Mehr Opium fürs Volk! - Wie bekommt man das Hörspiel aus seiner Nische?

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    • Mehr Opium fürs Volk! - Wie bekommt man das Hörspiel aus seiner Nische?

      Im Thread zur neuen Serie von @Contendo bin ich auf diesen Gedanken gekommen: Ich glaube, die Insel-Krimis hätten das Zeug dazu, deutlich mehr als die gängigen Hörspiel-Käuferschichten anzusprechen. Problem dabei: Bei vielen Menschen ist das Hörspiel als alltäglich nutzbares Medium überhaupt nicht präsent. Vielen mag es als überholt erscheinen, vielleicht auch als Berieselung für Kinder oder Kindgebliebene, oft mit besonderem Hang zum saftigen Groschengrusel. Es mag auch an diesem Image liegen, dass das Hörspielen bei vielen nicht sexy wirkt und darum keiner Beachtung wert.

      Der Siegeszug des Hörbuchs scheint jedoch nahezulegen, dass es nicht unmöglich ist, ein aus der Mode geratenes Nischenprodukt wieder in der Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

      Wenn es möglich ist, erwachsene Frauen für Malbücher als meditatives Erlebnis zu begeistern und dies zu einem originellen und sexy Hobby zu deklarieren, dann sollte dies für Hörspiele doch wohl allemal gelten. :zwinker:

      Von einer Ausweitung der Käuferschichten würden dann alle profitieren: nicht nur die Macher, die mehr Möglichkeiten haben, ihre Werke unter die Leute zu bringen, sondern auch wir Hörspielliebhaber, weil größeres Interesse und größere Beliebtheit wohl auch zwangsläufig zu einem breiteren und originelleren Angebot führte.

      Die alles entscheidende Frage ist jedoch:

      Wie kriegt man das Hörspiel aus seiner Nische?

      Im Moment sehe ich vonseiten der Hörspiel-Macher nicht besonders viel Bemühen und Einfallsreichtum bei dem Versuch, zu neuen Käufergruppen vorzustoßen.
      Im Gegenteil, ich gewinne sogar den Eindruck, dass viele sehr genügsam sind, was die Vermarktung der eigenen Produkte angeht. Gäbe es nicht das Engagement der User in Hörspielforen, so würde wohl so manche Neuveröffentlichung von einigen unbeachtet bleiben. Viele Macher scheinen zu glauben, kurze Ankündigungen auf facebook müssten genügen, um das Potential auszuschöpfen. Und wenn das so ist, scheint es der Branche wohl doch nicht so schlecht zu gehen wie einige fürchten.

      Ich würde mir da jedoch deutlich mehr Energie, Engagement und Originalität beim Werben um Hörer wünschen.

      Warum das nicht gemacht wird, ist mir ein Rätsel.

      Sind Teile der Branche so resigniert?

      Oder ist man tatsächlich so genügsam?

      Wie steht Ihr zu diesem Thema?
      Fallen Euch gangbare Wege ein, um den Versuch zu unternehmen, das Hörspiel aus seinem Nischendasein zu befreien?

      (Vielleicht springen ja ein paar wertvolle Anregungen für Hörspielmacher dabei heraus...)

      Ein so großer Player wie Audible hätte ja vielleicht das Zeug dazu, neue und wertvolle Impulse zu geben, in Form von originellen, aber schwer zu erlangenden Stoffen (Sachen wie Alien) oder besonders aufwändigen Produktionen (zB Monster1983), die dann dem Medium als solchen zugute kommen aufgrund eines neu geweckten oder vergrößerten Interesses, wobei sich natürlich als besonders vorteilhaft erweisen könnte, dass Audible hauptsächlich als Hörbuch-Portal startete und entsprechend wohl viele Besucher über dieses Interesse angelockt werden, man in der Folge über diese gemeinsame Plattform dann aber vielleicht ein Erstinteresse bei jenen für Hörspiele schaffen könnte.

      Ich bin gespannt auf Eure Meinungen und vor allem konstruktiven Ideen.
    • Interessante Frage, aber schwäääre Antwort.
      Denn gäbe es da ein Patentrezept, dann wäre das Hörspiel nicht mehr in der Nische und jeder halbwegs engagierte, fähige Produzent Millionär. ;)
      Ich selbst habe es nicht mal in meinem Bekanntenkreis oder bei den Verwandten geschafft, auch nur einen neuen Fan für das Medium zu werben.
      Und bin da mittlerweile auch längst müde geworden, es überhaupt noch zu versuchen.
      Man möchte ja niemanden auf den Wecker gehen, denn wer offensichtlich nicht will...der hat schon. :pfeifen:
      Also fällt es mir auch eher schwer, hier mögliche Idee und Konzepte zu bringen, denn die müssen ja auch für das Durchschnittslabel bezahlbar sein. ;)
      Mal eben Zeitschriften-, Radio- oder TV-Werbung schalten (wobei es Letztere ja bereits hin und wieder gab) ist halt doch ein bisschen teuer und fällt allein deshalb für die meisten Labels schon flach.
      In Buchhandlungen fragen, ob man die Sachen dort auslegen darf...tja, in welchen, was kostet das dann usw.. Ist sicher aufwendig und nicht ganz billig.
      Außerdem haben ja auch Drogerien, wie z.B. Rossmann, bereits Hörspiel-Regale, in denen diverse Labels, zumindest hin und wieder, vertreten sind.
      Die meisten Versuche dürften schlichtweg am Geld scheitern, es sei denn, man ist ein Mega-Unternehmen, wobei ich da aber auch nicht wirklich Ahnung habe, weil mir der Blick hinter die Kulissen fehlt.
      Es brächte ja immer nur eine Deutschland-weite Werbung etwas, hier und da mal eine Aktion in irgendeiner größeren Stadt, würde sicher nichts helfen.
      Über das Internet erreicht man heute schon extrem viele Menschen auf relativ günstige Art und Weise - wenn da dann auch facebook-Präsenzen, Verkauf bei Giganten wie Amazon, eigene Foren oder Shops usw. nicht für eine noch größere Verbreitung sorgen, würde ich halt schlichtweg sagen: Es interessieren sich einfach nicht mehr für dieses Hobby. :)
      Mag uns, als große Fans von Hörspielen, vielleicht hin und wieder etwas schmerzen, aber nun, ich habe halt beispielsweise selbst auch kein Interesse an einer riesigen Musik-CD-Sammlung, besitze eher wenig Filme auf DVD, male keine Mandalas aus, walke oder handarbeite nicht, tune keine Autos, sammele keine teuren Deko-Figuren usw.usw., alles Hobbies, die es in meinem Umfeld so gibt, aber zu denen ich mich nicht berufen fühle. :schulter:
    • Klar, Werbung schalten, ist der naheliegende, aber auch teure Weg. Aber nicht der einzig denkbare.

      Und genau darum geht es mir.

      Die unkonventionelleren, die originelleren Ideen.

      Gerade das Internet bietet - wenigstens in der Theorie - Möglichkeiten, die nichts kosten, aber eine große Reichweite entfalten können. Man denke mal an die Geschichte hinter Blair Witch Project. Okay, das ist jetzt ein extremes Beispiel, aber es geht mir mehr um die grundsätzliche Marschroute.

      Heute sehe ich wenig Bemühen, auch nur in Ansätzen die Möglichkeiten des Internets zu nutzen und sich etwas einfallen zu lassen.

      Es ist halt einfacher, das Internet als eine Art persönlicher Pinnwand zu betrachten und ansonsten die schlechten Bedingungen zu beklagen.

      Während auf der anderen Seite bei amazon-Angeboten nicht mal geringste Informationen zu einzelnen Produktionen erhältlich sind. Nicht mal eine kurze Inhaltsangabe.

      Und da wundert man sich, wenn die Verkaufszahlen mager bleiben?!
      Also ich nicht.

      Bei allem berechtigten Ärger hat der Trubel um Platin wenigstens gezeigt, dass Interesse durchaus noch steigerbar ist und dazu angetan, für einige Zeit einen gewissen Aufmerksamkeits-Hype zu generieren. Wenn dieser auch lokal begrenzt war.

      Dies müsste, so meine Annahme, bei richtiger Handhabung auch im größeren Maßstab möglich sein.

      Doch das erfordert den Mut, über den Tellerrand der eingefahrenen Denkstrukturen hinauszugehen, und jede Menge Originalität und Phantasie.

      Insofern, liebe Macher: Traut Euch, das Unmögliche zu denken!

      Menschen wie Göllner und Döring würde ich so etwas durchaus zutrauen. Ersterer als talentierter "Rampensau" könnte wohl allein über seine Persönlichkeit auf sich aufmerksam machen. Der Kerl hat Charisma - das sicher weit über uns Hörspiel-Fuzzis hinaus wirkt. =)
      (Btw: War er nicht gerade erst beim Schulz und Böhmermann-Podcast zu Gast? Das wäre ja etwas in der Richtung, die ich meine.)

      Und dass die neue Reihe von Contendo das Zeug zum breiten Interesse hätte, habe ich ja oben bereits geschrieben.
    • Dazu habe ich mir in der Vergangenheit schon oft die Finger wund geschrieben. Ich werde dazu gerne eine Zusammenfassung schreiben. Es gibtbauch wirklich schon sehr vieles was Label in der Vergangenheit probiert haben. Ich denke da zum Beispiel an die R&B, die wirklich viele Möglichkeiten ausprobiert haben.
      Leider habe ich Trainingslager und es fehlt mir etwas Zeit, aber bald kann ich dazu mehr schreiben. Auf alle Fälle ein Thema, das immer aktuell ist und auf Grund neuer Hörverhaltensweisen wie Streaming und Handy stets neue Optionen liefert.
      Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.

      Antoine de Saint-Exupery
    • Das Hörspiel ist bereits auf dem Weg aus der Nische. Dass die/wir Hörspielmacher davon so wenig mitkriegen, liegt mMn daran, dass den neuerschlossenen Markt alleine Audible abgrast. Dieses Hörerpublikum ist sich nur zu einem kleinen Anteil bewusst oder auch nur interessiert, dass es da eine CD- oder Download-Sammler-Klientel gibt, oder dass es auch Hörspiele via Spotify gibt. Sie werden auch nirgendwohin umschwenken, weil das, was sie suchen, über diesen Provider bereits abgedeckt wird.


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      #hoerspielproduzentengegensommerzeit
    • Sicherlich setzt Audible auch Standards, die nicht von jedem erfüllt werden können.
      Aber könnte es nicht auch eine Chance sein, dass sich der ein oder andere doch von Audible zu anderen Anbietern verirrt? Das Hörspiel-Programm ist ja nun noch nicht so unendlich reichhaltig, oder?

      Und könnte man als Macher nicht auch selbst versuchen, zu dieser Klientel vorzustoßen - irgendwie?
    • Hardenberg schrieb:

      Das Hörspiel-Programm ist ja nun noch nicht so unendlich reichhaltig, oder?
      Eben, ich finde gerade Audible hier gar kein gutes Beispiel für ein Vorwärtsbringen des Hörspiels.
      Dort haben die Käufer ja nicht unbedingt eine riesige Auswahl und werden im Zweifelsfall so auch nicht zu tatsächlichen Fans des Mediums.
      Ich sehe da entsprechend kein großes "auf dem Weg aus der Nische", wie denn auch?
      Das HörBUCH bekam/ bekommt durch Audible sicher großen Aufwind, aber das Hörspiel? Öh... :schulter:
    • Ich sehe es schon als sehr gutes Beispiel. Wir wollen Hörspiele aus der Nische bringen, also einem möglichst großen Käuferkreis schmackhaft machen, der bis jetzt noch keine Hörspiele gehört hat und/oder gemeint hat, dass Hörspiele was für Kinder aber nicht für Erwachsene ist. Audible hat ein sehr großes Publikum, dass zu einem sehr großen Teil aus Hörbuchliebhaber besteht. Nachdem nun Audible nun selbst Hörspiele selbst produziert und sie auch entsprechend bei seinen Abonnenten, die wie geschrieben meistens keine Hörspielliebhaber sind, bewirbt, könnte der eine oder andere Hörbuchfan nun auch beginnen Hörspiele zu hören. Und wenn er dies einmal macht und auf Grund der tollen Audible-Hörspiele auf den Geschmack gekommen ist, besteht eine große Chance, dass der geneigte Hörbuchliebhaber mit neu gewonnenen Faible für Hörspiele nun auch in andere Produktioben anderer Label/Verlage reinhört, noch dazu wo Audible ja auch eine Vielzahl von anderen aktuellen Hörspielen anderer Label in seinem Portfolio hat und somit auch enorm wichtig für andere Label und somit für die gesamte Branche ist.

      Also klares JA, Audible hat das Zeug das Hörspiel "mit" aus der Nische zu befördern. Aber ganz alleine wird es nicht gehen. Dazu müssen auch andere Labels mit sehr guten Hörspielen beitragen.
      Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.

      Antoine de Saint-Exupery
    • Markus G. schrieb:

      Also klares JA, Audible hat das Zeug das Hörspiel "mit" aus der Nische zu befördern. Aber ganz alleine wird es nicht gehen. Dazu müssen auch andere Labels mit sehr guten Hörspielen beitragen.
      Hm, ja, stimmt, wenn sie danach dann auch zu anderen Hörspielen greifen, hast Du wohl recht.
      Es führen viele Wege nach Rom.
      Und für den einen oder anderen sicher dann auch einer über Audible.
    • Das denke ich eigentlich auch. Audible könnte eine befruchtene Wirkung haben, gerade weil das Hörspiel-Programm begrenzt ist. Das aber kann sich ja in den nächsten Jahren ändern.

      Was ich nur nicht verstehe, ist die Passivität der kleinen Labels. Klar, bei DDF und Sinclair muss man nicht mehr groß die Werbetrommel rühren; das sind wohl Selbstläufer, aber bei den meisten anderen Reihen und Serien würde man sich sicher über den ein oder anderen zusätzlichen Hörer freuen.

      Aber bis auf wenige wie @Contendo oder @Interplanar wird einfach nicht offensiv Werbung betrieben - und selbst bei diesen wäre ja vielleicht noch weit mehr denkbar.

      Mir ist es unbegreiflich, dass man das Potential nicht voll ausschöpft, das das Internet bietet, sondern oft nicht mal Infos zu Inhalt und Sprecher von Hörspielen bei amazon oder pop.de vorliegen oder Veröffentlichungsdaten wochenlang geheim gehalten werden und dann kurz vor knapp beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden und auch darüber hinaus oft keine Kommunikation stattfindet - nicht mal über die eigenen facebook-Präsenzen, wenn da mal eine Frage gestellt wird.

      Mir erscheint das so passiv, und ich frage mich eben: Ist das Genügsamkeit oder Resignation?

      Ich begreife es nicht.
    • Um mal mit einzugreifen: Was wären denn die aus Eurer Sicht neuen Wege? Die Möglichkeiten des Internets?

      Einfach ist das ganz sicher nicht und manches scheitert einfach auch am Geld, dass man ausgeben müsste.

      Bei uns sind auch schon gewisse Planungen im Gange, um uns gut am Markt zu positionieren. Das tun wir z.B. durch unsere Live Auftritte, die ja regelmäßig stattfinden. Dazu kommen noch ein paar Gimmicks, die wir testen wollen. Ob das was bringt, wird sich zeigen.
      Ein Tag ohne Lächeln ist ein verschenkter Tag (Charles Chaplin)
      ansuess.de - dthoerspieler.com - brainflower.de
    • ansuess schrieb:

      Um mal mit einzugreifen: Was wären denn die aus Eurer Sicht neuen Wege? Die Möglichkeiten des Internets?

      Nun ja, nur weil ich die Frage aufwerfe, heißt das nicht, dass ich die ultimative Lösung parat hätte. :zwinker: Ich bin da auch viel zu wenig in der Materie drin - ganz einfach weil meine Sicht die eines Konsumenten ist.
      Ich denke mir nur: Wenn ich in Leidenschaft für die Hörspielproduktion entbrannt bin und dies schon so weit getrieben habe, dass ich die Teile fertig in Händen halte, dann wäre es mir auch ein großes Bedürfnis, sie mit allem zur Verfügung stehenden Mitteln zu pushen.

      Am naheliegendsten ist da wohl erstmal: die Kommunikation.

      Man meint, das wäre 'ne Binse, ist es aber gar nicht. Was tun denn die meisten Label aktiv, um ihre Reichweite zu erhöhen?

      Sie bringen ihre Hörspiele über die üblichen Vertriebswege auf den Markt und schreiben dazu, wenn es besonders gut läuft, eine kurze Info auf ihrer facebook-Präsenz. Und das war's dann oft schon.

      Aber schon da findet keine echte Kommunikation statt.
      Ich selbst bin bei facebook ja nicht aktiv, aber ich verfolge hin und wieder die öffentlich zugänglichen Präsenzen einiger Label. Auf eventuelle Fragen nicht einzugehen, ist, würde ich mal sagen, normal. Ähnlich verhält es sich mit Anfragen per Mail: Auch da habe ich schon sehr oft mitbekommen, dass man sich einem Dialog versagt.

      Was ja okay ist, wenn man dazu keine Lust hat.
      Aber ob das hilfreich ist hinsichtlich des Erfolgs, darf angezweifelt werden.

      Kommunikation ist für mich auch nicht unbedingt eine permanente Plauderei mit Fans, sondern ein sachbezogener Austausch über die Hörspiele, die der Macher produziert.

      Kommunikation vonseiten eines Machers ist für mich die Bereitstellung aller relevanten Informationen mitsamt der Bereitschaft, auf sachliche und interessierte Rückfragen einzugehen. (Wie es hier zB derzeit Contendo praktiziert.) Das muss nicht zwangsläufig in Foren geschehen, sondern kann auch auf die eigene Internetpräsenz begrenzt sein.

      Kommunikation ist für mich auch das Bemühen der Produktion, von sich aus Interesse für das Produkt zu wecken. Und nicht bloß divenhaft darauf zu warten, dass es an einen herangetragen wird. Ein offensives, aber eben nicht penetrantes Werben um Aufmerksamkeit ist für mich gelungene Kommunikation.

      Bei einer gelungenen Kommunikation muss ich mir als Freund einer Produktion nicht erst mühsam die Infos zusammensuchen, sondern sie werden von Macherseite mit dem möglichen Vorlauf bereitgestellt. (Wie bei Titania, die eine berechenbare und verlässliche Veröffentlichungspolitik etabliert haben und frühzeitig informieren.)

      Das alles ist für mich der erste Schritt. Und der entscheidende. Dem dann weitere folgen können.

      Doch mir scheint, schon daran hapert es oft gewaltig.

      Darüber hinaus sollte man vielleicht kreativ werden, um hervorzustechen. Contendo hat es ja vor kurzem erst in leisen Ansätzen vorgelebt, wie man es machen kann, indem sie einen Leuchtturm präsentierten und zum Spekulieren einluden. Das hat verfangen, wenn auch in kleinem Rahmen. Aber immerhin.

      Warum werden nicht öfters Trailer produziert, mit denen Hörspiele beworben werden. In denen versucht wird, Stimmung und Kern einer Serie, einer Reihe zu präsentieren auf eine audiovisuelle Weise?
      Es muss dies ja nicht immer mit Bombast geschehen, sollte aber natürlich schon einigermaßen professionell umgesetzt werden.

      Warum überlegt man sich nicht eine Präsentation, die noch findiger mit dem Medium Internet spielt. Eine Einladung zur Spekulation wie bei einer "Schnitzeljagd", bei der in Abständen zB bei youtube oder bei facebook kleine, aber originelle Hinweise gestreut werden, vielleicht sogar ein kleiner Preis ausgelobt wird für den, der den richtigen Riecher hat?

      Warum spielt man nicht mit den Realitätsebenen und mischt mittels audiovisueller Darstellung die Fiktion des beworbenen Werks mit der Gegenwart des Hörers, vergleichbar etwa mit der Blair Witch-Geschichte?

      Und das sind jetzt bloß ein paar spontane Gedanken. Viele mehr wären denkbar. Mit ein bisschen Phantasie.

      Warum stellt man sich als etablierter Macher zB nicht viel häufiger so etwas wie Frageboxen, bei denen die Interessierten die Möglichkeit haben, ein paar Fragen beantwortet zu bekommen?

      Wie gesagt:
      Es geht mir nicht darum, jemanden zu belehren. Ich möchte bloß hinterfragen und im besten Fall Gedanken anstoßen...

      Die Zurückhaltung einiger Macher, was das Bewerben der eigenen Produkte angeht, verstehe ich nicht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass viele Hörspielschmieden Ein- oder Zwei-Mann-Betriebe sind und da einfach die Kenntnis oder der Elan fehlt. Bei wirklich größeren Labeln gäbe es da wohl jemanden, der eigens dafür angestellt ist.

      BTW: Die gegenwärtig von Einzelnen praktizierte Methode, über negative Aufmerksamkeit die eigenen Produktionen in den Blickpunkt zu rücken, halte ich für weniger empfehlenswert, obwohl auch das sicherlich nicht völlig wirkungslos sein dürfte.
    • Interessantes Thema.

      Ich denke, dass es ein Hoerspiel oder auch Lesung prinzipiell schwer hat, da die Mehrheit von uns allen an Reizueberflutung leidet. Ich schliesse mich da ganz besonders mit ein. Wir koennen kaum irgendetwas machen, ohne nicht alle paar Minuten unsere Emails/Text zu checken. Oder Gold/Elixir bei Clash of Clans einzusammeln, oder hochintensive First-Person-Shooters auf der Xbox zu spielen. Das gibt unserem Gehirn eine absolute Reizueberflutung. Wenn ich mich dann einfach nur hinsetze und ein Hoerspiel hoere, dann fehlen vielen Leuten etwas. Das ist so als wenn man staendig massive visuelle und akustische Stuimmulation im 3D Kino mit Surround Sound hat und dann schaut man mit einmal einen schwarz weiss Film mit Mono-Sound. Es stimmuliert weniger Reize im Gehirn, egal wie genial die Story ist. Sich auf ein exklusives Audio-Abenteuer ohne visuelle Reize einzulassen, ist ein Schritt, der ein bisschen Ueberwindung und auch Arbeit verlangt. Wir als Kassettenkinder wurden schon in weniger reizueberflutetenden Zeiten an die "Droge" Hoerspiel herangefuehrt und wir wissen, wie wunderbar und erfuellend Hoerspiele sein koennen. Aber ich kann mir vorstellen, dass es fuer den Nachwuchs da heutzutage viel schwieriger ist. Aber auch ich hoere Hoerspiele nur selten als einzige Aktivitaet. Ich hoere Hoerspiele entweder beim Autofahren, beim buegeln, Kueche saubermachen, beim arbeiten in der Garage oder beim Computerspielen. Ich bin leider auch schon reizueberflutet.

      So, was kann man nun machen: Ich denke, dass Quer-Marketing sehr sinnvoll ist. Z.B. mit SF oder Super-Hero Hoerspielen zu einer Comicon oder andere Comic Messe gehen um Personen, die vom Inhalt schon mal das perfekte Publikum ist, dann auch fuer das Medium Hoerspiel aufzuwaermen. Ich glaube, dass Interplanar das mit Mark Brandis und Heliosphere schon macht.

      Ein anderes Punkt ist sicherlich eine andere Themenwelt, die andere Leute anspricht. Mit normalen Krimis oder Grusel wird man wohl keine neuen Kunden hervorlocken. Aber mit neuen Stoffen, wie es Audible macht, geht das schon. Aber das hat oft das Problem, dass die Vorlagen entweder sehr teuer sind (z.B. Harry Potter) oder ein risikobehaftetes Genre ist (z.B. Fantasy). Populaere Stoffe wie Star Wars oder das Jesus Video helfen mir zumindest, mit nicht-Hoerspiel-Freaks ueber Hoerspiele zu reden, da sie an der Thematik interessiert sind. Die Konvertierungsrate ist jedoch leider gering.

      Audible hilft auch, da sie Hoerspiele mit Lesungen in ihrem Abo mischen und damit werden Hoerer, die oft nur Lesungen hoeren, auch leicht an Hoerspiele herangefuehrt.

      Ich wuerde mir auch ein bisschen mehr Timing zu populaeren Kinofilmen wuenschen. Die Batman Hoerspielserie macht das gut, da mit Ben Affleck in den letzten Jahren wieder Batman im Kino ist, was das Interesse weckt. Aber zum Beispiel kommt im Oktober das neue Dan Brown Buch raus. Wo sind potentielle Verschwoerungstheorie oder Archaeologische Thriller? Das Jesus Video geht in diese Richtung aber ansonsten ist da nichts. Gutes Timing trifft einen Hoehepunkt an Interesse und koennte eine Welle von Aufmerksamkeit gut nutzen.

      Ich denke auch, dass erwachsene Themen helfen, das Hoerspiel weiter aus der Kinderkram Ecke herauszufuehren. Viele denken bei dem Wort "Hoerspiel" gleich wieder an Kinderkram.
    • @Hardenberg: es freut mich, dass Du Ideen gesammelt hast, wie Du es Dir vorstellst; eine Diskussion führt sich dann deutlich leichter. Was die Antworten angeht, kann ich natürlich nur qualifiziert über unsere eigenen Bemühungen auf diesem Feld berichten.

      Hardenberg schrieb:

      Warum werden nicht öfters Trailer produziert, mit denen Hörspiele beworben werden. In denen versucht wird, Stimmung und Kern einer Serie, einer Reihe zu präsentieren auf eine audiovisuelle Weise? Es muss dies ja nicht immer mit Bombast geschehen, sollte aber natürlich schon einigermaßen professionell umgesetzt werden.
      Ein Beispiel -- unser zweiter Trailer für die erste Folge: markbrandis.de/hoerspiel/BD7-TrailerII.mp3

      Diesen Typ Trailer haben wir für 21 der 23 Folgen Mark Brandis produziert. Die Resonanz auf jeweils neu veröffentlichte Trailer war aber leider nicht ermutigend -- sie war weder positiv, noch negativ; einfach nicht vorhanden. Vielleicht lag es an der Serie bzw. am Typ Hörer, den sie anzieht ... Mich würde interessieren: haben Hörer hier nach dem Hören eines Brandis-Trailers sich dafür entschieden, sich die Folge anzuhören, oder stand die Entscheidung dafür oder dagegen vorher schon?

      Hardenberg schrieb:

      Warum überlegt man sich nicht eine Präsentation, die noch findiger mit dem Medium Internet spielt. Eine Einladung zur Spekulation wie bei einer "Schnitzeljagd", bei der in Abständen zB bei youtube oder bei facebook kleine, aber originelle Hinweise gestreut werden, vielleicht sogar ein kleiner Preis ausgelobt wird für den, der den richtigen Riecher hat?
      Wir hatten Verschiedenes ausprobiert: von einem "Schickt uns ein Mini-Brandis-Hörspiel mit Original-Geräuschen und zwei Clips von Michael Lott"-Vorschlag über Gewinnspiele über Planetariums-Shows und einem Text-Adventure-Spiel mit Brandis-Story, dessen Lösewort man einschicken konnte. Letztendlich haben wir feststellen müssen, dass das Mitmachinteresse leider weit weniger groß ist, als wir uns das vorgestellt hatten. Wie das Label sagte: Ankündigung - Hörprobe - VÖ-Info. Das muss stehen. Die meisten brauchen nicht mehr, um glücklich zu sein und das Hörspiel ggf. weiterzuempfehlen.

      Hardenberg schrieb:

      Warum stellt man sich als etablierter Macher zB nicht viel häufiger so etwas wie Frageboxen, bei denen die Interessierten die Möglichkeit haben, ein paar Fragen beantwortet zu bekommen?
      Das tun ja einige Kollegen in den Foren und wir auch. Am Ehesten merkt man etwas davon, wenn es auch Fragen gibt. Wenn es keine Fragen gibt ... ist das dann ein Lob, ein Tadel oder sagt es einfach erst einmal gar nichts aus?


      MB @ Facebook
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    • Ich greife ein, zwei Punkte auf:

      Meine berufliche Erfahrung im Marketingbereich, aber auch meine Erfahrung hier im Forum beim Thema Gewinnspielen zeigt klar: Es ist sehr schwer, Menschen zu aufwendiger Aktivität zu bewegen, und aufwendig kann da schon sein: Mehr als 3 Felder ausfüllen oder mehr als 8 Sekunden auf einer Seite verweilen.
      Wir haben uns hier im Forum sehr viel Mühe mit interaktiven Gewinnspielen/Aktionen gegeben, doch die Resonanz war weit weg von dem, was wir uns erhofft hatten (nämlich Freude & Spaß bei gaaanz vielen Leuten :) ).
      Gründe gibt es dafür sicher viele, und etwas nicht annehmen/bei etwas nicht mitmachen heißt nicht, dass die Idee/das Produkt an sich negativ bewertet wird. Wenn kein gesteigertes Interesse oder auch Zeit vorhanden sind, wird man wenige(r) Menschen dazu bringen, sich einige Minuten Zeit für ein Gewinnspiel zu nehmen, auf mehreren Webseiten etwas nachzugucken, in regelmäßigem Turnus Infos zu verfolgen...
      Ich finde das schade, aber auch absolut müßig, es zu bewerten oder zu verurteilen. Wenn ein Hörspielhörer eben keine Lust hat, in Hörspielforen zu lesen oder 3 Klicks zu detaillierten Produktinformationen auf sich zu nehmen oder Trailer anzugucken etc...dann ist das so. Nützt doch nichts zu sagen: "Also, die paar Minuten wirst du doch wohl haben!" :besserwisser: Oder: "Wir haben uns aber sooo viel Mühe gegeben!" :aufstampf: Oder: Wenn DU uns nicht unterstützt, gibt es eben bald keine Hörspiele mehr! :schmoll: Oder oder oder... ^^ (Was nicht heißt, dass ich den Frust von Machern nicht nachvollziehen kann! :heul: )
      Die Marketingstrategen sind dann gefragt, Mittel und Wege zu finden, auch "faule"/zeitarme Kunden anzulocken. "Kaufe Hörspiel XY und erhalte ein iphone gratis" wäre sicher erfolgversprechend, aber nicht unbedingt zielführend fürs Label. ;) Für manche würde es vielleicht schon reichen, wenn es hieße"Actiongeladenes Audio-Adventure" statt spannendes Erwachsenen-Hörspiel. ;) "Hörspiel" ist, denke ich, für viele immer noch eine "Kindersache".
      Es gibt aber auch genug Hörbuch-Hörer, die nicht wissen, was ein Hörspiel ist. Und Hörbücher findet man mittlerweile an jeder 2. Tankstelle...

      Tja, ein Rezept habe ich leider auch nicht...sonst würde ich vielleicht selbst Hörspiele verkaufen. ;)


      Interplanar schrieb:

      Wenn es keine Fragen gibt ... ist das dann ein Lob, ein Tadel oder sagt es einfach erst einmal gar nichts aus?
      Ich tendiere zu letzterem :schulter:
      Nicht umsonst wird so viel Geld für Marktforschung ausgegeben. ;)
    • Wow, super, wie gehaltvoll hier der Austausch ist!

      @Interplanar

      Vielleicht hängt es auch immer damit zusammen, an wen bestimmte Aktionen sich richten. Ich denke man muss Aktionen, die sich an bereits Interessierte richten, trennen von den Aktionen, die erst Interesse wecken sollen.

      Wenn Du schreibst, auf die Trailer kam keine Resonanz, heißt das ja nun auch nicht zwangsläufig, dass sie nicht gut aufgenommen wurden. Vielleicht sahen viele einfach keine Notwendigkeit zur Kommentierung. Ich bin jetzt, wie ich leider gestehen muss, nicht so auf dem Laufenden, was Eure Präsenzen angeht, aber ich zB freue mich immer sehr auf und über die Neuankündigungen vom Gruselkabinett. Da ich aber facebook als eigenes Betätigungsfeld ablehne, kommt meine Freude über diesen Weg nie zu Gruppe und Bosenius. Meine Vorfreude poste ich dann hier. Wo die beiden es wahrscheinlich niemals mitbekommen werden. Sofern sie hier nicht lesen.

      Viele andere sind aber noch weitaus schreibfauler als ich und teilen ihre Vorfreude nicht mal in einem Forum mit. Das heißt aber nicht automatisch, dass es nicht doch wahrgenommen und auch positiv gesehen wird.
      (Hast Du in dieser Hinsicht keine Daten, die Aufschluss gäben, so etwas wie Klickzahlen zu den Trailern?)

      Gewinnst Du denn den Eindruck, dass diese Trailer gar nicht zur Kenntnis genommen werden, oder werden sie einfach "nur" nicht kommentiert?

      Aber abgesehen von den Trailern zu neuen Folgen einer laufenden Serie, die sich ja immer in erster Linie an Hörer richten, die eine Reihe bereits kennen und sie zum Kauf weiterer Folgen animieren soll, meinte ich aber eigentlich Trailer und Präsentationen, die sich an Leute richten, die die Serie noch überhaupt nicht kennen und im Zweifel nicht einmal wissen, was auf dem Hörspiel-Sektor überhaupt geht und was es da alles gibt, das vielleicht auch das eigene Interesse wecken könnte.

      Versuche, diese abgeschirmte Blase ehemaliger Kassettenkinder, die ihr Interesse vor zehn, zwanzig Jahren in all die Hörspielforen geführt hat, deren kläglicher Rest sie heute zum Teil darstellen, zu durchstoßen, um sich von diesem Dunstkreis des Gestrigen zu emanzipieren und neue Relevanz zu erlangen. Audible sehe ich da eigentlich als guten Weg, weil es das Medium eben nicht im Schatten der Europaklassiker pflegt, sondern ganz neu anpackt und denkt, als Äquivalent zu den großen TV-Serien, bei denen die Staffeln wie bei Monster1983 nicht mehr Folge für Folge, sondern auf einen Schlag veröffentlicht werden, was den Hör- und Sicherheitsbedürfnissen vieler Hörer wohl entsprechen dürfte und insofern im besten Sinne sexy ist.

      Diese befruchtende Wirkung dürfte Fluch und Segen zugleich sein. Einerseits schafft es Aufmerksamkeit und erhöht deutlich die Reichweite, andererseits setzt es vielleicht auch Standards.

      Viele werden sich vielleicht fragen: Warum soll ich mich auf das Wagnis einer folgenübergreifenden Serie mit unberechenbarem Veröffentlichungsmodus einlassen, wenn heutzutage ein Label wie Audible mir bei einer gleichwertigen Serie die gesamte Staffel in einem Rutsch anbietet. Bei vielen dürfte der Hörspiel-Groschen nur einmal ausgegeben werden, und im Zweifel dürfte da das Modell Audible mit seinem Abo-Service und gebündelten Werken einen guten Startvorteil haben.

      Was nicht heißt, dass dieser Riese nicht eine Belebung des Mediums bewirkt, von der letztlich alle profitieren.

      Nur - Anfänger dürften es langfristig wohl schwerer haben, vermute ich. Wer über Produktionen wie Macbeth oder Monster1983 an das Medium Hörspiel gerät, wird nur wenig Geduld mit mittlermäßigen Skripten, Laien-Sprechern und unausgegorener Produktion zeigen. Das führt das Hörspiel aus der Kuschelzone. Aber eben vielleicht auch in einen Bereich erhöhter Aufmerksamkeit. Schön wär's ja.

      Mich würde mal interessieren: Inwieweit bedenkt man als Hörspielmacher, wen man mit seinen Hörspielen zu erreichen gedenkt? Wie viele Gedanken macht man sich darum, wer eine Geschichte wie die, die ich zu erzählen gedenke, dann letztlich auch hören wird? Und wie genau sind die Überlegungen, wo diese potentiellen Hörer zu verorten und wie sie zu erreichen sind?

      Oder lässt man es einfach drauf ankommen und überlässt alles dem Zufall?

      Ich muss bei diesem Thema immer an mein Verhältnis zu Game of Thrones denken, einer TV-Serie, die in Deutschland ja nicht besonders offensiv beworben wird und wurde. Jahrelang kannte ich den Namen, wusste aus flüchtig gelesenen Artikeln, dass dies wohl eine sehr erfolgreiche Serie ist, aber da ich nun so überhaupt kein Fan von Fantasy bin und mir die Serie auch nie beim Zappen im TV begegnete, kam ich nie direkt mit ihr in Berührung.
      Bis ich irgendwann durch Zufall las, dass RTL2 eine Art GoT-Marathon veranstaltete und in kurzer Zeit alle bisher erschienen Folge nachts in kurzer Folge versendete.
      Da dachte ich mir: Jetzt will ich doch mal sehen, warum dieses doofe Fantasy-Ding als erfolgreichste und beste Serie ever gehandelt wird, und mit entsprechend negativer Erwartungshaltung schaute ich mir dann auch die ersten Folgen an. Und bin seitdem begeisterter Zuschauer! =)

      Was ich damit sagen will:
      Ich war nicht Zielgruppe dieser Serie, weil die oberflächlichen Rahmenbedingungen mich nicht ansprachen.
      Durch die kaum vorhandene Werbung war es ebenfalls nicht möglich, mich als Zuschauer zu erreichen.
      Und nicht mal der Sender, auf dem die Free-TV-Ausstrahlung erfolgte, machte eine Begegnung im Grunde wahrscheinlich, denn RTL2 steht bei mir im Ruch des Blöd-TV und ist auf einem der hinterletzten Programmplätze einprogrammiert.
      Es war allein Zufall, dass mich diese Serie erreichte, von der ich sonst nie erfahren und nicht einmal geglaubt hätte, dass sie mich überhaupt interessieren könnte.

      Und ähnlich mag es mit Hörspiel-Reihen und -Serien, vielleicht sogar mit dem gesamten Medium sein.

      Wenn ich potentielle Hörer erreiche und dann nicht überzeuge - okay.

      Fatal aber wäre es doch, wenn ich die, die es interessieren könnte, gar nicht erst erreiche...

      Das Durchbrechen dieser Blase scheint mir die Herausforderung zu sein.

      Doch wie kann das gelingen?
    • Ich glaube das Problem ist nicht wie man das Hörspiel aus der Nische bekommt, sondern wie man Nichtkäufer dazu animiert zu kaufen?
      Und auf letztere Frage habe ich null Antwort, wenn ich die Sache mal herumdrehe und auf mich beziehe:

      Ich habe null-komma-null Interesse an Computergames. Da kann von mir aus das geilste Spiel der Welt im Set mit der neuesten Playstation für zusammen 149,-€ erscheinen...Ich würde das Angebot trotzdem nicht kaufen. Eben weil ich kein Interesse habe.

      Das Interesse zu wecken, das ist die große Kunst, für die ich keine Antwort habe. Gibt es eine passende Antwort überhaupt jemals darauf?
    • Ich glaube, das dürfte auch wirklich sehr schwierig sein! Das ist ja wie jemanden, der Sport hasst, für Feldhockey begeistern zu wollen. =) (Und mir geht es ebenso wie Dir mit Games.)

      Mit der Nische wollte ich jedoch darauf hinweisen, dass das Interesse an guten Geschichten eigentlich in jedem Menschen vorhanden ist, es aber in der Hörspielversion von nur einer begrenzten Gruppe auch wirklich genutzt wird. Als Bücher, Filme, Serien und Hörbücher werden Geschichten jedoch nachgefragt wie blöde.

      Der Sprung vom einen Medium zum anderen scheint mir insofern nicht ganz so groß wie der Sprung von der Abneigung zur Neigung. :zwinker:

      Ich vermute:
      Das Hörspiel hat ein Imageproblem.
      Es hat ein Aufmerksamkeitsproblem.
      Und es hat vielleicht ein Inhaltsproblem.

      Aber das hatte in Teilen auch das Buch schon, wenn auch nicht in vergleichbarem Maße, (jedenfalls sagte man ihm das nach), das hatte die TV-Serie vor ihrem gegenwärtigen Boom, das hat wohl derzeit der Film ein Stückweit - und das früher als doch eher "öde" geltende Hörbuch ist heutzutage ja sogar regelrecht hip (kann man das heute noch sagen, ohne sich gleichzeitig als vollkommen oldschool zu outen?! :D ).

      Dem Hörspiel wohnt das Potential inne, ebenfalls zu einem neuen Trend zu werden, finde ich. Dazu aber müsste es aus der Nische raus.
    • Ich vermute nicht nur, sondern bin mir persönlich sicher (eigentlich auch eine Vermutung), daß das Hörspiel ein Imageproblem HAT!

      Dem Medium fehlt der "Coolnessfaktor". Selbst wenn ein Mädel mit 15 Jahren eigentlich gerne mal wieder ihre "alten" Bibi Blocksberg Kassetten hören würde, wird sie, wenn sie es öffentlich bei den Klassenkameradinnen Preis gibt, von denen mit Worten konfrontiert nach dem Motto "Waaaas? Du bist doch viel zu alt dafür! Spinnst du?"

      Ist ein Ausnahmebeispiel, gibt es aber sicherlich nicht selten.

      Mir kommt es sogar so vor, daß Kassettenkinder länger dem Hörspiel die Treue gehalten haben und noch mit 15 diese hörten.
      Heutzutage ist ein 12-jähriger schon Außenseiter, wenn er offenbart in seiner Freizeit noch Hörspiele zu hören anstelle Gangster-Rap.

      Ich glaube dem Hörspiel als solches war es in den 80ern sehr nützlich, daß es vom erwähnten "Coolnessfaktor" nicht so schnell abgelöst wurde und noch Teenager sich Kassetten schenken ließen, obwohl aus dem Kinderalter raus.

      Zumindest waren für mich die KNIGHT RIDER Hörspiele um Längen cooler als irgendwelche Kinofilme der damaligen Zeit.
    • Das ist sicher richtig, aber da die Pubertät sowieso eine Zeit des Wahnsinns ist, wäre ich sogar bereit, diese Klientel links liegen zu lassen. Die in der Breite einzufangen, dürfte wohl wirklich schwierig sein. =)

      Mir würde es ja schon reichen, wenn man das Hörspiel wieder für alle Erwachsenen zu einem interessanten und selbstverständlichen Medium machen würde. Zu etwas, von dem man mit Begeisterung berichtet - und dann auch Begeisterung entfacht.

      So etwas wie Macbeth hätte durchaus das Zeug dazu, würde ich sagen. Nicht bloß thematisch, sondern auch in der Opulenz und Qualität der Inszenierung. Oder auch das Gruselkabinett (mal abgesehen vielleicht von dem Titel).

      Aber dazu langt die Reichweite wohl eher nicht, wenigstens bei letzterem.