Hans Gruhl - Nimm Platz und stirb!

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 1.313 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (7. Mai 2025 um 19:50) ist von Agatha.

  • Hans Gruhl - Nimm Platz und stirb!

    Krimiklassiker Hörspiel
    1 MP3-CD, Tonformat: MP3 Dolby 2.0 Mono
    Preis EUR 9,90
    Label: Pidax Film Media Ltd. (Alive)
    Laufzeit: ca. 190 Minuten

    Eine Produktion von SFB (heute: rbb) und WDR, Deutschland 1964


    Mitwirkende:
    Hans Trubo: Martin Hirthe
    Stefan Reinold: Kurt Mühlhardt
    Thomas Jüstel, genannt "Jühl": Norbert Langer
    Tina: Eva Andres
    Gaby: Ute Marin
    Nathan Kirschbaum: Otto Braml
    Valentin Serkoff: Stanislav Ledinek
    Paul Carolis: Franz Arzdorf
    Fräulein Schadewald: Anna Marie Böhme
    Kommissar Nogees: Arnold Marquis
    Elsie: Renate Biehl
    Beleuchter: Reinhold Bernt
    Gehilfe des Beleuchters: Fritz Löffler
    Bittsteiner: Hermann Wagner
    Vera Perin-Reinold: Helga Lehner
    Mixer: Gerd Holtenau
    Bollmann: Reinhard Kolldehoff
    Bollmanns Mädchen: Lore Weiser
    Tante Kläre, Wirtin: Lou Seitz
    u.a.

    Bearbeitung: Hans-Georg Berthold
    Regie: Curt Goetz-Pflug


    Inhalt:
    Erster Drehtag zum Film mit dem einfallsreichen Titel "Mord verjährt nie": Das Drehbuch stammt von dem trinkfreudigen Kriminalschriftsteller Hans Trubo, der das Geschehen im Studio 6 begleitet. Nach schier endlosen Streitereien starten nun endlich die Dreharbeiten. Kaum sind die ersten Aufnahmen im Kasten, geschieht ein Unglück: Der Produzent wird von einem Scheinwerfer erschlagen! Ein Unfall? Nachdem kurz darauf auch der Regisseur tot aufgefunden wird, scheint diese Frage beantwortet zu sein. Trubos Neugier ist geweckt, er begibt sich auf die Fährte des Mörders ...


    Kritik:

    Die Dreharbeiten am neuen Film "Mord verjährt nie" stehen unter keinem guten Stern, wie Drehbuchautor Hans Trubo erfahren muss: er ist hautnah dabei, wie sich die Stars und Sternchen am Set zoffen und muss zudem - Stress lass nach - ein ums andere Mal das Drehbuch ändern, denn Zeit ist Geld, und Geld ist das wichtigste Utensil beim Film .... Als sich ein Scheinwerfer selbstständig macht und ausgerechnet den Produzenten erschlägt, tut man das schnell als Unfall ab. Aber als dann auch noch der Regisseur das Zeitliche segnet - an Unfall ist hier nicht mehr zu denken, denn in das Messer ist er wohl kaum von selbst gefallen - wird spätestens klar, dass sich die Herrschaften nicht grün sind ... und dass einer von ihnen der Mörder sein muss... Der sympathische Trubo (von TRUnkenBOld, wie er selbst betont), ist ein neugieriger Typ: er beginnt seine Nase in die Angelegenheit zu stecken - unnd bringt sich damit schnell in Lebensgefahr!

    Mit "Nimm Platz und stirb!" hat PIDAX nun den zweiten Hörspiel-Klassiker im Programm. Erneut ist einer der tollen Radio-Krimis nach einem Buch von Hans Gruhl zu hören: Diesmal spielt die Handlung allerdings nicht wie gewohnt im Arzt-Milieu, sondern am Filmset. Dass Gruhl sich auch dort auskennt, hört man gleich: die exzentrischen, ego-ausladenden Charaktere, die sich im Plot finden, wirken authentisch - vom schrillen Star bis hin zum geldgierigen Produzenten.

    Wer bereits das ein oder andere Hörspiel von Autor Hans Gruhl kennt, der wird sich auch über dieses hier freuen: wie üblich ist es ein wortgewandtes Skript, und das Hörspiel punktet mit viel Wortwitz und schnippisch-frechen Mono- und Dialogen.

    Bei Gruhl gibt es immer einen Ich-Erzähler, der gleichzeitig die Hauptperson ist. Hier ist das der trinkfreudige Drehbuchautor Hans Trubo - gesprochen von Martin Hirthe, einer der bekanntesten Stimmen der Sechzigerjahre und vielen als Synchronstimme von Telly Savalas und Walter Matthau im Ohr. Neben Hirte sind noch weitere große Namen zu hören: Arnold Marquis gibt erneut den Kommissar Nogees, und mit Kurt Mühlhardt, Eva Andres und dem blutjungen Norbert (Tom Selleck) Langer ist die Produktion des Sender Freies Berlin aus dem Jahr 1964 prächtig besetzt.

    Die Geräuschkulisse ist relativ spärlich - wie damals so üblich -, trägt die Story jedoch trotzdem gut ans Ohr. Gleiches gilt für die stimmungsvolle Musik, die jedoch leider weder im Abspann noch im Booklet Erwähnung findet.

    Einziges Manko dieses Krimi-Klassikers ist seine etwas hölzerne Inszenierung: sehr viele Monologe des Erzählers wechseln sich mit (zu) wenigen echten Spielszenen ab. Das ist etwas schade, denn gerade den actionreichen Szenen geht so die Wirkung verloren - etwa der Schlägerei in der Kneipe.

    Der neue PIDAX-Hörspiel-Klassiker ist in die ursprünglich im Radio gesendeten fünf Teile unterteilt - fünf Tracks also, bei denen am Ende immer der Original-Abspann läuft ... mitsamt dem - uralten! - Sendehinweis auf die kommende Folge - dieses überflüssige Detail hätte man gerne herausschneiden dürfen.

    Ein echtes Booklet hat "Nimm Platz und stirb!" nicht zu bieten - man gibt sich kurz und knapp mit einem Deckblatt die Ehre, das es zusammen mit der CD-Box-Rückseite aber schafft, alle wesentlichen Produktionsdaten, eine knappe Inhaltsangabe und eine kurze Autoren-Vorstellung zu präsentieren. Die Covergrafik passt gut zum Inhalt des Hörspiels.

    Hoffentlich gibt es bald Nachschub - denn einige Gruhl-Hörspiel-Schätze liegen noch in den Radioarchiven, die zu heben sich ebenfalls absolut lohnen würde!


    Fazit:

    Schöner Krimi-Klassiker, spannend und wortwitzig, in etwas spröder Inszenierung - für Fans der goldenen Radio-Krimi-Ära schon lange ein Geheimtipp und nun endlich auch eine CD-Empfehlung!


    Weitere Infos: http://www.pidax-film.de/product_info.p…-Klassiker.html

  • Bis auf einige kleinere Kritikpunkte ist das ein astreines und richtig spannendes Krimihörspiel.
    Martin Hirthe in der Doppelfunktion als Erzähler + Hans Trubo erledigt seinen Job großartig. Er liefert viele detaillierte Beschreibungen und es gibt viel trockenen Humor und reichlich Augenzwinkern von ihm zu hören. Auch der sehr junge Norbert Langer konnte mich 100 % überzeugen. Ihn habe ich aber zuerst nicht rausgehört.
    In einer etwas kleineren Rollen ist auch noch Arnold Marquis als Kommissar zu hören, der nicht locker lässt.
    Toll fand ich auch Renate Biehl als Elsie, die verschiedenste Emotionen mühelos meistert.
    Die Dialoge sind klasse und der Wortwitz ist phänomenal.
    Die akustische Inszenierung ist spärlich, aber das macht überhaupt nichts.
    Es gibt wenige Geräusche. Bei der Musikuntermalung stehen Trompetenstücke im Vordergrund, die ich sehr stimmungsvoll fand.
    Auffallend ist, dass ständig gesoffen wird (Bier, Schnaps, Cognac). Auch geraucht wird ohne Ende. In einer Szene erzählt Hans Trubo, dass er 20 Würstchen und 20 Brötchen sowie Senf gekauft hat. Dazu hat er sich noch 20 Flaschen Bier und je eine Flasche Schnaps uns Whisky gegönnt - so sieht vorbildliche Ernährung aus. ^^
    Einen Kritikpunkt habe ich: So gerne ich Martin Hirthe als Erzähler zu höre, für mich nimmt er einen zu großen Part im Hörspiel ein. Statt der vielen Erzählpassagen hätte es mehr "wirkliche Spielszenen" geben sollen. Das hätte das Hörspiel noch interessanter gemacht. Gerade die Schlägerei in der Kneipe hätte man so viel actionreicher und dramatischer umsetzen können. So wird leider etwas Potential verschenkt.

  • Bis auf einige kleinere Kritikpunkte ist das ein astreines und richtig spannendes Krimihörspiel.

    Mir hat dieses Hörspiel von allen Gruhls inhaltlich immer am wenigsten gefallen, wenn es auch - natürlich - trotzdem gut ist. ;)
    Aber die anderen sind eben noch besser.

    Ich machs vor allem daran fest, dass man hier zu schnell weiß, wer überhaupt nur als Täter infrage kommt, und das fand ich ein bisschen schade.

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