figuren nicht das "richtige Mass" treffen, wenn es darum geht, wie schnell oder langsam sie das Übernatürliche akzeptieren. Das kann beide Richtungen gehen, entweder "ah ja klar, Werwölfe, was denn sonst, wer kennt's nicht, glaub ich sofort, haha..." ebenso wie der Polizeichef, der grad eben den Werwolf mit eigenen Augen gesehen hat und trotzdem sagt "SOLCHE HIRNGESPINSTE MACHE ICH NICHT MIT". Das allerschlimmste Beispiel auf der Welt für dieses Problem ist Geister-Schocker 66 (Invasion des Grauens). Die junge Frau am Anfang glaubt total unsentimental, dass ihre Schwester leergesaugt ist, bis nur die Haut übrig bleibt. Dass die Oma "das zweite Gesicht" hat, glaubt die auch einfach so ohne Federlesens. Aber sobald es um Ausserirdische geht, ist die Olle angepisst und will davon gar nichts glauben und meint "Sie spinnen doch, das hör ich mir nicht länger an...". Aber was ist das für ein Mensch, der an Visionen, ausgesaugte Menschenhäute usw. ohne Zögern glaubt, aber findet dann gleich, Aliens sind Seemannsgarn? Klar kann die Figur halt widersprüchliche Gefühle haben, aber das ist halt nirgends richtig ausgestaltet. Die ist halt erst superabgeklärt und dann total ungläubig, ganz ohne Übergänge. Da ist aber das Problem wohl einfach auch "Schema F". In dem Genre gibt's halt standardmässig die Szene mit der Ungläubigkeit und dann flickt man die dort irgendwo einfach rein.

    - uninspiriertes Sprecher-Casting, das die Story sofort durchschaubar macht. "Na, wer ist wohl der Mörder? Vielleicht der Sprecher, der immer auf die Schurkenrolle besetzt wird? Ah, ach so." Das gilt wohlgemerkt leider oft auch bei Sprechern, die super abliefern und wunderbare Stimmen haben, die ich liebe. Also denen kein Vorwurf.

    - ganz allgemein Schema F-Story und Dialoge, die in der Story eigentlich keinen Sinn ergeben, aber "wohl einfach dazu gehören". Wie im Film, wenn der Schurke den "Oh, wir sind doch gar nicht so unterschiedlich"-Monolog macht - ist totaler Nonsens innerhalb der Geschichte, aber man kennt das ja aus vergleichbaren Plots, also warum nicht einfach auch reinflicken?

    - Plumpe Psychologie in Krimis "Der Mann dieser Frau ist heute umgebracht worden... in der Vernehmung war sie zu ruhig / zu durch den Wind, mit der stimmt was nicht..." Hallo, da ist grad was Schlimmes passiert und die muss was verarbeiten; die ist vielleicht grad nicht im Normalzustand? Was zieht ihr hier so unverschämt Rückschlüsse, die gar nicht passen.

    - Der saudoofe Versprecher des Täters: "Ein Mann, ein kleiner Mann..." kann diesen Spiegel doch eh nicht tragen? Was ist das für ein bekloppter Versprecher? Wie kommt der Spinner dazu, einfach auszuplaudern, dass er weiss, dass das ein kleiner Mann ist?

    - Der "Asi"-Faktor: Figuren, die arm oder randständig oder sowas sind, brüllen die Polizei immer erst zusammen, "VERPISST EUCH DOCH". 100 Mal gehört...


    Ich muss aber sagen, gewisse von denen stören mich nur in der Theorie, bei Klassikern und sogar bei Neuheiten nehme ich das zum Teil als Trash-Faktor gern hin, wenn sonst alles stimmt.

  • Ich bin beruflich gewohnt, viel zu schreiben, sorry. Wenn ich dann mal dran bin, will ich auch nichts auslassen. Nichts für ungut! :-) Dass ich einen Teil doppelt gepostet habe, war natürlich ein Versehen.

  • Ich bin beruflich gewohnt, viel zu schreiben, sorry. Wenn ich dann mal dran bin, will ich auch nichts auslassen. Nichts für ungut! :-) Dass ich einen Teil doppelt gepostet habe, war natürlich ein Versehen.

    Bitte nicht dafür entschuldigen! Wir sind hier in einem Forum! Da schreibt man eben seine Meinung nieder. Und wenn es dann so schön ausführlich wird, wie es hier geschehen ist, lesen einige Interessierte Deine Meinung und der Rest überspringt den Beitrag. Beim nächsten Mal also bitte wieder so verfahren. :]

  • Isaak Eigentlich wollte ich einen eigenen Beitrag schreiben, aber du hast alle meine Themen schon ausführlich besprochen. Ich stimme dir in allem zu. :thumbsup:

    Vor allem das stumpfe Besetzen der immer gleichen Handvoll 'Schurkenstimmen' nervt mich sehr. Sobald ich Sprecher XY höre, kann ich eigentlich sicher sein, dass er der Böse ist. Die Story wird damit für mich völlig witzlos.

  • was mich noch stört, wenn in Grusel Hörspielen die Dämonen undeutlich sprechen, da verstehe ich so gut wie nie was , wenn sie was sagen, glaube da ist auch bei Dämonen öfter ein Effekt noch drüber.

    Und es stört mich, wenn Tierstimmen von Synchronsprechern gemacht werden und man es raus hört, das finde ich so nervend, das ist meistens bei Kiddinx bei Bibi und Benjamin der Fall. Die Pferde bei Bibi und Tina klingen schliesslich auch echt, warum dann nicht andere Tiergeräusche ebenfalls.

    und noch vergessen, wenn Hörspiele ohne Ende sind wo die Serien einfach dann abgesetzt werden.

  • Was mich noch bei Hörspielen stört: Wenn die Stimmen im Stereo-Modus verteilt und dann nur auf einem Kanal richtig zu hören sind. Grade wenn ich abends im Bett liege, habe ich nur auf einer Seite Kopfhörer drin (Seitenschläfer) und bekomme dann teilweise nur die Hälfte mit, weil die Stimmen vom anderen Kanal nur leise oder gar nicht zu hören sind...

  • Sehr gut gesammelt ... und eigentlich alle dieser Punkte (bis auf das Sprechercasting) sind Skriptfehler -- und die zeigen auf die Autoren und hier mangelnde Sorgfalt, Talent oder Einfühlungsvermögen in die Handlung, die man da gerade verfasst.

    Torsten Dewi hat gerade zwei sehr lesenswerte Artikel zum Thema "männlicher" und "weiblicher" Grusel geschrieben (hier und hier). In ersterem weist er auf einen Fehler hin, der seiner Einsicht zufolge gerade im deutschen Film den Durchbruch von Gruselstoffen immer wieder verhindert, obwohl eine Akzeptanz des Publikums durchaus da wäre:

    Zitat

    Das ist übrigens auch der Punkt, an dem so viele deutsche Versuche im Genre scheitern: Sie verstehen nicht, dass das Monster nicht für sich allein steht, sondern nur einen tieferen psychologischen Konflikt repräsentiert. Es ist ein Katalysator, ein Auslöser, ein Werkzeug, ein Platzhalter. Ceci n’est pas une pipe.

    Das sehe ich in den meisten der von Isaak angesprochenen Punkten auch als Ursache: in der Einschätzung, dass die meisten Hörer "ohnehin nur das hören wollen, was sie kennen", scheinen einige Autor(inn)en die Symptome für die Ursache zu halten, und dann werden Lösungswege eben "hingestellt", statt motiviert aus der Geschichte oder den Charakteren entwickelt zu werden. Nicht nur draufzuschauen auf die Geschichte und dass sie Anfang, Mitte und Schluss haben sollte, sondern tiefer einzutauchen. Das steht aber natürlich im Konflikt mit dem üblichen Zeitdruck, unter dem Autoren adaptieren oder verfassen, der entweder aus postulierten Deadlines ("in drei Wochen sind die Sprecher im Studio!") oder aus der Einsicht entsteht, dass man "für dieses Honorar doch ernsthaft nicht mehr als XX Tage an dem Stoff arbeiten" solle.

    Von daher: ich könnte jetzt sagen "was hast du denn erwartet?", aber das wäre falsch. Es ist nämlich richtig, das zu erwarten. Aber ist es dann nicht vielleicht das falsche Biotop, in dem Du nach Hörstoff suchst?

  • Gesprochene Szenen über viel zu lange und/oder zusammenhängende Zeit mit vollem Mund und von Schmatz- und Rülpslauten, begleitet gesprochen werden. - Ehrlich? - Da könnte ich irre werden.

    Dazu haben wir hier sogar noch einen eigenen Thread: RE: Schmatz, schluck, schlürf! - Ess- und Trinkgeräusche in Hörspielen

    ;)

    Immer wieder toll zu sehen, was wir hier alles haben. - Danke, für den Hinweis. :huhu1:

  • Vor allem das stumpfe Besetzen der immer gleichen Handvoll 'Schurkenstimmen' nervt mich sehr. Sobald ich Sprecher XY höre, kann ich eigentlich sicher sein, dass er der Böse ist. Die Story wird damit für mich völlig witzlos.

    Das ist etwas, was mich z.B. bei Udo Schenk schon länger nervt.
    Sieht man ihn im Cast, weiß man sofort, das ist hier der Bösewicht - oder zumindest einer von ihnen. :augenroll:
    Kann immer nur staunen, wenn Leute schreiben, dass sie sich über ihn in Schurkenrollen freuen. :schulter:
    Wie wärs mal mit dem genauen Gegenteil? :pfeifen:

    was mich noch stört, wenn in Grusel Hörspielen die Dämonen undeutlich sprechen, da verstehe ich so gut wie nie was , wenn sie was sagen, glaube da ist auch bei Dämonen öfter ein Effekt noch drüber.

    Gilt für mich generell, sobald verzerrende Effekte oder auch andere zu laute Sounds und Musik die Stimmen überlagern!
    Ich hasse es geradezu, wenn ich kaum noch verstehe, was gesagt wird, weil die Abmischung nicht stimmt.
    Kommt leider gar nicht so selten vor.
    Mag es aber auch nicht, wenn hinter Türen oder im Flüsterton wichtige Sachen besprochen werden, die man eigentlich ganz gern verstanden hätte. ;)

    Gibt so einiges, was mich an Hörspielen stören kann: zuviel Erzähleranteil - oder das genaue Gegenteil, bei dem man raten muss, um was es geht oder die Charaktere stattdesssen erklärende Monologe halten :pfeifen:, Eigennamen oder irgendwelche Begriffe, die durchweg falsch oder nur von einzelnen Personen richtig ausgesprochen werden, mir nervig erscheinende Stimmen bzw. Sprecher/Innen, die ihr Handwerk nicht verstehen, abgelesen klingen... usw.. ;)

    Oh, da habe ich doch den schlimmsten Mist für mich vergessen: Hörspiele ohne Ende.

    Oh ja, bezogen auf Handlungs-"Störfaktoren", finde ich das auch heftig!
    Also wenn z.B. eigentlich vorgesehene weitere Staffeln nicht mehr kommen und man mit der x-ten "Unvollendeten" dasitzt. :mauer:
    Oder Produktionen, bei denen sich die Hörenden ihr eigenes Urteil über die Geschehnisse bilden bzw sie interpretieren sollen.
    Wenn ich das problemlos schaffe, alles okay, wenn nicht --> :augenroll: .

    Was ich mittlerweile nur noch gaanz schlecht abkann, sind "Füllszenen", die das Hörspiel unnötig in die Länge ziehen, nur um noch ein paar nette "Plaudereien" drin zu haben und über eine "ordentliche" Laufzeit zu verfügen.
    Da spule ich gelegentlich, wenn es mir zu dick kommt, tatsächlich drüber weg, also das, was Securitate in ihrem ersten Posting angesprochen hat.

    Ebenfalls noch übel: Charaktere , die sich total überkandidelt benehmen, so dass es mir auch für ihre Figur zu "drüber" wirkt, oder generell eine zu gestelzte Sprechweise, bei der man immer wieder das Gefühl hat, dass so eigentlich niemand reden würde - weder bei zeitgenössischen Inhalten, noch bei welchen aus meinetwegen dem 19. Jahrhundert. ;)

  • Wenn Szenen aus alten Hörspielen rausgeschnitten werde , weil irgendwer glaubt das wäre nicht politisch korrekt und würde zu Selbstmorden, Aufruhr und Plünderung führen wenn das drin bleibt

  • Dämonen-Verzerrer-Stimmen, die man nicht versteht, sind in der Tat mehr als lästig. Die Texte des "Flüsterers" bei "Gabriel Burns" etwa kann ich höchstens erahnen, ebenso wie einige Sinclair-Dämonen der Ehrhardt-Ära.

  • Wenn Szenen aus alten Hörspielen rausgeschnitten werde , weil irgendwer glaubt das wäre nicht politisch korrekt und würde zu Selbstmorden, Aufruhr und Plünderung führen wenn das drin bleibt

    Da stimme ich zu 100% zu, diese Zensur finde ich auch zum kotzen.

    Ansonsten nervt mich tatsächlich zu viel Musik.
    Zwischen einzelnen Szenen als Übergang ok, aber was heute teilweise Standart ist finde ich zu viel.
    Dialoge und Geräusche reichen mir vollkommen, Musik wirkt meist störend auf mich, da finde ich weniger ist mehr.

    Mir klar, die Mehrheit wird das anders sehen (hören :zwinker2:)

  • Wenn die Stimmen nicht zur Stimmung passt. Die Szene ist gerade tierisch aufregend und unsere Helden kämpfen um ihr Leben, und die Stimme klingt, als hätten sie gerade gemerkt das ihre Katze auf den Teppich gekotzt hat.

    Wenn man meint, das es von Nöten ist, mit Hilfe einer hohen Anzahl an Kraftausdrücken zu verdeutlichen, das der derzeitige Bösewicht wirklich böse ist. Es kommt mir in letzter Zeit so vor, als würde das gerade immer häufiger werden. Sobald unser Schuft eine Frau verfolgt, folgt ein Schlampe, Votze, "Kraftausdruck Ihrer Wahl bitte hier einfügen" etc auf das Nächste.

    Wenn die Geschichte bzw die handelnden Personen einfach strunzdumm sind.

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