Info Die weisse Lilie - Staffel 1 - Tödliche Stille

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Die weisse Lilie - Staffel 1 - Tödliche Stille



      Die weisse Lilie - Staffel 1 - Tödliche Stille

      Zum Inhalt:
      Mit Hilfe seiner Milizen terrorisiert der selbsternannte General Emmanuel Besongua den Osten des Kongos, doch seine Tötungsmaschinerie arbeitet nicht immer perfekt, und einigen seiner Opfer gelingt die Flucht nach Amerika. Dort beschließen sie, den Killer Daniel Porter mit der Liquidierung Besonguas zu beauftragen, um sich und ihre ermordeten Angehörigen zu rächen. Porter ist schon seit Jahren im Geschäft und weiß, wie er vorzugehen hat. Kaum in Afrika angekommen, stellt er fest, daß man offensichtlich über ihn und seine Mission Bescheid weiß. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch macht er sich dennoch auf den Weg...
      Zeitgleich wird in Boston ein Afrikaner auf grausame Weise ermordet. Detective Miles und sein junger Assistent nehmen die Ermittlungen auf und müssen in deren Verlauf feststellen, daß dieser Fall weitaus komplizierter ist, als zunächst angenommen...
      Doch wie hängen die beiden Geschichten zusammen und welche Rolle spielt das Gedicht über die weisse Lilie?
      Wer das erfahren möchte, sollte unbedingt dieses aufregende Hörspiel hören!


      Zur Produktion:
      Die ersten vier Folgen wurden bereits ab November 2015 von Lily Sound (Elevate Studios) im Eigenvertrieb veröffentlicht. Allerdings konnte man die Hörspiele nur in Form von Downloads erwerben. Recht schnell wurde das Label Folgenreich auf die außergewöhnliche Serie aufmerksam und beschloss, diese auch in CD-Form auf den Markt zu bringen. Zunächst erschienen am 01.09.2017 die ersten vier Teile als Re-Release und die 5 als Neuveröffentlichung, jeweils in Form von Downloads und als Stream. Nun ist es soweit, und es gibt eine Box, welche die Folgen 1-3 enthält. Laut den Erfindern der Serie, sollen es insgesamt dreißig werden, unterteilt in 10 Staffeln, wobei eine Staffel drei Discs/Kapitel umfasst und eine in sich abgeschlossene Geschichte bildet. Zusätzlich gibt es aber noch einen übergeordneten Handlungsstrang, welcher durch alle Teile laufen wird. Die weiteren Kapitel will man künftig ebenfalls zunächst nur in digitaler Form veröffentlichen, eine CD-Box soll dann etwas später folgen.
      Ich finde es bemerkenswert, daß die Macher von Lily Sound (Elevate Studios) nicht nur ein klar durchdachtes Konzept haben, sondern dies auch dem geneigten Hörer mitteilen. So weiß man bereits im Vorfeld, worauf man sich einlässt und wann die Serie abgeschlossen sein wird, natürlich immer vorausgesetzt, der wirtschaftliche Erfolg rechtfertigt eine Fortführung bis zum Ende. Ein solches Verhalten, gepaart mit den unterschiedlichen Kaufmöglichkeiten, bietet beste Voraussetzungen für zufriedene Konsumenten.
      Doch es ist nicht nur diese begrüßenswerte Kommunikation mit dem Kunden, die mich so beeindruckt, sondern das Werk an sich. Viele Label, die neu auf den Markt kommen, versuchen ja auf Nummer sicher zu gehen und wählen ein Genre aus, daß kommerziellen Erfolg verspricht. Sehr beliebt sind dabei Grusel und Krimi. Zwar gibt es auch in diesem Fall Krimielemente, doch handelt es sich genau genommen um eine furiose Mischung aus Actionthriller und Politkrimi, garniert mit Verschwörungstheorien. Derartige Produktionen kommen nicht allzu häufig vor, und ich freue mich, daß Lily Sound (Elevate Studios) diese Lücke nun schließt.
      Idee und Buch stammen von den "Labelvätern" Benjamin Oechsle und Timo Kinzel, die auch für Produktion und Regie verantwortlich sind. Auf den Inhalt des gut 2 1/4 Stunden langen Hörspiels will ich nicht detailliert eingehen, um die Spannung zu erhalten. Nur so viel: die beiden parallel ablaufenden Geschichten werden extrem fesselnd präsentiert, und fieserweise erfolgt immer dann eine Überleitung zum jeweils anderen Ort des Geschehens, wenn es gerade am packendsten ist. Durch diese Cliffhanger gelingt es, den Hörer derart mitzuziehen, daß man es kaum erwarten kann, bis es weitergeht.
      In diesem Zusammenhang möchte ich dringend empfehlen, sich direkt alle drei Folgen (oder eben dieses Box) zu besorgen, um die ganze Geschichte "am Stück" genießen zu können. Allerdings gibt es ab der zweiten Folge, jeweils zu Beginn, auch eine kurze Zusammenfassung der vorangegangenen Ereignisse.
      Das Geschehen wird flüssig erzählt und nicht durch langgezogene bzw. unnötige Szenen künstlich aufgeblasen. Entsprechend kurz und knackig fällt so auch die Laufzeit der einzelnen Folgen mit 45, 38 und 52 Minuten aus.
      Noch eine kurze Anmerkung zu der Altersangabe "ab 12 Jahren". Ich finde derartige "Empfehlungen" immer problematisch und vor allem überflüssig. Eine solche Kennzeichnung ist bei Hörspielen rechtlich nicht notwendig und kann auch, je nach Sensibiliät des Sprößlings, vollkommen daneben liegen. Inhalt, Cover und Titel sind hier eindeutig an ein erwachsenes Publikum gerichtet, und es ist eigentlich Aufgabe der Eltern, darauf zu achten, was ihr Kind so hört!
      Daß diese Reihe ein Herzensprojekt von Benjamin Oechsle und Timo Kinzel ist, merkt der Hörer schnell, denn die Produktion kann in allen Bereichen die volle Punktzahl holen. So wurde beispielsweise die Musik extra für das Hörspiel von Jochen Mader und Johannes Arzberger komponiert und arrangiert. Vorherrschend ist hier das Klavier, dessen Klänge von vorneherein eine düstere Grundstimmung entstehen lassen. Aber auch Streichinstrumente und Drums kommen zum Einsatz. Der größte Teil der Melodien ist eher ruhig und bedächtig gehalten, was dem Hörer Gelegenheit gibt, ein wenig durchzuatmen und die bisherigen Ereignisse zu verarbeiten. Die Actionsequenzen sind dagegen mit treibenden Synthesizer-Rhythmen unterlegt und lassen das Geschehen noch aufregender wirken. Die episch aufgemachte Titelmelodie ist quasi das "Sahnehäubchen" auf der ohnehin tadellosen Partitur. Ebenso opulent und liebevoll wie die Musik, ist auch die Geräuschkulisse gestaltet. Da wäre beispielsweise der afrikanische Urwald, welcher mit Hilfe von rauschenden Blättern, exotischen Vogelrufen und Zikaden zum Leben erweckt wird. Das klingt zunächst nicht sehr spektakulär, aber wer genau hinhört, wird feststellen, daß die Töne, wie im richtigen Leben, je nach Tageszeit (der Szene) variieren. Ebenso real klingen auch die restlichen Geräusche. Pistole, Gewehr oder MP sind genauso deutlich zu unterscheiden, wie die verschieden Fahrzeuge (Jeeps, Autos, Busse oder die LKWs). Besonders beeindruckt hat mich, daß die Schrittgeräusche dem jeweiligen Untergrund angepasst wurden und daß man ein Geräusch hört, welches so gut wie nie in einem Hörspiel auftaucht: das des Wasserlassens. Was die Effekte angeht, braucht sich diese Produktion nicht vor aktuellen Hollywood-Actionfilmen zu verstecken. Während des Überfalls auf das Dorf rummst und kracht es dermaßen, daß man fast droht, den akustischen Überblick zu verlieren. Daß dem nicht so ist, liegt allein an der sorgfältigen Einspielung, bei der die soundtechnischen Möglichkeiten der Raumklangverteilung voll ausgenutzt wurden. Eindrucksvollster Effekt dürfte die einschlagende Granate mit anschließendem, alles übertönendem Tinnitus-Pfeifen sein.

      Zu den Sprechern:
      Früher wurden große Hollywoodfilme gerne mit dem übertriebenen Werbespruch:"mit 1000en Schauspielern" versehen. In gewisser Weise trifft das auch auf diese Produktion zu. Ganz so viele sind es zwar nicht, aber dennoch ist die Cast so umfangreich, daß ich unmöglich auf jeden der wirklich überzeugenden Sprecher eingehen kann. Außerdem wäre das auch nicht wirklich fair, da manche zu wenig Text haben, um eine tatsächliche Bewertung möglich zu machen. Es muss reichen zu sagen, daß ich bei niemandem das Gefühl hatte, er oder sie wäre schlecht oder gar eine Fehlbesetzung.
      Ich finde es ja immer gut, wenn ein Hörspiel ganz ohne Erzähler auskommt, aber das ist bei diesem nicht möglich. Mark Bremers(Erzähler) leicht raue Stimme passt sehr gut auf dem im Großen und Ganzen ziemlich neutral gehaltenen Erzählerpart, und er kommt auch nur dann zum Einsatz, wenn es aus Verständnisgründen unumgänglich ist. Ich weiß nicht, ob es an seiner sympathischen Stimme oder der Regie liegt, aber Martin Sabel(Daniel Porter) wirkt zu Beginn des Hörspiels so positiv, daß es einem erst mal schwerfällt, in ihm den eiskalten Mörder zu sehen. Im Laufe der Handlung zeigt er sich aber doch weniger abgebrüht, als zunächst erwartet. Sprecherisches Highlight ist für mich Stephan Benson(Henry Miles) als abgehalfterter Bostoner Detective, der schon besser Zeiten gesehen hat. Sein Portrait des älteren Mannes mit Alkoholproblem ist tadellos, und seine Stimme und Intonation haben mich mehr als einmal an den großartigen Konrad Halver erinnert. Beinahe ebenso gewinnend ist Timo Kinzel(Samuel Haden) in seiner Rolle des jungen Akademieabsolventen, der Miles als neuer Partner zugeteilt wird und der den alten Haudegen mehr als einmal aus einer misslichen Lage befreit. Holger Mahlich(Frank Monroe) ist toll als deren durchsetzungsstarker Vorgesetzter, dem, trotz allen Beamtentums, noch viel an seiner Freundschaft zu Miles liegt. Die liebenswürdige Stimme von Sonja Szylowicki(Carol Nolasco) harmoniert hervorragend mit der schlauen Kryptografin, die eine kleine Schwäche für Miles hat, während Michael Ojake(Emmanuel Besongua), passend zu dem von ihm dargestellten brutalen, zu allem entschlossenen Charakter, seinen Text eher hart spricht. Jan David Rönfeldt(Safi) gelingt es, genau so zu klingen, wie seine afrikanischen Sprecherkollegen, und er liefert ein ausgezeichnetes Portrait des nervösen, zurecht ängstlichen Waffenschiebers. Gleiches gilt auch für Dela Dabulamanzi(Kingsani), dessen belegte Stimme gut zu seiner dubiosen Figur passt. Tim Knauer(Jerry Finnigan) spielt den geheimnisvollen Freund Porters, der ständig in Sorge um dessen Wohlergehen ist, und André Beyer(Michael Howard) macht viel Spaß als korrupter Abgeordneter, genau wie Sascha Rotermund(Lamar Johnson), der gegenüber Howard mehr als herablassend agiert und Ulrike Johannson(Iris Fairchild) treu ergeben ist. Johannson weiß in dem Part der eiskalten, absolut skrupellosen Dame genauso zu gefallen, wie Johannes Semm(Miguel Fernandez) als hektischer, durchgeknallter Mexikaner. Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Auftritte von Sven Matthias(Scott) in der Rolle des hilfsbereiten, besorgten Polizisten, Benjamin Oechsle(Ajamu) als gehetzter, vorsichtiger Flüchtling und Stimme aus dem Funkgerät sowie Oliver Böttcher(Ola), der zunächst zögerlich und unsicher ist, ob er sich den Detectives anvertrauen kann. Ebenfalls einen starken Auftritt hat Tilman Borck(Greg Huxley) als selbstgefälliger, erbarmungsloser Sadist. In weiteren Nebenrollen bekommt man noch Clemens Gerhard(Charles Bané), Ibrahima Sanogo(Soldat 1 Camp), Michael Oyegunle(Soldat 2 Camp), Moussa Issiaka(Soldat Flughafen), Eugene Boateng(Soldat Kreuzung), Rorisang Kgwathe(Wache), Robert Levin(Ansager), Stefan Schlabritz(Wirt),Justus Beckmann(Fluggast), Ulrich Hilke(John), Wolfgang Riehm(Obdachloser), Philipp Scharfe(Pilot), Friederike Solak(Angefahrene Frau), Manuela Bäcker(Nachrichtensprecherin), Kevin Thiel(Junge), Eugene Boateng(Soldat 1), David Debrah(Soldat 2), Wolfgang Riehm(Carols Begleiter), Annika Tenter(Rezeptionsdame), Fabian Monasterios(Busfahrer), Laura Büssing(Kellnerin), Marc Schülert(Soldat 1 Lichtung), Detlef Tams(Soldat 2 Lichtung) und Angelina Kamp(Mädchen) zu hören. Doumbia Mandjou, Komi Mizrajim Togbonou und Aloysius Itoka haben keine Rollenzuordnung. Dazu möchte ich noch anmerken, daß alle afrikanischen Sprecher einen französischen Akzent besitzen. Ich finde es großartig, daß man sich diese Sprecher ins Studio geholt hat, da sie erheblich zur Authentizität des Ganzen beitragen! Etwas verwundert bin ich über die Tatsache, daß A.S.(Joseph) mit keinem Wort im Booklet Erwähnung findet, obwohl die Figur auf der Webseite von Lily Sound (Elevate Studios) bei den einzelnen Folgen erwähnt wird und der neugierige, von den Ereignissen gezeichnete Taxifahrer auch eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

      Fazit:
      Großartiger, in jedem Aspekt überzeugender Auftakt der Serie.

      Das Hörspiel Die weisse Lilie - Staffel 1 - Tödliche Stille
      gibt es bei
      Amazon.de
      oder bei
      POP.de
    • MonsterAsyl schrieb:

      Ebenso opulent und liebevoll wie die Musik, ist auch die Geräuschkulisse gestaltet. Da wäre beispielsweise der afrikanische Urwald, welcher mit Hilfe von rauschenden Blättern, exotischen Vogelrufen und Zikaden zum Leben erweckt wird. Das klingt zunächst nicht sehr spektakulär, aber wer genau hinhört, wird feststellen, daß die Töne, wie im richtigen Leben, je nach Tageszeit (der Szene) variieren.
      Respekt. @du asylgebendes Monster,

      Die Beste Rezension für ein wirklich authentisches Hösrspiel.
      Abenteuer pur.
      Danke, @Folgenreich, für Euer Engagement!

      Fazit:
      Folgenreich heißt inzwischen "Kaufen!" :] =)

      ..
      Ein wirklich mutiges Label hilft Elea Mischnik! :tuck:
    • Rezension zu "Die Weisse Lilie - Staffel 1, Tödliche Stille




      Im Bereich des Fernsehens hat das Erzählen in Serie in den letzten Jahren sein Gesicht deutlich verändert. Ausgestorben sind die Serien klassischen Zuschnitts, die mit jeder neuen Folge eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählen, zwar noch nicht, doch im Hinblick auf die Komplexität von Handlung und Charakteren haben ihnen Game of Thrones, House of Cards, The Walking Dead und Co mit ihren folgenübergreifenden Handlungsbögen definitiv den Rang abgelaufen. Auf das gleiche Erfolgsrezept setzt nun auch Folgenreich bei seiner neuen Hörspielserie Die Weisse Lilie aus der Feder von Benjamin Oechsle und Timo Kinzel, deren erste Staffel Tödliche Stille auf drei CDs am 13. Oktober 2017 in den Handel kommt.


      Mix aus Actionthriller, Politkrimi und Verschwörungstheorien haben Kinzel und Oechsle ihr Erstlingswerk angelegt, dessen Handlung parallel an zwei unterschiedlichen Schauplätzen ihren Anfang nimmt. Im Kongo soll der Auftragskiller Daniel Porter den Warlord Emmanuel Besongua eliminieren, wird dabei aber schnell vom Jäger zum Gejagten. Als er Besongua in die Hände fällt, scheint sein Schicksal besiegelt zu sein, doch dann greift eine unbekannte dritte Partei in das Geschehen ein. Im amerikanischen Boston sind zur gleichen Zeit der Polizist Henry Miles und sein neuer Partner Sam Haden mit der Klärung eines mysteriösen Mordfalls beschäftigt, in dem sie erst durch die Hilfe einer alten Freundin von Miles ein Stück weiterkommen. Doch die vermeintliche Spur wird zur einer Sackgasse, als vor den Augen von Miles und Haden ein weiterer Mord geschieht. Jemand setzt offenbar alles daran, um die Ermittlungen um jeden Preis zu behindern. Eines wird den Cops jedoch schließlich klar: Die Morde haben etwas mit der politischen Situation im Kongo zu tun...

      Dass das Autoren-Duo mit Die Weisse Lilie seinen Einstand in der Hörspiellandschaft gibt, merkt man der Produktion zu keinem Zeitpunkt an: Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 verfügt über eine ausgereifte Dramaturgie, welche die beiden Handlungsstränge im Verlauf der ca. 135 Minuten Spielzeit auf intelligente Weise immer weiter miteinander verknüpft, wobei häufige Szenenwechsel sowie Rückblenden dem Geschehen eine hohe Dynamik verleihen. Intensität verleiht dem Hörspiel darüber hinaus die authentische Darstellung der Situation im krisengeschüttelten Kongo nebst der Verweise auf den Völkermord an der Hutu-Minderheit durch Angehörige der Tutsi-Mehrheit in Ruanda, einem Nachbarland des Kongo. Die Schilderungen dessen, was 1994 dort geschah, sind drastisch, entsprechen jedoch den Tatsachen. Den afrikanischen Dschungel kontrastieren Oechsle und Kinzel mit dem Asphaltdschungel der US-Metropole Boston, die zwar an der Oberfläche zivilisierter wirkt, während hinter der Fassade ebenfalls oftmals die Gewalt regiert. Auch in diesen Erzählstrang lassen die Macher mit der Migration ein aktuelles tagespolitisches Thema einfließen, und die Tatsache, dass die Ereignisse auf zwei Kontinenten, zwischen denen tausende von Kilometern liegen, in direkter Verbindung stehen, macht abermals deutlich: Die Welt des 21. Jahrhunderts ist zu einem globalen Dorf geschrumpft, gekennzeichnet durch ein kompliziertes Beziehungsgeflecht. Und diese Komplexität wiederum bildet den Nährboden für Verschwörungstheorien über geheime Zirkel, die das scheinbar chaotische Weltgeschehen in Wahrheit steuern. Die Weisse Lilie bedient sich solchen Gedankengutes dahingehend, als dass mit der titelgebenden Vereinigung tatsächlich eine Organisation vorgestellt wird, die an der Schnittstelle der Ereignisse sitzt. Wie es sich für eine großangelegte Geschichte gehört, bleiben die Motive des Bundes zwar zunächst weitgehend im Dunkeln, doch in den ersten drei Kapiteln wird so viel an Grundsteinen gelegt, um den Hörer darauf neugierig zu machen, was sich auf dieser Basis in den kommenden Folgen noch alles entwickeln wird.

      Erfreulicherweise weiß Die Weisee Lilie jedoch nicht nur vom Handlungsaufbau her zu überzeugen, sondern auch in puncto Sprecher, Sounddesign und Musik. Mit Martin Sabel (als Daniel Porter), Stephan Benson (Miles) und Timo Kinzel (Haden) in den Hauptrollen ist die Serie ideal besetzt, denn dem Trio gelingt problemlos die Verschmelzung mit den Charakteren. Daneben kennt die Geschichte eine große Zahl von Nebenrollen, die ebenfalls überwiegend sehr namhaft besetzt wurden. So finden sich auf der Castliste unter anderem die Namen von bekannten Schauspielern und Sprechern wie Holger Mahlich, Sascha Rothermund oder Céline Fontanges, während Mark Bremer als Erzähler durch die Story führt. Keine Frage: Was hier von allen Mitwirkenden geboten wird, besitzt durchweg hohe Qualität, besticht durch lebendiges Spiel und braucht deshalb den Vergleich mit Produktionen aus dem Hörspieloberhaus nicht zu scheuen. Und auch im Hinblick auf die Klangkulisse und die Musik braucht sich Die Weisse Lilie absolut nicht zu verstecken, denn das Sounddesign von Benjamin Oechsle ist detailreich, atmosphärisch und zieht den Hörer von der ersten Minute an unwillkürlich ins Geschehen hinein. Und der eigens für die Serie komponierte orchestrale Soundtrack des Hamburger Komponisten Jochen Mader wurde perfekt auf die Szenen abgestimmt, so dass sich eine plastische akustische Kulisse für die Handlung ergibt, wie man sie sich als Hörspielfan nur wünschen kann.

      Präsentiert wird Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 von Folgenreich in einem Digipack, in dem neben den drei CDs in einer Tasche auch das Booklet Platz findet. Die Aufmachung ist vom Design her durchaus gelungen und erweckt einen hochwertigen Eindruck, wenngleich das Booklet inhaltlich nur bedingt überzeugen kann. Es wird zwar den Minimalanforderungen gerecht, indem es kurze Inhaltsangaben der der jeweiligen Kapitel sowie eine Auflistung der Rollen und ihrer Sprecher enthält, doch das war es dann auch. Die Chance, die Autoren zu Wort kommen zu lassen, damit sie sich dem Hörer vorstellen oder beispielsweise einige Gedanken zur Entstehungsgeschichte dieser Hörspielserie äußern können, wurde leider nicht genutzt. Sehr schade, dass ein so hochwertiges Hörspiel dem Label nur ein mittelmäßiges Booklet wert war.

      Mit Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 präsentiert Folgenreich den gelungenen Auftakt einer ungemein spannenden neuen Hörspielserie, die sich an modernen Erzählmustern orientiert und deren Mix aus Actionthriller, Politkrimi und Verschwörungstheorien voll aufgeht. Fans von erwachsener Hörspielunterhaltung sollten sich Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 keinesfalls entgehen lassen.


      Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 erscheint bei Folgenreich als 3-CD-Digipack. Ab dem 13. Oktober 2017 ist es im Handel erhältlich.
    • Man kann ja auch nicht überzeugt zugreifen und hören ;)

      Wer nur Geschichten hören möchte, die zu 100% sicher abgeschlossen sind, eine Einstellung die ich zwar nicht teile, aber vollkommen nachvollziehen kann, der muss immer abwarten und erst dann hören wenn alles im Kasten ist. Ich kann auch Freude mit nicht abgeschlossenen Serien, wenn die einzelnen Folgen gelungen sind. Dies ist bei mir bei Burns der Fall, dies ist bei mir bei Poe der Fall, dies könnte auch bei der weißen Lilie der Fall sein. Die Hörspiele sind gut gemacht und machen Spaß zu hören, selbst wenn sie vielleicht erst in 10 Jahren abgeschlossen sind oder sogar nie abgeschlossen werden.
      Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.

      Antoine de Saint-Exupery
    • Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist ja die "Grundgeschichte" einer jeden 3-teiligen Staffel mit dieser auch abgeschlossen und nur der "rote Faden" läuft noch weiter.
      Klar, die Zahl "30" haut einen erst mal etwas um ;) , aber man kann ja ohnehin jeweils warten, bis eine 3er-Box erscheint und dann erst kaufen.
      Hier haben die Macher den geplanten Umfang wenigstens von vorneherein genannt, bei "Fallen" hieß es erst "nach 6 Folgen abgeschlossen", dann wurden diese 6 Folgen plötzlich zu "Staffel 1" - SO etwas stinkt mir mehr! :aufstampf:
      Aber dazu habe ich schon genug geschrieben... :winke:
    • Wie ich gerade durch in Mitglied dieses Forums bei Amzon erfahren habe =) verhält es sich mit den Veröffentlichungen folgendermaßen:

      Diese CD Boxen beinhalten aber keine in sich abgeschlossenen Geschichten oder Staffeln, wie in der Rezension erwähnt wurde. Vielmehr endet jedes einzelne Kapitel mit einem Cliffhanger und mit dem Hinweis "Fortsetzung folgt". Es wird also über 30 Folgen lang eine fortlaufende Geschichte erzählt.
    • Mir gefielen diese ersten drei Kapitel ebenfalls richtig gut! :applaus:
      Eine durchweg spannende, interessante Story, die der Wechsel von Zeitebenen und Schauplätzen noch abwechslungsreicher macht.
      Also eher nichts für reine "Nebenher-Hörer". ;)
      Ein beeindruckend umfangreicher Cast, der sein Handwerk versteht :thumbup: , wobei viele der "Kongolesen"-Sprecher durch ihre Akzente noch authentischer klingen, was mir sehr gefiel!
      Die Soundkulisse ist wunderbar dicht und authentisch, die musikalische Untermalung passend ausgesucht.
      Besonders gefallen hat mir die schwere, melancholische Titelmelodie aus Klavierklängen mit orchestraler Begleitung, die mich irgendwie an die der "Alchimistin" erinnerte.
      Das wirklich einzige "Manko" hier: die doch ziemlich lange Zeit, die man als Hörer "durchhalten" muss, bis die Geschichte irgendwann einmal (hoffentlich ;) ) zum Abschluss kommt.
      Es wird heutzutage nun mal zunehmend schwieriger, eine genügend große Käuferschicht von solchen über Jahre hinweg andauernden
      Projekten zu überzeugen.
      Nur ist gerade die halt fatalerweise Voraussetzung dafür, dass alle Folgen erscheinen können.