Info Gruselkabinett - 123 - Die Zeitmaschine

    • Gruselkabinett - 123 - Die Zeitmaschine



      Gruselkabinett - 123 - Die Zeitmaschine

      Zum Inhalt:
      Eines Abends im Jahre 1894 diskutiert ein namenslos bleibender Wissenschaftler mit seinen Besuchern Filby und Gregson das Phänomen der Zeit. Zum Erstaunen der beiden behauptet er, in der Zeit vor- und zurückreisen zu können. Natürlich glauben ihm seine Gäste zunächst kein Wort, doch seine Präsentation des Modells einer sogenannten "Zeitmaschine" in Aktion lässt sie in ihrer Überzeugung schwanken. Noch verunsicherter sind sie aber, als sie sich eine Woche später, wie zuvor abgemacht, wieder bei dem Wissenschaftler einfinden, er jedoch nicht anwesend ist. Während beide diesen Umstand diskutieren, öffnet sich plötzlich die Tür, und ihr Gastgeber steht blutend und mit verschmutzten Kleidern im Rahmen....

      Zur Produktion:
      Nach "Der Unsichtbare" (Gruselkabinett 120 & 121) und "Die Insel des Dr. Moreau" (Gruselkabinett 122), ist dies nun die dritte Hörspieladaption eines Werkes des berühmten Autors H.G. Wells (21.09.1866 - 13.08.1946). Die hier zugrundeliegende Geschichte "The Time Machine" ist als Wells' Auseinandersetzung mit bzw. Kritik an der industriellen Revolution zu verstehen und erschien erstmals 1895 als Fortsetzungsgeschichte von Januar bis Mai im Magazin "The New Review" des britischen Heinemann Verlags. Die erste Buchversion kam bereits am 7. Mai desselben Jahres auf den Markt, allerdings bei dem amerikanischen Verlag "Henry Holt and Company". Nur wenige Wochen später, am 29.05.1895, folgte dann auch die englische Ausgabe. Interessanterweise gibt es zwischen beiden inhaltliche Unterschiede, auf die ich aber nicht näher eingehen werde, da dies den Rahmen der Rezension sprengen würde und sie außerdem irrelevant für meine Rezension sind. Es genügt anzumerken, daß die meisten Nachdrucke und Übersetzungen auf der Heinemann-Version basieren. Wer sich die Abweichungen innerhalb der Texte einmal selbst ansehen möchte, findet sie im Internet unter en.wikisource.org/wiki/The_Time_Machine_(Heinemann_text) und en.wikisource.org/wiki/The_Time_Machine_(Holt_text).
      Der damals von Wells erfundene Begriff "Zeitmaschine" ist bis heute allgemein gültig, wenn es um die Bezeichnung solcher "Konstruktionen" geht.
      Obwohl sich die Bücher seit der Erstveröffentlichung immer gut verkauft hatten, war es erst die amerikanische Verfilmung aus dem Jahr 1960, welche die Geschichte bis heute praktisch weltweit bekannt machen sollte. Hauptsächlich dank der hervorragenden Spezialeffekte und des starken Spiels von Hauptdarstellers Rod Taylor. Diesen Umstand nutzt auch Skriptautor Marc Gruppe und präsentiert dem Hörer diesmal eine akustische Adaption des Filmdrehbuchs, statt sich, wie sonst, an der literarischen Vorlage zu orientieren. Das erklärt auch die, im Vergleich zu "Der Unsichtbare" (GK 120 & 121), recht kurze Laufzeit von "nur" knapp 57 Minuten, obwohl beide Bücher ungefähr die gleiche Seitenzahl aufweisen.
      Da der Film aber über 40 Minuten länger läuft, ist es auch klar, daß hier inhaltlich so einiges gekürzt werden musste. Das betrifft vor allem den Anfang, die erste Reise des Wissenschaftlers, die, genau wie im Buch, extrem kurz ausfällt, und den Konflikt mit den Morlocks, welcher hier weitaus kompakter in Szene gesetzt ist. Bis auf die Einführung und das Outro, konzentriert sich die Handlung somit vollständig auf die Erlebnisse des Zeitreisenden bei den Eloi und Morlocks. Daß Gruppe den Protagonisten nur zwei statt vier Gäste haben lässt und auch nur eine Haushälterin statt eines weiteren Dieners, ist wohl reiner "Sprecher-Ersparnis" geschuldet und spielt für den Verlauf gar keine Rolle. Besonders erwähnenswert finde ich aber, daß sich Marc Gruppe, im Gegensatz zu Film und Buch, nicht scheut, den Zeitreisenden ganz klar sagen zu lassen, er habe mit Weena geschlafen. Diesen sexuellen Aspekt hätte Wells zu seiner Zeit nicht einbringen können, und er hätte wohl auf den Leser auch eher befremdlich gewirkt, da Weena und die Eloi immer als "kindlich" und damit eher unschuldig bezeichnet werden. Die filmische Umsetzung beließ es deshalb wohl auch lediglich bei ein paar harmlosen Küsschen.
      Trotz der von der Buchvorlage übernommenen Struktur (zunächst beginnt ein Erzähler, dann übernimmt ein weiterer, um schliesslich seinen Part wieder an den ersten abzugeben) und den durch das Medium bedingten Beschreibungen, bleibt der Verlauf flüssig und bis zum Ende spannend. Das liegt nicht zuletzt daran, daß etliche Schilderungen in Dialoge umgewandelt und Ereignisse zusammengefasst worden sind.
      Daß Stephan Bosenius und Marc Gruppe ihr Handwerk als Regisseure und Produzenten perfekt verstehen, dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Auch diese Folge bildet da keine Ausnahme. Ganz wie es das viktorianische Zeitalter vorgibt, wird die Musik hauptsächlich mit den damals üblichen Instrumenten, wie Geige, Klavier oder Flöte eingespielt. Dabei fallen die einzelnen Melodien mal pompös und bombastisch aus, mal sind sie eher leise und verhalten, je nach den Erfordernissen der einzelnen Szenen. Da es sich hier um ein SciFi-Hörspiel handelt, kommt natürlich der Synthesizer, in Form von langezogenen, bedrohlich wirkenden, düsteren Tönen, zum Einsatz. Besonders prägnant finde ich auch diesmal den Chor, der vor allem das Ende des Hörspiels ausdrucksstark unterstreicht. Da es im Prinzip nur zwei Handlungsorte gibt (das Haus des Wissenschaftlers und die futuristische Welt der Eloi), fällt auch die Geräuschkulisse nicht ganz so üppig wie sonst aus. Fairerweise muss man aber sagen, daß gerade die Umgebung der Eloi auch bei Wells fast ohne Töne auskommen muss, da die Tierwelt komplett ausgestorben ist und die verbliebenen Menschen inzwischen keine Maschinen mehr besitzen. So beschränken sich die Geräusche zunächst auf ein wenig Wind und raschelnde Gräser. Umso überraschender ist es dann aber auch, wenn die Morlocks ihre Maschinen anwerfen und plötzlich Industrielärm an das Ohr des Hörers dringt. Besonders gut gelungen finde ich das Geräusch der geschwenkten Fackel beim Kampf mit den Morlocks oder das "Summen" der Zeitmaschine.

      Zu den Sprechern:
      Claus Thull-Emden(Filby) macht seine Sache als erster Erzähler sehr gut. Auch wenn er in dieser Funktion nur relativ wenige Sätze spricht, hört man ihm mit viel Freude dabei zu, wie er als guter Freund des Wissenschaftlers erst über dessen Thesen erstaunt und amüsiert ist, bevor ihn die Beweise verblüffen. Das gilt auch für Matthias Lühn(Gregson) als skeptischer Snob, der es, aufgrund des wenig erfreulichen Berichts des Wissenschaftlers und trotz dessen Beweises, vorzieht, die ganze Geschichte nicht zu glauben. Hauptdarsteller Sascha von Zambelly(Der Zeitreisende), der auch als der zweite Erzähler fungiert, meistert beide Aufgaben hervorragend, und seine Art zu sprechen fällt genauso emotional aus, wie seine Verkörperungs des selbstsicheren, entschlossenen Wissenschaftlers, der sich zunächst über die Eloi wundert, um sich dann wegen deren Apathie zu ärgern. Die Figur, welche Marianne Mosa(Mrs. Watchett) intoniert, hätte ich zwar anders angelegt, um den Wortwitz des Namens (Watchett = Watch it = Aufpassen!) noch zu unterstreichen, aber Mosas Portrait der eingeschüchterten, etwas verlegenen älteren Frau ist durchaus passend für den damaligen sozialen Stand einer Haushälterin. Sprecherisches Highlight ist für mich aber Annina Braunmiller-Jest(Weena), deren seidenweiche Stimme sie zur perfekten Besetzung für die Rolle der jungen, kindlichen Frau macht. Obwohl sie selbst diesem Alter entwachsen ist, gelingt es ihr scheinbar mühelos, eine natürlich wirkende Naivität in ihr Portrait zu legen. Nicht unterschlagen möchte ich auch Johannes Bade, Marcel Barion, Marc Gruppe und Kai Naumann als grunzende und grummelnd grollende Morlocks.

      Fazit:
      Kurzweilige Hörspieladaption, die mehr mit dem Film, als mit dem Buch zu tun hat.

      Das Hörspiel Gruselkabinett - 123 - Die Zeitmaschine
      gibt es bei
      Amazon.de
      oder bei
      POP.de
    • Vielen Dank für die ausführliche Rezension und die zu Grunde liegenden Hintergründe. Marianne Mosa ist mir gar nicht aufgefallen. Danke für ihre Erwähnung. Hier muss ich unbedingt noch einmal rein hören und anhören wie sich ihre Stimme im Vergleich zu den TSB-Sinclairs verändert. Erkannt hätte ich sie nach dem hören nicht.
      Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.

      Antoine de Saint-Exupery
    • Mal wieder eine wunderbar ausführliche und hervorragend formulierte Rezension. @MonsterAsyl
      Einzig die These, Gruppe habe hier eher eine Film- denn eine Buchadaption vorgelegt, erschließt sich mir nach dem Lesen nicht ganz. Ich selbst kenne den Film überhaupt nicht und habe in dem Hörspiel meine Lese-Erinnerung voll und ganz umgesetzt gesehen (bzw. natürlich gehört). Gravierende Abweichungen konnte ich eigentlich nicht feststellen. (Es ist allerdings schon eine ganze Weile her, dass ich das Buch gelesen habe, wie ich zugeben muss.)
      Vielleicht magst Du diesen Punkt noch ein wenig näher beleuchten? Es würde mich sehr interessieren, wie Du zu dieser Einschätzung kommst. :)
    • Hallo @Hardenberg schön mal wieder von Dir zu lesen. Tja, wie soll ich das näher erleutern? :denk: Vielleicht am einfachsten anhand der Eloi. Diese werden hier ganz so dargestellt wie im Film, während sie im Buch durchaus anders agieren. Darüberhinaus, "passiert" auch im Buch viel mehr bei ihnen, so fehlt im Hörspiel ein Großteil der Stadterforschung, die der Zeitreisende dort unternimmt.
      Schau doch einfach mal in die zwei Buchversionen rein, dann wirst Du die Unterschiede sehr schnell entdecken.
      Sorry, wenn das jetzt etwas sehr knapp formuliert ist, aber ich bin im Moment gedanklich bei meiner Rezension von Monika Häuschen und das ist einfach Welten entfernt. =)
    • Hardenberg schrieb:

      Das Buch ist schon auf meinen Nachttisch gewandert.
      Welche Ausgabe hast Du denn? Die von Diogenes?
      Ich habe das Buch ja auch nochmal vor dem Hörspiel gelesen, um meine Erinnerung aufzufrischen. Und ich finde nach wie vor, daß sich das HSP eher an dem Film, als an dem Buch orientiert. Vielleicht auch, weil die Geschehnisse in der Welt der Morlocks und Eloi nur ca. 1/3 des Buches betragen? :denk:
    • MonsterAsyl schrieb:

      Besonders erwähnenswert finde ich aber, daß sich Marc Gruppe, im Gegensatz zu Film und Buch, nicht scheut, den Zeitreisenden ganz klar sagen zu lassen, er habe mit Weena geschlafen. Diesen sexuellen Aspekt hätte Wells zu seiner Zeit nicht einbringen können, und er hätte wohl auf den Leser auch eher befremdlich gewirkt, da Weena und die Eloi immer als "kindlich" und damit eher unschuldig bezeichnet werden. Die filmische Umsetzung beließ es deshalb wohl auch lediglich bei ein paar harmlosen Küsschen.
      Hm, bin ja wirklich nicht prüde, aber dass in diesem Hörspiel auch noch extra erwähnt werden muss, dass der Wissenschaftler mit Weena schläft, finde ich etwas daneben.
      So wie die Eloy im Film dargestellt werden, vollkommen unbedarft und unwissend, wie zu groß geratene Kinder, grenzt das dann ja schon regelrecht an einen "Missbrauch Schutzbefohlener". ;)
      Na, habe das Ganze noch nicht gehört, vielleicht wirkt das Mädchen hier ja doch etwas reifer, aber insgesamt kann ich mir kaum vorstellen, dass dem doch sehr rational und wissenschaftlich orientierten Zeitreisenden, zudem noch unter all den aufregenden neuen Eindrücken, der Sinn ausgerechnet danach gestanden hätte...
      Hm...oder gerade doch? So losgelöst von den Zwängen seines eigenen Zeitalters?
      Ich denke, ich hätte das als Skriptautor trotzdem nicht hinzugefügt. ;)
    • Meine Rezension von "Gruselkabinett - Folge 123 - Die Zeitmaschine"

      Am vergangenen Freitag veröffentlichte Titania Medien mit Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschinedas dritte von insgesamt vier Hörspielen, die das Label auf Basis von Romanen des SF-Pioniers H.G. Wells dieses Jahr im Rahmen seiner Reihe Gruselkabinett präsentieren wird. Vorausgegangen warenFolge 120/121: Der Unsichtbare und Folge 122: Die Insel des Dr. Moreau; den Abschluss markiert Folge 124/125: Der Krieg der Welten am 25. August 2017. Doch bevor die Außerirdischen über die Erde herfallen, steht nun erst einmal eine Reise in die ferne Zukunft auf dem Programm, die jedoch Ende des 19. Jahrhunderts ihren Ausgang nimmt.

      Im viktorianischen England des Jahres 1894 staunen die beiden Gäste eines Wissenschaftlers nicht schlecht, als dieser ihnen eröffnet, dass es seiner Meinung nach nicht nur theoretisch möglich sei, sich in der Zeit zu bewegen, sondern er vielmehr sogar eine Maschine gebaut habe, mit der Reisen in der vierten Dimension möglich seien. Als Beleg für die der Richtigkeit seiner Behauptungen lässt er zunächst ein funktionstüchtiges Modell der Zeitmaschine vor den Augen der Anwesenden zu einer Zeitreise aufbrechen und präsentiert ihnen anschließend sogar das Original. Doch seine Freunde bleiben weiterhin skeptisch. Kurzentschlossen beschließt der Zeitreisende daraufhin, als Beweis selbst einen Trip in die Zukunft zu unternehmen. Dieser wird ihn ins Jahr 802701 führen...

      Wells' Roman erschien erstmals 1895, die Filmadaption aus dem Jahre 1960 (Regie: George Pal) ist einer derKlassiker des Science-Fiction-Kinos. Und an beidem hat sich Titania bei seiner Version von Die Zeitmaschine orientiert: Die Beschreibung der Zeitmaschine und insbesondere das Cover verweisen eindeutig auf den Film, während es Wells' Sozialkritik – verpackt in die Überlegungen des Zeitreisenden über die Gründe für die Aufspaltung der Menschheit in Eloi und Morlocks – es vom Buch ins Hörspiel geschafft haben. Und auch jene Szene, in der der Zeitreisende sogar noch weiter in die Zukunft reist, ist enthalten. Die Werktreue in diesen Punkten freut den Kenner der literarischen Vorlage natürlich - umso scherzhafter vermisst man darum jene Kapitel des Romans, die bei dessen Vertonung unter den Tisch gefallen sind. Davon, dass der Protagonist die Relikte der inzwischen untergegangenen Zivilisation untersucht, ist nun nicht mehr die Rede. Auch der Blick auf die unterirdische Welt der Morlocks fällt sehr knapp aus. Und wer darüber hinaus erleben möchte, wie die Morlocks dem Zeitreisenden und Weena nachts im Wald nachsetzen, muss dafür das Buch oder alternativ die vom Splitter Verlag seit Anfang Juni 2017 angebotene Comicadaption lesen. Indem Titania die Handlung des gerade einmal 150 Seiten umfassenden Romans auf das Notwendigste reduziert, passt Die Zeitmaschine mit ca. 58 Minuten Laufzeit zwar problemlos auf eine Einzel-CD. Doch deren Kapazität von um die 80 Minuten hätte man eingedenk des Stellenwerts, den dieser Roman besitzt, wenigstens ausschöpfen können. Werktreue beweist das Hörspiel hingegen in Sachen Erzählperspektive: Sowohl das Buch als auch seine Vertonung beginnen und enden mit Filby als Erzähler; den Hauptteil der Handlung agiert der Zeitreisende in dieser Funktion. Der Erzähleranteil fällt bei dieser Produktion recht hoch aus, und bisweilen bewegt sie sich schon an der Grenze zur inszenierten Lesung. Auch auf diese Weise spart die Produktion zwar Laufzeit, nimmt dabei jedoch in Kauf, dass dem Publikum von Ereignissen eins ums andere Mal lediglich berichtet wird, anstatt den Hörer das Geschehen unmittelbar erleben zu lassen. Der Dynamik des Hörspiels sind ausgedehnten Erzählerparts leider sehr abträglich, so dass als Konsequenz daraus die Hörerschaft zwar immer noch ein recht interessantes Hörspiel erlebt, jedoch kein übermäßig spannendes.

      Besetzt hat Titania die Hauptrolle des Zeitreisenden mit Sascha von Zambelly, der es versteht, die unterschiedlichen Facetten der Figur hörbar herauszuarbeiten. Man nimmt ihm den angesichts der Möglichkeiten der Zeitreise euphorischen Wissenschaftler ebenso ab, wie auch die Enttäuschung, die sich im Zeitreisenden breit macht, als er die Zustände im Jahr 802701 vollends realisiert. Von Annina Braunmiller-Jest ist als Weena dagegen in erster Linie naive Unschuld in der Stimme gefragt, in die sich immer wieder auch Ängstlichkeit mischt. Beides liefert die erfahrene Sprecherin mühelos. Claus Thull-Emden ist ein sympathischer Filby zu dem Matthias Lühn als ewiger Skeptiker Gregson einen schönen Kontrast bildet. Der fürsorglichen Haushälterin Mrs. Watchett verleiht das Spiel von Marianne Mosa die nötige Statur. Die Soundkulisse bestimmen weitgehend dezente Geräusche, doch diese reichen absolut aus, um vor dem inneren Auge des Hörers ein plastisches Bild von der Welt des Jahres 802701 zu erzeugen. Für den musikalischen Rahmen kommen mit Geigen oder Flöten klassische Instrumente zum Einsatz, wie sie von einer Geschichte, die im viktorianischen Zeitalter ihren Anfang nimmt, zu erwarten waren. Einen besonderen Akzent setzt die Produktion jedoch durch einen Chor, dessen Stimmen im Verlauf des Hörspiels mehrfach zur wirkungsvollen Unterstützung der Stimmung eingestreut werden. Rein akustisch weiß das Hörspiel also durchaus zu gefallen.

      Manche Hörer, die durch Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine zum ersten Mal mit Wells' Geschichte vom Zeitreisenden in Berührung kommen, werden sich hinterher vielleicht die Frage stellen, warum ausgerechnet dieser Roman als Klassiker des SF-Genres gehandelt wird. Verdenken könnte man es ihnen nicht. Titanias Adaption des Stoffes schlägt über weite Stecken eine bedächtige Gangart ein und gibt sich von der Tonlage her unaufgeregt. Mag es auch der Vorlage entsprechen, dass der Protagonist im Hörspiel in erster Linie die Position eines kultivierten Beobachters einnimmt, machen seine weitgehend nüchternen, in ausführlichen Erzählerpassagen vermittelten Schilderungen aus dem Hörspiel eine eher leidenschaftslose Angelegenheit. Zumal Elemente des Buches, die zur Dynamik beigetragen hätten, bei der Vertonung keine Beachtung fanden. Vor dem Hintergrund dieser Hypothek können auch die guten Sprecherleistungen sowie der ansprechende Klangraum nicht darüber hinwegtäuschen, dassGruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine zu deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, um als wirklich überzeugende Hörspieladaption dieses berühmten Science-Fiction-Romans gelten zu können.
    • Danke für Deine Rezension und Deine Einblicke :winke:
      Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.

      Antoine de Saint-Exupery
    • @Markus G. , @TheBite: Gern geschehen. :winke:

      Es macht den Eindruck, als würde die Art, wie Titania Wells' Geschichte umgesetzt hat, das Publikum polarisieren. Dabei scheint es eine Rolle zu spielen, ob die Leute den Roman und/oder die Verfilmung bereits kannten, ehe sie das Hörspiel gehört haben. Und der Film hat dabei die Erwartungshaltung offenbar noch stärker geprägt als das Buch. Ich werde noch mindestens eine weitere Vertonung hören (die 2-stündige Version von Big Finish) und freue mich darauf, die jeweiligen Fassungen vergleichen zu können.

      Dass dieses Hörspiel mehr mit dem Film als mit dem Roman zu tun hat, wie @MonsterAsyl schrieb, habe ich nicht so empfunden. So entspricht die Grundhaltung des Zeitreisenden als Beobachter der Situation im Jahre 802701 eher jener, die er auch im Roman einnimmt. Im Film ist er dagegen ein Held, der gegen die Verhältnisse aktiv etwas unternimmt. Es stimmt, dass die Erforschung der Stadt, die im Roman vorkommt, im Hörspiel fehlt. Doch das ist kein Hinweis darauf, das Hörspiel orientiere sich mehr am Film, denn im Film wird der Zeitreisende sehr wohl eine Bibliothek geführt, um festzustellen, dass die Bücher alle zu Staub zerfallen, wenn man sie berührt. Im Roman läuft das zwar alles anders ab, doch immerhin berücksichtigt der Film die Relikte der untergegangene Kultur zum gewissen Grad, während das Hörspiel diesen Teil der Handlung ausklammert. Hinzu kommt, dass es im Hörspiel jenen Abstecher in die noch weiter entfernte Zukunft gibt, der auch im Roman vorkommt, im Film aber fehlt.

      Unterm Strich hat das Hörspiel darum für mich deutlich mehr mit dem Roman gemein als mit dem Film.
    • Passend zum Thema, da H.G. Wells' »Die Zeitmaschine« einen wesentlichen Teil der Sendezeit einnimmt: Die heutige Ausgabe der Sendereihe »Büchermarkt« im Deutschlandfunk.

      Deutschlandfunk schrieb:

      Eine Reise ins Jahr des Herrn 802701
      Zeitreisen gehören fast schon zu den klassischen Themen der Science-Fiction-Literatur. Auch wenn andere schon früher auf die Idee kamen, Epoche machend war der Roman "Die Zeitmaschine" von H.G. Wells. Der nimmt seine Leser mit in die Zukunft und zum Ende der Menschheit. Aber auch Reisen in die Vergangenheit können faszinierend sein. [Weiterlesen auf deutschlandfunk.de]

      Und hier noch der Direktlink zur Sendung (mp3).

    • Danke euch beiden für die interessanten und schön geschriebenen Rezensionen.
      Ich persönlich muss mich da mehr auf SciFi Watchmans Seite schlagen. Im Gegensatz zu den ersten Wells-Vertonungen wirkte diese auf mich völlig leblos und wie in Watte gepackt. Fehlende Dynamik trifft es da ganz gut. Sehr sehr schade.
      All work and no play makes tuace a dull boy.
    • Im Film sychronisiert übrigens Peer Schmidt (Bekannt als Erzähler bei der Perry Rhodan Serie, Europa) den Hauptdarsteller
      Rod Taylor, aber das nur nebenbei...

      Da "DIE ZEITMASCHINE" als Film - wieder mal - absolut KULT ist, hätte mich die obengenannte Hörspiel-Adaption mal interessiert. Bin aber durch die oben ausgeführten Rezessionen etwas demotiviert...

      Gebe Agatha übrigens auch völlig Recht - das mit Weena hätte nicht sein müssen.. :augenroll:

      ...