Info Gruselkabinett - 130 - Der Wiedergänger

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    • Gruselkabinett - 130 - Der Wiedergänger



      Gruselkabinett - 130 - Der Wiedergänger

      Zum Inhalt:
      Im Jahr 1920 beschließt der junge New Yorker Peter Crane, zusammen mit seinen Freunden Christopher "Kit" Shelby und Gilbert Blair, eine Reise in die Wildnis von Labrador zu unternehmen. Seine Familie ist über diesen Plan entsetzt. Nicht nur, weil die abenteuerliche Fahrt viele Gefahren birgt, sondern vor allem, weil eine alte Zigeunerin Peter bereits in seiner Kindheit geweissagt hatte, daß er eines Tages in der Fremde sterben werde. Da weder Peter noch seine Freunde an derartige Prophezeiungen glauben, brechen sie gutgelaunt auf. Zunächst verläuft auch alles nach Plan, und die drei Städter genießen die unberührte Landschaft. Doch dann bricht ein Schneesturm über sie herein, und es kommt zur Katastrophe...

      Zur Produktion:
      Mit der vorliegenden Folge vertont das Label Titania erstmals eine Geschichte der amerikanischen Schriftstellerin und Poetin Carolyn Wells (18.06.1862-26.03.1942). Bei der Menge an Autoren, die es schon gab und immer noch gibt, ist es natürlich unmöglich, alle zu kennen. Aber wenn, wie hier, das Gesamtwerk über 170 Publikationen umfasst, bin ich doch einigermaßen erstaunt, noch nie zuvor von der Dame gehört zu haben. In den ersten zehn Jahren ihrer Karriere schrieb sie vor allem Gedichte und Kinderbücher. Danach widmete sie sich in erster Linie dem Mystery-Genre, und die 61 (!) "Fleming Stone"- Detektivgeschichten zählen zu ihren erfolgreichsten Büchern. Heutzutage kennt man sie aber wohl hauptsächlich durch ihre leichten Verse und Limmericks. "Fleming Stone" war aber bei weitem nicht die einzige Figur, die Wells mehr als ein Abenteuer erleben ließ. So erfand sie unter anderem den Detektiv Pennington Wise, der mit seiner Assistentin Zizi insgesamt acht Fälle löst. Interessanterweise hat sich Skriptautor Marc Gruppe nicht dazu entschlossen, mit dem ersten, 1918 erschienenen Band "The Room with the Tassels" zu beginnen, sondern stattdessen den vierten Roman "The Come-Back" aus dem Jahr 1920 zu vertonen. Das mag zunächst verwundern, aber wenn man die Geschichte im englischsprachigen Original unter gutenberg.org/files/30868/30868-h/30868-h.htm nachliest, stellt man schnell fest, daß die Detektive, genau wie bei den "Charlie Chan"-Romanen von Earl Derr Biggers, eine eher untergeordnete Rolle spielen und auch entsprechend spät in die Handlung integriert werden. Da Wells' Roman mehr als 280 Seiten umfasst, ist es vollkommen unmöglich, die komplette Geschichte innerhalb der Spielzeit einer einzigen CD zu erzählen, selbst wenn diese, so wie hier, ca. 73 Minuten umfasst. Das dürfte einer der Gründe gewesen sein, warum Marc Gruppe sich in diesem Fall vom Original gelöst, umfangreiche Änderungen vorgenommen und letztlich den ursprünglichen Text mehr oder weniger nacherzählt hat. Bereits die Eröffnung der Geschichte könnte nicht unterschiedlicher ausfallen. Während Wells ihre Version mehr oder weniger mit der düsteren Zigeuner-Prophezeiung beginnt und so von vorneherein eine entsprechende Grundstimmung erzeugt, stellt Gruppe diese zunächst hinten an und präsentiert dem Hörer stattdessen die verschiedenen Akteure. Dadurch steigt die Spannungskurve zwar langsamer, aber umso effektiver. Auch der weitere Verlauf gestaltet sich interessanter als im Buch, da durch die umfangreichen Kürzungen, die Erregung nicht nur dauerhaft erhalten bleibt, sondern bis zum Ende noch anwächst. Nachdem es sich hier jedoch um eine Mystery- und keine Gruselgeschichte handelt, beschränkt sich das "Grauen" mehr oder weniger komplett auf die Seancen, und Gruselfans könnten von der ernüchternden Auflösung schon etwas enttäuscht sein.
      Produktion und Regie, für die Stephan Bosenius und Marc Gruppe gemeinsam verantwortlich sind, fallen, wie gewohnt, erstklassig aus. Die Musik ist facettenreich, ruhige Melodien wechseln sich mit episch angehauchten Weisen ab. Instrumental herrscht hier zwar das Klavier vor, zusätzlich gibt es aber auch immer wieder mal dunkle Synthesizer-Sounds oder einen Choral zu hören, beides Elemente, welche die düstere Atmosphäre zusätzlich vertiefen. Darüber hinaus haben die Macher auch darauf geachtet, jede einzelne Szene mit zum Geschehen passenden Geräuschen auszustatten. Egal, ob es sich um die tickende Wanduhr, den pfeifenden bzw. heulenden Wind des Schneesturms oder die knarrenden Dielen handelt, alle Töne klingen vollkomen natürlich und sorgen für ein noch intensiveres Hörerlebnis. Akustisch besonders eindrucksvoll sind die Sequenzen, in denen der Geist durch den Mund des Mediums spricht. Um diese Illusion zu erzeugen, hat man die Sprecher des Mediums und des Geistes dieselben Sätze sagen lassen und beide Tonspuren anschließend übereinander gelegt.

      Zu den Sprechern:
      Wie schon erwähnt, fallen die Auftritte von Dirk Stollberg(Pennington Wise) als ermittelnder Detektiv, den die Hintergründe seines Auftrags mehr als erstaunen, und seiner Assistentin, der stets bezaubernden Reinhilt Schneider(Zizi) recht kurz aus. Trotzdem gelingt es ihnen, beim Hörer einen nachhaltigen Eindruck zu hinerlassen. Dies gilt vor allem für Frau Schneider und ihrer einndringlich vorgetragenen Warnung. Horst Naumann(Benjamin Crane) ist mit seiner rauen Stimme eine ausgezeichnete Besetzung für die Figur des sechzigjährigen Familienvaters, den die Verzweiflung über den Verlust seines Sohnes in die Arme von Spiritisten treibt. Das gilt auch für Uschi Hugo(Julie Crane) als seine bestürzte Tochter, deren Glauben an die Unschuld ihres Geliebten unerschütterlich ist. Jannik Endemann(Peter Crane) überzeugt genauso mit seinem enthusiastischen Portrait des frisch verliebten, jugendlichen Draufgängers, wie Mattias Lühn(Christopher "Kit" Shelby) und Louis Friedemann Thiele(Gilbert Blair) als dessen Freunde. Während Lühn seinen Charakter sehr von sich überzeugt und beinahe arrogant agieren lässt, wirkt Thieles Spiel weitaus zurückhaltender, was seiner Figur einen geheimnisvollen Anstrich gibt. Ebenfalls undurchsichtig erscheint Thomas Balou Martin(McClellan Thorpe) als Julie Cranes distinguierter, dem Spirituellen gegenüber skeptischen Freund. Sehr gut gefallen hat mir auch Marie Bierstedt(Carlotta "Carly" Harper) als Peters trauernde Freundin, die dem Okkulten Näher steht, als man zunächst denkt. Sprecherisches Highlight ist für mich aber die großartige Dagmar von Kurmin(Madame Parlato) als Medium, der es allein schon mit ihrer ausdrucksstarken Stimme gelingt, den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Bodo Primus(Portier Hastings) macht viel Spaß als unerschütterlicher Hausmeister mit schwarzem Humor, und Tom Taczko(Tom Douglas) liefert eine einwandfreie Darbietung als hilfsbereiter "Reporter".

      Fazit:
      Tadelloses Mystery- Hörspiel.

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    • Mal wieder besten Dank für Deine Eindrücke, die ich wie immer mit großem Interesse gelesen habe. Auch wenn ich - wie ich zugeben muss - Dein Fazit nicht teile.

      "Tadellos" finde ich dieses Hörspiel leider nicht. Im Gegenteil, ich sehe in Teilen die Rückkehr zu alten (aus meiner Sicht:) Schwächen. So ist der Auftakt mal wieder hemmungslos verplaudert und viel zu lang (hätte man doch besser mit der Zigeunerin begonnen!), in Teilen ist die Darbietung der Sprecher unbefriedigend (man denke an die Szene, in der dem Protagonisten auf seiner Reise die Kräfte schwinden: er sagt es zwar, aber es ist ihm überhaupt nicht anzuhören; dann sagt ihm sein Freund: "Denk an Deine Braut!", und alles ist wieder gut - das fand ich wenig überzeugend; auch den von mir hochgeschätzten Horst Naumann fand ich nicht passend, da er ganz einfach mittlerweile altersentsprechend und darum in seiner Rolle - sorry! - schlicht zu alt klingt), auch fehlte es mir, dramatische Momente innerhalb der Spielhandlung herauszuarbeiten, anstatt es sich so leicht zu machen, den Erzähler an entscheidenden Stellen mit erklärenden Sätzen einzufügen, obwohl man dies auch gut durch die Spielhandlung hätte lösen können. Dieses Hörspiel ist über weite Strecken leider mal wieder nur eine Aneinanderreihung von langen und gehetzt klingenden Dialogen, denen jedoch völlig eine eigene Dramaturgie fehlt. Und dass das Plätschern der Dialoge dann auch noch unterstrichen wird durch unentwegte Musikuntetmalung (in Form von recht belanglosem Geklimper), das dann ohne erkennbaren Grund irgendwann einfach aussetzt, macht die Sache für mich auch nicht besser.

      Ich finde das mehr als schade.

      Aber um dem Ganzen auch Positives abzugewinnen:
      Die Szene, in der es bei der Wanderung zu einem Unfall kommt, war, sieht man mal von den ärgerlichen, weil völlig unnötigen Erzählereinschüben ab, sehr eindringlich gespielt.
      Dagmar von Kurmin war und ist mit ihrer Darbietung das Highlight dieser Episode.
      Und dass die Folge quasi ein Wiederhören mit wesentlichen Teilen des Anne auf Green Gables-Cast war, hat natürlich zusätzlich Freude bereitet.

      Alles in allem hatte ich nach den überraschenden Lichtblicken wie Kalte Luft und Der Streckenwärter, die doch zumindest gut waren, ein wenig mehr erwartet. Allerdings hatte ich beim Blick auf die Laufzeit des Hörspiels schon ein mulmiges Gefühl...

      Insgesamt also in meinen Augen kein Totalausfall, aber auch kein Highlight. Durchschnitt.


      :st: :st: :st: :st2: :st2:
    • Danke für eure Eindrücke! Es wird noch dauern bis ich zum hören komme. Aber allgemein gesprochen empfinde ich 3 von 5 Sterne auf jeden Fall über dem Durchschnitt. Die Kritikpunkte des gemächlichen Beginns mit längeren Plaudereien sind ja fast schon Standart bei TITANIA und tragen für mich meistens dazu bei, dass man die Figuren kennen lernt und nicht sofort ins kalte Wasser geworfen wird. Stört mich meistens nicht, gehört irgendwie dazu.
      Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.

      Antoine de Saint-Exupery
    • Bei mir gilt folgende Unterteilung :

      :st: :st: :st: :st: :st: = Meisterwerk

      :st: :st: :st: :st: :st2: = gut

      :st: :st: :st: :st2: :st2: = Durchschnitt

      :st: :st: :st2: :st2: :st2: = eher schwach

      :st: :st2: :st2: :st2: :st2: = schlecht

      :st2: :st2: :st2: :st2: :st2: = völlig misslungen


      Was Dialoge angeht, so kommt es hauptsächlich auf das Wie an. Bei Berge des Wahnsinns gewann das Geplätscher an Dynamik und Unterhaltungswert, als die durch Leni Lake so etwas wie Opposition zum Protagonisten hinzutrat. Hier allerdings fehlt Vergleichbares. Es plätschert halt vor sich hin. Jedenfalls in meinen Augen.
      Das ist für mich ein handwerklicher Mangel beim Skript.
    • @Hardenberg
      Zunächst vielen Dank für Deine Rezension. :hutheb: Sorry, daß ich noch nicht früher reagiert habe, aber ich war bis gerade noch mit "Der geheime Garten" beschäftigt.
      Daß Du mein Fazit nicht teilen würdest, hab ich mir schon gedacht. =)

      Mir war der Anfang nicht zu "verplaudert". :nein: Ich mag es, wenn man auch mal einen langsamen Auftakt wagt, zumal es ja durchaus wichtig ist, die einzlenen Figuren und ihre Motivation erstmal kennen zu lernen. Das Dir Horst Naumman zu alt klingt, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Ich finde ihn für die Figur eines über 60 jährigen durchaus ok, auch wenn er wesentlich älter ist. :schulter:
      Ob Musik "Geklimper" ist, oder nicht, ist aber doch wohl eher Geschmacksfrage, findest Du nicht? Es könnte allerdings auch sein, daß ich einfach zu wenig von Musik verstehe, um das richtig beurteilen zu können. =)
    • Och, als echte Rezi war's eigentlich gar nicht gedacht, sondern bloß als persönlicher Ersteindruck. Als ich dann aber schrieb, das Hörspiel sei im Fazit Durchschnitt, boten sich die drei Sternchen einfach an, weil sie für mich den Durchschnitt repräsentieren. :zwinker:

      Dass Du die angesprochenen Dinge anders siehst, liegt natürlich auf der Hand. Mir liegt auch nichts daran, Dich zu widerlegen. Ich wollte nur meinen (in Teilen abweichenden) Eindruck daneben stellen. :)

      Das Geklimper war eine Zuspitzung, die ich natürlich näher erläutern kann: Musik sollte, nach meinem Empfinden, innerhalb eines Hörspiels eine Funktion erfüllen. Geklimper dagegen klimpert bloß vor sich hin und kann ebenso gut auch weggelassen werden. (Und so endet es ja auch ziemlich abrupt mitten im Gespräch ohne erkennbaren Grund).

      Ebenso verhält es sich bei Dialogen. Ich habe da immer Hitchcock im Ohr, der ja zur Stummfilmzeit anfing und in den Jahren danach immer die (sinngemäße) Devise pflegte, dass jeder Satz, der gesprochen wird, auch gerechtfertigt sein muss und der Film in erster Linie über die Bilder transportiert werden sollte. Er war strikt gegen Filme, die bloß Bilder von sprechenden Menschen zeigten.

      Und das ist es, was mir hier ein weiteres Mal leicht übel aufstieß: Hörspiel ist so viel mehr als redende Menschen. Nur beim Gruselkabinett ganz oft leider nicht. Hier würde ich mir wünschen, dass man Hitchcocks Grundsatz ein Stück weit mehr auf das Medium Hörspiel übertrüge.

      Und ich kritisiere ja auch nicht grundsätzlich Dialoge, sondern nur dann wenn sie belanglos, zu ausufernd oder ohne innere Dynamik daherkommen.

      Und was Horst Naumann angeht - das mag Geschmacksache sein. Wie gesagt: Ich mag ihn eigentlich sehr, aber man hört ihm sein Alter nun mal sehr deutlich an, und niemand mit Mitte 60 spricht so wie er. Jedenfalls ist das mein Eindruck. Das ist nicht schlimm, fällt auch nicht entscheidend ins Gewicht, ist aber dennoch im Sinne des Wortes bemerkenswert. :)

      Und ich bitte zu bedenken, dass ich das Hörspiel für mich mit drei Sternen bewerte. Das ist kein Verriss, auch wenn ich einige Kritikpunkte hier erläutere.

      Nun bin ich gespannt auf die zweite Gruselkabinett-Episode...
    • Also ums "Widerlegen" gings mir jetzt auch nicht. :nein: Ich wollte eigentlich nur meine Sicht der Dinge dazu äussern. ;)

      Hardenberg schrieb:

      Und ich bitte zu bedenken, dass ich das Hörspiel für mich mit drei Sternen bewerte. Das ist kein Verriss, auch wenn ich einige Kritikpunkte hier erläutere.
      Nee, da hatte ich auch nicht so verstanden. :)
      Ob Dir die Zweite Gruselkabinett besser gefallen wird? :denk: Also Du weisst, das es sich um ein SF HSP handelt, oder? Und es ist auch noch "Pulp" SF, die Dir so gar nicht liegt (glaube ich wenigstens). Ich bin gespannt. :]
    • „Gut gemacht“ ist halt auch eine Geschmacksfrage...
      Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.

      Antoine de Saint-Exupery
    • Das sehe ich - zumindest in dieser Pauschalität - nicht so.

      Außerdem geht es bei Rezis sowieso nicht um absolute und allgemeingültige Urteile, sondern um eine intensive Auseinandersetzung mit einem Hörspiel, die versucht, Eindrücke in Worte zu fassen und nachvollziehbar zu begründen.

      Insofern braucht es nicht den Einwurf, dass man's auch anders sehen kann. Das ist nämlich eine Binse und deshalb als Feststellung eher uninteressant. :zwinker:
      Eine Darstellung, was jemand warum anders sieht, ist dagegen immer hochinteressant. Weswegen ich sehr gern auch Rezis lese, die zu einem von meinem eigenen abweichenden Fazit kommen...

      ...jedenfalls solange sie gut gemacht sind. :green: