Info Gruselkabinett - 135 - Brickett Bottom

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    • Gruselkabinett - 135 - Brickett Bottom



      Gruselkabinett - 135 - Brickett Bottom

      Zum Inhalt:
      Der in die Jahre gekommene Reverend Arthur Maydew erhält die Gelegenheit, seine Gemeinde in der Stadt für ein Jahr mit der seines Kollegen Roberts im ländlichen Overbury zu tauschen. Seine beiden ledigen Töchter Alice und Maggie sind zwar überascht, willigen aber ihrem Vater zuliebe ein. Ihre Zeit verbringen die beiden vor allem mit ausgedehnten Spaziergängen in der näheren Umgebung. Eines Tages bemerkt Alice auf dem Rückweg ein kleines, abgelegenes Backsteinhaus, von dem sie sofort fasziniert ist...

      Zur Produktion:
      Die hier zugrundeliegende Geschichte "Brickett Bottom" ist Teil einer Sammlung von Geistergeschichten des Autors Amyas Stafford Northcote (1864 - 1923), welche 1921 unter dem Titel "In Ghostly Company" erstmals veröffentlicht wurde. Über Northcote selbst ist nicht viel bekannt, und nachdem das Buch vergriffen war, gerieten der Schriftsteller und sein Werk weitgehend in Vergessenheit. Umso erfreulicher ist es, daß sich Skriptautor Marc Gruppe der im Stil von M.R. James gehaltenen Erzählung angenommen und diese für das Medium Hörspiel aufbereitet hat. Die Adaptionen von Herrn Gruppe zeichen sich ja unter anderem dadurch aus, daß sie stets dicht an der literarischen Vorlage bleiben, und auch dieses Skript bildet da keine Ausnahme. Im Prinzip hat er die Kurzgeschichte zwar so übernommen, wie sie geschrieben wurde, aber es gibt auch einige Unterschiede, die nicht unerwähnt bleiben sollen.
      Im Gegensatz zu Northcote, ist bei ihm beispielsweise die jüngere Tochter Maggie von dem Umzug nicht sehr angetan, da sie offensichtlich Wert auf das Stadtleben und die damit verbundenen Gesellschaften legt. Das zusätzliche Gesprächzu dem Thema dient nicht etwa einer inhaltlichen "Streckung", sondern soll die unterschiedlichen Wesenszüge der Schwestern verdeutlichen. Solche und andere kleinere Erweiterungen, wie der Dialog zwischen den jungen Frauen beim Abwasch, verleihen den Figuren mehr Tiefe und lassen sie weitaus natürlicher und lebendiger wirken, als das bei Northcote der Fall ist. Um den Ablauf flüssig zu gestalten, hat Gruppe auch hier wieder längere Erzählpassagen zu Spielszenen umgeschrieben und einige nicht wirklich relevante Details abgeändert. So lebt das Ehepaar Paxton bei ihm erst seit kurzem wieder in der Gegend, während es bei Northcote bereits viele, viele Jahre sind.
      Ebenso nebensächlich ist, daß ein Landarbeiter und nicht eine alte Frau Alice zuletzt gesehen hat oder daß Reverend Roberts bei Marc Gruppe erst 60 und nicht schon rund 75 zählt, wie in der ursprünglichen Geschichte. Nicht besonders gefallen hat mir allerdings, wie hier auch Hypnose als "Erklärung" der Ereignisse mit ins Spiel gebracht wird. Das mag zwar rationaler sein, mindert für mich jedoch erheblich den Gruselfaktor. Sehr gut fand ich hingegen die zusätzliche und sehr eindringliche Szene ganz am Schluss des ca. 51minütigen Hörspiels. Während die Erzählung bei Northcote eher unspektakulär "ausläuft", sorgt Gruppe mit seinem Ende nochmals für eine wohlige Gänsehaut. Da sich die Geschichte in der englischen Originalfassung im australischen Public Domain befindet, können interessierte Leser sie im Internet unter gutenberg.net.au/ebooks06/0606161h.html#s2 auch selbst nachlesen.
      Zum Hörerlebnis wird die Geschichte aber erst durch die sorgfältige Inszenierung von Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die einzelnen Szenen gehen fließend ineinander über und wirken durch etliche stets natürlich klingende Geräusche sehr lebendig. Die warmen Sommertage werden unter anderem treffend mit Vogelgezwitscher und im Wind raschelnden Blättern dargestellt, nachts zirpen die Grillen und ein Käuzchen ruft. Apropos Käuzchen: die beiden Macher sind sich natürlich ihres eigentlich so gut wie immer auftretenden "Maskottchens" und dessen Wirkung bewusst und zollen diesem hier mit dem trocken vorgebrachten Satz "Das ist ein Käuzchen, Miss" augenzwinkernd Tribut.
      Passend zur Handlung wird auch die Musik eingesetzt. Mal erklingt eine tragende, mit Geige und Klavier gespielte Melodie, dann sind es wieder langegzogene Synthesizersounds, die das Geschehen noch bedrohlicher und damit aufregender machen. Musikalisches Highlight ist für mich aber der bedauerlicherweise nur kurz zu hörende, schaudererregende Choral. Ebenfalls absolut überzeugend gemacht sind Alices erschütternde, verzweifelte Hilfeschreie, deren Wirkung mit einem leichten Hall- bzw. Echo-Effekt noch verstärkt wird.

      Zu den Sprechern:
      Ich könnte mir gut vorstellen, daß Marc Gruppe bereits beim Verfassen seines Skriptes die Sprecherinnen und Sprecher vor Augen hat, die er gern einsetzen würde. Jede/r Einzelne passt hier perfekt zu ihrer bzw. seiner Rolle.
      Da er nicht nur den Priester spricht, sondern auch als Erzähler fungiert, ist die brummige Stimme von Bodo Primus(Reverend Roberts) geradezu prädestiniert für diesen Part. Mit seiner ruhigen, freundlichen Art den Text vorzutragen, entspricht er exakt der gängigen Vorstellung eines gemütlichen Landpfarrers. Gleiches gilt für den inzwischen 92jährigen Horst Naumann(Reverend Maydew), dessen heisere Artikulation seine Darstellung des gesetzten, um seine Tochter sehr besorgten Geistlichen zusätzlich unterstreicht. Es ist wirklich unglaublich, aber obwohl sie auch im realen Leben die Ältere von beiden ist, klingt Reinhilt Schneider(Alice Maydew) immer noch jünger als ihre "Schwester" Daniela Bette(Maggie Maydew). Schneiders weiche, melodische Stimme versinnbildlicht geradezu ihre Rolle als verträumte, unbefangene junge Frau. Daniela Bette(Maggie Maydew) mit dem Part ihrer Schwester zu besetzen, ist ein cleverer Schachzug, denn ihre nüchtern agierende, eher von Misstrauen geprägte Figur, kontrastiert ausgezeichnet mit der von Frau Schneider. Die Grande Dame des Hörspiels, Dagmar von Kurmin(Mrs. Paxton), spielt die einsame, freundliche Alte mit großer Zurückhaltung und sorgt so dafür, daß man bis zur Auflösung nicht weiß, ob man sie nun zu den "Guten" oder den "Bösen" zählt. Rolf Berg(Gärtner Smith) spricht den leicht begriffstutzigen, aber sofort hilfsbereiten Landschaftspfleger, und Thomas Balou Martin(Mr. Rumbold) ist die beeindruckende Verkörperung des älteren Farmers, der zunächst verblüfft wirkt, dann aber besonnen und entschlossen reagiert.

      Fazit:
      Für mich ein gelungener später Vertreter der Schauer-Romantik.

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    • Danke für den Ausführlichen Bericht, scheint ja durchaus eine der angenehmeren Folgen zu sein - so Recht warm werden konnte ich mit der Serie bis jetzt nicht.
      "Das Sonnenlicht, es schwindet bei Nacht, erst am Tag ist wieder sein Feuer entfacht. Von Sonne zu Mond und zu Sonne erneut,
      ewige Ruhe die lebenden Toten erfreut. Ruhelose Seelen wandern ohne Wonne, gib ihnen Frieden mit der Hymne der Sonne."
    • Ich konnte nicht widerstehen und musste mir die CD gleich anhören - schaurig durchaus ... Auch das Ende war noch mal richtig gut. Außerdem ein Gruseltext, den ich mal gar nicht kannte.

      Einzig ein Salzkorn im Plot (der Vorlage bereits) stört mich etwas: :ziegel:

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      Wenn Reverend Roberts (der Erzähler) doch schon weiß, dass besagte Gegend gefährlich (für junge Frauen) und übel beleumdet ist, wieso erwähnt er das mit keinem Wort gegenüber der Pfarrfamilie? Da hätte ich noch etwas mehr Begründung gebraucht, z.B, dass er ein ausgemachter Gegner von Spukgeschichten oder Aberglauben ist - und für das Verschwinden der Mädchen früher glaubwürdige Erklärungen parat hat...
      : jo1 : :cop:
      1881 - Gaslicht-Krimi
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      :danke: für deine schöne Rezi, MoAs!
      Mir hat das Hörspiel sehr gut gefallen, vor allem wegen Reinhilt Schneider und Horst Naumann. Ein romantisch-atmosphärisches Hörspiel mit ein bisschen Gänsehaut. :) Bis zum Schluss habe ich darauf gewartet gehofft, dass
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      Alice befreit werden kann - Reinhilt in den Händen des Bösen zu wissen ist irgendwie...falsch ^^
      daher war ich ein wenig enttäuscht, als das Hörspiel zu Ende war, aber der Schluss hat gut gepasst. :]

      Die beiden Schwestern mit ihren unterschiedlichen Charakteren werden wunderbar verkörpert (wobei mir alle Sprecher gefallen haben). :) Mich hat allerdings gewundert, dass Alice, der "nicht so viel an Gesellschaft liegt", diejenige ist
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      die von B.B. und seinen Bewohnern, die sich nach sozialen Kontakten sehnen, angezogen wird. Gut, die geselligere Schwester ist blind wie ein Maulwurf und hat das Haus nicht gesehen ;) , das ist eine Erklärung, aber für mich wäre es anders herum stimmiger gewesen. Ist natürlich Geschmackssache...so kommen wir zumindest in den Genuss, Frau Schneider herrlich schreien zu hören. :smile: :arg1:

      Lindas Spoiler ging mir ebenfalls durch den Kopf...naja, wer weiß - vielleicht
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      haben die Einheimischen auch einen Deal mit dem Ehepaar und "opfern" regelmäßig Zugezogene, um selbst verschont zu bleiben... :hihi:
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      Ich glaube von der #135 lasse ich lieber die Finger. Wahrscheinlich ist es mir nicht Düster genug :xeno:
      "Das Sonnenlicht, es schwindet bei Nacht, erst am Tag ist wieder sein Feuer entfacht. Von Sonne zu Mond und zu Sonne erneut,
      ewige Ruhe die lebenden Toten erfreut. Ruhelose Seelen wandern ohne Wonne, gib ihnen Frieden mit der Hymne der Sonne."
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      Sylphida schrieb:

      [...] Mir hat das Hörspiel sehr gut gefallen, vor allem wegen Reinhilt Schneider und Horst Naumann. [...]
      ...und genau das ist u.a. der Punkt, warum mir das Hörspiel nicht so gut gefallen hat. Unserer guten Reinhilt nehme ich die Rolle der "jungen" und naiven Tochter nicht ab. Und bei good old Horst habe ich immer das Problem, dass ich ihm im Gedenken sagen möchte: "Mensch Horst, räuspere Dich doch mal." =)
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      @Sylphida Dein dritter Spoiler bezüglich Lindas Frage (die man sich ja unwillkürlich stellt, ging mir genauso :zustimm: ) ist ein interessanter Ansatz.
      Möglicherweise soll es ja wirklich so sein, aber andererseits hätte man doch als Hörer auch dann gern etwas darüber aus den Mündern der Dorfbewohner oder halt vom Erzähler gehört, und dass sich gerade ein Dorfpfarrer in diesem Fall zum Werkzeug machen lässt, fände ich schon sehr übel.
      Also vielleicht doch düster genug für Leo? ;)
      Obwohl hier das Grauen ja ganz und gar nicht plakativ daherkommt, sondern schön langsam über die sommerliche Hügellandschaft kriecht...
      Ich höre die Folge erst nächste Woche, weiß aber jetzt schon, dass mir Reinhilt in jedem Fall noch jung genug klingen wird.
      Habe der auch problemlos die Fee mit den blauen Haaren bei "Pinocchio" abgenommen oder ihre Rolle als kleine Meerjungfrau, die kann das - für mich - immer noch! :thumbsup:
      Wird eigentlich irgendwo gesagt, wie alt die Töchter sein sollen?
      Bei einem so alten Vater wie Horst Naumann? ;)
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      Dieses "zu alt für die Rolle" kann ich in vielen Fällen auch nicht nachvollziehen. Hängt vielleicht damit zusammen, dass man heutzutage einfach zu viel über die Sprecher weiß. Und wenn man dann Frau Schneiders Geburtsjahr kennt, fällt es vielen vielleicht schwer, sie sich als junge Frau vorzustellen.

      Ich habe da gar keine Probleme. Für mich entscheidet allein der Klang der Stimme. Und da sind Sprecher wie Reinhilt Schneider und Lutz Mackensy nach wie vor in der Blüte ihres (Sprecher-) Lebens.

      Während ich SprecherInnen wie Horst Naumann oder Dagmar von Kurmin wegen des Klangs ihrer Stimmen mittlerweile keine/n 40- oder 50jährige/n mehr abnehme, so leid es mir tut. Hier hat sich die Stimme einfach zu sehr verändert über die Jahre. Dennoch bleiben sie exzellente SprecherInnen - in den richtigen Rollen.

      Leider scheinen auch die Macher heute oft so zu denken (was Geburtsjahr = zu alt für die Rolle angeht), zumindest bei Frauen, jedenfalls hört man ja auch Sprecherinnen wie Arianne Borbach heute eher weniger in tragenden Rollen, obwohl auch sie nach wie vor top ist, wie sie zuletzt bei Ewige Jugend im Gruselkabinett noch unter Beweis gestellt hat. Find ich schade.

      Aber irgendwie macht ihr mich nun doch neugierig... :green:
      Wenn das Hörspiel doch nur nicht so verdammt lang wäre. Da packt mich das Grausen vor überüberüberlangen Erzählerpassagen und endlosen Dialogen, die eigentlich nur aus Monolog plus Stichwortgeber bestehen.