Der Blick in die Glaskugel: Das Hörspiel der Zukunft

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    • Markus G. schrieb:

      1:1 kann man das Musikbeispiel sicher nicht übertragen. Aber es ging mir eher darum, dass man bei Streamingportalen eher dazu neigt nach kurzer Laufzeit abzudrehen, was wiederum geringere Einnahmen für das Label bedeutet. Bei einem CD-Kauf kann es dem Label egal sein, ob und wann der Hörer das Hören abbricht, beim hören via SPOTIFY & Co eher nicht.
      Andererseits wird der CD-Käufer dann halt die nächste Folge der Serie oder Reihe nicht mehr kaufen und aussteigen.

      Als notorischer "Abdreher" fühle ich mich da ein wenig angesprochen, aber das mache ich normalerweise nicht nach dem ersten Track sondern so nach 10 bis 15 Minuten, wenn ich merke, das wird nix mehr. Anders bei Musik, da drücke ich auch nach 20 Sekunden schon auf "Skip". Mir ist es auch egal, ob das Hörspiel langsam anläuft oder mit Krawall. Sogesehen drehe ich eigentlich eher ab, wenn am Anfang zu viel "Actionlärm" ist.

      Was die unzähligen Tracks angeht, ja, das ist nervig, aber davon krieg ich beim Hören dank nahtloser Wiedergabe ja eh nix mit, ich starre da ja nicht auf das Display beim Hören, weil sich das Coverbild eh nie ändert.
      "Die Entscheidung ist gefallen, Herr Meier. Der Muslim bleibt!" - "Frau Riefenstahl meint damit, Herr Ringo Starr Hitler wird den Auftritt absolvieren"
    • Markus G. schrieb:

      Wobei wir hatten so etwas ja schon mal. Früher als man weniger Platz auf LPs oder MCs hatten, wurde auch fleißig weggekürzt, damit die Geschichte aufs Medium passt. Heute sind wir begeistert, weil die Stories schön kurz und knackig waren.

      Die fingen aber auch nicht alle schon in der ersten Minute mit der tollsten Action an, nur um ihre akustisch überfütterten Hörer verzweifelt "bei der Stange" zu halten. ;)
      Denn solche gab es ja damals in der Regel noch nicht.
      Wir haben bei jeder Neuerwerbung noch voller Vorfreude neben Kasi oder Plattenspieler gesessen und die Geschichte auf uns wirken lassen!
      Ich fände es schon extrem traurig, wenn in unserer medial gesättigten Streaming-Zeit der Durchschnitts-Nutzer tatsächlich nicht mehr als zwei, drei Minuten übrig hätte, um sich auf ein Hörspiel einzulassen, ihm die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln, sondern sofort zum nächsten weiterklicken würde, wenn die Anfangssequenz nicht spektakulär genug war. "Äh, laaahm, Nächstes bitte!"
      Für mich ist das reines "Verheizen", ohne Respekt vor der Produktion!
      Ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass so etwas auf dem Hörspielsektor in absehbarer Zeit womöglich Realität sein wird.
      Von daher denke ich auch, dass man das Musik-Beispiel hier nicht 1:1 übertragen kann. :zustimm:
      Sorry, aber wenn ich Produzent wäre und mich einem "Diktat" à la: "Lass deine Story sofort mit möglichst großem Bohei oder einer super spannenden Szene anfangen, sonst wird sie beim Streamen abgeschaltet!" tatsächlich zu unterwerfen hätte, würde ich mich sehr bald aus dem Geschäft zurückziehen.
      Ich glaube, ich täte mich ohnehin extrem schwer damit, meine Sachen bei Spotify u.ä. Portalen anzubieten. Mir wäre die Wahrscheinlichkeit zu groß, dass nur ein geringer Prozentsatz das Hörspiel hinterher noch zusätzlich kauft.
      Aber das ist ein anderes Problem, und dafür haben wir hier ja auch andere Threads. :)
    • Wird wahrscheinlich ohnehin nicht passieren. Andererseits unterwerfen wir uns tagtäglich so vielen Diktaten, die man uns aufbürdet und die wir einfach so hinnehmen oder zum Teil lieben gelernt haben, dass die Masse wohl kein Problem damit hätte, wenn sich das Hörspiel dramaturgisch dahingehend ändern würde. So wie Miniserien und Kurzserien auch den Endlosserien langsam den Rang abgelaufen haben. Und Autoren haben sich hier angepasst und liefern was der Hörer wünscht. Vieles ist möglich, aber nicht alles wird passieren.
      Baba :winke4:
    • Agatha schrieb:

      Ich fände es schon extrem traurig, wenn in unserer medial gesättigten Streaming-Zeit der Durchschnitts-Nutzer tatsächlich nicht mehr als zwei, drei Minuten übrig hätte, um sich auf ein Hörspiel einzulassen, ihm die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln, sondern sofort zum nächsten weiterklicken würde, wenn die Anfangssequenz nicht spektakulär genug war. "Äh, laaahm, Nächstes bitte!"
      Für mich ist das reines "Verheizen", ohne Respekt vor der Produktion!
      Ich sehe dieses Problem überhaupt nicht. Würde man beim Streaming nicht pro Monat sondern nach gehörten Minuten zahlen, dann vielleicht. Es werden eher die Produktionen mittendrin und auch zügig abgedreht, bei denen sprachlich und inhaltlich so große Schwächen vorhanden sind, dass es eher am fehlenden Respekt der Produktion vor dem Hörer liegt als umgekehrt.
      "Die Entscheidung ist gefallen, Herr Meier. Der Muslim bleibt!" - "Frau Riefenstahl meint damit, Herr Ringo Starr Hitler wird den Auftritt absolvieren"
    • Markus G. schrieb:

      So wie Miniserien und Kurzserien auch den Endlosserien langsam den Rang abgelaufen haben.
      Diese Mini-Serien sind aber nur aus der Tatsache entstanden, das es inzwischen zu viele Serien gibt.
      Ähnlich wie bei Fernsehserien, wo quasi der Zuschauer mit seinen Einschaltquoten bestimmt, welche Serie sich hält, so entscheidet der Käufer bei Hörspielen ob sich eine Serie langfristig hält. Siehe Fallen, Monster etc., da wurde nur aufgrund der Abverkäufe entschieden das es weiter geht.

      Verkauft sich Monster gut, wird es sicher auch eine 4te Staffel geben.

      Was schwieriger geworden ist, ist eine komplexe Serie langfristig zu planen. Darum hoffe ich auch das sich z.B. "Der Hexer von Salem" langfristig halten wird, denn das ist eine sehr komplexe Story.
      "Great men are forged in fire. It is the privilege of lesser men to light the flame"
    • Ben Kenobi schrieb:


      Verkauft sich Monster gut, wird es sicher auch eine 4te Staffel geben.

      War nicht schon ausgemacht, dass die dritte auch definitiv die letzte Staffel sein wird?

      Aber vielleicht gibt's ja eine Art Spin-Off.

      Ein Trend bei TV-Serien scheint es in den letzten Jahren ja auch zu sein, sie nicht unter allen Umständen zu Tode laufen zu lassen, sondern sie rund zu beenden - und zwar auf dem Höhepunkt bzw. trotz anhaltenden Erfolgs.

      Vielleicht war das der Zwischenschritt hin zur Mini-Serie?

      So etwas findet sich ja mittlerweile auch bei Hörspielserien, und ich denke, dies liegt begründet in den Unwägbarkeiten des Hörspiel-Geschäfts. Eine auf viele Folgen angelegte Serie ohne Staffeln oder Zyklen hat seit EAP und GB nun mal einen schlechten Ruf. Viele wollen sich darauf sicher nicht mehr einlassen, wenn das Risiko besteht, dass sie mittendrin hängengelassen werden.

      Solange man da nicht verlässlich sein kann, hat so etwas wohl jedenfalls keine Zukunft mehr.

      Oliver Döring scheint es richtig zu machen. Einzelne Staffeln mit Option, es fortzusetzen.

      Nebenbei: Dass Kurz- und Mini-Serien den langen den Rang ablaufen, kann ich eigentligh nicht sehen. Die Titanen unter den TV-Serien dürften doch wohl nach wie vor Produktionen wie Game of Thrones, The Walking Dead, House of Cards und so etwas sein, oder? Und das sind ja nun wirklich keine Mini-Serien. :zwinker:
      Oder worauf bezog sich diese Prognose?
    • Diese Prognose belief sich natürlich auf Hörspielserien. Der Thread heißt ja auch „Das Hörspiel der Zukunft“ ;) Ich sprach ja im Kontext den Satz vorher von Hörspielen und den Satz nachher von Hörern.

      Monster 1983 ist sicher beendet. Eine Fortsetzung unter diesem Namen „1983“ geht definitiv nicht mehr. Wer es gehört hat weiß warum. Natürlich könnte man ein Prequel oder Sequel also Monster 1973 oder Monster 2003 machen. Aber ich glaube, dies würde wahrscheinlich viel Spannung und Überraschung verlieren, weil ja klar ist wohin die Reise geht.
      Baba :winke4:
    • Markus G. schrieb:

      Monster 1983 ist sicher beendet. Eine Fortsetzung unter diesem Namen „1983“ geht definitiv nicht mehr. Wer es gehört hat weiß warum.
      Danke für den Spoiler. :D Nur Spaß :)

      Aber ich glaube auch, dass irgendwann mal mit allem Schluss sein muss und nicht immer noch eine Fortsetzung und noch eine oder eine Vorgeschichte und eine vor der vorherigen.....
      Das geht mir auch bei Filmen/Filmreihen, die einfach kein Ende finden auf den nerv. Man wird zwar nicht zum Konsum gezwungen, aber wenn schon, dann möchte man es ja auch wissen.
      Hier u.a. besonders auffällig TERMINATOR. Immer noch eine Möglichkeit und noch eine andere..... Kann nicht einfach die Welt zerstört oder gerettet sein?
      MONSTER 1983 mit 3 Staffeln ist wohl mehr als genug, solange keine Fragen offen sind - das wäre natürlich unschön.
      :albern:

      :st: :st3: :st2: Neu-Deutsch für Olympische Spiele: "Internationale Doping-Festspiele" :st2: :st3: :st:
    • Da es im anderen Thread tatsächlich fehl am Platze ist, wechsle ich mal in diesen Thread, denn hier passt es deutlich besser, weil es beim Thema Streaming ja meist auch um die Furcht der Kritiker vor den Auswirkungen geht, die diese Art des Konsums für die Hörspielproduktion haben könnte.

      Wem also dieses Thema zum Hals raushängt: einfach ignorieren! :zwinker: =)

      GrimReaper schrieb:

      Hardenberg schrieb:

      Und die Premium-Produkte am Markt bedienen mit ihren echten Hörspiel-Events auch weiterhin ihre Kunden mit CD und/oder Download und nutzen die Streamingdienste höchstens als Ort der Zweitverwertung.
      Auch wenn fast jeder Macher seine Produkte für Premium hält, ich hüstel da doch ein wenig.

      Hardenberg schrieb:

      Ich frage ganz sicher nicht Herrn Pobot. Wenn Du ihn als Beleg für Deine Thesen anführst, solltest doch wohl besser Du selbst ihn fragen.
      Brauch ich ja nicht, "Streaming killed the Download-Star" (Copyright S.P.) sagt ja alles. Glaubst Du wirklich, Pobot würde irgendwas finanzieren, egal ob Fortsetzung alter Maritim-Serien oder "Die Schwarze Sonne" ohne Streaming?
      Und was Du "nie und nimmer" glaubst, David Holy in seinem letzten Podcast "Die Serie hat ganz schlechte CD- und Download-Zahlen, aber im Streaming läuft es ganz gut, daher machen wir jetzt doch neue Folgen.

      Ich schrieb nicht von Premiumprodukten, die für den Macher selbst welche sind, sondern solche, die nach halbwegs objektiven Maßstäben als solche gelten dürfen: Produktionen eben, die nicht mal eben schnell auftragsmäßig hingeschludert werden, sondern hinter denen ein größerer Aufwand steckt, weil hier entweder ein Originalstoff vom oder mit dem Macher entwickelt wurde oder eine Vorlage so bearbeitet und umgesetzt wurde, dass etwas Werthaltiges, etwas, das über den einmaligen Konsum hinaus wirkt, geschaffen wurde, die dann mit großem Aufwand und handwerklich auf Spitzenniveau umgesetzt wird.

      Sachen wie die Döring-Reihe oder Macbeth oder Monster1983 oder Fallen oder oder Gabriel Burns oder IRIS oder jetzt Die weisse Lilie sind für mich Produktionen, die eben nicht einfach so mal schnell von einem der üblichen Schnell-Schreiber aufs Papier geworfen und von einem Auftrags-Regisseur wie am Fließband wegproduziert werden, sondern das sind für mich Werke, die für mich in einer anderen Liga spielen.

      Wenn sich so etwas auch dann noch finanziell rentierte, wenn 99% der Hörer endgültig auf Streaming umgestiegen sind: fein! Dann werde ich nie wieder etwas Kritisches dazu schreiben und bleibe gern das eine Prozent, das noch die CD oder den Download kauft. Aber meine Befürchtung ist eben, dass man da jetzt einen Hype bedient, von dem man glaubt, er werde sich schon irgendwann rentieren - und am Ende gucken dann alle in die Röhre, weil die Rechnung eben nicht aufgeht. Weil man dann unter Umstände viel zu lange auf Kosten der Reichweite auf die erforderlichen Einnahmen verzichtet hat, in der Hoffnung, das werde schon laufen.

      Mein Problem ist aber auch, dass solche Konzepte wie die des Streamings sich möglicherweise nur über Masse auszahlen. Will sagen: Wenn ich dauerhaft einen hohen Ausstoß an neuen Hörspielen habe, die Produktionskosten niedrig halte, indem ich die Sprecher in einer Vielzahl der Produktionen unterbringe, günstige Skripte einkaufe, vielleicht auch die Regie in einer Art (kostengünstiger) Auftragsarbeit erledigen lasse. So dass ich für relativ geringes Geld einen hohen Output und in der Folge ein großes Angebot bei den Streaming-Diensten platzieren kann. Mag sein, dass sich die ganze Chose dann so halbwegs rechnet.

      Die Frage ist aber, was man möchte.
      Und ich für meinen Teil hege eine sehr große Sympathie für die Freigeister unter den Hörspielmachern, die uns wirklich etwas zu erzählen und zu präsentieren haben. Die nicht einfach nur Hörspiele machen, um Hörspiele zu machen - egal welche -, sondern bei denen spürbar ist, dass sie angetrieben werden von einem Drang, sich in diesem Metier auszuleben - und etwas zu erzählen haben. Macher, die über die Jahre eine eigene Handschrift entfaltet haben und jeder für sich Facetten aus dem Medium Hörspiel herausgezogen und verfeinert haben, die ihre Werke ein Stück weit unverwechselbar machen. Eben die Dörings, die Göllners, die Sassenbergs, die Bertling/Hagittes, die Ohrenkneifer usw. dieser Hörspielwelt. Denn es sind diese Leute, die den Mut und den Wahnsinn besitzen, Neuland zu betreten, um die Kunstform Hörspiel mit neuen Ideen zu bereichern.

      Und ich sähe es nur sehr ungern, wenn wir in einer Hörspiel-Welt lebten, in der die größten Player am Markt aufgrund rein ökonomischer (Vor-) Erwägungen (die sich ja immer auch als falsch erweisen können) bestimmen, ob die Idee eines dieser großen Kreativen nun umgesetzt wird oder nicht.

      Wenn ich also meine Befürchtungen bezüglich der Nachteile des Streamings ausbreite, dann aus Sorge um die Premium-Hörspiele, von denen ich glaube, dass sie besonders gefährdet sind durch die Massenware, die mit der Möglichkeit des Streamings aufkommen könnte.

      Ich fürchte aber auch einen Mentalitätswechsel bei Teilen der Hörerschaft (wie es ja @Agatha im Lilien-Thread auch beschrieb). Es kann sein, dass diese schöne neue Streaming-Welt über kurz oder lang das Konsumverhalten der Hörspiel-Hörer prägt und bestimmt. Und man gar nicht mehr willens oder in der Lage ist, den realen und ideellen WERT eines Hörspiels abzuschätzen. Dass da Künstler dahinterstehen, unter Umständen langwierige Arbeitsprozesse, ja auch Kosten und Mühen und Fleiß und persönliche Nöte. Alles wird mal schnell weggedudelt wie ein Pop-Song - nur mit dem Unterschied, dass der Hörspielmacher viel weniger weitere Einnahmemöglichkeiten hat als eben über diese Form des Konsums, während ein Musiker noch Einnahmen über Radio, Konzerte etc. hat, mal abegesehen von den unterschiedlichen Klick-Zahlen.

      Natürlich kann das alles auch ganz anders laufen. Es kann natürlich auch sein, dass sich viele Leute nach einer Zeit des grenzenlosen Hörspiel-Fast Food-Konsums via Stream wieder oder wenigstens auch wieder auf diejenigen Produktionen konzentrieren, die mehr Aufwand und mehr Kosten erfordern und insofern zu einem höheren Preis veräußert werden, um rentabel zu sein. Oder dass es zu einer Teilung des Hörspielmarktes in eine Fast Food- und eine Premium-Sektion kommt, wie ich schon einmal schrieb. Dann wäre für mich alles okay.

      Aber solange das nicht gesichert ist, bleibe ich bei diesem Thema höchst skeptisch.
      Und vor allem, denn das war ja der Ausgangspunkt bei Die weisse Lilie VI, wenn es um die Möglichkeit des Streamings parallel zur CD- und DL-VÖ geht - die ich nach wie vor abstrus finde.

      Und was die beiden von Dir genannten Hörspielmacher angeht: Ich weiß ja nicht, von welcher Prämisse beide ausgehen, wenn sie das schreiben. Wie ich oben ausführte, lässt sich ein Konzept denken, dass von vornherein auf Masse statt Klasse setzt, um Geld damit zu verdienen. Mag sein, dass sich das über Streaming rechnet und weniger über CD und DL.
      Vielleicht rechneten sich die Produktionen beider Hörspielmacher ja auch von Anfang an nicht als CD oder DL - und man nimmt die Streaming-Klickzahlen als Hoffnungsschimmer. Ich weiß es nicht.

      Außerdem kann ich an Deinem Zitat nicht erkennen, ob David Holys Zitat so verstehen ist, dass die Streaming-Zahlen gleichbedeutend sind mit einem wirtschaftlich zufriedenstellenden Ergebnis - oder ob ihn allein die Klickzahlen hoffnungsfroh stimmen, weil er damit eine hohe Reichweite assoziiert, die Hoffnung für die Zukunft macht. (Zumal man Holy ja eh nachsagt, dass die Wirtschaftlichkeit bei ihm eher nachrangige Bedeutung hat.)

      Ich kann mir aber durchaus denken, dass für bestimmte Produktionen so etwas wie Streaming auch eine (wenngleich geringe) Chance bietet: Hörspiel-Reihen, die nicht genügend Käufe finden, weil ihre Produktionen von der breiten Masse als nicht gut genug befunden werden, um gekauft zu werden, mögen im Streaming größere Chancen auf Klickzahlen haben, einfach weil es für den Konsumenten letztlich finanziell unerheblich ist. Ich würde vielleicht, wenn ich Streamer wäre, auch mal wieder eine Sinclair-Folge einschieben oder eine Dreamland-Folge hören oder mal in eine Episode von MindNapping. Einfach mal alle Jubeljahre zum Berieseln, wenn gerade nichts anderes zum echten Kauf lockt. Während ich sie wohl nicht (mehr) kaufen würde. Ob das dann am Ende aber auch reicht, um wirklich rentabel zu wirtschaften und dabei, wenigstens auch, Hörspiele für die Ewigkeit zu erschaffen, ist die große Frage.

      Des einen Freud ist des anderen Leid. Im selben Maße, wie unbeliebtere Reihen und Serien durch Streaming vielleicht eine zusätzliche Chance erhalten, ausbleibende Einnahmen durch den Einbruch an CD- und DL-Verkäufen zu kompensieren, brechen aber unter Umständen für die höherwertigeren Produktionen einige Käuferschichten weg, weil eine Plattform, die Streaming anbietet, eben auch das Preisgefühl dominieren kann, ganz ähnlich wie Discounter im Lebensmittelbereich, und es dem Konsumenten auf einmal horrend erscheint, für ein Hörspiel acht, neun oder gar zehn Euro extra ausgeben zu müssen, wo er doch sonst alles bequem und zu viel niedrigerem Preis per Streaming geboten bekommt.
      Außerdem mag die Konzentration auf Streaming-Portale zu einem Aufmerksamkeits-Verlust derjenigen führen, die sich dieser Verbreitungsform (wenigstens bei der Erstverwertung) versagen.

      Der Geist wäre aus der Flasche...

      Wie gesagt: Es geht mir nicht darum, das Streamen um des Streamen willen zu verdammen. Sondern, wenn überhaupt, die Bedingungen, zu denen es geschieht - mit allen denkbaren Negativkonsequenzen für den gesamten Hörspielmarkt, vor allem aber für die höherwertigen Produktionen aus unabhängigem Hause.
      Sollte sich das als falsch erweisen: um so besser!

      Bisher fehlt für diese Gewissheit aber in meinen Augen noch jeder Beleg.

      Und ein Es wird schon gut gehen! langt mir da nicht. Denn wie ich schon einmal schrieb: Manchmal lässt sich das Rad nicht mehr anhalten, wenn es erst einmal in Gang gesetzt ist.
    • Ach so, noch etwas - und ich trenne das mal von meiner Erwiderung in Richtung GrimReaper...

      Im Thread zu Danger #16 ging es ja auch darum, dass dieses Hörspiel nur noch als DL angeboten wird, nicht aber als CD. Man darf also wohl davon ausgehen, dass sich die CD-Produktion nicht mehr rentiert. (Ich frage mich nun natürlich, wie rentabel eine Hörspielserie langfristig noch sein kann, die nicht mal mehr die CD-Produktion verkraftet, aber es mag ja sein, dass das zu vernünftigen Bedingungen möglich ist.)

      Viele hier scheinen ja davon auszugehen, dass dies ein Trend ist, der sich in Zukunft noch fortsetzen wird.

      Da ich darüber nicht so gut im Bilde bin, wollte ich mal anfragen, wie denn diesbezüglich der Status quo aussieht. Welche Serien/Reihen befinden sich aktuell am Markt, die es nur als Download oder in Streaming-Portalen zu finden gibt, nicht aber als CD.
      Betrifft das nur Danger? Oder gibt es da noch mehr?

      (Audible mal ausgenommen, weil es da ja offensichtlich zum Konzept gehört und ausdrücklich so gewünscht ist.)
    • Hardenberg schrieb:

      Welche Serien/Reihen befinden sich aktuell am Markt, die es nur als Download oder in Streaming-Portalen zu finden gibt, nicht aber als CD.
      Betrifft das nur Danger? Oder gibt es da noch mehr?
      Es betrifft zumindest noch "Die größten Fälle von Scotland Yard", aber die kommen ja vom selben Label/ Vetrieb wie "Danger".
      Ist die einzige weitere Serie, die mir so spontan einfällt, aber ich denke bei den Wiederauflagen käme noch das eine oder andere hinzu.
    • Hardenberg schrieb:

      Ich schrieb nicht von Premiumprodukten, die für den Macher selbst welche sind, sondern solche, die nach halbwegs objektiven Maßstäben als solche gelten dürfen: Produktionen eben, die nicht mal eben schnell auftragsmäßig hingeschludert werden, sondern hinter denen ein größerer Aufwand steckt, weil hier entweder ein Originalstoff vom oder mit dem Macher entwickelt wurde oder eine Vorlage so bearbeitet und umgesetzt wurde, dass etwas Werthaltiges, etwas, das über den einmaligen Konsum hinaus wirkt, geschaffen wurde, die dann mit großem Aufwand und handwerklich auf Spitzenniveau umgesetzt wird.

      Sachen wie die Döring-Reihe oder Macbeth oder Monster1983 oder Fallen oder oder Gabriel Burns oder IRIS oder jetzt Die weisse Lilie sind für mich Produktionen, die eben nicht einfach so mal schnell von einem der üblichen Schnell-Schreiber aufs Papier geworfen und von einem Auftrags-Regisseur wie am Fließband wegproduziert werden, sondern das sind für mich Werke, die für mich in einer anderen Liga spielen.
      Witzig, dass Du ausgerechnet Amadeus nicht erwähnst, was wohl das beste Beispiel für dieses von Dir umrissene Szenario ist. Lassen wir mal die Audible-Sachen außen vor, viel bleibt da ja nicht übrig.

      Hardenberg schrieb:

      Mein Problem ist aber auch, dass solche Konzepte wie die des Streamings sich möglicherweise nur über Masse auszahlen. Will sagen: Wenn ich dauerhaft einen hohen Ausstoß an neuen Hörspielen habe, die Produktionskosten niedrig halte, indem ich die Sprecher in einer Vielzahl der Produktionen unterbringe, günstige Skripte einkaufe, vielleicht auch die Regie in einer Art (kostengünstiger) Auftragsarbeit erledigen lasse.
      Das kommerzielle Hörspiel funktioniert doch nicht erst seit neulich so. Gerade auch das von Dir so geschätzte "Grusel-Kabinett".

      Hardenberg schrieb:

      Und ein Es wird schon gut gehen! langt mir da nicht. Denn wie ich schon einmal schrieb: Manchmal lässt sich das Rad nicht mehr anhalten, wenn es erst einmal in Gang gesetzt ist.
      Ich sprach nie von "es wird schon gut gehen", ich spreche eher von "Glaubt bloß nicht, dass das ewig so weitergehen kann". Die Frage ist aus meiner Sicht, können zukünftig niedrigere Einnahmen per Stream durch weiterhin explodierende Hörerzahlen kompensiert werden? Und kann ich mich zukünftig ohne entsprechendes Werbebudget am Markt noch behaupten?

      Hardenberg schrieb:

      Wenn sich so etwas auch dann noch finanziell rentierte, wenn 99% der Hörer endgültig auf Streaming umgestiegen sind: fein! Dann werde ich nie wieder etwas Kritisches dazu schreiben und bleibe gern das eine Prozent, das noch die CD oder den Download kauft.
      Ich hab immer ein wenig das Gefühl, Du sprichst von der Welt von 2015, als alles noch in der Schwebe war. Natürlich haben wir Außenstehenden keine Zahlen, aber ich würde frech davon ausgehen, dass am 31.1.2018 schon "99% der Hörer endgültig auf Streaming umgestiegen sind".

      Hardenberg schrieb:

      Denn es sind diese Leute, die den Mut und den Wahnsinn besitzen, Neuland zu betreten, um die Kunstform Hörspiel mit neuen Ideen zu bereichern.
      Das sehe ich viel, viel, viel, viel, viel mehr bei "jungen" Radiopeople wie 1live.
      "Die Entscheidung ist gefallen, Herr Meier. Der Muslim bleibt!" - "Frau Riefenstahl meint damit, Herr Ringo Starr Hitler wird den Auftritt absolvieren"
    • Hardenberg schrieb:

      Mein Problem ist aber auch, dass solche Konzepte wie die des Streamings sich möglicherweise nur über Masse auszahlen. Will sagen: Wenn ich dauerhaft einen hohen Ausstoß an neuen Hörspielen habe, die Produktionskosten niedrig halte, indem ich die Sprecher in einer Vielzahl der Produktionen unterbringe, günstige Skripte einkaufe, vielleicht auch die Regie in einer Art (kostengünstiger) Auftragsarbeit erledigen lasse. So dass ich für relativ geringes Geld einen hohen Output und in der Folge ein großes Angebot bei den Streaming-Diensten platzieren kann. Mag sein, dass sich die ganze Chose dann so halbwegs rechnet.
      Das sieht mir -- nach allem was ich höre -- ziemlich genau nach David Holys wirtschaftlichem Konzept aus. Mit vielen Stunden kann man auch hochwertige Sprecher ins Studio locken, die Schreiber handelt man preislich auf das erforderliche Preisniveau herunter, und wenn dann die Gestehungskosten pro Hörspiel unter Betrag X liegen, dann besteht eine Chance, dass sich das sogar rechnet, wenn praktisch ausschließlich gestreamt wird. Holy ist da sicher einer, der nach der Maßgabe Maos vorgeht, nicht Windbrecher sondern Windmühlen zu bauen.

      Nostalgische Produzenten, die Premiumartikel herstellen, fallen auf die Nase bzw. werden sich irgendwann still aus dem Markt zurückziehen. Den Durchschnittshörer interessiert es nicht, wie viel ein Hörspiel gekostet hat. Und immer mehr Hörer merken Regiefehler auch nicht mehr, die beim X-en entstehen. Also bietet sich eine solche Vorgehensweise an: Stückzahlen erhöhen, mit kleinem Gewinn kalkulieren, großflächig vertreiben. Das kann zwar einfach nicht jeder durchziehen, aber so findet vielleicht die Marktbereinigung statt, die schon so lange erwartet wurde.
      They call me the Fader. Which is what I'm about to do.