Info Gruselkabinett - 131 - Die Köpfe von Apex

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Gruselkabinett - 131 - Die Köpfe von Apex



      Gruselkabinett - 131 - Die Köpfe von Apex

      Zum Inhalt:
      Der weltkriegserfahrene junge Söldner Justus Miles sucht dringend Arbeit, und wie es der Zufall so will, weht ihm der Wind eine aktuelle Tageszeitung vor die Füße. Dort liest er eine Stellenanzeige, die wie für ihn gemacht zu sein scheint. Doch als er bei der angegebenen Adresse ankommt, muss er feststellen, daß er nicht der einzige Bewerber ist. Zu seiner großen Überraschung öffnet ausgerechnet sein ehemaliger Vorgesetzter Harry "Rusty" Ward die Tür und gibt ihm umgehend den Job. Natürlich möchte Miles nun auch wissen, was er denn genau zu tun hat, doch Ward kann ihm nur sagen, daß sie eine Stadt von Rebellen befreien sollen. Ihr Auftraggeber, ein seltsam aussehender alter Mann im Rollstuhl, drängt zur Eile, und noch am selben Abend brechen die drei auf. Hätte Miles zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, was ihn erwartet, hätte er sich bestimmt anders entschieden...

      Zur Produktion:
      Genau wie bei der vorangegangenen Folge, war mir auch dieser Autor vorher nicht bekannt. "Francis Flagg" ist ein Pseudonym des in Kanada geborenen amerikanischen Poeten und Schriftstellers Henry George Weiss (04.07.1898-17.05.1946). Weiss wählte diesen Künstlernamen im Gedenken an seinen 1922 verstorbenen Bruder Francis Flagg Weiss. Im November 1927 erschien seine erste Kurzgeschichte ("The Machine Man of Ardathia") in der amerikanischen Publikation "Amazing". In den folgenden Jahren veröffentlichte er über 30 sogenannter "Pulp" (das Wort leitete sich aus dem Englischen ab und bedeutet soviel wie "billiges Papier") Geschichten in so bekannten Magazinen wie "Astounding", "Weird Tales", oder "Wonder Stories", die mehrheitlich dem Science Fiction-Genre zuzuordnen sind. "The Heads of Apex", so der englische Originaltitel der im Oktober 1931 bei "Astounding Stories" verlegten Kurzgeschichte, bildet da keine Ausnahme, was sicherlich bei einigen Hörern für Irritationen sorgen wird. Mich stört es nicht, da ich ein großer Fan dieser alten Zukunfts-Phantasien bin.
      Skriptautor Marc Gruppe bleibt hier besonders nah an der schriftlichen Fassung und hat kaum Veränderungen vorgenommen, abgesehen von der für das Medium Hörspiel gebotenen Wandlung der Monologe und Beschreibungen in gut konsumierbare Dialoge. Zwar wurden beispielsweise die rassistischen Äußerungen bzw. Gedanken der Protagonisten in Bezug auf ihren Auftraggeber gestrichen, genau wie die kurze Beschreibung vom Ah-eedas Brüsten und Spiros Bedauern über den Verlust seiner Manneskraft, aber da diese Elemente heutzutage weder angebracht sind noch für die Handlung eine Rolle spielen, dürfte das wohl niemanden stören. Etwas bedauerlich finde ich allerdings, daß sich Herr Gruppe auch dazu entschlossen hat, die Szene wegzulassen, in der Miles nach dem Unglück in das Gehirn eines Toten greift. Damit reduziert sich der "Gruselfaktor" lediglich auf das Geheimnis, das hinter den Köpfen von Apex steckt und welches ich natürlich nicht verraten möchte. Die Handlung wird in rasantem Tempo erzählt, und der Hörer kommt nur dann zum Durchatmen, wenn auch die beiden Hauptdarsteller eine Pause einlegen müssen. Aufgrund des interessanten, bis zum Schluß spannenden Geschehens, vergehen die 62 Minuten Laufzeit dann auch wie im Flug. Wer mag, kann die englischsprachige Geschichte auch selbst noch im Internet unter gutenberg.org/files/29046/29046-h/29046-h.htm nachlesen.
      Wie gewohnt gibt es in Bezug auf Produktion und Regie von Stephan Bosenius und Marc Gruppe nichts auszusetzen. Zur Eröffnung und zum Abschluß des Hörspiels ertönt eine melancholisch angehauchte Melodie, welche den Hörer, dank der cleveren Komposition, jeweils besonders aufmerksam zuhören lässt. Im weiteren Verlauf werden die von mir so geschätzen gemischten Chöre eingespielt, und natürlich akzentuieren auch hier wieder düstere Synthesizersounds den Ablauf.
      Um dem Hörer die Handlungsorte akustisch zu vermitteln, nutzen die beiden Produzenten eine große Zahl von Geräuschen. So sind beispielsweise die Straßen New Yorks mit Polizeisirenen, Droschkenverkehr und eisigem Wind erfüllt, und an der Küste Long Islands mischt sich das Brechen der Wellen mit dem Geschrei der Möwen.
      Am meisten beeindruckt haben mich aber das Tackern des Maschinengewehrs und die wütend aufbrüllenden "Monster". Auch die Effekte sind rundum gelungen, wobei mir vor allem der in einer Szene unterschwellig zu hörende Pulsschlag gefallen hat.

      Zu den Sprechern:
      Michael-Che Koch(Justus Miles) ist zugleich Protagonist und Erzähler der Geschichte. Beides macht er sehr gut, und seine leicht raue Stimme passt hervorragend zu der Figur des kampferprobten, enthusiastischen Draufgängers, der schnell einsieht, daß ihn dieser Auftrag weit mehr fordern wird, als er zunächst dachte. Mit seiner sympathischen Art nimmt er den Hörer sofort für sich ein, genau wie Thomas-Balou Martin(Harry "Rusty" Ward) als sein älterer Freund. Martins Stimme klingt wie ein Reibeisen und entspricht damit perfekt dem gängigen Klischee des bärbeißigen Ex-Sergeanten. Helmut Winkelmann(Solino) intoniert den mysteriösen alten Auftraggeber mit kräftiger Stimme und befehlsgewohntem Ton, während Horst Naumann(Zoro) als Anführer der Köpfe von Apex zwar stets freundlich wirkt, gleichzeitig aber keine Gelegenheit auslässt, seine Überlegenheit hervorzukehren. Matthias Lühn(Spiro) ist ausgezeichnet als verbitterter Anführer der Rebellen, dessen Schicksal ebenso feststeht, wie das seiner Gegner. Gleiches gilt auch für die legendäre Reinhilt Schneider(Ah-eeda), die ihre Rolle der verwunderten, hilfsbereiten Schönheit mit der von ihr gewohnten Souveränität spricht. Rolf Berg, Timmo Niesner, Bodo Primus und Jannik Endemann leihen ihre Stimmen den übrigen Söldnern bzw. den verärgerten und verunsicherten 50 Köpfen von Apex.

      Fazit:
      Packende SF-Geschichte, die symbolisch für die Ausbeutung von Arbeitern steht.

      Das Hörspiel Gruselkabinett - 131 - Die Köpfe von Apex
      gibt es bei
      Amazon.de
      oder bei
      POP.de
    • Danke für die Rezi! Ich kann mir noch nicht so recht vorstellen was mich in dem Hörspiel erwartet, aber gerade dies finde ich sehr erfrischend. Eine Folge, wie es scheint, wie sie nicht so oft in der Reihe vorkommt. Und dass macht mich neugierig.
      Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.

      Antoine de Saint-Exupery
    • Ehrlich gesagt, interessiert mich die Geschichte mehr als zum Beispiel die 20000 Meilen unter dem Meer, die ich auch noch nicht von Titania habe. Mal was „Neues“ :]
      Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.

      Antoine de Saint-Exupery
    • Die Handlung ist tatsächlich schräg. Als kleiner Ausflug in die Gefilde des gepflegten Trashs ist das völlig in Ordnung, aber zu einem festen Bestandteil des Gruselkabinetts wird diese Art von Geschichten hoffentlich nicht. =)

      Ich wüsste auch nicht, was ich zu der Handlung ernsthaft schreiben sollte. Irgendwie entzieht sie sich einer seriösen Betrachtung.

      Sie ist sicherlich originell, aber nicht sonderlich raffiniert oder überraschend.

      Und gruselig ist das Ganze auch nicht mal im Ansatz.

      Aber was mir hier wieder mal aufgefallen ist, ist die seltsam statische Art von Handlung bei Gruselkabinett. Das ist etwas, was mich immer wieder massiv stört. Die Menschen tun kaum etwas außer reden. Und meist tun sie es auch noch in einer sehr statischen Form. Sie stehen oder sitzen - und reden. Und selbst wenn sie laufen, klingt es irgendwie statisch.
      Diesen Eindruck kenne ich eigentlich nur vom Gruselkabinett. Bei anderen Hörspielen, die ich konsumiere, habe ich dieses Empfinden nicht so stark. Mir scheint, bei anderen Produktion wird viel mehr auch "getan" oder "gehandelt". Beim Gruselkabinett wird mir dagegen viel zu viel nur drüber gesprochen. Ich wünschte mir da manchmal einfach mehr Momente des Schweigens, in denen die Handlung rein akustisch vorangetrieben wird.

      Nun ist mir klar, dass das nicht immer im selben Maße möglich ist angesichts mancher Vorlage beim Gruselkabinett.

      Aber ich vermisse da ein bisschen inszenatorischen Elan und den Mut zur oder Begeisterung für den kreativen Umgang mit jeder neuen Vorlage.

      Das schlägt sich ja auch in den Floskeln nieder, die wieder und wieder Verwendung finden. In meinem Kopf macht es mittlerweile schon Bing-Bing-Bing, wenn bestimmte Wendungen mal wieder gebraucht werden, die sich immer und immer wiederholen - so etwas wie: Das steht zu hoffen. :augenroll: Dieser Satz ist mittlerweile so etwas wie das Äquivalent zu den Hitchcock-Cameos in dessen Filmen. =)

      Aber wie dem auch sei, für mich kein Hörspiel der höchsten Kategorien, aber auch kein Ausfall. Mir hat der Wiedergänger inhaltlich doch weit mehr zugesagt (welch Überraschung! :D ), aber in der Machart spielen beide Hörspiele in derselben Liga.
    • Neu

      Hm, ja, was soll man zu diesem Hörspiel sagen? :gruebel:
      Eine rundherum seltsame Geschichte, etwas Fantasy, eine Portion SciFi, für mich praktisch kein Grusel oder Horror, einfach...hm...naja, verkopft halt. =)
      Nach dem Cover hätte ich mir etwas komplett anderes vorgestellt, das, was es dann zu hören gab, war zwar recht phantasievoll, oder sagen wir lieber ungewöhnlich ;) , aber nicht unbedingt zur Reihe passend und vor allem nicht in der Lage, mich irgendwie zu packen.
      Der recht vielversprechende Anfang, bei dem man sich noch fragt, was für eine spannende Mission wohl auf die Männer zukommen wird, weicht dann bald einem ziemlichen Fiasko, bei dem so gut wie alles anders läuft, als geplant / erwartet. :pfeifen:
      Gut, es gab ein, zwei spannendere Momente, aber insgesamt fand ich das Ganze lahm, zerredet und das Ende viel zu glatt.
      Spoiler anzeigen
      Man kommt in Gefahr, doch passenderweise naht die Rettung in Gestalt einer wunderschönen Frau, die noch dazu einen Geheimgang kennt ;) , und auch die sterbenden Köpfe können den beiden Söldnern noch mit einem Flucht-U-Boot dienen. Tschüß - und hach, was wir da erlebt haben! :biggrin:

      Das ist jetzt für mich eher kein Kandidat für "Beste GK-Folge 2017" gewesen.
      Wie Hardenberg schon schreibt, [...]"als kleiner Ausflug in die Gefilde des gepflegten Trashs"[...] völlig okay, aber ich brauche eine solche Story nicht so bald wieder in dieser Reihe.